„Raleigh", „McCulloch", „Boston", „Monterey", „Charleston" und „Baltimore". Die Spanier behaupten, die Geschosse von den Kriegsschiffen seien nicht bi« zur Stadt gelangt, nur die eines kleinen, nahe dem Ufer liegenden Kanonenboots (Prtral"?), welches aus Schnellfeuergeschützrv schoß, trugen so wett. Die Beschießung dauerte zwei Stunden, sodann machten die Amerikaner einen Sturm auf die Verschanzungen. Die Spanier, welche keinen Widerstand versuchten, mußten sich auf die zweite VerthetdtguugSliuie und daun in die tunere Stadt (JutramuroS) zurückzieheo. Die Spanier hatten in den Verschanzungen nur dreitausend Mann, die Amerikaner 10000, und zwar bester bewaffnet uud viel bester genährt. Doch stad die Verluste auf amerikanischer Seite infolge der guten Anlage der Verschalungen erhebliche. Die spanischen Verschanzungen rings um die Stadt hatten eine Ausdehnung von zehn Meilen. Es war unmöglich, eine so ausgedehnte VertheidtgungSlinie mit so geringer Streitmacht zu halten. Als der spanische Commandaut die Unmöglichkeit eines Widerstandes erkannte, hißte er die Parlamentärflagge und ergab sich. Die Unterhandlungen wurden durch den belgischen Consul gesührt. Die Fort- find zerstört, während in der Stadt wenig Beschädigungen zu verzeichnen find, da Admiral Dewey und General Merritt Befehle gaben, alle Baulichkeiten, mit Ausnahme der VertheidigungSwerke, zu schonen. In den Straßen Manilas fanden Kämpfe zwischen Spaniern und Insurgenten statt, doch stellten die Amerikaner schnell die Ordnung her. — Der bisherige Geueralgouverueur General Augustin war mit seiner Familie vorher auf den deutschen Kreuzer „Kaiserin Augusta" gebracht worden. Er erklärte zwar, er habe nicht gewußt, daß die „Kaiserin Augusta" nach Hongkong segeln würde. Mau habe ihm gesagt, eine Barkasse erwarte ihn, in diese sei er hinetngegangen. Als er auf dem Schiff angekommen war, sei es abgedampft. Man glaubt jedoch, daß die Sache verabredet war. So wird aus englisch-amerikanischer Quelle berichtet. Eine offenbar halbamtliche Mittheilung der „Nordd. Allg. Ztg.", welche erwähnt, daß die „Kaiserin Augusta" den General Augustin mit Familie nach Hongkong gebracht hat, nimmt an, daß die „Kaiserin Augusta" Manila erst verlosten hat, nachdem die Stadt übergeben war, und daß nach der Uebergabe die spanischen Offiziere in Freiheit belasten waren. Demzufolge hatte fich auch General Augusttu hin- begeben, wohin er wollte. Wenn Admiral v. DiederichL dem General die Erlaubniß gab, auf der „Kaiserin Augusta" nach Hongkong zu fahren, fo hat er dies sicher nur im Ein- verstäudutß mit dem amerikanischen Oberbefehlshaber gethan, falls er ein solches Etuverständuiß überhaupt noch sür uöthig hielt. — Der amerikanische Consul tu Hongkong, Wtldmann, erhielt angeblich die Mittheilung, Dewey beabfichtigte nach der Einnahme Manilas Kriegsschiffe nach Jlo-Jlo und Cebu behufs Einnahme dieser Inseln und nach Port Royalist behufs Eroberung der sich dort verbergenden spanischen Kanonenboote zu schicken. Falls die Schiffe schon abgegangen seien, könnten sie nicht mehr zurückberufen werden.
CocaUs und provinzielle».
Gießen, den 18. August 1898.
** Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Groß Herzogs den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr zu Mühlheim: Phil. Engelhardt, Conrad Peter Kaiser, Heinrich Kaiser I., Adam Seelmaun III., Adam Joseph Dudtue II., KaSpar Krebs I., Andrea- Zahn, Peter Anton Faller VI., sowie den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr zu Grün- berg: Christoph Christ, Conrad Feldmann, Conrad Groh, Christoph HaaS, Carl Haas, Carl Hammel, Conrad Heerz, Georg Kurtz, Friedrich Schröder, Georg Setffert II., Carl Sigfried, Carl Trtnkau-, Georg Von-Ei ff.
