Ausgabe 
21.1.1898 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

idelbtrg statt.

Mr. 17 Zweites Blatt. Freitag den 2L. Januar

1SO8

Hrfcheint tägNch tmt Ausnahme deS MontagS.

Die Gießener MamirteuVkLtler werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

Gießener Anzeiger

zsezugrprei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloha.

Bei Postbezug Mark 50 Pfg. ierteljährlich.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

General-Anzeiger

Alle Anzeigen-LermittlungSstellen deS In» und AuSlandeL nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger uitgegea.

Anrts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Redactton, Expedition und Druckerei:

Kchnlstrutze Ar. 7.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße».

Fernsprecher Nr. 51.

emn-dben. .

-'7-_____6, II

L__

^idtinrt ZiwLerÄ

5:-:'7Zt2Lkt JU verwL

Utitt. U, Konj. Ml

C--L Kover ,u vnM

__ttttettoVn

Mieth-Gesuche.

' Bflhotg. 5 M 6 gimmn: bk. *m flnin Kiwilli M11 ß Ml Cff.T.'a unter <r i Tilsnjtk a bit fptb d-L

v: eUWWHwil für' K ts fiaft ba Srtru 6torg K lie i. ttt bcr «OTbmUfle. o

iiörl 2-1 N»»« v. te rrMML___

t iifct »Mttttel Ai», Ptt,ü°v.-nm Ktct k j jutv ftiM » rN

S'Mw- ; kIMl Osicrta unter 1 ^eut|

iranz.

I

Sdeod-A

- er auf Loavtag 1 ein# 7 Udc ildcod#.

Tn HkM.

Mäusburg 1 I

'iicnu ung*

h«' fwj "ff

Jttie

Amtlicher Theil.

Gießen, den 18. Januar 1898.

shetr.. DaS Ausscheiden der Kreise au» der Tiefbau« berufSgevosseufchaft.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen Ni Grotzherzogttches Polizeiamt Gießen und die Vrotzherzoglichen Bürgermeistereien der Land- gemeinden des Kreises.

Nachdem der KreiS Gießen mit Wirkung vom 1. Ja- mar 1898 au- der TiefbauberufSgeoofseuschaft auSgeschteden «ft »ad von diesem Zeitpunkt ab al- selbstständiger Träger 3« Unfallversicherung für die in seinem Baubetrieb vor- rammenden Unfälle haftet, theilen wir Ihnen den nachstehend »bgedruckten § 2 der Au-führungSvorschrtften zum Bauunfall- »erficherung-gesetz bezüglich der Versicherung von Unfallschäden Sei Vauarbetten in den zur Telbstverficheruog zugelosscuen ^ommunalverbänden deS GroßherzogthumS vom 22. No­vember 1897 (Regierungsblatt Nr. 42) zu Ihrem Ermessen 2«d zur Nachachtung in vorkommendeu Fällen mit.

v. Gagern.

§ 2. Die den Ortkpolizeibehörden zu erstattende fchrift- Stche Unfallanzeige liegt dem KcetSstraßeomeister desjenigen Bezirk- ob, in welchem der Unfall sich ereignet har. Die SrtSpolizeibehördeu haben den dem KretSstraßenmetster vor­gesetzten KreiSbauinspector, sowie dem Vorstand der Kranken- Sasse, dem der Getödtete oder Verletzte aogehört hat, von der Einleitung der Untersuchung, unter Angabe von Zett und Ort 3er Untersuchung-Handlung, zu benachrichtigen. Der KreiS- Imeinspector ist berechtigt, den UnfalluntersuchuagSverhaud- langen al- Vertreter de- Kreise- betzuwohnen. Ebenso steht 2er AuSführnug-behörde da-Recht zu, sich durch eine- ihrer 'Mitglieder oder einen B'.rtrauenSmanu bet der Untersuchung vertreten zu lassen, zu welchem Behufe der KretSbautuspecior, He AuSführungSbel,örde von dem seitens der Ortspolizei« eehvrde anberaumteu Termin zur Uafalluutersuchung unver­züglich in Keuntniß zu setzen hat.

