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19.6.1898 Erstes Blatt
 
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1898

Erstes Blatt

Gießener Anzeiger

Heneral-Unzeiger

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Sonntag den 19. Ium

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Fernsprecher Nr. 51.

Localer utifc provinjieUes»

Gtetzev, 18. Juni 1898.

Zu eigener Sache. Auf die Aurlaffung der »H'ss- LandeSzeitnng", die e» trefflich versteht, denGießener An­zeiger" für ihre Zwecke zu uutzeo, erklären wir, daß wir die letzte (?) Beckmann'sche Erklärung nicht aufgeuommen haben aus dem einfacher., sicher gerechtfertigten Gründe, weitere unnütze Streitereien zu vermetdeu. Nachdem die früheren Erklärungen beider Parteien gleichzeitig abgegeben waren, ist: es Sache jedes vorurtheilsfreien LeferS, sich ein eigenes Ur- theil tu dieser fraglichen Augelegevheit zu bilden. I« Uebrigeu dürfen wir versichern, daß wir uni von Gehässigkeit jeder Art frei wiffm.

» «erichtsdienst. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allerguädtgst zu genehmigen geruht, daß der erste Kauzleibeamte bet den Collegialgertchteu den AmtStitel Kanzlei-Jnspector" zu führen hat. Ernannt wurden am 9. Juni der Kanzleigehtlfe beim Oberlandes- gertcht, Heinrich Engelhardt, die Kanzleigehtlfe« beim Landgericht der Provinz Starkenburg, Georg Brust, Georg Himmler und Heinrich Zeh fuß, der Kaozleigrhlfe beim Landgericht der Provinz Oberhrffen Gustav Frank, fowie die Kanzletgrhilfen beim Landgericht der Provinz Rhrtuheffeu, Karl Neumann und Rudolf Klein, zu Kanzlisten bei diesen Gerichten, sämmtlich mit Wirkung vom 1. Juni L I. au.

Militärdirustaachrichteu Frhr. v. RotSmaun, Hauptm. und Comp.-Chef vom Füs. Regiment General- Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen (Hannov.) Nr. 73, als Adjutant zum Generalcommando des 11. Armeecorps commaudtrt. Frhr. v. Buddenbrock - HetterSdorf, Oberst ä la suite drS Kaiser Franz Garde-Gren. RtgiS. Nr. 2 und beauftragt mit der Führung der 50 Jnf.-Brig. (2. Großh. Hrff.) unter Emennung zum Commandeur der Brigade zum Generalmajor befördert, v. Balles des Barrel, Major i la suite des 4. Großh. Heff. Jnf.-RegtS. (Prinz Carl) Nr. 118 und Borsteher der Geheimen KriegScouzlet im KrtegS- mintsterium, zum Oberstlt. befördert. Goldmauu, Major, aggregirt dem Inf. Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, alS Bat. Commandeur tu dal Jnf.-Regt. von Goebeu (1. Rhein.) Nr. 28 etnrangtrt. MertenS, Major z. D. und Commandeur des LandwehrbeziikS WormS, der Eharakter als Oberstlieutenant verliehen. Roethtg, Prem. Lt. vom 3. Großh. Hrff. Inf. Regt. (L-tb-Regt.) Nr. 117, unter Ver­setzung in das 5. Großh. Heff. Jnf.-Regt. Nr. 168, zum Hauptm. und Comp. Chef befördert. Frhr. Schaffer v. Bernstein, Sec.-Lt. vom Dragouer-Regt. König Fried­rich III. (2. Schlef.) Nr. 8, bis zum 30. September zum 1. Großh. Heff. Juf.°(Leibgarde )Regt. Nr. 115 commandirt. Krömmelbetn (Friedrich), Sec.-Lt. vom 5. Gioßh. Heff. Inf. Regt. Nr. 168. zum Pr.-Lt. befördert, v. Winter- feld, Oberst ä la suite drS Huf. RegtS. König Wilhelm L (1. Rhein.) Nr. 7 und Commandeur der 25. Cav.-Brigade (Großh. Hrff.), zum Generalmajor befördert. Frhr. v. St ett eu, Rittm. und Comp.-Chef vom Großh. Hrff. Train Bat. Nr. 25, rin Patent seiner Charge verliehen.

