Ausgabe 
20.10.1898 Erstes Blatt
 
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Krakau, 18. October. In der letzten Nacht wüthete hier ein starker Orkan. Biele Gebäude wurden be­schädigt.

Rrm, 18. October. Der Regierung gingen authentische Meldungen zu, welche bestätigen, daß der Vorstoß deL Königs Meuelik deshalb unternommen worden sei, um die Franzosen in der Faschoda-Frage zu unterstützen. Die Beziehungen zwischen Frankreich und Meuelik seien ntewals so intime gewesen wie augenblicklich.

Paris, 17. October. Jeder Tag liefert seinen Beitrag zu derpolitischen Pathologie" der Franzosen, von welcher derTempS" neulich sprach. Die Krankheitsgeschichte läßt fich keinesfalls doch mit der Sicherheit auf Besserung betrachten, welche die halbamtliche Zeitung zur Schau trägt. Die Anzeichen, die allerwärts, im privaten wie im öffeutlicheu Leben, hervortretev, lassen auf maßlose Leidenschaften schließen, die in den Massen gähren und beim ersten Anlaß loSbrechev können. Man weiß, wie die Franzosen wüthev, wenn fie einmal losgelaffeu find. Die Geschichte der großen Revolution und der Commune 1871 find dasür die bekanntesten Beispiele. Da- Volk, das in gewöhnlichen Zeitläuften den angenehmsten Schliff der Sitten beweist, geräth außer Rand und Band, wenn die Leidenschaften mit ihm durchgehen. Seine Sittlich» kett, die wesentlich auf verständiger Erwägung gefellschaft. ltcher Nützlichkeit beruht, hört mit den Rückfichten auf, die ihr zu Grunde liegen. ES gibt daun für die Menge keinen inneren Halt mehr. Seit einigen Wochen haben wir, so wird un» aus Parts geschrieben, einen Vorgeschmack dessen, waS in Frankreich kommen soll, einen Begriff der Grausamkeiten, von denen der alte Barthölemy Saiur-Hilaire kurz vor seinem Tode sagte, daß fie die Greuel der großen Revolution gelind erscheinen laffen würden. Paul Deroulöde, der mit der Guillotine in Permanenz" droht, ist noch von der alten Schule, die verhältnißmäßig mild war. Da- eigenartig Neue tu der Jesuiten- und GeneralstabSpreffe besteht nicht tu der Mordlust, die nach bekannten Mustern -um Ausdruck kommt, sondern in der Gier nach Martern, die den Feinden augethau werden sollen, in der Erneuerung mittelalterlicher Folterungen und der Erfindung neuer Qualen, die man anzuweuden ge­denkt. Der Laterueumann Rochefort schlagt imJntran# figeaut" sür die Richter des CaffationShoseS, welche die Dreysu-akteu dem Recht-auwalt der Frau DrehfuS zur Rennt# utß gegeben haben wa- angeblich Hochverrath fein soll folgende Strafe vor:Ein zuvor eiugeübter Henkersknecht soll ihnen mit der Scheere die Augenlider abschneiden. Wenn fie nun die Augen nicht mehr schließe« können, thut man große Spinnen von der gisttgsteu Art in Nußschalen und be­festigt die letzteren mit festen Bändern, die hinter dem Ropf gebunden werden, auf die Augäpfel. Die Spinnen, die hungrig und in ihrer Nahrung nicht sehr wählerisch find, fressen die Hornhaut durch und saugen das Auge au-, bis Nicht- mehr iu den Höhlen bleibt. Daun kettet mau die scheußlichen Blinden au einen Schaudpfahl vor dem Justiz­palast, wo fie ihr Verbrechen begangen haben. Auf ihrer Brust bringt man die Inschrift an:So bestraft Frankreich die Verräther, die versuchen, es an den Feind zu verkaufen." So läßt man fie zwei gute Stunden unter dem Gejohle be­ste anspukeuden Volks. ..." Da- ist Rochefort- Vorschlag. Man möchte ihn sür einen vereinzelten Fall epileptischer Mord- und Marterlust halten. Jndeß entspricht derJntran- figeaut" offenbar doch dem Geschmack eine- großen Publi­kum-, denn von allen französischen Hetzblättern ist er jetzt wieder da- verbreitetste. DerFall politischer Patho­logie" beschränkt fich nicht auf einige Journalisten und Redner, sondern greift um fich und wird epidemisch. In Parts steht ein rother Winter zu befürchten. Präfidevt Faure empfing am Montag Nachmittag den Grafen Murawjew, am Mittwoch findet bet dem Präfidenteu etn Mahl zu Ehren Murawjew- statt. Der Mtutster des Aeußereu, Delcassö, gab am Montag dem Grafen Murawjew ein Mahl, au welchem sämmtltche Mtutster, sowie unter Anderen der deutsche Botschafter, Graf Münster, theilnahmen.

