Ausgabe 
20.1.1898 Zweites Blatt
 
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Bad-Nauheim, 11. Januar 1898.

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Handwerker de« Gedanke« der genossenschaftlichen Selbsthilfe frischer all bilher aufgreifen. Freilich werden fie ein Uebel zu meiden haben, an de« zahlreiche alte Genossenschaften früherer Deceunieu, speciell solche von Handwerkern zu Grunde gegangen find: die Berkennung der nun einmal herrschenden Creditverhältniffe. Bei einer genossenschaftlichen Bank kann es zu geradezu unabsehbaren Gefahren kommen, wenn der bloßePersonaleredit" ohne jede andere all moralische Sicher­heit zum GeschLftlprincip gemacht werden soll, wie dies mehrere der neuen Genossenschaften auf ihr Programm ge- schrieben haben. Leicht kann da die genossenschaftliche Selbst- Hilfe zur gegenseitig« Vernichtung fübren.______________

und andere chronische Kranke betr., sowie Eingabe del gr- schäftlführelldeu Ausschüsse! der freien Bereinigung der Krankenkassen im Großherzogthum Hessen in gleichem Betreff. 7. Gesuch der Kreilstraßenmeister del Großherzogthmns um Ergänzung des Suvftstraßengesetzel vom 12. August 1896 bezüglich ihrer Anstellung betr., sowie Gesuch des Krrtt- straßenmeister! Georg Hänsel zu Michelstadt, die Tagegelder desselben betr. 8. Eingabe einer Anzahl Einwohner vom Schlttzerland, Fleischbeschau im städtischen Schlachthause zu Gießen betr. 9. Eingabe der Großh. Bürgermeisterei Mainz, die Abänderung des Artikel! 88 der Städteordnuug betr. 10. Rückäußerung Erster Kammer über den Antrag des Abg. Westernacher, die Uebervahmr der durch gesetzliche Maßnahme» zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche entstehende» Kosten auf die Staatskasse betr. 11. Mittheilung Großh. Ministeriums del Innern, statistische Ueberficht der der polt- ze',lichen Aufficht unterstehenden Miethwohuuogrn und Schlaf­stellen und Zahl der neu hergestellteu und in Herstellung be- griffeneu Mterhwohvungeu von drei Räumen und weniger betr., für die Periode vom 1. April 1895 bi! 31. März 1896. 12. Antrag des Abg. Breimer, staatliche Unterstützung für ärmere und bedürftige Gemeinden zu den Kosten für neue Wasserleitungen betr. 13. Antrag del Abg. Köhler (Lang!- dorf), die Berleihung von Staatspreisen an Dienstboten betr. 14. Gesuch der Gehilfen bet der Großh. Centralstelle für LandeSstattstik Georg Wohlig und Adam Weimar zu Darm- ftadt um widerrufliche Anstellung betr. 15. Gesuch del Gg. Konrad Döll zu Langd um Nachlaß von Zahlungen o« die Staatlkaffe, von dem Abg. Köhler all Antrag übergeben. 16. Gesuch deS VerkrhrS-BereinS zu Darmstadt, die Wirth- schaftsräume der Ludwigshöhe bei Darmstadt betr. 17. Ge- such der Bauhaudwerker in Bad-Nauheim vom October 1896, die Vergebung von Neubauten und Reparaturarbeiten öffent- l!cher Gebäude betr. 18. Gesuch der Steueraufseher bei GroßherzogthumS, die Erhöhung ihrer Grhalte und Zu­billigung von Diäten in festen Tagessätzen betr. 19. Antrag beS Abg. Köhler, die Gerichtskosten und Gebühren betr. 20. Antrag des Abg. Ulrich, die Errichtung eines Landgericht! iu Offenbach betr. 21. Antrag der Abgg. Köhler und Bahr, den Verkehr von Mitgliedern des Reichstags iu den Wandel­gängen und Geschäftszimmern der Zweiten Kammer betr. Die Tagung wird vorauSfichtlich zwei Tage dauern.

