Ausgabe 
19.8.1898 Erstes Blatt
 
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Stimme aus dem anderen Lager heraußzugretfeu ist von der russischen Erklärung durchaus befriedigt und glaubt der« sichern zu können, daß sie der Borbote von Verhandlungen über einen englisch-russischen Ausgleich tu China sei.

Angesichts der Art md Weise, wie die Politik der Mächte in den chinesischen Aigelegenheiten sich entwickelt hat, ist allerdings diese letztere Lvuog die wahrscheinlichere, denn schon jetzt hat sich gezeigt, daß der BegriffInteressensphäre", den Alle England eingeschossen in diese Politik auf- genommen haben, so manutgsuhe Gefahren birgt, daß eine internationale Verständigung darüber durchaus nothwendig erscheint. Und je früher sie (.folgt, um so eher wird der Keim von Verwicklungen, der in dem jetzigen Zustande liegt, beseitigt. ES darf als zweifellos gelten, daß den Mächten, als sie den Begriff dr Interessensphäre tu ihre chinesische Politik eiusührten, die ^uftheilungSpraxiS in Afrika als Beispiel vorschwebte. Jndessu', so ohne Weiteres ließ sich dieses Verfahren, da» schon im ,Niemandßlande" Schwierig­keiten genug bereitet hatte, nicht auf daS von der Pekinger Regierung verwaltete China übrtragen, und da die chine­sische Regierung daS Schicksal ArikaS kannte, so war sie darauf bedacht, sich selbst einem ähtlichen Geschick zu entziehen, ein Bestreben, daS in den betdv bis jetzt bekannten Ab­machungen über die JntereffensphLeu deutlich zu Tage tritt.

DaS Tsunglt Karnen vermiet darin ängstlich, den Mächten irgend ein Recht auf daS, was sie ihre Interessen- sphäre nennen, znzuerkenuen, es klont im Gegentheil mit einer vielleicht nicht ganz freiwillig« Ironie, daß nur China allein rin Recht auf diese Gebiete zustrhe. So lautet der entsprechende Satz tu der Note deS Tsunglt UameuS an den britischen Gesandten:Die Reglermg hat zu bemerken, daß die Uaugtse-Gegend von der größte, Wichtigkeit sowohl sür die ganze Stellung China» al» auch für seine Jutereffen ist, uud eS ist selbstverständlich, daß donketu Gebiet einer andern Macht verpsäudet, verpachtet oder abg'treten wird. Da Ihrer britischen Majestät Regierung ihr Jiteresse oder ihre Sorge nach dieser Richtung ausgesprochen hat, so hält baß Damen e» für seine Pflicht, diese Note an dm britischen Minister zu richten."

England kann sich in diesem Snukte wenigstens nicht beklagen, vorzugsweise schlecht behandelt worden zu sein, denn ganz ähnlich lautet der Bescheid der chtuefischen Regierung auf die Forderung Frankreichs in -e-ug auf deffen In- terrffensphäre- e» heißt da:Da unsere Regierung die an Tongktug grenzenden Provinzen al» wichtige Grenzgebiete betrachtet, an denen sie da» höchste Jttereffe hat, so ist sie der Ansicht, daß diese Gebiete stet» von China verwaltet, und unter seiner Oberhoheit bleiben uüffev. ES liegt kein Grund vor, sie einer anderen Macht aizutreten oder zu ver­pachten. Da die französische Regier,ng besovdern Werth darauf legt, diese Versicherung zu empfingen, so glauben wir diese amtliche Antwort an Eure Excellenj richten zu müssen." Darnach ist also die Lage die, daß die chinesische Regierung weder England noch Frankreich und den übrigen Mächten gegenüber dürfte sie dieselbe Form gewchlt haben irgend ein Recht auf die Gebiete zugesteht, die diese als ihre In­teressensphären betrachten. Da» wird nui freilich die Mächte nicht hindern, auf ihrer Politik zu ieharren, zumal da die Auftheiluug in Interessensphären, tot noch vor Kurzem ein sachkundiger Veurtheiler in der Kölrtschen Zeitung auS* geführt hat, auch für China und feit« Bevölkerung daS einzige Heilmittel bedeutet. Aber el läß> sich nicht verkennen, daß die übrigens durchaus begreifliche nab von dem Gefühl der Selbsterhaltuug eingegebene Haltung der chinesischen Re­gierung die offene Bekundung dieser Poltik und eine Ver­ständigung der Mächte über sie erheblich erschwert. Indessen dem Europäer fitzt daS Hemd näher al» der Rock und da» Interesse jeder einzelnen europäischen Macht, durch eine inter­nationale Verständigung auch auf Kosten der chinesischen Re* gierung Gefahren zv befestigen, die ihren eigenen Bestand bedrohen, ist größer als der Anthell an der Erhaltung eine» Jahrtausende alten StaatSwesenS, da» nicht früh genug darauf bedacht gewesen ist, fich selbst Schutz und Schirm au» der eigenen Kraft zu schaffen.

