Denkmälern auf Massengräbern zu gewinne», hat der Vorstand dieser Vereinigung Ansicht» - Postkarten vom Schiachtfelde bei Metz Herstellen lasten, und zwar: 1) eine bunte Ansichtskarte mit den Denkmälern bet Gravclotte u. s. to., 2) eine Ltchtdruckkarte mit dem franzöfischeu Denkmal in Mars-la Tour, außerdem noch eiue Serie schöner Ansichts-Postkarten von Gorzr-Btouvtlle, St. Privat u. s. w. Arreste sürBestrlluugeu und Geldsendungen: Herrn Iona», Schatzmeister der Bereinigung Metz, Bahnhof.
*♦ Wetterbericht. Heute treten zwei Depresfionsgebiete auf, das eine im Osten und theilweife auch im Süden Europas als Rest des gestrigen Minimums ein zweite» neue» über den Shetland. Inseln. Zwischen beiden zieht fich von Südwesten her ein Rücken hohen Druckes über Frankreich und über Nordwest-Deutschland bi» gegen Skandinavien. Auf unserem Gebiete fallen in den südlichen und westlichen Gebietstheilen Niederschläge, welche theils als Regen, theil» als Schnee auftreten, während e» im Norden am Morgen aufgeklart hatte. — Vorausfichtliche Witterung: Un6ePän* dtges und kühles Wetter mit zeitweisen Schneefällen.
Schwurgericht.
W. Gieße», 16. Decewber 1898. (Schluß der Verhandlung gegen die Aogeklagteu Baer und Dambwauu au» Raiurod wegen Brandstiftung.)
Den Geschworenen waren zur Prüfung und event. Be- antwortung 16 Fragen vorgelegt. Staatsanwalt Zimmermann führte aus, daß er voll und ganz unterschreibe, waber als Zeuge vernommene Untersuchungsrichter, Landgerichtsrath Seeger, betreffs der beiden Angeklagten gesagt habe, auch ihm seien in seiner Praxis noch nie zwei Menschen vorgekommen, denen der Stempel de» Verbrechens so auf die Stirn gedrückt wäre, wie dies bet den Angeklagten der Fall ist. Alle die Verbrechen, mit denen die Geschworenen sich in der abgelaufenen Session zu beschäftigen gehabt hätten, sie waren begreiflich und erklärlich, und die Personen, welche sie begangen, sie waren wegen ihre» Thuns menschlich zu entschädigen, denn sie zeigten Reue und hatten au» dem Grunde ein Geständniß gemacht. Die Angeklagten Baer und Dambmann haben aus Lust am Verbrechen den Frieden ihrer kleinen Heimathsgemeinde gestört, sie haben Leuten, die ihnen nie etwas gethan, nur um ihnen einen Schabernack zu thun, den Brand an die gefüllten Scheuern gelegt. Eimr von den Angeklagten fei so schlecht als der Andere, grundschlecht seien sie alle Beide und alle Beide gehörten in'» Zuchthaus und zwar auf möglichst lange. Der Staatsanwalt ist der Ansicht, es seien auch die Geschworenen einig über die Frage, daß der Brand beim Förster, wobei außer der fiscalischen Scheuer die des Dambmann mit niedergebrannt sei, sowie der Brand in der Bechtholdffchen Mühle gemeinsam von beiden Angeklagten gewollt gewesen, und Beide haben diese Brände gemeinsam verursacht. Ebenso halte er für voll und ganz erwiesen, daß der Angeklagte Baer da» Feuer in der Schauermann'schen Wirthschaft vorsätzlich veranlaßt habe. Die Vertheidiger hatten bei dem vorliegenden erdrückenden Belastungsbeweis eine schwere Position. Rechtsanwalt Mendelsohn führte den Geschworenen vor, daß sein Client, der Angeklagte Baer, geständig sei, aber entschiede« bestreite, schuldig zu sein der Brandstiftung bei Schauermann. Rechtsanwalt Engisch, der Vertheidiger des Angeklagten Dambmann, plaidirt für Bejahung der Beihülfe zu dem Verbrechen der Brandstiftung, dieser sei nur der Verführte gewesen, und darum empfehle er den Geschworenen, die Frage nach mildern- den Umständen zu bejahen, um so dem Angeklagten Dambmann, der noch jung und doch nicht so verdorben sei wie sein Genosse Baer, vor dem Zuchthause zu bewahren. Nach kürzet Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden und nach noch kürzerer Berathung der Geschworenen verkündet deren Obmann, Postsecretär i. P. Mayer-Gießen, deren Wahrspruch, wonach die Angeklagten Baer in drei Fällen, Dambmann in zwei Fällen schuldig der Brandstiftung; die Fragen nach mlldernden Umständen aber verneint waren. — Staatsanwalt Zimmermann beantragte, gegen Baer 15 Jahre, gegen Dambmann 10 Jahre Zuchthaus zu erkennen. — Da» Glicht erkannte grg-a Baer unter Einbeziehung einer von demselben noch zu verbüßenden dretmouatttchen Gefängnißftrafe auf 13 Jahre 2 Monate Zuchthaus. Dambmann wurde zu 6 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Beiden Angeklagten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 6 Jahren aberkanvt. Der Vorsitzende dankte den Geschworenen sür ihre Mühewaltung und erklärte, daß der Gerichtshof die von denselben abgegebenen Urthetle, als ganz in seinem Sinne gefällt angesehen habe.
