Ausgabe 
22.11.1898 Zweites Blatt
 
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deutschen Regierung au- Stockholm au-gewieseu. Auf die Intervention de» betreffrvden Arbeitgeber» soll die schwedische Regierung erklärt haben, fie sei über diese» Ver­langen Deutschland» erstaunt, da» kleine Schweden könne aber dem großen Deutschland nicht eutgegeotreten. Bezüglich der letzten Verbote der in Berlin geplanten Anarchisten» Versammlungen wird mitgetheilt, der preußisch-Minister des Innern wolle im Interesse der öffentlichen Rübe und Ordnung übrrhaupt keine anarchistische Versammlung tu Preußen mehr zulassen. Zn verschiedenen Städten pro« testiren dir Anarchisten «egen diese Zwangsmaßregel, erklären aber gleichzeitig, daß fir tu Zukunft von jeder öffentlichen Versammlung Abstand nehmen werden.

M.P.O. DieNorddeutsche Allgemeine Ztg." ist in den Stand gesetzt zu bestreiten, daß die Militärische und Politische Lorrespoudeuz derartige Beziehungen zu amt« ltchen Stellen de» Reiche» habe, daß fie feiten» derselben zu halbam ltchen Mittheiluugen benutzt werde. Wir wollen nicht mit Bösem vergelten und un# darüber verbreiten, wozu dieNordd. Allg. Ztg." benutzt wird. Wir fassen unsere Aufgabe ander» al» da» osfieiöse Blatt auf und darüber, mit welchen Stellen im Reiche wir in Beziehungen stehen und mit welchen nicht, haben wir un» mit Niemandem au»« etuaudrrzusktzen. Wenn unsere Mittheiluugen über die Stellung der bayerischen Regierung zu manchen Fragen einiges Aufsehen gemacht baden, so wären wir leicht tu der Lage, diese» Aufsehen zu vergrößern. Im Uebrigen stammen diese Mittbeilungen wesentlich von einer bayerischen Seite.

M.P C. Wir können al» ziemlich bestimmt au» Bunde»- rarhSkreisen mtttheileu, daß fich der BundeSrath für zuständig in der Lipp eschen Frage, wie in allen anderen Fragen nach §. 76 der Retch»verfaffung erklären wird, welche Streit« fragen einzelner Glieder des Reiche» betreffen.

M.P.C, Wie un» aus Wien gemeldet wird, hält unser Katserpaar für seine Durchreise durch Oesterreich, sein Jncognito vollständig aufrecht.

M.P.C. Die Besprechungen, welche Ende voriger Woche im Finanzministerium über die Maßnahmen zur Wirth« schaftltcheu und culturellen Hebung der Ostprovinzeu statt« fanden, haben zu einer Einigung zwischen dem Ftoanzmintstrr und den Hauptverrreteru drr Provinz Posen geführt. Met« nuugSverschtedeuhriten, die wegen einiger Einzelheiten noch bestehen, dürften fich bald auSgleicheu lassen. Unter den Zakuuftkeaudidateu für da» Oberprästdium in Posen wird «euerdlng» in wanchen politischen Kreisen auch der bekannte Herr v. Ko sctelski genannt. Wir möchten diese Landtdatur dis auf Wettere» nicht für eine ernsthafte galten.

Wie», 19. November. Auf der Uuiverfität kam e» heute zwischen deutsch-nationalen, slawischen und jüdischen Studenten zu heftigen Zusammenstößen, sodaß schließlich die Polizei eiuschritt und mehrere Verhaftungen vornahm.

Triest, 19. November. Eine furchtbare Bora ver« hinderte die Einfahrt der Schiffe in den Hafen. EL herrscht große Kälte. Von dem ttalienffcheu Dampfer Bart wurden durch da» Unwetter zwei Schiffsjungen in» Meer geschleudert, konnten aber gerettet wrrdeu.

Stautslou. 19. November. Drr Baron Brunickt, welcher den Wechselfälscher Grafen Korhtonickt zur Flucht au» d-m Gefängniß verholfev, wurde verhaftet.

Petersburg, 19. November. Bet einem Feuer ta der Nahe drr Stadt kamen 10 Personen, darunter vier Kinder io den Flammen vm.

Vermischtes.

