Ausgabe 
20.2.1898 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ar:

lazi

1820

ctbl<ebenett.

Nt anläßlich der e trostreichen Worte uchtigen Tank

b'uar, Vormitti statt.

^eren Sa

' ^wagn

1788 U6, ütitr öiljtln ort Herrn C. Krauße. )iwk7t. Sii,miid. Thomas. Seren übt n Tonischer 8atr. H-Oanert Arich^ m Ätnb eom R6ttn. öaljtt. ) Caont j. Fr, Schert. LlWderelm- Iffiititrgarltn- jpp.

li'-reiS 30 pfg.

bruar 1898,

Ittv.

»ei

iu. TK

nterir-R.'glments -Kaiser

r H v»r-tsrhm.

A- nn>

.j den Henen Recht, vr-wd» rfear Sott mm, Sajjg trf.ur Rühl, Marklstratze, Kfilrfia. 6tW ;er, Salllho!streße- lenfarten30 § Pf 2amenfarttn 70 ter Borstaud.

*

^MdlO tüt-

voll

Weller.

w^der l SrrtelSarte f((ae -! n«y! bd®

7., <4 S-'t"' «inlatzt

Ny. 43 Zweites M it. Sonntaq den W Februar

iso«

beigcleflt.

Heneral-Anzeiger

SSeywrets

Hierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringrrloh«.

Bei Postbezug

2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Alle Anzeigen-BermittlungSstellm beS In« und AoSlao»«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeh«.

Aunahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den jelgenbtn Tag erscheinenden Nummer bis Lorm. 10 Uhr.

L Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Akreis Gissen.

7,^---» ! Gratisbeilage: Gießener Familicnbläiter. """" XSÜXX'

2lmtlMwr Theil

Bekanntmachung, das «rfatzgeschäft pro 1898 betreffend. Die Musterung und Loosziehung der Militärpflichtigen bet Kreises Gießen für das Jahr 1898 findet an den nach­benannten Tagen statt und zwar:

I. Zu Lich im Rathhaussaale.

Mittwoch den 2. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Albach, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dors-Gill, Eberstadt, Ettingshausen, Garbenleich, Grüningen und Holzheim;

Donnerstag den 3. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Hausen, Hungen, Inheiden, Langd, Lang-Göns und Langsdorf;

Freitag den 4. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Leihgestern, Lich, Muschenheim, Münster, Nieder-Bessingen, Nonnenroth, Obbornhofen, Ober- Bessingen, Ober-Hörgern, Rabertshausen und Rodheim;

Zamstag den 5. März, Vormittags von 9 Uhr an:' derjenigen der Gemeinden Röthges, Steinbach, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen und Watzenborn mit Steinberg.

Montag den 7. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Loosrishuug.

II. Zu Gießen in der Restauration Zum Lonys Bierkeller", Schanzenstraße 18.

Dienstag den 8. März, Vormittags von 8 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Allendorf an der Lahn, Mendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Annerod, Bersrod mit

Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, Großen- Buseck, Hattenrod und Heuchelheim;

Mittwoch den 9. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen der beiden ältesten Jahrgänge (1896 und 1897) und der Gemeinde Großen-Linden - Donnerstag den 10. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen des jüngsten Jahrgangs (1898) der Stadt Gießen und derjenigen der Gemeinde Klein-Linden;

Freitag den 11. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reis­kirchen, Rödgen,Ruttershausen, Staufenberg, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck;

Samstag den 12. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Loosziehung.

in. Zu Grünberg im Gasthaus zum Rappen.

Montag den 14. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Allertshausen, Bellers- Hain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Kesselbach, und Lauter;

Dienstag den 15. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lindenstruth, Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reiuhardshain, Mddingshause«, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain.

Mittwoch den 16. März, Vormittag von 9 Uhr an:

Lov-jiehuug.

Besondere Bestimmungen.

