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18.6.1898 Zweites Blatt
 
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3lt. 140 Zweites Blatt

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1.

1

3.

«edactton, Expedition und Druckerei:

Achutßrnt« Nr. 7.

u. dergl., find bloß verboten- ernstere Versündigungen da- gegen, wie z. B. Nacht» aus der Straße singen, die Reinigung de» Bürgersteig» verabsäumen, Sonntag» Grießmehl ver- kaufen, trifft da» strenge verbot. Einige verbrechen find jedoch so staat». und gesellschaftswidrig, daß der Superlativ strengstens" unentbehrlich ist- dazu gehören Brandstiftung, Gefährdung eines Gtsenbahnzugrs, Selbstmord, HtnauSlehnen au» dem Fenster u. dergl., letztere» sowohl wegen Gefährdung der Tunnelwauduugeu, al» weil es dem Selbstmord nahe­kommt. DaS find die lebensgefährlichen Unternehmungen, die unter Umständen mit dem Tode bestraft werden. Ich glaubte meinen italienischen Geuoffen überzeugt zu haben, «der nach kurzem Schweigen vernahm ich die murmelnden Wortedalla mia opinione basta: non sporgersi. Rach seiner Meinung genügte : Nicht htnauSlehnen 1 3® Herzen mußte ich ihm wieder recht geben, aber ich that, al» ob ich ihn nicht verstanden hätte.

Glücklicherweise sragte er mich nicht nach dem Grunde des viermaligen, ziemlich barschen Verbote», länger a!S eine angemessene" Effeuszeit im Speisewagen zu verweilen- ich würde doch verlegen geworden sein. In italienischen, frau- zöstscheu und englischen Speisewagen steht so etwa» nicht- dort genügt vöthigensall» die höfliche Bitte de» Kellner»: Würden Sie wohl so freundlich sein, Platz zu machen­der Herr wollte auch speisen. Aber selbst da» ist selten vöthtg, denn der Satte macht dem Hungerigeu ganz von selbst Platz.

Eta höherer Eiseobahnbeamter, den ich eine» Tage» nach der Ursache der merkwürdig großen Zahl von langathmigen Ankündigungen, Warnungen und Verboten in unseren deutschen Etsenbahnzügrn fragte, antwortete mir ziemlich unhöflich: da» wisse er nicht, auch sei das nicht seine Sache, sondern sei ein juristische» Decernat; er habe für einfachere Dinge zu sorgen. Er war nämlich Maschimntechniker. Die» veranlaßte mich, nachzudeuken. Und tu der That, die Sache ist nicht so ein* fach, wie fie zu sein scheint. Dem gewöhnlichen Sterblichen möchte e» zwar so Vorkommen, als ob drei viertel aller An­kündigungen in den Eisenbahnwagen überflüsfig seien, weil man fie entweder nicht liest oder weil ihr Inhalt selbstver«

Deutschland

im spanisch-nordamerikanischen Kriege.

E» gab eine Reihe von Schwarzsehern, welche bei« Außbruch deS spanisch-amerikanischen Kriege» einen vollstäadtgen Niedergang deS deutschen Handel» prophezeiten, da der Handel Deutschland» mit den Bereinigten Staaten und unser Traufit- verkehr über dieselben hinaa» einen großen Procentsatz unseres Handels überhaupt ausmachen. Jedoch haben fich alle diese Sefürchtungen nicht in vollem Maße bestätigt. Wohl hat ' der Verkehr eine Befchrällkung durch die mancherlei Be­lästigungen erlitten, welche der Kriegszustand mit fich bringt, über auch der Bedarf der Union hat fich vergrößert und wird eventuell nach dem Kriege feine Wirkung auf den Serkehr auSübeu. Richtig ist ja, daß einzelne Zweige unserer Zvdustrie durch den Krieg schwere Einbuße erfahren haben, -doch steht zu hoffen, daß diese späterhin wieder reichlich ^-geglichen werden wird.

