Ausgabe 
20.9.1898 Zweites Blatt
 
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wählen nicht einverstanden, da der Inhalt dieser Veröffent­lichung mit der Ansicht der Parteigenossen im ersten Wahl­kreise nicht übereiustimme. SSSSfSüi

Diese sich vielfach direct widersprechenden Erklärungen, Beschlüsse, Resolutionen usw. zeigen, ein wie großer Zwie­spalt der Meinungen in der socialdemokratischeu Partei über die Frage der Betheiliguug an den preußischen Landtags­wahlen herrscht und lassen für den Stuttgarter Parteitag recht interessante und stürmische Auseinandersetzungen er­warten.

Die Agrarfrage wird auch wieder in den Vordergrund geschoben. Den Breslauer Genossen scheint die jedenfalls recht schwierige Aufgabe der auf dem Breslauer Parteitage ein­gesetzten Commission zum Studium der Agrarfrage nicht schnell genug erledigt zu werden und sie verlaugen daher Veröffentlichung der bisherigen Ergebnisse der Arbeiten dieser Commtssion im nächsten Jahre, um daun auf dem neu an- zuberaumeudeu Parteitage al» einen Punkt der Erörterungen: Die Agrarfrage und die Socialdemokraiie" auf die Tages­ordnung gesetzt zu sehen. Es ist hieraus zu erkennen, daß die Socialdemokratie schon jetzt einen rührigen Eifer für die nächsten Reichstagswahlen an den Tag legt, der einer Nach­ahmung der bürgerlichen Parteien nicht unwürdig wäre. Von dem Ergebntß btt Delegirreuwahleu zum Stuttgarter Parteitag ist als intereffant zu melden, daß für den zweiten Berliner Wahlkreis auch Frau Lily Braun gewählt wurde, während im sechsten Wahlkreis Ledebour einen Durchfall zu verzeichnen hatte. Der Ausfall dieser Wahl ist ein charaete- risttsches Zeichen für den Umschwung der Stimmung unter den Soctaldemokrateu Berlins und deöavouirt deu Beschluß im Feenpalaste.

Deutsche» Reich.

Berlin, 17. September. Kaiser Wilhelm ist heute Mittag 1 Uhr wohlbehalten in Wien etngetroffeu. Kaiser Franz Josef erwartete ihn auf dem Nordbahnhof. Nach herzlicher Begrüßung fuhren beide Monarchen in offener Hof- eqaipage nach der Hofburg.

Berlin, 17. September. Wie diePost" erfährt, ist der vom Kaiser in der Ochnhausener Rede augeküadigte Ge­setzentwurf, welcher eine Verschärfung der iw § 153 der Gewerbeordnung vorgesehenen Strafbestimmungen enthält, be­reits fertiggestellt und wird dem Reichstag demnächst zugeheu. Ueber die Einberufung des Reichstags ist noch keine Be­stimmung getroffen.

Berlin, 17. September. Die Todteufrier für die Kaiserin Elisabeth, veranstaltet von der hiesigen österr.- ungarischen Botschaft, hat heute Vormittag 11 Uhr in der HedwigSkirche stattgesunden. Als Vertreterin der Kaiserin war Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorf sowie Oberhofmeister Frhr. v Mirbach und Kammerherr von dem Knesebeck erschienen. Sämmtliche Reichs- wie städtischen Behörden hatten ihre augenblicklich in Berlin weilenden Vertreter entsandt. Während des Rcqulrm sang der Kircheuchor ergeifeude Lieder.

Berlin, 17. September. In der Abrüstungsfrage macht ftch allmählich eine recht nüchterne Auffassung geltend. Wir haben schon die Rede de» Zaren in Gedastopol als ein Zeichen für die Rückkehr auf den Boden der Wirklichkeit ge­deutet. Die russische Presse fiel mit zorniger Geberde über die Rede des deutschen Kaisers in Porta her, da ihr noch unbekannt geblieben war, daß der Zar am Tage vorher gleichfalls au die Armee, als die beste Waffe für den Frieden, appellirt hatte. Infolge dieser unerwarteten Beränderuug der Situation findet mau nun auch in russischen Blättern verständige AuSsühruugen über die Kundgebung unseres Kaisers. Nach einer telegraphischen Meldung auS Petersburg sagt jetztMoSkowskja Wjrdomofti" am Schluffe eines längeren Artikels:So lange die FriedenScoufereuz noch nicht zu Stande gekommen, wird die Regierung jedes Landes ebenso denken und handeln wie Kaiser Wilhelm, und Rußland, welches die FriedeuSconferenz beruft, wird keinen Augenblick seine Sorgen um die Heranbildung der Kriegsbereitschaft seiner Armee einstellen, in welcher es, so lange die Staaten keine audrren, den Frieden ohne diese Opfer für die Armee fichernden Mittel gefunden, ebenfalls die Friedensbürgschaft erblickt." M. N. N.