*♦ Die Grotzh. Ceutralstelle für die Gewerbe hat neuerdings die berheiligteu industriellen Kreise darauf aufmerksam gemacht, daß die vom Kaiserlichen Gouverneur auS Kamerun nach Deutschland gesandte Mustersammlung der in Kamerun gangbaren Handelsartikel im Laufe des Monat- August auf kurze Zeit im Dienstgebäade der Centralstelle zu Darmstadt zu unentgeltlicher Besichtigung ausgestellt wird. Bon Gegenständen dtefer Mustersammlung dürften den einheimischen Industriellen insbesondere die Gewebeproben, darunter fertige Zeuge zu Anzügen, seidene Tücher, Kopf-, HalS« und Umschlagetücher, Fraueuzeuge, sowie mit Flanell gefütterte Zeuge, sodann aber auch die Schmuckgegeustäude eine erwünschte Anregung bieten.
Am Freibad wurden gestern Abend einem jungen Manne ein Paar Stiefel gestohlen. Der Dieb ließ seine alten Stiefel am Thatorte zurück.
** Ortsgewerbevereiue. Im Großherzogthum bestehen gegenwärtig 86 Ort-gewerbevereine mit 7540 Mit» gliedern. Davon entfallen auf Starkenburg 50 Vereine mit 4133 Mitgliedern, auf Oberhessen 23 Vereine mit 1664 Mitgliedern und auf Rheinhessen 13 Vereine mit 1743 Mitgliedern. — Dem Laude-gewerbeveretu gehören 7608 Mitglieder an, von denen 83 pCt. Fabrikanten und Gewerbetreibende nud 62 pCt. ausschließlich Handwerker sind. In 13 erweiterten Handwerker-, Kunstgewerbe- uud Fachschulen werden 1412 Schüler von 120 Lehrern unterrichtet. Die 90 Zetchaenschulen umfassen 6344 Schüler mit 199 Lehrern uud 396 Borschüleru, und die 40 gewerblichen Fortbildungsschulen haben 1857 Schüler und 86 Lehrer.
•• Die Sicherung des Eigenthums gegen Eiabruchsdiebstahl. Angesicht- der immer häufiger werdenden Fälle von Etgeu- thumSvergehen dürfte es gewiß von allgemeinem Interesse sein, einmal die Frage zu erörtern: Reicht der öffentliche Schutz, reichen meine privaten Vorkehrungen dagegen aus? Diese Frage muß verneint werden- denn die Erfahrung zeigt, daß die Diebe jegliche Hindernisse schlau zu überwinden verstehen. Da- Gesetz bestraft den Thäter, wenn e- ihn er
langt, das Eigenthum ersetzt er dagegm nicht, und e- ist wohl in den meisten Fällen verloren. Den Schaden und Verlust au seinem Eigenthum muß der Bitroffene selbst tragen. Da hilft eine Police, durch welche die Frankfurter Transport», Unfall- und GlaS-BerficherungS-Actien-Sesellschaft in Frankfurt a. M. in einer feststehenden Form Berficheruug gegen EtnbruchSdtebstahl gewährt. Die Gesellchaft verlangt nicht den üblichen Antrag mit seinen vielen fragen uud dem lästig empfundenen Eindringen in alle Prtvaverhältutffe, sondern eine fertige Police, Über eine Berficherungtsumme von 6000 Mk. lautend, welche auf die verschiedenen Kaegorieu der im Haushalt befindlichen Gegenstände und Werye: Mobiliar, Kleider, Wäsche, Betten, Gold- und Silbersaheu, Sparkassenbücher, Werthpapiere, baareS Geld rc. vertheilt st und zu einer Jahres- prämie von 6 Mk. an jeden Hau-Hilt im Werth bis zu 8000 Mk. abgegeben wird. Die Gebllschaft kommt tu voller Höhe des Schadens bis zur Grenze dergedachteu BerficheruugS- summe auf. Auch die Gegenstände ruf dem Boden und im Keller find etngeschloffeu, also betspitSweise auch die Wäsche, welche die HauSsrau zum Trocknen auf den Boden hängt, wie ihre Kohlen und andere HauSdltSvorräthe im Keller. Nicht nur für den Verlust au Gerenständen, sondern auch für die Beschädigung solcher wird Yrsatz geleistet. AlS Einbruch erkennt die Gesellschaft auch >a- Oeffnen mit falschen Schlüsseln oder Dietrichen, auch d,S Etnschleichen uud den unter dem Schutz der Nacht au-geührteu Diebstahl au. Die Bedingungen zeichnen fich durch Kirze uud klare Fassung aus. Die Gesellschaft hat auch eine HaiShalrSpoltce gleicher Form über eine Versicherungssumme vm 10000 Mark zu einer Jahresprämie von 10 Mark herg<ftellt, welche alle Haushalte 1u einem Werthe bis zu 15000 Nark nehmen köuuen. Die kleine Ausgabe wird Niemand cheuen, um fich damit bet Abwesenheit vom Hause die Bewhigung zu verschaffen, sein Eigenthum gesichert zu haben, mb da- erscheint heute fast ebenso uöthig al- die Verfichermg gegen FeuerSgefahr.
