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23.7.1898 Erstes Blatt
 
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Samstag den 23. Juli

1898

Nr. 170

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Anrts- und Zlnzeigeblutt für den Kreis Giefzen

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

Nllk Anzeigrn-BermittlungSstkllen M In- unb WeMoebdl llrhmkn Anzeigen für den Gießener Anzeiger tnt^e»

eeebmt von Anzeigen |u der Nachmittag« für den (bM<fliben Lag erscheinenden Nummer bi« Serm. 10 Uhr

tcHetwt ltgtich eit Ausnahme de« Monlag«.

Die Gichener AOWitienßtttter «erden dem Anzeiger «schentlich viermal beigelegt.

JUtectien, rsped'tian enb Druckerei: K4» «r t. »r. 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 61.

Locales und Lrovinzielles.

Sieben, 22. Juli 1898.

Eröffnung der Lesehalle. Am Donnerstag Nachmittag SV, Uhr fanö in Gegenwart einer stattlichen Anzahl geladener Gäste die Eröffnung der Lesehalle am Seltersweg statt. Er­schienen waren al» Vertretung der Ttadt die Herren Ober­bürgermeister Gnauth und Beigeordneter Wolfs, sodann der leider in Kürze von unS scheidende Herr Provinzial- director Geheimerath Frhr. v. Gagern, die Vertreter der Innungen, der OrtsgewerbkvereinS, des Detatllisteuvereinß, der Sparkasse und Gewerbebank, sowie die Herren Stadt- baumeister S ch m a u d t und Dirrctor Bergen vom städtischen GaS- und Wasserwerk. Herr Professor vr. Frank begrüßte in einer kurzen Ansprache der Reihe nach die erschienenen Gaste, beleuchtete den Werdegang der dem Gemeinwohl dienen wollenden Einrichtung, sprach darauf der Stadt den Dank aus für alle dem Unternehmen erwiesene Förderung und knüpfte daran die Hoffnung, daß die Geladenen nach Kräften auf rechte Benutzung der Lesehalle hinwirken möchten. Hierauf dankte er namentlich den Gebern von Büchern usw. und wandte ssch schließlich mit Worten der Anerkennung an die einzelnen Borstandsmitglieder, die sich um da- Zustande­kommen der Lesehalle besonder- verdient gemacht haben. Daran schloß fich eine Besichtigung der Räume und Probe- beleuchtuug derselben, die nUgerndn Aeußeruugen der Be­friedigung über da» mit bescheidenen Mitteln und gutem Willen Geleistete hervorrief. In der Tbat muß man staunen darüber, was aus dem einstigen Thorhause geworden ist. Früher dazu bestimmt, zu nehmen, ist eS jetzt bereit, zu geben, und wir können unseren Mitbürgern nur empfehlen, sich von dieser vortheilhaftev Wandlung persönlich zu überzeugen. Die Räume sind praktisch und ansprechend ausgestattet. Recht» befindet fich da- Lesezimmer, link- der Au-leiheraum, der noch manche freie Wand bietet, daran weitere Spenden hoch­herziger Geber in Reih und Glied Aufstellung finden können. Wir verfehlen nicht, auch unsererseir- um wettere Förderung deS Unternehmens zu bitten und zu regem Gebrauch dieser mit so daukevSwerthem Etser geschaffenen Einrichtung auf- zufordero. Die L e s e h a l l e ist vorläufig geöffnet werktäglich von 6 bis 9 Uhr Abeud-, Sonntag- von 11 bis 1 Uhr vormittags, der Su-leiheraum Montag, Mittwoch, Freitag uud Sam-rag von 6 bi- 8 Uhr Abend-.

* Oeffeutliche LesehalleEissport. Der Vorstand de» EtSveretnS hat beschlossen, den zur Saison allwöchentlich regel­mäßig erscheinenden ,,Deutschen Eissport" (Fachzeitschrift für

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Juli. Nordlandreise. Mittwoch früh bestieg der Kaiser mir dem Gesolge den Dtgermuler Köllen. Da- klare schöne Wetter gewährt den vollen Genuß der großartigen Rundficht. Am Nachmittag nahm der Kaiser den Vortrag der Cabinette entgegen. Am Donnerstag wurde die Reise durch den Raffsund sortgeietzt.

