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Nr. (93 Zweites Blatt.
Freilag den 19. August
1808
frtteUt Hflfi4 Bit LuSnabmk btt Wonlags.
Die Gikßnirr frewHUeiUltex Werden dem Anzeiger Wöchentlich viermal bdfdeft.
Gießener Anzeiger
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Aintlicher» Tbeil.
Nachstehende Bekanntmachung de» H. Vorsitzenden der Local-Commission für die Bezirk-thierschau in Hungen wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Gießen, den 12. August 1898.
Der Direktor de» landwitthschaftlichen Bezirk-verein» Gießen.
C. Jost.
Oefientliche Bekanntmachung.
Die Abhaltung von Körbezirksthierfchauen in Oberhefseu betreffend.
Nach den Beschlüffen de» hessischen Landwirthschaft-rathe» und des Oberhessischen Provinzialverein» über die Verwendung von (Staatsmitteln zur Hebung der Landwirthschaft hat noch im Herbste diese» Jahre» für den 2. Körbezirk. umfaffend die Sirnmenthaler Rindvieh züchtenden Ott»schasten de» Kreises Gießen, eine Bezirk-thierschau in Hungen stattzufinden. Zu derselben und der mit ihr verbundenen Prämiirung werben nur Thiere der Sirnmenthaler Rasse zugelaffen, ohne Rücksicht darauf, ob dieselben in da» Herdbuch eingetragen find ober nicht. Die prämiirten Thiere jedoch müssen angekört und In da» Herdbuch eingetragen werden. An Preisen werden ausgesetzt:
Prämiiruugs-Orduung für Rindvieh.
1. Bullen ohne Schaufeln (bleibende Schneidezähne)
ein 1. Prel».....120 Mk.
ein 2. Preis.....90 „
ein 3. Preis.....60 „
2. Kühe mit 3 und 4 Kälbern, in Milch, oder erkennbar tragend
ein 1. Preis.....100 w
ein 2. Preis.....75 „
ein 3. Preis.....50 „
Kühe mit ein und zwei Kälbern, in Milch, ober erkennbar tragend
ein 1. Preis.....100 „
ein 2. Preis.....75 „
ein 3. Preis.....50 „
3. Kalbinnen erkennbar tragend ein 1. Preis.....100 Mk.
ein 2. Preis.....75 „
zwei 3. Preise L 50 Mk. . . . 100 „
4. Sammlungen.
a. Große Sammlungen (von Zuchtvereinigungen oder Landwirthen im Besitz von 30 ober mehr Stück Rinbvieh) bestehend aus mindestens 10 Stück über 1 Jahr alten weiblichen Thieren (darunter höchstens 5 Kühe) und einem reinrassigen Bullen
ein 1. Preis..... 500 „
b. kleinere Sammlungen von Landwirthen, die weniger wie 30 Stück Vieh im Stalle haben, bestehend in 6 Stück über ein Jahr alten weiblichen Thieren (darunter höchstens 3 Kühe)
Gesammtpreis..... 350 ,
c. Familien, bestehend aus einem Mutterthier und mindestens 2 von diesen stammenden über ein Jahr alten weiblichen Thieren
ein 1. Preis.....150 n
5. 10 Anerkennungen, Weggelb ä 10 Mk. . . 100 „
Summe bet Preise . . 2245 Mk.
Prämiiruugs-Orduung für Schweine.
Es werden folgende Preise ausgesetzt für:
A. Reinrassige Schweine des weißen englischen Schlag» (Yorkshires rc.) 1. Eber:
ein 1. Preis. . . .60 Mk.
zwei 2. Preise ä 40 Mk. . 80 „
zwei 3. Preise ä 20 Mk. . 40 „
180 Mk.
2. Sauen, trächtig ober mit Ferkeln:
ein 1. Preis . . . .45 Mk.
ein 2. Preis . . . . 30 „
ein 3. Preis. . . . 15 „
90 Mk.
5 Anerkennungen mit ä 5 Mk.
Weggelb 25 „
Feuilleton.
ßmnflnfjung des Wetters durch die Weuschheit.
Von Dr. R. Gross.
(Nachdruck verboten.)
