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20.2.1898 Erstes Blatt
 
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1S98

Sonntag den 20. Februar

Erstes Blatt

Amts- ttnb Anzeigeblatt für den Areis Gieren.

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Fchukstrahe Ar. 7.

Inhalte des Briefes ihres Gesandten fern stehe und denselben ; nicht billige. Damit dürfte der Zwischenfall seine Erledigung

Altäre stehen, werde man wohl darauf Hinweisen dürfen, daß die Religion der Hrbel der Armee sei.

Genrralauditeur Ittenbach bleibt dabei, daß Deutsch­land der« Bereinigten Staaten in Bezug auf Humanität de» MilitäistrafrrchtS um ein Vierteljahrhundert voraus sei.

Abg. Kun ert (Soc) meint, Nordamerika und Deutsch- land dürfe man in dieser Hinsicht überhaupt gar nicht ver­gleichen. Daß die Socialdemvkraten ihre Beschwerden erst ge- ho-samst dem Kriegsminister unterbreiten, das vertrage sich nicht mit ter Stellung und der Würde eines Volksvertreters. (Recht» Lachen und Rufe: Oho !). Gebe man doch den Soldaten ein ausrrtchrndeS Beschwerderecht und da» Recht der No hwrhr! Redner rügt es weiter, daß von den verschiedenen KrtegS- ministern dne Eingabe von Sattlergehilfen zmückgewiesen worden sei, betreffend Vergebung von Sattlerarbeiten nur an solche Unternehmer, welche sich zur Gewährung bestimmter Mindrstlöhne verpflichten. Weiter verbreitet er sich über den Umfang des Sonntagsdienstes und bezeichnet schließlich unseren ganzen Militarismus als ein elendes System.

Minister v. Goßler entgegnet, eme ausgiebige Sonn­tagsruhe sei durch die Königliche EabinetSordre durchaus ge­sichert. Wenn Anschuldigungen gemacht würden, dann bitte er um Beibringung des BewetSmaterialS.

Da» HauS vertagt sich jetzt auf morgen 2 Uhr. Tages­ordnung : Poüdampfergesrtz.

Schlnß 5"/^ Ubr. ________________________

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

Deutscher Reichstag.

44. Sitzung vom Freitag den 18. Februar 1898.

Tagesordnung: Fortsetzung der Etat»beraihung. Mitt- tät etat. Beim TitelMinister gehalt" bringt Aog. Lingens (Eentr.) Sonntagsruhe und SonntagSheiltgung in der Armee zur Sprache. Mit Genugthuung begrüße er e», daß die SimultangotteSdienfte ganz aufgegeben seien. Zu wünschen sei, daß trotz aller nicht zu verkennenden Schwierigkeiten auch bei Uebungen und Manövrrn die SonntagShriligung gewahrt bleibe, und daß nicht, wie die» im vorigen Jahre in Köln geschedeo, am Tage Maria Verkündigung Kürassier-

Aus den Verhandlungen der Zweite« Kammer der hessische« Stände.