1) Zur Musterung haben sich, bei Meidung der gesetz­lichen Strafen, zu stellen:

Diejenigen, dem Großherzogthum Hessen oder einem andern Staate des deutschen Reiches angehörigen Militär- pflichtigen, welche

a) in einer Gemeinde des Kreises Gießen ihr gesetzliches Domicil ihre Heimath oder ihren ständigen Wohn­sitz haben und sich nicht in einem andern Theile des Großherzogthums Hessen oder einem andern Staate in einer der nachstehend unter b) ange­gebenen Eigenschaften aufhalten;

b) in einer Gemeinde des Kreises Gießen sich als Dienst­boten, Haus- oder Witthschaftsbeamte, HandlungS- diener und Lehrlinge, Handwerksgesellen und Lehr­burschen, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft aufhalten, oder die Universität Gießen oder das Gymnasium daselbst oder eine sonstige Lehranstatt in einer Gemeinde des Kreises Gießen besuchen;

o) in einer Gemeinde des Kreises Gießen, oder während ihre Eltern einer solchen angehörten, im Auslande geboren sind, und weder im Großherzogthum Hessm, noch in einem andern deutschen Staate Domicil be­sitzen oder sich aufhalten;

und im Jahre 1878 geboren sind;

ferner

Sämmtliche Militärpflichtige, welche im Jahre 1896 bezw. 1897 zurückgestellt worden, oder nach ihrer gezogenen Num­mer disponibel geblieben, d. h. nicht ein­berufen worden sind.

Entbunden von der persönlichen Gestellung sind Diejenigen, welchen Ausstand bewilligt, oder Be­rechtigung zum einjährig.freiwilligen Militärdienst ertheilt worden ist.

2) Diejenigen Militärpflichtigen, welche zum zweiten- oder drittenmale erscheinen, habenihreLoosungsscheine mitzubringen.

3) Wenn von einem Militärpflichtigen, oder für einen solchen von seinem Vater, oder seiner Mutter Zurück­stellung in Anspruch genommen wird, so ist für Vorlage der zur Beurkundung der behaupteten Thatsachen erforder­lichen Nachweise und Zeugnisse vor dem zur Musterung an-

Vivat, die Fassenschi!

Von Carl Geißler.

Zf,

De Ahne liebt die Winterschzett WannS friert unn Alles iS verschneit, Der Annere bat de Sommer gern Wann em die Sonn rächt brennt uffs Hern; Der singt dem Frthling nor fei Lied Wann Alles um en b'r schee bltht;

Unn Jener hott fern Herbst blos Sinn, Weil err em bringt vielleicht Gewinn. Aich lowe wer die FassnachtSzeit, M't ehre große Herrlichkeit:

Mit all ehrm Glanz unn Prunk unn Schet, Der fällt mer dief ins Herz end.

Da puckt men unn S' ts wohlgedah

Die Welt mit annere Aage aa. Daß biSche Flitter kram verseht Etm fast tn's Himmelreich zeletztl

Bo Hamm äich h-ut Morjend um halwer Siwwe gedacht, als äich von ere Narrnsitzung haamkam unn habb mich beeilt, die Stroofe uffzeschreiwe, so lang meij Kopp noch mit erer Schellekapp geschmickt war. Das hatt sich bei mir schon Mterfcb als promot erwies- unn äich binn iroroerjeugt devo, daß sich unner so ere außergewöhnliche Koppbedeckung die Gedanke besser sammle; vorausgesetzt, daß merr dem Gute net s- viel gedha unn sich nach in ere Verfassung b-findt, die e Sammlung der Gedanke iwwerhaapt noch zuläßt. Net jedem Mensche uff dere Welt isses awwer gegewwe, nach ere dorchschwärmte Nacht sein Hernkaste noch zum-Sammel- blatz seiner Gedanke ze mache, zumal in de FassnachtSzeit, wo merr gewehnt is, net mitm gewöhnliche Maas, sonnern

mit'm etwas greeßere Gemees ze messe, wodurch merr dann in en gedankelose Zustand gerathe kann.

Von solcher Gedankelosigkeit will äich jetz e Historie verzehle, die sich vor zwaa oder drei Jahr in Giesse zuge- drage hat unn bei der en junge Kaasmann die Haaptroll spielt, der kaum die Schwell vom zwanzigste Lewensjahr iwwerschritte hatt unn der deshalb vollstennig berechdtgt war, mit geschwellte Segel in de Strom der Carnevalsoergnieg- unge enei ze damfe.

Jn's Busche, naa, äich wollt sage, in'S Steins Garde war en Maskeball, von wem veraastalt, waaS äich net.

Der junge Kaufmann hatt e Vermudhung, daß uff diesem Maskeball aach e schee, jung Mädche erscheine dhet, da» von em net ungern gesehe word.

