Ausgabe 
19.11.1898 Erstes Blatt
 
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Veröffentlichung internationale Verwickelungen entstehen könnten.

Pari», 17. November. Oberst Ptcquart veröffent­licht tmRappel" eine Erklärung, in welcher er bittet, von der geplanten Ueberreichung eine- Ehren säbel» an ihn Abstand nehmen zu wollen.

Pari», 17. November. Der bisherige Chefredacteur de» Tempi", Depreuse, erklärt tu derAurore" bezüglich de» Decrete», durch welche» ihm verboten wird, die Abzeichen der Ehrenlegion zu tragen, e» sei ihm eine große Geung- thuuug, constatiren zu können, daß er von den Feinden de» Licht» al» Opfer gebraucht werde.

Pari», 17. November. Der Berichterstatter über den Haushalt »etat, der radikale Abgeordnete Pelletao, hat in der Budget Commission erklärt, daß der Finauzminister vergeffen habe, in dem Etat die Ausgaben für die Welt­ausstellung 1900 aufzustellen und daß zwischen den Ausgaben und Einnahmen ein Deficit vou 40 Millionen Mark bestehe.

Paris, 17. November. Gerüchtweise verlautet, daß zwei Secretäre der Advocaten Demange und Labort sich nach Cayenne begeben, um einem BerhörDrehfu»' beizuwohneu. Der Advocat Moruard wird dem Caffationshofe neuerdings ein Gesuch um Zurückberufung DrrhfuS' überreichen, mit der Begründung, daß es unerläßlich sei, daß Drehfu» mit seinen vertheidtgern verkehre und vou den Ereignlffeu der letzten vier Jahre unterrichtet werde, welche er so wenig kenne, daß er noch immer auf feine Rehabtlitiruug durch den vormaligen Generalstabschef BoiSdeffre hoffe.

England. Der englische Colouialminister Chamber­lain, dessen Birmingham-Rede noch in gutem Gedächtniß, hat sich gestern in Manchester über die allerlei Bedenken erregenden englischen Militär- und Marine-Rüst­ungen ausgesprochen und dabei die Versicherung abgegeben, sie bezweckten nicht Drohungen gegen irgend eine Macht und dürften überhaupt nicht al» Drohung ausgelegt werden. Sie seien nur Vorsichtsnahmen, die sehr natürlich waren tm Augen­blicke schweren Couflicte» mit einer anderen Nation. E» wäre wtderfiuutg, sie etuzustelleu, bevor jede Gefahr ge­schwunden sei. Der Minister fuhr fort:Ich bin überzeugt, alle Frieden»freuude hoffen, daß die Entscheidung Frankreich» tu der Faschoda-Frage auzeige, daß Frankreich da» Priucip anerkennt, welche» wir verfechten. Wir beanspruchen tm Namen Aegypten», welche» wir unter größten Opfern dem Ruine, der Anarchie entrissen und wieder tu eine günstige Lage gebracht haben, die volle Herrschaft über alle jene Ge­biete, die jemal» ihm gehörten oder in die Hände der Derwische gefallen find. Die Frage der genauen Lage der Grenzen zwischen den ägyptischen und französischen Besitzungen kann zu historischen und geographischen Untersuchungen und freund­schaftlichen Erörterungen führen- wir können bereit sein, Frankreich alle möglichen Garantien für den Zugang seine» Handel» zum Nil zu gewähren; aber e» kann keine DtScusflon über da» Priucip geben, da» ich soeben dargelegt habe." Da» energische Betonen de» englischen Standpunkte» tu der ägyptischen Frage volle Herrschaft über Aegypten und den mahdisttscheu Sudan wird zweifellos an der Seine Eindruck machen. Ohne au» dem für Deutschland maßgebenden Stand­punkt strengster Objectivität herauSzutreteo, können wir dem oben ausgesprochenen Priucip England» nur zusttmmen und iu gegenwärtig noch unabsehbarer Zeit wird auch Frankreich dem undi»cutirbareu fait accompli eine» englischen Aegypten» gegenüber stehen, ohne diesen unfreundlichen Act seine» briti­schen Nachbar» tu einem europäischen Kriege zu ahnden.