Bon verschiedenen Seiten ist versucht worden, Deutsch- Lüd gegenüber den Bereinigten Staaten in eine schiefe ' Stellung zu bringen. Untere Regierung sympathtfire mit

Spanten uad conspirire gegen Amerik-, so wurde vielfach behauptet, bi» von amtlicher Seite unsere stricte Neutralität in dem ganzen Confl'cte betont wurde. E neu Grund, für Spanien zu schwärmet', hat Deutschland nicht. Die dortige loddrize Wtrthschaft ist auch btt uuS verurtheilt worden, und außerdem hat fich Spanten in handelspolitischer Beziehung bekanntlich eine ganze Z:tt lang sehr obstinat gegen da» Deutsche Reich verhalten, sodaß ein die beiderseitigen Handel»- inrereffkU schwer schädigender Zollkrieg auSgebrochen war. Und mit den Bereinigten Staaten verbinden un» die weit­gehendsten Interessen. Nicht nur find Millionen unserer Landsleute jenseits de» Atlantischen Getan» ansässig und haben dort eine zweite Heimath gefunden, auch die Verkehrs- beziehungen find infolge deffen recht rege und bilden fort- gesetzt einen Connex, deffen Unterbrechung von schwerwiegenden Folgen sein würde. Richtig ist ja, daß man auch in Deutsch- land ein gewiffe» Mitgefühl hat für das Unglück Spanien» und daß man die rücksichtslose Art und Weise, wie von den Bereinigten Staaten der Krieg vom Zaune gebrochen wurde, durchaus verdammt. Daraus folgert aber nicht, daß unsere Regierung fich Eonflicte auf den Hals laden wird, nm jenem Mitgefühl practischen Ausdruck zu geben.

In den letzten Tagen heißt e» wieder, Deutschland be­gehe auf den Philippinen eine große Action vor. Die» schließt man jedenfalls daraus, daß unsere Regierung eine größere Anzahl von Kriegsschiffen in jene Gewässer entsandt hat, die in allernächster Zeit der Schauplatz großer Eretg- n,fft Man^darf'ftetUch sicher sein, daß die Entscheidung deS Krieg» nicht in Asien, sondern in Westindien fallen wird, aber immerhin hat die Welt ein regere» Jntereffe an dem Schicksal der Phtlippinengruppe, al» an dem der »Perle der Antillen", welch' letztere kaum von den Spaniern ge- halten werden und über kurz oder lang in Besitz, oder wenigstens in den Jntereffeukrei» der Amerikaner fallen dürfte. Ander» ist e» mit den Philippinen. Würden diese von den Ber­einigten Staaten occupirt werden, so würde fich die Zahl der Mächte, welche an den Verhältnissen in Afien dtrect in- teresstrt find, um eine wettere vermehren. Auch die nord- amerikanische Union würde ficherlich ihren Platzan der Sonne verlangen, um dem neuen Besitz einen Stützpunkt aus dem ostafiatischen Festlande zu verschaffen.

«dreffe für Depeschen: Anreißer Oi«t««.

Fernsprecher Nr. 61.

Tage» Ordn uug:

Neuwahl für die auSschetdende Hälfte der Ausschuß-

Mitglieder.

Vorlage der Rechnung für 1897.

Feststellung de« neuen Voranschlags für 1898.

Gießen, den 15. Juni 1898.

Für den Ausschuß:

v. Gagern, Großb. Provinzialdirtetor.

