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19.6.1898 Drittes Blatt
 
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1898

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Sonntag den 19. Juni

Drittes Blatt

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

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Erscheint ILgNch mit Ausnahme des Montags.

eine Verständigung der Parteien und damit an eine frucht- singende parlamentarische Thätigkeit war nicht zu denken, «ad so kann die Unterbrechung der Verhandlungen deS Ab-

Gelegenhrtt, wie auch unser Bildchen an der mangelhastr» Seitenbrüstung zur Genüge beweist. DaS Bild der Kaserne, jetzt alte Klinik, stammt au» einer Zeit, wo diese» mächtige, aber unzweckmäßige Gebäude noch in stolzer Emsamkett allein auf dem SelterSberg stand. Wie hat fich auch der alte Felsenkeller von Vater Lenz verändert! DaS Bild de» Ltndenplatze» zeigt noch die offene Sradtbach, und auch der Braud hat fich seit 1775, wo ein kleine» au-gestellteS Oel- bildchen gemalt wurde, wesentlich verändert.

Auch au» der Umgebung find einige Bilder vorhanden, so die Heuchelheimer Mühle, noch mit der großen Linde, ArnSdurg, Münzenberg, Staufenberg rc.

Geschichtlich von Jntereffe find einige ältere Stadtpläne au» verschiedenen Zeiten.

Auch die Porträts stammen aus sehr verschiedene« Zeiten, von dem Anfang deS 17. Jahrhundert» an bi» tn die Jetztzeit, wo das Photographtealbum den Schluß macht.

Da erscheint zuerst tn fortlaufender Reihe von 1663 bi» 1814 die stattliche Reihe der alten Rathsschöffen, Anfang» auf Blechtafeln, dann auf Holz, dann auf Leinwand gemalt, mehr oder weniger kunstvoll, zum Theil ausgezeichnet künst­lerisch auSgeführt. Gar Manche find unterdeß aus der Reihe genommen und der Familie überlassen worden, aber immer noch finden wir die ehrwürdigen Vertreter alter einges-ffeuer Gießener Familien, die noch j.'tzt hier leben oder auch ver­zogen oder auSgestorben find. Der Name Wormser findet fich fünfmal, Kempf, Müller und Schiffer je viermal, Vogt dreimal, Kröcker, Schmidt, Verdrieß, MagouS, Schenk, Tasche, Feuerbach, ASmuS, Reiber und S e i p p je zweimal. Unter den nur einmal vertretenen Name» gehören Ebel und Ptstor, Oswald, Löber, Bersch, Stein berger,Kohlrrmann, Rumpf, Flett, Franz, Betzberger, Busch, u. A. gerade zu den ältesten und alten Familien unserer Stadt und ist wahrscheinlich, daß

Die Gießener PamtkleuvrLtter verden dem Anzeiger vSchentlich viermal beigelegt.

ÄAecttea, Expedition und Druckerei:

-chukstratz« Nr. 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße».

Fernsprecher Nr. 51.

Nr. 26 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 14. d. M., enthält:

(Nr. 2491 ) Gesetz, betreffend die electrischen Maß­einheiten. Bom 1. Juni 1898.

Gießen, den 17. Juni 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Geltung und erfreut und belehrt die Allgemeinheit. Sehr oft ist e» nur die leidige Biquemltchkett, die den Besitzer hindert, sich seines Besitze» zu Gunsten de» Museum« zu entäußern. Gewiß! Auch diesmal wird der Oberhessiiche GeichichtSverein die Beihilfe der Gießener zu seiner Aus­stellungGießener Bilder" nicht vergeben» aurufen. Der MuseumSwart, Herr Hauptmann a. D. Kramer, und die einzelnen Vorstandsmitglieder find gerne bereit, Beiträge tn Gestalt von Schenkungen oder von leihweisen Ueberlaffungen entgegenzuoehmeu.

Um wa» e» fich handelt, kann Jeder leicht der folgenden Schilderung der Bildersammlung de» Alterthumsmuseum» entnehmen, die vor acht Jahren aus berufener Feder au dieser Stelle erschienen ist.

Wir finden Del- und Pastellgemälde, Aquarells, Kupfer- und Stahlstiche, Litho- und Photographien und nicht wenige Handzeichuungeu. Unter diesen zeichnen sich vor Allen die vortrefflichen Aufzeichnungen von H. v. Ritgen von den ältesten Gebäuden der Stadt au», namentlich vom alten Kanzleihof, dem Hetdenthurm und anderen Theilen de» Alten SchloffeS", sowie des Zeughauses, und dann einige vorzügliche Federzeichnungen (Neuenweger Thor zweimal), v. Rttgen war sein ganze» Leben lang ein warmer Freund unserer Stadt und erwarb sich um die Geschichte derselben und ihrer Umgegend die größten Verdienste. ES war billig, daß sein Porträt, von PH. Uhl vorzüglich au»geführt und dem Verein gewidmet, an bevorzugter Stelle einen Platz fand. Auch mehrere größere Aufnahmen der Stadt und einzelner Thetle von derselben zeigen, in wie kurzer Zett fich Viele» schon wesentlich geändert hat. Mehr noch fällt die» bei noch älteren Bildern auf. An die alte bogenförmige Lahnbrücke erinnern fich nur noch ältere Leute,- bei Hoch- waffer war fle nicht zugänglich und Nacht» gab fie in Er­mangelung von Straßenlaternen zu gröblichem Unfug reiche

VeEMischteO.

