Ausgabe 
20.8.1898 Erstes Blatt
 
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zusammen. Beide Majestäten werden der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich einen Besuch abstatten.

V Ruppertenrod, 18. August. Teit man hier in unserer Gemeinde mit der Dampfdreschmaschtue drischt, einem Zeit­raum von ca. 30 Jahren, ist eS nicht vorgekommen, daß die Dreschmaschine schon um diese Zett in voller Thätigkeit steht. In nächster Nahe deS Dorfe» auf dem Felde thürmen sich gewaltige Hänfen von Korn auf, welche dort aufgefahren werden, um auf der hier befindlichen Maschine gedroschen zu werden, ein Anblick, der wohl in der Wetterau einem wird, hier aber noch nicht dagewesen ist. Um die großen Getreide« bestände unterzubrtngeu, find die Laudleute meist gezwungen, da» Korn gleich auszudreschen. Dessenungeachtet kann doch da» Stroh nicht ganz unter Dach gebracht, sondern muß theil- weise inS Freie gesetzt werden.

? Ulrichstein, 18. August. Wie wir au» glaubhaftester Quelle erfahren, ist dem hiesigen Ohmthal-Eiseubahn-Comite die frohe Mittheiluug von der Genehmigung deS Bahn« projectS durch da» preußische Finanzministerium geworden. Ein Consorttum übernimmt die Vorarbeiten und auch den Ausbau der Bahn. Dieselbe soll von Merlau in der Nahe der Station Mücke durch daS Ohmthal nach Ulrichstein und weiter über Rixfeld geführt werden. Daß die neue Bahn« ltnie von größter Bedeutung für den nordwestlichen Vogels­berg ist, bewerft der ungemein starke Verkehr, welchen die Bahnstation Mücke von dieser Seite erhält.

= Alleudorf a. d. Lda., 17. August. Kürzlich wurden hier bedeutende Lager von bestem Thon entdeckt. Die Gebrüder Kaufmann Moll in Grünberg und hier, welche sorgfältige Bohrungen vornehmen und verschiedene Qualitäten de» Thon» probeweise brennen ließen, haben nach Ankauf mehrerer Grundstücke bereit» mit der Ausbeutung begonnen. Außer grauem Thon lagert in nächster Nähe unserer Stadt auch sehr schöner schwarzer und blendend weißer Thon von vorzüglicher Beschaffenheit, sodaß die Erbauung einer größeren Blendsteinfabrik in Aussicht steht. Bei der hiesigen Ge- meinderathswahl gingen aus der Wahlurne hervor: Friedrich Leutner mit 74 Stimmen als Wiedergewählter und - Christoph Keil und Daniel Rein II. mit je 56 Stimmen als Neugewählte.

Nteder-Wöllstadt, 17. August. Vorige Woche wurden durch GeuSdarm Kaiser von Friedberg hier zwei Schweizer verhaftet. Dieselben baden einer einem hiesigen Laud- wirthe gehörigen werthvollen Kuh eine Mistgabel in den Rücken gestoßen. Ob die Kuh wieder hergestellt werden kann, ist zweifelhaft.

P.-A. Darmstadt, 18. August. Zu der voraussichtlich am 25. November l. I. stattfiadenden EnthüllungSfrier de» Denkmals für den höchstseligeu Großherzog Ludwig IV. ist ein Festzug geplant. Diejenigen Behörden, Gemeinde­vertretungen, Kriegervereine, Handwerkerinnungen, Musik-, Gesang« und Turnvereine, sowie sonstige patriotische Ber­einigungen jeder Art, die an dem Festzug theilnehmen wollen, werden freundlichst gebeten, dies bi» zum 24. August unter genauer Angabe der Zahl der Theilnehmer bei dem Vor­sitzenden der Festzugscowmisfion, Herrn Obersten Eramolini tu Darmstadt, schriftlich anmeldeu zu wollen. Da die Fest- zugscommtsfiou bereit» am 30. August dem Festausschuß ihre Vorschläge einreichen soll, so wäre eine pünktliche Anmeldung bi» zu dem obengenannten Termin besonder» erwünscht.

