das heißt etwa vor zwei Jahrzehnten, war die Buchung und Ueberwachung der Originale weniger streng. Die jetzige Einrichtung ist dadurch veranlaßt worden, daß ein von der Hand des Kaisers Wilhelm I. herrühendes Telegramm in England oder in Nordamerika austauchte und als kostbare Handschrift des Deutschen Kaisers behandelt wurde. Wie dieses Depeschen-Original ins Ausland gekommen, ist bis auf den heutigen Tag unaufgeklärt geblieben. Die umfassendsten polizeilichen Nachforschungen sind deshalb angestellt worden, aber umsonst. Der Vorgang war die Ursache, daß die kaiserlichen Telegramm-Niederschriften fortan aufs Peinlichste gehütet wurden. — Nicht minder sorgfältig werden die für den Kaiser anlangenden Telegramme vermerkt. Wird ein solches Telegramm, bevor es dem Kaiser überreicht wird, umgeschrieben, so wird die Ausfertigung in zwei Exemplaren hergestellt. Das eine ist für den Kaiser, das andere für die Postbehörde bestimmt. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß der Kaiser sich auch, wo immer er sich aufhalten mag, über jede Sitzung des Deutschen Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses telegraphisch Bericht erstatten läßt. Das Abtelegraphiren dieser Parlamentsdepeschen besorgt ein Beamter, der eigens für diesen Zweck am Schluffe jeder Sitzung sich im Parlamentsgebäude einzufinden hat. Von jedem derartigen Telegramm geht dem Minister des Innern mit Rohrpost eine Abschrift zu. — Was die Gebühren für Telegramme betrifft, so hat der Kaiser, soweit das Gebiet des Deutschen Reiches in Betracht kommt, Gebührenfreiheit. Dieselbe Freiheit genießen die Kaiserin, sowie die Kaiserin Friedrich, Letztere als Wittwe eines regierenden Bundesfürsten. Für jeden anderen regierenden deutschen Bundesfürsten gilt die gleiche Freiheit in dem gleichen Umfange. Auf die Kinder und Geschwister des Kaisers erstreckt sich diese Freiheit nicht. Bei Telegrammen nach dem Auslande ist der Kaiser dagegen nicht bester gestellt als jeder deutsche Staatsbürger. Er hat für Auslands- telegramme den vollen Preis zu entrichten. Nur bei Telegrammen nach denjenigen Staaten, die mit Deutschland die Telegrammgebühren gegenseitig verrechnen oder theilen, wird von dem Preise derjenige Betrag abgezogen, der sich als Antheil Deutschlands herausstellt. Dieser Betrag wird infolge der Gebührenfreiheit, die der Kaiser genießt, nicht erhoben. Die Gebühren, die auf die kaiserlichen Auslandstelegramme entfallen, werden der kaiserlichen Schatulle gestundet. Abrechnung und Bezahlung finden allmonatlich statt.
♦ Wenn mau in Paris telephouireu will. Wer in Paris darauf angewiesen ist, das Telephon täglich in ausgiebiger Weise zu benutzen, de« wird im Jenseits ein Theil seiner Strafe erlösten werden,- er hat hienteden genug gebüßt. DaS vermögen, eine selbstständige Leitung zu haben, ist an fich kostspielig genug, erfordert 4Q0 Franken im Jahre; was aber dieses Vergnügen finanziell noch schmerzvoller wacht, ist die Schwierigkeit, den nöthigen Anschluß zu erreichen. Wer fich von diesen Schwierigkeiten ein Bild zu machen wünscht, lese den launigen Brief, den im „Figaro" der bekannte Aoouhmu» Le Paffaut an den UnterstaatSsecretär der Post« und Tele- graphrn-Abtheiluvg gerichtet hat. Le Passant hat fich seit einigen Monaten ein Telephou-Abonuewent zugelegt. „Eine seltsame Idee," — so knurrt er — nicht wahr? Indessen der Mensch ist eben nie mit seinem Geschick zufrieden. Ich lebte ruhig, hatte mein Heim, wurde von Niemand gestört - nun aber bin ich nur noch eine Nummer, die jeder Ihrer Angestellten anrufen kann, wenn er will, der aber Niemand antwortet, wenn man selbst rüst." Le Paffaut schildert darauf, wie er fich mit der Stadt Dreux in Verbindung setzen wollte; eS nahm ihn daß den ganzen Vormittag tu Anspruch, und zwar ohne jedweden Erfolg. Er klingelt also- eine Stlbersttmme fragt iHv, was er wünsche. Er sagt sein Begehr - die Stlbersttmme verspricht ihm baldige Antwort. Eine Viertelstunde vergeht- Le Paffant wird ungeduldig- er klingelt 1 wieder, und diesmal antwortet ihm eine tiefe Stimme, die I seiner Ansicht nach einer jener stattlichen Damen, deren Ober« >
ängstlichen Türken sogar die arabische Uebersetzung des Neuen Testaments. In der Parabel vom „ungerechten Richter" war das Wort „Richter" mit „quadi" übertragen. Ein „quadi" ist aber auch derjenige Mann, welcher in jeder türkischen Stadt im Namen des Sultans Recht spricht. Die arabische Uebersetzung des Neuen Testaments wurde verboten, well die Geschichte vom „ungerechten Richter" zu anzüglich aus modernes Leben sei.
