Ausgabe 
19.3.1898 Erstes Blatt
 
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Schottea. 17. März. Auf Aaregung des Landwirth- schaftlichen Bezirksvereins Schotten wird die Gründung riueSVogelSbergerZuchtvieh-VereinS beabsichtigt. Der hiesige Bürgermeister ladet die Interessenten zu einer Besprechung dieser Angelegenheit auf SamStag, den 19. d. M., Abends 8 Uhr, in daßDarmstädter Haus" hier ein.

? Ulrichstein, 17. März. Wie eine M-ttheilung in den Blättern bereits besagt, hat sich dieser Tage hier bei einer äußerst stark besuchten Versammlung ein Comitö gebildet, welche- die Ausarbeitung des einstimmig angenommenen Projekt- einer Eisenbahn von MÜcke-Mcrlau über Rapperteurod'Ulrichstein-Engelrod nach Herbstein und Lauter­bach übernommen hat. Es ist wohl allgemein bekannt, daß unter den Gegenden unseres engeren Vaterlandes der Vogels­berg mit Eisenbahnverbindungen sehr stiefmütterlich bedacht gewesen ist. Daß die landwirthschastlichen und gewerblichen Interessen einer Gegend im Verein mit dem Verkehr Noth leiben, wenn der Anschluß au die Hauptverkehrsadern, den Haupteisenbahnlinien, fehlt, wird wohl Niemand bezweifeln. In neuester Zeit ist auch der Vogelsberg erschlossen und in Verbindung mit den Verkehrsfträngeu gesetzt worden und immer weiter und bester sucht man diese Verbindungen aus­zubauen. Die Ausdehnung der Erschließung des VogelSvergS hat aber nur nach den drei Richtungen von Nord, Süd und Oft bis jetzt stattgesunden, während der West oder bester der Nordweft brach liegen geblieben ist. In dieser Gegend ist es nun das Ohmthal, das nach den jetzigen VerkehrSfuöm< engen bester wie keine zweite Gegend des Bahnbaues be­dürftig und für Anlegung der Bahn rentabel erscheint. Wo­her kommt der überaus große Verkehr auf der Station Mücke? Vom westlichen Vogelsberg. Daß dieser Verkehr aber noch ganz andere Dimensionen annehmen würde, wenn die in Rede stehende Eisenbahnlinie gebaut, ist jedem mit den einschlägigen Verhältnissen Vertrauten ohne Zweifel klar. Die so wenig aaSgebemeten überaus reichen Basaltsteinlager würden bei gedachter Bahnverbindung gewiß eine ganz andere Bedeutung erlangen, die wohlhabenden Ortschaften des Ohm thaleS, die weit ab von jeder Bahn liegen, bekämen den so wünscheuSwertheu Anschluß und namentlich würde die In­dustrie, die hier fast brach liegt, bet den in hiesiger Gegend gewiß noch niedrigen Arbeitslöhnen einen Aufschwung nehmen, der unserer Ggegend nur in jeder Beziehung zu Statten käme. Umsomehr empfiehlt sich der Bahubau im oberen Ohmthal, als derjenige im unteren bereits angenommen und in absehbarer Zeit ausgeführt werden wird. Durch die in Rede stehende Bahnlinie erhält erst die Ohmthalbahn ihre Haupt­durchführung zum Nutzen ihrer selbst und desjenigen der oberen Ohmihalbewohner bezw. der westlichen und nordwest­lichen Vogelsberger. Wir find gewiß, daß letztere bereit­willigst im ureigensten Jntereste den Plan genannter Bahn unterstützen, damit er zur Ausführung kommt und zwar je eher, je besser.

§§ Volkartshain (Kreis Schotten), 11. März. Ein hiesiger Ort-dürger kaufte kürzlich ein Grundstück in der Größe von 1600 Qa.-Mcter für den Preis von sage und schreibe vier Mark und zwar au8 freiwilliger Versteigerung. Obwohl die Lage eine ziemlich geringe ist, ist doch der Preis ein ganz außergewöhnlicher. Wahrscheinlich werden die OrtS- und AmtSgerichtSkosten den KauspreiS übersteigen. Dieses Grundstück war von dem seitherigen Besitzer für die Summe von drei Mark erworben worden.