Tägl. Ruudsch.

Toulon, 18. October. In dem hiefigen Arsenal wird mit fieberhafter Thättgkeit au der Instandsetzung der Flotte gcarbeitet. Bon heute an werden Tag- und Nacht­schichten etngeführt, damit die Arbeiten keinen Augenblick ruhen. In Brest und Cherbourg wird ebenfalls emfig ge­arbeitet. Man betrachtet die Lage daher allgemein als sehr ernst.

Loudon, 18. October.Daily Mail" will au- bester Quelle erfahren haben, daß die vom Zaren angeregte Friedens-Conferenz im nächsten Jahre in Bern oder Brüssel statifinden wird.

London, 18.October. Lord Salisbury und Rose­berry haben die Einladung de- Lord-Major- zu einem Banket, welche- am 4. November zu Ehren de- Generals Rttchener stattfindet, angenommen.

Petersburg, 12. Oktober. Als am 20. August die be­kannte Friedens- oder Abrüstungsnote von hier erlassen wurde, und in der ganzen Welt die Augen mehr denn je und dankbar nach Rußland gerichtet wurden, ahnte man nicht, daß schon nach kurzer Zeit vier Großmächte, zu denen auch Rußland gehört, fich anschicken würden, Ranonen und Gewehre zu laden, um ihrem Willen auf Kreta Gehör zu verschaffen. Und doch ist e- so. Es war nicht sehr leicht, fich über die Zwangsmittel zu einigen, die angewandt werden sollen, falls die Pforte ihre Truppen nicht zurückziehen will. Endlich hat man fich theoretisch doch geeinigt. Für den Fall, daß der Abzug der Truppen und Beamten zur festgesetzten Frist nicht beginnt, sollen die Europäischen Truppen einschretten. Zunächst soll dann die Festnahme der außerhalb der türkischen Kasernen oder Festungswerke (wo diese noch vollkommen von türkischen Truppen besetzt find) angetroffrnen einzelnen türkischen Soldaten und Beamten erfolgen. Hieran- würde fich die Beschränkung von Truppen und Beamten auf Casernen (oder Festungswerke) ergeben. Die Punkte würden daun von dm europäischen Truppen blockirt werden. Da es fich um

Muselmanen handelt, so wird die Blockade strenger durchge# sührt werden al- ihrerzeit die famose Blockade der aufstän­dischen Christen, die fich dabei so wohl befanden, daß fie den Blockirern Fleisch (e- war freilich den Mohammedanern ge­stohlen) liefern konnten. E- bleibt den braven Fezträgern also nur übrig: Hunger- zu sterben, fich zu ergeben oder auszubrechen und dabei vernichtet zu werden. Bei aller un­begreiflichen Nachficht, die in den Reihen der braven türkischen Armee sür die Sünden herrscht, die von Roustantinopel au» auch an ihr begangen werden, wird die Neigung der Türken, die Weltgeschichte um eine That der Srlbstopferung auf Rreta zu bereichern, keine große sein. Immerhin find viele Möglichkeiten vorhanden, auS denen fich blutige Zusammen# flöße ergeben können. Die Gewehre auf Rrera gehen sehr oft von selbst los, und wenn von griechischer Seite solchen Zufällen die Wege geebnet werden, so haben die Kanonen und die Gewehre der verbündeten Europäer auf Kreta noch viel Ausficht, da- schöne kaiserliche FrtedeoSwort Lügen zu strafen. ES wird auch hier aufs Lebhafteste gewünscht, daß man der Nothwendigkett Blut zu vergießen überhobeu wäre, und nicht zum wenigsten aus diesem Grunde ist in die Ver­sprechen, die der Pforte für den Fall de- freiwilligen Ab­züge- der türkischen Truppen gegeben wurden, auch daS auf« genommen worden, da-EigenthumderMohammedaner zu schützen. Ueber die Tragweite diese- Versprechens, daS ohne die von England gewünschte und früher erwähnte Be« fchränkung gegeben zu sein scheint, ist eine Erörterung un# nöthtg. Wer da- Eigenthum der Mohammedaner schützen will, hat die- nicht nur in den wenigen Rüstenstädten, sondern auch im Innern zu thun. Die 2000 mohammedanischen Be# wohuer der Landschaft Selino, die im Sommer 1897 von den internationalen Truppen zur Auswanderung au« ihren Sitzen und Einwanderung in Kanea gezwungen wurden, haben demnach wenigsten- eine Wiederholung de- Versprechen-, Europa werde ihr Eigenthum schützen, erlangt. Vielleicht ist man fich, wie so oft iu kretischen Dingen, der Tragweite nicht klar gewesen, al- mau der Pforte diese- Versprechen gab. Judeffeu e- ist gegeben worden, und die Pforte würde gut thun, e- fich zu Nutzen zu machen, da die verbündeten Mächte beffer imstande find, die Mohammedaner zu schützen, al- die Türkei, nachdem ihr die Arme gebunden wurden. Den verbündeten Mächten können wir nicht genug gute Wünsche für die Lösung der schwierigen Aufgabe auf den Weg geben. Denn leichter wird man dem Tiger eine schon verschluckte Beute entreißen, al- den kretischen Christen die behaglich eiu-eflricheven Oelbanmwälder, Weinberge, Orangengärten und Aeckrr der mohammedanischen Rietet.

