Ausgabe 
22.4.1898 Zweites Blatt
 
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kann. Bäckerei ist zwar ein Handwerk, da« seinen Mann ernährt, jedoch find die Bäcker zu bedauern, wenn sie auS- verkauft haben, weil sie dann brotlos sind. Kutscher lieben die Hiebe und führen gern die Zügel. Töpfer sind gewöhnlich Leute von gutem Ton. Maurermeister pflegen steinreiche Leute zu sein. Ein Seifensieder kann wohl kerzengerade gehen, braucht aber deßhalb doch noch kein großes Licht zu sein.

Eine Kinder Ausstellung wird der Berliner Vegetarier- Verein veranstalten. Er will damit den Fleischesiern beweisen, um wie vieles besser Kinder bei Pflanzennahrung als bei Fleischkost gedeihen.

Bemerkungen: Die Wtntergetreidesaaten Haden flut überwintert und zeigen allgemein einen befriedigenden Stand. Ber- einzelt wird über Beschädigung, namentlich des Roggens, durch Schnecken im Herbste fleklagl. Die Frühjahrssaaten sind nahezu beendet und in den wärmeren Lagen und auf leichteren Boom be­reits grün. Auch Klee und Luzerne haben den milden Winter gut überdauert und stehen ebenfalls gut. Mit dem Anbau der Kar­toffel wird zum Theil noch zurückgehalten.

Nachrichten über den Saatenstand im Grostherzogthum Heffen

UM die Mitte de« Monat« April 1898.

Husammengestellt bet der Großherzoglichm Oberm landwtrthschaft- ltchen Behörde.

Im Verlage der Köntgl. Hosbuchhandlung von E. S. Mitt­ler L Sohn in Berlin wird im Herbst d. I. ein verdienstliches Derk zur Ausgabe gelangen, welches lebhafter Beachtung auch weitester Kreise, vor allem aber der phttosophtschen Fachkreise, sicher sein darf. ES ist dies ein Wörterbuch der philosophischen Begriffe und Ausdrücke in quellenmäßiger Darstellung (herausgegeven von Dr. Rud. Eisler). Unserer Zett darf wahrttch nicht mehr vor- !geworfen werden, daß sie philosophischen Betrachtungen abhold sei: e mehr die Fortschritte der verschiedensten Wtssmschaften unsere kenntniffe nach allen Seiten erweitern und ins Einzelne zertheilcn, desto stärker wird unweigerlich das Verlangen, ihren Zusammenhang zu erkmnm, ihre Einheit zu behaupten. Ein wesentliches Hinderniß, eine lästige Erschwerung stellt sich aber dieser Neigung entgegm: die AuSdruckSweise der Philosophie, ihre Terminologie Zwar die Be­griffe, die sie untersucht und erläutert, sind so sehr Gemeingut der Gebildeten, daß sie in der gesellichaftlichen Unterhaltung, im Schrist- stil des Verkehrs, in den politischen Verhandlungen wie in der Presse unbefangen angewendet und daher als allgemein verständlich voraus­gesetzt werden dürfen: um so wichtiger wird es nUn eben darum, Ihren wahren Sinn, ihre scharfe Begriffsbestimmung festgestrllt zu sehen. Wie viel mehr vollends, sobald mit ihnen operirt, sobald Schlüsse aus ihnen gezogm, Erkmntnisse gefolgert werden sollen, so­bald also die philosophische Denkweise sich ihrer fachwissenschaftlich bedient. Nichts kann daher für eine philosophische Erkenntniß so «othwendig und förderlich sein, al« eine einheitliche, über das Ge- sammtgebiet der Philosophie sich erstreckende, übersichtliche Erläuterung der verschiedenen Begriffe. Diese Handteistung will Eislers Wörter­buch seinen Lesern, feinen Besitzern bieten. Jedes Wort von philo­sophischem Werthe wird darin in seiner wesentlichen Begriffs­bestimmung erklärt und diese Bedeutung mit den wichtigsten Beweis- stellm philosophischer Forscher belegt. Der Werth des Werkes für die philosophische Wissenschaft besteht darin, daß es z igi, wie wichtig es ist, unter einem Sammelworte die verschiedenen Begriffs­bestimmungen wiederzugeben, die eben dieses BrgriffSwort in ver­schiedenen philosophischen Systemen erhalten hat. Erst solche Zu­

