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22.3.1898 Zweites Blatt
 
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1898

Nr. 68 Zweites Blatt. Dienstag den 22» März

Erscheint tägNch mit Ausnahme dcS Montags.

Die Gießener Aamitleavkätter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Aezngsprei- vierteljährlich 2 Mar? 20 Plg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloha.

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General-Anzeiger

Alle Anzeigen-BcrmittlungSstellen deS In« und ÄuKoiM nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtgeGCN.

Amts- uitb AnzelKsblatt für bett Arers Giefzen.

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Elisabeth Gans.

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Gratisbeilage: Gießener Familienblütter.

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Fernsprecher 9h:. 51.

Amtlicher Theil.

Gießen, ben 17. März 1898.

Brtr.: Die Ableistung d«S Hsldigun?»- und BerfassungSetdeS. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen au die Gr. Bürgermeistereien der Amtsgerichts- j bezirke Grüuberg «ud Homberg.

Die Ableistung deS HuldisungS- uufc BerfassungSetdeS j der in Ihren Vrmriuden neu aufgeuom»even OrtSbürger, iowte bex^-tttgen Großherzoglich Hessischen Uvterlhauen, welch« sich, l-hne OrtSdürger zu werden, vrrhrirothrt haben, soll Lamstag deu 58. April d. I., Vormittags 9 Uhr, in dem Rachhause zu Grüuberg stattstiidep.

Wir beauftragev Die hierdurch, die betreffenden Py­lonen zu dr» Termine vo^zuladeu und wie grsch-he« unter Angabe der Namen der Borgeladknen anznzergcn oder za berichten, daß Niemand vorzuladen war.

Halten sich derartige Personen auSwärtS aus, so wollen Sie deren Aufenthaltsort augebeu.

v. G ag erv.

Ans de» Verhaudl««ge» der Zweite» Sammet bet hessische« Stände.

G. Darmstadt, 19. März 1898.

Die Berathnugln über daS Budget werden heute mit Cop. 115, Kosten des Katasters, fortgesetzt. Hierfür werden 101953 Mk. biwillrgt. Desgleichen für Cap. 116, Locolbaubeamtrn 203 674 Mk. uud für Cop. 117, Centr albanwesen imRessort deS Finanzministe» rtumS 55333 Mk. Ferner bewilligt die Ramler für Cop. 118, Hofbauwesen, bfs durch eine besondere Bor läge geforderten Betrag und für Cap. 119, Domauial- bauw esen, 173 420 Mk.

Bei Cap. 120, Erhaltuu g uod Restauration staatlicher Bau- und Kunstdenkmäler, weist der Abg. Köhler auf die Echaltnvg deö Schlosses zu Lichten- brrg hin, das seinem Bersvll evtzegrugehs. Weiter wüascht derselbe, daß die Kreuzigung- Gruppe zu W mpftn einer Restauriruug unterzogen werde. Es sei auf da« tiefste zu bedauern, daß ein so herrliches Denkmal in Verfall gekommen sei. Weiterhin möge die Regierung dafür Sorge träger, daß die Ruine Starkenburg bei Heppeuhrim und da« RathhauS zu Michelstadt teftaurht würden, ti)e es für Schaltung dieser distorl'chrn Denkmäler zu spät sei. Ftr-anzmtnister Weber sichert die Berückstchtigunz der Wünsche zu. DaS Schloß zu Lichtenberg werde seit mehreren Jahren rcstaurirt und befinde sich jrtzt in baulich sehr gutem Zustande. Abg. Joutz wünscht ein rascheres Tewpo bei den RcstaurirungSarbeiten de - Burg zu Münzeuberx. Für dieses Capitet werden hierauf 8000Mk. bewilligt. Lin Antrag des Abg. Köhler-Darm- ftuol, die Regierung möge die Fraxe der möglichsten Erhaltung der Bau. und Sunftdenkmäler in Erwägung ziehen und eine ougemiffeue weitere Erhöhung dsS DiSpofittonSfondS eintreteu laffrn und hierbei das Schloß zu Lichtenberg in besondere Berücksichtigung ziehen, wurde bem ersten Ausschuß über- wicien.

