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Nr. 67
Zweites Blatt
Sonntag den 20. März
1S9S
Gießener Anzeiger
Keneral-Un^eiger
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Gratisbeilage: Gießener Fannlienblätter
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WeSectioe, Expedition wnb Skadnei: Achnkstratze Ar. 7.
Obwohl äich im große Ganze de Fraaeemanzibazion nett unfreundlich gegeiwwer steh, so kann äicb mich doch nett demit befreunde, daß merr die Fraae im Postdienst bi schäfdigt. Es leiht in de Nadur von de Fraaenzimmer, daß >e gern ehr Näsercher in Alles stecke unn da roeren bei de Post die best Gelegeheid dezu gebode. Außerdem haw äich Zweifel, ob de Verkehr am Postschalder mit’m weibliche Personal sich so ruhig entwickelt, wäi ewe beim männliche, dann es is ja bekannt, daß die Damewelt selbst beim geringftgigste Aalaß mit Schwätze nett ferdig wern kann unn es is sehr ze be* ferchte, daß se bei de klaanste Mahnungsverschiedeheide mit’m Bubligurn — wär im gewehnigliche Leewe, so aach im bostalische Verkehr — des letzte Wort hawwe misse. Wann sich unner bene zukinftige Postgehilfinne nor lauder Engelcher von achtzeh Jahr besinne dhete, bene bie Lewensluft noch aus be Aage guckt, so kennt merr sich am Enn noch mit ber Sach aussehne, awer aller Voraussicht nach werb en große DHaal der Postbame zu bene geheern, bäi aus erjenb eme Grund sich de Jumfernstand erwehld hawe unn bene ehr Tembere- menb bann im Laaf ber Zeib e bische gallig werb. —
Da fällt mein Blick grab uff be Bericht immer bie Sitzung von be Skabtverorbnlte unn äich sinne, baß en Stabtrath sich badriwmer beschwert, baß bäi Dagesblätter nett aussihrlich genunk immer bie Verhannclunge berichte dhu. Daß is en Mißftanb, ber unbebingt abgestellt geheert unn äich erlaame merr in ber Beziehung en Vorschlag zer ©lebe ze mache unn ber bahi geht, baß bäi Dagesblätter von jetz ab en stenegrafische Bericht immer bie Stadtrathssitzunge ze vereffenbliche hawe, in bem awer kaa Weerbche fehle barf, bemit bie oraborische Leistung ber verschiedne Herrn Stabträth aach gebihrenb gewerbigt werrn. —
Daß be nemliche Herr Stabtrath, von bem eme bie Rebb war, aach in annere Sache oft nett unrecht hott, be- stebbigt widber e Eigesanbt vom 14. März, in bem immer be schuhhohe Dreck uff be Nobbheimerstraß geklagt rnerd. De Eisenber maant, an be letzte Viehmarksbäg hätt mer von Glick sage kenne, rnammer mit heiler Haut dorch ben bicke Dreck bodrauS komme roct unn macht uff ben Week von be Brommenab nach be Schwarzlach uffmerksam, ber in so ere beefe Verfassung is, baß nett blos Spaziergenger, sonnern aach bie Grundbesitzer unn Pächter mit ehre Schubbkerrn sikcke bleibe. Um edwaige Unglicksfäll so viel wäi rneeglich ze verhiete, bhet sich's empfehle, im Dhorhäusche am Neu-
Adrcffe für Depeschen: Anzeiger Hießen.
Fernsprecher Nr. 51.
Verw-ckelungen auszuschließen und Alle- daran zu setzen, daß der Friede nicht gestört werde. An der Entscheidung einzelner Localfragen hatte sie wenig oder gar kein Interesse. In Verfolgung dieser Friedenspolitik machte auch Deutschland den Vorschlag, durch eine Blokade der griechischen Gewässer den Hellenen die Möglichkeit zu nehmen, die kretischen Rebellen zu unterstützen und sie zu zwingen, Frieden zu halten. Zur Ausführung des deutschen Vorschlags kam eS bekanntlich nicht, da einzelne Mächte sich widersetzten, gegen Griechenland ZwaugSmaßregeln in Anwendung zu bringen. Daß diese nicht im Interesse der Hellenen gehandelt haben, ist durch die folgenden Ereignisse bewiesen worden/ Griechenland wäre die große Demüthigung erspart geblieben, wenn e» zur rechten Zeit verhindert worden wäre, die Türkei zu provoziren und Truppen auf Kreta landen zu lassen.