Mainz, 18. August. Der bevorstehende Kaiser- besuch versetzt einen Theil der Mainzer Bevölkerung trotz der herrschenden tropischen Temperatur in eine fieberhafte Thätigkeit. Auf dem langen Straßenzug, welchen der Kaiser zu und von den Manöver» durch die Stadt pasfirt, werden riefige Decoratious-Borbereituugen getroffen, au» denen sich jetzt schon erkennen läßt, daß Mainz in dieser Beziehung' wohl schwerlich einer zweiten Stadt nachstehen dürfte. Be­sonder» an den Punkten, an welchen die zweimaligen Empfänge stattfindev, am Schloßthor sowohl wie auch vor dem Theater, werden pompöse Decoration»bauten errichtet, zu welchen hervorragende Künstler ihr Können und Wiffen in Dienst ge­stellt haben. Eine Abweichung von den üblichen Decorationeu wird auch die Schmückung unsere» altehrwürdigen Dome» bilden, indem außer reichem Flaggenschmuck die Thürme mit Bändern verbunden werden, die, mit kleinen Fahnen besät, die Gestaltung einer Krone erhalten. Mit der Hierherkuvft de» Kaisers wird endlich auch eine hier viel verbreitete und durch die Verzögerung deS Kaiserbesuch» auch von Manchem geglaubte Fabel beseitigt, daß nach einer Prophezeiung kein Kaiser mehr in Mainz einziehen werde, bevor alle Thürme de» Dome» ausgebaut.

Mainz, 17. August. Für den Besuch de» Kaiser» am 20. August sind die Vorbereitungen zum größten Theil beendet. Auf dem Gutenbergplatze ist eine Tribüne mit 500 Plätzen gebaut worden- bei der Vergebung dieser Plätze wird aber in erster Linie auf die Anwohner dieser Straßen, die selbst geschmückt haben, Rückficht genommen werden. Die Huldigung aus dem Gutenbergplatz wird fich in der Weise gestalten, daß der Kaiser bei der Annäherung durch Fanfaren begrüßt wird und daß gegenüber dem Gutenberg-Denkmal der Oberbürgermeister unter dem Geläute der Glocken und dem Gesang der Menge (Heil Dir im Stegerkranz) mit einigen Worten den Ehrentrunk überreicht. Der Kaiser reitet dann über da» Höschen, die Liebfrauenstraße und die Rheinstraße in das großherzogliche Schloß. Mit der zur Sicherheit der Pferde ausdrücklich gewünschten Bekiesung der Straßen ist heute begonnen worden, und es geschieht dieses Mal in einer Weise, die jede Staubbildung ausschließt. Die Kosten für den Schmuck der Straßen übernehmen die Haus­besitzer und Miether, die Kosten der Bauten am Schloßthor, am Deutschhausplatz und am Gutenbergplatz die Stadt. Der Aufwand der Stadt und Privaten beträgt nach vorläufiger Schätzung fünszigtausend Mark. Der Kaiser fährt am Freitag Abend 11 Uhr 15 Min. aus Wilhelmshöhe ab und trifft nach kurzen Aufenthalten in Gießen und Sachsenhausen um 6 Uhr 45 Min. hier am Neuthorbahnhofe ein. Die Rückfahrt mit demselben Sonderzuge erfolgt um 3 Uhr vom

Eentralbahnhofe. Die Kaiserin wird um 4 Uhr Nachmittags in Bockenheim eintreffen und zusammen mit dem Kaiser nach Eronberg fahren, wo die vereinigten Sonderzüge nm 4 Uhr 30 Minuten ankommen. Die Rückfahrt von Eronberg wird am Sonntag Nachmittag um 3 Uhr angetreten. Die An­kunft in Bad - Nauheim ist auf 4 Uhr 10 Min. festgesetzt. Nachdem Kaiser und Kaiserin der Gräfin HohenemS (Kaiserin von Oesterreich) einen kurzen Besuch abgestattet haben, wird um 4 Uhr 45 Min. die Fahrt fortgesetzt. Abends um 7 Uhr 35 Min. soll der Sonderzug in WilhelmShöhe ankommen.

Arrr der Kett für die Kett.

Vor 259 Jahren, am 20. August 1639, starb an der Pest zu Danzig der Dichter Martin Opitz, das Haupt der schlesischen Schule. Als Dichter war er kein schöpferischer Genius, sondern nur ein vielseitiges Talent. Allein es gebührt ihm das Verdienst, daß er unter dem Drucke der Fremd­herrschaft des 30 jährigen Krieges das Banner der vater­ländischen Sprache aufrecht hielt und für die deutsche Poesie feste metrische Gesetze aufstellte. Opitz wurde am 23. De- cember 1597 in Bunzlau geboren.

vermischtes.

