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21.7.1898 Zweites Blatt
 
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Rr. 168 Zweites Blatt. Donnerstag den 21. Juli

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Hichener Anzeiger

Heneral-Unzeiger

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Amtlicher Theil.

Gießen, den 15. Ju i 1898.

Betreffend: Die Vertilgung der Maikäfer.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

e* die tSrohh. Bürgermeistereien de« «reise«.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 2. d. MtS. (Gießener Anzeiger N . 164) noch ntcht ent­sprochen haben, werden an deren Erledigung binnen 8 Tagen erinnert.

v. Gagern.

Postreformen.

Herr v. PodbielSkt, der Chef der deutschrn Reich«, tzost, befindet fich auf Reisen, und der Umstand, daß er von mehreren seiner Räthe begleitet ist, läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß e» keine Vergnügung», oder Erho ungStour ist, welche der StaatSsecreiär macht, sondern daß der Dienst ibn außerhalb der ReichSgrenz-n in Anspruch nimmt. Unsere AetchSpost erfreut fich bekanntlich eine» guten Rufe», und eS gab eine Zeit, wo fie an der Sp tze der BerkehrSeinrtchtungen oller Länder einhermarfchirte, wo fie ein Vorbild für diese rorr, und Herrn v. Stephan» Lob in der ganzen civiltfirten Welt erscholl. Leider ist diese Zett vorüber- e» ist ein Stillstand etngetreten auf dem Gebiete de» deutschrn Post- Lind Telegraphenwesens, und so manche Klage ist bereits im Laufe der litzten Jahre laut geworden darüber, daß berech-

Wünschen de» Publikum- keine Folge gegeben wird, Laß wir in mancher Beziehung j tzt vom Au-lande über­flügelt werden. Nun ist, seit Herr v. PodbielSkt am Ruder fich befindet, schon viel von Reformen die Rede gewesen, und man hat e» auch an amtlicher Stelle ntcht ableugnen können, Laß unsere BerkehrSeinrtchtungen resormbedürsttg waren. D>e Forderungen nach anderweitiger Festsetzung der Zeitung», p ovision, nach Verbilligung der Fernsprechgebühren u. s. w. find ebenso unersüllt geblieben wie mancher Wunsch auf techn'schem Gebiete. Unserer Anficht nach batte Herr v. Pod- biel-kl schon manche Einrichtung treffen können, die keiner

großen Vorbereitungen bedarf und doch nur allzu sehr im Jutereffe de» groß n Publikum» liegt. Um nur em Beispiel anzusühren, könnte die Zeit zwischen der Aufnahme etnrS Telegramm- und der Bestellung demselben in großen Städten noch erheblich verkürzt werden. Man glaubte auch anfangs, daß die Reformen mit Volldampf betrieben werden würden, aber da- war ein Jrrthum- auch Herr v. PodbielSkt muß den finanziellen Rücksichten Rechnung tragen, wie insbesondere darau» heroorgebt, daß die mehrfachen Tartfherabsetzungen, welche in der lttz en Sesfion de» Reichstags zur Berathuug standen, abhängig gemacht wurden von der Erweiteruug de» Postmonopols.

