Witztngerode ein Schreiben des StaatssecretLrS v. Bülow efngelaofen, in welche« der Vorgang richtig gestellt wird. ES hätte ein Anlaß zn eine« Trinkspruch auf den König von Italien nicht Vorgelegen.
Berlin, 18. Februar. Dem „Berl. Tagebl." wird auL Brüssel telegraphirt, daß die internationale Zucker- eonferenz auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist.
vochn«, 18. Februar. Bisher find insgesammt 110 T o d r e, welche bei der Explosion in der Zeche Karoltnen- glück verunglückten, geborgen worden. Man glaubt, daß nun sämmtltche Opfer der Katastrophe aufgefunden find.
Arr-laud.
Wien, 18. Februar. Gestern Abend hat eine Volks- Versammlung von deutschen nationalen Frauen statt- gefunden, um Stellung gegen die von hier abgegangene Zola-Adresse zu nehmen. Die Versammlung beschloß, den Pariser Antisemitenführern eine Adresse zu senden, in welcher die Entrüstung über die an Zola abgesandte Adresse au-gesprochen und gesagt wird: Da wir Alle Patrioten unseres Vaterlandes find, können wir auch Den nicht achten, welcher sein eigenes Vaterland und das Militär verunglimpft.
Paris, 18. Februar. (Zolaprozeß). Als erster Zeuge erscheint General BoiSdeffre. Er erklärt, er be- stätige die gestrigen Enthüllungen des Generals Pellieux al- authentisch, tudeffen habe er nicht da- Recht, noch ein Wort hinzuzufügen. An die Geschworenen gewendet spricht er: ^Metne Herren Geschworenen, Sie find die Motion, wenn Sie kein Vertrauen zu den Führern der Armee haben, so sagen Sie eS, es können dann andere an unsere Stelle treten". Im Zuhörerraum machen sich Bravorufe bemerkbar. BoiSdeffre verläßt den Saal. Der Vorsitzende weigert sich entschieden, dem Bertheidiger Labori da- Wort zu geben und ruft Esterhazy auf. Dieser erklärt, daß er ein Opfer schändlicher Machenschaften sei. ES ertönen Bravorufe im Publikum, der Saal ist anscheinend heute mit vielen DrryfuS- feinden besetzt. Labort weigert sich, an den Zeugen Esterhazy Fragen zu stellen, und sagt, er müffe erst seinen Antrag wegen Verweigerung des Wortes einbrtngen. Hierauf verläßt Esterhazy unter Bravorufen des Auditoriums den Saal. Der Präsident fragt, ob noch Zeugen im Saale anwesend seien, was verneint wird. General Pellieux fragt den Präsidenten, ob er nicht geneigt sei, einen Zeugen zu vernehmen, der auSsagen werde, daß ihm Geld angeboten worden sei, damit er Aussagen mache. Der Präsident antwortet nicht. Um Labort Zett zu lasten, seine Anträge zu stellen, wird die Sitzung aufgehoben. Nach P/g Stunden werden die Verhandlungen wieder ausgenommen. Labort erklärt zur Begründung seiner Anträge, daß ihm durch die Haltung der Generäle und Esterhazy«, welche Beschuldigungen vorbrächten ohne sie zu beweisen, und durch die Haltung des Präsidenten, welcher ihm verweigere Fragen an die Zeugen zu stellen, die Mission der Berlhetdigung unmöglich gemacht sei.
London, 18. Februar. „Daily Mail" meldet aus Berlin, daß Deutschland bereit sei, Vorschläge zu machen, zweien europäischen Mächten die Regierung auf Kreta zu überlaff'n, bis ein Gouverneur definitiv ernannt sei.
• tsceUs und provinzielles»
Metzen, den 19. Februar.
* * Neber das juristische Studium schreibt man der „Frkf.
