uub 9 Uhr der volle Betrieb ausgenommen werden. Die Frühschnellzüge von Straßburg nach Basel Nr. 18, 2 und 96 würben über Mo-Heim geleitet und erlitten Verspätungen von P/a bis 2'/r Stunden. Die übrigen Züge erlitten keine «enaenSMertheo Verspätungen. Der Unfall wurde dadurch veranlaßt, daß die Station Fegeuheim den Zug Nr. 1202 abfohreu lieh, ehe er von Gestein angeuommrn war. Der schuldige Beamte war nach zwölfstüudigrr Ruhepause seit gestern Abend 7 Uhr im Dienst.
Leipzig. 20. Januar. Da- »Leipz. Tagebl." veräffent« licht eine Erklärung, die die sächfischen Conservativen, die Natiooalliberaleu und die sächfische Fortschrittspartei veröffentlichen werden in Bezug auf ein gemeinsame- Borgeheu bet der Reichstag-wähl im Königreich Sachsen. Diese Erklärung eröffaet die Aussicht darauf, daß auch in denjenigen sächfischen Wahlkreisen bezüglich der Candidaten eine Einigung erzielt werden wird, wo eine solche bisher nicht erreicht werden konnte.
ArrrUrrrd.
Prag. 20. Januar. Landtag. Berathung des SpracheuantrageS Bouquoy. Der Abg. Fournier erklärt, der Landtag sei nicht der geeignete Boden für die Verständigung. Der Großgrundbesitz habe da- Recht verwirkt, die Vermittlerrolle zu übernehmen infolge seiner Haltung im ReichSrathe. Redner glaubt, Sylva Tarouka habe vollständig die Vermittlerrolle des Großgrundbesitz'.- zerstört. Der Antrag Bouquoy fei überflüssig geworden. Redner giebt für seine Person zu, daß die letzten Erklärungen de- Statthalter- einen Schritt zurück bedeuten vom Abgrunde, zu welchem die Sprachenverordnungen führten. Die Deutschen haben im Landtage genug Erklärungen gehört. Redner wendet sich gegen Herold und Paxak, deren Reden Aufforderungen zum Haß gegen die Deutschen seien und erklärt, nachdem der Statthalter das statutarische Recht der Studenten, Farbrn zu tragen, anerkannt habe, müffe er als erster Beamter des Lande- für den nöthigea Schutz der Studenten sorgen. Redner wendet sich gegen die Bedrohungen deutscher Profefforen und Studenten und weiht den Vorwurf der Provokation feiten» letzterer zurück, weißt auf die schweren Schädigungen Prag- durch die Vorfälle im Drcember hin und schließt: Die Deutschen find zum Frieden bereit, jedoch ohne da» Opfer der deutschen Ehre und des deutsche- Rechts. (Beifall links.) Abg. Podlipny erklärt, das tschechische Volk werde die Ruhe bewahren und da- Geschäft der Hetzer nicht fördern. Bummel und Couleur seien nicht im Staatsgrundgesetze enthalten- der Statthalter müffe Ordnung schaffen. Die Pro- vocation feiten- der Studenten müffe aufhören. Man möge da- Militär bet Seite laffen, die Polizei möge rücksichtsvoller Vorgehen. Bezüglich der Angriffe auf die Stadtvertreter erklärt Redner, da-Verhalten der Stadtvertretung sei correct gewesen. Er als Bürgermeister habe die Deutschen in ihren kulturellen und wirthschaftlichen Bestrebungen niemals gehindert. Redner beschwert sich über das ungleichmäßige Verhalten der Polizei und de- Militär- und schließe, Prag sei dir gerechte Hauptstadt im ungeteilten Königreiche Böhmen. (Beifall bet den Tschechen.) Darauf wird die Berathung geschloffen. Zu Generalrednern werden von den Deutschen WerunSky, von den Tschechen Paxak gewählt. WerunSky führt au-, zwei Grundsätze trennen die beiden Nationalitäten. Die Tschechen betonen immer da- König, reich, die Deutschen kennen nur die Provinz Böhmen. Er erinnert an das Projekt des Grafen Stadion betreffend die Eiwheilung Oesterreich- in Departements- wäre