Vermischter.

* Wehlar, 15. März. Ein jäher Unglücksfall Iras heute Nachmittag 2 Uhr den auf der Sophieuhütte bifchäs- ttgten Kesftlwärter Joh. Bernhardt aus Wetzlar. Als er einen Schieber vom K-ffel öffnen wollte und zu diesem Zwecke eine Leiter bestiegen hatte, ist er von dieser aus einer Höhe von zwei Metern abgestürzt, und zwar so nnglückiich, daß er dos Genick brach, waö seinen sofortigen Tod zur Folge hatte.

* Siegen, 14. Marz. Ein Seeadler in der statt­lichen Länge von 97 Ctm. mit 2,30 Meter Flügelspannung wurde gestern bet Crowbach am Fuße des K-ndelSberges tobt aufgefuvden. Man hatte dort einen vergifteten Hund för Füchse aufgelegt und an diesem hat der Seeadler,, welche gerne AaS annehmen, wahrscheinlich gekröpft und seinen Tod grsundeu.

* Düsseldorf, 14. März. Geftern Nachmittag hat der GenSdarm Otto im Vororte Rath einen verheirathrten Maurer, Vater von fünf Kindern, erschossen. Die un- glückliche Affatre hat sich in folgender Weise zugetragen: Vierzehn an einem Neubau in Rath beschäftigte Maurer waren in Streit gerathen. Gensdarm Otto wollte Ruhe stiften, wurde aber dabei von den Maurern angegriffen. Der Beamte zog, als er sich so bedrängt sah, seinen Revolver und drohte zu schießen, wenn man nicht von ihm ablaffe. Schließlich gab er einen Schreckschuß ab, und als auch baß

nicht half, richtete er die Waffe auf den vordersten seiner gesährlicheu Angreifer, der, von der Kugel in- Herz getroffen, sofort tobt niedersank

Kassel, 14. März. Der Badebesitzer Lenoir in Meran, ein Sohn unserer Stadt, der ihr schon etwa eine halbe Million an Stiftungen zugewandt, hat neuerlich hierzu noch weitere Nebenstiftungen für Waisevzwecke in Höhe von nochmals einer halben Million Gulden gemacht.

Hildesheim, 14. März. Der 1000jährige Rosenstock an der Apsis des Hildesheimer Domes, der von einem Schädling befallen war, scheint die Krankheit glücklich über» strhen zu sollen. Nach sachverständiger Behandlung mit Kalk« milch und anderen Mischungen ist die gegründete Hoffnung vorhanden, daß daS alte Wahrzeichen HildeSheimS demnächst wieder Schößlinge treiben wird. UebrigenS zeigt sich die allgemeinste Theilnahme für denPatienten". So traf u. a. sogar aus England eine Pulversendnng ein, mit dem wohl­gemeinten Rath, den Rosrnftock damit zu bestreuen.

* Die unrechte Tasche. Zwei elegant gekleidete Damen besteigen die Pserdebahn, die schon sehr besetzt ist, anderthalb Sitze laffen sich aber noch entdecken, und diese genügen, da nur die ältere Dame etwas beleibt ist. Als zum Be­zahlen kommt, lehnt sich die Stärkere ein wenig auf die Seite und beginnt ihre Hinteren Draperien nach der Tasche zu durchforschen. Sekunden und Minuten vergehen in peinlicher Stille. Daß Gesicht der Suchenden nimmt eine immer dunklere Färbung an und p'ötzlich hört man den Außrus: Laura, ich bin bestohlen! Meine Börse ist fort meine Tasche ist vollkommen leer!" Da räuspert sich der neben der Dame sitzende Student und meint:Gnädige Frau, vielleicht haben Sie die Güte, in Ihrer eigenen Tasche nach- zusnchen, wo Sie Ihre Börse schon staden werden. Meine Tasche tft allerdings leer."