Deutscher Reich.

Berlin, 16. August. Zur Palästinareise de» deutschen Kaiser» bringt daS türkische HofblrttServet" folgende bemerkenSwerthe Auslastung: In europäischen Blättern ist eigenthümlicher Streit darüber entstanden, welche politische Bedeutung die von Kaiser Wilhelm geplante Reise nach den christlichen Stätten Palästina» haben könne. Wir dürfen hierzu wohl bemerken, daß Sultan Abdul Hamid, nach-

dem er von dem Wunsch de» deutschen Kaiser», jene Stätten zu besichtigen, Senntniß erhalten, denselben in freundschaftlicher Weise etugeladen hat, die Reise auSzuführeu. Kaiser Wilhelm erscheint somit in Palästina al» Gast unsere» Herrscher», welcher durchau» davon überzeugt ist, daß sein kaiserlicher Freund mit dieser Reise keinerlei politische Zwecke verfolgt. Hat doch Kaiser Wilhelm erst kürzlich dadurch, daß er die deutsche Besatzungstruppe von Kreta zurückrief, durch die That bewiesen, daß er, in einem sehr erfreulichen Gegensatz zu manchen anderen Mächten, die HoheitSrechte bei Sultan» in gewissenhaftester Weise achtet. ES ist daher sehr müßig, wenn einzelne europäische Blätter befürchten, Kaiser Wilhelm erstrebe ein Protektorat über Palästina oder wolle angebliche Rechte anderer Staaten in jenem Lande beeinträchtigen. Sollte dagegen der ganze Streit dadurch entstanden sein, weil man cn manchen Stellen mit etwas scheelen Blicken auf da» innige Freundschaftlverhältniß sieht, welche» zwischen Kaiser Wilhelm und unserem Herrscher besteht, so möge man bedenken, daß der deutsche Kaiser, obgleich er selbst streng an seinem eigenen Glauben hängt, doch wiederholt dafür den Beweis geliefert hat, daß er auch den heiligen Glauben der Kalifen achtet und ehrt.

Berlin, 17. August. DerPost" zufolge ist die Meldung eine» englischen Blatte», daß Kaiser Wilhelm mit dem Zaren eine Zusammenkunft auf der Be* fitzung de» Reichskanzler» Fürsten Hohenlohe in Werkt haben werde, um die Bedenken Frankreich» und Rußland» wegen der Palästinareise de» Kaiser» zu zerstreuen, ebenso unbe­gründet, tote die Meldung derSt. JameS-Gazette", daß fich in Amerika Kämpfe zwischen Deutschland und Frankreich abspielen würden. Demgegenüber bleibt der Peter»burger Berichterstatter de»Daily Telegraph" bet seiner Behauptung, daß eine Begegnung de» deutschen Kaisers und de» Zaren bevorstehe. Er berichtigt seine erste Meldung jedoch selbst in dem nicht unwesentlichen Punkte, daß die Be­gegnung nicht in Werkt, sondern in der Krim stattfinden werde. Kaiser Wilhelm werde bet der Ortentreise nach Livadia gehen und zwei Tage Gast deS Zaren fein.

