Ausgabe 
21.7.1898 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 21. Juli

A,ntr- und Anzeigeblatt für den 'Kreis Giefzen

Gratisbeilage: Gießener Familicnblattcr

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ReUctUn, t^tbitien und ®ruderet: Lchulßr.tt Vr. 7.

Ausland.

Pari», IS. Juli. Präsident Faure genehmigte BriffonS Anträge auf neue umfassende persönliche Veränderungen.

Paris, 19. Juli. Das Säbelduell zwischen DvroulLde und Hubbard hat gestern noch stattgrfuuden. Während des­selben packle der Letztere den Degen der Gegner», woraus daS Duell unterbrochen und Hubbrrrd für diSqaalificirt er­klärt wurde.

Paris, 19. Juli. Zola conferirte heute Nachmittag mit seinen Bertheidigern. Morgen wird er dem Proceh gegen Judet wegen Beleidigung deS Zola Vaters beiwohnen und sich dann aus seinen Landsitz nach Meduu begeben.

London, 19. Juli. Im Unterhause ist gestern, allerdings erst für das kommende Jahr, eine neue Flotten-

abreffe für Depeschen: Fernsprecher Nr. 51.

Abnahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den stoichendeu Dag erscheinenden Nummer bil Lorm. 10 Uhr.

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Bei Poftvezug 2 Mark 50 fff. oitrteljibcü*.

Folgen nach sich ziehen, daß es schwer tst,^ an die bloße Möglichkeit zu glauben. Und doch hat diese Möglichkeit be­reits wehr als eine europäische Eanzlri ia Unruhe versetzt." __ Dieses wohl aus dlw britischen Auswärtigen Amre stammende Entrefilet ist natürlich darauf berechnet, die Elfer, sucht Rußlands zu erregen und womöglich Unfrieden zwischen Deutschland und seinem Nachbar zu säen. Das dürfte tndrß vergebliche Mühe sein. ~

yulda, 18. Juli. Der heute Vormittag von den wahl­fähigen Mitgliedern des DomcapitelS einstimmig -um Bischof für die Dtöcese Fulda gewählte Dompfarrer Adalbert Ändert wurde geboren am 22. December 1850 zu Setzeibach und am 6 «peil 1873 im Dome zu Fulda zum Priester geweiht. Am folgenden Tage wurde er zu« Stadtcoplau in Fulda ernannt, welche Stellung er 15 Jahre lang bekleidete. Am 26. März 1888 wurde er Pfarr­verweser der veuerrichteteu Pfarrei Horas und am 16. April 1888 definitiv Psarrer von HoraS- am 19. Mat ivvo erfolgte seine Ernennung »um Dechanten deS Drcauals Großenlüder und am 15. Gelobet 1893 zum Dompfarrer in Fulda und Stadtdechanten daselbst. Im August lotH wurde er zum Superior der Barmherzigen Schwestern und am 6. Februar 1896 znm SubcustoS der Domktrchr ernannt.

Deutsches tteich.

Berlin, 19. Juli. Nordlaadreise des Kaiser«. Der Kaiser begab sich zur Besichtigung deS Dronthetwer Domes Montag früh in die Stadt. Zum Frühstück hatte der Eonsul Jeussru mit Familie eine Einladung erhalten. Um 3 Uhr ging dieHohenzollern" bei schönem Wetter nach Digermulen tu Ser.

Berlin, 19. Juli. Aus Australien wird derBerl. Zig." berichtet, daß et« deutscher Dtce-Consul, ein junger, erst kürzlich dorthin gekommener Beamter, als ihm rin deutsche- Fahrrad zum Kaufe angeboten wurde, erklärte, ist riSeant, hier ein deutsches Rad zu fahren, man wird von der befieren Gesellschaft über die Achsel angesehen. Einige deutsche Herren, welche diese Aeußerung deS Herrn Vice Consuls hörten, baten den deutschen General-Consul, den Herrn zu belehren, daß es doch eigentlich seine Pflicht sei, der Industrie sein-S Vaterlandes gegenüber einen etwas freundlicheren Standpunkt einzunehmen.Der Vorgang ist , so schreibt die demokratischeBerl. Zig.",wieder ein neue» Beispiel für die vielfachen Mißstände in unserem ConsulatS« wesen. Die Reichsregterung kann in der Auswahl ihrer consularischen Vertreter gar nicht vorsichtig genug sein. Jedenfalls sollte man in solche Aemter nur ernste, geschafts- erfahrene Männer von gereiftem Unheil berufen. Wie schwer es der deutschen Industrie fällt, in Ländern englischer Zunge, deren Bewohner etn ausgeprägtes Nationalgefühl haben, und die mit Vorliebe nur englische Erzeugnifie kaufen, Fuß.zu fallen, ist bekannt. Wenn nun sogar Vertreter der deutschen Reichsregterung sich in kurzer Zeit so acclimatistrt haben, baß sie dalbe Engländer geworden find, so ist das bebau er- litt)." Sehr richtig, nur schade, daß auch dieBerl. Ztg. von dem gepriesenenausgeprägten Natioualgesühle' nur olle Jubeljahre einmal Gebrauch macht.