Bei Cap. 121, Territorial-Fluß- und Damm« bau bespricht der Abg. v. Brentano die Rrgulirung deS Rheines auf der Strecke MainzBingen. Dies- Regulirung werde im einseitigen Interesse der Schifffahrt und unter vollständiger Brrkeunuug der Jutrrcffen der Rhein- bewohner ausgeführt. Er wünscht hier ein Einschreiten der Großherzoglschen Regierung. Oberbaurath Jmroth gibt über die Vertiefung des RheineS auf dieser Strecke Aufklärung. Die Regierung wache stet- darüber, daß die für die Schifffahrt erforderliche Fahrstraße vur die genau mit der preußischen Regierung vereinbarte Fahrttefe im Rheinstrom vorhanden sei. Eine Schädigung drr Jntcreffeu der Rtzeiubewohnrr liege nicht vor. Für dieses Capttel wird sodann die Summe von 342,199 Mk. bewilligt; deSgl. Capitrl 122, Brücken und Ueberfahrten mit 71,166 Mk. Zur Uebernahme der Wormser Schiffe- b rücke haben sich die Städte G-rvSheim, Oppenheim und Bingen bereit erklärt. Die Regierung behält sich die Erledigung der Angelegenheit vor.

ES werden ohne Debatte genehmigt Capitrl 123 Aus­gabe wegen der Privat-Eisenbahnen mit 800 M., (Uipttel 124 und 125, Bicariats- uud AuShülfekostenj u.. s. w. 30,000 Mk., Capitel 126, Sterbequartale I 81800 Mk°, Capitel 127, Unfallversicherung 27,600 M., !

Capitel 128, Kosten für Anfertigung von Münz­stempel 700 Mk.

Bei Capttel, 129 Durchführung einer neuen Gehalts­ordnung für die -esammte Beamreuschafr, wofür ein Betrag von 600,000 Mk. eingesetzt ist, fragt der Abg. Köhler- Darmstadt nach dem Schicksal der BrsolduogSordnuug und wünscht eine Beschleunigung der Arbeiten de« FiuauzauS- schusftS. Soweit bekannt, habe der Ausschuß seine Thätig- keit bis fitzt nur auf Vorarbeiten beschräakt. Ein rascheres Tempo sei doch erwünscht. Finavzstntster Weber schließt sich diesem Wunsche vollkommen au. Die Regierung habe das größte Jntereffe, daß die BrsolduugSordnung möglichst bald ferttggestellr werde. Der Finanzausschuß möge nur mit Muth au die Arbeit gehens die Dache sei mcht so schwierig wie sie auSsehe. Abg. Ulrich erklärt, daß man tm Finanzausschuß mehrere Sitzungen über daS Beamteu- gesctz gehalten habe. Mit dem Gesetz sei der Ausschuß ein- verstanden. Als mau aber an dte von der Regierung aus­gestellte GehaltS-Scala gekommen sei, sei der Ausschuß hier­über nicht einig gewesen. Er hoffe aber, daß die Fertig­stellung der BesoldangßelatS bald erfolgen könne.

Äbg. Weidner fragt die Regierung, ob daS neue Be­soldungsgesetz rückwirkend bis zum 1. April 1897 sei. Finauz- wtnister Weber erklärt, dte BesoldungSordnung sei mir rückwirkender Kraft vom 1. April 1897 ab von der Großh. Regierung vorgesehen und die erforderlichen Mittel seien daher bereit zu stellen. Die hierfür geforderten 600000 Mk. werden sodana ohne Debatte genehmigt. DeSgl. Cop. 130, Matricülardeiträge mit 80 Mllliovea Mark. Damit sind die Ausgaben 1-eS Staatsbudgets erledigt. ES folgt die Be- rathuug derEinnahme»" und zwar Cap. 2, Erträge aus StaatS-Domänen. Bet Tit. 3, Badeanstalt Bad»Nauheim, wünscht der Ausschuß, daß dte Dumme von 50000 Mk. in Einnahme gestellt werde. Dte Abgg. Weith und Graf Ortola find entschieden gegen diesen Antrag. Der Curfond dürfe nicht geschmälert werden. Der AuSschußanrrag wird hierauf mit großer Majorität ange- nommeo. Hierauf vertagt sich die Kammer bis zum Dienstag 22. März, Vormittags 10 Uhr.