Seine Entlarvung hat, wie man schreibt, eia hart­näckiger Simulant, seine- Zeichen- Stallwärter bet einer Hamburger Straßenbahn, unter erheiternden Umständen selbst herbeigesührt. Er war von einem Pferde leicht ge­schlagen worden und hatte ein Jahr lang seine volle Rente bezogen. Darauf erklärten mehrere Aerzte seine volle Er­werbsfähigkeit, trotzdem er behauptete, den rechten Arm nicht allein bewegen zu können. Bor dem Schiedsgericht gerieth der angeblich Leidende jedoch so in Aufregung, daß er aus der Rolle fiel und plötzlich mit dem völlig gelähmten Arm wiederholt umherfuchtelte Mit der Wiedererlangung der Rente war es nun vorbei!

CUcraiur rrnd Xun(t

Georg Engels neuestes Schauspiel »Abschied", das am 19. b. Mts. im Berliner Theater zur ersten Aufführung gelangt, erscheint demnächst im VerlagVita", Deutsches Verlagshaus.

Kirchliche Anzeigen -er Stadt Gietzen.

Svangeltsche @e4t11ues,

Gottesdienst.

Sonntag, den 20. März, Lätare.

3tt der Stadtkirche.

Vormittags 9*/$ Uhr: Pfarrer Dr. Grein-

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MarcuSgemeinde. Pfarrer Ur. Grein.

Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Beichte und heil. Abendmahl für die Matthäusgemeinde- An­meldungen zuvor bet dem Pfarrer der Gemeinde erbeten.

Mittwoch den 23. März, Abends 6 Uhr, fünfte PassionS« andachtt Pfarrer Schlosser.

In der JohanneStirche.

Vormittags"9Vs Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Vormittags um 11 Uhr: Kinderktrche für die LucaS- gemeinde. Pfarrer Dingeldey.

Abends 6 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Montag, den 21. März, Abends 8 vhr, Bibelstnnde im Confirmandenfaal der JohanneSktrche Epheserbrief, Cap 6, von Vers 1U an (Schluß): Die Stärke im Herrn zum Kämpfen, Wachen und Beten.

Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde.

Samstag den 19. März.

Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl- Beichte-

Sonntag den 20. März.

Vierter Fastensonntag.

Vormittags von 6Vs Uhr an Gelegenheit zur dl. Beichte:

um 7 Uhr erste hl. Messe; vor und in derselben Aus- theilung der heil Communion;

um 8 ui)r: zweite heil. Messe; Militärgottesdienst mit Predigt;

um y*/2 Uhr Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 5Vr Uhr: Christenlehre, darauf sacramentalische Bruderschaftsanducht.

Mittwoch Abend um 6 Uhr ist Faftenandacht.

Verkehr, CastO* «nd

Germania, Lebens BerficherrrngS-Aetien-Gesellschaft zu Stettin. Dcr 40. Rechnungsabschluß dieser Gesellschaft für das

Jahr 1897 zeigt wiederum einen großen Zugang an neuen Ver­sicherungen, ein bedeutendes WrchSthum der R servefonds und recht befriedigende finanzielle Ergebnisse für die mit Gewinnantheil Ver­sicherten. Durch die Neuaufnahme von 10377 Personen über 41109 543 Mk. Dersicherungkcapilal und 242 770 Mk. Jahresrente ist der aus dem Vorjahre übernommene Gesammt-VerstcherungS- bestand, abzüglich der Abgänge burd) Tod unb bei Lebzeiten Ver­sicherter, auf 186 092 Personen mit 558650 486 Mk. Versicherungs­summe und 2 277 510 Mk Jahresrente gestiegen. Dem Prämien- reservefonds wurden 40 pCt. der Jahreseinnahme überwiesen unb dessen G'sammtsummc hierduich um 12918911 Mk. erhöht auf 179058 999 Mk. Die Sich-rhettöfonds der Germania in Höhe von 206 477 981 Mk. sind gegen das Vorjahr um 14 074139 Mk. ge­stiegen. Das Gesellschaftsvermögen, von dem 82 pCt. mit 172874944 M. in mündelsichee-n Hypotheken belegt sind, erreichte Ende 1897 die Höhe von 210461 447 Mk. Nach ihrem Geschäftsumfang und Ver- mögenSstand nimmt bte Germania unter den Lebensversicherungs- Gesellschaften in Preußen die erste Stelle ein.