Ausland.

Die Stellungnahme der Aufstäudtfchen zu den Festsetzungen de» FrtedenSprotocoll» bildet eine für bte Amerikaner recht heikle Frage. E» ist noch zweifelhaft, ob die kubanischen Führer nicht wegen de» Waffenstillstände» Schwierigkeiten bereiten werden, und noch zweifelhafter, wie Aguinaldo die Nachricht aufnehmen wird. Die New Korker kubanische Junta sagt allerding», daß Gomez und Garcia strenge die Anordnungen der amerikanischen Regierung be­folgen würden. Die Junta ist stet» die gefügige Dienerin Washington» geweien und vertritt mehr ihre eigenen In- tereffen, al» die Anfichten der kubanischen Führer. Da» Letzte, wa» man vom Präsidenten Maceo und der übrigen vorläufigen Regierung gehört hat, war einzig und allein, daß fie irgendwo in der Provinz Santa Cruz steckt, fich mit Gomez beräth und von Garcia Nachrichten über deffen Be­ziehungen zu General Shafter erwartet. Gomez und Garcia find in der letzten Zeit immer freier aufgetreten. Fügen fie fich, fo wird da» wahrscheinlich nur vorläufig fein. Durch da» WortUnabhängigkeit" lassen fie fich nicht täuschen. Diese Unabhängigkeit ist nicht viel mehr al» Einverleibung tu die Vereinigten Staaten. Die Hauprposten werden doch jedenfalls mit Amerikanern besetzt werden.

Die Einnahme Manila» schildern verschiedene Berichte wie folgt: Am 7. August Mittag» erging die Mit- theilung der Amerikaner an den Gouverneur von Manila unb an bie Befehlshaber der neutralen Schiffe, daß am 9. August bte Operationen beginnen würben. Die neutralen Schiffe räumten hierauf baö Schußfeld unb brachten ihre Schutzbefohlenen in Sicherheit, vier Dampfer mit Dentfchen, von beiPrinzeß Wilhelm" geleitet, brachten die Schutz­befohlenen nach MariveleS. Die Englänber wurden nach Cavite befördert. Die deutfchen und franzöfischen KriegSfchisse ankerten nebeneinander, die amerikanischen, englischen und japanischen Schiffe abseit» al» zweite Gruppe vor Cavite. Um 10 Uhr erfolgte die Aufforderung der Amerikaner zur Urbergabe. Die Spanier erbaten in Madrid telegraphisch Anweisungen, die Antwort lautete ablehnend. Am 13. August um 10 Uhr Vormittag» brachte Dewey ein Geschwader von Cavite vor die Stadt. Vor Eröffnung der Beschießung gab Admiral Dewey dem General-Gouverneur eine Frist von einer Stunde zur Uebergabe. Jener schlug die Aufforderung ab, worauf bie Beschießung 9 Uhr Vormittag» begann. Sn letzterer nahmen Theil bie KriegsschiffeOlympia",Petrel ,

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Nr. 193 Erstes Blatt._________Freitag den 19. August

1898

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Bekanntmachung.

In Gemäßheit be» § 8 der Verordnung vom 2. Sep. lember 1893 haben wir mit Rückficht auf den Stand der Ernte unb der Weinberge da» Ende der Heegzeit der Feld- Hühner unb Wachteln für die Provinz Rheinheffen im laufenden Jahre auf den 21. August festgesetzt, während e» für die Provinzen Starkenburg und Oberhessen bei der all- gemeinen Bestimmung, wonach die Heegzeit für die genannten Wildarten om 31. August endigt, fein Bewenden behält.

Darmstadt, den 15. August 1898.

Großherzogliche» Ministerium de» Innern.

Ro the.

