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22.9.1898 Erstes Blatt
 
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G. Darmstadt, 21. September, 10 Uhr vormittag». (Telephon-Meldung.) Ja Anwesenheit de» Staat»«ioister» Rohde, sowie de» gesammren Staat»ministerium», de» Ober­hofmarschall» Westerweller, de» Fürsten Asenburg- Büdtagen und de» Denkwal-AuSschuffe» fand soeben die feierliche Grundsteinlegung für da» Laude»-Denkmal Sr. Sgl. Hoheit Ludwig IV. ans dem Parodeplatz statt. Nach Verlesung der Denkmals Urkunde durch den Vorsitzenden de» Au»schuffe» wurde dieselbe mit in den Grundstein eingefügt. Die Urkunde har folgenden Wortlaut:

Zum immerwährenden Andenken an den höchstseligen Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein, ist diese» Denkmal durch freiwillige Gaben au» alleu Schichten der Bevölkerung de» GrohherzogthumS sowie durch Zuwendungen Seiner Kgl. Hoheit de» Großherzog» Ernst Ludwig gestiftet und errichtet worden.

Für die Gegenwart und die Zukunft soll da» Denkmal ein Zeichen unau»löschlichen Danke» sein, welchen da» hessische Volk dem durch Gotte» Fügung in der Blüthe seiner Jahre au» dieser Zeitlichkeit abberufeoen geliebten und gerechten Fürsten für die Segvuogen seiner 15 jährigen Regierung au» warmen Herzen darbriogt.

Treu zu Kaiser und Reich stehend, ein ruhmbekräozter Führer besflscher Truppen im großen Kriege 1870/71 war Ludwig IV. seinem Lande allezeit in Treue und Liebe zu- gethan, in Wahrheit eia fürsorglicher Vater seine» Volte».

Da» Denkmal ist erfunden und gefertigt von dem Bild­hauer Prof. F. Schaper tu Berlin gegofieo von den Grzgießeru Gebrüder Walter und Paul Gladenbeck in Friedrtch»hagen. Die Bauarbeiteu find au»gesührt von dem «rchitecten und Stadtverordneten Heinrich Müller in Darmstadt. Der Grundstein zu diesem Werk ist heute gelegt und in denselben diese Urkunde eiugefügt worden.

Gott segne unseren Großherzog, da» gesammte Groß­herzogliche Hau» und da» ganze Heffenland. 1

Geschehen Darmstadt, 21. September 1898 unter der Regierung Seiner Königlichen Hoheit de» Großherzogs Ernst Ludwig.

Der Vorstand des LaudeSauSschusieS:

Der I. Vorsitzende Der II. Vorsitzende Bruno Fürst zu Usenburg Dr. Weber,

und Büdingen, Justizrath, lebenslängliche»

Erster Präsident der I. Kammer Mitglied der I. Kammer der Laudstäode. der Laudstäude.

Der Schriftführer:

Haa»,

Großh. RegierungSrath, Erster Präsident der II. Kammer der Landstävde.

(Die Urkunde, rin Meisterwerk der Kalligraphie, wurde von dem Hofkalligrapheu I. Göttmaun-Darmstadt angefertigt.)

Mit den üblichen drei Hammerschlägeu der Anwesenden war die Feierlichkeit beendet. Der Denkmal»-Au»schuß wurde hierauf von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog empfangen. Der Denkmolsplatz war festlich geschmückt. Zu dem feier­lichen Act hatte sich ein zahlreiche» Publikum eingefundeu.