Neueste Nachrichten»

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 18. März. Zu dem gemeldeten Funde auf einem Friedhöfe berichtet dieStaatsbürger-Zeitung" weiter, daß schon eine ganze Anzahl von Verhaftungen, man spricht von 11, erfolgt sein soll. Außer den 44000 Mark seien noch 16000 Mark in Werthpapieren gefunden worden.

Berlin, 18. März. Die freisinnigen und socialiftischeu Blätter gedenken heute in längeren Artikeln und Festnummeru der 60jährigen Wiederkehr der März-Revolution.

Berlin, 18. März. In der gestrigen Sitzung der Stadt- verordnrten-Versammlung stand ein Amrag betreffend Nieder- legung eines Kranzes auf die Grabstätte der März­gefallenen durch eine Abordnung der Stadtverordneten­versammlung zur Berathung. Nach der Annahme des An­trages mit 58 gegen 40 Stimmen verlas der Oberbürger­meister Zelle unter lebhafter Bewegung der Versammlung ein Reskript des Oberpräfidenten, welches den Magistrat an- weist, den eben gefaßten Beschluß mit aufschiebender Wirkung zu beanstanden, da derselbe nichts anderes sei, als eine poli­tische Demonstration zur Verherrlichung der Revolution. Eine lebhafte Debatte knüpfte sich an diese Verfügung- schließ- ltch wurde ein Antrag Singer auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung gesetzt, gegen die Beanstandung des BeschluffeS die Klage beim ObervrrwaltungSkerichtShof zu erheben. Die neue Fraktion der Linken beschloß alsdann, sich heute in corpore nach dem Friedhöfe der Märzgefallenen zu begeben und dort Seitens der Fraktion einen Kranz nieder­zulegen. Wie es heißt, wird heute die gelammte Schutz- mannschaft auf den Wachen consignirt sein. Die Märzfeier hat beretts gestern Abend im Berliner Arbeiterrevier durch eine Veranstaltung begonnen, an der sich etwa 1000 Per­sonen beteiligten. Professor Quid de-München hielt die Festrede, in welcher er die Vorgänge deS 18. März 1848 eingehend schilderte. Heute wird baß Com.is zur Errichtung eines März-DenkmalS seine ErinnerungSfeier begehen.

Altona, 18. März. Die Märzfeter der Altonaer Socialdemokralen ist von der Polizei auf Grund des Artikels 29 der preußischen Verfassung verboten worden. Im Programm war eine Festrede, Gesang und Deklamationen vorgesehen. Bisher fand in gleicher Weise eine Feier all­jährlich unbehindert statt. (Absatz 2 beß Artikels 29 hebt die Freiheit der Versammlung unter freiem Himmel auf).

Wien, 18. März. Ein von der deutsch-nationalen Studentenschaft für den 18. März einberufener FestcommerS zur Erinnerung an die 1848er»z'age wurde von der Be­hörde verboten.

Saaz. 18. März. Die von dem deutsch-fortschrittlichen Abgeordneten Dr. Urban nach hier Unberufene Wähler­versammlung wurde von den Deutschnationalcn gewaltsam gesprengt. Letztere zertrümmerten sämmtliche Fenster unb richteten großen Schaden an.

London, 18. März. Daß Unterhaus nahm mit 184 gegen 35 Stimmen daß Gesetz betreffend die Handels­marine an.

London, 18. März.Daily Mail" meldet aus Capdown, daß.Cecil Rhodes abgereift sei. Dort circulirt das Gerücht, daß der Oberrichter Kotze von Transvaal auf Befehl der Regierung verhaftet worden fei.

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