Ausgabe 
20.12.1898 Erstes Blatt
 
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Die Gefahren einerAunäherung an Eng­land hat Fürst Bt-marck seinerzeit durch den Vertreter der Hamburger Rachr." wie das Blatt anläßlich der jüngsten diesbezüglichen Rede hervorhebt in gegebener Veranlassung wie folgt schildern lassen:Unser Verhältuiß zu Rußland kann auf zwei Wegen minder gut werden- einmal auf dem der directeu und sodann aus dem der tudirecten Verstimmung durch ein schärferes Accentutren der deutschen Beziehungen zu denjenigen Mächten, die möglicherweise als Rußlands Gegners in Zukunft gedacht werden, also in erster Linie zu England. Mau hat bisher mit Recht oder mit Unrecht, au- genommen, daß Eaglaud am meisten iuteresfirt sei, den russi­schen Absichten bezüglich deS Schwarzen Meeres und des Orients eutgegeuzutreteu; io der Coujecturalpolitik figuriren Rußland und England als ZukunftSgegver auf der BafiS ihrer gegenseitigen Beziehungen im Orient im Allgemeinen und zur Türket im Speeielleu. Eine stärkere Hinneigung der deutschen Politik zu England, als bisher stattgrfuudeu Hit, wird also immer den Charakter eines Avertissement» für Rußland und einer zukünftigen Eonstellatiov haben, die ihre Schatten in die Gegenwart zurückwirst. ES läßt sich deshalb anuehmrn, daß die Besorgniß Rußlands vor den nachbar­lichen Absichten der deutschen Politik einigermaßen abhängig ist von unseren Beziehungen zu England und von der Schärfe, mit der sich die deutsch-englische Intimität am politischen Horizont abzeichnet. Daß russische Mißtrauen gegen die zu­künftige Haltung der deutschen Politik wird einigermaßen Schritt halten mit der Vertiefung der deutsch-englischen In­timität und noch mehr mit dem Scheine derselben, der sich momentan der diplomatischen Beobachtung darstellt. Um Rußland über die deutschen Absichten zu beunruhigen, bedarf e» nicht uothwendig direkter autirusfischer Symptome, die am diplomatischen Himmel zur Erscheinung kommen, sondern die scheinbar stärkere Intimität des deutsch-englischen Verhält- uiffer genügt, um tu den ZukunftSberechuungeu der russischen Diplomatie in Ansatz gebracht zu werden."

Die Organisation deS TorpedowrsenS. Vor einiger Zett verlautete bereits, daß die Marineverwal- turg eine Aeuderung unseres Torprdowesens insofern beab­sichtige, als die TorpedobootSdiviston in Zukunft nicht mehr aus einem größeren, dem sogen. Dtvifioneboote, und einer bestimmten Anzahl kleinerer Torpedoboote, sondern auS einer feststehenden Zahl gleich großer Boote bestehen soll. Diese Organisationräuderung, welche aus der Nothweudtgkeit ent­springt, im Hinblick auf die vielgenanntenTorpedobootS- jäger" in anderen Marinen, unseren Torpedobooten eine er­höhte Schnelligkeit zu geben, wie sie nur mit größeren Dtmeu- fionen der Keflelaulagen und damit des Schiffes selbst erzielt werden kann, tritt jetzt im Mariueetat in die Erscheinung. Während eine TorpedobootSdioifiou bisher auS einem größeren Boote und acht kleineren Booten bestand, soll sie künftig au» sechs gleichen Booten etwa von der Gröhe der jrtzigeu Divi- fionSboote bestehen. Die Gesammtkosten einer TorpedobootS- dtvifiou werden dadurch vou 5,856,000 Mk. auf 5,900,000 Mk. erhöht, und zwar die Schiffsbaukosten einschließlich Probe­fahrten vou 4,348,000 Mk. auf 4.874,000 Mk , die Artillerie- kosten von 896,000 auf 426,000 Mk., wogegen die Torpedo- armirung statt 1,112,000 Mk. nur 600,000 Mk. erfordert. Die Gesammtkostensumme entspricht übrigens der tu der Be­gründung des FlotteugesetzkS vorgeftheueu. Der Reichstag hat im laufenden Erat für eine TorpedoboorSdivtfiou 2,678,000 Mk. bewilligt. Mit Rücksicht auf die erhöhten Kosten wird im neuen Etat die zweite und Schlnhrate mit 2,201,000 Mk. gefordert. Nrch Maßgabe deS FlotteugesetzeS wird weiterhin eine erste Rare für den Bau einer ferneren Torpedoboot»- dtvtfiou mit 2,400,000 Mk. gefordert. Dazu treten die Forderungen für die artilleristische Armirung der ersterwähnten Division mit 296,000 Mk. (2. und S^lußrate) und der zweiten Division (1. Rate) mit 213,000 Mk., ferner die Forderungen sür die Torpedoarmtruug der beiden Divisionen mir 450,000 Mk. (2. und Schlußrate 150,000 Mk. und 1. Rate mit 300,000 Mk., sodaß im Ganzen für das Tor- pedobootSwesru im neuen Etat 5,560.000 Mk. gefordert werden.