^S Darmstadt: Die Zahl der hessisch en Studenten auf der Lande-Universität Gießen beträgt im Winter- semester 97/98 468. Von diesen 468 Studenten entfallen ,a?ctn 2 72 T s' 37 pCt- — auf die juristische Facul- at ®cl,cn“ man/ daß eine große Anzahl Hessen auswärtige Hochschulen besucht und daß im hesfischen Staatsdienste nur 270 Stellen für Juristen, einschließlich der Verwaltung-- jansten, vorhanden sind, so muß die Uebersüllung der judsti scheu Facultät zu den ernstesten Bedenken Veranlassung geben. Die Zahl der sich dem höheren Lehrfach widmenden Hessen beträgt 91 bei 370 Stellen im Staatsdienste. Da
die durchschnittliche Studiendauer der Juristen 7l/t Srwester, die der akademisch gebildeten Lehrer 11 Semester beträgt, so würden etwa 23 Juristen und etwa 8 zukünftige Lehrer pro Semester die Hochschule nach bestandenem Facultät- examen verlassen, ober tt würde ein Z itraam von 6 Jahren genügen, um dem juristischen Staatsdienste gerade so viel Anwärter zu liefern, al- die augenblickliche Stellenanzahl beträgt- im Lehrerberufe wären dazu 23 Jahre nöthig. Die Neigung, den Lehrerberuf zu wählen, ist demnach vier» mal so gering wie die Neigung, den juristischen Berns zu ergreifen. Die Ursache diese- ungeheuren Andranges der juristischen Laufbahn ist außer der angenehmen, unabhängigen Stellung und der auSfichtSvollen (Saniere, die der zukünftige Beruf bietet, die noch hinzukommende unbegründete finanzielle Bevorzugung de- Staude-, die dem jungen Abiturienten von vornherein den juristischen Beruf al- den „vornehmsten" erscheinen lassen muß. Die Begründung, welche diese finanzielle Bevorzugung im Entwurf zum hesfischen Besoldung-- gesetz fi'det, wird in Zukunft einen noch größeren Andrang zum juristischen Studium veranlassen. Denn der Gedanke, den juristischen Beruf al- den vornehmsten zu betrachten, wird durch diese Begründung geradezu aufzezwungeu. Von 216 Abiturienten hesfi cher Gymnasien au5 dem Jahre 1897 haben sich 167 dem Hochschulstudium gewidmet. Bon diesen 167 studtren 66 — d. s. ca. 40 pEt. — Jura, nur 22 er« wählten den Lehrerberuf.
*• 3n Amerika verstorbene Hessen. In Lawrence, Mass.: Peter Rau, 57 Jahre alt, au- Wallmerod. In Town Sumpter, Sank (So., Wis.: John Stehr, 68 Jahre alt, au- H^ffen-Darmstadt. In B:aver Falls, Pa.: John trumpf au- Heffen-Darmstadt. In Hazleton, Luzerne Co., Pa.: John G. Kirschner, 47 Jahre alt, au- Hessen- Darmstadt. In St. Louis, Mo.: Wilhelm Kayser, 38 Jahre alt, aus Eberstadt. In Cleveland, O.: Christ. Reuscher, 85 Jahre alt, au- Heffen-Darmstadt. In Columbus, O.: Frau Kunigunde Constans, geb. Her- kert, 71 Jahre alt, auS Wenings.
vermischtes.
• Berlin, 13. Februar. 80 00 0 Francs rumänische Rente find auS einem eingeschriebenen Brief verschwunden, den die Breslauer Diecontobank zu Berlin an einen Bankier in Galatz, Rumänien, abgesandt hatte. Die Diebe werden in Galatz vermuthet.
* Leipzig, 14. Februar. Die erste deutsche Handelshochschule in Leipzig wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte des April ihre Hörsäle öffnen. Ein auS den Pro- cssoren Friedberg und Bücher, sowie den Handelsschuldirectoren ttaydt und Dr. Adler sowie dem Mttgliede der Handelskammer Habentcht bestehender Ausschuß wird da» Lehrprogramm vorbereiten. Ein HandelShochschulsenat wird gebildet, die Canzlei (Löhrstraße 3/5) wurde bereit- eröffnet.
Landwirthschaftt. WinBc u. ZlatbfcMäy.
Wie ich meine Pflück- oder Kernerbsen baue.