Alle Versuche der Menschheit, dirrct künstlich auf daS Selter cmzuwtikea, find vollständig gescheitert, aber indireet hat die Menschheit aus dafielbe eingewirkl, fie hat e» verschlechtert. Diese Verschlechterung der Witterung datirt seit dem großin wirthschaftlichea Aufschwung, der mit dem Beginn der zweiten Hälfte unsere» Jahrhundert» eingetreten ist. Aber keine Mitteltrmperatur, kein Niederschlag oder sanft ein meteorologische» Element hat fich in einem bestimmten Sinne geändert und dennoch Haden fich die Gegensätze in der Atmosphäre in gewifier Hinsicht verstärkt. Diese» erkennt man vor Allem an der Zunahme der Gewitter, die ja al» Ausgleicher der Gxrreme wirken.
Die fortwährende Steigerung der Zahl der Gewitter hat insbesondere Kaffner, der Director der Provinztal-Feuer- Societät der Provinz Sachsen, durch seine intereffante Zu- ammenstrllung uachgewtesen, die er den Angaben und Aufzeichnungen der Verstcherung»gesellschaften von ganz Mittel- vemichland entnahm- Nach dieser sorgsamen Ausstellung ist 'm Zeiträume von 1864—1889 die Zahl der Blitzschläge um mehr al» da» Doppelte gestiegen, nämlich um 129 pCt.
Merkwürdig ist bei dieser Vermehrung die Thatsache, :a§ sich nicht die zündenden starker vermehrt haben, sondern He sogenannten kalten Schlage. Man erklärt fich diesen 8t die Menschheit nicht unangenehmen Umstand darau», daß :ei harter Bedachung der Häuser, also durch Ziegel oder Schieser, weniger zündende Blitzschläge Vorkommen, al» bei veichgedeckten, durch Stroh ober Schilf. Darum von Jahr zu Jahr d e Zahl der zündenden Blitze relativ fich vermindert.
Da fich die Zunahme der Gewitter besonder» in industrie- reichen Gegenden, wie e» Sachsen beispielsweise ist, zeigt, so ist e» wohl keinem Zweifel unterworfen, daß diese 8er- »ehrung eine Folge der durch die JndustrirthStigkeit erzeugten Staub- und Rauchmengen ist. Die Rolle, welche der
atmosphärische Staub bei der Loudeusation de» Wasserdampfe» in der Luft fpielt, ist bekannt- ebenso übt er auch einen gewiffen Einfluß auf die Electricitatseotwickelung in der Atmosphäre auf. Leider ist mit der Gewitterhäufigkeit auch die Hagelgefahr gestiegen. Eine genaue Statistik hat nachgewiesen, daß fich in gewiffen Gegenden die Zahl der verhagelten Flächen auch beinahe verdoppelt hat. Sonach erwächst der Landwirthschaft durch die Nähe der industriellen Thätig- feit ein nicht unbedeutender Schaden, der freilich durch den beffeien und vortheilhaftereu Absatz ihrer Producte und durch andere günstige Umstände, wie Preissteigerung der Grundstücke, wieder ausgeglichen wird.
Wie groß die Veränderung in der Zusammensetzung der attnosphärischeu Luft durch industrielle Betriebe werden kann, dafür bietet die Londoner Luft ein schlagende» Beispiel.
Man hat die Wirkung der Stadtnebel auf London eingehend untersucht und folgende Steigerung der Wivteroebel ermittelt: Im Jahre 1870—75 betrug die Zahl der Nebel 93, im Jahre 1876-80 bereit» 121 und 1886-90 sogar 156. Diese Nebel, die an Zahl stetig zugenommen haben, find nicht etwa reine, weiße Nebel, wie man fie sonst auf dem Lande oder auf dem Meere findet, sondern dunkle, fast schwarze Nebel, denen eine große Menge Staub und sonstiger Unrein- lichkeiten beigemengt ist. Die Hauptbefiandtheile de» sesteu Niederschlage», den dieser Nebel zurückläßt, find Kohlenstaub, Mineralsubstanzen, Pflanzenreste, Schwefel- und Kohlensäure u. s. w. Allein die Schwefelsäure macht bei einem dreitägigen Nebel pro englische Quadratmeile etwa anderthalb Eemner au». Daß darunter die Gesundheit leiden und schließlich daS Pflanzenleben vollständig eiugehen muß, daS liegt auf der Hand- e» unterliegt auch keinem Zweifel, daß, wenn die Nebelplage in London in gleicher Weise wie von 1880—90 wächst, schließlich in der Nähe von London jede Oartencultut aufhören muß.