Bücher, welche man per Packet nach Palästina schickt, unterliegen sämmtlich dieser famosen Censur. Oft werden sie der lieben Gründlichkeit halber auch noch nach Konstantinopel expedirt und gelangen erst nach Monaten in die Hände des Adreffaten, falls sie nicht ganz verschwinden. Nur Kreuzbandsendungen sind von dieser herrlichen Censur befreit.
Eine weitgedehnte Milchstraße funkelnder Dummheiten solcher Polizeicensur-Stückchen könnte noch aufleuchten. Genug davon! Und schließlich — weshalb auch ins Weite schweifen!
Und nun das türkische Militär in Palästina! . . Man braucht nicht gerade ein Freund prunkvoller Luxusparaden oder irgend welch übertriebener militärischer Spielereien zu sein — aber mit total zerrissenem Hosenboden sollten manche türkische Soldaten doch nicht, Gewehr bei Fuß, Wache stehen am Jaffathor in Jerusalem. Auch liegt keine Nothwendigkeit vor, daß manchen Offizieren über den niedrigen Schuhen die schwärzlichen, von bedenklicher Sauberkeit zeugenden Strümpfe herunterfallen, über Schuhen, aus denen an der Fußspitze neugierige Zehen herauslugen.
Und gar erst die lieben Steuern!
Aufdringlicher Mangel hockt zumeist in türkischen Staat«, kaffen, und nacktes Elend nistet in allen Winkeln. Was haben nun die Steuergelehrten gegrübelt und geforscht, um immer neue Steuerquellen ausfindig zu machen und fie zu wecken und am liebsten springbrunnenartig hoch emvorsprudeln
lippe ein leichter Flaum bedeckt, augehöreu muß. „Ich bin die Aufseherin" — sagt die tiefe Stimme — „Sie wünschen also mit Dreux in Verbindung zu treten?" — „Jawohl." — „Nun, dann müssen Sie zur nächsten Fernsprechstelle gehen." — „Aber, Madame, ich habe ein Telephon bet mir zu Hause." — „So, so, nun, dann geben Sie mir Ihre Nummer." Le Paffaut bildete fich schon ein, die Dame wollte ihm ein Stelldichein bewilligen- er gibt also seine Nummer. Wieder vergeht eine Viertelstunde- Le Paffant glaubt, die Dame befinde fich auf dem Wege zu ihm. Aber weit gefehlt. Die Klingel ertönt wieder- eine ganz neue Stmme fragt: Also Sie wünschen Anschluß mit Dreux. — Jawohl, ich habe es schon gesagt. — Aber nicht mir. — Und wer find Sie denn? — Ich bin der Oberaufseher. Sobald Sie mit einer anderen Stadt Verbindung suchen, haben Sie erst bei der nächsten Ferusprechstelle eine Caution von 50 Cent. zu hioterlegeu. — Was war zu thun? Le Paffaut sendet die Caution, und zwar der Sicherheit halber 5 Franc- statt 50 Cent. Wiederum vergehen zwanzig Minuten; da kommt die Antwort: Ihre fünf Franken wer- den nicht augeoommen. — Weshalb, ist es ein falsches Geld- stück? — Nein, aber man muß ein Minimum von wenigsten- zwanzig Franken hinterlegen! — Le Paffant ward wütheud- hätte er den Oberaufseher vor fich gehabt, er würde ihn mit der Faust inS Geficht geschlagen haben. Um da-Maß seiner Entrüstung voll zu machen, wird plötzlich bei ihm heftig geklingelt- eine neue Stimme ruft: Hallo, die Firma Lefövre? — Ich bin nicht die Firma Lesövre- ich wünsche Anschluß au Dreux. — Die Stimme eutgegnet grob: Wa-, Sie find nicht die Firma Lesövre, und fügt dazu da- bekauute Wort des General- Cambrouue bei