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20.11.1898 Erstes Blatt
 
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Nr. 273 Etttcs Blatt. Sonntag dm 20. Novcmbe,1S»8

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Gießener Anzeiger

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General -Anzeiger

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Asnts- und Anzei^eblutt für denKreis Grefzen.

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I Eratisbeilaye: Gießener Familienblättrr. '

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Amtlicher Lheil.

(flefuttben: 1 go.dener Siegelring, 1 Geldstück, 1 Spazierfiock, 1 Fidelvogen von eintr Geige, 1 Regen­schirm, 1 Brillenfutteral, 1 Filzhut, 1 schwarzer Shlip», 1 H nkelkorb, 1 Paar tt nberftrlimp't, 1 Pserdetrppich, 1 Wageukopiel, 2 OieuthÜlchen, 1 Stück Ban?, 1 se cene» Halstuch und 1 Mtstqab-l.

Zugeflogeu: 1 Hahn.

Stegen, 6en 19 November 1898.

Sroßherzogliche» Polizeiamt Gießen. Muhl.

Hodtenfest.

Ja den GotteShäuseln gedenkt »an heute derer, die durch den Tod aus dieser Ztitlichkcit abgeschieden stud. Da mag auch wohl eine Z taug den B >ck ihrer Leser für einige Augenblicke auf den Gedanken des Tode» htoleukeu. Sind doch Zett und Tod unzertrennlich »tt einander verbunden, viele von Denen, die diese» Blatt zur Hand nehmen, werden mit «ehmuth und vielleicht mit tiefem Schmerz der geliebten Menschen gedenken, di« Jahre hindurch ihrem Herzen sehr nahe gestanden haben und mit deren Tod ihnen rin Stück Leben entrissen ist. Ader nicht nur der Einzelne steht unter de» unerbittlichen Gesetze, daß die Zeitlichkeit die Sterblich- fett nach sich zieht, sondern auch ein Volk al» Ganzes hat sich wohl zu hüten, daß es nicht durch die Hingabe au das Ze tliche dem TodeSoerderben anheimsalle. Such ein Volk al» solche» kann sterben. Wo sind fie geblieben, die groß- »achtigeu.ker de» AlterthuwS, die Aegypter, die Assyrer, Meder, Perser u. s. w. verdorben und gestorben. Wa» aber hat ihnen die Kraft zum Leben genommen und damit den Tod gebracht? Die», daß fie fich an den Gütern dieser Zeit übernahmen. Sie gingen, um eturn sehr treffenden Ausdruck des großen H-ideuapostels zu gebrauchen, zu Grunde durch den Dienst de» vergänglichen Wesen». Und wa» be­richtet man uns jetzt über die Zustände, die in einer großen Nation Europa» herr'chea? Die Zahl der Sterbesälle über­trifft dir der Geburten.

Das ist der Anfang vom Sode, die Anzeige von der Todeskrankhett eine» ganzen Volkes. Und forschen wir weiter, woher diese entsetzliche Slscheinuog, so ist daraus zu ant­worten: Die LlUte wollen dort, ein jeoer möglichst für fich, die Dinge dieser Zett mit vollen Zügen genießen und huldigen tu Tchaareu dem berücht'gten Aus peuche eines franzöfischen König»: Nach uns die SÜudfluth! Daher das Schwinden echter männlicher Thotkeaft für das Gemeinwohl, die furcht­baren Benügereten in den amtlichen Stellungen, die weit- verbreitere Abneigung fich zu verheirarhen und was Alles damit zusawmeuhäogr, alle» genau so, w e e» die letzten Zeiten des alten Römerreiche» aufweifen. Die Dinge der Zett bringen den Tod, uuzerstötbare» Ltbev gewährleistet allein da», was der Ewigkeit angehört.

Wie nun die, die heut an den Gräbern ihrer Lieben stehen, durch ein Kreuz oder einen Bibelspruch auf den hin- gewiesen werden, der da» unvergleichliche Wort von fich ge­sagt har: »Ich bin das Leben I* so dürfen auch die Völker au diese» Lebeosfürsten nicht voniider, wenn fie dem Tode eulrinnen wollen. Unser geliebtes Saiserpaar hat vor Kurzem dort in frommer Andacht geweilt, wo Jesus Christus durch den Tod hindurch das Leben für nus erkämpft hat. Das mag unser deutsches Volk aus» Neue dahin weisen, wo es allezeit seine beste Kraft zum Leben zu schöpfen hat.