Berlin, 17. September. Aus Deutfch-Ostafrika kommt die Nachricht, daß der Gouverneur einen Zug bi» nach dem äußersten Westen von Deutsch-Ostafrika machen wolle. Dem Anscheine nach dürfte dieser Zug hauptsächlich

Feuilleton.

Ins Aiewerdyak!

Net weit von Giesse, da leiht e Dhal, Bon griene Hiegel umschlösse, Von Berge nun Bürge hibsch umsäumt, Unn vou de Biewer dorchfloffe. Daß iS e Dhälche, so schee unn fei, Fersch Aag' e wahre» Sunzicke! Wo Miehle au Miehle sich reihe aa Bor unsere trunkene Blicke.

E Eisebah fihrt etz in» Dhälche euei Seit Korzem, zu unserm Vergniege, Unn wäi e HeringSfaß vollgestoppt Sinn immer die sämmtliche Ziege. AuS Giesse enau» unn nach Giesse eninn Pir Damb kann merr efdersch ritsche Unn Owend» um Elf kann merr noch haam Kaan Mensch kann ahm etz noch brttsche!

Wäi rappelt iwwer die Lahbrick die Bah, Wäi stolz verlaßt se deß Giesse!

Unn hippt se e mal au» de Schiene «au», Daß darf uu» kaa bische verdrieße.

den Zweck haben, Unterlagen zu finden für die spätere genaue Festlegung der Grenze zwischen dem deutschen Schutzgebiete und dem Congostaate im Norden von Tanganjika. Die Belgier haben nicht nur auf ihren Karten, sondern auch praktisch durch Besetzung der fraglichen Gebiete die Darstellung auf den franzöfischen Karten al» gtlttg und zu Recht bestehend angenommen und sich am Rusfisfifluffe und am Kivnsee häu»- lich niedergelassen, die vertrag»mäßig in die deutsche Sphäre fallen. Auf den Einspruch von deutscher Seite entgegnet die Congoregierung, sie habe später von Berlin au» die Zusicher­ung erhalten, daß auch von deutscher Veite die auf den französischen Karten angegebene Grenze anerkannt werden sollte. Zunächst ist e» fraglich, ob überhaupt eine solche auf dem Verwaltungswege abgegebene Erklärung einen bündigen Vertrag wirklich abändern kann. Wir müssen unbedingt an der alten Grenze festhalteu, und es wird gut fein, wenn der Gouverneur zunächst dort örtliche Feststellungen trifft und jene westlichen Landstriche einmal selbst in Augenschein nimmt. Die Regelung der dortigen Verhältnisse wird immer dring­licher, seitdem im Osten und Westen die Verwaltung bis an die beiderseitige Grenze ausgedehnt worden ist. Unaufschieb­bar wird aber die Grenzfestlegung dort, da die Durchlegnng de» englischen Telegraphen durch den Congostaat nahe be­vorsteht.

Berlin, 17. September. Auf die Anregung der zuweilen polnisch beeinflußten PetersburgerNowosti", durch Neutralmachung Elsaß-Lothringen» die Franzosen zu versöhnen, ward jüngst die Antwort eines anderen, national- russischen Blatte» laut. DieNowojr Wremja" sagt, Ruß­land werde weder jemals irgend welche Forderungen in der elsaß-lothringischen Frage seinem Bundesgenossen vorlegen, noch sich erlauben, ihm den kleinsten Rath in dieser Beziehung zu geben, da sich nicht baß Recht zuspreche, bte wundesten Stellen in der Seele der franzöfischen Nation zu berühren. Die Folgen be» Krieges, von 1870/71 müßten außerhalb der auf der internationalen Confereuz erhobenen Fragen stehen. Daß Blatt erklärt sich, indem e» diese Ansicht anßspricht, für so fest überzeugt, in vollem Eiuverständntß mit der Meinung der russischen Gesellschaft und der russischen leiten­den Kreise zu stehen, daß e» auf die Frage nicht mehr zurück- kommen werde, über die genöthigt gewesen sei, heute einige Worte zu sagen. Daß völlige Fernhalten der genannten »Frage" von den Verhandlungen der Conferenz ist für unß Deutsche ja etwaß völlig Selbstverständliche». Aber den Franzosen muß ja gelegentlich auch da» Selbstverständliche noch gesagt werden. Wie nun bekannt wird, lauten die Antworten der Dreibundmächte auf den rusficheu Couferenz- vorschlag denn auch übereinstimmend dahin, daß sie zur Thetl- nahme bereit seien, wobei aber die allseitige Ausrechthaltuug deß gegenwärtigen internationalen Besitzstandes als selbst­verständliche Voraussetzung behandelt wurde. England soll außerdem erklärt Haden, dürfe über keine schwebende internationale Frage verhandelt werden, sondern nut über die Menschlichkeitsrücksicht in der Beschränkung der Rüstungen. Die Vereinigten Staaten scheinen die» noch bestimmter betont zu haben. Ueber Frankreichs Antwort verlautet derzeit noch nichts Gewisse».