*» Wetterbericht. Unter der Herrschaft de- hohen Drucke- besteht zwar noch au dem europäischen Festlaude ruhige- und warme- Wetter bei wolkenlosem Himmel, doch ist die Lustdruckoertheiluog eiw ziemlich unregelmäßige. Dabarometrische Maximum weit mehrere schwache Kerne im äußersten Nordwesteu und Sidosten de- Erdtheil-, sowie ein kleinere- über dem Süden Sayern- auf. Dazwischrn find verschiedene Thetlmiuima eugcbettet. So liegt ein- im Norden de- bosnischen Merbuseu», ein zweite- über den dänischen Inseln, ein drittes und vierte- über der Bretagne, bezw. dem Südwesten Frank-eichS. Endlich bedeckt noch etue Theildepresfiov die Westhälsr Italien- mit dem ihrrheutscheu Meere uud Sielten. Bet iteser Wetterlage ist dte Neigung zu Gewittern eine große geworden. — Vorau-sichtliche Witterung: Im Allgemeinen heiter uud warm, aber zu Gewittern geneigt.
Butzbach, 18. August Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog uud die Großherzogin von Hessen werden morgen, Freitag den 19. August, Nachmittag- 2 Uhr 23 Miu. zum Besvche der AuSstelluug hier etuir.ffen. Die ob diese- Zeichen- bei Wohlwollen- hocherfreute Bürger- schäft Butzbachs rüstet ficj zum würdigen Empfange de- geliebten LaudeSherru uud einer erlauchten Gemahlin.
Orteuberg, 16. Augtft. Nufer ueugewählter Bürger- meister, Herr Frtedrth Hebbel I., wurde heute durch Herrn Geh. Regteruug-:ath Klietfch auS Büdingen in fein Amt eiugeführt. Bis zrletzt hatte unser bisheriger Bürgermeister, Herr Roth, ter auf eine 30jährtge erfolgreiche Thätigkeit zurückblickt, urgeachtet schweren körperlichen Leiden- seine- Amte- gewaltet, iiu Beispiel treuester Pfltchtersüllung.
An» der Zeit ffir die Zeit.
Vor 118 Jahren, am 19. August 1780, wurde zu Paris der freisinnige Liederdichter Pierre Jean Beranger geboren. Bekannt mit den Gefühlen und Stimmungen des Volkes, traf er in seinm Gedichten den natürlichen einfachen Ton, der zu Herzen (ing, well er von Herzen kam. Die außerordentliche Theilmhme bei seiner Beerdigung gab den Beweis, daß ihm die Volksgunst bis zum letzten Augenblick treu geblieben. Er stach am 16. Juli 1857 in seiner Vaterstadt.
Vermischte».
e Braunschweig, 17. August. In Rautheim bet Braunschweig verdrrunte, wie dte „Braunschw. Neuesten Nachrichten" melden, der 72 Jahre alte Friedrich Staub - m et st er auf freier Straße. Das Feuer war dadurch entstanden, daß der Verunglückte eine brennende Cigarre in dte Tasche gesteckt hatte.