Vermischtes.
• Der Mensch in chemischer Lewerthuug. Man hat ausgerechnet, daß die „Stoffe" eine» 68 Kilogramm toteren- den Menschen in der Substanz von 1200 Hühnereiern tut« halten sind. Im luftsörmig flüssigen Zustande würde derselbe Mensch 98 Cubtkmeter Ga» und genug Wafferstoffga» liefern, «m einen Ballon m t einer ausstetgenden Kraft von 70 Klg. fortzubewegen. Im normalen Zustand enthält der menschliche Körper genug Eisen, um sieben große Nägel, soviel Fett, «m 6 Klg. Kerzen, soviel Earbou, um 65 große Bleistifte auferttgeu zu köaoen. Aber da» ist noch nicht Alle»! Der Mensch trägt soviel Phosphor in fich, daß er für rund 820,000 Streichhölzchen ausreichen würde. Außerdem find «och 20 Kaffeelöffel Salz, 50 Stück Würfelzucker, 42 Liter Wasser und einige kleine Prisen wenig bekannter chemischer Substanzen vorhanden.
• 3nm ersten Pasteur-Institut in Süd-Indien ist iu H y- derabad der Grundstein gelegt worden. Für die Kranken aller Klassen wird damit ein Krankenhau» verbunden sein, da» sowohl den britischen Unrerthanen al» den Uuterthaneu de» Nizam zur Verfügung steht. Die Anstalt soll nicht nur allen Personen, die von giftigen Thtereu gebissen worden find, schnelle Hilfe ermöglichen und ihnen so Verluste au Zeit
und Geld ersparen, sondern auch Gelegenheit zu gründlichen baeteriologischeu, chemischen und pathologischen Untersuchungen geben, die zur Aufklärung und Bekämpfung der wett verbreiteten und gefährlichen Krankheit de» indischen Klima» beitragen können. E-ne der Hauptzwecke der Anstalt war außerdem in der Heranbildung tüchtiger Aerzte und Gelehrter gefunden. Die Studenten der Medicin werden dort Unterweisung in dm allerueuesten Verfahren zur Beobachtung, Behandlung und Vorbeugung von Eptdemieen erhalten, und alle von der Rr- gierung de» Nizam angestellten Aerzte werden diese Schule durchzumachen haben. Tin photographische» Laboratorium wird al» besonder» werthvoll für die neuen Untersuchungen über Pest und Malaria anerkannt. Die Leitung übernimmt ein Stabsarzt in Hehderabad, der kürzlich in Edinburgh, Paris und Berlin feine Ausbildung vollendet hat.
Eingesandt.
Gießen, 17. December 1898.