Die Erbse stellt keine großen Ansprüche an den Boden; das Land darf nicht frisch gedüngt, sondern eS muß sogar durch eine oder zwei Borernten, wie man sagt, abgetragen sein. Die Bohne gilt als besonders gute Vorfrucht. Die Erbse kann die Sonne nicht entbehren, man weise ihr deshalb ja keinen schattigen Platz im Garten an. Sobald sich im Frühjahr das Land bebauen läßt, legt man die Samen, doch nie mehr als zwei Reihen auf ein Beet, daS eine Breite von 50 bis 60 (Zentimeter hat. Etwa eintretende Spätfröste schaden ihnen nichts. Man pflanze nicht den ganzen Bedarf mit einem Male, sondern in Zwischenzeiten von drei bis vier Wochen. Dadurch kann man frische Erbsen bis in den Herbst hinein pflücken. Ende März oder Anfang April lege ich die Sorte William Hurst; fie lst sehr früh, reichiragend und erreicht eine Höhe von etwa 30 (Zenternder. Ende April stecke ich Mac Lean, im Mai Kentish Jnv'cta und im Juni die Telephonerbse. Kmtisch Invicta baue ich seit zwei Jahren; sie ist sehr fruchtbar, die Hülsen sind mittelgroß, jebod) mit grünlich auSsrhenden, etwas platten Körnern überreich beseht. Die Reiser steckt man, sobald die Pflanzen sechs bis acht (Zenternder hoch sind Zuvor aber sind sie von Unkraut »u reinigen und anzuhäufeln. DaS Stecken bat so iu geschehen daß sich Die Reiser strebeartig stützen. Sehr bald schon, im dritten,' vierten Blattwinkel, erscheinen die Blüthen. Das Kraut treibt
mäßig, wird nicht geil, jede Blüthe kann zur Geltung kommen und Erbse reiht sich an Erbse. Da die Sonne freien Zutritt zu jeder Pflanze hat, so wird das Kraut kräftig rurd vermag den Stürmen zu widerstehen. Um da- Kraut bei der Ernte nicht zu knicken und »u zerreißen, was leider oft genug vorkommt, empfichlt e» sich, die Schoten mit der Scheere abzuschneiden. Bei dieser Behandlung wird man bald merken, daß au« den untersten Blatewinkeln kleine Triebe mit neuen Blüthen erscheinen; ist die Witterung günstig, so fällt die zweit« Ernte fast ebenso gut aus wie die erste. Die Erbse nimmt mit jedem Boden sürlieb; ja sie gedeiht noch da, wo sich andere Gemüse nicht mehr ziehen lassen. — Wird tm Garten ohne Plan gewirthschaftet, so kommt eS zuweilen vor, daß die Erbse auf ein gut gedüngtes Beet gerälh; bet Besitzer glaubt nun auch eine gute Ernte erwarten zu dürfen. Da« Ergebniß besteht aber in hoch- wachsendem, fetten Kraut mit wenig Blüthen- und Hülsenansotz; die beigesteckten stärksten Reiser vermögen dasselbe gegen Wind und starkm Regen nicht zu halten, zudem wenn drei bis vier Reihen nebeneinander stehen. Sollen die ersten wenigen Erbsin gepflückt werden, so sind die inneren nicht zu erreichen, ohne die äußeren Stengel zu knicken und die weitere Ernte ist vorbei. Schlirßlich klagt die Hausfrau, die Erbsen bringen so wenig ein, da« Land sei doch vortrefflich in der Reihe gewesen und sei so gründlich gedüngt worden. Daß die Erbsen etnm hohen Werth als Nahrungsmittel besitzen, ist hinlänglich bekannt. Wer freut sich nicht auf die eisten frifchm Erblen! Selbst im Winter kann der Tisch durch grün ein* gemachte besetzt werden. Für den G-müsegärtner ist sie stets eine gesuchte und gut bezahlte Waare. Unter den vielen Sorten vet- dienm diejenigen, die bereits oben angeführt worden sind, den Vorzug; ich kann sie aus eigener Erfahrung ihres reichen Ertrages wegen nur empfehlen. w.
Cito?atu* *iet
— Wie der „Frkf. Ztg." aus Amsterdam gemeldet wirb, hat per deutsche Kaiser gestattet, daß Alles, was von Erinnerungen an vaS Haus Oranten Nassau sich in seinem Besitz befindet, der im Herbst in Amsterdam stattfindenden Orange-Nasfau-AuS- stellung zur Verfügung gestellt werde.
— In Leobschütz (Oberschlefien) ist Dr. August Pottbast, bet frühere langjährige Bibliothekar des deutschen Reichstags, im 74. Lebensjahre gestorben.
llnioerfitöü - Nachrichten.
— Auf Veranlassung des EultuSminister« unternimmt der Director der UniversitätS-Augenklintk in Königsberg eine nuhr- monatlge Reise nach Egyp'en und Palästina, um daselbst an Ort und Stelle die contagiösen Augenkrankhetten zu studirm und vergleichende Feststellungen über daS Wesen der Krankheiten zu machen, von be*en die Provinz Ostpreußen in besorgnißetregender Weise heimgesucht wird.
