Ausgabe 
23.6.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 144 Zweites Blatt.

Donnerstag den 23. Juni

trf^etni tägNch »h Ausnahme deS Montags.

Die Gießener W«m1kte«StLtter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigrlegt.

Gießener Anzeiger

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General-Anzeiger

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Umtiid?cr Lhcil

empfehle ich die Anschaffung derselben den Herren Landwirtheu | eine schwüle Stimmung herrscht seitdem in dem vereinigten

daher recht dringend.

Königreiche. Dazu kam, daß die Regierung schon seit geraumer

ichnüttigs 5 Uhr,

diaelbit zu haben.

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Feuilleton.

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jivraten.

Früh huiB au- dh hatte

um 6 Uhr, eS war noch dunkel, klopfte mich den Federn, um 7 Uhr trat die Waschfrau an. alle Hände voll zu thun, um die Kinder fertig und da» Frühstück herzurichten. Mein Mann be-

Redactton, Expeditton und Dniderei:

-chntstrage Nr. 7.

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Lauback, den 14. Juni 1898.

Der Präsident de» landw. Verein» für die Provinz Oberhrffev.

Friedrich Graf zu SolmS-Laubach.

Zeit keine feste Mehrheit bet der Volksvertretung hat, daß da» Cabtnet de» Marchese di Rudlui nicht mehr da» Ver­trauen de» Parlament» genoß. Rudini hat während seiner letzten Miuisterpräfidentschaft viel experimeuttrt - dreimal ist er im Laufe dieser Zett mit der Neubildung de» Cabtnet» betraut worden. Al» er im März 1896 die Erbschaft CrtSpt» autrat, da kam ihm ganz Italien mit großer Zuversicht entgegen und seine ersten Maßnahmen fanden den Beifall de» Laude». Zu seinen hauptsächlichsten Verdiensten gehört jedenfalls die Regelung der erhthräischen Verhältnisse, sein FrtedevSschluß mit dem König Meueltk und die dadurch bewirkte Auslieferung der italienischen Gefangenen. Dazu tritt noch der Verzicht auf Kaffala, dessen Besetzung seiner Zeit im Interesse England» erfolgt war. In dem rxpontrteu Kaffala wären die Italiener unausgesetzt Zwtschensällen mit den Derwischen ausgesetzt gewesen, und eine erhebliche Truppen­macht hätte dort statiooirt bleiben müssen. Da» Cabtnet Rudint beschloß deshalb in Cousequeuz seiner vorgezetchneten Colovialpolittk die Räumung KaffalaS, welches von den englisch ägyptischen Truppen besetzt wurde. Im Wetteren hat sich Rudint noch um die Consoltdirung der italienischen Finanzen verdient gemacht, aber damit find feine Leistungen auch erschöpft. Insbesondere hat er, wie wir bereit« früher auSgeführt haben, die in seinem Programm gegebenen Ver­sprechungen auf innerpolitischem Gebiete in keiner Weise erfüllt. Dieselben bezogen sich bekanntlich auf dir Besserung der socialen Verhältnisse der Arbeiterklasse durch Inangriff­nahme größerer StaatSbauteu usw.

Unter die Erperimente, welche Rudint anstellte, um sich am Ruder zu erhalten, zählt auch sein Liebäugeln mit den Radtcaleu, die Berufung de» Führer» der letzteren, Zanardellt, in» Cabinet. Rudint hatte sich hiervon die Unterstützung der radicalen Gruppe im Abgeordoetenhaufe versprochen, aber damit eine arge Enttäuschung erfahren. Die Radtcaleu ver­weigerten ihrem Führer die Heerfolge und dieser vermochte nach seiner politischen Vergangenheit den reaetionäcen Maß­nahmen Rudint» seine Zustimmung nicht zu geben, weShalb rS bald zu heftigen Differenzen im Mtutfterrath kam, die Rudint veranlaßten, eine Reconstrutrung seine» Cabtnet» vorzuuehmeu, au» dem natürlich Zanardellt auStrat und zur Opposition überging, wobei sich seine früheren Anhänger wieder um ihn schaarten.

Am 1. Juni hatte da» letzte Ministerium Rudini seine

Adrefle für Depeschen: Anzeiger Otegß«.

Fernsprecher Rr. 51.

Die italienische Ministerkrifis.

Italien ist im Laufe diese» Jahre» bereit» der Schau­platz von Eretgntffen gewesen, welche auch im Au»lande insofern Aufmerksamkeit erregten, al» sie geeignet waren, die jetzige italienische RegterungSform starken Schwankungen au»- zusetzen.

Die republikanische Partei Oberitalieo» hatte bekanntlich in Verbindung mit den Socialtsten die wegen ver Theuerung erregte Stimmung benutzt, um eine Revolte in» Werk zu setzen mit Plünderung und Barrtkadenbau. Der Plan, von Mailand au» eine republikanische Erhebung heroorzurufeu, war freilich mißglückt, aber Hunderte von Tobten und Ver­wundeten hat die Unterdrückung de» Aufruhr» gekostet, und

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-1415.) «Maa

Jl» 1898, eo«T*!