sammenstellung bringt Klarheit und Sicherheit in datz Derständniß 1 der philosophischen Lehren Ferner eröffnet da« Lexikon unter dem Stichworte der Begriffe zugleich den unmittelbaren, vollen Einblick in die Lehre, die Sonderanschauung jedes einzelnen Philosophen. ES gibt daher in seiner Eigenform gleichzeitig eine Uebersicht der einzelnen philosophischen Richtungen, kennzeichnet die Lehrgebäude der wichtigsten Philosophen, ja, fordert durch die Verschiedenheit, die über die Be­stimmung und Anwendung deS Begriffs bei den einzelnen Philo­sophen herrscht, den Leser geradezu auf, selbst ein Urtbeil zu fällen, welcher dieser Bestimmungen er beistimmen, welche als Rtrnpuntle er selbst daran« noch folgern will. Durch zweckmäßige Anordnung und Gruppirung wie durch das Hervorheben de« Wichtigeren wird versuatt werden, auch den inneren Zusammenhang zu erreichen. Berücksichtigt werben die meisten erkenntnißtheoretischtn, metaphysischen, logischen, psychologischen, ethischen, ästhetischen Begriffe und Termini, wie sie in der antiken, scholastischen, neueren und neuesten Philo­sophie in Gebrauch kamen. Bei jedem der dargestellten Begriffe soll auf die ihm verwandten verwiesen werden. ES kann nicht fehlen, daß ein solches Buch zu einem Handbuch, zu einem Sammelpunkte de« Interesses für Jeden wird, der sich seiner bedient, daß sein Be­sitzer neue Belagstellen an« seinen eigenen Wahrnehmungen, seine Lesefrüchte und Studienergebniffe bereichert und erweitert. Ein Quellenoerzeichniß wird das Werk, da« sowohl vollständig (Preis e,wa 18 Ml.) wie auch in Lieferungen zu beziehen sein wird, zweck­dienlich vervollständigen.

Hauptmann Laufs beabstchtigt eine neue Hohenzollern« Trilogie zu f»reiben, die als Fortsetzung de»Burggrafen" ge­dacht ist und drei weitere große Abschnitte aus der Geschichte des Hohenzollernichen Herrschergeschlechtes zur Grundlage bat. Während der letzten Wochen beschäftigte sich Lauff mit Quellenstudium, wozu ihm aus den Archiven werthvolle, theilweise bisher nicht zugängliche Werke und Sammlungen auSgehändigt wurden. Der Entwurf ist bereit« ganz für den ersten Theil der Trilogie fertiggeftellt. Er fand das Einoerständniß de« Kaifer«. Dieser Theil erhält den Titel Der Eisenzahn" und wird die Gestalt und Zeit Friedrichs II. (Eisenzahn) verherrlichen. Im Vordergründe des zweiten Dramas soll der große Kursürst stehen, im dritten Friedrich der Große. Der erste Theil soll noch in diesem Jahre fertiggeftellt und bei den Wies­badener Kaiserfestfpielen im Mai nächsten Jahre« aufgesührt werden. Der Kaiser theilte dem Dichter mit, daß er sein Berliner Archiv angewiesen habe, Lauff jedes Material zur Verfügung zu stellen.

Von Julius Stettenheim erfcheint im Verlage von Max Sftnfon, Charlottenburg, ein überaus lustiges Buch, »DaS Lied von der versunkenen Glocke und andere Parodieen" betitelt. Der beliebte Humorist bringt mit feinem neuen Werk eine Fülle origineller Gedanken und geistreicher Satyren, die sicherlich Aufsehen erregen werden. Aus dem reichen Inhalt werden neben demLied von der oerfuntenen Glocke" besonder« die eigenartigen ParodieenParlaphismuS im Thierreich" undDon Earlos als Solo-Lustspiel" die Sympathien deS Publikums erringen. Be­stellungen auf diefe intereffante Novität nehmen alle Buchhandlungen entgegen. _______

Citcratu* wnfc Kauft

Jena, 16. April. In diesen Tagen sind hundert Jahre feit der Ernennung deS damaligen außerordentlichen Professors Friedrich Schiller in Jena zum ordentlichen Professor der Philosophie ver­flossen. DieIenaische Wöchentliche Anzeigen" (Jenaische Zeftung) theilen die Ernennung in ihrer Nummer vom 20. April 1798 unter folgendenAkademischen Nachrichten" mit:Durch den im JuniuS de« vorigen Jahres erfolgten Tod des Hrn. Hofraths v. Schellwitz find in der hiesigen Juriftenfacultät folgende Veränderungen vor- Segangen. Hr. Hosialh Reichardt hat die dritte Stelle und die ftofessur der Pandecten erhalten; Hr. Hofrath Schnaubert ist mit Beybehaltung der Professur de« Staatsrechts in die 4te Stelle bin- «ufgerückt, und Hrn. Jufttzrath Hufeland ist die Professur der In­stitutionen und öte fünfte ordentliche Beysitzerstelle in der Facultät ertheilt worden. Außerdem ist Hr. Hofrath Schiller zum ordent­lichen Professor der Philosophie; die beyden außerordentlichen Pro- fefforen der Philosophie, Hr. D. Niethammer und Hr. D. Lange sind |u außerordentlichen Professoren der Theologie, und die bisherigen Privatdocenten, Hr. D. Tennemann und Hr. D. Vater sind zu außer- rbentlidjen Professoren der Philosophie ernannt worden.