Die Segnungen unseres VolksbadeS, das der berechtigte Stolz Gießens gewordm ist, empfinden nicht zum wenigsten die geistigen Arbeiter, die durch ihren Beruf den Tag hindurch an Schreibtisch oder Katheder gefesselt sind. Wem von ihnen freilich der ganze Vormittag, wie so Vielen, im Dienste des Berufes vergeht, der wird vielfach mit Sehnsucht nach der Möglichkeit ausschauen, vor Beginn seiner Dienst- oder Comptoirstunden durch ein erquickendes Tummeln im Schwimmbad für die Anstrengungen de» TageS fich zu stärken. Es ist ja bekannt genug, daß ein nach harter geistiger Anstrengung in den Abendstunden genommenes kaltes Bad vielfach, statt wohlthuend zu wirken, vielmehr zur Störung des körperlichen und geistigen Wohlbefindens beiträgt, und daß deshalb für Viele der Gebrauch von Schwimmbädern in den Abendstunden von ärztlicher Seite wtderrathen wird. Unter diesen Umständen gestatten wir unS, darauf hinzuweisen, daß eine frühere Oeffnung des Schwimmbades, etwa um 7»/, oder 7»/§ Uhr die Benutzung des Schwimmbades auch den Vielen ermöglichen würde, deren Dienstzeit (wie da» bei vielen Lehrern, Beamten, Kaufleuten u. s. w. der Fall ist) um 8 oder 8Vi Uhr beginnt, und die bisher von der Gelegenheit zu Vormtttagsbädern meist die ganze Woche hindurch auSgeschlossm £ find. Die Verwaltung deS VolksbadeS würde fich durch eine solche leichte Aenderung dec Badeordnung zweifellos vielseitigen, aufrichtigen Dank verdienen. H.
verkehr, Cattb* utt» volk-wirthschaft.
Gieße«, 17. December. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. JL 1.00—1.10, Hühnereier per St. 7—10 2 St. 00—00 H, Enteneier 2 St. 00—00 Gänse
eier per St. tl—13 Käse 1 St. 5—8 Käsematte per St. 8 Erbsen per Liter 20 Linsen per Liter 30 Tauben per Paar JL 0.00—0.60, Hühner per St. 1.00—1.20, Hahnen per Stück JL 0.90—1.40, Enten per St. JL 1.80—2.50, Gänse per Pfund Al 0.48—0.60, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 46—58 Schweinefleisch per Pfd. 68—76 H, Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 80 fh, Kalbfleisch per Pfd. 60—00 H, £ Hammelfleisch per Pfd. 50—66 H, Kartoffeln per 100 Kilo 6.00 bis S 6.50 AL, Weißkraut per St. 10—20, Zwiebeln per Ctr. 5.00—5.50, ?
Milch per Liter 16 H.
Dauer der Marktzeit von 8 Uhr Morgens biS 2 Uhr Nach- 1 mittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im i Umherziehen nicht feilgeboten werden.
Aeneste Nachrichten.
Depesche« de» Bureau ,HersH".
Berlin, 17. December. Die neueste Nummer des „Süddeutschen Postillon" ist auf Veranlassung der Münchener Staatsanwaltschaft wegen de» Gedichte» „Ein WethnachtSlied" eonfiScirt worden. Auch in der hiesigen Buchhandlung de» „Vorwärts" wurden einige Exemplare beschlagnahmt. Da» Gedicht soll gegen § 166 de« Strafgesetzbuches verstoßen, der -ton vergehen wider dir Religion i handelt.
Berlin, 17.December. In Madrid circulirtengestern, nach einem Telegramm der „Bosfischen Zeitung", Gerüchte von einem Anschläge gegen Sagasta. To viel von! maßgebender Stelle mitgetheilt wird, ist der Fall folgender: Ein aus Cuba hrimgekehrter Soldat wurde gestern Nach- ' mittag auf einer Bank de» Präfidial-Gebäude» schlafend und betrunken aufgefunden. Al» die Schutzleute ihn hinauSschafften, machte er einen fürchterlichen Scandal.
Berlin, 17. December. Die Letzlinger Hofjagd wird nach einer dem „Berliner Tageblatt" au» Salzwrdel j zugegangenen Meldung in diesem Jahre, wie nunmehr fest- • steht, nicht statlfinden.
Berlin, 17. December. Wie der Lokal-Anzeiger au» « München meldet, wird da» 3. bayerische Armer-CorpS be- * reit» am 1. April errichtet. Da» erste bleibt in München, das 2. kommt nach Nürnberg und da» dritte nach Würzburg, tz Drm Rath der Stadt Leipzig ist vom sächsischen Krieg»- Ministerium mitgetheilt worden, daß der Sitz de« Gmeral- , CommandoS für da» neu zu bildende 19. Armee-Corp» nach Leipzig gelegt wird.