die Fürsorge der letzteren um da» leibliche Wohl der Reisenden in das beste Licht zu setzen. WaS heißt HtnauSlehnen? Man muß doch wiffcn, waS und wohin man nicht HtnauSlehnen darf. Deßhalb ist die Beifügung deSObsicteS,de» Körper» , und die OrtSbezeichnung ,,au» dem Fenster" von Wichtigkeit- nur au» SparfamkeitSrÜckfichten und im Vertrauen auf die Combinationsgabe de» gebildeten Deutschen hat man den Zusatzoder einzelne Thrile de» Körper»" unterlaffea, denn auf den Gedanken, seinen ganzen Körper oder garden Löiper eint» Anderen hinan»zulehnen, kommt ein vernünftiger Reisender doch nicht. Wohl aber würde er da» Verbot de» HtnauSlehnen» örtlich auf da» Oberlicht oder auf die Corrtdor- thür beziehen können, und dann wäre die ganze Sache eine lex imperfecta, also im kritischen Falle unbrauchbar. Ebenso ist, so sagte ich, bei der betrübenden Freiheit, mit welcher manche Deutsche ihre Meinung Über Maßnahmen der Obrig­keit äußern, die Angabe de» Grunde», nämlich wegen der damit verbundenen Lebensgefahr, von politischer, socialer und moralischer Bedeutung- denn ein al» unuöihtg empfundene» Verbot stört die Liebe des Bürger» zur Staat»gewalt. Aber warumstrengstens?" fragte mein Reisegefährte, da» ist doch entbehrlich. Ich mußte im Stillen ihm zwar wiederum recht geben, aber Ausländern gegenüber habe ich noch stet» unsere StaatSeinrtchtnngen verthetdigt, wie es Pflicht ist. Ich legte deßhalb dar, wie freilich der gute Staatsbürger schon durch die bloße Ankündigung der Lebensgefahr sich veran atzt finden würde, da» Hinau-lthnen de» Körpers ober einzelner Theile desselben aus dem Fenster zu unterlaßen. Aber die SeaatSregierung hat auch mit minder guten Individuen zu thun, die nicht bloße Andeutungen, sondern klare Gesetze verlangen, damit auch der gemeine Bürger, der ^genannte kleine Mann, e» verstehe. Deßhalb die ausdrückliche Au», spracht, daß da» HtnauSlehnen nicht blo» lebensgefährlich, sondern auch verboten sei. Aber warum strengstens, fragte wiederum der Italiener. Ich kann eine Pause der Ber- legeirheit nicht leugnen. Dann aber suchte ich al» guter Deutscher die Steigerung vom einfachen verbot zum strengen mib vom ftrivg!« zum strengst:» Verb»! zu »*n- Kleine:« Bergehen, wie Stehlen, Betrügen, Wechlelsüliehen

Anrtlirher Thcil.

Bekanntmachung.

Die Mitglieder de» zur Abstellung de» Bettel» ge- gründeten Unterstützung»-Vereins (Armenvertin) in Gießen vtrden hiermit auf

Dienstag den 28. Juni d. I., vormittag» 11 Uhr, ia da» Regieruugs-Gebäude dahier zur diesjährigen Seneral-Bersammlung etagclaben.

Feuilleton.

Strengstens veröoten!

