Ausgabe 
19.2.1898 Erstes Blatt
 
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Gießen.

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itm vielseitig geäußerten ig entgegen, und werden ordmmgen, wie Stallung.

Surkünfteu gerne bereit.

Markicomii^: ier, Bürgermeister.

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N». 42

Samstag den (!). Februar

Erstes Blatt.

1898

Erscheint tägNch mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener Aamilieuvtätler werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Wir bringen zur allgemeinen Kenntniß, daß der Auf­trieb von Bieh zu den am 22. und 23. l. MtS. stattfindenden Märkten nicht vor 8 Uhr Vormittag» erfolgen darf.

Bis zu dieser Zeit ist auch daS Ausstellen von Vieh in den nach dem Marktplatz führenden Straßen verboten.

Zuwiderhandlungen werden unnachsichtig zur Bestrafung augezeigt.

Gießen, den 18. Februar 1898.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Ungarische Banernunruhe«.

Während fich tu der österreichisch-ungarischen Monarchie diesseits der Leitha ein Nattonalttätenkampf abspielt, der den Staat in seinen Grundfesten erschüttert und besten Ende noch gar nicht abzusehen ist, bereiten fich in Ungarn ernste Ereignisse auf anderem Gebiete vor. In frischer Trinoeruug ist es noch, wie im vorigen Jahre kurz vor dem Beginn der Ernte fich eine Strikebewegung unter den ländlichen Arbeitern verschiedener Bezirke Ungarns bemerkbar machte. Man wollte gerade während der Erntezeit den Strike procla- «treu und etwaige von den Gutsherrn von außerhalb herbet­gezogene HüifSarbetter an der Ausübung ihrer Pflichten vrrymoern. Dir Regierung hatte damals rechtzeitig um- fastende Maßregeln getroffen, um einer Krifi» vorzudeugeo; sie hatte Militär in das bedrohte Gebiet entsandt und auch sonst dasür gesorgt, daß der Gang der Erutearbeiten nicht unterbrochen wurde.

Im vorigen Jahre glaubte man allgemein, daß es fich bei den Bauerurevolten um locale Ereignisse handle, die durch die Maßregeln der Regierung definitiv beseitigt worden seien. Wie sehr man fich aber getäuscht hat, beweisen die neuerlichen Vorgänge im Szabolizer Comitat, wo eS nicht mehr zweifelhaft ist, daß e» fich um eine soctalistische Be­wegung handelt, welche bereit- jetzt einen großen Umfang angenommen hat und sich auch noch weiter auSzubreiten ver- spricht. Die Lage erscheint um so bedrohlicher, als fich viel­fach die Bauern verschiedener Ortschasten zusammenrotten und gegen die öffentliche Ordnung Front machen. Die schon jetzt mit dem Militär und der Polizei vorgekommeueu Zusammenstöße find sehr schwerwiegender Natur, da eine große Anzahl Personen verwundet wurde, unb dabei ist die Erregung und Erbitterung noch im Wachsen begr ffen, so daß man noch ernsten Ereignissen entgegensetzen muß. Es ist ja selbstverständlich, daß schließlich das Militär der Be­wegung Herr werden wird, aber damit ist die Beruhigung der Gemüther keineswegs wieder hergestellt, und die Erreg­ung wird nur so lange zurückgedrängt, bis ein äußerer An­laß das Signal zum Ausbruch neuer Revolten gtebt.