Auf den Gesundheit»zustand wirken diese schmutzigen Nebel ersten» deßhalb nachthellig, well fie die AthmungSorganr mit der Zeit angreifen und vernichten und zweiten» deßhalb, weil durch Rauch und Nebel gerade die chemisch wirksamen Sonnenstrahlen, die Reiniger der Luft und die Zerstörer der
B. Kreuzungen mit obigen Schlägen:
Sauen, trächtig ober mit Ferkeln:
ein 1. Preis. . .45 Mk.
ein 2. Preis. . . . 30 „
ein 3. Preis. . . . 15 „
90 Mk.
4 Anerkennungen mit ä 5 Mk. Weggelb 20 n
C. Lanbfchweine:
Eber:
ein 1. Preis . . . .45 Mk.
Sauen, trächtig ober mit Ferkeln:
ein 1. Preis. . . . 30 „
4Anerkennungen mit ä 5Mk.Weggelb 20 „
95 Mk.
D. (Sammlungen aus A.:
1 kleine (von Lanbwirthen mit weniger als 5 Zuchtsauen) be- ftehenb aus einem Eber unb vier Sauen über 6 Monate alt:
ein 1. Preis. . . . 100 Mk.
ein 2. Preis. . . . 50 „
150 Mk.
2 große (von Lanbwirthen unb Zuchtvereinigungen mit mehr als
5 Zuchtsauen) bestehend aus zwei Ebern unb sechs Sauen über sechs Monate alt:
ein 1. Preis. . . j 150 Mk.
Summa 800 Mk.
Für bie Durchführung gilt bis vom Lanbwirthschaftsrath erlassene Allgemeine Schweineschau Ordnung.
Prämiiruugs-Qrduuug für Ziegen.
Es roerben folgende Preise ausgesetzt:
1. Für Böcke:
Ein 1. Preis......30 Mk.
Ein 2. Preis......20 ,,
Ein 3. Preis......10 „
60 HJlt.
Bacillen, ,am meisten zurückgehalten und so wirkungslos gemacht werden.
In welchem Grade da» Sonnenlicht an nebeligen Tagen in London abgehalten wird, geht au» dem Mehrgebrauch von Ga» hervor, indem an einem solchen Tage für rund 60,000 Mk. (3000 Pfund Sterling) mehr verbrannt wird al» sonst.
Diese Zunahme der ungesunden Nebel Über London wird leicht erklärlich, wenn man die Rauchmafien in Betracht zieht, welche durch bie Fabrikschomsteine in die Atmosphäre befördert werden. Man braucht nur den Kohlverbrauch London» zu betrachten, um fich ein klare» Bild zu machen. Im Jahre 1875 betrug der Kohlenverbrauch in London allein rund 5 Millionen Tonnen, im Jahre 1885 schon Über 7 Millionen Können; eine Tonne ist gleich 1000 Kilogramm oder 20 Centn».
Eine weitere, meist ungewollte Beeinflufsnng der Witterung durch die Menschheit tritt durch die Entwaldungen in die Er- scheinungen. Man hat lange darüber gestritten, ob der Wald Einfluß auf da» Klima auSübe. Man hat jetzt durch zahl- reiche Versuche nachgewiesen, daß dem so ist.
Aus der Lüneburger Heide wurden beispie!»weise seit 1878 bei Tintzel 3512 Heetar aufgesorstet. Im Verhältniß zu den Stationen der Umgebung hat nun der Niederschlag in Tintzel seit der Aufforstung gleichmäßig zugenommen und den Bittet» erbracht, daß die Entwaldungen den Erdboden umttanbtln, inbtm fie ein raschere» Abfließen ber Niederschläge unb Ueberschwemmung»gefahr verursachen.
Walbreiche Gegenden haben einen kühleren Sommer und einen wärmeren Winter, auch find die täglichen Schwankungen der Temperatur im Walde geringer, weil der Wald die nächtliche Strahlung be» Boden» wie der Blätter so regelt, daß die Über dem Waldboden ruhenden Schichten wärmer bleiben al« die über kahlem Boden, Feld oder Wiese. Der stetige Aufenthalt im Walde selbst ist nicht so sehr empfehlen»- werth der Feuchtigkeit wegen, aber in der Nähe einer großen Waldung zu wohnen ist der Gesundheit höchst zuträglich.