* Franz Grillparzer als Beamter. Die Wiener Montags- Revue entnimmt der MonatsschriftAlt-Wien" folgende Er- innernngen an Grillparzer: Wir finden den Dichter in Wien in den Räumen des Finanzarchivs in der Johannes- gaffe über die Actenfascikel gebeugt, die ihn augenscheinlich wenig interrffirten. Dieser Mann gehörte nicht zu den eifrigen Beamten, da» war auf den ersten Blick zu erkennen. Sein Geist war augenscheinlich wie abwesend, mit anderen, weit- abgelegenen Dingen beschäftigt. ES wurde ihm auch nach- gesagt, daß er die Registratur, die er hätte in Ordnung halten sollen, arg vernachlässigte. Wenn ein Actenfascikel gesucht und bei Grillparzer nachgefragt wurde, dann kam man nicht an die beste Quelle. Er wußte in den seltensten Fällen, wo gerade diese und jene Nummern zu suchen waren. Ein Diener näherte fich dem Poeten mit der Frage:Der Herr Hofrath schickt mich um das Nummero.....es soll fich

bei dem Herrn Grillparzer befinden." Der Poer erhebt fich, und unwillig über die Störung, die einen zarten Gedanken­faden zerreist, erklärte er kurz und bündig:Ich hab'» nicht- weiß nicht, wo es ist." Die Antwort wurde überbracht und war natürlich nicht geeignet, die gute Meinung über den Herrn Archivar Grillparzer zu verbessern. Einmal hatte dieser den Besuch eines Freunde» und es war wieder die Nachfrage nach einem Fascikel Nummero soundsoviel. Der Diener bekam die gewohnte Antwort, aber kaum hatte er den Rücken gekehrt, al» der Dichter eine Schublade zu seinen Füßen öffnete und seinem Freunde den Fascikel vorzeigte mit der ergrimmten Erklärung:Da liegt er- aber jetzt soll er ihn just nicht haben!" Die Folge war, daß dieSeccaturen" gerade nicht abnahmen und die Mißhelligkeiten, über welche der Dichter Grillparzer zu klagen hatte, finden damit einiger- maßen ihre Erklärung. Grillparzer erzählte seinem Freunde: Als dieAhnfrau" aufgeführt worden war, legten mir meine Bekannten nahe, ich solle die Bramtenlaufbahn aufgebtn und al» freier und unabhängiger Schriftsteller leben. Ich Über­legte mir die Sache und fand mehr und mehr Gefallen an dem Gedanken. Eine» Tage» machte ich mich auf, ging zum Grafen Stadion, meinem wohlwollenden Vorgesetzten, und trug ihm, nicht ohne Aengstlichkeit, die Sache vor. Der Graf fuhr mich hart an:WaS, ein unabhängiger Schriftsteller wollen Sie werden? Wa» Ihnen nicht einfällt! Ein unab- hängiger Schriftstrller! Ein unabhängiger Literat- da» kommt mir gerade so vor, wie ein Hund ohne Halsband." Diese Aeußerung seines Gönners deprimirte den Porten wieder derart, daß er den Gedanken fallen ließ. Zuweilen erhielt Grillparzer den Besuch de» Dichter» Hebbel. Einmal kam dieser zu ihm und erzählte ihm, daß er in der Jägerzeile arretirt worden sei. Und wethalb? Er war in ein Haus, thor getreten, um, nach seiner Gewohnheit, einen Gedanken in sein Notizbuch zu schreiben. Ein Spitzel hatte die pein« liche Manipulation mit angesehen, nahm den Dichter fest und führte ihn auf da» Commissariat. Den Collegen Grillparzer amüfirte die Mittheilung in hohem Grade, weil fie den Hrbbel betroffen hatte. Er konnte ihn im Grunde seiner Seele nicht leiden. Er sagte von Hebbel: DaS ist der gescheidtefte Mann auf der Welt. Unser Herrgott weiß Alles- aber der Hebbel weiß mehr." r , r _

