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23.2.1898 Erstes Blatt
 
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bach, 17. Febr. 1898. afimeiternnt. 1731

steiMH iGmmtrmö. Freitag, als bett | soll un hiesigen indenDistrictenHeeg' 'm und ßmbach, nach- >lz versteigert werben: tinune, von 13 dir turchmesier, 39 ni 1,50 fm.

unb ^ichten-Elöme, -34 cm Turchmesin, i Länge, mit 76,97 fm. W m Nir Dttrchmeffer. 5-13 m uti 25 fm «i-§cheit.. , Eu.^chen-llNd Nabel' ^ Eichen« und Nadel« "eichen «d Ml'

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Mittwoch dm 24. Februar

Erstes Blatt

S8»8

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Deutfd?ex Rerchstag.

46. Sitzung vom Montag den 21. Februar 1898.

Tagesordnung : Fortsetzung der EtatSberath ung. Militäretat. lLaPitel KrtegSrnluisterium.

Sächsischer Bevollmächtigter Graf Vitzthum von Eck- staedt wendet fich gegen den Abgeordneten Kunert, der Treulich gegen die sächsische Heeresverwaltung eine hörst be- letbigenbe Aeußerung gerichtet habe, indem rr gesagt, es sei in einem sächsischen Milüärgrfängniß an einem Tonntage gearbeitet worden, und da- sri eine Schmach für dir sächsische Militärverwaltung Daß in einem '.ächsischen Gesängviß an einem Sonntage gearbeitet worden, sei richtig- die Central- stelle sei aber, sobald sie davon Kennroiß erhalten, sofort ein- geschritten und der Schuldige sei bestraft worden.

Abg. Bebel (Soc.) unterzieht die Löhne, die baß Kriegs- Ministerium den Arbeitern, die für die Armeelieferuvgeu arbeiten, zahlen taffe, einer abfälligen Kritik. Die Heeres­verwaltung solle nicht mit großen Unternehmern adschließen, sondern sich direct an dir kleinen Gewerbetreibevden wenden. Redner rechtfertigt cs sodann, baß er sich nicht mit einzelnen Beschwerden an den KciegSmiuister persönlich wende, sondern die Mißhandlungen hier zur Sprache bringe. War daß Politikrreiben in der Armee anlauge, so sehe er »s als Mangel an Tact und Anstandsgcfühl an, wenn Vorgesetzte ihre bevorzugte Stellung dazu auSnutzten, die Untergedericn tu ihren politischen Ansichten bestimmen zu wollen. Redner geht schließlich wieder ans daS amerikanische Mtlitärstraf- verf,ihren ein.

KriegSminister v. Goßler bezeichnet es als ganz irrig, daß im Heere die Selbstständigkeit unterdrückc werde, es

werde daselbst vielmehr zur Selbstständigkeit erzogen,- der moderne Krieg verlange daS. Er bleibe dabei, daß es Feig­heit und Mangel an Moral sei, wenn ein Untergebener nicht zu dem Vorgesetzten daß Vertrauen habe, daß er ihm sem Recht verschaffe. War die angeblichen Mißhandlungen Schwachsinniger anlange, so sei festgtft-lll, daß die Zahl der Schwachstanigen im Heere nur eine sehr geringe sei. Herr Bebel habe auch wieder Aeußerungeu ouS den JustructtonS stunden mitgethkilt. Ein KriegSminister könne doch nicht ollen JnstructionSstunden beiwohnen. (Heiterkeit.) Redner führt weiter aus, Abg. Bebel habe ihm jetzt die versp'ochene Broschüre zugestellt. Dieselbe enthalte aber meist nur eine Sammlung Citate von verschiedenen Männern und zu der- schiedeuen Zeiten. Der Zweck der Broschüre sei offenbar der, im höchsten Grade aufzureizen und die Verhältnisse zu entstellen. Buch die Flotte sei Gegenstand herbster Angriffe in der Broschüre. Wäre Deutschland 1864 iw Besitze einer Flotte gewesen, bann hätte eS viel Zeit, Geld und Blut sparen können. Im Jahre 1866 sei der Mangel einer Flotte weniger hervorgetreten. 1870 dagegen fei der Mangel der Flotte schärfer zu Tage getreten. Der Widerstand Frank reichS würde nicht so dauernd gewesen fein, wenn die Zufuhr hätte abgeschnitten oder doch gestört werden können. In der Broschüre sei übrigens der Kardinalpunkt vergessen: Zweck der Armee sei eS, den Frieden zu erhalten. Wenn Deutsch- land nicht diese Armee hätte, dann hätte eS auch nicht 26 Jahre den Frieden behalten können. Das System zu wechseln, liege fein Grund vor. Einer Revolution könne man m<t größter Ruhe entgegeusehen, Drohungen mochten keinen Eindruck. Er, Redner, werde aufs Tiefste be­dauern, wenn jemals Revolution käme. Aber ohne Hast

und in aller Ruhe würden die Maßnahmen getroffen werden. Und wenn Herr Bebel als Generalissimus uns entgegen- stände, dann würden seine Truppen nur zu bedauern sein. (Heiterkeit und Brtfall rechts).