Es drängt sich Jedem die Frage auf, wie denn dauernd solchen Zuständen abzuhelfen und in welcher Weise die Bauern zufrtedengeftellt werden können. Ihre ^n8u^tc^cn* bett hat ihre Ursachen auf politischem und wirthschastltchrm Gebiete. DaS Wahlsystem Ungarns ist auf einem Steuer- census gegründet, der die arbeitende Bevölkerung fast voll- ständig von einer Vertretung im Abgeordnetenhause, von der Ausübung eines Wahlrechts auSschließt. Für die Wünsche der arbeitenden Klaffen herrscht im ungarischen Parlamente deshalb auch wenig Verständniß, und es steht fest, daß für die Landbevölkerung Seitens des Parlaments so gut wie nichts geschieht. DaS ist um so wunderbarer, als Ungarn bekannt- ltch ein rein agrarischer Staat ist, dessen EMenz fich ganz auf die Landwirthschast stützt. Die Arbeitslöhne und Leben.- verhältuiffe der ländlichen Arbeiter find heute noch dieselben wie vor dreißig Jahren, und auch sonst ist in socialer Hin- ficht fast nichts gethau. Daß unter solchen Umstanden die socialisttschen Agitatoren leichte. Spiel haben, ist erklärlich, Insbesondere bei den eigenartigen Verhältnissen, welche sonst noch mitsprecheu. Während bei un- in Deutschland der Kleiugruudbesitzer eine Säule der staatlichen und gesellschaft- lichen Ordnung bildet, der auch heutenoch vonl den Lehren der Soctaldemokratie unberührt geblieben ist, ist der große Theil des ungarischen KleiugrundbefitzeS nicht lebensfähig Während unsere Bauern, mag ihr Grundbesitz auch noch so klein sein, stolz find auf ihre Unabhängigkeit, muß der Eigen- thümer eines kleinen ungarischen Bauerngut- mit seiner

Familie Taglöhnerarbeiten verrichten bei den großen Grund- befitzern. Die Löhne sind äußerst niedrig und reichen kaum hin zur Fristung eine- kümmerlichen Dasein»; das Berhältniß zwischen Großgrundbesitzern und diesen tagelöhnernden Bauern ist daneben kein günstige-, vielmehr immer gespannt. Daß unter solchen Umständen die Unzufriedenheit groß ist und die Bauern zu gewaltsamen Schritten veranlaßt, um ihr LooS zu verbeffrrn, ist nicht zu verwundern.

Bet uns in Deutschland gehen die Bemühungen der Re­gierung auf die Erhaltung und Kräftigung de- freien Bauern­standes,- in ihm sieht man ein Bollwerk gegen die Ideen des Umsturzes. Die ungarisch- Regierung sollte diese- Mittel auch einmal versuchen und fich fernerhin nicht nur von dem Egot-muS der großen Besitzer leiten laffen. Mit Trvppen- macht und Polizeigewalt läßt sich ein Volk auf die Dauer nicht zähmen, läßt fich keine sociale Frage lösen, (xx)

Deutscher Ueich-tag.

43. Sitzung vom Donnerstag den 17. Februar 1898.

Tagesordnung: Fortsetzung der ersten Berathung der Postdampfersubventionsvorlage.

Abg. Weiß (frs. Vp.) wendet fich gegen die Aus­führungen des Abg. Frese und bemerkt sodann, daß an der Steigerung des gesammten Frachtverkehrs nach Ostafieu die nichtsubventionirten Hamburger Linien mehr betheiligt seien als der Lloyd. Jedenfalls wolle seine Partei nicht, daß mit dem Gelbe deutscher Steuerzahler die ausländische Eoncurreuz unterstützt werde.

Staar-secretär GraiPoiaoowSty bezeichnet die Be- hauptung al. irrig, daß die Subvention die nichtsubventionirten Linien schädige und so den Unternehmungsgeist lähme. Auch die Bezugnahme auf da- Ueberwiegen ausländischer Waare auf den Subventionsdampfern fei unzutreffend, denn es laffe fich in Antwerpen der Ursprung der Waare gar nicht so ge­nau feststelleu. Unser ostasiatischer Handel bedürft jedenfalls der subventiouirten Linien, und eS stehe fest, daß letztere trotz der Subvention noch immer ein erhebliches Risiko hätten. Ueber die Concurrenz der sibirischen Bahn ein Urtheil :ju gewinnen, sei sehr schwer. Jedenfalls müffe man fich aber um so mehr bemühen, den oftastatischen Markt, wenn auch mit Opfern, zu gewinnen. Ein baldiger Wegfall der Subvention für die Linie nach Australien sei nicht beabsichtigt. Künftig werde auch die Hamburg-Amer'.kauische Linie, nach einem Ver­trag mit dem Lloyd, vier Schiffe einstellen, die Abmachungen mit dem Reiche blieben aber in der Hand des Lloyd. Durch unser Volk geht das Gefühl, so schließt Redner, daß fich uns in Ostafien eine große Aussicht erschließt, und daß eine große Nation dasür auch Opfer bringen muß.