Berlin, 17. S'ptember. Al» Eröffnungstag der nächsten Reichstags-Session wird von verschiedenen Zeitungen der 29. November in Aussicht gestellt. Ob aber schon jetzt ein bestimmter Termin wirklich festgesetzt ist, dürfte wohl fraglich (ein. Die Combiriation für den 29. November hat indessen, wie die M®. N. N." bemerken, viel Wahr­scheinlichkeit für sich, denn die Eröffnung dr» ReichtageS er­folgt erfahrungsgemäß stets an einem Dienstag, und das genannte Datum fällt in bet That auf ben letzten Dienstag be« November. Der nächste Dienstag fällt auf ben 6. De- cembet, da aber zwei Tage barauf ein katholischer Feiertag ist, so bürste bieses Datum für ben Beginn ber Parlament», arbeiten nicht geeiguet sein, da bet Reichstag bann vor Weihnachten nicht viel länger al» eine Woche beisammen bleiben könnte.

Gesuch nm Wiedereinführung der Prügel­strafe. In Bünde i. W. hat ber dortige conservative Verein auf deu Antrag eines juristischen Mitgliedes folgende Petition an ben Reichstag beschlossen:Angesichts bet grauen­hafte Morde in Genf, Osnabrück und anderen Orten bitten wir ben Reichstag, auf Wiedereinführung schärfster Prügel­strafen, namentlich wo es sich um bestialische Verbrechen gegen | Frauen und Kinder handelt, hinzuwirken. Sie ist die einzige

©trafart, welche die entarteten Unmenschen noch fürchten. Zugleich soll an sämmtliche deutschen Vereine jeglicher poli­tischen Richtung daS Ersuchen gerichtet werden, fich dieser Petition anzuschließen, damit der hohe Reichstag sich davon überzeugt, wie stark der Wunsch des Volkes ist, unser Straf- system durch Wiedereinführung der Prügelstrafe gegen Lust- Mörder und bestialische Verbrecher zu ergänzen.

Köln, 17. September. Zur Anarchisteufrage sagt dieKöln. 3tg.": Als unmittelbar ausführbar fei eigent­lich ber Vorschlag anerkannt worben, baß alle Staatcn sich ber nicht staatsavgehörigen Anarchisten entledigen sollen. Einzelne Länber, wie Belgien und die Schweiz, scheinen diesen Weg sofort eiuschlageu zu wollen. Judeß liegen bestimmte Beschlüsse noch von keinem Staat vor. Rein akademischen Charakter tragen jene Erörterungen, die den Anarchismus auf dem Wege ber sogen. Berchristlichung ber Schule unb ber Beschneidung bet Lehrfreiheit ber Universitäten bekämpfen wollen.

Breslau, 17. September. Wie ber BreslauerGeneral- Anzeiger" berichtet, würbe heute hier der bisherige Stadt- verordnete und ProvinziallandtagS-Abgeordnete, Vorstands­mitglied der Genossenschaften Schlesiens, BerlagSbuchhäudler E. Morgenstern verhaftet.

Hamburg, 17. September. Großes Aufsehen erregt die Verhaftung von fünf angesehenen Altonaer Bürgern, welche im Hamburger Freihafen-Gebiet und auf dem ganzen Elbstrom seit Jahren nach Millionen zählende Tabakschwindeleien verübt haben.

Wien 17. September. DaS Gerücht vou einem ge­planten Attentat auf den Kronprinzen von Italien wirb osficiöS kategorisch bementiit. Ebenso baS Gerücht von ber angeblichen Verhaftung eines mit dem Attentat in Verbinbuug stehenden Anarchisten. DaS Gerücht sei wah-schetnlich dadurch entstanden, daß die Schweizer Polizei vor einigen Tagen die hiesige Polizei vou der Abreise mehrer« Anarchisten verständigt hatte.

Rom, 17. September. Der Kronprinz überbringt dem österreichischen Kaiser ein eigenhändiges Handschreiben des italienischen Königspaares, in welchem dasselbe nochmal» seine herzlichste Theiluahme ausspricht.

