Nr. 118 Erstes Blatt. Sonnta« den 22. Mai 8S9S
Gießener Anzeiger
General-Unzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren
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sich de» Marblehead nach einem wöbet 800 Spanier gefallen setn
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Wie qu» Konstantinopel ge« Abdullah Pascha heute nach
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Berlin, 20. Mat. meldet wird, begibt sich
Rebectten, Expedition und Druckerei:
Fchulßntze Nr. 7.
Sieben, 21. Mat 1898.
• • ReuterRecitattou. Die für Freitag Abend äuge« kündigte Ketzler'sche Reuter.Racttatiou war vermuth. ltch in Folge der ungünstigen Witterung dermaßen spärlich besucht, daß e» geboten erschien, dieselbe zu verschieben.
H.- Sportplatz an der Hardt. Bei den morgen statt, .findenden Rennen werden die Nummern der jeweils
Berlin, um den ältesten Söhnen Kaiser Wilhelm» Orden», decorattonen, welche der Sultan denselben verliehen har, zu überreichen.
Leipzig, 20. Mat. Der Vorstand der „Leipziger Börsen« "Halle", Fritz Schubert, ist heute Mittag gestorben.
Leipzig, 20. Mai. Im Land e»v errath»prozeh Mluterer verurthetlte heute das Reichsgericht Mtnrerer zu fünf Jahren und einem Monat Zuchthaus unb zu zehn Jahren Ehrverlust.
flbirfk für Dcpefchen: Anzeiger Gieße«.
Fernsprecher Nr. 61.
lasten eine Steigerung zu. Was frei ist, ist sret, und mehr wie tobt kann Etwa» nicht sein. Amtlich heißt es daher auch nicht „Ganz frei", sondern „Frei einschl. Bestellgeld". Diese» „Frei einschl. Bestellgeld" wird indeß von Bielen zum eignen Nachtheil nicht immer genügend beachtet- dadurch entstehen denn sehr häufig Weiterungen und üderfiüsstge Kosten, wa» bei einiger Ausmerksamkeit leicht zu vermeiden wäre. Bekannt- lich erhebt die Post bei Packeten, Postanweisungen und Geld- briesen außer dem Porto noch eine besondere Bestellgebühr für die Zustellung der Sendungen am Bestimmungsort. Diese Bestellgebühr wird in der Rrgel vom Empfänger ge. zahlt und nur ausnahmsweise vom Absender. Sie muß vom Absender gezahlt werden im Verkehr mit vstcntltcheo Kaffen und Behörden. Diesen stehen nämlich Mittel zur Zahlung der Bestellgelder nicht zur Bersügung- diese Kaffen und Behörden verweigern daher in der Regel alle Postanweisungen rc., sür welche da« Bestellgeld nicht vorausbezahlt ist. DaS Geld gelangt an den Absender zurück, und bis dies geschehen, ist u. U. der Zahlungstermin überschritten und die Forderung eingeklagt.
• • Beschaffung von Arbeiterwohnungen. Zu dem Zwecke der Anfertigung einer kartographischen Ueberficht für die im Jahre 1900 in Paria stattfindende Weltausstellung hat da» Großh. Ministerium eine Erhebung über die «e- fchasfuug von Arbeiterwohnungen angeordnet. Alle Verwaltung»-Behörden find beauftragt worden, bi» zum 15. Juni d. I. einen Bericht an ihre Kreisämter einzufenden, ob Wohnungen für Arbeiter in der fraglichen Gemeinde bi» jetzt zur Ausführung gelangt find ober, ob solche Ausführungen noch im Laufe diese» Jahre» vorgenommeu werden. Die Bürgermeistereien find beauftragt worden, diese Erhebungen entweder durch Arbeitgeber, durch Baugeuoffenschasten oder durch gemeinnützige Gesellschaften vornehmen zu laffen.