Konstantinopel, 17. November. Auf Auratheu einer be­freundeten Großmacht hat nunmehr die Pfort.e doch eine Protestn otr gegen die Ernennung de» Prinzen Georg von Griechenland zum Gouverneur von Kreta au die Mächte abgesaudt.

Spanien und Nordamerika. Znm Abbruch der Berhaud- langen de» iu Pari» tagenden FriedeuS-Ausschusse» ist e» * nun doch noch nicht gekommen. Die Spanier legten eine! Denkschrift vor, welche die Suveränetät über die Philip- j pineu aufrecht erhalten, übrigen» die Auslegung de» auf diese bezüglichen Artikel» de» Friedensprotocoll» einem Schieds­richter Vorbehalten wissen will, Die nächste Sitzung findet Sonnabend statt. Inzwischen wird aus Washington außer 8 Flottenrüftnugen gemeldet, im KriegSdepartemevr der Ver­

einen aeroben1) Bazillus, welcher bet Thiereu ähnliche El- kraukungeo wie der vorher angeführte hervorruft. Ferner fanden Diphthertebaztllen Wright und Emerson im Fußboden­staube des Ciihhospital» tu Boston- ebenso verhält e» sich mit deu Tuberkelbazillen, welche, durch auSgehusteres, ver­trocknete» Sputum vielfach zerstreut, nicht selten gefunden wurden.

Solche Nachweisungen würden viel häufiger sein, wenn bei deu iu denselben Wohnungen fich wiederholenden gleichen Erscheinungsformen die Fehlböde« untersucht würden, leider aber geschieht solche» saft niemals.

Wie schon am Anfang unserer Betrachtung hervorgehoben wurde, dient der Frhlboden, wenn auch nicht al» Ber- mehruugs-, so doch al» Conservtrungsmaterial, und e» ist lct$t begreiflich, daß die durch da» Gehen hervorgerufene Erschütterung bei den älterru, undichten Dielungsarteu die feine Bertheilung de» inficirten Material» in Staubform ermügltcht und so die pathogenen Keime auf und in den Menschen gelangen.

. , r?E ,^kannter solche Thatsachen werden, desto mehr wird da» Publikum selbst gegen Verwendung alten, verunreinigten

^"bauten Verwahrung einlegeu, e» wird schließlich verlangen, daß das ganze Zwtscheodeckeumaterial durch Erhitzen keimfrei gemacht werde und praktische Dielung»- Methoden ein Feuchtwerden desselben unmöglich machen. Auf diese Weise werden wir einen großen Fortschritt iu der Gesunderhaltung unserer Wohnhäuser machen.

Bakterien, welche sich nur bei Sauerstoffzutrilt entwickeln.

t einigten Staaten zeigte fich in deu letzten Tagen eine leb- j hafte Thatigkeit zur Vorbereitung vou Truppen für deu überseeischen Dienst, wenigsten» hätten zehn Regimenter regulärer Truppen, die zum größten Theil nach dem cabauifcheu Feldzug in die nordwestlichen Staaten zurückkehrten, den Befehl erhalten, fich zum Dienste unter deu Tropen bereit zu halten.