Odevkircheo, 13. Juni. Bor Jahresfrist hatten die hiesigen Stadtverordneten, um da» freche Spatz?nvölkchea etwa» zu vermindern, beschlossen, für jeden getödtete« Spatz eine Belohnung von 5 Pfg. zu zahlen. Nunmehr beklagen fich die Bezirksvorsteher darüber, daß fie durch die steten BelohnungSforderunqen sogar in der Ruhe ihrer Häus­lichkeit gestört würden. Obgleich also die Spatzevjaqd ziem­lich lebhaft gewesen sein muß, hatte fie doch keine nennens- werthe Wirkung, weil die Nachbargemeindeu zu Belohnungen für die Spatzemödtung nicht übergingen und auch im Spatzen- rrtche Freizügigkeit herrscht. Von diesem Gesichtspunkte au» beschloffen die Stadtverordneten, die Belohnung wieder ab­zuschaffen.

AuS E erlitt wird vom 16. Juni berichtet: In der AusstellungIndien" ist heute früh ein indischer Knabe geboren worden. Die Eltern sind Tamulen au» Tanjore; Anawee Peri Maniande ist der Name de» Vaters, Selamaa Sandanaa der der Mutter. Der Knabe wird die Namen Berlin Maniande erhalten. Bet seiner Geburt, die um fünf Uhr Früh erfolgte, eilten sofort die indischen Muükanten herbei, um das Tam-Tam zu spielen und den eanka dhani, den Klang brr heiligen Muschel ertönen zu lasten. I« Tempel der Dorfstraße wurden bald darauf dem Schicksals- gotte Btdhata Opfer dargebracht, im Z'mmer der Wöchnerin

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Kichtzlatz 2] Wnta bet itndj, 1 Pich,

Arrslarrdo

Lindo», 17. Juni.Morning Post" meldet au» Washington, General Mtle sei zur Theilnahme an den militärischen Conferenzeu etngetroffen, welche wegen der Ex­pedition nach Portorico ftattfiuden sollen.

Deutscher Aeich.

Berlin. 17. Juni. Nach einer Meldung au» New- Uork hatte der deutsche Botschafter in Wahington eine längere Confereuz mit dem amerikanischen Staatssekretär de» Aeußeren. Der Botschaster soll versichert haben, die Ent­sendung von Kriegsschiffen nach Manila bezwecke lediglich den Schutz der deutschen Unterthaneu. Der Staatssekretär er­klärte osfictell, er sei vollständig überzeugt, daß eine deutsche Einmischung außer Frage sei und daß Deutschland keinerlei feindliche Absichten hege.

Graz, 17. Juni. Au» Unter-Steiermark kommen HiobS- posten über Hochwasser. Die Sau und viele Nebenflüsse find ausgetreten. Die Stadt Ctlli ist zum Theil über­schwemmt.

Hießener Milder."

Die tu erfreulichster Weise steigende Theilnahme sür (ein Museum legt dem Oberhessifchen GesLichtSverein die Verpflichtung nahe, dem Bedürfniß unserer Mitbürger nach Belehrung über die heimische Vergangenheit noch mehr eut- z.rgrnznkommen al» seither. Leider können in die beschränkten »äume deS RathhauseS, mit denen fich die Sammlungen bi» ja ihrer hoffentlich im nächsten Jahre erfolgenden Ueber- ßtdelung in die würvig refiaurirten Räume des Landgrafen- fchloffts behelfen wüsten, nicht alle Thetle zur verdienten Geltung kommen. Die» gilt namentlich von der werthvollen ReiheGießener Bilder", die in ihrer Mehrzahl in Mappen «ad Schränken vergraben liegen. Wie ist da zu helfen?

Schon einmal, im Sommer 1890, hat der Verein eine Sonderausstellung seinerGießener Bilder" veranstaltet. Lei Gelegenheit der Enthüllung de» Liebigdeukmal» ist fie d»m Seiner Königlichen Hoheit dem Grohherzog eingehend b.ifichtigt worden. Ein zahlreicher Besuch legt Zeugniß von bfim großen Jntereffe ab, daS Gießen» Einwohnerschaft dem lLnternehmtn entgegen? achte. In rühmlichem Wetteifer Huben damal» Behörden und Private dem Museum werth- d»lle S Ücke überwiesen oder leihweise überlafieu. Neuer- ISihe Schenkungen ich erinnere an die von Herrn Ehr. Leo gestiftete Serie von Aquarellen bewetfeu, daß der Verein noch weit davon entfernt ist, eine auch nur annähernd d'-llständige Eollectiou der Gießener Bilder zu besitzen. Heraus denn mit den Aquarellen, Zeichnungen u. s. f., die meistens doch nur von anspruchsvolleren modernen Kunst- mzeugniffen verdrängt und vergeffen in den Winkeln hängen! Ha einer großen Sammlung gewinnt oft das Kleinste, an- scheinend Unbedeutendste Wrrth. Hier kommt es erst zur

Politische Wochenscham

Die Wahlschlacht ist geschlagen, wenn auch dteWahl- Sewegung Anfang» recht lau war, so gestaltete fich der Kampf schließlich doch noch sehr hefitg, sodaß Sieger und Besiegte erschöpft die Wahlstätte verließen. Ueber die künftige Zu­sammensetzung de» Reichstags jetzt schon urtheilen zu wollen, wäre vermessen, da die zahlreichen Stichwahlen noch eine wesentliche Verschiebung in den Parteiverhältniffen herbetzu- führen vermögen.