Abg. Singer (Soc.) legt gegen diese spöttische Art deS Ministers Verwahrung ein Angesichts so ernster Ange­legenheiten. Seine Partei lasse sich daß nicht gefalleu- Redner geht dann aus eine schon in der Commission erörterte Angelegenheit ein betr. Mehlsälschungen bei Lieserungen btß hannöverschen Proviantamtes.

Minister v. Go ßler entgegnet, auf seine Frage Luder Commission, ob der betreffende socialdemokratische Abgeordnete seine Angaben verbürgen könne, habe dieser verneinend ge­antwortet. Das sei doch Klatsch.

Abg. v. Kardorff (Rp.) bestätigt, daß man den Be­weis schuldig geblieben sei, daß schlechtes Mehl geliefert wurde.

Abg. Singer (Soc.) antwortet, wenn das Klatschsei, dann sei auch jede Anklage eines Staatsanwalts Klatsch.

Abg. Kunert (Soc.) schildert die Zustände in den sächsischen Militärgefängmssen an verschiedenen Beispielen unter Nennung von Namen. Weiter kritistrt er die Arbeits- Verhältnisse in den Armeewerkstätten in Spandau, zehnstündige Arbeitszeit in mit giftigen Gasen ersüllten Räumen und dazu Lohnreductionen in den Munitionsfabriken. Künftige Revolutionen würden ganz anders fein, als vor 50 Jahren. Auch der so ideste Thron werde fallen wie Gerümpel.

Sächsischer Bevovmächtig'er Graf Vitzthum will die wahrhaft ungeheuerlichen Aaschuldigungen zurückweilen, die der Abgeordnete Kunert gesprochen. Wenn derselbe Beamten nachgesagt, daß sie Meineid auf Meineid häuften, so sei damit

Feuilleton.

Liebender? Wahrhaftig, thut mt.

Bursche kam ja so plötzlich abhanden, da einer einen Fastnachtsscherz mit mir

zu halten, nicht zum leid, der Schließlich

in» un­tief So

Dienste hübsche hat sich

Kerl ist, beschwor umy, öh --------

Wozu ist schließlich ein Hauswurst vütze, wenn

Mein erster Maskenball.

Eine Fastnachtsgeschichte von Frida Storck.

(Schluß.)

Vater rief ein donnerudeßHalt!" Gleich darauf -tauchte Franz Grau neben uns auf und machte sich mit Sach' kenutniß an den Pferden zu schaffen. Der plötzlich ernüchterte Conrad rieb sich stöhnend die Glieder.

Sie haben einen schlechten Heimweg, baß thut wir leid/ sagte der Dicke gutmüthig

Darob mochte Vater wohl die Reue anwandeln, denn

er sagte :

Lieber Nachbar, ich hab Sie heute Abend ein bißchen über Gebühr gedrangsalt. W ffen Str, der Postillon, ich hab hol» der Kukuk krtue Idee, wer der stattliche mich, Sie der kleinen Polin vom Leibe

kam zuletzt auch ich an die Reihe.

Bitte, geben Sie Lilli sreiwlllig auf/ flüsterte ,ch hastig.Sie liebt jenen Anderen, den Postillon, und ihr Onkel will sie zur Heirath mit Ihnen zwingen/

Im ungewiffen Schneelicht schaute er mir erstaunt Gesicht. Die Pferde der beiden Schlitten schnaubten geduldig. Die Hellen Glöcklein klangen und Mutter ängstlich, ich solle eiusteigen, die Pferde würden scheu, fuhren wir dem grauenden Tag entgegen. Mutter in Todes» \

erlaubt."

H-rmy half Mutter noch immer, unsere Siebensachen zusammealesen. Mich bannte die Neugier in die Nähe der Herren, ich wollte Grau'- Antwort hören. Endlich wandte er sich, Conrad die Zügel reichend:

So, nun können Sie in Gottes Namen loßfahren, aber mit Vorsicht.-

Vater reichte ihm die Hand.Also keine Feindschaft, lieber Grau!" _

Warum Feindschaft mit Ihnen, Herr Oberförster? Sie wissen ja nicht, waß vorausgiug. Der alte Müller lag mit in den Ohren, ich sollte mich Lilli erklären, und ich Ihat auch gern. Doch um baß Geld, maß Müller mir geliehen, braucht er nicht bange zu sein, wenn sie mich nicht lieben kann. So lange ich gesund schaffen kann, find ich meine Rechnung."

Er sagte treuherzig, männlich-ernst. Der Mann sollte sich nicht der Beschämung außsetzen, von Lilli einen Korb bekommen zu haben. Da er den Anderen die Hand gereicht,

angst, weil Conrad nunmehr aus seinen Rausch schlief, Vater gähnend, abgespannt durch die ungeheure Muskrlavstreugung seiner Harlekinleistuogen, Henny den Huldigungen nachfinnend, die mau ihrer Jugendfrische gezollt.