die- Projekt ausgeführt worden, so wäre viel Unglück von Oesterreich abgewendet worden. Die Deutschen weisen die Vermittelung drS Feudal-AdelS zurück, welcher fich vollständig im Lager der Feinde befinde. Trotz allem in der letzten Zeit Geschehenen lodere in dem deutschen Volke Böhmen- ein heißer Patriotismus. Redner bespricht die Prager Vorfälle und hebt hervor, daß die tschechischen Minoritäten tu den deutschen Gebieten ganz un- behelligt blieben. Ein Unglück für Prag fei eS aber, daß da- Haupt der Chauvinisten an der Spitze der Stadt stehe. Der Statthalter habe gesagt, er werde den Deutschen in Prag nach Maßgabe der vorhandenen Mittel Schutz gewähren, der Schutz müffe aber nach Maßgabe der vorhandenen Gefahr gewährt werden. Redner erhebt keinen Vorwurf gegen die Polizei, aber eS sei vielleicht der Unzulänglichkeit der Kräfte zuzuschreibeu, daß die Potizei nicht wirksamer einschreiteu konnte. Redner zollt der socialdemokratischen Partei Anerkennung, welche die Prager Vorfälle verdammte. Bezüglich der Regierungs-Erklärung sagt Redner, diese leide an dem Fluche der Halbheit. Die Regierungs-Erklärung nehme übrigens den Standpunkt de- BedürfniffeS ein, welcher auch der Standpunkt der Deutschen sei, aber da bestehe die Frage, wo ist die Grenze deS BedürfniffeS. Mir selbst erklärt Redner, hat eS nicht geschadet, daß ich die tschechische Sprache erlernte, da- ist aber meine persönliche Meinung, nicht die Memung deS Clubs. Die Deutschen gelobten am BolkStage, vor Zurückziehung der Sprachenverordnungen sich nicht in Verhandlungen einzulaffen- diesen Standpunkt halten fie noch immer fest. (Lebhafter Beifall bei den Deutschen.)
Prag, 20. Januar. Die Menschen-Ansammlungeu dauerten bis spät in die Nacht hinein. Trotzdem ist e- zu keinen ernsten Zusammenstößen gekommen, da das gesammte Militär aufgeboten war, welches die Polizei bei der Säuberung der Straßen energisch unterstützte. Im Laufe des Abend- und der Nacht wurden vier Verhaftungen vorgenommen. Für heute find umfaffeude Sicherheit-Maßregeln getroffen.
Prag, 20. Januar. Wie nachträglich bekannt wird, find Nachts bei der Säuberung de- Wenzel-platzeS durch Cavallerie drei Personen schwer verletzt worden.
No«, 20. Januar. In Jmprun eta in der Nahe von Florenz kam eS gestern wegen der Brodvertheuerung zu einigen Ruhestörungen, doch herrscht jetzt vollständige Ruhe. Ja Jesi bei Ancona versuchten Socialisten und
Anarchisten gestern eine Kundgebung zu veranstalten, fie wurden aber sofort zerstreut. Im Uebrtgen wurde die Ruhe nicht gestört.
Paris, 20. Januar. Der Proceß gegen Emile Zola findet cm 7. Februar statt. Der Vorsitzende gedenkt an einem Tage fertig zu werden.
Pari», 20. Januar. Nach einer Meldung deS „Radikal" fall Präsident Faure mehrmals darauf gedrungen haben, die Klage gegen Zola nicht anzustrengen. Der Kriegs- Minister habe fich auch erst zur Klage entschloffen, als General Boisdeffce drohte, feine Entlaffuog als Generalstabschef zu nehmen und die Gründe hierfü. anzugeben.
Paris, 20. Januar. Im Ministerrath wies der Minister des Innern, Barthou, auf die in Paris und der Provinz vorgekommenen Kundgebungen hin und gab bekannt, daß Maßnahmen zur Verhinderung künftiger Straßenkund- gedungen getroffen feien- namentlich fei dies der Fall für die am Sonntag angeküudigte Kundgebung, die verboten werden wird. Weiter hob der Minister hervor, werde die Regierung einen Credit von 1,200,000 Frcs. zur Linderung des NothstavdeS in Algier verlangen.
