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Zweites Blatt.
N». 18
Samstag den 22. Januar
1N»8
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Anrtlicher Theit.
Gietzen, den 17. Januar 1898.
8ctr.: Die Feier des GeburtSfesteS Keiner Majestät Kaiser Wilhelms II.
Die
Trotzh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
an die Schulvorstände de- Kreise-.
Wir beauftragen Sie, rubr. Feier in den Ihnen unterstehenden Schulen in herkömmlicher Weise abhalteu zu lasten, v. Gagern.
Bekanntmachung.
Der Krei-kafferechner Adam Kautz in Gtetzen ist bis iif Weiteres zum Erheber der Gefälle de- Ritterfchaftlichea ikaufanger SttftSfonds bezüglich der dem genannten StiftS- b"dS gehörigen, in den Gemarkungen Gtetzen und Sich ge- kgrate Grundstücke ernannt worden.
Darmstadt, am 14. Januar 1898.
Der geschäft-führende Obervorsteher des Ritterschaftltchen Kaufuuger StiftSfoudS.
Freiherr von Rotsmann.
Die Caudidatur
ftr den kretischen Gouvernenrposteu.
Eine ganze Gallerte von Kandidaten für das Amt eines souverueur» von Kreta ist fast beisammen, von dem einfachen luxemburgischen Major Schäffer bis hinauf zu den Höhen ier Menschheit werden Bewerber um den Posten genannt, tot eigentlich gar nicht so verlockend sein kann, da er doch lilae« Inhaber manche Entbehrungen auferlegt und ihn vielen bchwtertgketten au-setzt. Denn unter den jetzigen Umständen -ovverneur von Kreta zu sein uad seine Pflichten ernst und «iviffeuhaft zu erfüllen, ist wahrlich nicht leicht und bedarf «rotzer Aufopferung und Selbstverleugnung. Die Insel ist irrwüstet, ihr Reichthum dahin, Zerftörung-woth hat io furcht- irrer Weise ihr Werk verrichtet, Seuchen wüthen auf dem Alande und die Menschen find tn Folge dessen in einem saft wdeschretblichev Elend. Wer wird es wagen, hier mit frischem «ath etnzugreifen und ein Retter zu werden für so Biele, l't — wenn nicht bald Hilfe kommt — eben so verloren find, lit so viele Tausende, die vordem der Roth und der Leiden- Ihrst zum Opfer gefallen fiad?
Mit ziemlicher Sicherheit ist die Meldung verbreitet, lifc Prinz Georg von Griechenland von Ratzland für den betmfischen Gouverneurposten vorgeschlagen worden ist. Die bricht schien zuerst ganz unglaubhaft zu sein, da man ngLmentirte, datz der Prinz eine- regierenden Hause- nie-
\ mal- d r Unterthan des Sultans werden könne. Aber die Mitteilung wird von so vielen Seiten ernst genommen, datz auch wir nicht umhin können, ihr einige Beachtung zu schenken und mit der Möglichkeit, datz fie sich bewahrheiten wird, zu rechnen. Freilich erscheinen uns die Schwierigkeitrn, denen Prinz Georg von Griechenland als Gouverneur Kretas gegenüberstände, ungemein grotz. Jetzt hat der Prinz Pflichten gegen fein Vaterland zu erfüllen, oeffen Patrioten seit jeher danach trachten, die Insel Kreta einmal als griechisches Eigenthum ansehen zu können- er hat als griechischer Prinz, der für die Größe seines Landes schwärmt, dessen Wunsch -u theilen, kann ihm wenigsten- nicht umhmpathisch gegen- überstehen.
Ist der Prinz aber Gouverneur von Kreta, so ist er Dasall de- Sultans und hat also desien Interessen wahrzu- nehmen, die fich bezüglich der Insel mit denjenigen der Griechen kreuzen. Und ist es nicht ganz natürlich, datz die kretischen Insurgenten neue Hoffnungen schöpfen würden, falls der Prinz zu ihrem Gouverneur ernannt werden würde, und datz dann eine Verdoppelung ihrer gegen den Sultan gerichteten Bestrebungen die Folge wäre? Anstatt datz durch die Berufung eines Gouverneurs Ruhe und Ordnung auf der Insel einträte, würden die Verhältnisse nur noch verschlimmert und und die Schwierigkeiten vermehrt werden.
Aber auch in anderer Hinficht ist die Kandidatur des Prinzen nicht ohne Gefahren, insofern als einzelne kleine Balkanstaaten fich dagegen aoflehnen würden. Bulgarien ist auf Griechenland sehr eifersüchtig und würde die diesem au- scheinend gewährte Gunst nicht so ruhig hlnuehmeo. Aus diesem Grunde, um den Frieden auf dem Balkan zu wahren, hat der Fürst von Montenegro der Eandidatur Petrowitsch» -um Gouverneur von Kreta nicht zugestimmt. Datz auch die Pforte grotze Schwierigkeiten machen wird, liegt auf der Hand- denn so viel Selbstverleugnung kann dem Sultan nicht zugrtraut werden, den Wolf zum Schafwächter zu machen, wa- doch tatsächlich der Fall wäre, wenn er der Ernennung de- Prinzen zustimmt.
