Ausgabe 
18.5.1898 Zweites Blatt
 
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Sachverständigen der Handels und Gewerbes, darunter Mitglie­der des ÄeltesteucollegtumS der Berliner Kaufmannschaft, die Vorfitzeuden der großen kaufmännischen und industriellen Bereinigungen rc. zu der avg'kündigten Confereuz am 18. d. M. laden lasten. Ja derselben sollen der Antrag Brockhausen, betreffend die Besteuerung der Waarenhäuser und Versandt­geschäfte, sowie die Petition Fischer-Görlitz, welche eine Ge­meinde-Umsatzsteuer auf großkapitalistische Unternehmungen im Detailhandel und Gewerbe befürwortet, und deS Bundes der Handel- und Gewerbetreibenden in Berlin zur Berathung gelangen. Zu letzterer Petition liegt jetzt eine eingehende Begründung vor, in der die Petenten mit Rücksicht auf die mißliche Lage der kleineren und mittleren Gewerbetreibenden auSsühr-n, daß die Beseitigung der vierten Elaste der Ge­werbesteuer eine unabweiSliche Nothwendigkeit geworden sei. Auf die Ergebnisse der Beratbungen ist mau bet der Be­deutsamkeit der Angelegenheit allgemein gespannt.

x Ober-Ohmen, 16. Mat. Kürzlich berichteten wir, daß die Molkereigenostenschaft ^Nteder-Ohmen" in unserem Orte eine Rahmstation errichten wolle. Gestern Nach­mittag fand nun im hiefigen RathhauSsaal die General­versammlung in dieser Angelegenheit statt. Trotz der über­aus schlechten Witterung war die Versammlung von 102 Gästen besucht. Die Zahl der Mitglieder der Molkereigenoffenschaft, die bei ihrer Gründung nur 39 betrug, beläuft sich zur Zeit schon über 200, ein Beweis, wie das Jnterche am Ge- noffenschaftSwesen gewachsen ist. In der gestrigen Versamm­lung wurde einstimmig der Bau einer Rahmstatton in Ober- Ohmen beschlossen und dem Vorstand und AufstchtSrath die hierzu erforderliche Vollmacht ertheilt. Man hofft mit Sicher­heit, die Rahmstatton bis zum Herbst dem Betrieb übergeben zu können. Da die Mitglieder der Genoffenschaft auf 25 Orte sich vertheilen, sah man sich genöthigt, Vorstand und AufstchtSrath zu erweitern. In den Vorstand wurden neu- gewählt dir Herren Bürgermeister Kratz hier und Beigeord- oeter Rühl-Ulrichstein. Der AufstchtSrath wurde von 6 auf 15 Mitglieder vergrößert.

H. Aul dem Horlosfthale, 16. Mai. Mit Blitz, Donner, Hagelwetter und einem kleinen Wolkenbruche haben die Eisheiligen von uns Abschied genommen und wir find in die zweite Hälfte des Wonnemonats eingetretrn. Schon unterm 5.. MtS. (steheGieß. Anz." Nr. 106, Zweites Blatt vom 7. Mai) ermähnten wir unsere Eollegen von der Landwirthschaft, im Hinblick auf die Exceffe in der Witterung, ihre Feldfrüchte zu verfichern. Jetzt können sie in der Allgern. BerficherungSpreffe" lesen, daß unsere Mahnungen begründet waren und noch find. Der Brotabschlag von 2 Pfennigen der Laib ist wieder verschwunden, der Preis ist wieder um 2 Pfennige gestiegen. Dagegen gingen die Kartoffeln von 7,50 Mk. auf 5 Mk. zurück.

-u-. Hungen, 16. Mai. Kürzlich wurde berichtet, daß sich der Steuerbezirk Ulrichstein durch pünktliche Entrichtung der direkten Steuern auSzeichnet. Ein Gleiches kann von dem Bezirk Hungen gesagt werden, wenn auch nicht ganz so glatt gezahlt worden ist, wie im Ulrichsteiner Bezirk, denn bei unS ist nur der winzige Betrag von 4 Mark 69 Pfg. uneinbringlich geblieben. Freilich ist dabei zu beachten, daß die hiesige Gegend viel reicher ist, als diejenige von Ulrich- stein. Ein schönes Ergebniß bleibt eS indeß immerhin.

§§ Herchenhaiu, 12. Mai. Der erste diesjährige Vieh- markt (WalpurgiSmarkt) war mit Schweinen sehr stark, mit Rindvieh schwach befahren. Der Handel in Rindvieh war etwas gedrückt. Frischmelkende Kühe kosteten per Stück 300 bis 330 Mark (dieselben waren sehr gesucht), gewöhn­liche Kühe wurden mit 150 bis 230 Mark bezahlt. Das Paar 2 jährige Stiere kostete 250 bis 300 Mark, einjährige Stiere das Paar 180 bis 240 Mark. Dreijährige Stiere waren nicht da, ebenso auch kein fettes Vieh. Nur einige Kälber, 3 bis 4 Wochen alt, wurden noch verkauft, das Stück mit 35 bis 45 Mark. An Schweinen waren circa 900 Stück da. Meistens waren es Frühjahrsferkel und wurden hiervon viele verkauft, das Paar 6 bis 7 Wochen zu 32 bis 38 Mark, 8 bis 10 Wochen alte, das Paar 40 bis 45 Mark, 10 bis 13 Wochen alte, das Paar 45 bis 60 Mark. Sogenannte Einlegefchweine (Läufer) kosteten daS

Paar 80 bis 100 Mark. Fette Schweine kosteten daS Pfund Schlachtgewicht 55 bis 58 Pfennig. Nur einige Zuchtschweine waren da. welche auch meistens verkauft wurden, da» Stück mit 60 bis 70 Mark. Allgemein war der Handel in Schweinen sehr lebhaft. Die Preise find sehr in die Höhe gegangen. Besonders in Frühjahrsferkeln waren die Preise verhältnißmäßig sehr hoch, gegenüber denen früherer Jahre. Der nächste Mark: (sogenannter Johanni-Mark«) findet am 20., 21. und 22. Juni fiatt.