Abg. Müller-Fulda bedauert, daß nicht entsprechend dem Wunsche vieler Industrieller in Süddeutschland Rotter- dam angelaufen werde, statt Antwerpen. Die landwirth- schaftliche Sette der Vorlage müffe erst in der Commission geprüft werden. Grundsätzlich werde jedenfalls seine Fraktion^ wenn es fich in der Commisston herausstelle, daß die Vorlage der deutschen Industrie sörderltch sei, ohne der Landwirth- schäft zu schaden, derselben zustimmeu.

Abg. Graf Limburg-Stirum(cons.) wünscht, daß ge­prüft werde, ob der Llyod künftig nicht ohne Subvention dem Bedürfuiß genügen könne. Der größte Theil seiner Freunde werde die Vorlage bewilligen, wenn sie wirklich unserem Handel und unserer Landwirthschast Vortheil schaffe. Redner geht nunmehr auf die Noth der Landwirthschast ein, die thatsäch- lich noch bestehe, und fordert seine FractiouSgenoffen auf, zusammenzuhalten und für die Landwirthschast einzustehev.

Abg. Jebsen (nl.) ist sür die Subvention. Dieselbe dürfe man nicht fallen laffen, nachdem im Auslande so große Anstrengungen gemacht würden.

Abg. Molkenbuhr (Soc.) ist gegen die Vorlage. In den Hamburger HandelSkretsen bestehe gar kein Jntereffe sür die Vorlage, wie eine Auslastung der dortigen Handelskammer über die vorjährige Vorlage beweise.

Hanseatischer Bevollmächtigter K lüg mann entgegnet, aber zu dieser Vorlage habe fich die Handelskammer durch- aus zustimmend geäußert.

Abg. Hahn (b. k. F.) tritt in längeren AuSsühruugen für die Vorlage ein.

Hierauf vertagt fich daS HauS auf morgen 2 Uhr. Tagesordnung: Militäretat.

Schluß 5i/a Uhr.

Aus den Verhandlungen der Zweite« Kammer der hesfische« Stände.