Versuches Reich.

Berlin, 17. November. Die Reichsdruckerei schließt nach nunmehr erfolgter Abrechnung für das Jahr 1897/98 Mit einer Einnahme von 7.067,980 Mk oder einem Ueder- schuß von 2.084 039 Mk., so daß derselben nach Abzug der für 1899 aügeforderten Etaislumme von 5,172,110 Mk. für die fortdauernden und 300,000 Mk. für die eiomaligen Ansgaben noch ein nennenswerther Einnahme - Ueberlchuß bleibt. Zu» Nachweis der fortdauernden, jetzt die Aufnahme eines Erweiterungsbaues bedingenden Entwickelung dient folgende Ueberficht der Leistungen der Retchsdruckerei in den Jahren 1893/94 und 1897/98. In erstere» Jahre stellte bieselbe her 2 269 360 000 Postwerthzeichen und sonstige Wetthmarken, 10,120,000 Reichsbar kootui, Reichskaffen- scheine and sonstige Werthpapiere, 161,000 000 Bogen nicht geldwerther Drucksachen, m Jahre 1897/98 dagegen

2,765,592 285 be;w. 62,270.210 de»w. 210 000.000. Die Einnahmestrigrruug seit 1893/94 beträgt rund 1,400,000 Mk

Kriegshunde in den Schutzgebieten. Mit der Dreffur und Verwendung von Sanitäis- und Kriegs- Hunden haben dir Engländer bei ihren Kämpseu während der letzien Jahre in Südafrika Io gute Rriultate erzielt, daß auch unsere LandeshauptwannichLft in Südwestafr ka seit ver- gangenrmJah e gleiche versuch: angrst'llr hat, die, wie wir , erfahren, zu gleich guten Ergebotffeu g'Iühre Haden, von allen zur Verwendung gekommenen Hunderaffen bewährten fich in Deutsch'Südw-.stafr ka, wa» In lligenz, Ausdauer und Widerstandsfähigkeit anbetrifft, die der Scorch Collies am besten. In den letzten zahlietchen Kämpfen unserer Schutztruppe rhaten diese Collie» ausgezeichnete D'ti.fte in der Uebermitielung von schriftlichen Meldungen und B-fehlen nach der F-uerliute und zurück, ebenso in der Heranichoffung | von Gewehrpatronen. Mir je drei- di» vierhundert Patronen (in zwei P ckraschen) be'astet, kehrttn die Hunde im schnellsten J Tempo zu ihren als Beodachtungsposten u s.w am weitesten ! in die Feuerlinie vorgeschobenen Führern zurück. Einen er- \ staue.lichen Grad von Spürsinn und F ndigkeit Haden die , Collie» auch de m Aufsuchru von Berwundteten und Todten bewiesen. Durch laute»verbellen" machen fie die Kranken« ! träger ans jeden gefundenen verwundeten aufmerksam oder kehren zur Truppe zurück und geben durch Winseln zu ver­stehen, daß man ihnen folgen solle und führen dann den Lazarrthgehilfen unfehlbar zu dem Hilflosen. Der iüdwest- afrikanische Krtegshnud träft neben einer Satteitasche mit Verbandzeug noch eine gr oßr Labeflasche ao» Aluminium und macht auf diese Sachen durch bcfonbere G.'derben die Ge­fundenen aufmerksam. In Deutsch Südwestafrika verwendet mau jetzt die KriegShunde nicht mehr zugleich al» Sanität»- Hunde, da es vorkam, daß solche zweifach ausgebildete Thiere, anstatt eine eilige Meldung in die Fenerltaie zu tragen, bet einem aufgefundenen verwundeten längere und kostbare Zett [ verweilten und den richtigen Auftrag vergaß'». Erwähnens- werth dürfte noch sein, daß man auch In Deutsch Ostafrika ähnliche versuche anstellte, die jedoch ergebuißlos verliefen, da die dazu verwendeten Thiere eine tropische Erscheinung dieNase" (Geruch) fast ganz verloren. Selbst aeclima- tifirte Hunde und Abkömmlinge von solchen find wegen zu geringer Entwicklung de» G-rnchs- und SpÜrfinv» für so edle Zwecke unbrauchbar und bewähren fich höchstens für Jagdzwlcke. Ja Deutich-Südwestafrika fino von den Schutz- truppen auf den größeren Stationen förmliche Zucht- und Dreffuraustrlteu für Kriegs« und für Sauitätshnndc angelegt, aus denen mit der Zett selbst unserem Heere erprobte Ge­brauch» KriegShunde zugewtesen werden dürften.