Aus allen diesen Gründen glauben wir, datz e- zu der Berufung Georgs von Griechenland noch nicht kommen wird, datz die Großmächte, insbesondere Rußland, die Umstände in Erwägung ziehen und von dem Prinzen Abstand nehmen werden. Freilich wird mit jeder neu verworfenen Caudidatur die Situation nur schwieriger, umsomehr, als nach Lage der Dinge größte Eile erforderlich ist, und die Mächte ein gutes Werk thun, wenn fie so bald wie möglich geordnete Zustände auf der Insel schaffen, die nun schon so lange angestrebt find, aber noch niemals durchgesührt werden konnten. Ein Königreich für einen richtigen Gouverneur! Da» wird heute der Wunsch der europäischen Diplomatie sein, welche berufen ist, eine befriedigende Lösung zu schaffen. (xx)
Deutsche» Seich
Berlin, 20. Januac. In der Reichstag-commission für die Militär-Srrasproceßreform gab Kriegs- Minister v. Göhler beute eine Erklärung ob, tn welcher e» heitzt, daß durch die bis jetzt gefaßten Beschlüsse die dem Zustandekommen d,S Gesetze- entgegenstehenden Schwierigkeiten nicht gehoben seien. ES seien nicht nur militärische Erwägungen, welche der Vorlage widersprächen, sondern auch der feste Entschluß ter Regierungen, fich ihr Contirgem-recht nicht noch mehr einschränkeu zu lassen.
Verl in, 20. Januar. Im Abgeordnetenhause wurde heute das AnfiedelungSgesetz an die Budgeteommisfion verwiesen. Die nächste Sitzung findet am Montag statt. Auf der Tagesordnung steht die Vorlage betreffend Aufhebung der AmtScantionen und da- EomptabilitätSgesetz.
Berlin, 20. Januar. Der „Reichsanzeiger" gibt heute eine amtliche Darstellung der am 17. d. MtS. auf der Steinkohlengrube „Königin Luise" vorgekommenen Katastrophe. Danach fanden acht Bergleute den Er« stickung-tod, sechs andere wurden so betäubt, daß fie nach dem Lazareth überführt werden mußten, wo fir sich zur Zeit jedoch bereits außer Gefahr befinden. Die entgegenftehende Darstellung sei unzutreffend, ebenso fei eS unrichtig, daß die Grube „Königin Luise" schon mehrmals der Schauplatz schwerer Katastrophen gewesen ist.
Berlin, 20. Januar. Unter der Ueberschrlft „Made in Germany" schreibt die „BolkS-Zeitung": „Mit diese« Stempel mußten alle nach England importirtev deutschen Jndustrieerzeugntsse gekennzeichnet sein. Aber die Waffe, mit der die Engländer fich gegen den Wettbewerb der deutschen Maaren zu wehren gedachten, hat fich gegen die Urheber der Maßregel gewendet, denn das englische Publikum bevorzugte bald die mit der deutschen UrspruugS- marke bezeichneten Erzeugnisse. Nun hat der englische Handel vor der deutschen Industrie gänzlich die Flagge gestrichen - nach eintm Beschluß der englischen Zollämter brauchen deutsche Waaren nicht mehr mit der Ursprung-bezeichnung versehen zu fein. Jetzt wird es fich auSwetsen, ob die deutsche Industrie daS Selbstbewusstsein besitzt, an dem „Made in Germany* festzuhalten.
Kiel, 20. Januar. Der Aviso „Pfeil" ist bei der dänischen Insel Lmperum festgerathen. Die Schul-Torpedoboote 3 1, 8 3 und 3 32, sowie das Schulschiff „Blücher" find heute Vormittag zur Hilfeleistung ausgelaufen.
Arrslarrd.
Prag, 20. Januar. Ja b-r heutigen Landtags- fttzung »rächten die Jungtschechen eine Interpellation an den Statthalter ein, worin fie gegen das energische Vorgehen der BicherheitSwachen und de» Militärs protesttren
Feuilleton.
/rankfarttr Brief.
(Originalbericht für den „Gtttzener Anzeiger*.)
(Nachdruck verboten).
Äroig Löwe. — Schneiders Kuvstfalon. — A basso porto.
