Fälschung Henry» war, mittheilte, wissentlich und mit Willen da» Verfahren gegen Esterhazy derart beeinflußte, um dadurch dem Untersuchungsrichter General de Pellieux wie durch ihn mittelbar den Richtern klarzumachen, eS gäbe für sie kein andere« Urtheil al« die Freisprechung Esterhazy». Wenn die Angaben ClvmenceauS richtig find, und da« ist anzunehmen, so kann übrigen« Esterhazy froh sein, daß er bei Zeiten verduftet ist. Denn in dem Vergehen Billot« liegt eine neue Thatsache, auf Grund deren auch vielleicht sein Prozeß revidtrt werden könnte.
Loudon, 19. September. Zum russischen Abrüstung-Vorschlag. Der bekannte englische Journalist und Herausgeber der „Review of Review", W. T. Stead, ist nach dem Festlande gereist, um dort Studien über die Stimmung in den verschiedenen Hauptstädten über da« Rescrtpt de« Ezareu auzustelleu. In Berlin wird er eine Audienz beim Deutschen Kaiser haben und ebenso eine beim Czaren in Moskau. Stead wird auch Petersburg, Brüffel, Konstantinopel, Rom, Budapest, Wien und Paris besuchen. Der englische Publtcist will auch versuchen, Propaganda für die Ansichten der englischen FrtedenSpartei zu machen und die Staatsmänner, welchen er auf seiner Wanderung begegnet, zu Gunsten der vom Ezareu vorgeschlageueu Conferenz zu be- riustuffen suchen.
Loudon, 20. September. „Daily Mail" berichtet au« Odessa, daß die russische Preffe die französische Regierung auffordere, ihre Forderungen bezüglich Faschoda und de« oberen Nil aufrecht zu erhalten. Frankreich könne sich in dieser Frage auf die Unterstützung Rußland« verlaffen.
Loudon, 20. September. „Standard" meldet au« Madrid, daß die Räumung Kandia« und Portort co« erfolgt sein müsse, bevor der Frieden«au«schuß in Pari« zusammentrete. Spanten fordert nunmehr von Amerika, alle FestuugSgeschütze nach Spanien zurückbriugen zu dürfen, die vor Beginn der Feindseligkeiten auf Cuba und Portorieo ausgestellt waren und durch die Capitulattou tu die Hände der Amerikaner fielen.
Madrid, 20. September. In Huelago find 85 Hauser durch ein Unwetter zerstört worden.
— Nach der neulich erfolgten Krönung hat Königin Wilhelmina am Dienstag ihren ersten StaatSact voll« zogen, nämlich, von der Königin-Mutter begleitet, die Tagung der General-Staaten eröffnet. Ja der Thronrede gedachte die Königin zunächst der fett ihrer Thronbesteigung zu Tage getretenen unzähligen Beweise der Vaterlandsliebe und der Anhänglichkeit an die Dynastie; die Erinnerung an dieselben werde unauslöschlich sein. Die Thronrede hebt sodann hervor, daß der Zustand de« Laude« und der Völker unter mehreren GefichtSpunkten befriedigend sei. Die auswärtigen Beziehungen seien fortdauernd sehr freundschaftliche. Mit besonderer Sympathie sei der Vorschlag des Zaren betreffend die Begrenzung der Rüstungen ausgenommen worden. Sodann berührt die Thronrede die Lage in den Colonien, betont, daß die in Atschin erzielten Ergebnisse da« Vertrauen in eine dauernde Besserung de« Stande- der Dinge dort rechtfertigen und widmet der au«dauerudeu und heldenmüthigen Haltung des Heeres und der Flotte ehrende Worte. Die diesmaligen Aufgaben der Gesetzgebung bezeichnet die Thronrede als von großer socialer Bedeutung. Es werden Vorlagen angekündigt, die die Verbesserung der Arbeiterwohuungen und die Bekämpfung der übermäßigen Beschäftigung Erwachsener in den Fabriken zum Zwecke haben. Ferner sollen die indischen Finanzen gestärkt und die Verwaltung der ostindischen und westindischen Colonien verbessert werden. Die Abänderung der Einfuhrzölle, heißt es schließlich, fei nahezu beendet.