Bekanntlich mußte die deutsche Diplomatie schweigen, als osficiell der Krieg zwischen Griechenland und der Türket erklärt worden war, und konnte erst wieder in Action treten, als die Hellenen geschlagen om Boden lagen und e» verhindert werden mußte, daß sie ganz zerschweitert wurden. ES lag im Interesse Europas, daß die Dynastie dem griecht- scheu Staate erhalten blieb, daß die jetzige RegteruugSform nicht geändert wurde. Unb aus diesem Grunde nahm die Botschasterconserenz in Konstantinopel daö Geschick der Hellenen in die Hand, um von der Pforte möglichst günstige Friedensbedingungen zu erlangen. Bei den herzlichen Be- ziehungen, welche zwischen der türkischen und der deutschen Regierung bestehen, konnte unser Botschafter im Interesse deS Zustandekommens einer Einigung werthvolle Dienste leisten, umsomehr als er lediglich nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Billigkeit zu wirken und keine Sonder- interrssen zu verfolgen hatte. Daß Deutschland die Initiative ergriffen hat, um durch Einführung einer internationalen Finanzcontrolle den Credit Griechenlands zu consolidireu, ist ein Verdienst, daß schließlich auch einmal die Griechen selbst verstehen und würdigen lernen werden.
Die deutsche Flagge auf der Bastion von Kanea weht nicht mehr, die active Theilnahme Deutschlands an den Bor-
Deutschland und die Kretafrage.
Abgesehen von dem Zusammengehen Deutschlands mit Rußland und Frankreich tn der chiuefisch japanischrn Angelegenheit hat eS sich au großen internationalen Fragen nur noch in der Orientaffaire deS letzten Jahres activ betheiligt. Wir haben drS Orsteren anSgesührt, wie auf bie Initiative ber deutschen Regierung hin die Ereignisse im Orient vielfach gelenkt worden find, daß Deutschland unbekümmert nm ver- wandischastliche Beziehungen der beiden Höfe seine Haltung gegenüber Griechenland ganz dem internationalen Rechte anpaßte und diesen einmal eingeschlagenen Weg unentwegt verfolgte. Directe Interessen hatte eS ja an der Diientfrage nicht, deshalb wurde ihm die übernommene Rolle auch gar nicht schwer. Bei der Besetzung der Insel Kreta durch eine internationale Flotte war unsere Marine eine Zeit lang gar nicht vertreten- eS dauerte erst geraume Zeit, bis die „Kaiserin Augusta" auf der Rhede von Kanea Anker warf. Dann haben aber unsere Marinetruppen au allen Ereignissen auf der Insel lebhaften Antheil genommen und dem deutschen Namen tn jeder Beziehung Ehre gemocht. Nach der Abberufung der „Kaiserin Augusta" ging das Kriegsschiff „Stein* nach Kreta und verblieb daselbst bis zum Mittwoch, an welchem Tage eS nach Messina addampste. Die deutsche Flagge, welche nun fast ein Jahr neben denjenigen der anderen Mächte auf den Wällen von Kanea geweht hatte, wurde niedergeholt, und Deutschland ist damit endgiltig aus der Reihe derjenigen Staaten auögeschieden, welche sich an der Wiederherstellung der Ordnung auf Kreta activ betheilig- ten. Schon vor einigen Wochen erklärte bekanntlich Staats- secretär v. Bülow im Reichstage, daß Deutschland kein politisches oder anderweitiges Interesse daran habe, weitere Opfer zur Herstellung des dauernden Friedevs in jenen Gebieten zu bringen, und dieser Anschauung ist jetzt Ausdruck gegeben worden durch die Abberufung der deutjcheu Marine- abtheilung.