Pari«, 20. Januar. Wie der „Figaro" meldet, unterbreitet die Regierung der Kammer einen Gesetzentwurf, welcher bestimmt, daß der „Pavillon de FleurS" genannte Flügel der Tuilerien, in welchem sich da- Ministerium der Colonien befindet, im Jahre 1900 den fremden Sou» veränen als Refidenz dienen soll.
Cannes, 20. Januar. Der Zustand Gladstones gibt bei feiner Umgebung Anlaß zu einer gewissen Besorgniß. Obwohl Gladstone keinerlei Beschwerde fühlt, ist seine Schwäche doch sehr groß.
Madeid, 20. Januar. Nach Meldungen auS H avauah schlug General Luque die Aufständischen bei San Martin (AquerraS), 30 von ihnen wurden getödtet. Auf Seilen der Spanier wurden ein Mann getödtet und 21 Mann verwundet.
Washington, 20. Januar. Im Repräsentanten- Hause brachte gestern Brücker (Demokrat) eine Resolution ein, in welcher der Ausschuß der auswärtigen Angelegenheiten ersucht wird, über dir bekannte Resolution de- Senat-, welche die kubanischen Insurgenten als kriegführende Macht anerkennt, unverzüglich Bericht zu erstatten. Der Präfident de- Hauses erklärte Bmcker- Resolution für nicht ordnungsmäßig. TS wurde hierauf gegen die Entscheidung de- Präsidenten an da- HauS appellirt, welche- die Entscheidung mit 168 gegen 126 Stimmen aufrecht erhielt.
Bombay, 20. Januar. In der vergangenen Woche sind hier 651 Personen der Pest erlegen. Die Gesammtsterb. lichkeit ia dieser Zeit belief fich auf 1540 Todesfälle. Die Auswanderung an- der Stadt ist in der Zunahme. Die Geschäfte stocken. ,
Locales «nd j-rovlnzlelle».
Gießen, den 21. Januar 1898.
• • Auszeichnung. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem Z-mmermelster Albert Hofmann zu Ober-Wöllftadt das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit" zu verleihen.
Ernennungen. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Ingenieur Han- Engeln zu Mainz zum Sffiftenten de- Fabrikinsprctorats für den zweiten Auffichtsbezirk, — den Gericht-Vollzieher mit dem Amtssitze zu Wald-Michelbach, Johann Hefner, zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Grünberg, — und Adam Schäfer in Vilbel zum Gefangenwärter am Haft- local daselbst zu ernennen.
• • Berichtigung. Im gestrigen Blatte muß eS unter den zum Empfang bei Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog zu« gelassenen Personen aus Zeile 5 heißen: Pfarrer Gußmann in Kirchberg, nicht Heßmann.
• •Gr. Uebtrgobe der Fahueubauder. Wie den Lesern des Blattes noch in der gestrigen Nummer mltgetheilt werden konnte, sollen die von Sr. Majestät dem Kaiser dem hiesigen Regiment verliehenen Fahnenbänder demselben kommenden Montag Vormittag IO1/* Uhr auf Oswald- Garten durch einen Adjutanten de»Kaiser- feierlich übergeben werden - es werden dazu ein Vertreter des Großherzogs, der commanbitenbe General beS 11. Armeecorps und die übrigen Vorgesetzten beS Regiments erwartet; auch bie Spitzen ’ er hiesigen Behörden haben Einlabungen zu dem Festact erhalten. Der zur Parade gewählte Platz bietet aber auch der Einwohnerschaft unserer Stabt gute Ge- legenheit zur Beiwohnung bei dem seltenen Vorgang- seit Jahrzehnten mit dem hiefigen Regiment verwachsen uub ge* wohnt, an Freud und Leib im Leben derselben herzlichen Antheil zu nehmen, hat bie Gießener Bürgerschaft auch tiefe neue hohe Auszeichnung de- Infanterie-Regiment- „Kaiser Wilhelm" mit aufrichtiger Fceube begrüßt- wir glauben Meter Stimmung richtigen Ausdruck zu geben, wenn wir hierburch an die Einwohnerschaft Gießens die Aufforderung richten, ihrer Gesinnung an diesem Ehrentag unsere- Regiments auch durch eine Beflaggung der Stabt AnS- druck zu geben. — Die auswärtigen Teilnehmer an der Parade werden fich von der Bahn direkt auf Oswalds Garten und von da ins Offizierscasino begeben, und mit den Mittag-- schnellzügrn Gießen wieder verlaffen.