Berlin, 21. Juli. Dem Vernehmen nach find im Retchs- amt de- Innern bezw. im ReichSgesundheitSamt die Dor- bareitungeu sür eine einheitliche Regelung der Ge­heimmittelfrage zu Ende geführt wordeu, fodaß binnen »arzem ein BundeSrath-beschluß zu erwarten steht, welcher den Klagen über die ungleichmäßige Behandlung dieser Frage in den verschiedenen Bundesstaaten Rechnung trägt. Die aus diese- Ziel gerichteten Bestrebungen datiren bekanntlich schon »leie Jahre zurück. Sie scheitern io der Hauptsache immer «lebet an der Schwierigkeit, eine für alle Falle zutreffend: unb nach jeder Richtung hin befriedigende Erklärung bei Begriff-Geheimmittel" zu geben. Seit ein paar Jahren jtnb die bi- dahin auch ill den einzelnen preußischen Provinzen bestehenden Verschiebenhetten in der Behandlung der Sache beseitigt. Die zwischen den einzelnen Bundesstaaten ge> pHogeoeu Unterhandlungen haben zwar auch jetzt noch nicht zv einer al- allgemein giltig anerkannten Begriffserkläruog des WortesGeheimmittel" geführt, sodaß es der Recht- s^rechuug überlassen bleiben dürfte, die Frage, ob ein Mittel wls Geheimmittel anzusehen ist ober nicht, von Fall zu Fall |U entscheiden, inbessen ist doch eine übereinstimmende rügemeine Auffassung darüber augebahut, unter welchen Voraussetzungen ein Mittel als Geheimmittel angesehen «erben soll. **.

Berlin, 21. Juli. Ein russisches Urtheil über die deusche Cavalierie. DerGrashdanin" erhält von einem russischen Cavallerie-Osfizier einen Artikel, in dem die Bewunderung der deutschen Cavallerie einen Hauptbestand- dheil bildet. Er sagt u. A.:Ohne dabei gewesen zu sein, Emn man fich keine Vorstellung machen, bis zu welcher Voll- c-mmenheit und Jongleurgewandtheit die Laozenübungen in Sen Eavallerie-Regimenteru unseres nächsten Nachbar- gelangt |nb. Der deutsche Cavallerist und die Lanze da- ist rin Danze». Sitzt der Mann einmal zu Pferd, so muß in seiner Liechten die Lanze sich befinden,- das ganze Manegereiteo, ob »nzelu oder gemeinsam, alle Au»rttte der preußischen Kavallerie geschehen nie anders als mit der Lanze in der «Hand. Die deutsche Lanze besteht au- einem mit Papier- machs gefüllten Stahlschaft, waS einerseits eine wirksame Abwehr der Säbelhiebe möglich macht, andererseits die un- gemeine Leichtigkeit io der Handhabung erklärt. Kaiser Wilhelm hat seine ganze Ausmerksamkeit der Entwickelung Btt Cavallerie zugewandt,- gegenwärtig legen Cavallerie- 'Abtheilungen in ununterbrochenem Galopp eine Strecke von »sechs Werst zurück, woran vor einigen Jahren Niemand auch :nur zu glauben fich entschloß. Dem rusfischen Offizier ge­ilen, nach demGrashbanin", die Pferde der deutschen Kavallerie außerordentlich gut. Ein Hauptgewicht legt sein Newährsmann auf den auffallend gleichalterigen Typus der Pferde.Wohl bedurfte es zur Erreichung dieses schwierigen Lrgebuiffes nahezu 17 Jahre, während welcher Zeit in Preußen verschiedine StaatSgefiüte angestrengt, systematisch, Schritt vor Schritt, vorgtogeu, aber dafür muß man auch zesteheu, daß daS System der Deutschenlangsam" und sicher diedeutsche" Cavallerie dahin gebracht hat, daß sie hinfort auf einem starken, ausdauernden, fußfesteu Pferde sttzen wird."

ArrsUnrd.

Madrid, 21. Juli. Angesicht- der gebesserten Lage auf bea Philippinen ertheiltr die Regierung den Generalen klugustiu und Rio- die Erwächtignng zur Gewährung weit- ,'hendstcr Reformen. Auch eine Reorganisation deS schnelleren Nachrichtendienstes zwischen Manila und Hongkong ist in» üuge gefaßt.