Konstantinopel, 17. October. Soeben ist es mir doch noch gelungen, einen flüchtigen Blick in den Theil von Mdiz- Ktosk zu werfen, in dem unser Kaiserpaar während seines Aufenthaltes in Konstantinopel wohnen wird. Mdiz-Kiosk in seiner Gesamwtheit ist eine Anlage von unbeschreiblicher Großartigkeit. Teiche von bedeutender Ausdehnung wechseln mit herrlichen Gartenanlagen ab. In lauschigen Buchten fahren hier auf zierlichen Booten die Mitglieder der Kaiser­lichen Famllie spazieren. Breite Reitwege durchziehen den Park, in dem es sogar nicht an weitgedehnten, waldartigen Partieen fehlt, in denen Jagden abgehalten werden. Erst wenn man diese Umgebung, die durch fünf gewaltige Ring­mauern in fünf abgeschlossene Gebiete geschieden wird, ge- sehen hat, begreift man, wie der Sultan das vollkommen abgeschiedene Leben innerhalb der Dildtz zu ertragen vermag. Das eigentliche Schloß des Sultans liegt im innersten Gebiet durch eine Mauer von der Außenwelt getrennt. Nie wird einem Fremden die Möglichkeit geboten fein, hier hinein einen Blick zu werfen. Das für unser Kaiserpaar bestimmte kleine Schloß befindet fich innerhalb der vierten Mauer. Es ist vollkommen neu gebaut, leider aber auch nicht so zeitig fertig geworden, daß die Schlafzimmer genügend aurtrocknen konnten. Der Kaiser und die Kaiserin werden deßhalb die Schlaf­zimmer in demselben Schlosse bewohnen, das sie bei ihrem vorigen Besuche benutzt haben. Die Salons dagegen sind vollendet und mit unvergleichlicher Pracht und auserlesenstem Geschmack eingerichtet. Die Zimmer find zum Theil in Renaissance Anglaise", zum Theilim Geschmack Louis XV." eingerichtet. Der große Salon ist initalienischem" Styl gehalten. Ein bewundernswerthes Meisterstück orientalischer Webekunst ist ein 30 Meter langer und 16^ Meter breiter Teppich, an dem 1500 Arbeiter thätig gewesen sind. Die Kosten dieser Ausstattung müssen ganz enorm gewesen fein. Auch sonst dürfte der kaiserliche Besuch dem Sultan ein schönes Stück Geld kosten, denn, wir ich aus zuverlässiger Quelle höre, sind für die im Gefolge nach Jerusalem fahren­den Offiziere 100000 Mark aus der kaiserlichen Kasse an­gewiesen worden.

Konstantinopel, 18.October. Da- deutsche Kaiser- paar ist heute Bormittag um 9 Uhr hier eingetroffen.