G. Darmstadt. 18. Februar 1898.

Die Zweite Kammer der Stände setzte heute die Be- rathung des Hauptvoranschlags fort. Ohne Debatte wurden 4000 Mk. Reisestipendien, insbesondere au L-Hrer der neueren Sprachen, 6000 Mk. für das Lehre- rinnen-Seminar, 7500 Mk. für Pädagogische Seminarien bewilligt. Für Schullehrer-Se mina- rten werden 118,670 Mk. verlangt, die AuSschußmehrheit beantragt Bewilligung, die Minderheit Strich von 2500 Mk. als Dispositionsfonds. Abg. David bezeichnet die heutigen Anstalten als nicht mehr zettgrmäß. ES werde verlangt, daß die Zöglinge etwas weniger von der Bevölkerung abge- schloffeu gehalten werden, eine beffere Vorbildung der Ein- tretenden sei auch erwünscht. Wie in Sachsen müffr auch hier den Zöglingen da» Studium auf der Universität offen stehen. Sehr beanstandet werde der Mangel eines Avance­ments bei den Lehrern, welchen in der Regel nicht einmal die Schulaufstcht übertragen werde. Für dle letztere seien Schulmänner viel beffer geeignet, als Theologen. Reform­bedürftig sei auch der Seminar-Lehrplan. Nicht weniger al» 40 Lehrstunden außer Gesangs- und Mufikstunden würden wöchentlich den Schülern zugemuthet. Die» bedeute Ueber- bürdung. Bester als bisher müsse den Lehrern die natur- wissenschaftliche Grundlage beigebracht werden, damit die» später den Landwirthen zu gut komme. Zett werde durch Einschränkung des biblischen Memortrstoffs gewonnen. Geh. Oberschulrath Eisenhuth befürwortet die Gesammt- regierungSforderung. Stre che man den Dispositionsfonds und das Besoldungsgesetz komme nicht zu Stand, so komme die Regierung in Verlegenheit. Derselbe diene dazu, die aka­demisch gebildeten Lehrer an den Seminarien mit den anderen gleichzustcllen. Die Wünsche des Herrn David seien zumeist schon durchgesührt. DaS Internat bestehe nur noch verein- zelt, sei jedoch nicht durchgesührt. Die Vorbildung der Lehrer sei eine Frage, die viele Kreise beschäftige. Practische Bor- schläge seien dabet noch wenig herauSgekommrn, ganz beson­ders gingen die Ansichten der Lehrer auseinander. Vielfach stürme man gegen die Präparanden-Anstalteu an. Au» Allem gehe hervor, daß die Sache schwer, und wenig geklärt sei. Unrichtig sei, daß die Lehrer kein richtiges Avancement Haden. Den Lehrern stehe frei der Zutritt zu den Semi- narten, zu den Verwaltungsstellen und zu den gut dotirten Oberlehrerstellen. Unrichtig sei ferner, daß die Schulaufsicht den Lehrern verschlossen sei, unter 18 Kreisschulinspectoren btfinden sich 12 mit seminaristischer Vorbildung. Soweit gehe die Regierung allerdings nicht, daß sie mit dem Makel akademischer Bildung Behaftete hier auöschlteße. Zum Studium auf den Universitäten sei seiner Ansicht nach der Zudrang au» Lehrerkretsen noch starker wie früher, die Regierung habe gerne bis zu zwei Jahren Urlaub dazu gegeben. Der Lehrplan habe vor einiger Zett einige Erleichterungen er­fahren. In Friedberg und Bensheim sei das Nöthige wegen Anlage eines Schulgartens geschehen, ob ein solcher sich auch für die Volksschulen empfehle, darüber lasse sich reden.

! gefunden haben.

j Von einem Eingreifen der Verdnigtcn Staaten in die ' kubanische Angelegenheit ist es wieder ganz ruhig geworden, wenn auch an eine Herstellung geordneter Verhältmsse auf j Kuba und eine Pacificirung der Insel noch nicht zu denken ! ist Aber in Washington hat man jedenfalls einsehen gelernt, j daß Spanien nicht in der Lage sich befindet, sofort die Ruhe herzustellen, und daß der neue Obercommandirende auf Kuba, Marschall Blanco, noch ein schweres Stück Arbeit vor sich hat. Man wird sich vorläufig damit begnügen müssen, daß die Weyler'schen Grausamkeiten aufgehört haben und der Insel die Autonomie gewährt worden ist. Die Vereinigten Staaten hoffen jedenfalls, daß Spanien über kurz oder lang nicht mehr in der Lage sein wird, die Insel zu halten, unv daß sie dann als die nächsten Erben auftreten können. XX

N«-ugs»ret» vieneljährlich -

2 Mark 2« Pfg. monattid 75 Pfg. mit BrrnGerlohn.

Bei Postbezug Mark 50 Psg. ierteljährlich.

Gefundene Gegenstände: 1 Spazierstock, 2 Hand­schuhe, 1 Taicheutuch, 6 Hemdenkragen, 1 Peitsche, 1 Pferde­decke, 1 Schürze, 1 Zuber, 1 israelitische» Religionsbuch und 2 Schlüssel.

Gießen, am 19 Februar 1898 Großherzogliche- Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Meßmer Anzeiger

Mneral-Anzeiger

Spanien und Nordamerika.