— China geht ernstlich daran, Reformen einzuführen und e« scheint, al« ob der Kaiser, der fich schon seit einiger Zett den ausländischen Einrichtungen geneigt zeigt, diesmal von guten Berathern umgeben wäre. Der Vicekövig von Tschili, Tschung-Lu und der kaiserliche Verwaltung«- commissar find durch ein Edict deS Kaiser« von China beauftragt worden, mit den Bicekönigen und den tatarischen Generalen der Küstenprovinzeu über die Errichtung von Marine-Akademien und den Bau von Schulschiffen für Cadetteu und junge Marineoffiziere zu beratheu. Zugleich wird in diesem Edict den Mitgliedern deS Tsungli-Uameu und den Präfideuten de« Berg- und EisenbahudepartementS befohlen, ein Reglement au«zuarbetten über die Errichtung von Eisen- Lahnschulen in allen bedeutenden Punkten des Reiche- und über die Errichtung von Bergschulen in den Provinzen, wo fich Bergwerke befinden. Am 10. August ist ein andere« Edict de« Kaiser« veröffentlicht worden, da- die Minister und die hohen Beamten in den Provinzen des Reiche» auffordert, eifrig zu wirken und in seinen Bestrebungen, da« Land zu reformiren, dem Kaiser zu helfen, der dabei sagt: „Al» ein Unglück für China ist die tief eingewurzelte Verknöcherung und die Anhänglichkeit an die alten und veralteten Bräuche anzusehen. Jeder Beamte muß e« für seine Pflicht halten, diese Verknöcherung abzuschütteln ohne RUckficht auf da- feindselige Verhalten der Mehrheit zu den Neuerungen."
San Francisco, 20. September. Im Laufe dieser Woche werden 12000 Mann Truppen nach Manila abgehen.
CocaUs rrnd provinzielles.
Gießen, 21. September 1898.
•* Bon der Universität. Die Großh. Ministerium des Innern und der Justiz haben an die zweite Kammer der Stände de» Grohherzogthums folgende Zuschrift gerichtet: Mit Rücksicht auf da» am 1. Januar 1900 in Kraft tretende Bürgerliche Gesetzbuch ist eine Neugestaltung de» Studium» der Rechtswissenschaft, wie au den anderen deutschen Universitäten, so auch an der Lande-'Universität zu Gießen, sowie eine anderweite Regelung der ersten juristischen Prüfung erforderlich geworden. E» kommt darauf an und e» ist jetzt schon dir Einrichtung getroffen, daß da- deutsche bürgerliche
Recht im Mittelpunkt de- Unterricht« steht, so daß es im Lehrplan der Universität die Bedeutung hat, welche bisher den beiden Vorlesungen über Pandekten und über deutsche« Prtvatrecht eingeräumt war. Um die dringend wünschen-- werthe Vertiefung der Studirendeu der Rechtswissenschaft in die wichtige und umfangreiche Materie des bürgerlichen Rechts thuulichst zu fördern, beabsichtigen die unterzeichneten Ministerien bei der in der Kürze zu erlassenden neuen Prüfungsordnung für die juristische Facultät-prüfung ein größere- Gewicht auf die Theilnahme der Studirenden an den practischen Uebungeu im bürgerlichen Recht zu legen und die Zulassung der Candi- daten zur ersten juristischen Prüfung davon abhängig zu machen, daß sie ihren Gesuchen Arbeiten beifügen, welche während der ersten Halste der Studienzeit in einer Uebung im deutschen bürgerlichen Recht und während der zweiten Hälfte in einer Uebung im deutschen bürgerlichen Recht und in einer ctvilproceffualischen, da- bürgerliche Recht mitum- fassenden Uebung angefertigt find. Diese Arbeiten sollen von den Docenten mit einer schriftlichen Beurtheiluug versehen sein, au- der fich ergibt, daß die Arbeiten mit dem Candi» daten besprochen worden find. Auch wird es nöthig sein, daß die Candidaten ihren Zulaffung-gesucheu ein Gesammt- zengniß beifügen, daß dieselben mit Fleiß und Erfolg au der Uebung Theil genommen haben. Um diesen in Hessen zu erlassenden Vorschriften und um auch den tu anderen Staaten bereit- erlassenen oder noch zu erwartenden ähnlichen Bestimmungen Genüge zu leisten, find an der LandeS-Univerfität die uothwendigen Uebungeu bereits