Aenderuugen in der Organisation der Kavallerie. ES verlautet, daß der Plan bestehe, die fäwmtlichen 5. Schwadronen zu Regimentern zu 4 Schwa- dronen zusammenzusafien. Da 93 Regimenter, darunter, 10 bayerische, 6 sächsische, 4 württembergtsche, bestehen, so würden auf Preußen und die, preußischer Verwaltung unter-

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Die Siegener »emltUeltititr werden dem Anzeiger MIchentlich viermal t beigelegt.

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Zwecke des Radfahrens bequem ist. Wenn die radfahrenden Damen finden, daß sie in Pumphosen bester fahren, weniger in der Bewegung gehindert sind, so sollten sie sich doch ja nicht daran kehren, wenn ästhetische Klügelei sich dagegen erklärt und dies für unschön erachtet.

Das Radeln liegt überhaupt noch jenseits von schon und häßlich so lange noch, bis das Kunstgewerbe dre Sache in die Hand nimmt und es versucht, das Fahrrad in seiner ganzen Form stilgerecht umzugestalten.

Vielleicht gothisch?

Bis dahin mögen Damen und Herren das Radfahren sich selber ausgestalten und Zweckmäßigkeit wird, wie bei noch vielen Dingen in der Natur, auch Schönheit sein.

Hochachtungsvoll

Hans Thoma.

DieRadwelt", welcher wir diesen kurzen Auszug ent- nehmen, erörtert ausführlich das Thema und kommt zu dem unserer Ansicht nach vollkommen zutreffenden Schluß:

Was nun die Frage der Schönheit anbetnfft, so ist auch diese eine durchaus offene. Die Radlerin kann in der Hose schön und anmuthig aussehen, ebenso aber auch im Rock Das ist einfach Geschmackssache, und über den schmack läßt sich bekanntlich nicht streiten. Eines aber ist sicher' Eine gute, schlanke und jugendliche Figur nimmt fug nUt in Hosen aus. Wer aber dick ist oder nur die natürliche Fülle reiferer Jahre hat und solche Damen haben doch auch ein Recht auf den Gebrauch des Rades, der ihnen gesundheitlich nöthiger ist, als den jungen, der spielt in Hosen eine wenig vortheilhafte Rolle. Auch das Gehen in Hosen neben dem geschobenen Rade macht sehr, sehr selten einen guten Eindruck. Schießlich ist die unförmig weite Pluderhose vom ästhetischen Standpunkt aus auch nichts Schönes; da ziehen wir ein wohlgeformtes Bein in Tricot denn doch bedeutend vor.

Zum Schluß also: Die Frage, ob Rock oder Hose, ist des Erhitzens nicht werth. Die Hauptsache ist, daß die Damen überhaupt fahren. In was für einem Costüm dies geschieht, kann uns gleichgültig sein. Ueberlaffen wir die Entscheidung darüber ruhig der Herrscherin Mode, denn die ganze Frage ist im letzten Ende nichts als eine Modesache. Und in du haben Männer eigentlich nichts hineinzureden.

Mr. <68 Erstes Blatt

|UUllH Conttgente etwa 20 bis 21 neue Regimenter ent« fallen, auf Bayern 2 bis 3, auf Sachsen und Württemberg je 1, Summa etwa 24 biß 26 neue Regimenter- sämmtliche Regimenter würden vier Schwadronen zählen. Hebet das Wann" bet Durchführung der Maßnahme, die nur neue Regimentßstäbe, keine neuen Schwadronen forderten, verlautet noch nichts. Bestätigt sich die Nachricht, die wir demHann. Kontier" entnehmen, so würde man aber wohl den Friedens, etat der vier Schwadronen etwaß höher, alß heute halten müffen, da ja die fünften Schwadronen dann im Sinne von Ersatzschwabronen nicht mehr beständen, Abgaben von diesen | an die vier in erster Linie rasch ansrückenden Feldschwadronen nicht mehr statlfinben könnten.

Die Engländer leiben wegen bet Palästina« fahrt unsere« Kaisers an Biklemmungin aller Art. Man weiß nicht, find wirkliche oder geheuchelte Be­klemmungen. Deßwegen schreiben dieHamb. Nachr. : In England richtet man mehr und mehr ein argwöhnt cheS Augenmerk auf die geplante Palastinafahrt des Deutschen Kaiser«. Dabei fehlt es in der Pceffe nicht an Versuchen, auch den Argwohn Rußlands zu ichüren: In Rußland, so wird gesagt, nahm man Anfangs die Absicht des Kai.ers günstig auf und hob beifällig den religiösen Characier der Reise hervor, aber jetzt sehe man die Sache ander« au. Die äußerst freundschaftlichen Beziehungen, die während der jüngsten orientalischen Krisis dadurch zwischen der Pforte uno Berlin hergestellt wurden, baß ber Kaiser als der beste Freund de« Sultans austrat, könnten, so fürchte man, zu wichtigen Eoncesfioeen führen, die weder Großbritamien noch Rußland gleichgiltig fein könnten. Diese Antheilnahme gerade an brr Bedrohung russischer Interessen hat etwa« sehr Komisches- es ist lediglich die gesürchtete Bedrohung der eigenen Jntereffen, die dieser Antheilnahme zu Grunde liegt. Befände fich baß Euphratthal", so erklärt ein englisches conservatives Blatt,in ben Hänben einer unfreundlichen Macht, so würde dadurch ber We« nach Indien ernstlich be­droht werden. Gegenwärtig gehört es zur Türkei und ist daher für Jedermann abge'chlofl'N. Irgend ein -wischen dem Sultan und dem Kaiser getroffenes Abkommen, ans Grund | dessen Deutschland am Euphrat Fuß faßte, würde so ernste

Feuilleton.