Aus dem Grund hat er an jenem Awend, wo die Geschicht bassirt iS, sein gewöhnliche Aazug mit dem von eme spanische Grande verdauscht unn hatt sich deß Schwert um* gegirt unn owe driwwer noch emol en Kaftan von eme köl­nische Judd angezoge; fei Haupt hatt er mit em Cylinder bedeckt, der viel Aehnlichkeit mit bene hat, die von de kölnische Jüdde gedrage roern.

In so ere doppelte Verkleidung wollt er des Maske- vergniege doppelt genieße, a mal als polnischer Judd unn a mal al» spanischer Edelmann.

E Larv von ere außergewöhnliche Häßlichkeit unn mit ere gebogene Nas von bollezeiwiddriger Läng gab unserm Held des Ausfeh von em richdige Jüdd aus de Polakei.

So errausstaffirt begab er sich dann in Steins Garde, wo er grad eigetroffe iS, wie die Musik de erschtö Schottisch gespielt hatt.

Zur Begrießung word er gleich von e Paar Bajazze umringt, die sofort aafinge, fein Cylinder mit Schweinsblase, Klatsche unn sonstige Marterinstrumente zu bearweite. En baamlange Kerl L sellschaft losgemacht

von Bajazz driebs unn sich annere, e

aroer am Dollste bische gebildetere

unn schmiß emol Maske aageschlosse,

uff die Dohl, so unn unner bene

daß de Kaafmann gemaant hott, be Cylinber mit sammt de Larv wer kabut.

Da hatt err sich $

dann von dere Ge- ' mitm

giaaor er oann aacy \ gefunne ze hawwe, 4 waß er gesucht hatt. *1 Da war e * Bauerschmädche

kerbche, das kam em sehr bekannt vor unn hatt e paar Händelcher, die warn so klaa unn so zart wie Wach». So e paar Händcher hatt in Giesse nor aa Mädche unn da» war da» von ihm verehrte.

Kaan Zweifel, daß fe's war! Nu fing er aa, fei ganz Jndresse dem niedliche Bauerschmädche zuzewenne unn er hott alle» angestrengt, um emal e Werrdche von ere Lippe ze erhasche.

Awwer sie hott nix geredd unn selbst dadruff hin gab se kaan Ton von sich, wie er se emal e bissi unsanft in Arm gepetzt halt. , , , ,

Was war da ze mache? Wann merrfch als bolnfiche Jüdd net gelingt, fe zum Schwätze ze bringe, so browir äichs jetz als Edelmann. Da kann fe doch net widderfteh! so dacht mein Kommt unn entfernt sich langsam aus'm Saal, um in de Gadrob e Verännerung seiner Person oorzenemm^

Wäi err dann Widder erei kam, die Hard vornehm uff de Degegriff gelegt, nach links unn rechts grießend, aroer voll Hoheit, da hätt merr net denke solle, daß die Hand vor zwaa Stunn noch im Lade des Messer geschwunge hält, roo- mit gewehnlich de Limburger Kees transchirt werd.

Jeder Zoll en Edelmann I so misse die sämmtliche an­wesende maskirte Dame gedacht hawwe, dann im Nu war unser Kommi die gesuchtst Persenlichkeit im ganze Saal unn er hatt fortwährend en ganze Schwarm von ahle Werwer, Bauerschmädcher, Zigeunerinnen unn Edeldame um sich erum, die en net zur Ruh komme ließe.

Ganz erscheppt von dem viele Danze wollt sich unser Edelmann emal uff en Aageblick zerickziehe unn hatt nach m Blätzche sich umgeguckt, an dem err emol auS'chnaufe unn sich es bische reftaurim kennt. Da hat er zum Glick endeckt, daß aach des Bauerschmädche mit fetm Blummekerbche deß gleiche Bedersniß hatt unn er halt sich em aageschlosse unn er hatt fe eigelade e Flasch Wei mitm ze brinte. Immer noch sprachlos gab fern burch Grste ze versteh, daß err ganz neroe an be Fenster, wo so kaa arg Gebrick war, am liebste roer* Da hawwe se sich zesamme niddergelasse unn hawwe e Flasch minanner gebrunfe unn ber Wei hat dann endlich dem Bauerschmädche die Zung gelöst. Awwer verstelle könnt sich'», so daß dem Kommi doch Zweifel komme sinn, ob s dann merklich sei Mädche roer. So oft ersch versucht hatt, emol die Larv uffzeheroe unn ze gucke, so oft hatt se en wldder dorch en zärtliche Händedruck devon abgehahle unn