Zur Politik der Mächte in China

schreibt dieKöln. Ztg.":

Da Lord Sali»bury auf dem Festlaude weilt, da» Par- lament feiert und Überdies die verspätete Hund»tag»h>tze richt dazu angethan ist, muthige Krieg»gedankcn zu wecken, so dürste da» Säbelgerassel, in dem der englische Mtßmuth Über den Verlauf der Ereignisse in China fich jetzt Luft macht, richt allzu tragisch zu nehmen sein. Auch braucht e» noch keiue»weg» al» eine Kriegsdrohung aufgefaßt zu werden, wenn englische Kriegsschiffe in Hongkong, die bereit» Segel­ordre hatten, Gegenbefehl erhielten, wenn in ESquimault, dem großen canadischeu Krieg»hasen am Stillen Ocean, einige Panzer mehr ankern als gewöhnlich und wenn in den Werkstätten der canadifchen Ueberlandbahn tüchtig gehämmert toixb. Selbst dieTime»", die fchon lange der Chorführer ter schärferen Tonart gegen Rußland ist, glaubt heute den Heißspornen, denen fie täglich ihre Spalten öffnet, Zügel vnlegen zu müffen, und nennt eine Betrachtung, die ihr Str William de» Voeux, der frühere Gouverneur von Hong- fong hatte zugehen lassen, eine Berufung an dengelben Schrecken". Und doch waren diese Ausführungen recht Interessant und bezeichnend für die Stimmung gewisser Kreise. Sir William befürwortet, kurzer Hand Rußland den Krieg zu erklären, nachdem England sich mit Japan verbündet unb »hm die Mandschurei und Korea als Beute versprochen habe. Noch sei e» Zeit, habe aber erst später einmal Rußland bie militärische Zucht der Nordchinesen in die Hand genommen rnd fich mit ihnen ein Heer von Millionen ausgezeichneter Soldaten geschaffen, so könne ihm keine Macht mehr wider- fiepen, bann sei e» vollend» au» mit England» Einfluß in China, unb auch Jnbien werde dem rusfisch-chtnefischen An- fiurm erliegen müssen. Da» ist ja zweifellos politische Za- tunft»muftt, aber fie könnte sehr wohl einmal actuelle Wahr- Lett werden, denn daß Nordchina ein vortreffliches Soldaten- material birgt, hat der kurze Versuch bewiesen, der dort mit -rutschen Lehrmeistern gemacht worden ist. Sein geringerer el» Prinz Heinrich von Preußen war von den Leistungen ier unter deutscher Leitung ausgebildeten chtuefischen Truppe in Wusung derart überrascht, daß er nachher meinte:Diese Geschichte wird zu gefährlich, e» ist gut, daß da» aufhört." Rußland wäre daher sehr kurzsichtig, wenn e» über der Jagd rach Metallen und schwarzen Diamanten den unermeßlich verthvollen Schatz zu heben vergäße, der in dem Menschen- material feiner chtuefischenInteressensphäre" schlummert. Vorläufig aber wird sein Bestreben dahin gehen, den krteger- scheu Zusammenstoß mit Großbritannien, den wie in England so auch In Rußland viele Leute für unvermeidlich halten, mög­lichst lange htnau»zuschteben. Dem entspricht denn auch die friedfertige Erklärung, mit der da» halbamtliche Journal be 6t. Peter»bourg die Aufregung der Engländer zu beruhigen sucht. Da» Blatt betont den friedlichen Character der »äffischen Politik in China und warnt vor beuruhigenden Sensationsnachrichten:DaS Ziel der russischen Regierung", heißt eS bann,ist, bte kürzlich gewonnenen Vortheile zu »ähren, nicht aber neue Erwerbungen im fernen Osten zu machen. ES liegt ber Regierung vollstänbig fern, bte wirth- 'Gastlichen Interessen Englanb» ober irgend einer anderen Macht zu verletzen." Die officiöse russische Auslassung wird in England mit sehr getheilten Gefühlen aufgenommen. Die Time»" nennt sie eine liebenswürdige Unverschämtheit, weil biegewonnenen Bortheile", von denen darin die Rede ist, nicht» andere» bedeuteten, al» die Oberhoheit über ganz Nordchina bi» hinein in da» Herz be» Kmgtsethale» sowie bie Ausschlag gebende Controlle über bte Centralregierung tu Peking.Daily Graphic" dagegen um nur eine