Der Standpunkt der deutschen Regierung während der letzten Phase der Ocientwirren war von Anfang an der, eine kritische Gestaltung der Dinge za verhindern, europäische
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Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.
Sängen in Kreta ist zu Ende, aber es steht zu hoffen, daß die deutsche Thätigkeit daselbst ihre Früchte tragen wird, daß Jedermann, drr mit unserer Flagge in Berührung gekommen ist, volle Ueberzeugung gewonnen hat von der deutschen Ehrlichkeit und Uneigennützigkeit. (xxW
Die Erschließung Chinas.
Von Alexander Bauer.
(Nachdruck verboten.)
Kein zweites Land hat von jeher bie Neugier so gereizt, wie China. Dem Umfange nach bas brittgrößte unb ber Einwohnerzahl nach bas größte Reich ber Erbe, mürbe es gleichwohl ber Forschung am spätesten erschlossen unb noch heute ist noch lange nicht über alle seine Wunder unb Eigen- thürnlichkeiten Licht verbreitet, obgleich seine gewerbflußigen, intelligenten, aber phantasiearmen Bewohner Weltbürger geworben finb. Seltsam — nächst ben Juben hat kein anberes Volk in so hohem Maße bie Gastfreunbschaft ber übrigen Länder in Anspruch genommen, als das chinesische, welches die meisten Inseln des Stillen Ozeans unb sogar einige Gebiete Amerikas überflutet; unb boch hat kein zweites von Alters her allen Versuchen anberer Sänber, es zu erschließen ober in seinem Innern zu Hanbels-, Missions- unb Forschungs- Zwecken Fuß zu fassen, einen so hartnäckigen unb zielbewußten Wiberstand entgegengesetzt. Die Chinesen überfluten infolge innerer Ueberoölferung anbere Reiche, sie selbst aber verfolgen alle Fremben mit unauslöschlichem Haß. Sie genügen sich selbst, unb alles Alte ist ihnen heilig. So haben sie sich benn ihre eigenartige Cultur seit Jahrtausenben, allem Einflüsse bes Abenblanbes trotzenb, bis vor Kurzem unoeränbert bewahrt, währenb alle anberen Völker, welche bie Cultur bes Alterthums mit ihnen teilten, wie Egypten, Griechenland, Rom unb bie amerikanischen Culturen Perus unb Mexicos längst zu Grunbe gegangen finb. Fester noch als bie berühmte Mauer ist bie geistige Mauer, welche bas ungeheuere Reich umschlossen hielt. Dabei war es nicht allzu schwer zu erobern ; mehrfach finb tatarische Horben bortfelbft eingefallen unb haben sich zu Siegern unb Herrschern gemacht. Aber
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener 3f»mtHenHäffer werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.
Ferrilleton.
Sonudagsnschmiddagsbedrschdung
-es Rentje Dremmser iwwer Dame im Postdienst und dergleiche.
Von Carl Geißler.
„Waß bhut merr nor uff bere Welt!" so hatt heut Morjenb mel Fraa mit em recht schwere, aroroer von Herze komwenbe Seufzer ausgerufe unn liefe sich mit em beutlich hörbare Krach in be Lehnstuhl falle, so baß äich be Glaawe hatt, se wer in e Ohmacht gefalle.
„Lowise", haww äich zu crr gefacht, „dhu Dich nett versinbige unn bebenk, baß be eine Börjersch unb Rentjefraa bist, der gar nix abgeht; von mir werscht be uff Hänbe ge- drage unn haft bein freie Wille, Du kannst grab mache, waß be witt/'
En aroermalige Seufzer, ber seim Vorgänger nett nach- stanb, entquoll ehrm Herze, weshalb äich nach ere Weil fortgefahrn hab, ehr in's Gewisse ze rebbe.
„Lowise", sagt äich, „Lowise, waß haft be fer Gebreste?"
„Bist be nett fiberoirt bezu, baß be berr mancherlei erlaawe kannst, waß Annern roibber nett kenne?"