Deutschs» Reich«

Hambnrg. 20. März. Fürst Bismarck ließ dem hiesigen RrtchSwahlverein auf beffiu Anfrage, ob er am 1. April einen Fackttzug entgegenuehwen wolle, antworten, daß tnr^n mit Rücksicht auf feinen Gesundheitszustand den Fackelzug bis zum Anfang deS Sommers verschieben möge-

ArrsUrrrd.

Wien, 20. März. Anläßlich deS 70. Geburtstage» deS Königs von Sachsen wird sich Kaiser Franz Joseph nach Dresden begeben.

Wien, 20. März. Die hiesige Situation hat sich durch den Beschluß, den gestern dte deutsche Vokspartet ge­faßt hat, keine Btcrpräfidentenstelle anzunehmen und die Obstructiou so lange fonzusrtzen, bi« dte Forderungen der Deutschen erfüllt find, wieder wesentlich verschärft. Mau ficht daher stürmischen Parlamcutrfitzuugeu entgegen uud befürchtet, daß die Regteruug, um Lew Schicksals des Cabi- netS Badeni zu eatgehcn, den Reichstag nach wenigen Sitzungen wird schließen müssen. Der Miaifterprästdeut Graf Thun und der Ftnavzminister, welche fich grstern nach Budapest begeben hatten, kehren heute von dort wieder zurück.

Pretzburg, 20 März. Das Befinden der Erzherzogin Natalie hat fich wieder verschlechtert. Dte Shwptome beuten auf eine schwere Gehirnentzündung hin.

Londov, 20. März. Dir Nachrichten über das Brfinden Gladstones lauten wieder höchst beuuruhigend. Derselbe soll an einem ernsteren Uebel leiden als au Neuralgie.

Loudon, 20. März. Nach hier eingetroffenen Meldungen herrscht große Besorgutß, daß der bet Lowestoft durch daS DegelschiffjBrttish Prinzeß" übrrsegelte Dampfer daS belgische SchulschiffBille d'AnverS", welches mit 60 Gabelten uud 17 Manu Besatzung auSgefahren ist und am Mittwoch bei Lowestoft hätte sein müssen, gewesen ist, da daS Schul­schiff auf die BLschreibung des SchiffeS paßt uud von ihm bi« fitzt jede Nachricht fehlt.

Odessa, 20. März. Im hiesigen Hafen werden weitere 16,000 Mann mit zahlreichem Kriegsmaterial auf Schiffen der freiwilligen Flotte, sowie auf gemieteten französischen Dampfern nach Ostasien eingeschtfft.

Konstavtillopel, 20. März, Der Sultan ordnet an,

daß im heutigen Ministerrath ueuerdtng» die Frage Landtdatur deS Prinzen Georg für den Gouverneur posten von Kreta geprüft uud ihm sofort über daS Erg^bntß der Berathung Bericht rrstatiet werden soll.

Keoele« » provinjielk#,

4- Büdingen, 21. März. Heute fand die öffentliche Prüfung der lavdwirthschaftltcheu Winterschule und der erweitetteu Handwerkerschule dahier statt, womit biefelbea für dieses Halbjahr geschlossen werden. Außerdem tagte heute hier der Kreistag des Kreises Büdingen, um den Voranschlag der KretSkasse für 1898/99 zu berathen, die Rechnung für 1896/97 zu prüfen und sonstige Gegenstände zu erledtgen.