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Nach dem Schweizerischen Medtcinal-Kalender für 1891 gibt es jetzt in der Schweiz 24 Aerztinnen, die ihre Praxi! auch wirklich ausüben. Mit wenigen Ausnahmen sind es gebore« Schweizerinnen. In Zurich wohnen allein zehn von ihnen, bk übrigen in Genf, Lausanne, Basel, Bern, St. Gallm und einige« kleineren Orten.

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des Beurlaubteustaude! »ege« Zuwiderhandlung gegen die allgemeine» Staatlgesetze, weuu die Haodluug während einer in FriedenSzeiten zu dienstlichen Zwecken erfolgten Einberufung begangen worden ist. Schließlich gelangte auch noch ein Paragraph le zur eiustimmigeu Annahme. Danach kann in Fällen, iu denen sich bei einer Zuwiderhandlung gegen die allgemeinen Strafgesetze mehrere Personen, militärische und bürgerliche, betheiligt haben, die Militärpersonen dem bürger- lichen Gericht zur Untersuchung und Aburtheilung de! Falle! übergeben werden. Die Berathungen werden morgen fort­gesetzt werden.

Berli», 18. Januar. Nach einem Pariser Telegramm derNordd. Allg. Ztg." bestätigt derGauloiS" nach seinen eigenen Informationen die Nachricht der »Libre Parole , wonach General Gallifet die Absicht hätte, in die Ange­legenheiten des Obersten Picquart zu Gunsten diese! Offiziers einz u greifen, da derselbe früher unter GallifetS Befehl gedient habe. .

Das Denkmal für die Helden vo« »Iltis , das deutsche Patrioten in Shangat errichten wollen, ist jetzt endgilttg Professor BegaS zur Ausführung übertragen worden. Die Kosten find auf 10,000 Mk. festgesetzt und bereit! auf- gebracht. Die erforderlichen 3500 Kilogramm Bronce giebt das KrlegSmiuisterium her.

Der gewerbliche Aufschwung der letzten Jahre tritt besonders deutlich in den Nachweisen zu Tage, die die preußische Bergverwaltung über die Ergebnisse der staatlichen Bergwerke, Hütten und Salinen im Jahre 1896/97 erstattet hat. In diesem Jahre waren 17 Stein- kohlen-, 8 Braunkohlen-, 13 Eisenerz-, 5 Blei-, Zmfr, Kupfer- und Silber- und 3 Salzbergwerke im Betrieb, dazu 5 Eisen- und 7 Blei- und Silberhütten, 6 Salinen und 5 Steinbrüche, fie brachten 136,3 Mill. Mark, 13 Millionen Mark mehr all im Vorjahre und gaben 62,106 Arbeitern Beschäftigung, rund 4000 mehr al! im Vorjahre.

In einem Aufruf an die Mitglieder de! EentralverbandeS der Maurer wird eine außerge- wöhnlich große Lohnbewegung für dieses Jahr augeküadigt. In wenisten! 250 Orten werden die Maurer versuchen, eine Besserung ihrer Lage herbeizuführen- in 80 Orten find fie schon mit Forderungen an die Unternehmer herangetreten. Die Lohnkämpfe der Maurer vom vorigen Jahre haben über 300000 Mk. gekostet. Die Maurer sollen in ganz Deutsch- land am 1. März mit den Sammlungen für den Ausstands fond! beginnen.

Handwerkerbankeu. Gleichzeitig mit der be­vorstehenden inneren Neuorganisation del Handwerks macht sich eine genossenschaftliche Bewegung unter den Handwerkern geltend, die wohl geeignet ist, die ernste Beachtung der Socialpolitiker zu erwecken. An verschiedenen Orten ist man, eine« Beispiel der Frankfurter Handwerker-Vereinigungen folgend, zur Gründung von Handwerkerbanken auf der Grundlage deS Genossenschaftsgesetzes geschritten. DteS ist bis jetzt nur in Mitteldeutschland und im Norden ge­schehen- in Süddeutschland besteht in weiten Kreisen der Handwerker eine gewisse Apathie gegen genossenschaftliche Unternehmungen- hier spielt, wie z. B. für die Sterbekaffen, die Gegenseitigkeit eine Rolle. Den hohen Werth eines vor­sichtig geregelten GruossenschaftsinstiiuiS wird man trotz mancher unerquicklicher Erfahrungen der letzten Jahre nicht unterschätz-n dürfen, und eS ist nicht unerfreulich, daß die