Kiel, 18. November. SeemauuShaus in Sian- »schon. Die unter dem Proteciorat bei Prinzen und der Prinzesfiu Heinrich von Preußen stehende Gesell chaftSee- mannshau» für Unteroffiziere und Mannschaften der Kaiser- licheu Marine- hat auch die Errichtung eines Seemanns- Hanse» im Kiantschou-Gediet in Aussicht genommen, um so den Marinemannschaften das ernste und entbehrungsreiche Leben freundlicher zu gestalten. Die Wahl eines für diesen Zweck geeigneteo, der Landungsstelle der Kriegsschiffe möglichst nahegelegenen Platzes und die Pachtnog des erforderlichen Grundstückes hat der mit den Bauten im Kiautschou-Gebiet beauftragte Hafenbaumeister übernommen. Schwieriger als die Platz- ist tndeffen die finanzielle Frage, bene die Kosten für die Errichtung eines solchen Haases find außerordentlich groß, zumal die Einrichtungen für mehrere tausend Manu ansreichen »Affen. Jodeffen der Plan hat in den weitesten Kreisen Anklang gefunden; aus allen Gauen des Reiches find ja deutsche Söhne im Dienste der Marine im fernen Osten vorhanden, theils al» Landtruppen I« Kiautschou- Gebiet selbst, theils auf den Schiffen des ostafrikanifchen Kreuzergeschwaders. Die allgemeine Zustimmung rechtfertigt die Hoffnung, die gemeinnützigen Adfichreu in absehbarer Zeit verwirk ichk zu sehen. M. N. R.

Straßburg, 15. November. Als der Kaiser Ban Rußland seine Aufforderung zur Abrüstung erloffen hatte, da erklärten in Frankreich die meisten Blätter, daß von einer Abrüstung keine Rede fein könne, so lange die Frage von Elsaß-Lothringen nicht zu Gunsten von Frankreich gelöst sein würde. Mehr als 42,000 Eisäffer und Lochringer leben gegenwärt'g in Paris, viele Tausende find tu den anderen großen Städten von Frankreich verchellt, fie alle find einig in der Verwerfung des Frankfurter Frieden». Schon am 15. September hielten die Abgesandten aller elsaß-lothringi­schen Vereine in Paris eine Versammlung, tu der fie unter