♦ ♦ Der «erkauf der Platzkarten zu den V-Zügen hat irn Jahre 1896/97 Mk. 2420131 eingebracht für 1745330 Starten. Bahnsteigkarten wurden 17464436 für Mk. 1746 489 verkauft.
♦ ♦ Rach der Statistik de» Sroßh. Ministeriums des Zuaera
für das Jahr 1897 betrug die Zahl der Todesfälle excl. Todtgeboreneu in diesem Jahre in Mainz 1445 (auf 10000 Einwohner 185), davon 456 im ersten Lebensjahre, in Darmstadt 1170 (176,5) refp. 294, in Offenbach 725 (177,7) refp. 268, in WormS 596 (192,2) resp. 227, in Gießen (einschließlich der erheblichen Zahl der in den Universitätskliniken verstorbenen OrtSfremdev) 506 (215,3) resp. 112. Die Stadt Darmstadt stand demnach bezüglich der Zahl der vorgekommenen Todesfälle am Günstigsten. Gewaltsamen Tod (durch Verbrechen, Selbstmord uub Un- glücksfalle) erlitten in Mainz 71 (von 10 000 Einwohnern 8,9), Darmstabt 48 (7,2), Offenbach 26 (6,4), WormS 30 (9,7), Gießen 25 (10,5).
• • Richt Ladeureia. Zu ben vielen schlechten Fleisch- unb Fettwaaren, mit welchen wir seit Jahrzehnten von Amerika überschwemmt werden, hat fich in letzter Zeit cuch sog. Dauerwurst unb gesalzenes Rindfleisch gesellt. Der Rath ber Stadt Dresden ist Meiern fraglichen gesalzenen Rindfleisch, welches ebenfalls in gewaltigen Quantitäten elnge» schleppt wird, auf ben Leib gerückt. Die Untersuchung ergab, baß dieses Fleisch sehr gefahrdingend für die Gesundheit ist, unb ber Rath der Stabt Dresbeu warnt vor beffen Genuß und wirb gegen bie Verkäufer strafrechtlich vorgehen. — WaS haben alle fanitartn Verordnungen im Jnlande für einen Zweck, wenn aus Amerika, wo eine geordnete Fleischbeschau nach deutschen Begriffen einfach fehlt, dieses Schundzeug von Fleisch- und Fcttwaaren in unglaublich großen Quantiten eingeschleppt wird? Auffallend ist es immerhin, daß Deutschland von allen übrigen Staaten Im Verhältnis am meisten importirt- die anderen europäischen Staaten bringen diesen höchst fraglichen amerikanischen Er- zeugniffen schon lange große Bedenken entgegen, indem fie die Einfuhr erschweren.
• • Wetterbericht. Der Norden Europas steht unter bem Einflüsse einer gegen Norbosten abziehenben Depression, währenb ganz Central- unb Südeuropa fortwährend von ungewöhnlich hohem Druck bedeckt ist. Dementsprechend hält auch das ruhige Wetter bei uns an. Im Flachlande treten vielfach, zumal Morgen- unb AbenbS, Nebel auf, während bie Hochstationen anhaltend wolkenlose- Weiter melden. Das Frostgebiet reicht vom Südosten Europas über Süddeutsch» land und baß Alpengebiet bis nach Central-Frankreich, während ber Norben und Nordwesten, ber Luftdruckvertheilung entsprechen!), bei westlichen Wiuben heitere-, milbeß Wetter haben. — Voraussichtliche Witterung: Fortdauer de-> herrschenden Witternng-character-.