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Universität- - Nachrichten.

Berlin. Der Geh. Med.-Rath Professor Dr. Ernst Gurlt feiert heute sein 50jähriges Doctorjubiläum.

Leipzig, 18. April. Heute Nachmittag starb der Prosessor der Musik an der Universität und dem Kgl. Eonservatorium hier, Dr. OSkar Paul, ein in weiteren Kreisen bekannter Musikgelehrter.

Wien, 16. April. Der Professor der altindischen Philologie und Slterthumskunde an der Wiener Universität, Hofrath Dr. Georg Bühler, ist am 7. April bei einer Kahnfahrt auf dem Bodensee nächst Rorschach ertrunken. Die Leiche konnte bisher nicht ge­borgen werden. Bühler stammt aus Hannover und ist 61 Jahre alt.

Cawfr und VsUsrvirthfchnst»

th***M, 20. April. Fruchtmarkt. Roth er Weizen X 18,58, weißer Weizen X 00.00, Rom X 12.59, Gerste X 00 00, Hafer X 8.13.

Provinzen und

Saatenstand.

Note 1 = sehr guter, 2 = guter, 3 --- mittlerer, 4geringer, 5 = sehr

geringer (

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Darmstadt . . .

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Erbach.....

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Groß-Gerau. . .

2

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6

Heppenheim . .

2

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Offenbach ....

2

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2

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Durchschn. f. Starkenburg

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1.7

Prov. Oberhefsen.

2

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8

Kreis Alsfeld.....

2

2

9

Büdingen....

2

2

2

2

10

Friedberg....

3

2

3

11

12

Gießen.....

Lauterbach . . .

1,5 2

2

2

2

1,5

2

2

13

Schotten ....

2

2

2

2

Durchschn. f. Oberhessen

2.1

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1 19

1 2.2

L=-

Prov. Rheinhessen.

2

2

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14

Landw.Ver.-Bez. Alzey

2

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Flonheim . .

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2

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17

Ingelheim . .

2

1,5

2

2

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Mainz . . .

3

3

3

3

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Nieder-Olm. .

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Oppenheim . .

2

1,5

2

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21

w Osthofen . . .

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Pfeddersheim .

2

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2,5

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Wöllstein . .

2

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Wörrstadt . .

2

1

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25

WormS . .

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2,5 n 2.5

3

2,5

Durchschn. f. Rheinhessen

2.3

1 -

18

1 2

2,2

1 24

Durchschnitt f. d. Grotzh.

2.2

1

1

1,9 II 2

2,2

1 2

Gdictaltadung.

Nachbenannte Parzellen der Ge­markung Arnsburg, nämlich:

t tn 24675 m Wege, Flur I Nr. 57 22350 m Bäche,

TT _ 3106 m Wege,

.h H Nr- 5 1263 m Bäche,

3225 m Wege.

" m " 1587 m Bäche,

VI Nr. 3 19813 m Wege,

VII Nr. 2 12594 m Wege, M VIII Nr. 7 9881 m Wege, befinden sich seit unvordenklicher Zeit im Besitze des Gräflich Solms« Laubach'schen Hauses, sind jedoch im Grundbuch der Gemarkung Arnsburg Niemand zugeschrieben. Das Gräf­liche Haus Solms-Laubach hat nun« mehr beantragt, jene Parzellen auf feinen Namen im Grundbuche der Gemarkung Arnsburg eintragen zu lasten, weßhalb hiermit an jeden, der Ansprüche irgend welcher Art an die genannten Immobilien bilden zu können glaubt, die Aufforderung er« geht, solche innerhalb zwei Monate hier geltend zu machen, andernfalls unbeschränkter Eintrag verfügt wird.

Lich, am 18. April 1898. Großherzogliches Amtsgericht.

Süf fert. 4204

Verdingung

der Lieferung von 4000 Grenzsteinen für die Eisenbahnneubaustrecke Weiden­hausenHerborn (in 3 Loosen). Ber- dingungstermin: Donnerstag den 12. Mai 1898, Vormittags 11 Uhr. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Die Angebots­vordrucke und Bedingungen liegen auf unserem Bureau zur Einsicht aus und sind dort oder gegen porto- und bestell- celbfreie Einsendung von 50 Pfg. baar käuflich zu erhalten. 4205

Herborn, den 20. April 1898.

König!. Eisenbahnbauabtheilung.

Nächsten Samstag, den 23. April, Nach­mittags 4 Uhr, soll ein Krümperpferd des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm auf dem Hofe der neuen Kaserne meist­bietend versteigert werden. Dasselbe ist als Zugthier nicht mehr verwendbar, aber »um Schlachten sehr aeeignet. 4195

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