*• Mahnung am Sonntag Fällt der an einem Festtage unternommene Gang zur Schuldeintreibung und diese selbst unter den Begriff der Sonntagsentheiligung? Die Strafkammer zu Hanau hatte in Ueberetnstimmung mit dem vorderrichter diefe Frage bejaht und einen Händler, der in der auSgefprocheuen Absicht, einen Betrag von 2 Mk. ein- zuziehen, an einem Sonntag vormittag zwei Mal zu einem Schuldner gegangen war und deffen Frau gemahnt hatte, aus Grund einer Regierungsverordnung vom 81. December 1896 zu einer Geldstrafe verurtheilt, indem angenommen wurde, daß sowohl der Gang zum Zweck der Mahnung, al» auch diese selbst al» „Arbeit" angesehen werden müffe. Jeder, der den Angeklagten und seine Gewohnheit, am Sonntag Schulden eiuzukasfiren, kannte, konnte auch über den Zweck seines Ganges gar nicht im Zweifel fein, und zwar um so weniger, al» hier die Annahme eine» etwa sreundschastlichen oder verwandtschastlichen Besuches durchaus auSgeschloffen war. Auf die Revision de» Angeklagten hat der Strafsenat des Kammergerchit» die Vorentscheidung aufgehoben und auf Freisprechung erkannt, da da» Hingehen zu einem Schuldner keine öffentlich bemerkbare Arbeit sei, und ein solche» Gehen sich auch nicht von anderem Gehen unterscheide. Auch da» Etntreiben einer Schuld könne al» eine öffentlich bemerkbare Arbeit nicht angesehen werden. Daß sich der Angeklagte hierbei und auf seinem Gange etwa auffällig benommen habe, sei nicht festgestellt worden.
•• Zur Nachahmung empfohlen. Saßen da — so erzählt mau der „Täglichen Rundschau" — im Gastzimmer de» „Sächsischen Hofe»" in Weißenfels zwei leidenschaftliche Spieler beim Sechsundsechzig. Allein die ungetrübte Freud, deö Spiel« wurde ihnen leider durch zwei „Kiebitze" beeiu- trächtigt, die ohne Unterlaß ihr befferes Berständniß kund zu thun bemüht waren. „Ach, wären Sie so freundlich, mein Spiel einen Augenblick zu übernehmen?" ließ sich der eine Spieler feinem „Kiebitz" gegenüber vernehmen. „Sehr gern." — „Ach, Sie spielen wohl mal ein bischen für mich", bat der andere Spieler den anderen „Kiebitz". Und nun spielten die beiden Vertreter mit Feuereifer die ihnen über- tragene Partie, während die beiden Spieler — im Hinter- stübchen ihre Partie ungestört weiter spielten.
•• Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: die mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mittel-Seemen, Kreis Schotten. Mit der Stelle ist Organillen- und Ltciorendieust verbunden. Dem Herrn Fürsten zu Stolberg-Roßla Ortenberg steht da» Präsentation»« recht zu derselben zu- die mit einem katholischen Lehrer zu besttz'nde Lehrerstelle an dec Gemeindeschule zu Haiuhausen, Kreis Offenbach. Mit der Stelle ist Organistendieust vrr- bunden, beide mit dem gesetzlichen, «ach dem Dienstalter be» mrssenen Gehalt.
Startenden durch einen neuen Apparat so bekannt gegeben, daß diese auf allen Plätzen gleich gut ersichtlich sind. Dadurch ist Jedermann in der Lage, an der Hand de» Programm» die Namen aller Fahrer, welche gerade in Wettbewerb treten, ohne Wettere» festzustellen Dem Rennen selbst geht ein Preis-Corso durch die Straßen der Stadt unmittelbar Vorau», deffen Aufstellung um 2 Uhr an Stein» Garten erfolgt — Der Weg, welchen derselbe nimmt, ist folgender: LudwigSplatz — Neuen-Bäue — MäuSburg — Kreuz — SelterSweg — Süd« und Ost'Anlage — Marburger Straße — Lindenplatz — Kirchenplatz — Markt — Neustadt nach dem Sportplätze. Für Diejenigen, welche per Rad zum Sportplätze kommen, fei erwähnt, daß genügend Platz geschaffen ist, um die Maschinen in überdachten Räumen ein- zustellen. Schließlich sei noch erwähnt, daß von böswilliger Seite am Freitag Abend bei Jntereffenten das gänzlich unwahre Gerücht verbreitet wurde, die Rennen seien um vier- zehn Tage verschoben. E» ist dadurch eine erhebliche Schädigung entstanden und Anzeige soll deshalb sofort er« stattet werden.