♦ Die dleljahnxe Obsternte ist nach den soeben erschienenen „Pomoiog. Mrnatsh." im Allgemeinen höchsten- etue mittlere zu nenuee und zwar gilt die-sowohl von Aepfeln uud Birnen, al- auch von Zwetschen und Pflaumen. Madie Kernobsterute betrifft, so stehen Gegenden mit theilweise mittelguten Aussichten, wie Württemberg, Bayern, Königreich Sachsen, Schlesier, Brandenburg, Pommern, Oldenburg, Provinz Sachsen, sllche mit geringen bi-mittleren Aussichten, wie Baden, Pfalz, Anhalt, Mecklenburg, Großherzogthum Heffen, Ost- und Destpreußen, Schleswig-Holstein, Hannover, Thüringen, Westsalev, Rhetoprovtvz, Hessen Nassau, Elsaß- Lothringen, gegenüber. Für Aepfel find leidliche Autfichteu in Württemberg, Königreich Sachsen, Oldenburg, Schlesien, Brandenburg, Pommern, Provinz Sachsen- für Birnen allein in Bayern. Die Ernteauksichten für Pflaumen uud Zwetschen bleiben quantitativ noch wett hinter denen der Aepfelervte zurück. Am besten steht e- tu der Pfalz, tu Baden und tm Großherzogthum Hessen- weniger gute Ernten haben voraus- I sichtlich Württemberg, Bayern, Königreich uud Provinz Sachsen, Ostpreußen, Posen, während tu den übrigen Gegenden nennens- werthe Erträge voraussichtlich nicht erzielt werden. Fehl-
ernten in allen Obstsorten sind zu erwarten in den beiden Mecklenburg, in Hannover uud Braunschweig.
• Reicher Ktudeesegeu. Die Frau eine- Danziger Fabrikanten beschenkte kürzlich ihren Gatten mit dem 27. Kinde, welche- ebenso wie seine voraugegaogene Geschwister« schaar «unter uud krästig da- Licht der Welt erblickte. Wohl recht selten aber ist e- der Fall, wie hier, daß sämmtliche Kinder, unter denen fich auch mehrere Zwilltug-pärcheu befinden, am Leben geblieben und zum Theil schon selbst glückliche Familienväter bezw. Mütter find.
* Ueber das Grützen der Damen veröffentlicht Hermann Hei berg in der „Jugend" eine hübsche Plauderet, der wir nachstehende beherzigenswerthe Stellen entnehmen. Unter bm civilisirten Völkern zeichnen sich die Engländer durch die vornehmste Auffassung des Grußes aus. Nicht der Herr, sondern die Dame neigt bei Begegnungen auf der Straße zuerst das Haupt. Sie zeigt, wen sie ihres Grußes werth erachtet. Ihr Gruß vermag einem empfänglichen Menschen einen frohen Tag zu verschaffen, während deutsche Damen durch ihr steife« Kopfnicken und die ausdruckslose Miene an dem Vorhandensein jeglichen Anstandssinns verzweifeln lassen, von Herzens- ltebenrwürdigkeit nicht zu reden. Es giebt sogar deutsche Damen, die es in ihrer strafwürdigen Prüderie als eine unerlaubte Zuvorkommenheit betrachten, einen Herrn überhaupt zu beachten, ihm einen Blick zu gönnen, wenn er, durch irgend eine Zufälligkeit abgelenkt, sie nicht gleich beachtet. Sie schreiten vorüber, als ob sie sich fern auf einem Boulevard unter fremden Völkern befänden. Man lehrt sie als Kinder gar Vieles, aber vergißt ihnen zu sagen, daß der Grub zur Lebensart gehöre, daß sich eine Frau eines ihrer höchsten Reize begiebt, wenn sie diese Höflichkeitssorm vernachlässigt. Wenn die Damen ahnten, welchen Eindruck es hervorruft, wenn der Kopf auf den Schultern sitzen bleibt, als sei der Nackenmuskel von Holz, die Miene unveränderlich, als sei es kein Fleisch und Blut, sondern eine Maske, sie würden schon aus weiblicher Eitelkeit ihr Ich dressiren. Manche führen sogar eine Doppelmaske; für eine Secunde legt sich in das Gesicht ein lächelnder Ausdruck, in der nächsten ist's wieder unbeweglich marmorn. Zum Gruß gehört die Miene. Das Hutabziehen ist nur ein begleitender Act bei den Männern und im Grunde etwas höchst Heber- flüssiges.
