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Nr. 142
Orschelul täglich nit Ausnahme deS
Montags.
Die Gießener JamilieuVtLtter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.
Erstes Blali.________Dienstag den 21. Juni_______________________
Kichmer Anzeiger
B898
SSeittgsprds vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh«.
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf^ vierteljährlich.
«»nah me von Anzeigen zu der Nachmittag« für den svlgmden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Heneral-Anzeiger
Alle Anzeigen-VermittlungSstellen des In- und AuSlandeA nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgege«.
Amts- und Anzsigeblatt für den Itais Glefzen.
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61M ns itmfi taffer Wilhelv t. itritt frei! ui iroBtr i tchei, um -ad»
^er Vorstand.
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Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schnlffraße Mr. 7.
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.
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Adresse für Depeschen: Anzeiger Hte-e«.
Fernsprecher Nr. 51.
Abonnements ° Einladung.
Zum Bezug des „Gketzener Anzeiger" für 6fc5 3. Vierteljahr 1898 laden wir hiermit ergebenst ttri. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die kogesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Reise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten stechrichten zuverlässiger telegraphischer Nachrich^en- Vrireaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem ngeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem prüfenden. Unterstützt durch umsichtige Berichterstatter m allen Orten Oberhessens und in den bedeutenden Städten der anderen hessischen Provinzen, ist der .Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die Eressanten Vorgänge innerhalb unseres engeren Vaterlandes und der Nachbargebiele so frühzeitig wie ilwglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen :* die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz VLerhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- -verthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch »»-die Beobachtungen und Erfahrungen in Kunst und Wissenschaft, Litteratur, Hauswirthschaft, ^Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten ünterhaltungsstoff bieten. Die „Gießener Familienblätter" werden dem Anzeiger wöchentlich 4mal Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags) deigelegt und neben den Erzählungen, Romanen und Novellen beliebter Schriftsteller anziehenden Unter- hLltungsstoff aus dem Gebiete des Familienlebens und der Hauswirthschaft bringen, und somit namentlich tun Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihae Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu vollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der öchellung bis 1. Juli den Anzeiger kostenfrei zu- zchellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtungsvoll
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Stetndruckerei (Pietsch Erben).__________
Bekanntmachung,
betr.: Reich-tagSwahl.
ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß bei der am 16. dS. MtS. vorgenommeuen Wahl in dem 1. Wahlkreise des Großherzogthums von 13 463 gültig ab« otgebenen Stimmen gefallen find auf:
1) Herrn Bürgermeister Philipp Köhler in Langsdorf 4718,
2) Ph'l pp Scheidemann in Gießen .... 4495,
tfl3) Dr. Otto Frank in Enger» a. Rh. . . 4159,
4) n Dr. A. I. Schmidt in Mainz .... 79,
.5) auf andere Personen.....• • • • 12,
Da hiernach eine absolute Stimmenmehrheit auf keinen b»r Candidaten gefallen ist, wird die Vornahme einer engeren Wahl zwischen den höchstbestimmten Bürgermeister Philipp Köhler unb Philipp Scheibemann in Gießen auf
Freitag ben 24. Jnni 1898
mit dem Bemerken festgesetzt, daß bei dieser Wahl alle auf andere Candidaten fallenden Stimmen ungiltig find. Die Zu- sammenstellung der Resultate dieser letzteren Wahl wird
Dienstag den 28. Juni dS. IS., Vormittags 11 Uhr, in dem Sitzungssaale des RegterungSgebäudeS zu Gießen stattfinden und das Ergeboiß sodann verkündet werden. Der Zutritt zu dem Locale steht jedem Wähler frei.
Gießen, den 20. Juni 1898.
GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend ReichtagSwahl.
Unter Bezugnahme auf die vorstehende Bekanntmachung obigen Betreffs, wonach eine engere Wahl für den Reichstag auf Freitag den 24. d. Mts. festgesetzt ist, wird bezüg. lich deS Wahlgeschäft» da» Folgende zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Die Abstimmung beginnt um 10 Uhr Vormittags und wird um 6 Uhr Nachmittag» geschloffen.