In der Astronomie ist man gewöhnt, mit so großen Zahlen zu rechnen, daß eS dem gewöhnlichen Sterblichen meist unmöglich ist, sich ein richtige» Bild von deren wirk­licher Bedeutung zu machen. Am besten wird dem Laien eine solche Größe klar gemacht, indem man sie mit ihren geläufigen Maßen vergleicht. Keiner der Fixsterne steht der Erde näher al» 4000 Milliarden Meilen- die meisten aber find 10 oder 100, ja selbst 1000 mal weiter entfernt. Von einer Million kann man sich noch gut eine Vorstellung machen. Milliarden fangen schon an, dem Berständniß weniger zugänglich zu sein, und wenn e» fich erst um Tausende von Milliarden handelt, verliert man überhaupt jeden Maß- stab. Versuchen wir aber, un» in anderer Weise einen Maßstab zu schaffen. Am besten gelingt un» da», wenn wir un» da z. B. vorstrllen, daß wir die Reise nach dem nächsten Stern im Schnellzug zurücklegen sollten. Nehmen wir an, die Reise sollte nach dem schönen glänzenden Fixstern erster Größe a-Eentauri, der unser Auge am südlichen Himmel entzückt, gehen, da derselbe unser nächster Nachbar ist. Ein Schienenweg, der den ganzen Zwischenraum über- brückt, wird natürlich al» vorhanden vorausgesetzt. Der Fahrpreis sei, um den Verkehr möglichst billig zu gestalten, auf */ Pfennig pro Kilometer herabgesetzt. Unser Reisender begiedr fich also an den Schalter und verlangt ein Billet. Unangenehm wird es ihn allerdings berühren, wenn man ihm dafür die Kleinigkeit von 22,000 Mill. Mk. abfordert. Aber schließlich bezahlt er fie doch und nimmt im Zuge Platz.

Da bis zur Abfahrt noch einige Zeit übrig ist, fängt er mit dem Stationsvorsteher ein Gespräch an, um fich über ver­schiedenes Wiffenswerthe zu orienttreu.Mit welcher Geschwindigkeit fahren hier die Züge?" 96 Kilometer in der Stunde, Aufenthalt mit eingerechnet.""Wann werden wir au unserem Ziel anlangen?"In 48,663,000 Jahren."" (Mitgetheilt vom Internationalen Patentbureau Karl Fr. Reichest, Berlin NW. 6).

Welche Schüler in Europa haben mehr Ferien al» Schultage? Eine sonderbare Frage, wird vielleicht Mancher denken, und doch triff: der Fall in Frankreich zu, dvß die Zahl der freien Tage die der Arbeitstage um ctn Be­deutendes übersteigt. Stellen wir die Ferien derglücklichen" franzöfischen Schuljugend zusammen, so ergibt fich Folgendes: Jedes Schulkind hat 64 Tage Sommerferien- Fest Aller­heiligen 3 Tage- Weihnachten und Neujahr 10 Tage- FasteudienStag uud Aschermittwoch 2 Tage- Ostern 15 Tage- Wlißer Sonntag (Eonfirmationszeit) 3 Tage- Nationalfrst im Juli 3 Tage, Sonntage im Jahre 52 Tage. Dazu kommen die in Frankreich ebenfalls freien Donnerstage mit 52 Tagen und bringen wir außerdem noch besondere Feier­tage, Todes- und Gebächtnißtage berühmter Männer, Wahl- fest des Präsidenten der Republik uud Familienfeste zusammen mit 12 Tagen in Rechnung, so ergeben sich im Ganzen 216 schulfreie Tage und 149 Arbeitstage im Jahre.

Ein Rendezvous in hohen Regionen, Benu» uud Jupiter, die beiden hellsten Planeten, werden in nächster Zeit am Abendhimmel einander außerordentlich nahe kommen. Schon seit Monaten ist Venus in stets zunehmendem Glanze eine prächtige Erscheinung im Westen bald nach Sonnennntergavg, während Jupiter mehr im Süden sichtbar war. Mehr und mehr rückte aber auch dieser nun nach dem Westhimmel, da ihn die rechtläufige Bewegung allmählich mehr der unter- gehenden Sonne nähern muß, während Venu» scheinbar un­beweglich zur Sonne steht. So kommen die Planeten einander immer naher, indem einstweilen Jupiter noch links, Venus aber rechts steht. Am Abend de» 19. August ist die Ent- fernung zwischen beiden auf den geringen Abstand von drei Monddurchmeffern gesunken, um welche VenuS genau unter Jupiter steht. Von da ab entfernen fich die beiden Hellen Planeten wieder von einander, indem dann Jupiter rechts ist. Am 19. August gehen beide um Vs9 Uhr unter, etwa fünf- viertel Stunden nach der Sonne. Jupiter geht dann immer früher unter und ist nicht mehr lange Abends sichtbar. Benn» hingegen bleibt noch monatelang im Südwesten zu fehen. Das himmlische Schauspiel wird noch schöner, weil ihm auch der eben wieder seine Scheibe füllende Mond von rechts zu- sieht uud zwischen dem 20. uud 21. an beiden Planeten unterhalb vorbeizieht. Außerdem bittet sich die Möglichkeit, noch einen weiteren, schwer sichtbaren Planeten in diesen Tagen aufzufiaden, den Merkur, der ebenfalls am 19. August dicht rechts und etwas oberhalb von der Mondsichel zu finden ist und einige Tage dort als ein feines, silberweißes Sternchen rechts von Jupiter und Venus zu sehen bleibt, worauf er rasch in den Sonnenstrahlen verschwindet.