G. Darmstadt. 17. Februar 1898.

Die Sitzung wird um 9'/z Uhr eröffnet und die Be- rathungen über das Staatsbudget fortgesetzt mit Capitel 41, Gymnasien, Realgymnasien und Real­schulen. Abg. Freuay wendet fich zunächst gegen die Ansicht einiger Redner, als seien die DiScipltnen au den Gymnasien nicht die richtigen. Auch die gegen die Abiturienten erhobenen Anschuldigungen müffe er entschieden zurückwetseu. Geh. Oberschulrath So ldan gibt eine zahlenmäßige Dar­stellung über die von der Regierung bezüglich der definitiven Besetzung der Lehrerstellen im neuen Budget getroffenen An­ordnungen. Abg. Schröder spricht fich sür Reformen au-, kann fich aber nicht mit dem Abg. Brentano einver­standen erklären, der die klafftschen Sprachen, insbesondere Griechisch und Latein, aus den Ghmnafien entfernt wissen will. Er weist auf England hin, wo das klastische Latein bei Weitem mehr getrieben werde, wie bei un». Man habe hier alle Ursache, vorfichtig zu sein. Die ganze Entwickelung unserer Hochschulen beweise, daß man nicht auf dem alten Boden stehen bleiben könne. Bezüglich der Anficht de- Abg. David über die Bildung unserer Abiturienten bemerkt er, daß dieselbe auf der Höhe der Zett sei. Dieselben seien In der Politik und in den LandeSgesetzeu, in ersterer vielleicht oft zu viel zu Hau». Die Gymnasiasten dürften nicht dresttrt, insbesondere nicht in dem Sinne de» Abg. David drestirt werden. Siebter wünscht, daß auch da» religiöse Element seinen Ausguck in den Schulen findet. Davon habe er von Herrn David nicht» gehört. Er freue sich, daß eS auch Lehrer gibt, die nicht blo» dreffiren, sondern erziehen, und bespricht dabei die provisorische Besetzung der Lehrerstellen. Er halte die Aufgaben der Lehrer an den Schulen für so wichtig, daß hier nicht gespart werden dürfe und er wünsche aus diesem Grund, daß die akademisch gebildeten Lehrer gleichgestellt werden gegenüber den Richtern. Er fragt die Regierung, ob dieselbe nicht entschloffen sei, eine Bestimmung über den Bildungsgang der Fachlehrer zu ertasten, insbe­sondere um damit die Gleichstellung der Fachlehrer mit den seminaristisch gebildeten Lehrern herbeizusühren. Da­mit falle auch zusammen die Besserstellung der seminaristisch gebildeten BolkSschullehrer an den Realschulen. Er bespricht sodann die Errichtung einer Oberrealschule zu Darmstadt. Dieselbe bilde ein Glied zwischen der Technischen Hochschule und der Realschule und sei daher zu besürworten. Finanziell genommen sehe die Sache heute unscheinbar au». Später werde aber die fiianztelle Seite hervortrelen.- Geh. Staats- rath Knorr v. Rosenroth erklärt, die Regierung werde die von dem Abg. Schröder angeregten Fragen prüfen. Wenn es finanziell möglich sei, werde dieselbe der Sache näher treten. Geh. Oberschulrath Soldart stellt fest, daß an die Fach­lehrer, insbesondere die Zeichenlehrer, weit größere An- forderungen gestellt werden als an die seminaristisch gebildeten Lehrer. Der Zeichenunterricht fei eine Forderung der Neu­zeit. Er gestehe aber auch ruhig zu, daß man in Hessen noch nicht auf der Höhe der Zeit stehe. Wenn diese» aber der Fall sein solle, so müsse man auch die Zeichenlehrer auf- bessern und anstellen. Abg. Metz bespricht die Lehr- methode in den Ghmnafien und hebt hervor, daß e» ihm scheine, daß in den unteren Klassen der Gymnasien die ele­mentaren Kenntnisse nicht genügend etvgepaukt werden. Es gebe gewisse Dinge, die bei Schülern derselben nicht sestfitzen. Er bespricht sodann die UrberbürdungSfrage der Schüler und hat die Meinung, daß hier die Humanität zu weit getrieben werde. Damit würde die Jugend vom Arbeiten abgehalten. Die srüheren Lehrer hätten gegen die heutigen entschieden viele» voraus. Dieselben hatten eS verstanden, baß Bewußtsein bet den Schülern zu erwecken, baß bte Lehrer es gut mit den­selben meinten. Jetzt seien viele Lehrer am Ende der Lehr­zeit nur noch Richter über ihre Schüler und daS sei falsch. Hier sei der Hebel zu einer Besserung anzusetzen. Abg. Dael v. Köth bespricht die Lehrbücher von David und Wilhelm Müller, welche in den hessischen Schulen eiugesührt seien. Hierin sei in gehäsfiger Weise gegen die Katholiken geschrieben. Er ersucht um Remedur. Geh. Oberschul­rath Soldan erklärt, die Regierung beabsichtige, diese Bücher aus der Schule zu entfernen und andere einzuführeie. Auch die BesoldungSsrage bezüglich de» Religionsunterrichts soll im nächsten Budget geregelt werden. Abg. Ulrich fragt bei der Regierung au, ob bezüglich der von den Pro­fessoren der Technischen Hochschule geplanten öffentlichen, un­entgeltlichen Borträge schon Schritte geschehen seien. Er