Aas Hiadeln der Damen in Pumphosen.

Di- -Festschrift zum Frankfurter Blumencorfo enthält eine launig geschriebene Abhandlung de» Herrn I. B Muller- Hersurth über da» Radeln der Damen in Pumphosen. Der Verfasser hat hierüber bei hervorragenden Person rchkerten «ine Umfrage gehalten und theilt da» Ergebnrß derselben wie

Johannes Trojan, der geistreiche Redacteur de»Klad- n.«c'adatsch", ist nur unter einer gewiffen Bedingung für die Pumphose, er schreibt:

Siebt die Radlerin mir fern, Seh' ich sie mit Freuden; Hält' ich aber eine gern, Würd' ich es nicht leiden.

Dem flüssigen Golde der Poesie möge der Ernst der Prosa unseres als Denker und Schriftsteller berühmten Rach- bars, Dr. Ludwig Büchner in Darmstadt, folgen:

Darmstadt, den 24. Mai 1898.

Geehrter Herr!

c>ch habe durchaus nichts gegen das Radfahren der Damen in Pumphosen einzuwenden, bin vielmehr aus ästhetischen, hygienischen und praclischen Gründen entschieden dafür. Wie ich denn überhaupt die gegenwärtige Kleidung unserer Damen für eine im höchsten Grade unzweckmäßige, theuere, gesundheitswidrige, unschöne und verschwenderische halte und dieselbe gern durch eine bessere, den Korperformen mehr angepaßte ersetzt sehen möchte.

Hochachtungsvoll

Professor Dr. L. Büchner.

So energisch der Herr Professor für die Pumphosen eintritt, so wenig hält der Intendant des Hoftheaters tn München, Herr Ernst v. Possart, von ihrem Siege. Cr läßt sich also vernehmen:

Das Ewig-Weibliche wirb nie ein Mann Und zieht sickr schwerlich Pluberhosen an.

München, Mai 1898.

Mehr auf dem Standpunkte des Herrn Professors Dr. L. Büchner steht der Mitherausgeber derZeit , Her-

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mann Bahr, der in wenigen, aber kräftigen Worten der Frauenschönheit huldigt. Seine Zuschrift ist folgenden

Ich' bin fanatisch für dasRadeln der Damen in Pumphosen", weil die Hose practischer und schöner ist, als der immer häßliche und gefährliche Rock. Man wendet ein, daß es Damen giebt, die in der Hose nicht gut ausiehen. Nun, ich meine, solche Damen sollten nicht nur nicht radeln, sondern lieber nicht existiren. Hermann Vahr.

Der Vater Wippchens, unfer witziger Julius Stetten- heim, denkt practisch und humorvoll:

Ich denke als gerechter Mann, Wie Andre über derlei Chosen; Wenn sie kein Klcid bezahlen kann. Dann pumpe sie sich ein Paar Hofen.

Dem Humoristen der Feder möge der Schalk des Pasels sich anreihen. Auch Ed.Grützner, der weltberühmte Maler herrlicher, feuchtfröhlicher Bilder aus dem Klosterleben, hatte die Güte, mir einige Zeilen zugehen zu lassen, aus denen sich ein frohes sonniges Künstlergemüth äußert. -Lerne Zuschrift lautet: * _ c ,

Verehrter Herr Redacteur!

Wie ich über das Radeln der Damen in Pumphosen

Ist die Radlerin jung, schön und graciös, dann bleibt sie's auch in Pumphosen All Heil!

Ist die Dame aber alt und sagen Ste rundweg

- - dann Adieu! Ihr Ed. Grützner.

Schließlich wollen wir unserem verehrten, jovialen, in der Malerei hoch angesehenen Herrn Hans Thoma das Wort in dieser Frage geben, dte unserer Damen Herzen bewegt. Der liebenswürdige Künstler schreibt :

Oberursel im Taunus, Juni 1898.

Hochgeehrter Herr!

Da ich feit einem halben Jahre selbst zu den Radfahrern aeböre fo erlaube ich mir, der Ausfarderung nachkommend, über da» Radeln der Damen in Pumphosen eine Meinung $U ^Wer schon selber oom Rade gefallen, für den falleti alle sogenannten ästhetischen Rücksichten in Bezug auf da» Rad. fahren weg, und er wirb Alle» für gut halten, war dem

Gießener Anzeiger

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