Hetr.: Die Revision der Hypothekendücher deS SmtSgerichtS- bcztrkS Gießen aus dem Geschäftsjahr 1897/98.

All sämmtliche Ortsgerichte des Amts­gerichtsbezirks Gießen.

unterziehen und die dabei in Bezug auf die Form sich er- | gebenden Anstände, insoweit die- ohne unsere Mitwirkung ge­schehen kann, z. B. Berichtigung von Schreibfehlern, Nach­holung von fehlenden Unterschriften u. dergl. zu beseitigen. Sie wollen sich davon überzeugen, daß die Einträge und Löschungen im Namenöverzeichniß und in dem topographischen Pfandregtster nach Vorschrift vollzogen worden find. DaS Protokoll über die erfolgte Borrevifiou ist unfehlbar in dem RevifionStermin vorzulegen. Die Termine werden Ihnen noch bekannt gegeben werden.

Gießen, den 18. Januar 1898. GrohherzogltcheS Amtsgericht.

Langrrmann.

Neber das neue hessische Staatsbudget wird derWormser Zeitung" unterm 17. Januar au» Darm­stadt geschrieben:

Nachdem die Finanzausschüsse beider Kammern am 13., 14., 15. d. MtS. ihre gemeinschaftlichen Berathungen über das Staatsbudget 1897/1900 vorgenommen und beendigt haben, dürfen die Vorbereitungen für die Budgetberathung der Kammern als erledigt angesehen werden. Das neue Budget, welches die Ausgaben und Einnahmen des Staates bis zum Schluß dieses Jahrhunderts zu regeln hat, steht unter dem Glücksstern der Verstaatlichung der Ludwigsbahn. Die Finanzen des Großherzogthums würden ohne die günstigen Folgen der Erwerbung der Ludwigsbahn in die mißliche Lage gerathen sein, da den großen Ausgaben für Nebenbahnen nur sehr geringe Renten gegenüberstehen. Die Bahnen im Odenwald und Oberhessen müssen oorläusig als sehr schlechte Kapitalanlagen angesehen werden.

Wie wäre, trotz der Steigerung der directen Steuern um 660000 Mk. pro Jahr, möglich gewesen, die landwirth- schaftlichen Interessen in der Art und Weise zu fördern, wie es in dem Budget jetzt in Aussicht genommen werden konnte. Auch an die Hebung unserer Bildungsanstalten der Landes­universität, Technischen Hochschule, der Gymnasien, Real­schulen und Volksschulen hätte man nicht herantreten und int Entferntesten nicht daran denken können, das neue Besoldungs­gesetz für die Beamten mit einem Plus an Gehalten von 600000 Mk. jährlich im Budget bereits zu berücksichtigen.

Der Gesammtüberschuß aus den Staatsbahnen in Hessen und mit dem Gemeinschaftsbetrieb mit Preußen kann für die drei Jahre bis 1900 auf 30 679797 Mark beziffert werden, während bei den früheren Eisenbahnmißverhältnissen ein jährlicher Verlust von über einer halben Million in

Wir benachrichtigen Sie, daß wir in der Kürze mit der ftevtfiou der Hypothekendücher beginnen werden, und fordern Wie daher auf, die seit der letzten Revision vorgevommeneu ßintrLge in Spalte A und B einer sorgfältigen Durchsicht tob Vergleichung mit den amt-gerichtlichen Verfügungen zu

Aussicht stand.

Dieser Ueberschuß ergibt sich, obschon den Beamten der früheren Ludwigsbahn in diesem Jahre bereits eine Auf­besserung bis zu 700000 Mk. und im kommenden bis zu einer Million gewährt worden ist und werden wird.

Hierbei ist noch ferner zu berücksichtigen, daß die Staats- bahnen die Versäumnisse in der Vermehrung der Betriebs­mittel und Bauanlagen rasch nachholen und für die Fabrik­arbeiter socialpolitische Rücksichten obwalten lassen werden. Bisher sind die Abonnements der Fabrikarbeiter bereits um cq. 30 Procent ermäßigt worden. Selbstverständlicher Weife können diese Millionen nicht netto eingenommen werden. Es hat die Tilgung und Verzinsung der Staatsschuld mit 7 694 700 Mk. jährlich abzugehen, so daß ein Nettoüberschuß von 2195800 Mk. jährlich verbleibt.