• • OmnibuSverbindung. Sportplatz — Marktplatz. Zu den morgen (Sonntag) und übermorgen (Montag) auf dem Sportplätze an der Hardt stattfindenden Rad-Rennen wird zwischen Marktplatz und Festplatz ein regelmäßiger Omnibußverkehr eingerichtet. Sonntag Nachmittag von 3 Uhr, Montags von 4 Uhr an ab Marktplatz. Die Fahrten von und nach dem Schiffenbergerwald werden an diesem Tage eingeschränkt aber nicht eingestellt, so daß den Besuchern de» Walde» ebenfalls Rechnung getragen ist.
• * Hochwasser. Die heftigen Niederschläge der vergangenen WochL, besonder» diejenigen am Himmelfahrtstage und gestern Abend, haben die Lahn und ihre Nebenfiüffe wieder über die Ufer getrieben, anscheinend aber auch bv deutenden Schaden an Acker- und Gartenland angerichtet. Die Wieseck hat das zwischen der Stadt und dem Philosophen- wald gelegene Wiesengelände überschwemmt und im Stadtgebiet ist ihr Waffer stellenweise in die angrenzenden Gärten Übergetreten. Die Lahn hat fich über das gewohnte Ueber- schwemmungSgebtet, den Schweinemarkt und einen Thetl des Neustädter Felde», ergoffen und führt allerlei Gegenstände, Holz rc. mit sich. Einen empfindlichen Schaden hat sie indeß unseren BadeanstaltSbefitzern zugesügt, denn in den ersten Morgenstunden des heutigen Tages gerieth sowohl die Benuer'sche wie die Rübsamen'sche Badeanstalt in» Wanken, und kurz darauf trieben die Trümmer beid-r Anstalten stromabwärts. Die Anstalt des Männer-Bade-Verein» hat weniger gelitten, da sich Zellen derselben auf dem Flusse nicht befanden- daS städtische Knabenbad konnte durch rasch getroffene Vorkehrungen gesichert werden. Bor etwa fünfzehn Jahren wurden schon einmal dieselben beiden Badeanstalten fortgeschwemmt, damals aber stand man nahe vor dem Schluß der Badesaison, während diesmal kaum mit dem Baden begonnen worden. E» ist sehr fraglich, ob die Gießener Bevölkerung während de» Sommer» dem Badegenuffe sich so wird hingeben können, wie sie eß gewöhnt ist, denn die Anstalten werden schwerlich so rasch wieder herzustellen sein, daß sie noch während der Haupt-Badezeit benutzt werden können. — Daß Landrathßamt Marburg hat telegraphisch weitere» Steigen de» Wasser» hierher gemeldet. — Angesicht» de» Hochwafferß drängt sich die Frage auf, ob die Eisenbahndirectiou nicht endlich der Herstellung einer befferen Fußgänger-Verbiudung zwischen Personen« und Güter Bahnhof näher treten wird. Die kürzeste zur Zeit vorhandene Verbindung führt bekannt- lich hinter dem Lenz'schen Felfenkeller über die Wiefeck und durch die Ueberbrückung nach der Jenseite de» Bahndammes — und dieser Weg ist zur Zeit meterhoch übersluthet. Daß aber ein zwei Kilometer langer Umweg, um vom Personen- nach dem Güterbahnhof zu gelangen, eine besondere Annehmlichkeit ist, wird gewiß Niemand behaupten wollen.
* * Festgenommeu. Gestern Nachmittag stieg ein Fremder in eine Studenteukneipe durch da» offenftehende Fenster ein, erbrach verschiedene Behältnisse, wurde aber dann gestört, vom Hausbesitzer festgehalten und der Polizei übergeben.