Also Herr v. PodbielSkt weilt zur Zeit im südöstlichen Europa, gegenwärtig in der Türket. Gott bewahre unS davor, doß er etwa dte dortigen VerkehrSverhä'.tmffe so vorzüglich findet und ähnliche Einrichtungen bit uv- in Deutschland durchführen will. Man sagt ja, daß der Staat», secretär tu Constantinopel zu einem höheren Zwecke weile: Dem Kaiser für dte Paiästinafahrt die Wege durch dte Türket zu ebnen Aber tu Wien, Budapest u. s. w. hat sein Besuch jedenfalls nur ten Jntertffen seines Rrffort» gegolten, und man hat denn auch tn der Prtffe bereits den Zweck seiner Anwesenheit tn der österreichischen und ungarischen Haupt­stadt zu errathen versucht. Herr v. PodbielSkt hat bekannt- ltch auch etne Personalreform vor und wtll insbesondere der Wkiblichkeit mehr Eingang tn den Post, und Telegrophendienst verschaff n. Da nun tn Oesterreich Ungarn dte Frauen in weit größerem Maße tn den Berkehrrinstituten Verwendung finden als bet uns, so hatte der Staatssekretär reichlich Gelegenheit, in Wien und Budapest diese Frage gründlich zu prüfen. Allem Anscheine nach werden auch im deutschen RetchSpostgebiete künftig die Frauen ein größere» Conttngent zur Beamtenschaft stellen. ES gtrbt eine ganze Reihe mechanischer V:rrtchtungen im Postd enste, welche sehr gut durch Frauen auSgrführt werden können, aber vor einer übermäßigen Einstellung weiblicher Kraft möchten wir doch warnen angeficht» d'.S schweren Kampfe», den dte Männerwelt schon jetzt um die Existenz zu führen hat.

Wenn die in die Otffentltchketr gedrungenen Nachrichten I richtig find, so will Herr v. PodbielSki in der Personal. I resorm noch weiter gehen und u. A. dte Möglichkeit gewähren,

daß dte in der Poftasfistenten.Laufbahn befindlichen Beamten dte SecretärprÜfung ablegen können. Bekanntlich liegt ein dahin zielender ReichStagSbeschluß vor, aber Herr v. Stephan hatte fich nicht dazu verstehen können, demselben Folge zu geben. Wer die Verhältnisse kennt, wird dte Grüate ver­stehen, aus denen fich v. Stephan einer solchen Maßnahme widersetzte. ES giebt einen großen Theil in der genannten Beamtencategorie, sür dte infolge ihrer geringen Boitnldunq die Ltlaubniß zur Zulaffung zur Secretä'p üsung doch nur illusorisch sein würde. Eine ausführliche Behandlung dieser Frage und der sonst noch tn Betracht kommenden Reformen behalten wtr un» für später vor. (.xx)

Deutsches Reich.

Berlin, 19 Juli. Da» Reichsamt des Innern hat im Jntereffe der deutschen Ausfuhr an dte Ministerien dec fämwtltchen deutschen Bundesstaaten eine Zuschrift zuc weiteren Mtttheilung an die betheiligten Kreise gerichtet, worin darauf hingewiesen wird, daß in letzter Zeit mehrfach ein Theil der deutschen Export-Zeitungen verletzende Angriffe gegen daS concurrtrende Ausland, namentlich England ge­richtet hat, anstatt fich darauf zu beschränken, dte günstige Entwickelung der deutschen Industrie und ihre Vorzüge sach­lich hervorzuhrben. Durch ein solche» Verfahren werde da- Ausland zwecklos gereizt und der Absatz der deutschen In- dustrie beeinträchtigt. Da» Auswärtige Amt habe deshalb die in Betracht kommenden kaiserlichen Consulote veranlaßt, diesem Gegenstände ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und jedes­mal zu berichten, wenn dte tm Antlande verbreiteten deutschen Export-Zeitschriften solche Artikel bringen. Es dürfte fich auch empfehlen, daß die deutschen Exportfirmen auf dte betreffende Zeitschrift etnwirken.

Berlin, 19. Juli. Dem «Bert. Tgbl." geht von angeb­lich tnformtrter Sette dte Mtttheilung zu, daß tm Reich»- schatzamt die Arbeiten für den Entwurf eines Zolltarifs für die neuen Handelsverträge schon seit einiger Zeit tm Gange find, daß aber dte Festsetzung bestimmter Zollsätze bis­her noch ntcht erfolgt ist. Dte Vorarbeiten erstrecken fich vielmehr in erster Linie darauf, für den neuen Zolltarif einen Entwurf vorzubereiten, der materiell und formell den Jnrer.