» Militärische!. Die von Sr. Majestät dem Kaiser den Fahnen- refp. Standartentragern verliehene Auszeichnung besteht aus einem an einer Kette um den Hals getragene« Brustschild (Ringkragen), das zwei au den Stangen grkreuzte Feldzeichen enthält, zwischen deren Tuch sich ein W mit der Krone befindet. Außerdem wird noch ein zweites Abzeichen am rechten Oberarm in derselben Darstellung wie auf de« Brustschtld getragen. Die Ringkragen find, der Farbe der Knöpfe zum Waffemock u. s. w. entsprechend, aus Tombak bezw. Nickel versilbert. Das Abzeichen zum Waffemock rc., auf Gcundtuch zu letzterem aufgestickt, wird am rechten Ober­arm in der Mitte zwischen Armlochuaht und Ellenbogen ge­tragen, andere Abzeichen, (Kaiser-, Fechterabzeichev) werden unmittelbar darunter angebracht. Bei vorhandenen Fechter­abzeichen fitzt dal Abzeichen sür Standartenträger zwischen den Schenkeln, an welche der Fuß der Fahnenstange sich anlehnt.

Die Htmde-Ausstellung auf der Schönen Aussicht wurde heute Morgen um 8 Uhr in Gegenwart des Ehren- comitöS, der Preisrichter und der Aussteller feierlich eröffnet. Hieran schloß fich die Prämttrung der Raffen tn ver­schiedenen Klaffen, und werden wir unseren Lesern daS Resultat in der nächsten Nummer unseres Blattes bekannt geben. Die gutbeschickte Ausstellung kann als in jeder Beziehung gelungen bezeichnet werden. Die Unterbringung der Hunde in den neuen patenttrten BoxeS der Westdeutschen Hunde­kuchen- und Geflügelfutterfabrik Langenfeld-Köln ist eine sehr

Kattovitz. Letocha (C.) gewählt.

bchwarzbnrg-Rudolfsstadt. Hoffmann (Soe.) gewählt.

Borna, v. Frege (K.) gewählt.

Hetlig'beil. v. d. Gröben (K) gewählt.

Angerburg. v. Staudh (R.) gewählt.

Naguit. Graf Kanitz (K.) gewählt.

Gumbinnen. Mentz (K) gewählt.

Malchin. Freiherr v. Maltzan (K) gewählt.

Rangard. v. Dewitz (R.) gewählt.

Regeawalde. Ebenfalls gewählt v. Dewitz (C.) Homburg-Kusel. Fitz (Nl.) mit großer Majorität gewählt. Annaberg. Gewählt Esche (Nl )

Wolfenbüttel, v. Kaufmann (Nl.) gewählt.

Eßlingen. v. Geß (Nl) gewählt.

Mankfelder Kreiß. Gewählt ReichSparteiler Dr. Arendt.

Neisse. Horn (C.) gewählt.

Fulda. Herold (C.) gewählt.

Mayen. Wallenborn (C.) gewählt.

Cochem, v. Grand Ry (C) gewählt.

Halle. Gewählt Kunerr (Soc.)

Gotha. Bock (Soc.) gewählt.

Meißen. Goldstein (Soc.) gewählt.

Grelfßwald. Gewählt Graf BiSmarck-Bohlen (R.)

ZStjugrpreiL vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monattich 75 Pfg. mit Bringerloh«.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf* vierteljährlich.

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Stichwahlen finden statt tn

Hall 'zwischen Frank (Bund d. Landw.) und Hofmann (südd. Bol Sp.),

Crailsheim zwischen Haug (Bund d. L.) und dem Cau- dtdaten der südd. B.,

Ulm zwischen dem Candidaten der Reichspartei und Hähnle (südd. B),

tzppiagea (Baden) zwischen Köhnhorn (Nl.) und Lucke (Bauernbund).

Lahr zwischen Weingärtner (Nl.) und Schättgen (C.) Kreuznach zwischen Cuoy (Nl.) und Graf Hompesch (C.), Loebau i. S. zwischen Consero, und Socialist, Zmmeustadt zwischen Natllib. und Centrum, Nienburg zwischen Welfe und Socialist, Diepolz zwischen Welfe und Natllib.