Arsslent-.

Wien, 18. December. Im Amtsblatt wird heute daS kaiserliche Patent publicirt, durch welche» dir Landtage, mit Ausnahme derjenigen von Dalmatien, Istrien, Salzburg und Tirol eiuberufen werden.

Wien, 18. December. Eiue bemerkeuSwerrhe Athener Meldung derPol. Corresp.", die offenbar aus diplomatischer Quelle stammt, besagt, daß unter den Muhemedauern auf Kreta, besonder» in Kaudta, große Uuzufriedeuheit über die Berufung de» Prinzen Georg herrscht und daß bei seinem Amtsantritte unangenehme Demonstrationen und selbst erneute Reibungen zwischen den Muhamedauern und Christen befürchtet werden.

Rom, 18. December. Die Antt- Anarchisten- Covferevz wird, wie in gut unterrichteten Kreisen ver­lautet, am 21. dS. beendigt werden.

Venedig, 18. December. DieGazetta Venezia" be­stätigt, daß ein Theil de» Dogen-Palastes vou der Gefahr de» Einstürze» bedroht fei.

Amsterdam, 18. December. Esterhazy wird nächsten Dienstag nach dem Haag übersiedeln. Esterhazy führte einem Journalisten gegenüber Klage darüber, daß ihm zahlreiche avooyme Tchwähbriefe und Drohungen zugegangen seien.

Pari», 18. December. Die vou derLibre Parole" veranstaltete Sammlung für die Wittwe Henry ergab bi» jetzt die Summe vou 46000 Francs.SiScle" .Radical" undRappel" protesttrru dagegen, daß verschiedene Offiziere fich unter den Zeichnern der Liste befinden.

Paris, 18. December. Die Antisemiten beschloffeu, bet der Aukuuft Mox Regi» in Pari» großartige Kundgeb­ungen zu veranstalten.

Pari», 18. December. Der gestern hier eingetroffeue

persische Thronfolger wird die ganze Woche hier ver­bleiben und sich daun nach Nizza begeben.

Paris, 18. December. Da» Budget der Stadt Parts für diese» Jahr beläuft fich auf 350 Millionen Franc».

Paris, 18. 'December. Die Sptouage-Affaire, welcher die Regierung auf die Spur gekommen ist, scheint einen großen Umfang anzuurhmen. Wie ueuerding» ver­lautet, handelt e» fich nicht um Berrath de» neuen Gewehr- Modells, sondern de» neuen frauzöstschen Feldgeschütze». Der mit der Untersuchung betraute Richter Flory beobachtet strengste Zurückhaltung, sodaß Authentische» bisher nicht in Erfahrung zu bringen war.

Paris, 18. December. Die letzten Nachrichten au» Madagaskar lauten fehr schlimm. Die Sakalaveu haben mehrere französische Soldaten und Ansiedler getödtet. E» wird deshalb eine Straf«Expedition nach dem Gebiete der Sakalaven abgeheu. Was die Pest aulaugt, fo hat dieselbe keine weitere Ausdehnung angenommen.

Liffabov, 18. December. Die Regierung demeutirt kategorisch die Gerüchte vou einem angeblichen Berkaus oder einer pachtweisen Ueberlaffung der Delagoa-Bai.

Loudon, 18. December. E» wird befürchtet, daß mit dem bet South Shields gesunkenen DampferJlioS" 20 Manu, darunter auch der Capttäu, zu Grunde gegangen sind. Wenigsten» hat mau bisher nur von drei Geretteten Nachricht, während die Besatzung 23 Manu zählte.