Asten. Einiges Neue berichtet man brieflich au» China. Der Kaiser wird tu seinem Palast gefangen gehalten. In denwestlichen Gärten" befindet fich eine Insel, die früher durch eine Brücke mit dem Gestade verbunden war. Nach dieser Insel hat mau den unglücklichen jungen Monarchen geschafft. Die Brücke ist zerstört worden, und um dem Ge­fangenen das Essen zu bringen, wird eine Planke über da» Wasser gelegt, welche dann wieder weggezogen wird. Da» nächste Ergebniß, welches die Regierung der in den Händen der rückschrittlichen Maudschu-Clique befindlichen Kaiserin- Wittwe für da» Land haben wird, dürften Geldschwierigketteu sein. Die alte Frau ist habgierig und bi» zum Unsinn ver­schwenderisch. Sir hat namentlich die Bauwuth und hat für Ausbau und innere Einrichtung von Palästen schon Millionen verausgabt. Einen Theil ihrer Einnahmen hat sie oft Li-HungrTschanz zu verdanken gehabt. Wenn er nur irgend konnte, hat Li-Hung-Tschaug der Kaiseriu-Wittwe etwa» zu­gesteckt. So erklärt fich die, neuerding» freilich iu die Brüche gegangene große und standhafte Freundschaft zwischen den Beiden. Die Provinzen find au der Grenze ihrer Steuer- kraft angelaugt und in deu diplowattscheu Kreisen vou Peking glaubt man, daß die Einsetzung einer internationalen Finanz- Aufsicht in China bald, vielleicht schon im nächsten Frühjahr nothwendig werden wird. Die europäische Diplomatie in Peking hat betreffs der in bedrohlicher Haltung tu der Nahe der Hauptstadt anwesenden chinesischen Streitmacht endlich einen Erfolg davongetragen: die Truppen Kang.su» begannen vorgestern den Abmarsch. Fünf Regimenter find nach Tschi-tschau, da» 100 englische Meilen nordöstlich von Peking liegt, abgerückr und bedrohen daher die Eisenbahn nicht mehr.

totale» und provinzielle».

Gieße», 18. November 1898.

* Parade. Zur Feier de» Geburtstage» Seiner Königlichen Hoheit des Groß Herzogs und Ihrer König­lichen Hoheit der Frau Großherzogin findet Freitag den 25. d. Mts., 117, Uhr Vormittags, auf dem Hose der neuen Kaserne Parade statt. Im Anschluß au dieselbe spielt die Musik. Bon 11 Uhr Vormittag» ab steht der Zutritt znm Kaseruenhof allen Zuschauern frei.

* Aus dem Verwaltungsdienst. Durch Entschließung Großherzoglichm Ministerium» de» Innern vom 31. Oktober ist der Großherzogliche Regierungsassessor Lauer in Heppen­heim mit der Aus Hilfeleistung bei dem Großh. KreiSamt Benöheiw beauftragt worden.

* Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer­wehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 5. Oktober dem Mitgliede der Freiwilligen Feuerwehr zu Offendach, Julin» Zenker.

* * Kirchliche Dienstvachrichteu. lieber den Besitz der nach Art. 1 und 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1887, die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betreffend, zur Uebernahme eines Kirchenamtes notwendigen Eigen­schaften ist der Nachweis erbracht worden 1) bezüglich der Cavdrdaten der evangelischen Theologie: August Seriba au» Alteu'Buseck und Ludwig CH untre aus Bubenheim, 2) bezüglich der katholischen Geistlichen Joseph Schneider aus Hechtsheim, Carl Brunueugräber au» Albig und Carl Rauch aus Mainz.

Postuachricht. In Limburg a. d. Lahn ist am 14. November eine Stadt - Fernsprecheinrichtung eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bi» zur Dauer vou 3 Minuten zwischen Gießen und Lim­burg beträgt 25 Pfg.

Schuldienst - Nachrichten. Am 22. Oktober wurde der SchulamtsaSpirantm Amalie Friedmann au» Bausch­heim eine Lehrerinnenstelle an der Volksschule zu Daimstadt Übertragen- am 29. October wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach Erbach auf die 4. Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Erbach i. O. präsrntirte Schullehrer Leonhard Falter zu Lauterbach, au demselben Tage wurde der von dem Herrn Fürsten zu Löwenstein Wertheirn- Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wallbach, Kreis Erbach, präsentirte SchulamtSarpirant Carl Ludwig Heyl au» Kleiu-Umstadt sür diese Stelle bestätigt- am am 2. November wurde dem Schullehrer Peter Berk zu Erlenbach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Malcheu, Krei» Darmstadt, an demselben Tage wurde dem Schul­lehrer Franz Schwalb ach zu Aschbach rine Lehrerstelle an der kathol. Schule zu Hirschhorn, Kreis Heppenheim, über­tragen.