„Is berr in unserer Vattcrstabt Giesse nett Alles gebobe, waß be an annern Plätz aach hast? Hammer häi nett e Theater, bem sei Leiftunge grofearbig sinn, Hammer nett Musikcapelle genug, bäi bie scheenste Concerter gerne, Hammer nett Museum, Gemälbeausstellung, Theaterverein, Clubconcerte unn Vieles sonst noch? Hammer nett bie scheenste Spazier- geng, bäi e Stabt hawwe kann unn besitze merr nett e Omnibusgesellschaft, bäi eim beferbert, roammer geruhe will, nett mehr ze Fuß ze gehn?".....
Kaa Anbworb is aach e Andworb! bacht äich in meim kille Sinn unn steckt merr mei lang Peif aa, um borch bie Kaachwolke ben unangenehme Eibruck ze verscheuche, ben äich ijebesmal krihe, wenn äich mit meiner Fraa e Ausenanner- jetzung habb.
Wäi bie erschte Wölkercher zu be gemalte Deck enuff »gestihe sinn, da iS roibber Läroe in mei Fraa komme unn fsie hatt sich uffgericht unn hatt in eme iroroeraus unfreundliche Ton zu merr gefacht:
„Aeich verbitt merr a fer alle mal bei Raacherei in meim Salong. Dadorch tritt alle halb Jahr e paar Vorheng unn e gemalb Deck bie Krcnk."
Da bin äich giftig worbe unn haw crr uff be Stell erroibbert:
„Mabam, fer waß hawwe merr in Giesse bie berihmte Tawakfawrike von Gail unn Schorsch Heinrich Schermer? Gewiß nett beßhalb, baß en Giesser Börjer bie Fawrikate von bene Fawrike nett raache soll!"
Ich werb forbfahrn, mein leichte Knaster No. 0 roeiber ze raache, aach wann be bein Consens nett dezu gibbst unn wann e paar Vorheng unn e gemalb Deck mehr bes Jahr immer bie Krenk krihe!
En solch energische Ton kann mei Fraa — von mir menigstens — nett verdrage unn äich hatt roibber in e WeSpenest geftoche, roäi mersch jebesmal geht, mann äich so frei bin unn halt meiner Fraa Wibderpart.
Zunächst Ham äich mit aller Korraasch noch e paar kräfbige Zig aus meine Peif gebha unn bin bann mit große Schritt in be Stub erum gange, roäi äichs immer dhu, wann große Gebanke mich beschäftige. Von ere roeibere Unner* rebung zmische uns zwei könnt nett mehr bie Rebb sei unn äich habb beshalb mei ganz Jnbresse meiner Peif zugewenbt unn en Raach in bie Stubb gemacht, ben merr mit’m Sämel nett borchhage könnt, in Folge besse mei Fraa en Hufteaafall frag, bersche zminge bhat, befe Zimmer ze verlasse um reiner Loft uffzesuche. Etz mar äich roibber Alleiherrscher unn bäi Gelegeheib hawm äich benutzt, mich bem Lese hizegewe unn mein erschte Blick fiel uff en Artikel im Aazeiger: Dame im Postbienst.
Aha! bacht äich, bas scheint merr e sehr zeitgemeefe unn bebrachbenöwerbh Thema ze sein unn mein nechste Gebanke mar ber, baß etzt bie Zeibe, roo merr von be Postschwibje an be Schalter aageschnautzt morde is, enbgilbig verrbei wem. Beim Dorchlese Ham äich aroroer ßefunne, baß blos die Postämter dritter Klafe die Ehr hawwe solle, mit Fraae unn Mäbercher jeben Albersch als Postgehilfinne besetzt ze roern, mitfei solle mir in Giesse beß Vergniege nett genieße, am Postschalter von weibliche Persone bedient ze wern. Der Omstanb hott merr ze denke geroroe, ob be Herr General- postmaafler ba nett en Mißgriff gemacht hatt; bann ver- fchiebene Grinbe spreche befir, baß bie SDamebebienung an em greeßere Amt eher am Blatz is, als an em klaane.