Feuilleton.

Wad Mauheim, der Kuraufenthalt einer Kaiserin. Originalplauderei für denGießener Anzeiger".

(Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.)

Dr, "Ml. Die K ogen über da- schlechte Wüter, die derfehlten Somwerrrisen, die verregneten Badekuren wollen tn diesem Juli gar kein Ende nehmen. Alle» ist uozufrteden, Hoteliers und PrnfionSinhaber, sowie da» reisende Publtkum. Aber wenn man in den Morgrn- und Vormittagsstunden die Frankfurter Katserstroße hinauf- oder hinuntergeht, ist die dritte Droschke, dte Ernrm begegnet, eine Gepäckdroschke, und der zweite Mensch, der an unS vorüberetlt, ein Tourist. Alle Welt ist unterwea» und man fragt fich nur: wer bleibt denn noch zu Hause?! Dte Wartesäle find überfüllt, die Schalter reichen für den Verkehr kaum auS, desgleichen dte Wagen der Fernzüge, und so viel steht fest, daß dte wechselnde Witterung vielleicht manche Partie verderben, aber d-m Reisen al» solchem keine Schranken rntgegenzusetzen vermag.

oa den Luftkurorten, welche fich wahrlich nicht über die Saison beklagen dürfen, gehört nun auch Nauheim, wo fich zur Zett nahezu 6000 Kurgäste befinden.

Wer da» retzende Soolbad seit einigen Jahren nicht mehr ge'ehen, muß überrasche sein von dem Zuwachs, den es an Penfionen und stattlichen Hotel» erhalten hat. Sine wahre Hotelstadt ist hier nach und nach entstanden. In der vom Bahrhose hinausführenden Parlstraße, an der auf da» «"hau» -ündendcn Terraffenstrahe drängt fich ein schloß- artige» Hotel an da» andere. Man findet in dieser Hinsicht keinen Unterschied «ehr zwischen Nauheim u°d deu bühmtesten Weltbädern, nur etwa den, daß man in Nauheim schließlich doch auch bescheidene Wohn- und Logiroerhaltntffe finden kann wie fie die Menschen de» Mittelstände» brauchen.

In Nauheim ist'» langwetli»! sagt vielleicht der über­sättigte Lebemann, deffen müden Nerven vielleicht nur noch da» Sptelfieber in Monaco und die Rennen in Baden-Baden einen Reiz verschaffen kann. Leute mit «angelnden inneren

Rtffourcen find immer am ehesten geneigt, ihre eigene Oede der äußeren Umgebung auszubürden.

Ein entzückender Frieden lagert über N-mheim. Der starke Menschevkonflux stört btS jetzt die» Idyll nicht. Wer auf den schön gepflegten, weit au-gedehnten Kuranlagen wandelt oder die Wege läng» de» Teichhause» einschlägt, da» reizvolle Bild und Wald und Waffer vor seinen Augen, vielleicht die gedämpften Klänge etne» Strauß'ichen Walzer», den eben die Kureapelle sp elr, im Ohe, den überkommt da» Gefühl von Sonntagsruhe und Ferienstimmuvg.

Da» ist der große Vorzug der Badeorte, daß fie auch am gewöhnlichen Wochentage da« Festkleid angelegt haben und daß man da» Getriebe der WerktagSwühen nur wie au- weiter Ferne zu vernehmen glaubt, etwa so wie den Pfiff der Locomotive.

Wenn ich «ich nach der Eleganz eine» vornehmen Bade- leben» sehne, werde ich mich jedenfalls so ost al» möglich zum Kuffeestündchen auf der breiten Terrasse de» weißen leuchtenden Kurhause» einfinden, diffen Räume mit allem Comsort der Neuzeit au»gestattet, auch ein niedliches Theater bergen, in welchem ein süddeutsches Ensemble da» leichte und gemüthliche Kunstgenre pflegt. Eine g'.wiffe Diät ist auch in Sachen deS ästhetischen GenuffeS anzurmpfehlen. Schwere Kost taugt nicht auf den Spielplan etne» Kurrheater». Al» wir letzthin Nauheim besuchten, gab man gerade den »GaSparone". r , , .