Darmstadt, 20. September. Ganz umgewandelt im Sinne derModerne" find die Räume unseres KunstveretnS, wo heute in Anwesenheit des Großherzog», deS Prinzen Wilhelm und der Slöaberg'schen und Fürstenau'schen Herr­schaften die Ausstellung in Kunst uod Kunstgewerbe, welche die in diese« Sommer gegründeteFreie Bereinigung Darmstädter Künstler" ins Leben gerufen hat, eröffnet wurde. Ein erlesenes Publikum, darunter der Staatsminister und öw Finanzminister war dazu erschienen. Der erste Vor­sitzende, Maler Wilhelm Bader, der, vordem in München, jetzt hier ansässig ist, dankte dem Großherzog für die Ueber-

nähme de» Protectorat» de» Unternehmen», worauf der Landesherr auf deffeu Bitte die Ausstellung für rröffaet er­klärte und mit den anderen Herrschaften in längerem Rund- gang mit großem Jntereffe die ca. 90 Gemälde und Bild­werke sowie eiue Reihe, von Alexander Koch mit erlesenem Geschmack ausgestattete Zimmereinrichtungen in verschiedenen Stylen in Augenschein nahm. Die Bader'schen, oft «tt alle­gorischer Staffage belebten Landschaften find bekannt. Bon Adolf Beyer gefallen namentlich eine Reihe Porträt». Der viel zu früh verstorbene Hrioz Heim ist mit einer Reihe mit bekannter Virtuosität, namentlich In zeichnerischer Hinsicht, hergestelltrr Gemälde vertreteu. von den berühmten, eben­falls Darmstadt entstammenden Malern Eugen Bracht (Berlin) und Ludwig von Löfftz (München) find Bilder gesandt wordeu, desgleichen von dem bekanntlichsehr modernen" Ludwig v. Hosmaun (Berlin). Ein hervorragende» Talent bekundet sich tu Phil. Otto Schäfer (München), Sohu de» bekannten Kunsthistoriker». Fleißige Leistungen haben auch einige jüngere Künstler vor allem Rich. Hölscher au»gestellt. von pracht­voller Lonception und Modelliruug find fast durchweg die Bildhauerarbetten von Georg Habich (München)- auch Theodor v. Gosen ebenda zeichnet sich tu solchen au». Dte grschmack- und stilvollen Zimmereinrichtungen mit reizenden Werken der Kleinkunst werden namentlich auch den Beifall unserer für schöne Formen empfänglichen Damenwelt findea. Dte junge Vereintguug darf mit dem schon jetzt erztettev künstlerischen Ersolge wohl zufrieden sein- möge auch der materielle dem­nächst nicht fehlen.

Aus der Leit für die 3eit*

Vor 107 Jahren, am 22. September 1791, wurde zu Remington bei London der berühmte englische Physiker und Chemiker Michael Faraday geboren. Er entdeckte die magnet electrtsche Jnduction, das electrolitische Gesetz, den Diamagnetismus, da» Benzol, und lieferte außerdem zahlreiche chemische und physikalische Untersuchungen. Faraday starb am 25. August 1876 zu Hamptoncourt.

vermischtes.

* Weiher mit fruchtbaren Boden. Aus Lothringen schreibt man der Franks. Ztg.": Bei einer Wanderung durch Deutsch-Lothringen blickten wir kürzlich im Gasthause eines kleines Städtchens auf ein rothes Plakat an der Wand, deffen Inhalt zunächst überaus sonderbar anmuthete. Es war darnach in der Amtsstube des kaiserl. Notars H. in B. zu verpachtender Weiher von O.. gelegen im Kanton V., mit einem Flächeninhalt von fast 47 Hektar, mit außerge­wöhnlich fruchtbarem Boden, bei dem jede Düngung jahrelang überflüssig, zur Fischzucht ebenfalls sehr geeignet". Der Weiher ist weiterhinmit keinem Servitut belastet" und nahe an Bahn und Chaussee gelegen. Wir lernten damit einen in­teressanten Wirthschaftsbetrieb kennen, der unseres Wissens im übrigen Deutschland nirgends in dieser Art sich wieder- sindet. Auf unsere Fragen wurden wir in der liebens­würdigsten Weise dahin belehrt, daß zahlreiche größere und kleinere Weiher in Lothringen abwechselnd zur Fischzucht und zum Getreidebau verwendet werden. Gewöhnlich sind sie fünf Jahre lang mit Wasser gefüllt; zu Beginn derWasser­periode" werden Fische eingesttzt und dann wird je nach der Intelligenz und Capitalkraft des Besitzers die Fischzucht rationell durchgeführt. Nach fünf Jahren wird der Weiher vollständig ausgchscht und da» Wasser abgelassen Alsdann stellt der Boden des Weihers eine große Trockenmulde vor, die an allen Seilen sich von dem Lande her langsam vertieft die niedersten Stellen der Wecher, die wir kennen lernten,