BiSmarck als Lebensretter. Bekanntlich besaß Bismarck die Rettungsmedaille. Er hielt diese» schlichte Ehrenzeichen höher als manchen strahlenden Orden von kostbarem Werthe. Er hatte einen Reitknecht Namens Hildebrand, der dem Er- trinken nahe war, mit Gefahr de» eigenen Leben» au« dem Wasser gezogen. Für diese That erhielt er seine erste An»- zeichnnng, die Rettungsmedaille. Al» ihn ein vornehmer Herr einst spöttisch nach der Bedeutung de» einfachen Ehren­zeichen» fragte, erwiderte Bismarck:Ich habe die Gewohnheit, zuweilen einem Menschen das Leben zu retten."

* Uebertrumpft. Ein Chef, zu dem der junge v. Bis­marck beordert war, stellte sich einstmals, als habe er die Anwesenheit des wartenden Bismarck vergessen, indem er ans Fenster trat und gemüthlich an der Scheibe trommelte. Sofort begab sich Bismarck ebenfalls an das Fenster und trommelte lustig den Dessauer Marsch. In Frankfurt empfing der Präsident des Bundestages, der österreichische Graf Thun, der Nichts verabsäumte, um Preußen herabzusetzen, Herrn v. Bismarck, den preußischen Gesandten, in Hemdärmeln. Der Herr Präsident rauchte eine Cigarre und lud Bismarck nicht einmal zum Sitzen ein. Schnell zieht Bismarck seinen Rockaus, wirft ihn auf einen Stuhl und spricht:Sie haben Recht, Excellenz, es ist hier höllisch heiß," dann nimmt er seine Cigarrentasche heraus, entnimmt ihr eine Cigarre und sagte:Darf ich um ein wenig Feuer bitten, Acellenz?" worauf ihm die Excellenz ganz verblüfft Feuer gibt. Und nun setzt sich Bismarck dem Grafen Thun ungenirt gegenüber und fängt ein Gespräch an, als wäre nichts vorgefallen. Seitdem behandelte Graf Thun den Gesandten Preußen» mit dem größten Respecte.

* Ans ein Albumblatt. Graf Enzenb trg, einstmals hesfischer Gesandter in Pari», pflegte fich von berühmten Staatsmännern Autographien au»zubitten. Gut zot schrieb auf ein Blatt seines Albums die Sentenz:Während meiner langen Laufbahn habe ich gelernt, Biele» zu verzeihen, aber nicht» zu vergessen." Thier» fügte hinzu:Etwas Ber- geßlichkeit kann der aufrichtigen Verzeihung nicht schaden." Bismarck ergänzte:Was mich anbetrifft, so hat mich wein Leben gelehrt, Vieles zu vergeffen und mir sehr Biele» ver­zeihen zu lassen."

Zum Tode BiömarckS. Gegenüber der Mittheiluug, daß Bi s ma rck-Sterb e thaler in der königlichen Münze geprägt werden, schreibt dieBerl. K.": Diese Mittheilung ist unzutreffend. In Artikel 11 de» Münzgesetze» vom 9. Juli 1873 heißt eS:Die durch die Bestimmung im § 10 de» Gesetzes, betreffend die Ausprägung von ReichSgold- wünzen, vom 4. December 1871 vorbehaltene Befugnis Silbermünzen als Denkmünzen auSzuprägeu, erlischt mit dem 31. December 1873." Darnach ist e» selbstverständlich, daß Münzen der bezeichneten Art in der königlichen Münze nicht geprägt werden. Eine Beantwortung der zahlreichen Briefe, die infolge der falschen Nachricht bereits an die königliche Münze gerichtet worden find, kann nicht erfolgen. Die