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Prag. 17. Januar. Am Freitag um 6.30 Uhr früh wurde unweit der Station Minkovic ein Kohlenlastzug der StaatSbahn von unbekannten Männern und Weiber« überfallen. Einige Männer sprangen, wie diePolitik* berichtet, auf die Locomotive und hießen den Zugführer halten, worauf sie die Kohlen, soviel fieberen habhaft werde« konnten, unter fich theilten und bann verschwanden. Der Zugführer fuhr bann mit seiner zusammengeschruwpfte» Ladung gegen Minkowic. Eine Uoterluchung ist eingeleittt.

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Prag, 18. Januar. In der heutigen Sitzung des Land tages entstand infolge der Meldung des Abg. Wolff, daß Mittag! neuerdings deutsche Studenten blutig geschlagen worden seien, eine furchtbare Aufregung unter fam"t- lichen deutschen Abgeordneten. Dieselben stürmten zur Präfi- denteu-Tribüne und forderten sofortige Genugthuung. Der Statthalter Graf Coudenhove wurde arg beschimpft und ftrr den Vorfall verantwortlich gemacht. Die Sitzung mußte unterbrochen werden. Sämmtliche deutsche Abgeordneten be­gaben fich auf die Straße, um fich über die Vorgänge zu inforwiren. Der Uebersall auf die Studenten ereignete fich wiederum am Graben. Die Studenten wurden, trotzdem fie ganz ruhig ihres Wege! gingen, von Tschechen überfallen und mit Stöcken mißhandelt, die Polizei erschien wieder zu spät am Platze. Sie trieb die Menge mit gezogenem Seiten- gewehr auseinander. , _

London, 18. Januar. Eine osficielle Note sagt, daß fie fich über die Lage in China noch nicht aussprechen wolle, da die Verhandlungen zwischen China und England noch nicht abgeschloffen seien. Die englische Regierung verfolge tn China eine Lösung, die zugleich China günstig wäre und die Interessen der irrteresstrten Länder fördern wird.

Sofia, 18. Januar. Die Fürstin Marie Louise ist von einer Tochter glücklich entbunden worden.

Arrtz den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessische» Stände.

Darmstadt, 18. Januar 1898.

Die TageS-Ordnung der 20. Sitzung, welche am Dienstag den 25. Januar, Vormittag! 9 Uhr, be- gmut, lautet: 1. Neue Einläufe. 2. Berichts-Anzeigen. 3. Anfragen: a) Anfrage der Abgeordneten Dr. Schmitt nnb Genossen, die Anstellung von Militär-Anwärtern im Gemeindedienst betr.- b) Anfrage der Abgeordneten David und Haas (Mainz), Ladrnfchluß an Sonntagen in den rheiu- hessischen Städten betr.- c) Anfrage der Abgg. Dr. Schmitt und Genossen, die Errichtung von Waarenhäuserv rc. betr.- d) Anfrage des Abg. Köhler, die Vergebung von öffentlichen Bauarbeiten betr.- e) Anfrage der Abg. Schmeel und Ge- noffen, den Personen- und Frachtverkehr auf einem Theil der früheren Ludwigsbahn betr. 4. Vorstellung der Schuldiener an den Gymnasien und Realschulen um Erhöhung ihrer Ge- halte. 5. Vorstellung der Gemeindeforstwarte, die Verbesse­rung ihrer Lage betr. 6. Antrag der Abgg. Cramer und Genossen, die Errichtung einer Heilstätte für Lungenleidende

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