eingerichtet und so auch für da- kommende Winter-Semester angekündigt worden. Diese Uebungeu, im Verlauf deren die Arbeiten mit deren Verfassern zu besprechen, Censureu zu ertheilen und schließlich Gesammtzeugnifle über den beobachteten Fleiß und Erfolg auszustellen find, stellen naturgemäß erheblich größere Anforderungen an die Kräfte der Professoren de- bürgerlichen Rechts. ES ist deshalb erforderlich, um die wissenschaftliche Wirksamkeit der in Betracht kommenden Docenten nicht zu sehr zu schädigen und um die Coutrole in den Uebungeu wirksamer zu gestalten, daß den Professoren rin Asfistent betgegeben werde, welcher denselben speciell tn den mehrerwähnten Uebungeu Unterstützung leistet. Die Einrichtung mußte be- reit« mit Wirkung vom 1. Oktober 1898 getroffen werden, da im kommenden Winter-Semester die Uebungeu in ihrem ganzen Umfang aufgeuommeu werden sollen, und find deshalb oorlagSwetse die erforderlichen Mittel mit 2000 Mk. jährlich von diesem Zeitpunkt ab auS dem Fonds sür öffentliche und gemeinnützige Zwecke zur Verfügung gestellt worden. In der Person des Privatdocenten Dr. Jung ist eine geeignete Persönlichkeit für daS Amt eines Assistenten gefunden und derselbe als solcher auch schon bestellt worden. In Allerhöchstem Auftrag Sr. Kgl. Hoheit des Großherzog- beehren sich die unterzeichneten Ministerien an die Stande des GroßherzogthumS, und -war zunächst an die zweite Kammer, da-Ansinnen zu richten: „Für die Bestellung eine« Assistenten zur Unterstützung der Professoren de« bürgerlichen Recht- an der LandeS-Univerfität in den practischen Uebungen mit Wirkung vom 1. October 1898 die Summe von 2000 Mk. jährlich zu Lasten der Uederschüffe der laufenden Finanz- periode zur Verfügung zu stellen."
** Stadttheater. Die Eröffnung der hiesigen Stadttheater«, in welchem bekanntlich während der Sommerpause große bauliche Veränderungen vorgenommen worden find, erfolgt am Sonntag den 2. Oktober l. Ihr«. Der neue Prospect, welcher über das engagirte Personal, über aufzuführende Stücke, AbonnemrntSbedingungen rc. rc. Aufschluß giebt, ist fertig gestellt und gelaugt nunmehr zur Vertheilung. Die Rückseite des Prosprecte« enthält den neuen Plan der Plätze, auf welchen die Theaterintereffenten ganz besonder« aufmerksam gemacht werden. E« find im Zuschauerraum zehn Logen neu erbaut worden- davon enthalten acht Logen je acht Sitze, zwei Logen je vier Sitze. Auf Wunsch werden an die Abonnenten auch ganze Logen nach Vereinbarung abgegeben. Die Abonnemeutliste circultrt in den nächsten Tagen und wird den hiefigen Theaterfreunden, welche den Bestrebungen der Direktion Kruse und Helu; erfreulicherweise ein immer größeres Interesse entgegenbringen, auss Beste empfohlen.
Da» große Herbst-Wettrennen auf der Rennbahn an der Hardt findet Sonntag den 2. Oktober, Nachmittag« 3Vs Uhr, statt. Das Programm weist folgende Rennen auf: 1. Fahren um den Ehrenpreis der Deutschen Sport-Behörde über 1 Kilomtr. 2. Melsterschaft«-Fahreu von Süddeutschland über 10 Kilomtr. 3. Fahren um den Curatorium- Wanderpreis über 4000 Mtr. 4. Niederrad-Vorgabe-Fahren über 2000 Mtr. 5. MeisterschaftS-Fahren von Süddeutsch- land über 25 Kilomtr. 6. Mehrsitzer-Fahren über 2000 Mtr. — Au Festlichkeiten find vorgesehen: SamStag den 1. Oktober: Abends 9 Uhr: Zusammenkunft und Begrüßung der bereits angekommenen Gäste im VereinSlocal, „Restaurant ElgeS" (SelterSweg). Sonntag den 2. Oktober: Vormittag- 11 Uhr Frühschoppen mit Musik im Verein-local. Nachmittag- 21/i Uhr Aufstellung zum Corso an Stein- Garten. Nachmittag« 2V2 Uhr pünktlich Großer Corso mit Musik. Nach- mittag- 3r/z Uhr pünktlich Beginn der Rennen. Abend- 8Va Uhr Gesellige Zusammenkunft mit Damen auf der Hardt- Terrasse. Daselbst Juxplatz, bengalische Beleuchtung, Concert, Prei-vertheilung, Tanz.
