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23.3.1898 Erstes Blatt
 
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Wr 69 Erstes Blatt. Mittwoch dm 2». März«SOS

ftf4eint täglich mit Ausnahme bei Montags.

Die Gießener y«mUien6f6tter werben dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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2 Mart W Psg. monatlich 75 Pfg. mit vrirchrrtohm

Bei Poftbezug Mark 50 Pfg. terteljährlich.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bc* felgtnbcn Tag erscheinenden Nummer bi- Norm. 10 Uhr.

General-Anzeiger

Alle Anzetgen'BerinittlungSstellen 1 In« und Auslandes nehmen "lnzeigen für en Gicßener Anzeiger itgegeu.

Anrts- unfc JlnjeigeWatt für bat Tireis Gieren»

Gratisbeilage: Gießener Familienblatter.

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Zum Bezug desGiehener Anzeige^ für das 2. Vierteljahr 1898 laden wir hiermit ergebcnst ein. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten zuverlässiger telegraphischer Nachrich en- Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch umsichtige Berichterstatter in allen Orten Oberhessens und in den bedeutenden Städten der anderen hessischen Provinzen, ist der Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge innerhalb unseres engeren Vaterlandes und der Nachbargebiete so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, des­gleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berück­sichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Kunst und Wissenschaft, Litteratur, Hausnirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein ge ücgenes Feuille­ton wird neben besonderen Arnkeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten ünterhaltungsstoff bieten. DieMetzener Familienblütter" werden dem Anzeiger wöchentlich 4 rn a l (Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags) beigelegt und neben den Erzählungen, Romanen und Novellen beliebter Schriftsteller anziehenden Unter­haltungsstoff aus dem Gebiete des Familienlebens und der Hauswirthschast bringen, und somit namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. April den Anzeiger kostenfrei zu­gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postftei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements­betrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht aus­drückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtungsvoll

Verlag desGießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch u. Stemdruckerei (Pietsch & Scheyda)._________

Deutscher Reichstag*

66. Sitzung vom Montag den 21. März 1898.

Das Haus ist überaus schwach besetzt. Aus der Tage-, orduung stehen sämmtliche tu der zweiten Lesung noch zu er­ledigenden Etatsreste.

Beim RetchSamt des Innern ist noch rückständig der Titel für den Bau eines PrästdtalgebäudeS für den Reichs­tag. Der Titel wird bewilligt.

Zum Etat veS allgemeinen PenstouSfondS beantragt die Commission eine Resolution, den Reichskanzler zu ersuchen, über die Gründe der auffallenden Zunahme und Ungleichheit der in den einzelnen Coutiugenten gewahrten Invaliden- Pensionen dem Reichstage eine nähere Darlegung zugehen zu laffeu.

Geuerallieutevaot v. Die bahn sagt die erwünschten Auskünfte zu, desgleichen der sächsische Bevollmächtigte Graf Vitzthum. Die Resolution wird angenommen.

Zam Etat deS JavalidenfondS beantragt die Commsfion eine Resolution bett, einen Rachiragsetat, um allen nach dem Gesetz von 1895 als Anwärter anerkannten Beterauev die Beihilfe von 120 Mk. zu gewähren.

Abg. Graf Ortola (nl.) beantragt eine weitere Reso­lution betr. Vorlegung eines Gesetzes behufs Entschädigung für Nichtbenutzung deS CioilversorgungSscheineS und Belassung der vollen Mtlitäcp-nfiou neben dem Etvildienstetnkommea bezw. der Civtlpeufion Auch solle für die Relikten besser gesorgt werden. Der Antragsteller befürwortet seine Resolution.

Abg. Baumbach (Rp.) stimmt beiden Resolutionen zu.

Abg. Werner (Amts.) empfiehlt die Resolution der Commission.

Abg. Graf Roon (cons.) führt auS, die Unzufrieden­heit sei keineswegs stets eine berechtigte- eS werde vielfach übertrieben. Ec stimme ja d-u Wünschen der beiden Reso­lutionen gern zu, aber erkenne nicht an, daß die Mittel deS JnvalidenfondS dafür nicht auSreichten. Jedenfalls müßten erst die Invaliden berückfichtigt werden, daun die Veteranen und Wittweu.

Abg. Fritz le (Centr.) plaidirt für beide Resolutionen, desgleichen Abg. Förster (Amts.).