mögen etwa 21/, bis 3 Meter tief sein. Nunmehr folgt eine Periode trockenen Wirthschaftsbetriebes von etwa 3 bi» 4 Jahren. Im ersten Jahre wird Hanf oder Flach», meiflen» auch Hafer dazu gepflanzt, im zweiten Jahre folgen Weizen, Gerste oder Roggen, im dritten dann Kartoffeln und Nunkel- rüben u. dergl. Nach Ablauf der 3 oder 4 landwirthschaft- lichen Jahre wird die weite Mulde wieder mit Wasser und Fischen gefüllt. Es läßt sich denken, daß bei Verftändniß und sorgfältiger Behandlung au» dieser interessanten Ver­einigung so verschiedenartiger Wirthschaftsbetriebe eine be- deutende Ernte erzielt werden kann.

Elve uralte Wasseruhr bcsindet sich in der ägyptischen Sammlung des B r i t i s ch e n M u s eu m s. Dieser Zeitmesser, der als Vorläufer der im Mittelalter gebräuchlichen Stunden­gläser zu betrachten ist, wird aus einer großen Vase von schwarzem Basalt gebildet, die nach dem Boden zu kegelförmig zugespitzt ist; an der Innenseite sind zwölf Marken, kleine Einschnitte, angebracht, während sich im Boden einige kleine Löcher befinden, die durch genau passende Stöpsel verschlossen werden konnten. Wurden diese nach Füllung des Gefäße» mit Wasser entfernt, so markirte da» allmählich abfließende Wasser zwischen je zwei Zeichen einen bestimmten Zeitraum, der ziemlich genau eine Stunde betragen haben dürfte, denn Versuche haben ergeben, daß eine einmalige Füllung der Vase zwölf Stunden au»reichte. Eine ägyptische Erfindung dürften diese Wasseruhren indessen nicht sein; man nimmt vielmehr an, daß sie zuerst bei den Römern in Gebrauch waren und erst mit der römischen Invasion nach Aegypten gelangten.

Boshafte Kritik.Ist der Lustspieldichter Müller ein geistreicher Mensch?"Ich kenne nur seine Stücke!"__

Wöchentliche Neberstcht HerLTodessälle in Gießen.

38. Woche. Vom 11. September bis 17. September 1898.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 100 (tncl. 1600 Mann Militär). SterdltchkettSztffer: 25,89, nach Abzug der Ortsfremden 10,79°/«.

Kinder

A n m. Die in Klammern gefetzt« Ziffern geb« an, wie viele der Todesfälle in der betreffend« Krankheit auf von auSwärt» nach Wetzen gebrachte Kranke komm«.

ES starben an: Zusammen: Erwachsene:

im !eben»jahr: 2.-

vom

-Ib.Jahr:

l.£

Gehirntuberkulose

1

1

Lungenschwindsucht

1 (1)

1 (1)

Ktnderzehrung

1

1

Lungenerwetterung

1

1

BöSart. Neubildung

1 (1)

1 w

Gehtrnschlagfluß

3 (2)

3 (2)

Herzleiden

2 (2)

2 (2)

Nierenentzündung

1 (1)

1 (1)

Unbekannte Krankh.