* ßismarckia nobilis. Die beschreibenden Naturwissenschaften haben weder Orden zu verleihen, noch Titel zu vergeben, aber sie vermögen die Namen bedeutender Forscher oder hervorragender Persönlichkeiten für alle Zeit hoch zu ehren, indem sie diese Namen an nruentdeckte Pflanzen- oder Thierarten knüpfen: entweder an einzelne neue Formen oder als höchste Auszeichnungen an eine neue Gattung, einen ganzen Artenkreis. So ist z. B. der Name Wellington in den Mammutkiefern Nordamerikas verewigt, die Königin von England in der Victoria regia, Goethe in einer Malvengattung Goethea u. f. w. Dabei sind es durchaus nicht immer stolze, ins Auge fallende Pflanzen, denen der Name hervorragender Geister gewidmet ist; der Name des Altmeisters der Botanik Karl von Sinne z. B ist geknüpft an ein kleines im Moose kriechendes Blümchen, Linnaea borealis, und nach der mächtigen Katharina II. von Rußland nannte der Leipziger Moosforscher Hedwig eine wenige Zoll hohe Moosgattung Catharinea. Als einige Höflinge daran eine | Zurücksetzung fanden, daß der Name einer so mächtigen Herrscherin mit einem kleinen Moose verknüpft wurde, wie« die Kaiserin selbst sie scharf zurecht und nahm Hedwig- Widmung dankend an. Auch unseres Bismarcks Name ist einer Pflanzengattung verliehen, und zwar einer mächtigen Palme, die Hildebrandt 1878 auf Madagaskar entdeckte. Johann Maria Hildebrandt, ein Sohn des Düsseldorfer Historienmalers, von Hause aus Gärtner, zog 1873 mit un* glaublich geringen Mitteln zum ersten Mal als Sammler in die afrikanische Tropenwelt. 1878 ging Hildebrandt nach Madagaskar. In den Höhenzügen von West-Madagaskar, I die kein Europäer vor ihm betreten hatte, erblickte Hilde- I brandt eine riesige Palme, die sein erfahrenes Auge sofort als neue Art erkannte. Oberhalb Beravi am Flusse BeturLa ober Rano b6 zwischen Ansahafi und Ansunaki sah er die riesige Form zum ersten Male. „Hier mischt sich", schreibt er in der Zeitschrift für Erdkunde (1880), „unter die Sata-
I palmen (Hyphaene coriacea) eine prachtvolle andere Fächer- I palme mit kräftigem Säulenstamme. Bis 3 Meter spannen I ihre derben Blattflächen, die Blattstiele sind weiß gestreift, I riesige Trauben pflaumengroßer, dunkelbrauner Früchte hängen I herab. Ganze Haine dieses urkräftigen Gewächses passirten I wir. Der starke Wind blies in das mächtige Laub, sodaß I es klappernd und klatschend zusammenschlug." Nach Hilde- I brands mündlichen Mittheilungen Überragte diese Palmenart I um 20 bis 30 Meter den Niederwald und mit so imponiren» I den Kronen, daß dem Sammler sofort der Gedanke kam: I „Ist dieser Palmenriese, dessen schlanke Stämme über 50 Meter aufschossen, eine neue Art, so muß er den Namen des Reichs» kanzlers tragen. Das ist eine Pflanze, die dessen würdig ist."
I Kein Eingeborener wagte die hohen Stämme zu erklettern, I und Früchte herabzuholen, aber am Boden lagen hier und da I die eigroßm dunkelbraunen Früchte, von denen Hildebrandt I gegen hundert Stück sammelte. An diesen Früchten stellte Gartendirector Wendland in Hannover, der beste Palmen- kenner Europas, fest, daß es sich nicht nur um eine neue
I Palmenart, sondern um eine neue Palmengattung, handelte. I Gern ertheilte der Fürst-Reichskanzler im October 1880 seine I Einwilligung zur Taufe von Bismarckia nobilis. Seitdem I sind fast zwei Jahrzehnte verflossen, aber noch heute ist „des Reichskanzlers Palme" der unbestrittene Fürst
I der an mächtigen, fonnenfchönen Gestalten so reichen I Palmenwelt. Eine würdigere Trägerin des Namen« I Bismarck als diese Palme von Madagaskar kann nicht ge- I dacht werden. Nach Hildebrandts mündlichen Mittheilungen I schießt der etwa einen Fuß starke Riesenstamm kerzmgrade I empor, und die einzelnen Blätter der mächtigen Krone halten I 6 bi« 9 Quadratmeter Fläche. Diese blaugrünen Fächer