Roustantinopel, 18. October. Zu der heute Vormittag 9 Uhr erfolgten Ankunft de- deutschen KaiserpaareS wird noch gemeldet, daß brausende Hurrahrnse, au-gebracht von einet vieltausendköpfigen Menschenmenge, den Raiser und die Raiserin empfingen. Bon dem Schiff der deutschen Colonie ertönte die deutsche National-Hymne. Salutschüsse wurden abgeseuert. Zahlreiche Boote umkreisten das Geschwader de» RaiserpaareS. Der Raiser und die Raiserin bestiegen eine Pinaffe und fuhren nach Dolma Bagdsche, wo der Sultan feine hohen Gäste erwartete. Er verneigte fich ritterlich vor der Raiserin, ergriff ihre Hände und tauschte mit dem Raiser kräftige Händedrücke. Alsdann begleitete der Sultan seine hohen Gäste nach Yldiz Riosk, wo er fich verabschiedete und nach seinem Palais zurückkehrte. Sr empfing hier bald darauf den Besuch de- Raiserpaares. DaS Frühstück nahmen der Raiser und die Raiserin in der deutschen Botschaft ein.

Konstantinopel, 18. October. Der Sultan hat für seine hohen Gäste werthvolle Geschenke unfertigen laffen. Der Kaiser erhält einen prachtvollen Säbel, alttürkische Arbeit, die Kaiserin ein Diadem von fabelhaftem Werthe und ein Gemälde der Schlacht von Domokos.

Locales unb jArovlnzlelles.

Siegen, 19. October 1898.

Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß" Herzog haben Allergnädigst geruht, am 15. October den Borfitzenden, Gehrimerath Dr. Schäffer, zugleich zum Borstande der dritten Abtheilung, den Großh. Geheirnerath Michell zum Vorstand der ersten Abtheilung, den Großh. Ministerialrath Milbrand zum Vorstände der zweiten Abtheilung und den Großh. Ministerialrath Deisler zvm Vorstande der vierten Abtheilung, sowie serner den Großh. Geheimen Oberbaurath Po sein er, den Großh. Geheimen Oberbergrath Braun, den Großh. Geheimen Oberbaurath Jmroth, den Großh. Geheimen Oberbaurath Hofmann, den Großh. Obersteuerrath Bornscheuer und den Großh. Finanzrath Seip zu Mitgliedern der Prüfungscommisfion sür daS Finanz« und technische Fach zu ernennen.

Auszeichnung. Der langjährige Vorsteher der hie­figen Eisenbahnstation, Herr Jean Heydt, zuletzt in Bad EmS stationirt, ist auf sein Nachsuchen nach 43jähriger Thätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand getreten und hat hirrselbst seinen dauernden Aufenthalt genommen. In Au- erkennung treu geleisteter Dienste ist demselben von deL Kaisers und König- Majestät unter Beifügung eines Glück­wunschschreibens Sr. Excrllenz des Ministers der öffentliche« Arbeiten der Rothe Adlerorden vierter Klaffe verliehe« worden.

Stadttheater. Die gestrige zweite Aufführung deS zugkräftigenWeißen Rößl" erzielte bei gut besetztem Hause und durchweg tresflichen Leistungen der Darsteller abermals einen durchschlagenden Heiterkeitserfolg.

Theaterabende Omnibusverkehr. Um vielfeitigen Wünschen zu entsprechen, hat der Borstand der OmnibuS- Gesellschaft beschloffen, an den Theaterabenden nach Schluß der Vorstellungen, Omnibusse zur Verfügung des Publikum» zu halten. E- wird, vor Beginn, an der Theaterkasse ein Vorverkauf von Fahrscheinen stattfinden und, sobald solche verlangt bezw. gelöst werden, sür Fahrgelegenheit Sorge getragen. Die ganze Einrichtung ist versuchsweise eingeführt und vorläufig zwei Linien in Ausficht genommen. 1) Markt. Neue-Bäue, Ludwig-Platz, LudwigSstraße, Bleichstraße, Süd­anlage. 2) Markt, SelterSweg, Frankfnrterstraße, Liebig- straße, Bahnhofstraße. Der Fahrpreis beträgt 20 Pfg. Außerdem werden vom 1. November ab sogenannte Monats­karten zum Preise von Mk. 6. an-gegeben- dieselben find nur persönlich gültig, berechtigen zur beliebigen Benutzung aus den Linien A und B und werden auf schriftlichen An­trag vom Vorstände der Omnibus-Gesellschaft verausgabt.