Da» zehnjährige RegierungSjubtläum des Kaiser» ist still verlaufen. Dasselbe hat zahlreiche Veränderungen in der Armee und Marine, sowie eine reiche Anzahl Orden»« und Rangverleihu-igeu gebracht. Bemerkenswerth ist die Ver­leihung de» Großkreuze» deö Rothen Adlerordens an den früheren Staatssekretär im RetchSmarineamt, Admiral Hol- aiann. Damit wird auch da» Gerücht widerlegt, daß derselbe tu Ungnade gefallen sei.

Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist wieder nach Berlin zarückgekehrt und hat sich sofort den Geschäften gewidmet. Bon ArbeitSmüdigkeit merkt man ihm nicht» an, und auch Itln vielbesprochener Brief an den Prinzen Carolath dürfte kaum die Klippe werden, au der der Fürst scheitert. Vor­läufig liegt nicht der geringste Grund für einen Kanzler- wechsel vor, die Zusage wegen Einführung einer den modernen RechtSanschauuugen entsprechenden Mtlttärstrasproceßordnung ist erfüllt, und dem Reichskanzler dürfte nicht allzu schwer werden, im Laufe der nächsten Parlameotssesfion auch seinem weiteren Versprechen bezüglich de» Vereins- und Bersamm- laiugSrechtS nachzukommen.

Recht bewegt sah ia letzter Woche im AuSlande au». Da» man schon länger voraußgeseheu hatte, trat ein: die «er tagung de» österreichischen Reichsrathß. An

ssige, deutsche irräder edener Systeme ren und Damen n) Wfih.

gcordnetevhsuies nur al» die beste Lösung angesehen werden, die Gewüther zu beruhigen. Freilich hat dieseß Mittel schon einmal versagt, aber mau sollte annehmen, daß die Regierung inzwischen klüger geworden ist und den Deutschen nicht länger vorenthält, wa» diesen doch einmal gewährt werden muß. E» fieht im österreichischen Kaiserstaate auch sonst recht 6e- wegt auß. In Galizien stehen antisemitische Exzesse auf der Tagesordnung, welche zu schweren Ausschreitungen Veran­lassung geben und Verluste an Menschenleben und Eigrnthum zur Folge haben, und in Brünn kam es anläßlich der Pa- laczkh Feier zu heftigen Zusammenstößen zwischen Ezecheu und Deutschen. Man fieht, e» ist Vieles faul im Staate Oesterreich.

Endlich hat Frankreich wieder einmal eine Minister- crifis, Meline hat die Dernisfion des Gesammicabioets osficiell gegeben, und dieselbe ist vom Präsidenten Fan, e angenommen worden. Man nahm zuerst an, Meline würde sein Cabinet nur reconstrutren, aber nach der Karnmerfitzung vom letzten Dienstag sah er doch ein, daß seine Zett gekommen war. Die Regierung wird vorausfichtlich die Farbe nicht wechseln, ins­besondere wenn Ribot mit der Neubildung des CabinetS be­traut wird.

Die Convention zwischen Frankreich und England wegen der Nigerfrage, ist nunmehr abgeschlossen und damit eine Angelegenheit aus der Welt geschafft worden, welche viel Staub aufgewirbelt hat und sogar zu ernsten Conflicteu die Aussicht eröffnete. Die englischen Blätter führten vor einiger Zett eine sehr kriegerische Sprache, wogegen man in Frankreich verhältntßmäß'g ruhig blieb.

Auf dem spanisch-amerikanischen Kriegsschau­plätze steht noch Alle» beim Alten. Bi»her find auf beiden Setten keine großen Thaten zu verzeichnen. Die Lage der Spanier auf den Philippinen soll sehr ernst sein, da die dor­tigen Insurgenten in gewaltiger Ueberzahl die Stadt Manila umzingelt haben. ES ist kaum aozuuehmen, daß die Spanier fich dort halten können, und man rechnet bereits mit der Uebergabe Manila». Biel commentirt ist die Entsendung der deutschen Kriegsschiffe nach den Philippinen, und in Amerika wurde bereits von einem Eingreifen Deutschland» gemunkelt, falls die Yankees diese Inselgruppe besetzen würden. Da» erscheint aber ganz ausgeschlossen, die deutsche Regierung hat jedenfalls nur Fürsorge treffen wollen, um ihre Unterthanen und ihre Handelsinteresseu auf dem malahischen Archipel

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