Erledigte Lehrerstellen. Erledigt find: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Grmeindeschule zu Walldorf, Krei» Groß-Gerau. Drei mit evangelischen Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Volksschule zu Wvrm». Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindcschule zu Mörfelden, Kreis G. Gerau. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschnle zu Neu- Isenburg, Kreis Offenbach. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kaulstoß,, Krei» Schot!en. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Jugenheim, KrerS Bensheim. Mit der Stelle ist Organisten­dienst verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Helpershain, Kreis Schotten. Mit der Stelle ist Organisten- und

Lectoreadienst verbunden. Die mit einem evangelische« Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Unter* Seibertenrod, Kreis Schotten. Mit der Stelle ist Organisten- und Lectorendtenst verbunden. Die mit einem evangelische« Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu HöckerSdorf, Kreis Schotten. Mit der Stille ist Organisten- und Lectorendienst verbunden. Sämmtlich mit dem gesetz­lichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt.

* Der 7. Sladtetag für das Großherzogthum Hesse« findet am 12. December in Offenbach statt mit nachfolgender Tages­ordnung : 1) Mittheilungen über die Ergebnisse der Verhand­lungen de» 6. Städtetag». Oberbürgermeister Momeweg, Darmstadt. 2) Gesuch der Stadt Bensheim um Zulassung zum Städtetag. 3) Die GehaltSverhältniffe der Bolksichul« lehrer. Berichterstatter: Oberbürgermeister Guauth, Gießen» Mitberichterstatter: Beigeordneter Dr. Kahler, WormS. 4) An­trag des Stadtverordneten Heile» zu Offenbach, die Ueber­nahme und Ausführung von Privatarbeiten und Lieferungen Seiten» städtischer Betriebe und Anstalten betr. 5) Antrag de» Stadtverordneten Heiles zu Offenbach, die Milderung oder Aufhebung der Grenzsperre betr. 6) Bestimmung der Vorort» für den nächsten Städtetag. Namentlich find e» die Punkte 3, 4 und 5, welche lebhafte» Interesse in den be- theiligten Kreisen Hervorrufen.

♦♦Pr. Der Saalbau-Vereiu hat in diesem Jahr die Kammermusik-Coucerte, mit denen er fich bei seiner Gründung so erfolgreich einführte, fallen lassen und durch andere Aufführungen ersetzt. Wenn auch diese Thatsache im Interesse dieser vornehmen Kunstgattung und ihrer Verehrer lebhaft zu bedauern ist, denn e» hat fast den Anschein, als ob regelmäßige Chklen solcher Covcerte in Gießen überhaupt nicht zu halten seien, so muß doch zugestanden werden, daß der Vorstand sichtlich bemüht ist, die Darbietungen diese» Jahre» auf gleich künstlerischer Höhe wie bisher zu halten» Da» gestrige e«ste Concert dieser Saison vermittelte un» die Bekanntschaft der jugendlichen Violinvirtuosta Fräulein, Theresa Verse! au» Frankfurt a. M., einer talentvollen Schülerin Heermann», die zwar noch nicht völlig auf bet Höhe künstlerischer Reife steht, die fich aber gestern durch ihr gediegene» Spiel viele Sympathien hier erworben hat und wohl im Staude sein wird, dereinst eine hervorragende Stellung unter ihren Colleginnen einzunehmen. Alle ihre Darbietungen ließen eifriges Studium erkennen, und dem entsprechend erntete die junge Künstlerin sowohl nach der Jutrodnction und dem Adagio desv-woU-ConcerteS von Vieux- ternps wie nach dem Adagio von Biotti und dem Bravour- stückchenLa fileuse* von Hubay reichen Beifall. Den ge­sanglichen The:! hatte unser geschätzter Landsmann Han» Buff-Gießen, momentan Mitglied der königlichen Oper in Dresden, übernommen, über den wir schon mehrfach an dieser Stelle zu berichten hatten und von dem wir auch heute wieder gern erzählen, daß er die hiesigen Musikfreunde hoch entzückt hat. Sein weicher, leicht ansprechender Tenor ent­behrt zwar in der Tiefe der Kraft, zeigt aber in der Höhe eine große Ausgiebigkeit und strahlenden Glanz, die unsere» Erachten» sich gegen früher noch gesteigert haben. Die ver­schiedenen Lieder von Beethoven, Brahm», Schubert, Rubin­stein, Lassen u. s. w. fanden rauschenden Beifall, sodaß der Künstler fich zu zwei Zugaben verstehen mußte. Bei aller Anerkennung seiner Leistungen können wir uns indessen der Anficht nicht verschließen, daß Herr Buff manchmal bei größerer Berücksichtigung der Deklamation und der Aussprache noch bedeutendere Erfolge erzielen wird. Die Klavierbegleitung hatte Herr Univerfitäts-Mufikdirector Trautmann Über­nommen, und wir berichten nicht» Neue», wenn wir melden, daß er dieselbe in bekannter vorzüglicher Weise durchführte-