— Kosmetisches. Frankreich, welches seither in der Branche der Kosmetik in allen Welttheilen die führende Stellung einnahm, hat in Deutschland im Lause der letzten Jahre einen nicht zu unterschätzenden Rivalen gefunden. Jahrhunderte lang lag dieses für die allgemeine Körperpflege und die Gesundheit der Menschen so wichtige Gebiet in Händen von Quacksalbern und Geheimmittel- krämern, deren Präparate ganz werthloS waren und bezüglich ihrer Zusammensetzung großes Mißtrauen verdienten. Erft in den letzten Jahrzehnten haben sich in Deutschland hervorragende Medtciner, Pharmacologen und Chemiker auf die Kosmetik verlegt und derselben durch ein intensives Studium an Hand zahlketcher practischer Versuche eine Frankreich mindestens gleichwerthtge Stellung verschafft. Ganz besondere Achtung und Anerkennung Haden sich rod! über die Grenze» Deutschlands binauS die von Herrn Apotheker Walter Werß (früher Gießen) erfundenen JriS-ToilettePräparate erworben. Die in mehrjährigem Betriebe gesammelten reichen Erfahrungen dringt nr nmehr Herr Apoihcter Weiß in seiner in Berlin, Pückle-straße errichteten Fabrik zur Verwerthung und bezeichnet seine Präparate al« „Neue Crvme Iris". Neue Crörne JttSptäpatate sind höchst vervollkommnete Totlette-Präparate, sie entsprechen allen Anforderungen, welche die Hygiene an ein Teint- und Hautpflege-Präparat stellen kann. (Siehe Inserat.) 1508
— Ein Musterbild bewunderungSwerthen Unternehmungsgeistes bietet die französische Aclien-Gesellschast der Distillerie de la Liqueur Bälwdictene de l'rlbbaye de Föcamp. An ihr kann man so recht die Erfolge sehen, weiche gezeitigt werden, wenn geschickte Reclamen mit einem Artikel allererster Ordnung Hand in Hand gehen. In keinem Haushalte sollte deshalb die echte Bvoödlctene fehlen. Damen können ihn ohne Scheu trinken und welche Rolle dieser Liqueur bei Jagden, Fußtouren, Seereisen spielt, darüber erkundige man sich einmal in guter Herrengesellschaft. Endlich bei feinen Diner« ist die echte iö6n<5bictine geradezu unentbehrlich geworden. Sie stärkt nicht nur, sondern erzeugt nach dem Genüsse ein ungemein behagliches, roohl- thuendeS Gefühl. Darum gedenke ich ihrer stets wie eine- guten, »uverlälstgen Freundes und erzeige mich erkenntlich, indem ich allen den abscheulichen Nachahmungen den Krieg erkläre. Ich bin für'« echte.
Erinnerungen an den Romanschriftsteller und Novellendichter Otto Müller aus Schotten im Vogelsberg.
Von einem Verehrer desselben gewidmet.
Wie der große Humorist des norddeutschen Plattlandes, Fritz Reuter, mit jeder Faser seines Wesens in seinem engeren Heimathland wurzelt, wie sein Dichten daraus dem plattdeutschen VolkSthum entblüht ist, so hat der am !* $nnn zu Schotten im Vogelsberg geborene Noman- schnftsteller Otto Müller eine ganz besonders innige Be- ?-7.Uuö ?U semer engeren Heimath. Die frische Ursprüng- nchkeit des poetischen Wesens sehen wir bei dem einen wie dem andern verknüpft mit einem starken Bewußtsein und so ^IZeden auch der Erzähler des „Tannenschütz", des „Stadt- fchulchetßen , „Charlotte Ackermann", „Münchhausen im Vogels- berg u. A. von Reuter ist, so sind doch die beiden liebens- würdtgen Humoristen vielfach geistig verwandt. Es war im Sommer 1854, al» der Dichter einige Zeit in Heidelberg von zahlreichen Freunden und Bekannten auf dem Schloßberge besucht wurde. In dem genannten Jahre m " auch' als Ludwig Knapp aus Darmstadt, sowie der Lieblmgsdtchter des deutschen Volkes, Joseph Victor v. Scheffel ?arrIö.r^e/ ,bei Otto Müller vorsprachen. In dieser von Ä m h t’«,ongencnt' ■bet „cin8*8 Wönen Stabt am s° Riebt und auf Schritt und Tr-tt .historisch- Erinnerungen zur Seele sprechen, wo in den zauberischen Sommernächten der fröhliche Lärm au« den Gartenschenken dem Neckar entlang hallt, aus dieser Fülle des frohen Lebensgenusses empfing auch unser Schottener Sänger, wie so viele anderen die erfreulichsten Eindrücke
Wie bekannt, besuchte der Dichter die Gymnasien zu Büdingen und Darmstadt und widmete sich Anfangs der cameralistischen Laufbahn, gab dieselbe aber bald wieder auf und erhielt eine Stelle an der Hofbibliothek zu Darmstadt, mit welcher er später die eines Privatbibliothekars des Prinzen Karl von Hessen verband. Im Jahre 1845 übernahm er die Redaction des Frankfurter Conversationblattes, von dem er 1848 zur Redaction des Mannheimer Journals übertrat. Als produciren- der Schriftsteller war er mit einer Novellensammlung „Frühlingspark" aufgetreten, doch gelang es ihm erst durch seinen biographischen Roman „Bürge,r ein deutsches Dichterleben" in weiten Kreisen Anerkennung zu gewinnen. Dieser Roman schaffte ihm auch die Zuneigung und den Besitz einer liebens- würdigen Gattin, Gustave Fritze aus Bremen, nach deren frühem Tode er sich 1852 nach Bremen begab. Im Früh jahr 1854 ging er als Herausgeber der Bibliothek deutscher Originalromane wieder nach Frankfurt, trat aber nach Vollendung der ersten Serie von dem Unternehmen zurück und begründete eine ästhetische Wochenschrift „Frankfurter Museum". Ende 1856 siedelte er nach Stuttgart über.