Mainz, 20. März. Bezüglich der Einführung der Perron sperre auf den Linien der vormaligen Hesfischea LudwigSbahn fand gestern Nachmittag eine Conferenz von Vertretern der Eisevbahndirectiou Mairz, der hiesigen ftabtt* schen Verwaltung und der Mainzer Handelskammer statt. Beide letztgenannte Vertretungen gaben dem Wunsche Aus­druck, daß die Perronsperrc durchgeführt werde, ohne daß der freie Verkehr deS Publikums mit den Wartesälen be­hindert und daß Etnrichlungeu geschaffen werden, welche die Aufgabe von Briefen tu dte Postzüge noch in dem letzten Augenblick vor Abgang der Züge ermöglichen. Dte Eisen- bahudtrection nahm dte Wünsche ad referendnm und ver­sprach die weitgehendste Berücksichtigung. Der jüngst wegen Ermordung seiner rhemaligku Geliebten von dem hiesigen Schwurgerichte zum Tode verurtheilte HauSbursche Simon Mertz anS Bonn hat Revision bei dem Reichsgericht nachgrsucht.

Vernmischtes.

* Der Kuchen der Kaiser». Wie der Kaiser einer guten und nahrhaften Hausmannskost im Allgemeinen den Vorzug gibt, so tst er im Besonderen jedem allzu feinen Kuchen abhold- eS muß deßhalb der Theetisch auch stet« einen wie der Kaiser ihn nenntvernünftigen" Kuchen aufweisen. SS dürfte unsere Hausfrauen wohl interesfiren, wie dieser Kuchen beschaffe ist und wo das Recept her stammt. Während deS alljährlichen JagdausenthalteS de« Kaiser» in seinem Jagdschlösse Rominten wird alle» Gcbäck da in dem Dörfchen gleichen Namen- ein Bäcker nicht ansäsfig ist uud die nächste Stadt (Goldap) gegen 3 Meilen entfernt liegt in dem Hause bei Jagdaufsehers Zeidler von einem diesem verwandten jungen Mädchen hergestellt. Der Kuchen, der hier für den Kaiserlichen Jagdherrn gebacken wurde, fand bei diesem derartigen Beifall, daß fortan auf besonderen Befehl des Monarchen in der Katseriichen Mund­küche allabendlich ein solcher hergestellt werden muß. ES ist dies ein einfacher, kein sogenannter ^abgerirbener" Nupfkncheu, welcher nur die allernothwendigsten Bestandtheile enthalten und döchfteuS etwas nach Mandeln schmecken darf.

* Wegen unlauteren Wettbewerbe» durch Ankündigung besonderer Billigkeit infolge günstigen AccordS mit seinen Gläubigern (!) wurde Confectionär Lesekziuer in Beutheu (Ober-Schlefirn) zu 300 Mk. Geldstrafe verurtheilt.

* Der Goldfisch, der kleine, 1611 von den Portugiesen in Europa eiugefühne, farbenprächtige und bescheidene Chinese, ist heute im Palast wie in der Hütte überall ein beliebter HauSfteund. Leider aber wird er auS Unkeuutuiß und Ge­dankenlosigkeit in Bezug auf Wohnung und Nahrung weist schlecht behandelt, ja geradezu grausam gequält. Sein LooS zu verbessern stellt fich ein kleines, höchst elegant auSgestatteteS Heftchen unter dem TitelDer Goldfisch uud seine Pflege, eine Epistel zur Verhütung einer gedankenlosen Thierquälerei von Schulte vom Brühl" zur Aufgabe. Der bekannte Schriftsteller und Naturfreund gibt hier in Form einet anmuthigeu Plauder-BriefeS an eine Freundin alles zum Besten, waS jeder Goldfischbefitzer über da» Fischchen und seinen Unterhalt wissen sollte, und daS ist mehr als Mancher denkt. DaS mit zehn Illustrationen geschmückte Heftchen, das gegen Einsendung von 30 Pfg. franco von Fischereidirector Bartmanu in Wiesbaden zu beziehen ist, verdient die wärmste Empfehlung- die kaltblütigen Herren Goldfische haben alle Ursache, dem Autor dankbar für diese warmherzige Bertheidigung ihrer LebenSinteresseu zu sein.

Deutsche Lehrerfahrt nach Ztalieu. Der wirklich herz­liche, ja begeisterte Empfang, ben die deutsche akademische Jugend gegenwärtig in dem gast- und bundeSfreundlichen Italien findet, hat in den Kreisen deutscher Lehrer den Wunsch entstehen lassen, ebenfalls eine gemeinschaftliche