1

1

Summa: 12 (7)

8 (6)

3 (1)

1

Aufruf Bitte!

Durch den großen Brand, dr am Freitag, den 9. d. MlS. 34 Wohnhäuser und 60 Nebengebäude in Asche legte, ist rin großer Thetl der Einwohner des Dorfes Salzschlirf obdachlos geworden. Die zum Thetl gar nicht, zum Theil nur schlecht versicherten Leute find von dem Unglück um so schwerer hetmg-sucht, al» dte Ernte bereit« etngesahren war und ebenfalls den Flammen zum Opfer gefall« ist.

Dte Unterzeichneten richten daher an alle Mitmenschen die herzliche Bitte, durch milde Gaben zur Linderung der Roth betzu­tragen.

Gaben bittet man an dir Herren

Hubert Wüsthofen, Hotclbefiher und Carl Rack, Villa Rack in Bad Salzschlirf, zu richten.

Schmidt, Bürgermeister, Schumann, Pfarrer, M. Edelmann, Corl Rack, hl, Stationsvorsteher, H. Wüst Hofen, Hotelbesitzer, Dr. H. te Kamp, pract. Arzt, Müller I., Lehrer, Vey, Lehrer.

Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Gartevstrahe 2.

Angebot der Arbeitnehmer r 1 Blechner, 1 Küfer, 1 Schneider, 4 Tag- löhner, 2 HauSburscken, 3 Fuhrknechte, 2 Lauffrauen, 1 Dienstmädchen, 1 Kinder- ftäulcin oder Stütze der Hausfrau, 1 Kindermädchen, 2 Büglerinnen, 1 Nähfrau.

Nachfrage der Arbeitgeber! Einige tüchtige Spengler, Keffelschmiede und bchlosier tür eine auswärtige Fabrik für Beleuchtungswescn. 2 Küfer, 1 Tapezier, 5 Bauichloffer. 1 Installateur, 1 Wagner, 2 tüchtige Bausckreiner, 3 landwirth- schaftliche Arbeiter, 1 Mann zum Säcketragen, 2 Taglöhner, 1 Hausbursche, 1 Kinder­mädchen, 1 Kinderfräulein, 1 AuShülfSmädchen, 4 Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit, 3 Lauffrauen.

Lehrlinge: 3 Bäcker, 2 Barbiere, 2 Buchbinder, 1 Drechsler, 1 Drucker. 1 Glaser, 1 Kupferschmied, 1 Lackirer, 1 Mechaniker, 1 Sattler, 1 Schmied, 2 Schneider, 2 Schreiner, 2 Schriftsetzer, 4 Schuhmacher, 1 Spengler, 1 Wagner.

MtlMltlllllliMM

Pflafterfteinbruch- Verpachtung.

Lamstag den 8. Oktober l. I, Vormittag» 10 Uhr, soll der der Gemeinde Laubach gehörige Pflastersteinbruch im Streucher. fünf Minuten von der Haltestelle Wetter­feld gelegen, in öffentlicher Sub­mission auf die Dauer von 6 Jahren veraccordirt werden. Der Bruch liegt 300 Meter von der Bahnlinie HungenLaubach, in der Gemarkung Laubach, hat gute», ausgiebiges Ma­terial, und ist Schienengeleis für Rollwagen aus demselben angelegt. Die Pachtbedingungen liegen auf Großh. Bürgermeisterei Laubach zur Einsicht offen und wollen Reflectanten ihre Gebote bis zum 8. October da­selbst schriftlich einreichen.

Laubach, 20. September 1898.

Großh. Bürgermeisterei Laubach.

Jochem. 9338

Tie am Freitag den 16. lfd. Mts. im Bahnhof Großen-Buseck und am Schiffen« bergenreg abgehaltenen Schwellenver­steigerungen wurden genehmigt.

Gießen, 20. September 1*98. [9341

Gr. BetriebS-Jnspection 1.

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