• • Die Droguisteu wird die Nachricht intereffireu, daß in einer am Donnerstag im ReichSgefundheitSamt abgehaltenen Besprechung von den Vertretern der Reichsregierung die Zu- fichernng einer Revision der BundeSrathSverordnung vom 9. März 1897 gegeben wurde, „da die Besprechung gezeigt habe, daß die Droguisteu durch die jetzigen Bestimmungen be- uachtheiligt seien."
• • Frei, Ganz frei. Da» im Verkehr mit der Post so gebräuchliche „Ganz frei" ist an und für fich ebenso unrichtig wie da» bekannte „Ganz tobt", bean weder „frei" noch „tobt"
Deutsche» BHd?,
Berlin, 20. Mai. Reichskanzler Fürst Hohenlohe lud für heute den StaatSfecretLr, die Directoren, sowie sämmtliche Räthe des ReichsJuftizamt» zur Tafel anläßlich de» Zustandekommens des Bürgerlichen Gesetzbuches und der damit zusammenhängenden Gesetze.
Berlin, 20. Mai. Daß „Berl. Tagebl." meldet auß London: AuS Kingston wird gemeldet: Der Dampfer „Adulo" begegnete in der letzten Nacht sieben Kriegs- schiffen, welche in doppelter Colonne in der Paffage zwischen Euba und Jamaica fuhren. Man glaubt, daß die» daß spanische Geichwader gewesen sei. — Weiter verlautet, die
Pari», 20. Mai. Easttllo wird da» Portefeuille deß 'Ministers bt» Aeußeren annehmen unb noch heute nach Mabrib abreifen.
London. 20. Mai. Ganz England trauert über Gladstone» Tod. Die großen Zeitungen sind mit trauer- umränderten langen Nekrologen, Biographien unb Schilderungen der letzten LebenSstuuden de» verblichenen Staats- manne» gefüllt. In London find die Flaggen auf den öffentlichen Gebäuden Halbmast gehißt und andere Trauer- zeichen entfaltet. Alle Festlichkeiten bei Hofe unb bei Staats« Würdenträgern anläßlich de» morgigen Geburtstage» der Königin find abbestellt. Die Familie Gladstone empfing unzählige Beileidstelegramme von nah und fern, die ersten von der Königin, dem Thronfolgerpaar, dem Deutschen Kaiser und Herrn Faure.
Bonbon, 20. Mai. Die ungünstigen Mittheiluugen über ben Gesundheitszustand Balfour» werden al» Übertrieben bezeichnet mit dem HinzufÜgen, Balfour fei nur erkältet gewesen.
London, 20. Mai. „Stauda:d" meldet au» L i v e r p o o l, daselbst set die Nachricht eingetroffen, die amerikanische Regierung habe der englischen verfichert, die canarisch en Inseln würden nicht von den Amerikanern beschossen werden, da sich dort zahlreiche englische Niederlaffungen befänden.
London, 20. Mai. Wie auß Boltrian ((Sanaba) gemeldet wirb, finb bort mehrere Schiffe eingetroffen, welche belichten, baß betriebene spanische Kriegsschiffe in der Nähe ber norbamerikanischen Küste gesehen würben. Daß Marmebepartement in Washington wurde sofort hiervon in Kenutniß gesetzt, um Maßregeln zu treffen. Ein gewaltsame» Borgehen der Spanier gegen New York dürfte ver- hindert werden.
Madrid, 20. Mai. In Gibraltar herrscht eine derartige Thätigkeit, daß man an eine Berproviantirung gegen eine eventuelle Belagerung glauben könnte. In den letzten vierzehn Tagen wurden dort 100,000 Tonnen Kohlen au»- geladen.
Konstantinopel, 20. Mai. Im Hause deß Herausgeber» de» „Moniteurs Ddental" in Pera explodirte eine von unbekannter Hand gelegte Bombe.
Washington, 20. Mai. Dem Mariueamt wurde gemeldet, daß in San Jago de Cuba nur ein kleiner Theil der spanischen Flotte eingelaufen sei, während die Bewegung de» übrigen Theil» ber Flotte gänzlich unbekannt ist, wa» große Beunruhigung hier hervorruft.
Erscheint täglich Bit Ausnahme des Montags.
Die Gießener MamilieuSlätter Berben dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.