Waterloo. Ich begriff — so setzt Paffaut ironisch hinzu —, daß man mich mit Waterloo in Verbindung gesetzt. Le Paffant läßt dann sein Schlußwort au den UnterstaatSsecretär folgen: Hier haben Sie mein Abenteuer, Herr UnterstaatSsecretär. Ich beklage mich nicht- alle Thorheiten rächen fich im Leben. Ich wollte wich auf da- Telephon abouuiren und verdiene mein Schicksal. Aber denken Sie an all die Pariser, die noch auf da- Telephon fich verlaflen. Mau ist an der See, auf den Bergen und will den Seinigen telephouireu. Glauben Sie, e- sei angenehm für eine kleine Dame, die fich mit ihrem Freunde besprechen will, nachdem fie eine Stunde gewartet, die Antwort zu erhalten: Hallo, find Sie das Haus Lefövre? Aber wenn Le Paffant auch dem Uuterstaat-feeretär eine Strafpredigt hält, so bemitleidet er ihn doch- denn er hat von allen Ministern die schwerste Aufgabe: „Sie sollen da- gesummte Publikum befriedigen, Sie verfügen aber nur über Damen, über die Telephonistinnen."
♦ Gleicher Interesse bei Hausfrauen wie bei Dienstboten dürften die Besen und Bürsten erregen, welche jüngst einem Hamburger pateuiirt wurden. Diese Besen und Bürsten werden nicht, wie bisher unbrauchbar, wenn fich ein Theil der Borsten abgenützt hat, weil die abgenützten Borsten- bündel von Jedermann leicht und ohne besondere Werkzeuge durch vorräthig gehaltene, neue ersetzt werden können. Zn diesem Behuse sind, wie wir einer Mittheiluug de- Inter» nationalen PateutbüreauS Karl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6, entnehmen, die Borftenbündel in schwach kegelförmig gestaltete, glatte oder geriffelte Hülsen gefaßt, mit welchen fie einfach in die gleichfalls etwas kegelförmig gestalteten Löcher drr Bürsteokörper eiugeschlagen werden.
• Neber den Telgrammverkehr in Feiedrichsruh nach dem Ableben des Fürsten Bismarck werden jetzt halbamtlich (in der „Deutschen BerkehrSzeitung") folgende Angaben gewacht. Zahlreich waren die Telegramme der Familie Bismarck an fürstliche und andere hochgestellte Personen. Der bei weitem größte Theil bestand au- ZeiruagStelegrammen, von denen einzelne mehrere hundert Worte enthielten. Ueber 70 Berichterstatter hatten fich eingefunden, darunter Oesterreicher, Engländer, Franzosen, Dänen und Amerikaner. Bei wichtigeren Meldungen, namentlich über die Ankunft, Be»
zu lassen! Nun wird im ganzen Land, über das sich ohnehin die Melancholie bitterer Armuth breitet, versteuert, was nur irgendwie versteuert werden kann, sogar jede Ziege, jede« Schaf, jedes Kameel. Nur die Sperlinge, welche zufällig auf dem Hof des Fellachen herumhopsen, oder die Schwärme blutsaugender Moskitos, welche sich meuchlings in die Häuser drängen, sind bisher noch steuerfrei. Verschrumpelte Obstbäumchen, die auf kleinen, von Steinen umfriedeten Landflächen im Winde des Gebirges Juda sLwanken — fie müssen ebenso versteuert werden, wie die fruchtschweren, von Blumen um» dufteten, von Bienen umsummten, weitäftigen Bäume in üppigen Gärten der Ebene Saron. E« läßt fich denken, mit welcher Wonne deshalb die Fellachen oft einen Baum niederhauen, einen Steuerfresser beseitigen.