Die schreckliche Katastrophe im Hafen von Havanna f lenkt neuerdings wieder die allgemeine Aufmerksamkeit auf J die beiden Staaten, deren Beziehungen schon seit geraumer : Zeit sehr gespannte waren und mehrfach eine Form ange- ; nommen hatten, welche den Ausbruch eines offenen Conflicts ; befürchten ließen. Herrschte doch beim Bdanntwerden der j Nachricht von der Erplosion auf dem amerikanischen Kreuzer i Maine" vielfach die Ansicht vor, daß die Katastrophe n-.cht ' eiroa einem unglücklichen Zufall zugeschrieben werden dürfe, sondern auf eine frevelhafte That zurückgeführt werden müsse, die natürl-ch nur die Spanier begangen haben konnten. Richtig ist ja, daß diesen der lange Aufenthalt des amerikanischen Kriegsschiffes im Hafen von Havanna etwas unbequem war, da sie nicht mit Unrecht befürchteten, daß die Insurgenten dadurch ermuthigt und zum Ausharren in dem Kampfe für die völlige Unabhängigkeit ihrer Insel angespannt werden würden. Es ist bekanntlich ein offenes Gehetmmß, daß bte Regierung der Vereinigten Staaten nicht ungern in die kubanische Angelegenheit eingriffe und von den Yankees sicher unterstützt werden würden, wenn es eben kem Völk rrecht gebe und die europäischen Großmächte die Monroe-Doctrin mehr respectiren würden. Aber wer kümmert sich um die von den Amerikanern aufgestellte Forderung:Amerika für uns" ? Dann müßte ja vor allen Dingen England aus Canada verschwinden, abgesehen von den anderen Staaten, welche im Bereiche Amerikas Besitzungen haben. Spanien hat zu einem Mißtrauen gegenüber der großen nordameri- kanischen Union wohl Recht; daß man aber zu einem solch verwerflichen Mittel greifen würde, um seinen Haß gegen die Widersacher zum Ausdruck zu bringen, und meuchlings das Leben Hunderter von Menschen vernichtet, das können wir uns nicht denken. Es wird freilich nicht an Stimmen in Amerika fehlen, welche an keinen Zufall bei der Explosion glauben und zur Rache gegen Spanien anfeuern, aber die Washingtoner Regierung dürfte doch eine bessere Ueberzeugung haben.

Zu all' den Conflicten, welche bereits zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten bestanden hatten, mar bekanntlich in den letzten Tagen ein neuer getreten: die Veröffentlichung eines Briefes des spanischen Gesandten in Washington, Dupuy de Lome, welcher die letzte Botschaft Mc. KmleyS besprach und Schmähungen und directe Beleidigungen des jetzigen Bewohners des Weißen Hauses enthielt. Der Brief besprach die letzte Botschaft Mc. Kinleys, welcher beweise, daß dieser ein Schwächling sei, der dem Pöbel zu schmeicheln suche, und außerdem ein Politiker niedriger Art, der den Mantel auf beiden Schultern trage. Inwieweit diese An- klagen berechtigt sind, können wir hier natürlich nicht unter­suchen, daß sie den Zorn Mc. Kinleys und seiner Anhänger in hohem Grade heroorriefen, brauchen wir wohl kaum zu erwähnen. Daß der Brief echt war, ließ sich nicht best: eiten, und so mußte denn Herr Dupuy de Lome schleunigst feine Koffer packen und, ohne dem Präsidenten Lebewohl gesagt zu haben, aus Washington verschwinden. Wie der Brief m die unberufenen Hände gekommen ist, hat bis heute noch nicht festgestellt werden können und wird sich auch wohl schwerlich ermitteln lassen. . ,

Was nun die Beziehungen der beiden Regierungen be­trifft, so konnte der Zwischenfall Dupuy de Löme natürlich ru einer Bessergeftaltung nicht beitragen, aber im Allgemeinen haben sich doch die Befürchtungen, daß ein ernsthafterer Coiiflict heraufbeschworen werden würde, nicht bewahrheitet. Der amerikanische Gesandte in Madrid, Mr. Woodford, hat freilich das Verlangen an den Cabinetschef Sagaya gestellt, die in Dupuys Schreiben enthaltenen Ausdrücke zu verleugnen, aber das war schließlich auch das Mindeste, was die Washing- toner Regierung fordern konnte. Und das spanische Ministerium hat auch nicht lange gezögert, Genugthuung zu geben; die Abberufung des Gesandten Dupuys de Lome wurde öffentlich bekannt gemacht und der Union auch sonst Versicherungen gegeben, daß die spanische Regierung dem

trupp» durch die Stadt zögen.