ihrem bekannten vo'.sitzeid'N Cuacboeuf unter tosende« Beifall feierlich erkälten:Die Ellaß Lothringer, uner­schütterlich an der Protesterklärung ihrer Abgeordneten auf der Nationalversammlung in Bordeaux im J^hre 1871 fest­haltend, stimmen etwaigen Verhandlungen über Abrüstungen nur zu, wenn die ewige Gerechtigkeit wieder hergestellt und demgemäß Elsaß Lothr'nyeu wieder mit Frankreich vereinigt wird. W r fordern alle Franzosen auf, hierzu dehilfl ch zu sein, da die endgiltige Anerke nnug des Frieden» von F ankfurt vor der ganzen Welt Frankreich entehren würde. Au» Feigheit würde alsdann Frar.k.eich odne weiteren Kamps feinen N eder- gang besiegeln.* Um die Regierung zu veranlaff'n, bei den Verhandlungen diesen Standpunkt festzuhalten, wurde für später eine Maffenkuadgebung befdiicfftn. Am 28. Ocioder fano zur Erinnerung aa den vor 250 Jahren abgeschlossenen Frieden zu Ryrwy ck, durch den Lothringen und Elsaß mit Frankteich vereiu'gr wurde, ein F-firffeu der elsä flschen Vereine auf der Höhe de» EffelthutmS state, an dem wehr als 870 Personen theilnohmen. In den hierbei gehaltenen R deu lobte man die angebliche Zähigkeit, mit der die geraubten Proviuz-n die Wtedervereintgung mit Frankreich verlangen, und es wurde die feste Uctergci gang ausgelprochen, daß die Entwaffnungsfrage unmöglich sei, und daß man nur durch einen neuen Krieg diese Provinzen wieder erhalten könne. E» ist gut, so schreibt derScvaäb. Merk.", wenn wir in Deutschland nicht vergeffen, daß in Frankreich immer noch viele Tavsende von Männe n vorhanden find, die immer von Steuern wieder zum Kriege httz-n und die in thvrichter Ver­blendung auch heut« noch den Frankfurter Frieden nicht an­erkennen wollen. Diesen Unversöhnlichen jenseits der Vogesen fei denn doch in baS Gedächtniß zurückzeiufen, daß im west­fälischen Frieden auch die Städte Toul, Verdun, Nancy an Frankreich kamen und daß ein neuer Krieg vielleicht auch die Folge haben könnte, baß Frankreich alSbovn auch diese Land­striche noch verlieren bürste. Gerade diese offmfanbigee Umtriebe der elsäsfiich loth,Logischen Vereine und der wieder auflebeoden Patrioteultga werden ober al» erste Folge wohl dazu führen, baß Deutschland auch in nächster Z:it fei* Pulver trocken hält und bhpnige Rüstung fich anlegt, die es zum Kriege bedarf.

Budapest, 18. Nooemb.r. D e Regierung ist ent- schloffen, alle weiteren Augnffe wegen der Heutzi-Assairje seiteoS brr Opposition, sowe etwaige Straßrn-Demon- stratiouen auf da» Energischste zurückzuweiten.

totales mnfr provinzielles.

Gießer», 19 November 1898.

* Aus dem GerichlSdieup. Seine Königliche Hoheit bet Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 16. November den Gerlchtsaffrffor Friedrich Dähn aus Worms zu» Amtsrichter bet dem Amtsgericht Wörrstadt zu ernennen.

Lolkslefehaüe. Die Mnthetluug über die Lesehalle in dem gestrigen Stadtverordnetevfitzungs-Bericht ist dahiu richtig zu stellen, daß Herr Beigeordneter Georgi die Zahl der Bände mit 3 800 (nicht 1800) angegeben.

Sitzung der Großherzoglicheu Haudelska»er» li. November 1898. Anwesend die Herren: Koch, Scheel, Balser, Heichelheim, Kotz, Klingspor und Wortmann. Bei der Sammer ist von einer hiefigen Firma der Wunsch geäußert worden, an zuständiger Stelle dahin wirken zu wollen, daß an dem Zollichuppen des neuen Güterbahnhofes eine ständige steueramtliche Adferrignvgsst.lle errichtet werde. Da die jetzigen verhältniffe an den hiefigen Vahohöseu in mannigfacher Beziehung einer Sendernng dringend bedürfen, in dieser Beziehung verschiedene B-schwerden der Sammer vorliegen, so ernannte die Sammer e ne Commission zur E nnahtne eines Augenscheines und Prüfung der ihr bis j tzt vorgetragevev Beschwerden, insbesondere auch derjenigen be­züglich der Waggouentladestelltu. Der Sausrnännische Verein in AlSselb hatte im Vereine mit zahlreichen dortigen Behörden und Firmen eine Erogade an die Eisenbahnbirection Frankfurt a. M. gerichtet, in der fie nm Umwandlung des gemischten Zuges ab Gteßen 6 Uhr vormittags tu einen Personenzug bat. Auf Ansuchen unterstützte die Sammer diese Bestrebung um Gewährung einer früheren Zugverbiu- dung ab Gießen, deren Berechtigung nicht zu verkennen ist. Es wurde ihr mitgetheilt, baß dem Anträge in Rücksicht auf die zu erwartende nur geringe Freuen- und weil eine solche Maßregel auch die Einlegung eine» Gegenzuges Alsfeld Gießen bedingen würde, zur Zeit nicht stattgegeben werden