Washington, 21. Juli. Die Blättermelduog, daß General Riles um die Erlaubniß gebeten habe, mit seinen Truppen rach der Einnahme von Portorico nach Spanien etorücken zu dürfen, wird im weißen Hause al- lächerliche Erfindung be­zeichnet. Die Expedition nach Portorico wird Mitte nächsten Ronats erfolgen.

New-York, 21. Juli.Jetzt erwarte ich keine Friedens- Vorschläge von Spanien mehr, bis Havanna gefallen ist , hat Mac Kinley zu einem Senator gesagt,- General MileS bittet um die Ermächtigung, seine siegreichen Truppen nach

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die Interessen deS Eissports) der öffentlichen Lesehalle zu überlassen, umso, seinen Mitgliedern sowohl, als auch anderen Interessenten die Fachzeitschrift zugängtg zu machen. Die sämmtlichen Exemplare früherer Jahrgänge liegen ebenfalls in der Lesehalle zum Nachschlagen auf. Ein Beschluß, der auch anderen Bereinigungen zur Nachahmung empföhle« werden kann.

* * Kromer Loncert am Sonntag den 24. Juli, Abends 8 Uhr. Ein neuester äußerst günstiger Bericht geht un» soeben aus Achern zu- auch dieser beweist, daß daS Sextett vor­züglich ist: Ein schöner Kunstgenuß ward gestern unserer in dieser Hinsicht etwa- vernachlässigten Stadt zu Theil. Das Stuttgarter Hofsänger-Sextett unter Leitung des königl. HofoperusängerS Herrn C. Kromer gab in derRathskeller- halle" ein Cvncerr, dessen Aussührung den ausgezeichneten Ruf, der dem Sextett vorau»ging, voll und ganz rechtfertigte. Der Dortrog jeder einzelnen Piöce ließ eine feine Schule, gepaart mit großem Berständuiß und herrlichem Stimm- material, erkennen. Besonders hervorgehoben zu werden der- dient eine Compofitiou Kromers:Mein letzt gut Nacht", wie auch ein al- da capo gesungenes schnurriges Liedchen: Hott,!" Den zahlreichen Besuch, wie auch den aus- giebig gespendeten Beisall haben die Sänger mit vollem Recht verdient und dürsen dieselben bei einem späteren Loncert der sreundlichsten Aufnahme bei dem hiesigen Publikum ver­sichert sein.

Hohe Auszeichnung. Unserem Landsmanne, dem Hof- opernsänger Buff-Gießen wurde die seltene Auszeichnung zu Theil, in Anerkennung seiner echt künstlerischen Leistungen von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzoge von Sachsen-Weimar, gelegeutlich befftn 80. GLbttttStageS mit der Goldenen Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft bedacht zu werden. Diese Nachricht wird jedem Gießener zur Freude gereichen. DerRh. Kurier" meldet über Buff, daß derselbe vor einigen Wochen in Wiesbaden in derweißen Dame" mit ausgezeichnetem Erfolge gastirte bei Gelegenheit des S. C. Festes daselbst, sowie daß er mit Generalmusikdtrector Laßen und andern Künstlern in Geisenheim für daS dortige KlankenhauS ein WohlthätigkeitSconcert veranstaltete und auch hier reiche Lorbeeren erntete. Herr Buff, welcher seither dem Verbände der Wiener Hosoper angehörte, fiedelt Erde August 1. I. nach Dresden über, wo er an der Dresdener Hosoper vom September l. I. ab engagirr ist.

Diejenigen Studirenden bei Finanz- und des Forst' faches, weiche fich zu Anfang deS nächsten Semesters der Vorprüfung ober der Facbp üsung zu unterziehen beabfich- eigen, haben spätestens Freitag den 14. Oktober bei dem Vorfitzenden der cameralistischen PrüsungS - Cowmisfion, vr. Laspehre« in Gießen, ein Gesuch um Zulassung einzureichen. Dem Gesuche find die ersorderlichen Belege beizufügen. Die einzelnen Termine sür die schriftliche unb die mündliche Prüfung werden durch Anschlag im Universität»- gebände zu Gießen bekannt gemacht. Die schriftliche Vor­prüfung beginnt Montag den 17. October.