* Genf, 17. November. Auf die verschiedenen Mit- t'jeUuuyea, daß Luccheut die ersten sechs Monate feiner Strafe ta einem unterirdischen, lüft« und lichtloseu Raume verbringen müsse, hat sich die hier erscheinende ZeitungLa Suisse" an zuständiger Stelle erkundigt und erfahren, daß au diesen Mtttheiluugen kein wahre» Wort ist. Die Bchaad- lung der lebentlänglich Berurthetlteu unterscheidet sich in keinem Punkte von jener der übrigen Gefangenen. Die ersten sechs Monate muß Lucchent allerdings in einer Zelle ver­bringen, und dirfe Frist kann von der Gefäugniß-Directiou, im Eiuoerftändniß mit dem Departement des Innern, da» die Ooeraufficht über die Gefängnisse führt, noch verlängert werdra; tn dieser Zelle muß der Brrurtheilte allein arbeiten, bi» er nach Berfluß der Frist in die gemeinsamen Werkstätten zu den übrigen Berurtheilten gelassen wird. Welche Zelle Lucchent bekommt, darüber ist noch gar nicht» bestimmt - jedenfalls aber wird er nicht unterirdisch etngeschlossen, sou« drru bekommt eine der Zellen im ersten Stock, die mit Luft und Licht gut versehen sind. Er kann im Jahre vier Besuche empfangen und vier Briefe schreiben.

* Bon der Säufeborfe. E» dürfte wenig bekannt fein, daß in Warschau eine Gänsebörse rxistirt, über die jährlich l-rgen 8 000 000 Gänse gehen. Die Thätigkett dieser Börse dauert gewöhnlich sechs 6t» acht Wochen, von Mitte Srptember bis zu den ersten Tagen des November. Während dieser Zeit werden nach der Borstadt Prags täglich riefige Gänse« Herden, besonders auS den auf der rechten Seite der Weichsel gelegenen Ortschaften der Umgegend gebracht, die daun des Nacht» über die Weichsel-Brücke nach den von den Israeliten bewohnten Stadttheilen getrieben werden, da, wie dortige Blätter melden, der Gansehandel fich ausschließlich in den Händen der Juden befindet. Dir künstliche Fütterung der Gänse w'.rd in den Vororten PelcowiSna, Szmulowtsua und Nowo Prags vorgrnommen. Da die Gänse au» Wetter Ent« fernung (der dritte Theil kommt au» dem Gouvernement Wilna) nach Warschau getrieben werden, so werden fiebe­schlagen", d. h. über auf den Boden gegossenen Theer und darauf über feinen Sand getrieben. Nachdem diese Vorrich­tung mehrere Male vorgroommeu worden, bedecken fich die Sohlen der Füße der Gänse mit einer festen Schicht von Theer und Sand fie findbeschlagen". Große Partien

von Gänsen werden jetzt ans der Weichsel nach Danzig befördert.

Wieder eine Unthat der X-Strahlen. Wie dem Pariser Eleetrieien" au» New-York geschrieben wird, hat ein dortiger Ingenieur und Augestelltrr einer electrotrchuischen Firma, die in der diesjährigen electrtschen Ausstellung za New York Apparate für X-Strahlen ausgestellt hatte, eine Klage gegen die Gesillschaft für elektrische Stromversorgung der Brreiuigeen Staaten angestrengt, von der er die Apparate während der Ausstellung zur Verwaltung bekommen hatte. Der Techniker verlangt einen Ersatz von nicht weniger al» 10,000 Dollar für den ihm entstandenen Schaden, der im Verlust seine» Barte» und der übrigen Haare auf der ganzen einen Seite de» Kopfe» besteht. Er erbietet fich den Bewei» zu führen, daß diese Schädigung durch X-Strahlen verursacht worden sei, und behauptet, daß die betreffende Gesellschaft verpflichtet gewesen wäre, ihn von der Gefahr zu benach« richtigen, die mit der Handhabung der Apparate verbunden war. In seiner Klageschrift fitzte er auseinander, daß er nach etwa zehn Tagen ein etgeuthümliches Gefühl de» Juckens auf der ganzen rechten Körperseite empfand, zunächst aber nicht weiter darauf achtete,- er fühlte fich erst beunruhigt, als er bald darauf bemerkte, daß fich feine Grfichtthaut tn Falten zu ziehen begann und daß Kopfhaare, Bart und Schnurrbart auf drr rechten Gefichtsfeite in ganzen Bündeln autfirlen. Er zog einen Arzt zu Rathe, der jedoch keine Ab« hülfe wußte und nur feststelleu konnte, daß die ganze Gr« fichtSfette wiegeröstet" auSsähe. Da der schädliche Eivfl -ß der Röatgeu'ichen Strahlen auf die Haut schon in zahlreichen Fällen festgestellt worden ist, so wird der junge Manu vor Gericht wohl recht bekommen, und eS ist nur die Frage, ob der Werth feine» Barte» auch von andern Leutrn auf 10,000 Dollar geschätzt werden wird.