In diese Tilgung und Verzinsung sind aber auch die oberhesfischen Eisenbahnschulden und die Schulden für Neben­bahnen ausgenommen.

Im Verlaufe der Jahre ermäßigen sich jedoch die Schulden, während die Einnahmen jährlich um mindestens 3 Procent und mehr gesteigert werden.

Für den landwirthschaftlichen Unterricht sind sehr große Beträge eingestellt worden Für die Förderung der Rind­viehzucht 153 334 Mk., für die Schweinezucht 24 000 Mk., Ziegenzucht 1500 Mk., Bienenzucht 1200 Mk, Obst- und Gemüsebau 8000 Mk. Den landwirthschaftlichen Interessen und Aufgaben sind im Ganzen pro Jahr 556970 Mk. zur Verfügung gestellt. Im Vergleich gegen die frühere Budget­periode ergibt sich hieraus ein Mehr von 259870 Mk.

Die Landesuniversität erhält mit 674800 Mk. ein Mehr von 58450 Mk., die Technische Hochschule mit 247 950 Mk. ein Mehr von 41690 Mk. Die Gymnasien und Realschulen erhalten mit 563092 Mk. ein Mehr von 556 446 Mk. und die Volksschulen mit 1 401 200 Mk. ein Mehr von 401 200 Mk. Die erweiterten Handwerkerschulen nehmen 138 080 Mk. mit einem Mehr von 26 030 Mk. in Anspruch. Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, daß durch die Besserung der Finanzlage der Staat in die Lage versetzt ist, seine Eulturaufgaben in vollem Maaße zu erfüllen. Wenn demnächst noch das Besoldungsgesetz für die Beamten und die Steuerreform ihre Erledigung gefunden haben werden, dann kann man wohl mit Recht behaupten, daß die schwierigsten Aufgaben gelöst worden find.

Diejenigen Mitglieder der Ständekammern, welche die Initiative zur Verstaatlichung der Ludwigsbahn ergriffen und die Steuerreform nach preußischem Muster empfohlen haben, können nach langen Kämpfen und zum Theil erbitterten Verhandlungen in der Presse mit Befriedigung auf die er­rungenen Erfolge Hinblicken, denn nach der Denkschrift der Großh. Regierung und den Beschlüssen der Sachverständigen- Commission steht e» jetzt wohl fest, daß die Ertragssteuern für den Staat abgeschafft werden sollen, um einer Vermögens­steuer Platz zu machen.

In den gemeinschaftlichen Verhandlungen beider Finanz­ausschüsse ist in den wesentlichen Punkten Uebercinftimmung hervorgetreten, insbesondere gilt dies von der Anstellung weiblicher Fabrikinspectoren. Für Offenbach ist

Fettilleton.

Sin Sludrntknstreich.

Humoreske von E. H. von Zagory.

(Nachdruck verboten.)

K. 0 Bom alten Thurme der ehrwürdigen Kirche daer kleinen Universitätsstadt, die in Deutschland den Ruf tat, ein Paradies für Studenten zu fein, schlug es 2 Uhr. langsamen Schrittes machte der Hüter der Nacht seine Kunde- seine stattliche Leibesfülle erlaubte ihm nur lang- amen Schritt.

Da horchte er auf- der Pfiff eine» Eollegen klang vie ein Hilfeschrei durch die stille Nacht, und so rasch er konnte, folgte er diesem Rufe.

Schweißgebadet kam er am' anderen Ende der bergigen Stadt an und traf seinen Eollegen und eine Studentenschaar im ihn herum, indem fie sangen:Öhr winden dir den Zungfernkravz mit Sporen und Kanonen." Der Umringte var so außer fich, daß er feinen Eollegen zur Hilfe pfiff.

Der kam und sein Anblick schien die jungen Herren rnergtsch nüchtern zu machen, denn fie machten kein Wippchen «ehr, sondern folgten en beiden Herrschern des Nachtreiche- in» Amt-local.