Der Verkehr zwischen Scheffel und Otto Müller war, obgleich ersterer zehn Jahre jünger als dieser war, ein sehr reger. Scheffel kam oft des Morgens in Müllers poetisch gelegene Wohnung und las ihm beim gemeinschaftlichen Früh- stück die neuesten Abschnitte des „Ekkehard" vor, wobei die Verabredung getroffen worden war, daß der Ekkehard in der Meidinger'schen Bibliothek erscheinen solle. Aber auch der heiter verlebten Jünglingszeit wurde dort gedacht und Scheffel gab seinem liebenswürdigen Freunde das von ihm um Ostern 1847 verfaßte Abschiedslied, welches er seinen Freunden in der „Franconia" an feierlichem Kneipabend darbrachte, dessen Hauptverse wir hier folgen lassen und zwar nach der
Parodie des Volksliedes: „O wunderschöne Stadt".
„D Heidelberg, o Heidelberg, Du wunderschönes Nest, Darinnen bin ich selber Dereinst Student gewest.
Der Vater, der Vater, Nahm Feder und Papier: Mein Sohn thu' ab die braune Mütz' Und komm nach Haus zu mir.
Dort oben, dort oben, Ist ein Dachkämmerlein, Darin sollst Du studiren In Büchern, groß und klein.
Und hast Du studiret.
Wohl über Jahr und Tag, Dann gehst Du in's Examen, Mit Hut und schwarzem Frack!
Straßburg, o Straßburg, du
Die Mutter, sie weinte: D Joseph komm nach Haus, Du bist schon ganz verwildert Bei den Studenten brau«.
Du trinkst viel, Du rauchst viel, Du wirst ein Lump am End', Du sollst nicht länger bleiben, In Heidelberg Student l
Ich bat sie, ich klagte, Es half mir Alles nix, Adjes drum ihr Franconen, Adjes, ihr lieben Fach«!
O Heidelberg, o Heidelberg, Du wunderschöne Stadt, Gut' Nacht, Studentenlebenl Ich werd' jetzt Candidati*
Obwohl, wie schon gesagt, Otto Müller zehn Jahre älter al» sein Verehrer Scheffel war, so ist doch letzterer schon am 9. April 1886 in seiner Vaterstadt Karlsruhe, während Müller erst am 6. August 1894, also in einem Alter von 80 Jahren, in Stuttgart gestorben.
Die vorliegenden „Erinnerungen" wollen und sollen nichts als ein kleiner Blumenstrauß fein, welcher dem Dichter des Vogelsberges rc. auf das Grab gelegt wird und dazu beitragen, das Andenken an den Verewigten zu ehren.
(Aus dem Schott. Kreisbl.)
* Hghlta Gießen.
Der si' Vißner, hc gegeben w provisorisch a mb gebr°ch .
Gieße
Mr die in Gießen 1 drin össenl »ergeben we i die Liefe 1. Lac 2. Flei 3. Spe brau 4. Kaff« 5. Lutt S. Milc 7. Bier 8. Schr 9. Mas 10. Ar 11. Seis 12. Kor 13. Sir 14. Po: 15. Sch 6. bat Reu bat Diel s. bar Reil der Offen 4. die Enllee e. dir Lbgai Äüfynab1 WeiiW Die Bedii Verwaltung] Kliniken an mittag» van werden.
Proben b( 9, 10, 11 Gegenstände, schlossen £ Aufschrift öi Freitag i Miaus dem o abzugeben. ,„MNI 1898.
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