* Sine neue Art Offiziermäntel. Seit einigen Tagen erregt in Straßburg, wie die dortigePoft" mittheilt, eine neue Art Offiziermäntel, die anscheinend von einigen Offizieren probeweise getragen werden, eine gew'sse Äussrer!- famkett. Man denke fich einen weiten, laugen grauen Mantel mit rothem Kragen ohne Aermel, der einfach Übrrgrworfiu zu werden braucht, nach Art der sogenannten Wettermäntel, wie fie von Forstleuten und Touristen vielfach getragen werden. In der italienischen und spanischen Armee find ähnliche Mäntel tu Gebrauch. Ob dieser Offizier-Wetter­mantel zur allgemeinen Einführung bestimmt ist, bezw. ob er den Palelot ersetzen soll, entzieht fich unserer Keuntniß. Da» Kleidungsstück scheint bequem und praktisch zu fein, aber .. . schön ist anders". Im Urbrigen scheint die ganze Reform auf dem militärischen Mäntelgebiet nicht besonder» erfolgreich gewesen zu sein. DerGraue", der seiner Zeit wie übrigens alle» Neue mit einer gewissen Begeisterung be­grüßt wurde, ist jetzt in weiten Kreisen bereit» stark in Mißkredit gerathen. Ganz neu macht er sich freilich recht vornehm und sticht wirkungsvoll von den schwarzen Bein­kleidern ab. Aber die Herrlichkeit dauert nicht lange- Wind und Wetter setzen denGrauen" stark zu und lassen ihn bald unansehnlich werden, während der bescheideneSchwarze" viel solider und dauerhafter war. Kein Wunder daher, daß mau fich vielfach nach derguten alten Zeit" zurücksehnt. £, Die HiMcilaffeuschast der Frau Rath. ES find in diesen Tagen gerade 90 Jahre verflossen, seitdem die Hinter- laffeuschast der Mutter Goethe'», die am 13. September 1808 gestorben war, in Frankfurt a. M. öffentlich ver« steigert wurde. Die darauf bezüglichen Anzeigen lauten: Den 4 November 1808. Nachstkommeuden Dienstag den Sten diese», Vormittag» um 11 Uhr, und darauffolgende Tage um gedachte Stunde, werden auf dem Roßmarki in der Behausung Lit. E. No. 229 zum goldenen Brunnen, die zum Nachlaß der verstorbenen S. T. Frau Rath Goethe gehörige, sämmtlich sehr gut gehaltene öffneten, bestehend in Schränken, Eomwoden, Bettladen, Tischen, Kanapee», Stühlen, Betten, Spiegeln, Uhren, Porzellan und Stetugut-Servicm, Glaswerk, Z'un, Kupfer, Mesfing beuebst einer eisernen Geldkiste rc. gegen gleich baare Zahlung öffentlich versteigert werden. Klebinger, geschw. Ausrufer."

Garten Versteigerung. Freytag den 18. diese», Nach­mittag» um 2 Uhr, wird der zum Nachlaß der verstorbenen S. T. Frau Rath Goethe gehörige, vor dem Frtedbergerthor au dkm Bornheimer Fußpfad, neben Frau Wittib Kahlo und dem Rentmeister Herr K feuer gelegene, 1 Morgen. 2 Viertel, 38 Ruthen und 71 Schuh haltende Garten öffentlich an den Meistbietenden auf dem Platz selbsteu versteigert. Frankfurt, den 10. Nov. 1808. Klebinger, grfchw. Ausrufer."

E» ist die» der Garten, in den fich Goethe'» Vater am 8. April 1759, einr» Eharfreitag, hiuauSbegab, um den Aut- gang der bet Bergen würheuden Schlacht so früh al» mög« ltch zu erfahren. Dee Garten war 83 Jahre im Besitze der Familie Goethe gewesen.

