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19.7.1898 Erstes Blatt
 
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DieilstG den 19 Juli

Erstes Blatt

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Wefiener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

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Achnkeratz« Mr. 7.

Locale- und PvovinzrelleO.

Sietzev. 18. Juli 1898.

** Au» de« Verwaltungsdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben AllergnLdigst geruht, den Pro- vinztaldtrector der Provinz Oberhessen und KreiSrath de» Kreise» Gießen, Geheimerath Maximilian Freiherr« v. Gagern mit Wirkung vom 1. August d. I. zum Pro- vinzialdirector der Provinz Rheinhessen und Kreisrath de» Kreises Mainz, sowie mit Wirkung vom gleichen Tage an den Mtnisterialrath im Ministerium des Innern Hermann v. Bechtold zum Provinzialdirector der Provinz Oberhessen und KretSrath des Kreise» Gießen zu ernennen.

* Ernennungen zum BnndeSrath. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht, den StaatSminister und Minister der Innern Carl Roth e und den Minister der Justiz Dr. Emil Dittwar zu Bevoll­mächtigten zum BuudeSrathe de» Deutschen Reiche» zu ernennen, sowie die Ertheilung de» Commissorium» al» stell­vertretende Bevollmächtigte zum BundeSrath an den Präsi­denten deS Ministerium» der Finanzen Wilhelm Küchler und den Mtnisterialrath im Staatsministerium und Ministerium

-erlegt.

Gießen, den 18. Juli 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bagern.

Adrefsr für Depeschen: Anzeiger »l<|tt.

Fernsprecher Nr. 51.

Getäuschter Optimismus.

Die Spanier sind im Allgemeinen ein sehr genügsame» Volk, womit selbstverständlich nicht die oberen Zehntausend gemeint sein sollen. Aber da» eigentliche Volk hat da» mit drm italienischen gemein, daß es seine Bedürfnisse auf da» denkbar niedrigste Maß beschränkt. Davon ist auch der große Optimismus herzuletten, der die Spanier beherrscht - denn da er ihnen im Großen und Ganzen nicht viel schlechter ergehen kann, so sind sie leicht davon zu überzeugen, daß ihre Situation besser wird. Aber ein allzu großer Optt- mirmuS hat seine Gefahren, die besonder« in der Sorg, lofigkeit bestehen. Den Beweis hierfür liefert der ganze verlauf deS Aufstande» auf Cuba und den Philippinen. Ware e» da» erste Mal gewesen, daß die Eingeborenen dieser Inseln sich erhoben hätten, so würde man den Spaniern keine großen Dorwürfe machen können, daß sie nicht genügend vorbereitet waren. Aber bekanntlich haben schon mehrfach Aufstände gewüthet, von denen einzelne nur unter Aufgebot besonderer Kraftanstrengungen unterdrückt werden konnten. Man mußte In Madrid sehr gut wissen, daß die Insurgenten nicht schlafen würden, wenn da« System, in welchem die Spanier thre Colonien verwalten, nicht eine gründliche Aendrr- ung erfahre. Und daß die Bereinigten Staaten von Amerika schon längst eine Gelegenheit gesucht hatten, um auf Cuba und die übrigen Antillen die Hand zu legen, mußte in spanischen Regierungskreisen ebensogut bekannt sein. Aber die Sorglosigkeit ging eben zu weit- man glaubte, insbesondere auf Cuba eine genügende Armee zu haben und auch eine hinreichende Flotte zu besitzen, um allen Eventualitäten zu- Vorkommen zu können. Da» genügte nach Ansicht der Spanier- höchsten» schickte man im Falle eme» im größeren Maßstabe tnscenirten Aufstande» einen bewährten General ab, dem außtrordeutliche Vollmachten ertheilt wurden. So hat Marschall Martinez Campo» diesen Auftrag bereit» einige Male auSgeführt, aber die jetzige Jnsurrectton hat er doch nicht zu unterdrücken vermocht, wenigstens berief ihn die spanische Regierung vorzeitig ab, wa» vielleicht der größte Fehler war, den man in Madrid im Laufe der letzten drei Jahre gemacht hat. ES ist noch in frischer Erinnerung, mit welchem Optimismus die Spanier den General Weyler auf Cuba landen sahen und sein erstes schneidiges Auftreten bereits als einen Erfolg begrüßten. Aber wie bitter ist man in Madrid enttäuscht worden!