Ein

SOjährigeS Christ-Befcheerungs-Jubiläum.

Herr Curschmaun feierte gestern in der Turnhalle der Sradtwädchenfchule sein 50jLhrigeSBescheeruugSJubtlanm. Trotz des unglücklichen Falles, wodurch Herr Curschmaun da» rechte Bein derartig beschädigte, daß er wochenlang im Bett und auf einem Sessel zubrtugen mußte, so nahmen dennoch die Vorbereitungen durch getreue, umsichtige Ge­hilfinnen und Gehilfen nach seinen Anordnungen den erfolg­reichsten Fortgang, sodaß e» ihm durch die reichlich gespendeten Gaben edler Geberinnen und Geber unserer Stadt, sowie durch die Zinsen seiner und der E. Schmtdt'schen Stiftung auch in diesem Jahre wieder möglich war, eine so großartige Bescheerung veranstalten zu können. Wurden doch 278 Kinder, 226 Mädchen mit neuen Kleidern, Unterröcken, Schürzen, Taschentüchern re. und 52 Knaben mit vollständigen Anzügen aus nur gediegenen Stoffen bedacht. Außerdem erhielt jede» Kind eine Bretzel, Nässe und Aut». Auch mit Schuhen konnten viele Kinder beglückt werden. Um 4 Uhr nahm die erhebende Feier ihren Anfang. Der schön ge­schmückte WeihnachtSbaum wurde augezündet, und freudestrahlend erschien die jugendliche Schaar im Festsaale. Die Schüler­innen der oberen Klaffen der Stadtmädchruschule fangen unter Leitung de» Herrn K. Müller zuerst da» Lied:Hosianna dem Sohne David»" mehrstimmig. Tief ergriffen hielt hier­auf Herr Curschmanu folgende Ansprache:

Hochverehrte Anwesende, liebe Kinder! Ich habe nicht die Absicht, eine große Rede halten und Eure Geduld lange in Anspruch zu nehmen. Nur wenige Worte will ich au Euch richten. Ich hebe meine Augen auf zu Gott und danke ihm vou ganzem Herz»o, daß die Heilung meine» kranken Beine» so weit vorgeschritten ist und mir die Straft verliehen hat, zum 50. Mal wieder vor einer fo großen Schaar Kinder zu stehen und ihnen eine Freude bereiten zu können. Bor etwa 2 Monaten ist da» Christ- ktndchen zu mir gekommen und hat mich gefragt, ob ich wieder brave Kinder hätte, denen ich bescheeren wollte. Da habe ichJa" gesagt. Ich habe al»daun viele Gaben erhalten, die hernach unter Euch vertheilt werden. Ich freue mich, daß Ihr alle so gute Zrugntssr erhalten habt, weil Ihr brav und,fleißig gewesen seid. Fahrt so fort, Euren Lehrern und Lehrerinnen Freude zu machen, denn der Lehrerberuf ist ein schwerer. Ich weiß tS au» Er­fahrung, denn ich selbst war 53 Jahre al» Lehrer thätig. Unmöglich wäre e» mir gewesen, eine so umfangreiche Be- scheeruug veranstalten zu können, wenn ich nicht unterstützt worden wäre. Ich spreche allen edlen Meuschrn, die mir so viele Gaben haben zukommeu laffen, nochmal» meinen herzlichsten Dank au«. Auch danke ich Herrn Oberlehrer Fuhr, der die Freundlichkeit hatte, mir diesen geräumigen Saal zur Ausführung meiner Bescheerung wieder zu über- weifen, sowie auch Herrn K. Müller für den schönen Ge­sang, der mich tief gerührt und wahrhaft erbaut hat. Ferner danke ich allen Lehrern und Lehrerinnen, die mir so bereitwtlltgst Auskunft über ihre Kinder ertheilt und mich unterstützt haben. Ebenso danke ich Herrn und Frau Becker sür die viele Mühe und Arbeit, die sie mit der Ausgabe der Kleiderstoffe, sowie mit der Empfangnahme und Aufbewahrung der Kleider gehabt haben. Heute la acht Tagen feiern wir da» WethnachtSfest. Da wünsche und hoffe ich, daß da» Christktudcheu bet allen verehrten Anwesenden auch Eingang halten möge!"