Wenn man in Deutschland auf der Eisenbahn fährt, so ist da» meiste bekanntlich verboten, viele» sogar strengsten» verboten, zumal in einem VZuge. In einem zwischen Süd- u°d Norddeutschland verkehrenden Speisewagen fand tch kürzlich an den Wänden und Fenstern nicht weniger al» Z-y derartige Verbote. Zweimal war nämlich das Rauchen untersagt- viermal war verboten, sich während einer längeren al» der zur Einnahme der Mahlzeiterforderlichen an- atwtffenen Zeit" in dem Raume aufzuhalten- sech-mal la­ich-HtnauSlehnen de» Körper- au» dem Fenster ist wegen Str damit verbundenen L.benSgefahr strengstens unter« Mt." Sechsmal stand auf dem Fensterrahmen kurz und bändig:Nicht HtnauSlehnen!" S-chSrnal stand über der benachbarten Scheibe: »Non sporgersi! Außerdem hing b(e Bekanntmachung einer süddeutschen Eisenbahnverwaltung iai die mit den Worten avfiog:TS ist verboten - dann felgten 15 Todsünden gegen den Etsenbahnbet^eb, z. B. rissteigen und eiusteigen, bevor der Zug hält- Gegenstände dem Fenster werfen- Hunde mitbringen- fich betrinken, eine ekelerregende Krankheit besitzen- fich unehrerb etig gegen d.en Schaffner benehmen- über die Eisenbahnverwaltung Witze Wachen und dergleichen mehr. Zusammen aKo, wie gesagt, 3» Verbote. Bei mehreren waren auch die Gründe an «-geben, die Strafen m^getheilt, einzelne besonder» wichtige Worte durch Fettdruck heroorgehoben. Dem aufmerkiamen Lcser entging ferner nicht die feine Unterscheidung derjenigen Lhaten, die verboten, streng verboten und strengstens ver« toten waren. Ein mitfahrender Italiener, dem die Adverbial- t-digung des Worte»strengsten»- unbekannt war, fragte «ich nach der Bedeutung dieses Ausdrucke». Ich versuchte z,i übersetzen: rigorosiasimamente. Er lächelte und er- «iderte: Ma dunque basta: non sporgersi! (Aber dann -.mügt doch: Nicht HtnauSlehnen!) Im Herzen mußte .ch i^m recht geben- aber Angesicht» deS Verbotes der Unehr- e ibtetigkett gegen die Etseobahnverwaltung bemühte ich mich,

Die Ph'lippinen bilden gewifferrnaßen den Schlüffel zu Ostafien vom Süden her, und es kann den dort interesfirten Mächten nicht gleichgültig sein, wenn fich ein BefitzwechsU vollzieht. Schon vor einiger Zeit wurde gemeldet, daß Deutschland gegen eine Abtretung der Philippinen fetter! Spaniens an Frankreich Protest erheben würde, da die deut- chen Jnterrffen dafeldst im Vordergründe ständen und jeden­falls nicht die bisherige Berücksichtigung erfahren würden. Daß unsere Regierung am Platze fein will, wenn bei bei Philippinen die Entscheidung fällt, ersieht man an» der starken Vertretung, welche die deutsche Marine dort hat. Die» ist uns eine Gewähr dafür, daß die ReichSregiernng unter allen Umständen unseren Handelsintenffen in Manila und anderen Orten jener rnalayischen Inselgruppe den berech­tigten Schutz angedethen lasten will, damit diese Jnteresten keine Schädigung erfahren. Wir ersehen aber auch daran», daß Deutschland hoffm darf, au» dem ganzen spanisch-ameri­kanischen Conflicte ohne allzu schwere Wunden hervorzugehen, wenigsten» soweit unsere Regierung einer Schädigung vorza- beugen vermag. (x><)

Aue wunderbare Brücke. Die wunderbarste Brücke der Welt befindet fich tm Staat Artcona in Amerika, und besteht au» einem versteinerten Banrnriesen. Derselbe besitzt einen Durchmester von 90-120 Ctm. und ist über eine 12 Mtr. breite, tiefe Schlucht gestürzt, die er solchermaßen überbrückte. Die volle Länge de» Stamme» ist 80 Mtr. und ruhen seine Enden aus Sandsteinfelsen.

Origineller Semnerstreich. Seit mehr al» einem Jahre hatte e» in Wien ein Gauner auf die Zweiräder der Post- bestellboten, welche von denselben im Dienste benutzt werden, abgesehen. Er gab zu diesem Zwecke Rohrpoftkarten an fta- gtrte Personen auf, und während die Bestellboten in dem al» Adreste angegebenen Hause nat dem Adressaten suchten, stahl der Spitzbube das In der Einfahrt zurückgelaffene Zweirad. Am 12. d. Mt». wurde diese» Individuum verhaftet.

Gemischte Gefühle.Wie haben Sie denn den Abend vor der Hochzeit Ihrer Tochter verlebt, den letzten Abend, den Ihre Tochter im Elternhause zubrachte?" »Nun, mein Mann hat Weine geprobt, und ich und meine Tochter, wir haben Probe geweint!"