Auf die engere Wahl kommen nur die Herren Philipp Köhler, Bürgermeister in Laugedorf, und Philipp Scheidemann, Redacteur in Gießen. Alle auf andere Candidaten fallenden Stimmen sind ungiltig.
Die Wahl findet auf denselben Grundlagen und nach denselben Vorschriften statt, wie die erste Wahl. Insbesondere bleiben die Wahlbezirke, die Wahllokale und die Wahlvorsteher unverändert. Wtr verweisen die»- bezüglich auf unsere Bekanntmachung vom 1. d. Mt» (Au« zeiger Nr. 126).
Bet der engeren Wahl werden dieselben Wählerlisten avgeweudet wie bei der ersten Wahlhandlung. Eine wiederholte Auslegung und Berichtigung derselben findet nicht statt.
Gießen, den 20. Juni 1898.
GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, 20. Juni 1898. Betr.: Wie oben.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien und Wahlvorsteher des Kreises.
Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie Angesichts dieses, jedenfalls noch am Dienstag den 21. Juni, in Ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen lasten.
Zu Ihrem Bemeffen verweisen wir Sie auf § 28 ff. de» Wahlreglement» vom 28. Mai 1870 (Regierungsblatt Nr. 63 von 1870, Anlage 4, S. 52) und beauftragen Sie, genau hiernach zu verfahren und, insofern Sie nicht selbst al» Wahlvorsteher fungiren, die Wahlvorsteher dementsprechend zu iustruireu.
Die erforderlichen Protocollformulare und Wählerlisten gehen Ihnen mit nächster Post zu.
Die Wahlacten wollen Sie unfehlbar am SamStag den 25. Juni zugleich mit Ihrer berichtlichen Anzeige, daß und wann die Publikation der obigen Bekanntmachung in Ihren Gemeinden erfolgt ist, an den Unterzeichneten mit dem Vermerk „ReichSdieustsache" zur Post geben. Den Wahlacten bat die besondere Bescheinigung der Großh. Bürgermeisterei darüber beizultegen, daß und wann die ortsübliche Bekanntmachung de» Wahltermio» erfolgt ist (§ 31 Abs. 4 de» Wahl- reglemeot»).
Die Wahlvorsteher machen wir noch besonder» auf die Beobachtung de» § 18 deS WahlreglemeotS aufmerksam, weil dagegen bei der ersten Wahl vielfach gefehlt worden ist:
Auf Seite 4 des Protocoll» find bei den Namen der Candidaten die einzelnen auf fie gefallenen Stimmen durch Striche oder fortlaufende Zahlen anzumerken. Ist diese» wegen der großen Zahl der einem Candidaten zufallenden Stimmen unthunlich, so ist eine besondere Zahlliste in obiger Weise anzulegen und dem Protocolle al» Beilage an» zufügen. t
Die von einem Brifitzer zu führende Gegenliste ist nicht, wie vielfach angenommen wird, eine Liste der Ab« stimmenden, sondern ein besonder» gesührte» Exemplar der Zähllisteu.
Die Abstimmenden find nach § 16 de» Wahlreglement» nur in der Wählerliste und zwar in Spalte 8 durch ein Zeichen zu vermerken.
Dem Protocoll hat daher beizuliegen:
1. die von der Wahlcowmission auch bei der engeren Wahl zu unterschreibende Wählerliste, welche die Vermerke der Abstimmung enthält (und zwar nicht da» Original, sondern blo» baß Duplikat dieser Liste) -
2. die Zählliste, wenn eine solche besonders geführt worden ist-
3. die Gegenliste -
4. Bescheinigung der Bürgermeisterei wegen Bekannt- machung de» Wahltermiu» u. s. w.-
5. etwaige Stimmzettel, über deren Giltigkeit der Wahlvorstand Beschluß gefaßt hat (§ 20 de» Reglements).
v. Gagern.
Gießen, den 18. Juni 1898.