* Bezüglich der EnthullnugSfeier des Denkmals dek hochstsel. Großherzog» Ludwig IV. am 10. November hat da» Präfidium der KrtegerkameradschaftHassia" Folgendes be­stimmt: Der Festplatz ist räumlich so sehr beschränkt, daß das Präsidium, um eine Vertretung des Gesammtverbande- zu ermöglichen, die Betheiligung in Gestalt einer combinirte« Fahvencompagnie beschlossen hat. In diese Compagnie ent­sendet jeder Bezirk auf 1000 Mitglieder 1 Fahne, Träger und 2 Begleiter, nicht mehr. Die Vereine werden auch durch das Loo» bestimmt, welche die Fahnensectionen zu stellen haben, und find dem Präsidium die Namen der aus- geloosten Vereine durch die Bezirksvorsteher bis zum 25. Oc­tober mitzutheilen. Die Vereine, welche auf Theilnahme an der Berloosung rechnen, haben die- bis zum 20. October ihrem Bezirksvorsteher zu melden. Die Fahnencowpagnie wird in der Nähe de- Denkmals Aufstellung erhalten und an der eigentlichen EnthüllungSfeier theilnehmen. Unabhängig hiervon ist der Festzug, welcher fich an die Feier unmittelbar anschließt und vor Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog defiliren wird. Hierzu find alle Vereine derHasfia" eingeladen, und find Anmeidungeu für den Festzug bi- zum 30. October unter Angabe der Zahl der Theilnehmer an Herrn Medici- nalrath Dr. Bogt in Butzbach einzuseuden.

** Der Ausschuß deS laudwirthfchaftlicheu Verein» für die Provinz Obetheffeu, der gestern inSteins Garten", unter dem Borfitz feines Präfidenteu, des Herrn Grafen zu SolmS- Laubach, Erlaucht, tagte, hat neben verschiedenen andere» weittragenden Beschlüssen auch den gefaßt, den Mitglieder­beitrag von 5.20 Mk. auf 3 Mk. herunterzusetzen. Man ging hierbei von der Anficht aus, daß man es auch den kleineren Landwirtheu ermöglichen müsse, dem Vereine, ohne fich seinerseits zu große Opfer aufzuerlegen, beitreten und sc an den Bestrebungen desselben theilnehmen zu können. Die beträchtlichen Mittel, die der Verein auf den verschiedensten Gebieten deS landwirthschaftlichen Betriebe- feit Berwilligung größerer Staatszuschüsse verwendet, lassen e- wünschenSwerth erscheinen, daß alle Landwirthe, welche den Fortschritten der landwirthschaftlichen Technik folgen wollen, jetzt nun auch dea Bereine als Mitglieder beitreten. Ein weiterer Beschluß betraf die Anstellung eine» ViehzuchtinspectorS für die Provinz Oberheffen. Als solcher wurde Herr LandwirthschastSlehrer Leithiger in Alsfeld in Ausficht genommen, mit dem über die Uebernahmebedingungen verhandelt werden soll. Weitev hin wurden beträchtliche Mittel zur Hebung der Ziegen- uni Geflügelzucht verwilligt. So erhalten z. B. die Ziegenzucht' vereine zu Nieder-MooS, Bad Nauheim, Wieseck, Gießen, Büdingen und die Bezirk-Vereine Alsfeld und Schotten zm Beschaffung von Zuchtmaterial je 50 Mk. Die Geflügel'- zuchtvereiue Gießen, Friedberg und Lauterbach je 100 Mb SSmnttliche 6 BezirkSvereine zur Beschaffung von Stamm- züchten ebensall- je 100 Mk.

In diesen Tagen waren eS 57 Jahre, daß der seiner Zeit hochgefeierte Theologe Christian Gottlieb Kühnöi. (oder Ruinocl) in Gießen verstorben ist. K. war 1768 i« Leipzig geboren und kam 1801 als Professor der Bei ei- samkeit hierher. 1806 ging er zur theologischen Faculta- Über, der er ununterbrochen bis 1840 angehörte, wo W seine Kränklichkeit vöthigte, um seine Penfionirung ein- zukowmeu. Einer bestimmten theologischen Richtung gehörte er nicht an, am meisten näherte er fich den sog. Supr»*