Als e» bereit» zu spät war, glaubte man die unter­drückten Eingeborenen auf Cuba und den Philippinen wieder versöhnen zu können- es konnte nach Ansicht der Spanier ja gar nicht fehlen, daß die Insurgenten schleunigst die Waffen von sich warfen und den kleinen Finger, den ihnen die spanische Regierung reichte, sofort ergreifen würden. Aber auch da» war eine trügerische Hoffnung gewesen- der Aufstand gewann immer mehr an Ausdehnung und wuchs schließlich den Spaniern, al» die Bereinigten Staaten sich der Insurgenten annahmen, über den Kopf. Aber auch da noch hielt der Optimismus tn Madrid an, und wir können denselben bi» in die jüngsten Tage verfolgen, selbst nachdem die spanische Flotte bereits vernichtet war. Wenn wir die Nachrichten un» in- Gedächtniß zurückrafen, welche noch unmittelbar vor der Capitulation Santiago» von spanischer Sette verbreitet wurden, so war gar nicht daran zu denken, daß der Platz jemals sich ergeben könnte. Um so schmerzlicher muß die Nachricht von dem Fall Santiagos in Spanten wirken und um so nachhaltiger muß der Eindruck sein, daß nutzlos ist, noch länger Widerstand zn leisten. Jedoch auch jetzt noch ist der Optimismus nicht

Regentin. _

Madrid, 17. Juli. Man versichert, Sag ast a wünsche jetzt selbst schleunigst den Frieden herbei. Er sehe ein, daß jeder Widerstand unnütz sei.

Madrid, 17. Juli. Mehrere Zeitungen erscheinen mit theilweise unbedruckten Blättern, weil die Censur alle zum Kriege aufreizenden Artikel als ein Auflehnen gegen die Re- gierung betrachtet und streicht. ,

Washington, 17. Juli. In Folge der eingelettete« FriedenSverhandlungen erhielt Admiral Watson Contr^ ordre und wird dessen Geschwader vorläufig noch nicht nach

Budapest, 16. Juli. Auf die Initiative der Führer der DolkSpartet ist in Ungarn eine christlich-sociale Arbeiterpartei tu der Bildung begriffen. Gestern er­schien bereit» die erste Nummer des Parteiorgans.

Brussel 17. Juli. Don LarloS hat eine Erklärung erlassen, in welcher e» heißt, e» sei unrichtig, daß er eine Note an Spanien gerichtet habe.

LariS, 17. Juli. I« Auperre verursachte ein un- vorsichtiger Raucher die Explosion eine» eben nieder-

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Juli. Die Kaiserin traf SamStag früh 8 Uhr mit dem Kronprinzen und den Prinzen Ettel Friedrich und Adalbert auf der Station Wilhelmshöhe ein und begab sich alSbald unter dem Jubel der Bevölkerung ins Schloß. Zum Empfange am Bahnhofe waren die Prinzen August Wilhelm und OScar, der Commandirende des 9. Armeecorps General der Infanterie v. Wittich, der Regierungspräsident Graf Clatron d'Haussonville und der Landrath Frhr. v. Dörn­berg anwesend.

Berlin, 16. Juli. Die Ferienzeit der Minister. Fürst Hohenlohe weilt in Schillingsfürst, Graf PosadowSky in Karlsbad und Herr v. Miquel in Wildbad. Auf dem Gebiete der inneren Politik herrscht also ein völliger Still- stand. Jedoch nur scheinbar, denn in den Ministerien und ReichSämtern wird, wie derRh.-Westf. Zig." au» Berlin geschrieben wird, eine lebhafte Thätigkett für die bevorstehende Parlamentszeit entfaltet. Die Thätigkett entbehrt auch nicht der Aufsicht und Oberleitung der BerwaltungSchef», die sich die wichtigsten Actenstücke zusenden lassen und sie mit den nöthigen Weisungen versehen. Ueberdie» ist die Anordnung getroffen worden, daß mindesten» ein Staat»secretär und zwei Minister immer tn Berlin anwesend sind.

Berlin, 16. Juli. Zum deutsch.russischen Tarifllreit wird osfictöS geschrieben: Ueber die Herstellung ermäßigter Getreidesrachtsätze im Verkehr mit Rußland haben, wie wir mit Bezug auf dir in zohlreicheu Blättern hierüber ver­breiteten Nachrichten bemerken, ebensowenig wie über sonstige Etsenbahntariffragen, zwischen der preußischen und russischen Regierung Verhandlungen in letzter Zeit stattgefunden- da- gegen haben die betheiligten Etsenbahnverwaltungen über die Einführung regelrecht gebildeter, directer Getreidesrachtsätze von russischen nach deutschen Btnuenftattonen verhandelt und die preußischen Eisenbahndirectionen sind bereit» vor mehreren Wochen ermächtigt worden, den Anträgen der russischen Eisen­bahnen grundsätzlich zuzustimmen.