Sin heiterer Zwischenfall spielte fich während einer Gerichtsverhandlung ab, dir tn der Bowstreet in London am letzten Dienstag staitfaud. Advokat B. hatte einen ganz gewöhnlichen Einbrecher zu vertheidigen und nach altem Brauch nahm er feine Zuflucht dazu, den HauptbelastungSzeugen so viel al» möglich hcrabzufetzeo. So kam e», daß Richter und Publikum folgendem Zwiegespräch beiwohnten.Zeuge, Sie heißen Jame» Smith? Sollten Sie nicht derselbe Smith sein, der 1887 wegen Diebstahl» zu zwei Jahren Gefängniß verurtheilt wurde?"Nein, mein Herr, ich bin nicht jener Smith."Dann find Die wohl der Smith, der in Liverpool wege» Betrüge» verurtheilt wurde?"Auch der nützt." So waren Sie niemals im Gefängniß?"Doch, mein Herr, zwei Mal sogar."Wie lange daS erste Mal?"Einen Tag."Haha, und da» zweite Mal?"Nur einen halben Tag."DaS ist unmöglich."Aber rrotzdem durchaus richtig. Ich will Ihnen sagen, wieso ich bin nämlich Maurer von Gewerbe, und war nach dem Gefäuguch gerufen worden, um dort eine Zelle auSzumaueru, in der ein Anwalt eingesperrt war, der wegen Fälschung fünf Jahre abzusttzen ' hatte." Der Vertheidiger stellte keine Frage «ehr.

Die fünfte She. AuS Stlitrn wird denBozmer Nachr." vom 11. d. M. geschrieben: ES mag wohl zu den seltesten Ereignissen zählen, daß ein Mann die fünfte Ehe eingeht. Doch geschah dies tn Salnrn vor drei Tagen, indem Herr Johavu Simioui, Holzhändler und Hausbesitzer in Salnrn, diesen Schritt that und seine fünfte Ehegattin heim- führte, welche er fich au» dem Oberinnthale bolle, nachdem er die vier vorangegangenen aus hiesiger Gegend gewählt hatte. Herr Simioui zählt 60 Lebensjahre und hatte von feinen früheren vier Gattinnen 22 Kinder, von denen einige noch die Schule besuchen.

* Die Weine de» Hospital» von Beaune. Die alljährliche Weinauction des Hötel Dien von Braune hat nm vergangenen Sonntag stattgefunden. Das ist aber em wichtiges Ereigniß, denn nach dieser Versteigerung wird die Preisliste der edlen Burgunderweine festgestellt. Seit undenklichen Zeiten werden diese Weine von Feinschmeckern und Kennern ver­göttert. Erasmus bereits ruft aus:O glückliches Burgund; du verdienst die Mutter der Meiffchrn genannt zu werdm, weil deine Brüste mit köstlicher Milch gefüllt sind!" Stendhal erzählt, daß ein Oberst, der an der Spitze seines Regiments an den Weinbergen von Pomard und von Beaune vorüberzog, seine Soldaten die Gewehre präsentiren liefe I Das Hospital von Beaune stammt aus der Zeit Ludwigs XL; es wurde von Ricolas Rollin und seiner Gattin gegründet und mit reichen Schenkungen ausgestattet. Das Hauptvermögen diese» Hospitals besteht in Weinbergen, die über mehrere Beaune benachbarte Gemeinden verstreut sind. Der Auctionrtag wird sofort nach der Lese sestgestellt und die verschiedenen cuvees erhalten Nummern, die wie Loose gezogen werden. Alle Großhändler von Burgund und anderweitig, die großen Pariser Restaurateure und auch einfache Verehrer der Bachus- gaben sind zur Kostprobe der neuen Weine zugrlasfin; da aber Gefahr vorhanden wäre, daß dieseSammef'-Weine gar zu sehr gewürdigt würden, wenn man unterschiedslos alle Welt an den Kostproben theilnehmen ließe, so wird ein Eintrittsgeld von zwei Francs pro Tag erhoben; es braucht kaum bemerkt zu werden, daß für diesen geringen Eintritts­preis viele Rofane es sich nicht entgehen lassen, sich einmal ordentlich am edlen Burgunder zu laben. Man muß ab.r nicht etwa glauben, daß dieser zu Kostproben ausgestellte Burgunder schon genau der ist, der bei Banketten und Fest­gelagen getrunken wird. Es handelt sich da eben für den. Kenner darum, zu ahnen, was diese oder jene Nummer an Geschmack, Gehalt und Duft ergeben wird. Die Auction findet stets am Sonntag statt. Der Zuschlag erfolgt bei erloschener Kerze". Man zündet eine Kerze an, sobald ein Angebot für eine Weinnummer erfolgt ist; solange die Kerze brennt, haben die Anwesenden das Recht, weiter zu bieten; diecuvee" wird dem zugeschlagen, der die letzte Ziffer beim Verlöschen der Kerze genannt hat. Diese kleinen flimmernden und schwankenden Kerzenflammen bieten mitten in dem un­beschreiblichen Lärm der Angebote, Darlegungen, Werth­schätzungen und Discussionen ein überaus pittoreskes Schau­spiel. Je tiefer die Kerze herabbrennt und je höher die Preise dem entsprechend steigen, um so ruhiger wird es, und im Augenblick des Zuschlags herrscht ein geradezu feierüchrS Schweigen. Dann aber, besonders wenn ein ausnehmend hoher Preis erzielt worden ist, bricht die ganze Versammlung in stürmische Beifallsbezeugungen aus. Die Preise, die hier erzielt werden, schrecken die kleinen Concurrenten von vorn­herein ab. Die Weine werden nicht per Hectoliter und auch nicht per Stückfaß, sondern perqueue" (456 Liter) verkauft. Die billigste Marke, derJobard-Jobard" aus Mersault, wurde am vergangenen Sonntag für 840 Frc». losgeschlagen, während diecuvee" Mounot- Chicotot aus Beaune den höchsten Preis von 2020 Francs, also beinahe 5 Francs per Liter, erzielte. Der Durchschnittspreis stellte sich auf 1400 Frcs. perqueue". Gleich nach Beendigung der Auction ver- anstalten die Kaufleute eine Weinausstellung in den Räumen der Handelskammer. Hier ist die Maßeinheit das Stückfafe von 228 Litern. Die Weine werden in sorgfältig gepfropften, verkapselten und mit Etiketten versehenen Flaschen ausgestellt. Rach dieser Ausstellung werden dann die offiziellen Preis« listen für die Weine des Jahres gesetzt. So ist für da» Jahr des Heils 1898 der Mercurey mit 280, der Volnay mit 540, der Musigny und Vougeot mit 900 und der Cham­bertin und die Romanüe mit 1000 Francs per Stückfafe bewerthet worden. (Franks. Ztg.)