Manchmal vergessen die Bauern das Feldbestellen, vergessen sie sogar das Ernten. Wozu sich auch in stechender Sonnengluth Herumbalgen, wenn immer zuerst der Staat kommt und den Haupttheil des Gewinnstes einheimst! Mag drum das Getreide draußen liegen und faulen — war thuts!
Gar oft werden die Steuern auf lange Zeit hinaus pränumerando eingezogen ....
Bei einer Provinzverwaltung ist kein Geld in Bänken. Es ist begreiflich, daß da sofort Geld hereinkommen muß. Auch hat vielleicht ein neuer Gouverneur, ein hoffnungsvoller junger Mann irgendwo tief in einer Wüstenöde, der da weiß, daß bei mancher Carriöre der krumme Weg oft der kürzeste ist, sich die Erlangung seines Postens einen mächtigen Fetzen Geld kosten lassen. Nun will er doch wieder auf die Auslagen kommen, noch mehr, will er bei dem Geschäft ein hübsches Profitchen herausschlagen und für die Zukunft sorgen. Sollte aber sein geehrter Vorgänger bereits über die be- klagenswerthe Provinz eine Pränumerando»Steuerzahlung verhängt haben — der neue Gouverneur ordnet in gewissen. Hafter Pflichterfüllung eine weiterreichende Pränumerando- Steuerzahlung an. So find in manchen Provinzen die
grüßung und Weiterfahrt der Majestäteu am 2. August-, wurde in ausgedehntem Maße von dringenden Telegrammen Gebrauch gemacht. Jnsgesammt wurden in der Zeit vom 31. Juli bis 3. August in FriedrichSrnh 3018 Telegramme mit 135,000 Worten verarbeitet. Am höchsten war die Zahl der angekommenen Telegramme am 1. August (660 Stück mit 20,000 Worten), die Zahl der abgegangenen Telegramme am 2. August (603 Stück mit 35,000 Worten). Fünf Morseleitungen mit Hamburg und drei Morseleitungen mit Berlin wurden am 31. Juli Morgen- in Betrieb genommen und blieben mit Ausnahme einiger Stunden nach Mitternacht fast ununterbrochen bis znm 3. August in Benützung. Etwa 500 Packete mit Kranzspenden gingen, größtentheils am 2. August, ein, zu deren Befördernng in mehreren Zügen direkte Post-Beiwagen nach FriedrichSrnh eingestellt waren. Die Auflieferung von BiSmarck-Postkarten älterer und neuerer Ausführung war so bedeutend, daß am 2. August ein Beamter und ein Unterbeamter fast ausschließlich mit der Bearbeitung dieser Karten zu thun hatten. Die Gesammtzahl vom 81. Juli bis zum 3. August in FriedrichSrnh auf- gelieferten Postkarten und Briefe beträgt rund 10,000. Das Personal des Postamts in FriedrichSrnh mußte am 31. Juli auf 10, am 1. August auf 15 und am 2. August auf 18 Beamte verstärkt werden. Außerdem wurden dem Postamte vier Unterbeamte zur Dienstleistung zugewiesen. Am 3. August hatte der Verkehr wieder so nachgelassen, daß 10 Beamte zur Wahrnehmung des Dienstes ausreichten. Der Betrieb hat fich in Folge der getroffenen Maßnahmen befriedigend abgewickelt.