Ja, wa« ich sagen wollte: Da» KurhavS mit seinem Theater, seinem Orchester und seinen schönen gärtnerischen Anlagen die Rabatten, an» welchen tm harmonischen Farbenton Ne verschlungenen, von einer Krone überblühten Buchstaben V M (Victoria Melitta) und E L (Ernst Ludwig) aufleuchten, concurrtren mit denen deS Frankfurter Palmen- garten» bedeutet die glanzvolle Ocffentlichkeit. Da» Teich ha u», zehn Minuten davon entfeint, ist dagegen da» Wald, und See J'hll, so recht geschaffen zum Aufenthalt sür Familiru, glückliche Paare und vom Leden»fieber mitgenommene Menschen. Man möchte immer Eichendorff ctttren, wenn man diese» Stückchen Erde in fich trinkt!

Ich glaube, daß die hohe Frau, welche dieser Tage ihren | stillen, unosfiziellen Einzug in Bad Nauheim gehalten hat,

deffen Heilquellen von Jahr zu Jahr nicht nur tn Deutsch, land, sondern in ganz Europa im Ansehen steigen, ihre Schritte oftmal» gerade tu diese Gegend lenken wird. L» ist zum ersten Male, daß eine regierende Fürstlichkeit da» Bad zu längerem Aufenthalt besucht. Gemiethet ist für die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, die sür fich von den Bädern Nauheim- wenn nicht völlige Genesung, so doch Linderung ihre» Leidens erwartet, die Billa Kracht tn der Burg-Alle Nr. 12, ein einfach auSfchaueude» zweistöcktge« HauS mit 18 Zimmern. Ju der uumittelbaren Nachbarschaft der Billa liegen dte »Villa Maria", »Villa GoSwtn", »Billa Quifisaua". Da» Hotel du Nord, tm Schwetzrrstil aus- gesührt, schließt die Straße ab. Trotz der kleiueu Fremden, colonie, die selbstredend die Existenz dieser Nachbarschaft nut fich bringt, wird die Kaiserin e» in der »Billa Kracht ruhig haben, da Nek Besitzerin, eine welterfahrene und verständnitz- volle Dame, die un» auf unsere Fragen in liebenswürdigster Weise Auskunft ertheilte, ihrem hohen Gaste olle Störungen fernhalten wird und man tm Uebrtgen von der Bevö kerung Nauheim» genügenden Tact vorau-fetzen darf, daß fie, tu ihrem eigenen Jutereffe, der Herrscherin jede Belästigung erspart.

Dte Kaiserin ist nur mit kleinem Gesolge, da» zum größten Thetle in der B>lla selbst untergebracht ist, ein- getroffen. Ihre Equipage hat fie nicht mitgenommen. Mög­lich, daß einige Galawageu von Frankfurt requirirt werden. Aber in der Hauptsache reflectirt fie auf Fußtouren. Der e'nst so rüstigen Bergsteigerin, mit welcher mancher Führer nur schwer Schritt halten konnte, wird da» nur leicht hügelige Terrain von Nauheim keinerlei Schwierigkeiten bereiten. Die feineren Mahlzeiten nimmt fie in ihrer Billa ein. Da» Dioer wird vom Kurhau» gestellt. Wa» der hohe Patient sucht, ist Ruhe, Frieden, freundliche, stille Eindrücke, dem- zufolge hat man auch die Au»stattung und die Tapeten der Zimmer in hell n Farben gehalten.

Der Besuch der österreichischen Kaiserin machte fich schon 14 Tage vorher insofern fühlbar, al» man unter den Ansicht»- karten etne Menge mit Bildnissen de» österreichischen Herrscher- paare» ausgestellt sah.