Hierauf wurde das Lied gesungen:Ehre sei Gott in der Höhe!" Herr Oberbürgermeister Guauth richtete sodann au Herrn Curschmaun folgende Ansprache:

Verehrter Herr Curschmann!

Im Auftrage der städtischen Behörde danke ich Ihnen au Ihrem 50jährigen Bescheerung»«Jabtläum für die viele Liebe und die großen Wohlthaten, die Sie während dieser laugen Zett den Bedürftigen unserer Stadt erwiesen haben. Den schönsten Lohn haben Sie stets tu dem daukdaren Blick der Kinder gefunden. Auch haben Sie sich in den Herzen unferer Mitbürger ein dauernde» Denkmal gesetzt. Ihre vou den Bürgern bewirkte Stiftung beträgt 2400 Mk. Die Vertretung unserer Stadt hat geglaubt, Ihnen kein brffereS Zeichen Ihrer langjährigen, erfolgreichen Wirksamkeit geben zu können, al» da» Capital Ihrer Stiftung auf 4000 Mark zu erhöhen. Indem ich Ihnen de« Auszug der Urkunde hierüber hiermit überreiche, ver­

knüpfe ich damit zugleich den Wunsch, daß e» Ihnen ver­gönnt fein möge, auch nach Ihrem 80. Geburtstage die Bedürftigen unserer Stadt durch Ihre alljährliche Ehrist- bescheerung noch recht oft durch Gaben zu erfreuen!"

Sichtlich ergriffen sprach Herr Curschmaun Herrn Ober­bürgermeister Guauth seinen tiefgefühltesten Dank dafür au». Hieran schloß fich die Gabenvertheilung. Hochbeglückt und freudestrahlend nahmen die Kinder ihre Geschenke in Empfang, dankten Herrn Curschmaun herzlichst und wanderten in flöh- lichster Stimmung nach Hause. Möge e» Herrn Curschmaun vergönnt sein, dies edle Werk zur Freude der Bedürftigen unserer Stadt bei voller Gesundheit noch viele Jahre sort- zusetzeu!

CocaUs rind ^provinzielles.

Gießen, den 18. December 1898.

Ordens Berleihuugeu. Seine Königliche Hoheit der Grobherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 17. December dem Fußgevsdarmiu Steinbach vom Großherzoglicheu GenSdarmeriecorpS da» Silberne Kreuz de» Verdieustorden» Philipp» de« Großmüthen, dem Cauzleidieuer bei der Zweiten Kammer der Stände, Friedrich Köhler, da» Silberne Kreuz de« Verdienstorden» Philipp« dr» Groß- müthigen zu verleihen geruht.

* AuS dem GerichtSSdteust. Durch Eotschließung Großherzoglicken Ministerium» der Justiz vom 13. d. Mr«, wurden der GerichtSaffrssor Wachtel in Groß-Umstadt bi» aus Weitere» mit Wahrnehmung der Dienstverrtchtuugeu eine» Amtsrichter» bei Großherzozlichem Amtsgericht Höchst, der GerichtSaffrffor Dr. Jäger in Zwingenberg mit Wahr­nehmung der Dieustverrichtungeo eiue» AmiSanwalt» bei den Amtsgerichten Groß Umstadt, Höchst, Michelstadt und Rein­heim, der GrrichtSaffeffor Korwau in Gießen mit Wahr­nehmung der Dienstoerrichtungeu eine» Hilfsgerichtsschreiber» bei dem Landgericht der Provinz Oberhrffen beauftragt.