* Richt jede Kugel trifft. „Nun adjö, Lowife, wisch ab das Geficht, eine jede Kugel, die trifft ja nicht- denn ti5fr jede Kugel apart ihren Mann, wo kriegten die Könige ihre Soldaten dann" . . . sagt Willibald Alexis, und die letzten Kriege haben es auch bewiesen, daß nur die wenigsten Kugeln ihr Ziel finden. Im Krimkrieg wurden von den Russen ungefähr 45 Millionen Schüsse abgegeben, während sich auf der Seite der Gegner 48,000 Tobte fanden. Bon je 932 Schüssen brachte also nur einer eine tödtliche Verwundung hervor- jene 48,000 Schüsse hätte ein einzige- Regiment in etwa einer Stunde abgeben können. — Die Briten trafen im selben Kriege etwa- besser al- ihre Gegner, auf 15 Mill. Schüsse kamen 21,000 getvdtete Russen- e- war also immer der fiebenhundertste Schuß tödtltch. Die Franzosen aber feuerten am besten- auf je 590 Schüsse kam ein gefallener Gegner. Im deutsch-franzöfischen Feldzuge wurden von deutscher Seite von der Infanterie 20 Millionen, von der Artillerie 340,000 Schüsse abgegeben. Auf diesen Hagel von Geschossen, der, wenn jede- einzelne Projectil sein Ziel gefunden hätte, hingereicht hätte, eine ganze Nation au-- zurotten, kamen 80,000 Tobte auf französischer Seite. ES befand sich also unter 254 Schüssen ein todbringender- dabeweist, daß deutsche Soldaten doch erheblich besser zu feuern verstehen, als russische, die, trotzdem fie im Durchschnitt eine viel schärfere Sehkraft besitzen, doch nur auf 932 Schuß einen Treffer zu verzeichnen haben.
• Anzeige. Alte- Clavier schnellsten- zu laufen gesucht. Anträge unter: „Rache ist süß!"
* Aus dem Briefe eines Studiosen. . . Lieber Onkel, sende da-Geld möglichst rasch, da ich weit von der Post wohne.
* Zn viel. . Ich glaubte schon, Du würdest die junge Dame, die Du mit so großer Leben-gesahr au- dem Wasser gerettet, heirathen?!" — „Nein! So kühn bin sch denn doch nicht!"
— Der Postdampfer „Noordland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 17. August wohlbehalten in Newyork angekommen.
— Der Postdampfer „Nederland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 17. August wohlbehalten in Philadelphia angekommen.
Steuern oft auf mehrere Jrhre hinaus eingetrieben, und in der unglücklichen Verwaltungskasse herrscht dennoch Ebbe.
Und wie barbarisch man dieses Blutgeld bei den armen Fellachen zusammentrommelt I
Gensdarmen, verwetterte Gestalten mit dunkelbraunen Gesichtern, sprengen auf kleinen, flotten Pferden durch die im Sonnenbrand glitzernden Staubwirbel der Straßen einher, mit Bangen erwartet vom armen Fellachen, der jetzt vor seiner Hütte unter den erbarmungslosen Blicken dieser ©teuer* eintreiber, fast zusammenknickt. Nur eingedrungen in das Heiligthum des Hauses und sich als Exemtion vor Anker gelegt, bis Zahlung erfolgt. Ach, das kann lange dauern.
Inzwischen essen und trinken die Gensdarmen auf Kosten des Bauern und lassen es sich wohl sein. Will er dagegen nur mucksen — gleich giebts Prügel. O, ein solcher Gensdarm in seiner leuchtenden Würde, ein Vertreter Sr. Majestät des Sultans, der darf sich schon etwas erlauben!
Die beklagenswerthen Fellachen, auf's Brutalste ausgeplündert, ausgesogen, ausgequetscht, ergeben sich in stummer Resignation in ihr finsteres Schicksal. Längst ist bei ihnen verflogen das letzte Tüpfelchen Willenskraft. Sie wissen, sie sind alle zusammen nur ein einziger Buckel, auf dem der Staat beliebig herumtanzt, bemitleidenswerthe Bettler, die sich freuen, daß man ihnen nichts mehr nehmen und sie auch nicht von der Heirnath verjagen kann. So leben sie dahin, versumpft, verdumpft in Gram und Groll.
,Wie soll dies Elend enben ?" frage ich einen von krankhaftem Schmerz ob solcher Mißwirthschaft durchbebten Alten.
„Allah weiß es!" meint er mit einem peinvollen Seufzer,, indem er den schönen, broncefarbenen Kopf aufrichtet, und seine wehmüthigen Blicke erheben sich aus welken Augen zum leuchtenden Himmel, wo im Abendgedämmer des Orients der Halbmond langsam emporsteigt.