Betr.: Die land, und forstwirthschaftliche Berufsgenoffenschaft für baß Großherzogthum Hessen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
em die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises.
Diejenigen von Ihnen, die mit Erledigung unserer Bekanntmachung vom 3. Mai d». Iß. rubricirteu Betreff» (Gießener Anzeiger Nr. 104, 2. Blatt) noch int Rückstände find, werden hierdurch zur Erledigung binnen drei Tagen erinnert.
v. Gagern.
Die Reichstagswahlen.
Je mehr Ergebntffe der Wahlen bekannt werden, desto mehr stellt sich herauß, daß seitens der bürgerlichen Parteien nicht so großer Eifer entfaltet worden ist, wie angeficht» der von der Sachlage gestellten Anforderungen hä te erwartet werden müffen. Dem Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen dagegen, der in vielen ihrer sicheren Sitze bemerkbar war, steht ein Stimmenzuwachs in anderen Bezirken gegen, über, der jene Verluste mehr als wettmacht. Bei den Stich, wählen ist ein euergischeß und eivmülhigeS Vorgehen aller nicht sozialdemokratischen Parteien dringend geboten, wenn nicht die hier noch gebotenen Ausfichten im letzten Augenblick wieder verloren gehen sollen, Sehr pesfimistisch fieht mau ta Berlin die Sachlage an- eß wird von dort geschrieben:
„Mir einem fast fatalistischen Gleichmuth haben die bürgerlichen Parteien der Vermehrung der sozialistischen Mandate im neuen Reichßtage als etwas ganz Selbstverständlichem, al» einer nun einmal nicht abzuwendendeu Thatsache entgegen gesehen. Erst jetzt, wo da» Ergebnih der ersten Wahlschlacht einigermaßen fich überblicken läßt, kommt das Bürgerthum, soweit eS fich durch seine Parteiorgane vernehmbar machen kann, zur Einficht seiner ver« hängnißvollen Fehler strafwürdiger, leichtfinniger Zersplitterung und Läsfigkeit gegenüber einem gemeinschaftlichen Feind, welcher dem Bürgerthum und dem nationalen Staat den Untergang geschworen hat. Unsäglich betrübend ist die Niederlage der bürgerlichen Parteien tn Hamburg, der -weiten Handelsstadt vou ganz Europa, wo fich die Träger des weltmännischen Unternehmungsgeistes nicht dazu aufzuraffen vermochten, die politische Vertretung ihrer Handelsempore den Sozialdemokraten, die von jeher diese hanseatische In- telligeuz auf» Bitterste bekämpften und fie auf» Empfindlichste schädigten, zu entreißen. Aber über 51,000 Wähler in Hamburg verzichteten auf ihr Wahlrecht und gaben die Ber- tretung der stolzen Hansestadt im deutschen Reichstag gleich im ersten Wahlgang den Sozialdemokraten preis! Und ähnlich wie tn Hamburg, so in den meisten Hauptstädten unserer deutschen Bundesstaaten und in den großen Industrie« Zentren, denen erst bürgerliche Kraft, bürgerlicher Fleiß und der ungeahnte wirthschastliche Aufschwung Sammelpunkte von Tausenden von Arbeitern boten; dort vermochten sie bei auskömmlichen Existenzbedingungen ihre Lebenshaltung auf ein weit höheres Niveau zu stellen, als die arbeitenden Klaffen die- fich vor etwa 10 bi» 15 Jahren je hätten denken können! — Wenn nun die Reichshauptstadt davor bewahrt geblieben ist, gleich dem ersten sozialdemokratischen Ansturm zu erliegen, so kann fie nur die Beiseitesetzung aller Differenzen innerhalb der bürgerlichen Parteien bei der Stichwahl vor der Schmach retten, die roihe Fahne auch von den Zinnen aller Berliner Wahlkreise wchen zu sehen. Unumwundene Anerkennung verdient, daß da» Organ der Conservattven, die „Kreuzzeitung", der Ueberzeugung von der Nothweudigkeit, selbst mit den von ihr gehaßten Frei-