* Die zweite Vorstellung de» Theatervereins brachte un» eine Neuheit, Thilo» vou Trotha Hofguuft. Da» Stück ge­hört zu deu vielen dilettantischen Erzeugnissen ohne tiefer« Gehalt, die lediglich den Zweck verfolgen, den Zuschauer zu unterhalten. Wer möchte da so pedantisch fein, einen strengen Maßstab anzulegen! Man läßt schon von selbst seine etwaigen ästhetischen Bedürfnisse hübsch zu Hause. Der Bersasser hat allerdings nicht die Fähigkeit, lebensvolle Gestalten zu schassen- auch dir Kunst de» Motiviren» liegt ihm einigermaßen fern, auf eine Reihe Unwahrscheinlichkeiten kommt e» ihm gar nicht an, aber dafür entschädigt ein so wirksames Thema, wie e» der Gegensatz zwischen konventioneller Gesellschaft und Natür­lichkeit ist, besonder» wenn er fich auch noch im Hofleben zeigt, das man dann im Lichte einer loyalen Satire bar= stellen kann. Und dabei ist, was Trotha unter Natürlichkeit versteht, so amüsant. Seine Heldin plaudert und benimmt fich so reizend in dem geschmackvollen Ton einer gewisse« männlichen Jugend, wie man ihn auch in bea Romanen einer berühmten Schriftstellerin findet, die ebenfalls großen Beifall hat. Man könnte e» daher beklagen, daß die Baronesse Btcky von Hohenstein, vom Lande an den Hof versetzt, ihr natürliches Wesen etwa» bet Seite läßt und fich leidlich correct benimmt, weil fie über ihre Gegner, die ihr so etwas nicht zutrauen, triumphiren möchte- ja, fie entpuppt fich sogar al» gewiegte Diplomatin und Intrigantin. Aber durch ihre Künste erweist fie ihrem Lande einen großen Dienst, indem fie die Ehe zwischen dem Fürsten und der Prinzeß Elisabeth stiftet- Dadurch gerüth fie allerdings in den Verdacht, selbst die Ge­liebte de» Fürsten zu sein. Aber Alles klärt fich schließlich zur Zufriedenheit auf, und damit kein Mlßton bleibt, nimmt Btcky noch rasch den Flügeladjutanten, dem sie Anfangs einen Korb gegeben hatte. Der Erfolg des Lustspiels hängt von der Darstellerin der Hauptrolle ab. In Fräulein Anna Walther vorn Hoftheater in Darmstadt lernten wir eine Schauspielerin kennen, die e» versteht, durch ihr liebens­würdige» und frische» Spiel den Glauben zu erwecken, al» habe die Heldin de» Stückes wirklich diese Eigenschaften. Mau konnte seine ungetrübte Freude haben an ihrer natür­lichen, von Uebertreibungen fich fernhaltenden Art, die den Beifall verdiente, den fie fand. Frl. Walther ist e» wesentlich zu danken, baß fich ein großer Theil de» zahlreichen Publt- u tum» offenbar vortrefflich unterhielt trotz einiger ermüdenden

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