**P. Stadttheater. Da» bevorstehende WeihvachtSfest thut ersichtlich dem Theaterbesuch Eintrag, für die Kaffe hat sich der sogen,goldene Sonntag" gewiß nicht al» gewinn­bringend erwiesen, denn daS Haus war nur schwach besetzt. ES wurde das LustspielComLesse Gvckerl" gegeben. Die beiden Bersaffrr deS Stücke» laffen ihre Handlung int Jahr 1818 in Karlsbad spielen, bringen e» aber nicht fertig, ein getreues Lebensbild an» jener Zeit zu bieten. Ihren Personen hastet durchaus der unverkennbare Thpu» moderner Lustspirlfiguren an. Besonderen Werth kann man deßhalb dem Stück nicht zuerkenueu, aber es wirkt vou einigen Längen abgesehen ganz unterhaltend. Den Darstellern gelang e» nicht überall, die Schwächen der Dichtung, nament­lich da» plötzliche Umschlagen einiger Charaktere, zu verdecke«. Frl. Schuhmann war in der Hauptrolle gut und sand sich auch mit dem österreichischen Dialekt leidlich ab, wa» von einigen anderen Künstlern nicht behauptet werden kann. Herr M e r k e r bot eine tüchtige, aber nicht völlig einheitliche Stiftung; im ersten Theil war er doch etwa» zu feicht. Der Hofrath de» Herrn Liebscher erschien glaubhaft, seine Gemahlin (Frau Kruse) war wohl komisch, aber nicht fein genug. Die Darbietungbe« HerrnDietzsch wurde durch die wenig glück­liche äußere Erfcheinung sehr beeinträchtigt. Die Rolle des Bade- eommtffar» erfordert eine gewiffe Steifheit- Herr Casterra aber verwandelte diese Eigenschaft zu fehr in Theiluahmlofig- leit. Seine Partnerin, Frl. Pauli, war ein ganz netter Backfisch. Ausstattung sowie Regie find zu loben, die Costüme waren wohl der Zeit entsprechend, aber theilweise unschön.

Der VereinJugendfreund" ist diesmal mit seiner WeihnachtSbefcheerung für bedürftige Kinder wieder in die Oeffentlichkeit getreten. Die Bescheerung fand gestern Abend in der Turnhalle der höheren Töchterschule statt, und wurde zunächst verschönt durch GesaugSvorträge de» ge­mischten Chors der Bürgerges-llschast unter Leitung de» Herrn Lehrer» Trautmann. Wie Herr Custo» Dr. Heuser in seiner an die Versammlung gerichteten Ansprache «»»führte, war e» dem Verein infolge reicher Zuwendungen an Cigarren- abschnitten (der Erlö» hierfür betrug 64 Mk.) u. s. w., so­wie au Geld möglich, diesmal 17 Sinder beiderlei Geschlecht» vollständig neu zu bekleiden. Herr Dr. Heuser nahm deßhalb veranlaffung, Allen, die dem Verein ihre Unter­stützung zu The,l werden ließen, von Herzen zu danken. Unter den vielen unbekannten und bekannten Wohlthäieru sei besonder» Frau Sieinhauer Kalbfleisch, welche die An­fertigung der Kleider übernommen, genannt. Die Kinder ermahnte Herr Dr. Heuser zu Erkenntlichkeit sür die em­pfangenen Gaben, fie könnten sie zwar nicht bethätigen tut den Spendern derselben, wohl aber an ihren Eltern, Lehrer« und späteren Lehrherren durch da» Bestreben, tüchtige Menschen zu werden. Redner schloß mit der Bitte, dem Verein auch ferner die seit 23 Jahren zu Theil gewordene Unterstützung zuwenden zu wollen.

Schlägerei. Gestern Abend entstand in einer Wirth- schäft in der Neustadt ein Streit, wobei der Arbeiter August Lehrmund von hier dem Taglöhner Heinrich Schneider mit einem Biergla» in da» Gesicht schlug- das rechte Auge Schneider» wurde derart verletzt, daß es nach Ansfagr de» Arzte« verloren gehen kann. Der Thäter wurde verhasttt.

* An Gewahrsam genommen. T u erst vor kurzer Zeit hier zugezogener verheiratheter Mann, welcher in betrunkenem Zustand in der Stadt umherfiel und durch allerhand Unfug einen Menschenauflauf hervorrief, mußte verhaftet werden. Ferner wurde noch ein verheiratheter Manu in Polizei­gewahrsam gebracht, welcher schon öfter», so auch gestern seine Ehefrau mit dem Meffer bedrohte und fortgesetzt Ruhe­störung verübte.

* Postalische«. Am 1. Januar 1899 treten n. A. fol­gende Neuerungen in Kraft: Auf der Vorderseite der Post­karten dürfen Vignetten und Reklamen angebracht werden, soweit fie nicht die deutliche Angabe der Adresse, sowie die Anbringung von Stempel-Abdrücken und postalischen ver­merken beeinträchtigen. Als Drucksachen gelten von ge-