Berlin, 17. December. In Monte Carlo vergiftete l fich dem „Berliner Tageblatt" zufolge ein 36 Jahre alter J Deutscher Namen- v. Schmitz. In einem Brief an den r Hotelbesitzer gibt er Spielverlust al» Motiv zum Selbstmord an.
Berlin, 17. December. Au» London meldet da» „Berliner Tageblatt": Der Dampfer „I. Walker" ist bei San Francisco infolge einer Krssel-Explofiou in die Luft geflogen. Der Capitän und 5 Mann find tobt, 15 leben»- gefährlich verletzt.
Berlin, 17. December. Mit Unterstützung der Oppo- z fitionS-Parteien wird der Abgeordnete Haussen im pren- 'l ßischen Abgeordnetenhause Ende Januar eine Interpellation M über die Ausweisungen in Schleswig Holstein einbring n.
Bien, 17. December. Da» Amtsblatt publicirt eine l Verordnung, nach welcher die seiner Zeit vorgenommene t Sistirung der Gefchworeuen-Gerichte für die Be- * zirke Jaslow und Tarnow aufgehoben wird.
Wien, 17. December. Wie von unterrichteter Seite mitgetheilt wird, find durch ein Übetau» herzlich abgefaßte» j Handschreiben Kaiser Wilhelm» an Kaisers Franz Josef alle Verstimmungen, welche durch die bekannte | österreichische Interpellations-Beantwortung de» Grafen Thun ° \ betreffend die Ausweisungen von Oesterreichern au» Preußen
zwischen den Regierungen von Berlin und Wie« entstanden^ vollständig beseitigt worden. An maßgebender Stelle hat der Schritt Kaiser Wilhelm», der die Initiative ergriff, große« Eindruck gemacht.
Pari», 17. December. Die von der „Libre Parole" für die Bittwe Henry veranstaltete Sammlung ergab bi» jetzt die Summe von 34000 Fr».
Pari», 17. December. Der Cassatiuo»hof toitbr wie der „Figaro" meldet, heute Janrö» und einige andere Personen über da» angebliche Geständniß Dreysn» verhören. Am nächsten DieuStag sollen Lebrun Röuauld und einige andere Zeugen verhört werden, während am Mittwoch da» verhör de» früheren Minister» PoiucarrL stattfindet. Der Brief, welchen Esterhazy an den General-Procnrator Manau gerichtet hat ist von diesem dem Caffation»hof vorgelegt worden. E» ist aber noch keine Entscheidung getroffen, ob und in welcher Weise der Brief beantwortet werden soll.
Rom, 17. December. Der „Jtalie" zufolge wird die Regierung heute der Kammer den Handel»vertrag mit Frankreich unterbreiten.
London, 17. December. Lord Salisbury hielt gestern eine längere Rede über das Verhältniß Frankreich» zu England, in welcher er sagte, daß England nur deshalb nicht den Krieg erklärt habe, weil die Gefahren noch größerer Verwickelungen bestanden hätten.
Loudons, 17. December. „Gtaudard" meldet au- Shanghai': Die chinefische Regierung hat die französische und englische Concession auf der Insel Tsai-Tao-Tae zugestanden. Die chinesische Regierung hat ferner erklärt, sie könne den Franzosen keine weiteren Zugeständnisse machen.
London, 17 December. „Daily Mail" meldet an» Rom: Ja den Wandelgängeu der Kammer erklärte gestern der Abgeordnete Del Ono, eß bestehe zwischen England und Italien ein Uebereinkommen, w,ltze» einem formellen vertrage gleichkomme anb wonach beide Staate« wegen der Frage de» Rothen Meeres Hand in Hand gehe» werden.
Petersburg, 17. December. Sofort nach der Rückkehv be» srauzöstichen Botschafter» Montebello nach Petersburg werben die Verhandlungen, betr. die CultnS-Streitig- feiten bezüglich der Ausübung deSCnltu» feiten» der Katholiken und Griechisch-Orthodoxen in Jerusalem, beginnen.
Petersburg, 17. December. Zwischen Rußland und Oesterreich wurde ein Abkommen getroffen betreffend Ermäßigung de» Tarif» für Fleischtransporte von Rußland nach Oefierreich.
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