Abg. Prinz Caro la th (Hosp. Nat.) meint, die Un­gleichheit, daß die Mil'tärpevfioneu beim Commuualdienst auf daS Gehalt angerechnet werden, beim Staatsdienst nicht, wüffe unbedingt beseitigt werden. Bor Allem aber bedürfe es neuer wohlwollender Bestimmungen darüber, inwieweit Krankheiten und Gebrechen als Folge der Anstrengungen im Kriege auzusehen seien ober nicht. Zu erstreben sei auch die Entschädigung Derer, die sich durch Landwehrübungeu Leiden zuzögen.

Abg. Rickert (frs. Bz.) bittet die Regierung um Er- kläruugeu, wie sie sich zu der Sache stellen wolle. Auch empfehle er dringend eine Revision der einschlägigen Gesetz­gebung. Aus die von anderer Sette erfolgte Anregung einer Wehrsteurr bemerke er, wenn die Regierung ein solches Gesetz vorlegen wolle, dann würde er das gar nicht so ungern sehen, denn wenn die Regierung eine W-Hrsteuer Vorschläge, so sei daS von grundsätzlicher Bedeutung auch hiafichtlich einer RetchSeinkommensteuer.

Hierauf wird dieser Etat nebst den beiden Resolutionen einstimmig genehmigt.

Beim Etat der retchSländischeu Eisenbahnen beantragt die Commission, durch Resolution den Reichskanzler darum zu ersuchen, daß die Beseitigung der BetriebSsecreiär- stellen nicht durch Ernennung neuer BetriebSsecretäre ver­zögert werde.

Abg. Bebel (Toc.) bringt zur Sprache, daß Betriebs- sccretäre wegen einer Petition bestraft worden seien. DaS sei eine Aufhebung deS PetttionSrechtS.

Geh. Rath Wackerzapp erwidert, die Bittschriften würden regelmäßig von der PetitiouScommisfion zur Kenntniß der Verwaltung gebracht. Das müsse geschehen. Die Be­strafung sei erfolgt wegen Disziplinwidrigkeit in dem Tone der Bittschriften.

Abg. Hammacher (ul.) wünscht, daß die Petitionen fortan tu Abschrift, ohne die Unterschriften, mitgetheilt werden.

Abg. Rickert (frs. vg.) bezeichnet eS als durchaus verfassungswidrig und absolut ungehörig, daß die Verwaltung sich aus den Acten deS Reichstages das Material verschaffe, um gegen Petenten vorzugeheu. Da müsse unbedingt Vor­sorge getroffen werden zum Schutze der Beamten und der Berfaffung.

Abg. Gröber (Centrum) bemerkt, die Regierung habe kein absolutes Recht auf Einsichtnahme in die dem Reichstage gehörigen Acten. Der Reichstag habe selbstständig zu be­finden, was er den Commissionen mittheileu wolle oder nicht. Das Centrum werde zur 3. Lesung einen Vorschlag dahin einbringen, daß auch in den PetttionSverzeichniffen bet den Petttiouen von Beamten der Name des Hauptpetenten be­seitigt werde.

Abg. Graf Roon (cons.) erkennt der Regierung daS Recht zu, bet solchen metallographirteu Petitionen daS Original eiuzuseheu.

Damit schließt die Debatte. Die Resolution der Com- Mission und der Etat werden angenommen und die vorliegenden Petitionen nach den Vorschlägen der Commission erledigt.

Bet dem Etat Bankwesen (Reichsbank) erwähnt Abg. v. Arntm (Rp.) die kürzlich ermittelten Malversationen mit ReichSbankschetaen in der Re'chSdruckeret.

StaatSsecretär v. PodbielSkt erwidert, eS handle sich nm einen vereinzelten Fall- durch etue Verkettung von Um­

ständen fei eS einem Oberfactor gelungen, aus dem Ausschuß Noten von echtem Papier und Druck zu entwenden. Die Nummern feien aber erst mit einer Handpresse aufgedruckt worden.

In der Debatte betont Abq. Hammacher (nl.), die Controls müsse doch eine sehr mangelhafte gewesen sein.

Der Etat wird genehmigt.

Morgen l Uhr: RtchuungSsachen, dritte Lrsung der Post- dampfervorlage.

Schluß 6 Uhr.