Auf dem Wege hatten fie aber viel zu lachen und zu lannen. Endlich kam der Zag auf dem AmtSlocal, einem Heinen HSu-chen, in dem die Nachtwächter die Arretirten mwer bis zum Morgen eiufperrten, an. Der eine Nacht­sächter schloß die Thüre auf und trat in da- Hänichen, -tr machte Licht und sein College befahl den Herren barsch,

eivzntreten. Die wohlerzogenen Blüthen der Wissenschaft aber sträubten fich und erklärten, fie könnten unmöglich vor dem Oberhänptltng der Stadt tu das HänSchen eiotreten, er müßte ihnen vorangeheo, fie hätten viel zu viel gute Erziehung und Lebensart, um ihm nicht den Vortritt zu lassen.

Der Mann sah ein, daß er so nimmer zum Ziele kam und entschloß fich wirklich, eiozutreten. Kaum war er drinnen, klatsch flog die Thüre hinter ihm zu- da- Schloß knirschte und die beiden Hüter der Nacht saßen in gutem Gewahrsam.

Die baten fie schimpften fie klopften keine Hilfe. Die Thür war fest verschlossen und kein Rütteln und Schütteln half fie öffnen.

Kein Laut war draußen zu hören und Beide dachten fich ihre listigen Füchslein über alle Berge. Al» fie nun eiufahen, daß ihnen von nirgend- Hilfe kam, da wurden fie schließlich still, sowie fie aber still waren, klang e- so zärtlich und liebevoll, wie man nur einer Flamme ein Ständchen bringt, vor ihrem HSu-chen hell und klar durch die Nach»:

Abend bevor ich zur Ruhe geh,

Blick' ich hinaus tu die Nacht

Uud wenn ich ein bltukeudeS ©ternletn" u. s. w. DaS »Gute Nacht du mein herzige- Kind" zum Schluß klang geradezu fiunverwtrreod.

Die beiden Gefangenen sschuaubten vor »uth. Nein, diese Unverschämtheit ging ihnen doch zu wett, fie schworen fich hoch uud theuer, die Studenten, die sollten aber an fie denken. Dann aber fiel ihnen ihre Lage wieder ein uud rathlo- brüteten fie vor fich hin.

Der Morgen kam und die betdeu saßen immer noch fest. Verzweifelt rüttelten sie an der Thür und schrieen um Hülfe. Die- hörte ein Milchmann, der gerade vorüberkam, schnurstracks lief er auf die Polizei und zeigte den Vorfall an. Da» gab eine gewaltige Aufregung. Die Polizeimacht de» Städtchens zog in einem Trupp nach dem Ort, wo der Mann den Hülferuf gehört hatte.

Natürlich verbreitete fich diese Tbatsache mit Blitzes­schnelle in der ganzen Stadt. Bon allen Seiten strömten Neugierige herbei. Uab schließlich war eine für da» kleine Städtchen riesengroße Menschenmenge am Ort der That ver­sammelt.

Kopf an Kopf standen die Menschen und erwarteten ge­spannt den Augenblick, wo der Oberhäuptling der Polizei, wegen seiner KörpersettmaffeFettauge de- Gesetzes" ge­nannt, die Thür des kleinen Hotels öffnen würde. Ja, die war aber fest verschlossen und erst ein Schlosser öffnete fie.

Alle Welt ficht neugierig nach der Thür. Da geht fie auf und wie ein paar hungrige Wölfe stürzen die beiden Nachtwächter der Universitätsstadt mit dem Rufe: verfl . . . Studenten", heraus. Wuthentbrannt erzählen fie der lautlos horchenden Menge ihr ganze- Abenteuer.

Erst fing einer an zu lachen, schließlich lachte die ganze Menge, selbst die wohllvbltche Polizei schmunzelte, und die Menge meinte zufrieden: ,Ja unsere Studenten, da- find echte Kerle."

Die klassischen Sänger find aber nie ermittelt worden, uud fie freuen fich noch heut' über ihren lustigen Streich.