Verden zwischen Welfe und Natllib.,

Tilsit zwischen Conserv. und Bo kspartei, Eäckingen zwischen Centrum und Natllib., Schmalkalden zwischen Conserv. und Soc., Siegen zwischen Christlich-social und Natllib., Mühlhausen (Thüringen) zwischen Conserv. und Bolkrp., Mriniageu zwischen Natllib. und Vp., Naumburg zwischen Conserv. und Socialdemvkrat, Germersheim-Bergzabern zwischen Gander (Nl.) und Keßler (Uitt.),

Halberstadt zwischen R'mpau (Nl.) und Paul (Soc.), Posen zwischen AndrzgewLk (Pole) und Morawski (Soc.), Schleswig zwischen Chrtstophersen (ReichSp.) und Jakobsen (frs. Vp.),

| Tübingen zwischen Rupp (Nl.) und Payer (südd. Vp.), Luckenwalde zwischen Rropa'scheck (R.) und Ewald (Soc.), Harburg zwischen Depke (Nl.) unö Baerer (Soc.), Grunberg zwischen Prinz zu Schönaich Carolath (cons.) und Muvckel (srs. Bp),

Stralsund zwischen v. Langen (K.) und Winkler (srs. Bp.),

Torgau zwischen Graß (R.) und Knörcke (srs. Bp.), Metz zwischen dem nattonalliberalen Candidaten und I Pierson (Eis),

Weimar-Apolda zwischen v. Egolffftein (K.) und Bauder I (Socialdrm.),

I Mühlheim a. Rh. zwischen Möller (Nl.) und de Witt I f(ScntTuw)*/

Freudenstadt zwischen dem Candidaten der RetchSpartei I und Goller (lüdd. Bp.),

Rottweil zwischen dem Candidaten del CentrumS und I Haußmann (südd. Bp ).

Berlin, 18. Juni. AuS 350 Kreisen find bisher die I Wahlresultate bekannt. Darnach wurden fest gewählt: 38 Conservative, 6 ReichSpartet, 4 Antisemiten, 70 Centrum, 9 Polen, 8 Nationalliderale, 2 freisinnige Bereinigung, 1 freifinnige BolkSpartei, 4 Elsäffrr, 34 Socialdemokraten. I Ferner haben 174 Stichwahlen stattzufinden. An denselben sind betheiligt: 45 Conservative, 62 Nationalliderale, 40 Centrum, 86 Socialdemokraten, 6 freisinnige Vereinigung, 35 freisinnige BolkSpartei, 8 süddeutsche BolkSpartei, 8 Anti­semiten, 6 Welfen, 20 Reichspartei und 8 verschiedene I Parteien.

Nach der Wahl.

Die Arbeit ist gethan- daS deutsche Bolk hat am ! Donnerstag neue Vertreter zum Reichstage erwählt, und I deshalb erscheint cS angezeigt, einen Blick auf daS Ergebniß I der Wahl zu werten. Im Augenblick, wo wir dies schreiben, I ist es freilich nicht möglich, schon einen Schluß zu ziehen auf I die künftige Zusammensetzung deS Reichstages,- einmal liegt I da» Resultat noch nicht vollständig vor, da insbesondere in I den Landgemeinden die Feststellung desselben nicht so glatt I vor fich zu gehen Pflegt, andrerseits aber steht eine ganz I ungewöhnlich große Anzahl von Stichwahlen bevor, bei denen I daS definitive Ergebniß nur in einigen wenigen Fällen schon I jtfct vorauSgesehen werden kann. Die im Laufe der Zeit I rivgetretrne Zersplitterung der Parteien hat die Zahl der I Stichwahlen immer mehr anschwellen laffen. Wenn wir einen | Rückblick auf die letzten zwanzig Jahre werfen, so sehen wir, daß im Jahre 1878 die Stichwahlen fich auf 61 beliefen, welche drei Jahre später auf 97 stiegen und im Jahre 1893 bereit» 166 betrugen. Diesmal wird diese Zahl noch weit überschritten werden, sodaß über daS Resultat der Wahl nach fitm ersten Wahlgange heute noch weniger Gewißheit vor­handen ist als früher.