Wissenschaft, Ciietatur rrnd Arrnft.

Von denMittheilungen" der Mufikalienbandluvg Breitkopf L Härtel in Leipzig gelangte soeben Nr. 55, gerade rechtzcttig vor Weihnachten, zur Ausgabe. Dieselbe ist geschmückt mit dem Brlde A. E. M. GlätnyS, dtssm Bedeutung namemlich al« Componist komischer Opern in einer kleinen Abhandlung von C. Kipke eingehend beleuchtet wird. Im Auftrage der belgischen Regierung wurde 1883 eine Grsammtausgabe der dramatischen Werke Grstnys in Angriff genommen, von der 23 Bände bereits erschienen sind. Von Wichtigkeit ist die angekündigte praktische Gcsammt- ausgabe von Joh. Srb. Bachs Orgelwerken, die, vom Unioersilätö- Mustkdirector Prof. Dr. Ernst Naumann in Jena reoidtrt, fich auf langjährige praktische Erfahrung und vielfache Erinnerung an die Auffaffung bedeutender Bachspieler gründet. Diese Ausgabe bildet die Fortsetzung der nunmehr abgeschlossenen praktischen Ausgabe von Joh. Seb. Bachs sämmtlichen Gefangwerken, um die sich namentlich Prof. Dr. Todt in Essen durch Anfertigung der KlaoirrauSzüge von 211 Kirchen- und weltlichen Cantaten verdient gemacht hat General- musikdtrector Herm. Levi hatte eS neulich auf sich genommen, den deutschen Text zu Mozarts OperCosi fan bitte gründlich zu revi- diren und thetlwetse neu zu übersetzen; er hat nun in gleicher Weise MozartsHochzeit des Figaro" bearbeitet und erbringt damit den Beweis, um wie viel deutlicher die Handlung des herrlichen Werke« zur Wirkung kommt. Eine neue Oper von P. Ma»cagni,JriS" betitelt, die in Rom zur ersten Aufführung gelangt, wird in nächster Zeit erscheinen, wahrend eine neue OperetteDer kleine Corpoial" von Ludwig Engländer auf amerikanischem Boden bereit« praktisch erprobt und mit vielem Beifall ausgenommen im KlavierauSzug und Einzelausgaben mit englischem Text den Mufikkreisen bereit« zugängig gemacht ist. In denMittheilungen" befinden sich ferner kurze Lebensbeschreibungen von Lorenzo Perofi, de« in Italien ge­feierten jungen Componisten, dessen Werke auch in Deutfchland mehr und mehr Eingang finden, und von Hugo Kann, der in Milwaukee als deutscher Componist zu Ansehen gelangt ist. Eine große Reihe

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