Kriegsminister v. Goßler erwidert, er habe in dieser Angelegenheit Remedur eiutrrten lassen.

Abg. Bebel (Soc.) bespricht verschiedene Fälle von Mißhandlungen bei der Armre und betont dabei, sei ihm immer im Reichstage sehr verdacht worden, wenn bei den von ihm vorgetrager.en Beschwerden irgend eine Unrichtigkeit mttuutergelaufen sei. Daß passiere aber doch auch anderen Leuten. Redner geht nun auf den Fall Marzillier in Königs­berg ein, der sich bekanntlich im vorigen Jahre zugetragen babe. In einer neuen Verhandlung sei nun der betreffende Uaterosfizi-r, der den Selbstmord des Marz-llier verschuldete, zu Degradation und zu sechß Monaten Gesängniß verurtheilt worden, und zwar, weil inzwischen die wichtigsten Zeugen auß dem Militärverhältmffe außgefchieden waren und nicht mehr auß Furcht mit der Wahrheit zurückhielten. Ganz ähnlich liege ein anderer Fall in Wesel. Des Weiteren kommt Abg. Bebel auf daß Militärstrafveifahren zu sprechen und citirt einige graffe Ausdrücke und Aussprüche von Offi­zieren gegenüber Untergebenen. Man werfe den Social- demokraten fälschlich vor, in der Armee zu agltiren. Daß sei aber unrichtig- die Socialdemokraten gäben ihren jungen Stuten beim Eintritt inß Militär vielmehr stets den dringen- den Rath, vorsichtig zu sein und sich in die Verhältnisse zu schicken, damit sie nicht alß Socialdemokratcn Ungemach zu erleiden hätten. Nicht die Socialdemokraten trügen die Polilik in» Heer, daß seien ganz Andere. Wie habe man den Reserveoffizier Ruprecht auß politischen Gründen gemaß­regelt, und sei nicht sogar gesagt worden, nur ein guter Christ könne ein braver Soldat sein! Da sollte man doch ein Gesetz mit einem § 1 machen: Nur wer ein guter Christ ist, darf Soldat werden. Seine Freunde würden mit einer solchen Vorlage ganz einverstanden sein. (Heiterkeit). Selbst der Kladderadatsch habe jene Aeußerung kritifirt vnd fei da- süc w gen Majestätsbeleidigung verurtheilt worden. Wenn dergestalt von Allerhöchster Stelle die Politik in die Armee getragen werde, dann sei es kein Wunder, wenn untergc- ordnete Geister in solchen Fällen, wie er sie vorhin ange­führt, dem gegebenen Beispiele folgten. (Präsident v.Buol bittet, mit einer derart gen Kritik zurückzuhalten). Redner Blaibirt fdjlle&Ud) noch für ElMhrung der Miliz.

Kriegßmtnister v. Goßler entgegnet, wenn Mißhand- lungen In der Armee vorkämen, dann sollten die Gemiß- haudelten auch den Muth haben, sich zu beschweren. Was den Fall Marzillier anlange, so sei es richtig, daß derselbe mißhandelt worden fei. Auch in dem anderen Falle fei der mißhandelnde Unteroffizier degradirt und mit zehn Monat Gesängniß bestraft worden. Die vom Vorredner erwähnten «uidrück- von Offizieren seien einfache B-i.id'gnng-n, und die Betreffenden seien bestraft worden. Auf die Bemerkung des Abg. Bebel über die Allerhöchste Aeuß-rung könne er, Redner, nur sagen, daß die Armee allerdings auf die relig öse Erziehung den höchsten Werth lege. Und in einem so feier­lichen Moment, wo Evangelische und Katholiken vor dem -

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Nr 43

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener M»«itte«»lätter werben dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

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