Die Neuwahlen haben, wenn wir uns an die bisher vorliegenden Resultate halten, die Befürchtungen bezüglich tiner Zersplitterung der Parteien vollauf bestätigt. Am meisten haben die Sozialdemokraten ihren bisherigen Befitz- stand gleich im ersten Ansturm wiederzugewinmn vermocht, sie brauchen von den etwa 80 Stichwahlen, bei denen fte betheiligt find, nur zehn zu gewinnen und fie haben bereit- ihren alten Befitzstand wieder erreicht. Die große Anzahl btt Stichwahlen, bet denen man fich zu entscheiden hat, ob Sozialdemokraten oder einen enteren Candtdat-n, scheint an maßgebender Stelle eine gewiffe Beunruhigung hervorzurufen, denn dieNordd. Allg. Ztg." schreibt gleich am Tage nach der Wahl, daß eS eine politisch unabweisbare Pflicht aller Parteien sei, bei den Stichwahlen geschloffen der Sozialdemo- kcatie entgegenzutreten, wie ja übrigens schon Graf PosadowSky in seinem bekanntenWahlbriefe" warm em­pfohlen hatte.

Besondere! Jntereffe hat man bekanntlich der Frage ratgegeugebracht, welche Erfolge wohl derBund der Land- wirthe" mit seinem selbstständigen Eintreten in die Wahlbe- 0 rgung erzielen würde. Sow-it fich auS den bisher bekannten Dsultaten rrsehen laßt, find diese Erfolge nicht allzu glänzend, uvd man darf annehmen, daß manche kühne Hoffnung uner- Mt geblieben ist. Ueberhaupt scheint, abgesehen von den Sozialdemokraten, auch der Fretfinn und daS Centrum eine Hanahme an Stimmen erlangt zu haben, waS von mancher Seite der völligen Pasfivität der Regierung zugeschrteben wird, dem völligen Mangel an einer Wahlparole für die der Regierung nahestehenden Parteien. Besonder- interessant bi,fte die Stichwahl und da« «--halten einzelner Parteien bl, diriklbeu werden. Wir mühten nn, sehr tauschen, wenn »ir annehmen, daß der Ruf de- Grafen Pafadaw-ky nach Sammlung gegen die Sozialdemokratie überall Gehör staben »lrde. (>O<)

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Wahlergebnisse.

Wetzlar, «iienlirchen. »ürgermeister a D. Heinrich lk-aemer in «i.a-en 4696, Rentner vr J to'«»>'«

!.rg 2369, Oberjustizraih Dr. R ntele» in Berlin 2279, Schriftsteller Oswald Zmme,man» in Dresden 2168, Schrift- Mer August Bebel tn Berlin 2437 Stimmen.

Waldshut. Schuler (C) gewählt.

TauberbischofSheim. Zehnter (C) gewählt.

Hagenau. Prinz Alexander Hohenlohe (K.) gewählt. Czaruikau. v. Colmar (R.) gewählt.^ Brteg-NamSlau- v. Siegel (R ) gewählt.

Buk-Kosteu. GegielSki (Pole) gewählt.

Rawitfch. Fürst CzartolhSkt (Pole) gewählt. Schrimm-bchroda. Glimbocki (Pole) gewählt. Werfchen-Plefchen. v. Dziembowskt (Pole) gewählt. Krotofchiu. v. JadSz-.wSki (Pole) gewählt. Adrluau. Fürst Radziwill (Pole) gewählt. Znowrazlaw. Dr. KrzyminSkt (Pole) gewählt. Sueseu. v. RomierowSki (Pole) gewählt. Neuha'deuSleben. Hofang (Nl.) gewählt. Xecklevbura. Timmermana (C-) gewählt. Heiligeustadt. v. Strombeck (C.) gewählt. Reichenbach. Graf MagniS (C.) gewählt. Slatz Hartmann (C ) gewählt.

Araukensteiu. Langner (C.) gewählt.

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Die Gießener Aamilienv tätter werden dem Anzeiger roScheutli,ch viermal beigelegt.