Deutsche» Leich»

Berlin, 21. März. Die zur RetchSkasse gelangte Ist ein nähme beträgt, demRkichSanzeiger" zufolge, bi» Ende Februar 1898: Zölle 403 789 395 Mk. (+ 6 244728), Tabaksteuer 11379595 Mk. (+ 238 842), Zuckcrsteuer und Zuschlag zu derselben 75 213 704 Mk. ( 14 510101), Galzstemr 42573522 Mk. (+ 399 557), M^schbotttch- und Brauntwrtumaterialsteuer 14991 416 Mk. (+ 2 311 818), BerbrauchSabzabr von Branntwein und Zuschlag zu derselbeu 93 013 784 Mk. ( 437111 Mk), Bcenusteuer 386 874 Mk., ( 278 973), Brausteuer und IDbergangkadgabe von B er 26833066 Mk. (+ 1 135932), Summe 668181356 Mk. ( 4895 308 Mk.). Splelkartensttmpel 1294421 Mk. (+ 17 688 Mk ).

Berlin, 21. März. Den Abendblättern zufolge ist dem BundeSrathe ein Nacht rag Setat für Kiaotschau zu- gegangen.

Karlsruhe, 21. März. Gestern begaben sich mehrere Hundert Socialdemokraten von Karlsruhe und Umgebung, Baden-Baden rc. nach Rastatt, um au den Gräbern der Märzgefallenen Kränze uiederzulegen. Auf dem Bahn­hofe wurden die Kranzträger von der Gendarmerie empfangen, die ihnen verbot, sich im geordneten Zuge nach dem Kirch­hofe zu begeben. Die Thore des Kirchhofes waren mit Ketten geschloffen und wurden jeweils von einem Gendarmen mit Gewehr für die Kranzträger geöffnet, während die Uebrigen das Innere deS Kirchhofes nicht betreten durften. Der Amtmann, sowie der Polizeicomm flar wohnte dem Acte an. Mehrere Schleifen, deren Inschriften Beanstandung fanden, wurden von den Kränzen abgeschnitten. Ein von dea Genossen an Li bknecht ausgegebenes Telegramm wurde von dem Telegraphenbureau zur Beförderung nicht an­genommen, da es angeblich die Staatsau.orttät gefährde. DaS Telegramm lautete:Die heute in Rastatt au den Gräbern der standrechtlich Erschossenen zahlreich versammelten Genossen von Karlsruhe und Umgebung senden ihrem alten Freiheitskämpfer beste Grüße. Unter starkem Aufgebot von Gendarmerie Eintritt zum Friedhof verboten. Deputation 12 Kränze uiedergelegt. Hoch dem Alten, hoch die Social- demokratte." In Karlsruhe wurde das Telegramm unbean­standet ausgenommen. Ja Renchen fand gleichfalls eine große öffentliche Märzfeier statt mit Zug nach drm Grabe Arnand GoeggS, an welchem Kränze niedergelegt und Reden gehalten wurden, u. A. vom Landtagsabgeordneten Geck.

Att-land.

Wien, 21. März. DieNeue Fr. Pr." meldet au» Prag: Der akademische Senat der deutschen Uni­versität zog infolge der nunmehr geänderten Sachlage und mit Rücksicht auf das Bedürfniß drr schleunigen Ordnung der Berhältn ff- der Universität seine Resignation vom 22. Januar d. I. zurück.

Antwerpen, 21. März. Der DampferHabSburg* de» Norddeutschen Lloyd, welchen man in Lowestoft für ver­loren glaubte, ist gestern wohlbehalten in Rotterdam ange­kommen. Man glaubt jetzt, daß da» Schiff, welches infolge einer Collifion mit einem Kriegsschiff in der Nähe von Lowestoft untergegangen ist, dieReverfina" sei.

Christiauia, 20. März. Der 70. Geburtstag Henrik Ibsens wurde heute hier mit großen Festlichkeiten gefeiert. Ibsen empfing Glückwünsche vom StorthtngSpräfl- denten Ullmann im Namen des StorthingS, sowie von zahl­reichen Deputationen, Bereinigungen und Privatpersonen. Biele Glückwunschtelegramme liefen ein von Theatern de» Nordens und Deutschlands. König Oskar sandte solgende» Telegramm: und die Königin senden herzlichen Glück­

wunsch auS Anlaß Deines 70. Geburtstages. Dein Ehrentag ist auch der Ehrentag des norwegischen Volkes.

Nevyork, 21. März. Wre derNewyork Herald" au» Washington meldet, soll Präsident Mac Kinley positive Kenntniß davon befitzen, daß der Bericht der Commission