Drei Tage später brachte der Briesbote die Verlobung»- anzeige Lilli» mit dem Architecten Werner. Gelegentlich unserer Gratulationßvifite zog mich Lilli in ihr Stübchen und berichtete mir glückstrahlend, daß fich alle» gegen Er­warten gut gefügt habe. Sie kannte den talentvollen jungen Mann seit der Reise im Sommer, aber alle Andentangen, ihre Liebe betreffend, ftteßen bri den Müller» auf hart» näckigen Widerstand. Sie wollten Ltlli eben in nächster Nähe behalten. Grau genoß des Onkel» unbedingte» Ver­trauen, er war ein Ehrenmann durch und durch, er liebte Lilli, und er und kein Anderer sollte sie h^bcn. Auf dem Balle hatte Lilli Unwohlsein vorgeschützt und wetternd und grollend mußte Onkel Müller seine Damen gleich nach der DemaSkiruug heimgelciten. Der Postillon erschien überhaupt nicht wieder auf der Bildfläche.

Da war nun höchst befremdlicher Weise am Morgen nach dem Balle ein Expreßbote von Franz Grau erschienen mit einem Schreiben an den alten Müller. Er habe die feste Urberzeugung gewonnen, daß Fräulein Ltlli fich sür seine Person und sein ländlich schlichte» Heim nicht tnteresfiren könne. Ein Landwirth vor allem müsse eine Frau haben, die fich mit Lust und Liebe dem Wirken und Schaffen des Manne» anschließe. Er gebe daher die ihm einst so liebe Hoffnung auf ihren Besttz auf. Im Uebrigen werde er stet» bemüht fein, den Verpflichtungen gegen Herrn Müller pünkt» lich und dankbar nachzukommen.

Ookrl war einfach baff nach Lesung dieser Zuschrift," sagte Lilli.Dann zankte er mich au», Taute ergriff aber weine Partei. Wenn er mich aufgebe, werde Onkel ihn doch nicht zwingen wollen, mich zu heirathen. Dann endlich kam, zur rechten Zeit, mein geliebter HanS und hatte eine lange Unterredung mit Ovkel. Tante wurde auch eiltet und ich saß in fiebernder Pein und wartete. Endlich lief ich auch zu ihnen. Ich halt» nicht länger aus! Gebt Ihr» nicht zu, lieber Onkel, so muß ich ihm ohne Euren Segen angehören, so schwer mir das avkäme. Aber einen Anderen nehme ich nicht! rief ich. Er breitete die Arme auß und ich flog hinein. Onkel fügte fich brummend. ES wurmte ihn unsäglich, daß man anderer Leute Kinder erzöge, um fie bann an andere Leute abzutreten, sagte er. Wir aber find unaußsprechlich glücklich und ein bischen Dank schulden wir Dir," schloß fie, mich zum ersten Male duzend.

Beinahe erlag ich der Versuchung, zu gestehen, daß fie mir viel mehr Dank schulde, daß ich Grau zum Verzicht ge» drängt, aber ich schwieg.

Und Grau selbst? Er hätte mir erst recht danken sollen,

denn er fand später fein Ideal, eine Frau, die mit Lust und L ebe ihm.und seinem Berufe ergeben war.

Die nau (Kanalisation

e duftig Fassenachislied. nach der Mel.:Die Wacht am Rheins' zer Noih ohne Note fe singe.

1. Wann's in der Prooinzinolhaaptstadt Zwaa Däg e wink gerähent hat Unn's dreppilt richdig von de Dächer Dann stinkts in all Winkillöcher Unn wann mer sich dann will befchweern Dann muß mer die Bemerking Heern Ei fchweije Se doch endlich amol still dadervon Bahl kimmt die nau, die nau Canalisation.

2. Unn wann's im Sommer trocke-haas Dann habbt Euch zau bei Schneuzernas Noch Veilerchen riecht's do grob net Es iS e ganz schwernoths Bukett Dei Hautfolöh mächt an bie See Mir Annen boote in ber Läh Unn rieche uff bem Weg eraus e obdentlich Barzion Weil immer noch net ingefiehrt bie Canalisation.

3. Wann's bann im Wenter schneit unn froist Unn ahm bie Käll bie Uhrn abbaiff Dann ffitt bie Pulle all voll Brieh Dei meegt gern sott unn waaS net wie? Do mächt se bann mitt uff dei Gaß Unn tuu mer hie bätscht iS es naß.

Waas Gott es iS e Scharm unn aach en wahre Hohn. Wann kimmt die nau. die nau Canalisation?

4. Zwor in de Hööb unn uff der Gaß Aich mach' verdammt kaan schlachte Spaß Do armen stramm bie Orjelleut Mit Schnaps uun was bei Mensche freut Bei Rocht berf net georjelt roertn Dos kennt bei Herrn Storrenbe ffeern Drum werb bei Dag geliehrt bei Grub unn aach bei Don«, Bis baß se enblich kimmt, bie Canalisation.

5.Ein schlimmer Zustand in ber Stabt, Die sonst so viel bes Schonen hat Die Gießener scheinen nicht gefunb? Das kommt vom schlechten Untergrunb"! Nix Unnergrunb, en armen Grunb Der mächt ois Gäißer uhgesunb Wärn mer erscht ohne Schille borch unn bervon, Em Beujel spiehrn mer etzenb schont bie Canalisation.

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