Von Lina Fabian.

(Schluß.)

Der große Waschtag war gekommen. Schoo am Abend du her hatte Anna den Keffel gehetzt und die Wäsche etngeweicht. Sie hatte eine ganze Waggonladung von Brennmaterial nach km Boden geschleppt, da- genügt hätte, um drei Ochsen

bodeo, um Zeugen der historischen Vorgänge dort oben zu sein. Fünf Minuten la» ich au» einem Märcheobuche vor, fünf Minuten spielte ich Eisenbahn, fünf Minuten ließ ich die Puppe schlafen und wieder wach werden, fünf Minuten setzte ich Beide in den Schaukelstuhl.

Nun, Kinder/ fragte ich, um nur mal einen Augenblick Ruhe zu haben,wollt Ihr sonst noch wa»?"

Jo, Mutti," riefen Beide wie aus einem Munde, wir wollen rauf zu Avna'n nach dem Waschboden."

Inzwischen war ich ein weiblicher Käperuick stet» im Schnelllauf geblieben den Corrtdor entlang nach der Thüre. E» klingelte: der Bäckerjunge, die Zeitungsfrau, der Briefträger, der Geldbriesträger, der Steuererheber, der Kohlenmann, der Packetbesteller, der Rohrpostbriefträger, ein Haufirer, ein Colporteur, ein Bettler .... Ich glich einem gehetzten Reh und hatte sogar die Zeitung noch nicht einmal gelesen.

Nun mußte ich daS Frühstück fertig machen und im Anschluß daran daS Mittagessen kochen. Dann kam mein Manu zu Tisch, der aufs Neue weidlich auf die widerwärtige Wascherei schimpfte. Schließlich ging» an» Kaffeekochen und endlich au die Beßperstullen. Al» hierauf Anna und die Waschfrau nochmals den Weg nach dem Boden antraten, waren die Kinder nicht mehr zu halten, sie mußten mit.

Gegen Abend beschloß ich, selbst mal hinaufzustetgeu, um zu sehen, wie weit denn die Sache vorgeschritten sei. Al» ich die Thür zum Waschboden öffaete, prallte ich entsetzt zurück: ein furchtbarer Dampfbrodem quoll mir entgegen. Al» ich mich etwa» daran gewöhnt hatte, riSktrte ich es, ein- zutreten. Ein durchdringend scharfer Geruch verursachte mir Hustenreiz, die Temperatur war dieselbe wie tu den Staat»- gefängntffeu unter den vleidächrrn deS venetiauischen Dogen- palaste». Die Kinder plätscherten vergnügt in dem Seifen- schäum herum, sie sahen au», wie au» dem Wasser gezogen. Ja einer halben Stunde seien sie fertig, erklärte die Wasch­frau, und al» ich die Kinder mit Roth und Mühe so wett

Bekanntmachung.

betreffend: Die Oberhesfischen Herdbücher.

Ich gebe hiermit den Viehzüchtern der Provinz und Imsttgen Jntereffeuten bekannt, daß die für da» Vogelsberger mir Simmenthaler Vieh angelegten Herdbücher nunmehr im Druck erschienen find und zum Preise von 1 Mark 50 Pfg. si» Exemplar sür Simmenthaler und 1 Mk. für Bogels- iuger durch die Geschäftsstelle des ProvtuzialveretuS, die Liieetoreu der laadwirthschaftltcheu Beztrksveretne und die iitieffendeu Zachtvereine bezogen werden können. Da» Limmenthaler Herdbuch kann auch dtrect vom Verleger: ftmn E. Roth in Gießen oder jede Buchhandlung bezogen «eben.

Die Herdbücher enthalten ein Verzetchniß der seit Früh- jlh» 1897 angekörtea Thtere beider Raffen nebst einem e'p sabetischen Berzeichniß der Besitzer rc. Sie dürften alS Iluchschlagebücher für Züchter bald unentbehrlich sein und

»di klingelte nach dem Mädchen.

Anna ist mit auf dem Waschbodeu, Du weißt doch, llib; wir heute große Wäsche haben," erklärte ich ihm.

Da hast Du wohl den Thee hergeftellt?" fragte er.

Na, an dem wirft Du doch hoffentlich nichts au»- i|i|qen haben," antwortete ich,er schmeckt doch ganz gut," ... . und todeSmuthig nahm ich Schluck um Schluck.

Er schmeckt so schön daß ich ins CafS gehen werde," lallte er.Da» ist 'ne Wirthschaft, mit den Retnewache- Iham tst'S noch nicht genug, jetzt schleppst Du wir noch die ikMweiber in» Hau» da kann ich ja gleich imGoldenen : IfciEnr" wohnen bleiben."