Zur Bemannun g»irage tn bet deutschen Flotte, «nknüpsend an einige Berichte über den Fortgang der deutschen KriegSschiffSbanten und den höheren Bemann- ungSetat der neuen Linienschiffe gegenüber den allmählich aus­scheidenden kleineren alten Panzerschiffen ist in der Presse wiederum die Befürchtung ausgesprochen, daß ein Mangel an Mannschaften zur Besetzung der neuen Kriegsschiffe ouftreten fönne. Die» ist aber vollständig ausgeschlossen, denn der Ersatz für die Marine kann, wie die Praxi» gezeigt hat, zum groß-n Theile auS der Landbevölkerung genommen werden, ohne daß irgend welche Beeinträchtigung de» Dienstes da- durch erwächst. Auf Kriegsschiffen, auf denen die Mann- schäften einen systematischen Ausbildungsgang durchmachen, stehen der Verwendung der Landbevölkerung auch tn großer Zahl Bedenken nicht entgegen. Da die deutsche Handel»- marine fich von Jahr zu Jahr schneller uw Dampfer der- mehrt, während die Segelschiffe zurückgehen, so ist die Zahl der seebefahrenen Matrosen in Deutschland seit 1873 geringer geworden, weil der Bedarf geringer ist- aber dafür ist die Zahl der Heizer und Maschinisten (die auch zum Marinedienst herangezogen werden), von 1873 auf 1898 ganz riesig ge­wachsen. Außerdem hat fich die Zahl der ^dienstpflichtigen Fischer inzwischen etto-a verdreifacht infolge der Fürsorge für die Hebung der Seefischerei. Wa» den Ersatz von Mann- schäften betrifft, so können die Torpedoabtheilungen und die Werftdivifion fast ihren ganzen Bedarf, die Matrosendtvision etwa zwei Drittel ihre» Bedarf» an» dem jährlichen dienst- pflichtigen Ersatz der seemännischen Bevölkerung decken- an Freiwilligen auS der Landbevölkerung ist bisher aber kein Mangel gewesen und auch in Zukunft nicht zu befürchten.

gegangenen Luftballon». Neun Personen erlitten schwere

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung, betreffend: AuSsühruug de» südöstlichen Stadterweiterung», -laue», hier: der Querstraße Qu.Qu.1 de» Plane», bezw. Antrag der Stadt Gießen auf Enteignung von Gelände der Peter Kennel Eheleute daselbst.

Der auf Mittwoch den 20. Juli d. I., Vormittag» 9 Uhr, In dem BÜrgermeistereigebäude anberaumte Termin zur Tagsahrt vor der Local-Commffsion wird auf

Mittwoch, den 27. Juli d. I.,

Vormittag» 9 Uhr,

Pari«, 17. Juli. Frankreich übernimmt offiziell die Frieden»vermtttelung. Delcaffö conferirte mit dem amerikanischen Botschaster und erklärte, die übertriebenen Frieden»bedingungen Amerika» seien gleichbedeutend mit dem Sturze der spanischen Dynastie. m v

London, 17. Juli. Nach einer Meldung au« Madrid erwartet man dort jeden Augenblick eine Proclamation von Don Carlo», welcher bereit» al» Herr de» Lande» gilt. General Weiler hat seine Sommerfrische verlassen und ist in Madrid. Im Volke wünscht man eine Regentschaft der beliebten Infantin Isabella.

London, 17. Juli. Nach einer Meldung des General» Shaster nach Washington ist nunmehr die Capitulation von Santiago unterzeichnet worden und zwar unter folgenden Bedingungen: 20,000 Flüchtlinge kehren nach Santiago zurück, die amerikanische Jnsanterie bewacht die Straßen ring» um die Stadt. Die amerikanischen Sanität»- colonnen verpflegen die spanischen Kranken und Verwundeten. Alle Truppen auS der Provinz Santiago de Cuba werden sich nach der Hauptstadt begeben, um die Waffen zu strecke«, außerdem 10,000 Mann von der Festung Holgule. Die FeftnngSgeschütze von Santiago werden den Amerikanern in gutem Zustande übergeben werden. Die Amerikaner sollen die Eisenbahn nach Juraguna zur freien Verfügung erhalten. Alle Spanier werden nach Spanien gebracht, nachdem fie die Waffen au»geliesert haben. Spanier und Amerikaner werden gemeinsam die Hafenminen unschädlich machen.

Madrid, 17. Juli. Der englische Botschaster in Madrid legte in Gegenwart de» Ministers Gamazo And de» Minister» de» Aeußeren baß Concept einer Depesche vor, welche auf diplomatischem Wege nach Washington ab- gehen soll. Diese Depesche enthält die äußersten Zugeständ- nisse, welche nach Anficht deS englischen Botschafter» Spanien den Vereinigten Staaten machen kann. Die Minister wollten einige Punkte abgeändert haben, aber der Botschafter erklärte, dieses unnütze Feilschen werde eher schaden. Ohnehin könne er nicht dasür etnsteheu, daß in Washington die Concesfiemen al» ausreichend befunden würden. Sollte die Bevölkerung Cubas über ihren Willen auf dem Wege der Abstimmnug befragt werden, so würden die Vertreter England» und Frank- reich« die Volksabstimmung leiten.

Madrid, 17. Juli. L» unterliegt keinem Zweifel, oafc die Regierung auf baldigen Friedensschluß loSsteurrt. ES verlautet, ein Theil de» LabinetS erachte fich für un­geeignet zur Bewerkstelligung de» Frieden». Sehr besprochen wird der gestrige Besuch de» General» Weiler bei der Königin-

gebrochen - weint man doch in Spanien, erst sei Santiago ge- fallen und der weitaus größte Theil der Insel noch in spanischen | Verletzungen, fcänbcn! (xx) '