Pari», 17. September. Heute Nachmittag ging hier daS Gerücht, der Offizier, dessen Verhaftung von mehreren Blättern als bevorstehend gemeldet wurde, sei d« Oberst Bonnier. Dieser Offizier habe die geheimen Schriftstücke deß DrehfuS'Prozrffeß ben Richtern überbracht.

Pari», 17. September. Die Blättern äußern fich sehr «freut über bie Demission beß Kriegßmiuister». Mau glaubt, baß ber Posten vorläufig nur interimistisch besetzt wirb.

Pari», 17. September. Der Ministerrath hat heute bte Revision be» Dreysnß-Prozesse» beschlossen.

Konstantinopel, 17. Sepiember. DiePforte protestiere in einem Schreiben an bie Admirale gegen bie geplante so­fortige Aburtheilung ber Rädelsführer unb forberte bte Stellung berfclben vor ein internationales GerichtßtribunaU

In Konstantinopel verlautet, ber türkische Bot­schafter in Petersburg sei angewiesen worben, auf ben Ab- rüstungßvo:schlag beß Zaren dahin zu antworten, die Pforte müsse infolge be» letzten Kriege» ihre Rüstungen ergänzen, unb sie fei zwar bereit an ber Conferenz theilzunehmen, wünsche jeboch beren Programm zu kennen._________________

V«tni fd?t<».

Alle gerichtlichen Schutzmarken erloschen am 1. October b. I». gemäß den Bestimmungen btß Paragraphen 24 beß WaarenbezeichnungSgesetze», welche biß zu biesem Tage noch nicht zur Umschreibung in bie Zeichrnrolle beß Kaiserlichen Patentamteß in Berlin angemelbet würben. Wenn nun auch solche gelöschten Zeichen zu jeder Zeit wiebernm angemelbet werden können, so ist dennoch zu bedenken, daß bte Priorität ber ursprünglichen gerichtlichen Eintragung durch bie Unterlassung ber rechtzeitigen Aumelbuug zu der patentamtlichen Zeichenrolle verloren gegangen ist. Da nun für die prüfende Abteilung des Patentamte» gerade die Prioritätßoerhällnisse bei den sogenannten Bedingten ver- sagung»gründen maßgebend uab entscheidend find, so bedeutet ber Verlust der Priorität sehr ost auch ben Berlnü de» Zeichen» selbst. E» kann de»halb allen Inhabern der ält«eu gerichtlichen Zeichen (Schutzmarken) nicht dringend genug em-

Merr hawwe bie Bah unn beß Btewerbhal auch Unn widber sinn merr verdünne

Mit unsere Landsleut, bäi bte Preuße getrennt Von uns, bäi beese Runne.

Nach Hruchelheim fährt merr zeerscht enau», UffS Miehlche nach, sich ze erquicke, Unn Handkä» unn Aeppelwei ober nach Bi«, Deß kann merr dort schee verbrtcke.

Aach uff be Borg Winbhof fällt» ahm uet schwer, In bie Ritterzeit fich ze versetzte, Im altdeutsche Saal bord) en altdeutsche Trunk Sich die dorschdig Gorjel ze letze.

In nächster Netz' blinkt bann be Awendstern, Aach dort t» gut ze verweile-

Wer Lust hott, kann auch nach Rodheim fahr« Unn brauch sich kaa bische ze eile.

Dort gibt» ja bekanntlich zu jeder Zeit

Waß Gute» ze drtnke unn cfft;

Da kann merr gemtedhltch bei Spei» unn Trank Deß Elend der Welt vergesse.

Nach Biewer fihrt ahm deß Bähnche bann, Doch da muß merr hahle bleiwe, Dann lääft merr bi» uff die Rehmihl enauß, Um fich bie Zeit ze verbretwe.

En Abstecher gar nach Renigßberg hie jedeufall» net ze verachte, Aach kann merr in aller Gemtebhltchketb Sich Buwerod noch bedrachte.

Die Owermiehl t» etz aach kaa Konst

Mit wenig Mih ze erreiche

Uan uff be DienSderg e Klaanigkrid Bei Wind unn Wetter ze steige.

Unn hott der «scht sei AuSfichtßthorm, Daun krawwelt enuff ganz Giesse Uun will von da owe alle Dag Däi vrachtvoll Ausficht genieße.

Wohi merr guckt, da brengt die Bah De Mensche en große ©ege;

Vielleicht verwerklicht fich» aach emal, In» Htnnerland noch se ze lege.

Wann Fellingßhause unn aach Kerchveersch Unn wäi bte Orte all heiße, Mit Giesse verbunne bord) Schienestrang, Dann will ätch bte Btewerbah preise.

Carl Geißler.