Dr. M. Nach der Anzahl der Wiederholungen, welche
Adolf Stoltze'iche Original-Märchen „König Löwe" »riebt hat und die weit über die Festzeit hinauSreichen, lirBte man annrhwen, zumal da- Opu« durch den beliebten Äi»en Stoltze gedeckt ist, dieses Kinderstück bedeute that- 'iihlich einen Schuß ins Schwarze. Aber mit solcher An- käme man der Wahrheit nicht ganz nahe. Eine rigorose brauchen fich derartige theatralische Erzeugnisse auch iiitt gefallen zu lassen. Wer eine solche üben wollte, stellte Il4 von vornherein auf einen ganz verkehrten Standpunkt, lütx einen Maßstab für da-, was tfm kindlichen Grmüthe »Mhlihut, haben wir doch schließlich an dem Schatz unserer Mcchenbücher, und die Görner'schen Bearbeilungen zeigen auch, wie dieser Schatz lr die Au-druck-mittel der Bühne I» heben war. Wa- Adolf Stoltze in „König Löwe" l^wgt, ist eine bunt zusammengewürfelte Menge von Motiven irai dem Märchen- und Feenreich, deren Fülle nicht darüber ufcHtn kann, daß der innere Kern ein sehr dürftiger ist. fDte bösen König fehlen in seiner Krone zwei Steine: Liebe
Gerechtigkeit. Seine Kinder, Prinz Frohwalter und f^zrsfin Goldelfchen, machen fich auf, um dem Vater, der iibietldjen in einen grimmen Löwen verwandelt worden ist, Hä kostbaren Edelsteine zn verschaffen. Ihre Wanderung I
vach dem Monde, dem Perleurelch u. s. w. bietet nun den Dorwand zu einer Serie farbenprächtiger scentfcher Bilder, bei welchen Decoraiion-maler und Maschinenmeister das erste Wort führen. Märchcnpoesie ist tu dem Ganzen wenig, dafür aber riesiger Märcheupomp. Höchst beneidenSwerth Ist die Rolle hei König-, der im ersten Bilde einige Worte aiß tyrannischer Unmensch, im Tchlußbilde eine kurze väterliche Rede zu halten hat und während der Zwischenzeit von der Bühne fernbletbt- die Pause ist so groß, daß der Schauspieler — Herr Di eg elmann hatte fich dieser Aufgabe -u unterziehen — während derselben noch eine Partie im Schauspielhause durchführen konnte. DaS Gleiche gilt von drr bedauernswürdigen Vertreterin der Statue (Fräulein Hermann), die tu ihrer steinernen Situation auch nur am Anfänge und am Eode den Maud zu öffnen hat. Mit liebenswürdiger Frische führten Fräulein Widmann und Fräulein Jrmen dir Rollen des Frohwalter und de- „Gold- elfchen" durch.
viele Meister find augenblicklich im Tchneiderfchen Kuustsalon vereinigt. Lenbach und Stuck lenken durch zwei Franenköpfe unsere Phantasie in fin de siZole-Bahnen. Diese Frauentypen wird man schwerlich je vergessen, sie wären tm Stande, den Schlaf von unserem Lager zu scheuchen, aber zur Welt der Ideale würden fie unsere Stimmung nie leiten können, vielleicht sagt der Beschauer: Ja, daS ist eben unsere nervöse Zeit; ihr kann fich kein Künstler entziehen. Da- ist nut eine halbe Wahrheit. Man braucht nur daneben die innere Anschauungswelt zu betrachten, wie fie in den schlicht-ergreifenden Mevschenköpfeu eine» Steinhaufen ausgeprägt liegt.
Fritz A. Kaulbach führt uns in feinem eleganten Damenpastell, das man für die HennebergGalerie in Zürich erworben hat, nicht aus der Sphäre de- Salon- heran». ES ist übrigen- ein erfreuliche- Zeichen, daß die Mäceue und reichen Leute in Frankfurt zu den Ausstellungen in den Kunstsalon» nicht nur tn rein platonischem verhältuiß verbleiben, daß sich in ihnen vielmehr der Trieb regt, fördernd auf die Schaffenslust der eidgenössischen Maler etnzuwirken. Auch dje prachtvolle Rötelarbeit von Alt heim: „Ackerbauer mit Arbeitspferden" ist mit der Bezeichnung „verkauft" versehen.
Dem Gabriel Manschen, in kleinem Format behandelten „Grethchen tm Kerker" können wir keine Theilnahme abzwingen, denn wir glauben nicht, daß diese» somnambule Wesen je ein frische-, uaivrS Naturkind gewesen sei.
Landschast»bilder von A, CH. JeidelS (eirem geborenen Frankfurter, der fich aber in Paris weitergebildet bat) fesseln den Kenner durch die seine DiSeretion der Töne. Diese« Flussufer z B. gemahnt un» an die ©eenen, welche Maupaffant unS so oft tn seinen novellistischen Skizzen mit Vorliebe schildert.
Die italienisch e Oper „A basso porto" (Am unteren Hafen) von Spinelli, die corncte Fortsetzung der musikalischen Mefferaffaire „A Santa Lucia", welcher vor einigen Jahren die Gegenwart der berühmten italienischen Sängerin Bellincioui besondere Anziehungskraft verlieh, ist augenblicklich der Treffer des neuen Jahre-. Wir kommen noch darauf zurück.