Ja sehr übler Laune trat er den Weg inS Bureau au, :mb auch ich befand mich in einer ketoe»weg» rosigen 'ikltmmung- ich hatte die Theeblätter zwar aus der Büchse lllacmmen, aber vergessen, sie in de« Kessel zu werfen, iiiin ja, die Eile, die große Wäsche . . .

Jetzt hieß, die Kinder zu unterhalten. DaS war Hin nicht leicht, denn sie wollten auch hinauf nach dem Wasch-

|i nachen . ,

! fistete, der Thee schmecke wie gelblich gefärbte» laue» Wasser

Bekanntmachung.

Betreffend daS Radfahren auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen.

Wir machen die Interessenten darauf aufmerksam, daß da» Radfahren auf den von der Lahnstraße nach den Bade­anstalten führenden Fußwegen verboten ist.

Zuwiderhandlungen werden zur Anzeige gebracht.

Gießen, den 21. Juni 1898.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betreffend die Reinhaltung der Ort»straßen.

Unter Bezugnahme auf § 3 des Local Reglement» vom 10. November 1879 fordern wir die HauSetgenthümer hier­durch auf, bet heißer, trockener Witterung die vor ihren Häusern belegeneu Banketts täglich zweimal und zwar Mor­gen» zwischen 6 bis 8 Uhr und Mittag» zwischen 12 bis 2 Uhr mit reinem Waffer zu begießen.

Gießen, den 21. Juni 1898.

Großherzogltche» Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.

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Gießen, 20. Juni 1898.

Betr.: Fouragebedarf bet dem Königlichen Proviantamt Hanau.

Das Großherzogliche KreiSamt Gießeu

* bi- ®wW. ivürK-rm-iy-r-t-r, M Kreis--.

DaS Königliche Proviantamt zu Hanau kauft dtrect von kEsducenten, also ohne Zwischenhändler, gute» Pferdeheu uud jr-audeS Roggenflsg-lstroh ans. Lieferung kann täglich, aber im bet gutem Wetter erfolgen.

Sie wollen die Jntereffeuten in Ihren Gemetuden hier- imh entsprechend bedeuten,

v. Gagern.

gekriegt hatte, daß sie mit heruutergingen, mußte ich sie vollständig umziehen. Während dieser angenehmen Beschäf­tigung kliugelte der Austräger der Abendzeitung, fragte ein Herr, ob hier nicht Fräulein Lehmann wohne, und zuletzt kam das Dienstmädchen der Frau Rath und fragte, ob ich nicht mit der Frau Rath nach dem Operuhause gehen wolle, sie habe schon BilletS besorgt. Ich lehnte schweren Herzen» ab und ging daran, da» Abendeffen zu bereiten.

Nach etwa zwet Stunden kamen die beiden Wäscherinnen vom Boden. Ich bezahlte die Waschfrau und al» sie gegangen war, fragte ich Anna:Nun, ist denn die Wäsche hübsch weiß geworden?"

Ja," antwortete die, sie wird wohl . . . Chlor hat die Müllern wenigsten» genug genommen."

Chlor?" fragte ich erschrocken.

Na gewiß," bestätigte Anna,den hatte die Waschfrau in einer Düte mitgebracht,ne Hand voll Chlor, sagte sie, schafft mehr wie zehn Pfund jrüne Seefe. Aber 'n heimttckische» Zeig» i» bet, jedes Körnel frißt ordentlich ein Loch . . . dann mit der ueteu Rtugmaschine da muß'a Kaopf oder so wa» tu' Oberhemd gewesen sein, als da» durchgequetscht wurde, platzte die obere Gummtwalze quer mitten eouzwet. Ueberhaupt diese Ringmaschtne . . . durch» Auschrauben kriegte die Wanne so 'n Uebergewicht . . . bet'S Drehen nun schoß sie Kobolz, und al» sie unten ankam, wurde ihrne Daube eiujedrückt. Der Drehgriff der Riug- maschine steht auch ein jauze» Ende schief . . Der Waschkeffel hat auchnen Knox, in'u Boden find mehrere kleine Löcher. Da» käme von'» heftige Hetzen," sagte die Waschfrau. Sonst aber t» alle» janz jut jegangen."

Acht Tage später schrieb ich demDampf- waschmauo", daß er von nächster Woche an die Wäsche wieder bet un» abholen solle, genau so tote srüher. Ich hatte gerade genug von unserer erstengroßen Wäsche".

Bg:

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Bekanntmachung,

betreffend: Dte Unterhaltung der KretSstraßen.

Wir bringen hierdurch den FuhrwerkSbefitzern zur tinntniß, daß sich auf der Kret»straße LtchHungen m Mittwoch den 22. ds. Mt». ab zwei Dampfstraßeuwalzen '] in Thätigkeit befinden.

[Gießen, den 21. Juni 1898.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

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