*♦ Bolk-bad. Heute Morgen mit dem Glockeuschlage acht Uhr hat der Dienst tn unserem herrlichen neuen Bolk-bad begonnen. Die beiden ersten Gießener, die fich in die blaue Fluth stürzten, waren Herr Geh. Hofrath Oncken und Herr Weinhäudler Schwan jun.
** (Unliebsam verspätet). Die Lehrer der hiesigen Volk»- schule vereinigten fich am vorigen Mittwoch zu einer kleinen Feier im „Kaiserhof". Galt eS doch Abschied zu nehmen I von ihrem Collegen Herrn Backes, welchem mit Wirkung vom 15. d. MtS. ab eine Lehrerstelle an der Realschule zu Obersteiu-Jdar übertragen wurde; galt eS doch „Lebewohl" zu sagen einem biedern AmtSgenoffen, einem Manne, der fich
während seines zwölfjährigen Hiersein- nicht nur die Lieb und Achtung seiner Berufsgenoffen, sondern auch die Shmpa thien weiter Kreise erworben hat. Biel über seine berufliche Thatigkett zu sagen, ist hier nicht der Ort. Hervorgehobeu sei nur, daß seine Vorgesetzten ihn sehr uogern scheiden sahen, und daS ist sür sein Wirken wohl da- beste Zeugniß. War er doch bemüht, al- Lehrer und Erzieher stets seinen Posten ganz und voll auszufüllen und seine Kraft für die Interessen der Schule und de- Lehrerstandes einzusetzeu. Darum wird er bei seinen Schülern, Collegen und Vorgesetzten noch lange in ehrendem Andenken stehen. Neben seiner beruflichen Thätigkeit zeigte er auch da stet« rege« Interesse, wo es galt, eine gute Sache zu unterstützen und zu fördern. So wird mau gewiß in dem „Mäuuerturuverein", an drssra Spitze ihn schon vor Jahren das Vertrauen seiner Turu- genossen berief, nicht vergessen die Verdienste, welche er fich um diesen Verein und die Turusache überhaupt erworben hat. Sein hiesiges Wirken und seine Charaktereigenschaften geben un- die Gewißheit, daß er auch in seinem neuen Wirkungskreise fich ebenso die Werthschätzung und da- Vertrauen seiner Amt-geuossen und Mitbürger erwerben wird. Mögen alle die Wünsche in Erfüllung gehen, die ihm seine hiefigen Collegen bet der Abschted-feier mit auf den Weg gaben, und möge Herr Backe- dort finden, wa- er hier etwa vergeblich erhofft.
* * Hessische Geldlotterie. Bi- zum Sam-tag-Abevd wurden folgende Gewinu-Nummern gezogen: Nr. 17 260 (100 Mk.), 20865 (100), 21714 (1000), 24484 (100), 28 496 (100), 32033 (100), 37 432 (100), 39883 (100), 43 703 (500), 56 686 (100), 75646 (2000), 81179 (100), 88651 (100), 90130 (5000) 101995 (100), 112264 (100), 124671 (100), 124763 (100) 125760 (3000), 131595 (25000), 147 349 (500), 42312 (10000), 69707 (3000), 110003 (1000), 52265 (500), 88640 (500), 104162, 12255, 134831, 101165, 4379, 7906 je 100Mk. (Ohne Gewähr!)
* • Das Kaiserabzeichen für vorzügliche Leistungen i« Schießen, welches alljährlich vier Batterien der preußischen Feldarttllerie verliehen wird, erhielt für 1898 u. A. die 7. Batterie des Feldartillerie Regiment» Nr. 33 in Metz. Der Batteriechef, Hauptmann Weber, stand, wie dem „Wormser Tagblatt" mitgetheilt wird, bi» zum Jahre 1890 im hesfischen Feldartillerie-Regiment Nr. 25.