AnS dem Verwaltungsdienst. DieN. H. VolkSbl." schreiben: Die Thatfache, daß Herr Geh. RegterungSrath Haas zu Offenbach bei den jüngsten Personaiveränderungen in den hohen Verwaltungsämtern nicht betheiligt ist, hat zu mannigfachen Gerüchten unb Erörterungen Anlaß gegeben, welche auch ihren Weg in die Presse fanden, aber größten- theil» nicht das Richtige treffen. So wußte der hiesige Correspondent eine» auswärtigen Blatte» zu melden, daß Herr Haas wegen seiner bekannten, in der Zweiten Kammer gehaltenen Ansprache zur Erinnerung au die vor 50 Jahren stattgefundene Eröffnung deS deutschen Parlaments, in welcher der Redner den Passu» gebrauchte:De» Volke» Wille ist daS oberste Gesetz", in Ungnade gefallen unb deßhalb bei den Beförderungen nicht berücksichtigt worden sei, woraus er nundie Consequenz ziehe" und ans dem Staatsdienste aus- treten wolle. Da» trifft nun hier Alle» nicht zu. Wie wir nämlich an« zuverläsfigrr Quelle erfahren, ist Herrn Haa», wie bereit» früher, auch neuerdmgS wieder der Eintritt in da» Ministerium nahegelegt worden unb auch die Beförderung zum Provinzialbirector von Oberhessen wäre Herrn Haa» wohl sicher gewesen, wenn er fich ernstlich darum beworben hätte. Eine Veränderung seiner gegenwärtigen Stellung hätte ihn aber vorau»fichtlich genöthigt, die Stelle de» General­anwatt» des Verbandes der landwtrthschastlichen Genossen- schasten auszngeben und auf seine parlamentarische Thätigkett ganz ober mindesten» theilweise zu verzichten. DaS lag jedoch nicht in der Absicht des Herrn Haas, deßhalb wollte er in Offenbach bleiben, und yolenti non fit injuria. Da es so der Wunsch des Herrn Haas war, kann von einerZurück-

der Eiobernng von Portorico nach Spanien sühren zu dürsen, und die New Yorker DienStagSblätter geben ganz offen zu, die Vorbereitungen für Portorico und Spanien würden mit solcher Hast betrieben, weil man rasche Ersolge noch erzielen will, ede da» erste amtliche Wort vom Frieden gebrochen wird. In Madrid wird nach einer Aeußerung des General- capitän» von Madrid, Chinchilla, wie sich dieMorutng Post" telegraphiren läßt, zwar wirklich am Frieden gearbeitet und sogar eine CabiuetSfrage daraus gemacht- angeblich wird Sagasta, wenn seine Bemühungen nicht in wenigen Tagen einen ehrenvollen Frieden ermöglichen, sein Entlassung nehmen und dem Herzog von Almodovar daS dornenvolle Amt eine» spanischen Premiers vererben. Aber was werden alle An­strengungen der Madrider Regierung nützen, wenn die Amerikaner von vornherein entschlossen find, den Spaniern unannehmbare Bedingungen zu stellen und firti aus keinen Frieden einznlassen? Bor Kurzem, al» da» Auftreten de» gelben Fiebers den hochgtmuthen^ Unternehmungsgeist des Kriegsdepartements doch etwas gelähmt hatte, hätte man in Washington ohne Zweifel gern ein Friedensangebot Spaniens erörtert. Jetzt ist mit dem Falle Santiagos die Hauptsorge von den verantwortlichen Männern genommen - dem Fieber glaubt man genügend zu begegnen, wenn man die Truppen einstweilen in die gesundem Höhen der Sierra Maestro schafft und zu ihrem ErsatzNegerregimenter au» den Südstaatenaufbringt, und so kann e» dennlustigweitergehen. Zunächst gilt eSBergeltungzunehmen an einigen widerspenstigen Orten. GuavtLnamo und Caimanera, wo die Landung-truppen des Obersten Huntingdon nach arger Bedrängniß wieder zurückgezogen werden mußten, werden ge­nommen. Manzanillo, dessen kleine Kanonenboote einen Kreuzerangriff der Amerikaner zurückgt'chlagen hoi'ev und \ Santa Cruz werden von Neuem, bis jrtzt mit nicht viel besserem I Erfolg, beschossen. Die anderen zahlreichen Häfen, die ner- geblich bombardirt worden find, wie MatanzaS, Cardmas, Nnevitas, werden wohl demnächst drankommen, bi» der große Strafzug gegen Sau Juan de Puerto R co beginnen kann, der da- Vorspiel zur Einnahme von Havanna werden soll.