+ Büdingen, 20. Januar. Heute erfolgte hier die Verlobung I. D. ber Prinzessin Emma, ältester Tochter zweiter Ehe S. D. deS Fürsten Bruno zu Vsendurg- Büdingen, mit S. E. dem Erb graf en zu Solms- Laubach. Die Stabt ist aus Metern Anlaß beflaggt.
X Darmstadt, 20. Januar. In heutiger Sitzung bei Stadtverordneten wurde ber Errichtung einer Wartehalle am Böllenfallthor (Sübende ber elektrischen Bahn) zu- gestimmt. Ferner sprach man sich für bie Bestellung von vier Schulärzten zur hygiemschen Ueberwachung des Schüler- Gesundheitszuftanbe-, bei Schullocale usw. zunächst auf zwei Jahre au-- pro VerwaltungSjahr werden hierfür 1500 Mk. eingestellt. DeS Weiteren genehmigte die Versammlung eine neue MilchverkaufSorbnung für Darmstadt, welche eine Reihe strengerer Bestimmungen bezüglich Milchzufuhr, Controle u. bgl. m., al- bie alte Ordnung von 1880 enthält. Der Antrag des Polizeiamts auf Neuanstellung von elf Schutzleuten unb Beförderung zweier noch zu Wachtmeistern wurde nach mehrstündiger Debatte zur Erlangung größeren In- formlrungSmaterialS an die Finanzcommiffion zurückoerwlesen; der jährliche dauernde Mehraufwand ist darnach auf über 15000 Mark, der städtische Zuschuß zur Polizeikaffe pro 1898/99 überhaupt auf rund 193000 Mk. veranschlagt.
• • Die Bank für Süddeutschlaud setzte gestern b:n Wechseldiskont auf 4 pCt., den Z'.n-futz für Lombard» barleben auf 4i/, unb 5 pCt. herab.
Darmstadt, 19. Januar. Die Ersatzwahl im 11. Landtag-Wahlbezirk der Provinz Oderheffen für ben Abg. Weidner (christlich-social), beffen Wahl bekanntlich für uugtltlg erklärt würbe, ist auf ben 28. Januar anberaumt. VorauSfichtlich wirb, bo der Antisemit Mettenheimer zurück- getreten ist, Bürgermeister Wetbner von Herchenhain wieder- gewählt werden.
Darmstadt, 20. Januar. An Stelle des kürzlich verstorbenen Landtags-Abgeordneten des 3. Heff. Wahlkreises (Wöllstein), Herrn Bürgermeister- Pitthan In Zotzenheim, wurde bei ber gestrigen in Wöllstein stattgehabten Neuwahl Herr Beigeorbueter A. Pitthan in Wöllstein gewählt.
Darmstadt, 20. Januar. Eine sowohl wegen der Verschiedenheit der Rechtsanschauungen ber Gerichte unb für kaufmännische Kreise interessante Privatklage spielte fich gestern vor ber Strafkammer ab. Der in vorzüglichen Ber- mögensverhältniffen unb im besten Rufe stehende Kaufmann Eduarb Gröbel von Frlebberg hatte von der Firma George PorgeS, der ersten in Hamburg, Wolle bezogen. Da die. Waare nach Anficht des Käufers mit ber Probe nicht über- einstimmte, entspann sich eine Corresponbenz, bet welcher der Verkäufer lediglich sein Gelb verlangte und schließlich eine« Brief mit ben Worten schloß: „Sie scheinen mir entweder ein Chicaneur oder in VermögenSschwierigkeiten zu sein." Herr Grödel beantwortete diese bet vnS noch nicht übliche Tonart mit einer Privatklage wegen Beleidigung und bewirkte am Schöffengericht Friedberg die Berurtheilung deS vom Erscheinen entbundenen Hamburgers zu 50 Mark Geldstrafe. DaS Landgericht der Provinz Oderheffen, an welcheS die Berufung verfolgt wurde, hob diefcS Unheil auf und sprach den PorgeS unter Verfüllung des Grödel in die Kosten frei. Als RevifionSinstanz caffhte baß Dberlanbeigertdjt wiederum diese Entscheidung als rechtSirrthümlich und verwies die Sache diesmal aber nicht nach Gießen, sondern an das Landgericht der Provinz Starkenburg zurück. Diese-