* * Der Verfichernngsverdand hessischer Lehrer, vor kaum Jahresfrist in Wirksamkeit getreten, zählt schon an 650 Mitglieder. Einem Mitglied aus Friedberg, da« durch einen Zimmerbrand geschädigt wurde, ist die erste Entschädigung mit etwa« über 200 Mk. dieser Tage au« der Berbaud«kaffe bezahlt worden.
• • Wetterbericht. Die Depression, welche gestern über Skandinavien lag, ist bi« zu den Ostseeprovinzen hereingerückt, während im Norden von Schottland ein neue« Minimum erschienen ist. Die südlichen Winde an der Küste von Irland und an dem Canal deuten darauf hin, daß noch weitere Depressionen von Westen her Nachfolgen. In Süddeutschland und über dem Alpengebiet ist der Luftdruck allerdings wieder gestiegen und ist vorübergehend klares Wetter eingetreten. Die Morgentemperaturen waren nach einer kühlen Nacht auf unserem engeren Gebiete tiefer als gestern. — Voraussichtliche Witterung: Von Westen her wieder Zunahme der Bewölkung.
w. Friedberg, 20. September. Am verflossenen Samstag tagte hier im „Pfälzer Hof" unter dem Vorsitz des Herrn Lehrer Müller ans Fauerbach eine aus 13 Bezirksvereinen ungemein zahlreich beschickte Lehrerversammlung, die nach einem kurzen einleitenden Vortrag deS Herrn Lehrer Winn in Staden und kurzer, fich anschließender Diskussion einstimmig beschloß, den Vorstand deS Landeslehrervereins zu ersuchen, bet der Regierung und den Ständekammern dahin zu petitionireu, daß erstens die Volksschullehrer den Beamten mit gleichwerthiger Vorbildung, bezw. den in der Kategorie der Volksschullehrer angestellten Lehrern an den höheren Lehranstalten int Gehalt gleichgestellt werden, daß zweiten- die persönlichen Au-gaben für die Volksschule auf die Staatskasse Übernommen werden, und daß dritten- die Verstaatlichung der Volksschule tn die Wege geleitet werde. Die Berstaatlichungsfrage stand bei den Lehrern seither vielfach int Vordergründe der Erörterungen. Man verschließt fich aber jetzt nicht mehr der Ueberzeugung, daß fich der Lösung dieser Frage Schwierigkeiten entgegenstellen werden, die nicht so kurzer Hand zu überwinden find. — In einzelnen Gemarkungen unserer Gegend hat man mit dem Au-machen der Kartoffeln bereits begonnen. Mit dem Ertrage find die Leute recht zufrieden. WaS bei der nassen Witterung des Vorsommers avfing zu faulen, ist eben gänzlich .zerstört; darum find die Knollen jetzt gesund und wohlschmeckend. Die Leute haben in diesem gesegneten Jahr Stroh tn Hülle und Fülle zum Einstreuen, und nicht nur riesige Strohhaufen stehen in Masse auf den Feldern, sondern auch große mit Stroh gedeckte Grummethanfen. Mit wenig Auslagen konnte man das Grummet erstehen. Ja den Gemarkungen an der Nidda nördlich von Nieder-Florstadt konnte mau bei den Versteigerungen oft einen Morgen Grummetgras für 40 Pfg. steigern. — Für den Centuer Zwetschen werden eben 5 bis 8 Mk. bezahlt. Dieser Preis muß als sehr hoch bezeichnet werden.
-s- Rainrod, 20. September. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde die Scheuer der BechtoldSmühle da» Opfer einer Brandstiftung. Als der That dringend verdächtig ist rin lediger Maurer gestern verhaftet worden, welcher vor Ausbruch des FruerS eine diesbezügliche Unterredung mit einem Genossen geführt haben soll, die zur Ermittelung des Thatbestandes beitrug.
)( Heghei«, 20. September. Gestern Mittag gegen 2 Uhr ertönten die Sturmglocken; es brannte die Scheuer de» Landwirths Carl nieder. Wie wir hören, ist am Sonntag in Nidda und tn Rainrod je eine Scheuer abgebrannt.