* Ueber die Entwickelrmg der Eisenbahnen der Erde irr dem Jahrfünft 1892 bi« 1896 ist dem Maihefte deö Archivs für Eisenbahnwesen Folgendes zu entnehmen: Zu Ende 1896 hatten die Eisenbahnen der Erde einen Umfang von rund 715 000 Kilometer gegen 654528 Kilometer Ende 1892. DaS Eisenbahnnetz ist in den fünf Jahren ziemlich gleichmäßig jährlich um 13000 bis 16000 Kilometer ge- wachsen. Amerika ist immer noch der an Eisenbahnen reichste Erdtheil mit 374 742 Kilometer, die Vereinigten Staaten allein befitzen mit 294988 Kilometer mehr Eisenbahnen als ganz Europa mit 527 203 Kilometer. In Asten stad 45883 Kilometer, in Australien 22 372 Kilometer, in Afrika 14798 Kilometer. Unter den europäischen Staaten nimmt daS Deutsche Reich mit 47 348 Kilometer die erste Stelle em, es folgen Frankreich mit 41 173 Kilometer, Rußland einschließlich Finnland mit 38642 Kilometer, Großbritannien uab Irland mit 34221 Kilometer, Oesterreich-Ungarn mit 32180 Kilometer. Da« Anlage Capital der Eisenbahnen der Erde wird auf 144,5 Milliarden Mark, die Anzahl der Locomotlven auf 131219 Stück, die Gesammizahl der un mittelbar beim Betriebe der Eisenbahnen beschäftigten Per­sonen auf fünf Mill'on-n bfrrdmet.

Universität- - Nachrichten.

Der zum außerordentlichen Professor in der mediclnischeir Facultät der Universität Bonn ernannte bisherige Prtvatdocent Dr. Robert Rieder ist zur Uebernahme einer Stellung an der medicintschen Schule in Konstantinopel auf drei Jahre beurlaubt worden.

Städtischer Arbeitsnachweis Gießen

Garteuftratze 2

Angebot der Arbeitnehmer: 2 Buchbinder, 1 Sattler, 1 Schmied, 2 Möbelschreiner, 4 Taglöhner, 2 Fuhrknechte, 1 Hausbursche, 1 Mann für leichtere Beschäftigung, 1 Laufmädchen, 1 Büglerin.

Nachfrage der Arbeitgeber: 2 jüngere Buchbinder, 1 Installateur, 1 Spengler, 23 Gerber, 1 jüngerer Lackirer, 1 Weißbinder, 1 Sattler und Tape- ziergehülfe, 1 Bausckreiner, 2 Möbelsckreiner, 1 Bauschlosser, 1 tücht. Hufschmied, 1 Jungschmied, 4 Schuhmacher, 4 tzausburschen i. 21. von 1418 Jahren, 4 Dienst­mädchen, 1 Kindermädchen, 1 Frau für Gartenarbeit, 3 Lumpensortirerinnen, 1 Kutscher, 23 jüngere Taglöhner.

Lehrlinge: 3 Bäcker, 2 Barbiere, 1 Buchbinder, 1 Drechsler, 1 Drucker, 1 Kupferschmied, 3 Lackirer, 1 Sattler, 1 Schmied, 2 Schneid-r, 2 Schreiner, 2 Schriftsetzer, 4 Schuhmacher, 1 Wagner.______________________________________

Bekanntmachung,

die Reichstagswahl betreffend.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Liste der bei der Reichstagswahl Stimmberechtigten

Von Donnerstag den 19. Mai bis Donnerstag den 26. Mai 1898, beide Tage einschließlich (auch am Himmelfahrttag und am Sonntag den 22. Mai) Vormittags von 9 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr auf dem Bürgermeisterei Bureau Zimmer Nr. 15 zu Jeder­manns Einsicht offen liegt und daß Einsprachen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Liste innerhalb 8 Tagen nach Beginn der Offenlegung bei Vermeidung des Ausschluffes bei uns vorzubringen sind.

Gießen, den 16. Mai 1898.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 5131 Gnautb.

Bekanntmachung, betr. Vrrwerthung der Grasnutzung von den städtischen Feldwegen rc. in der Gemarkung Gießen.

Die rubr. Grasnutzungen sollen Freitag den 20. Mai d. Js. versteigert werden, und zwar:

Nachmittags 2 Uhr, im Saale des alten Rathhauses, die Gras­nutzung von sämmtlichen städtischen Wegen, und

Nachmittags 5 Uhr die Grasnutzung von dem Niederdruckbehälier am Lutherberg und von dem oberen Theile des Friedhofes, mit Zusammenkunft daselbst.

Gießen, den 13. Mai 1898.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 5107

Verdingung

Die zur Erbreiterung der Katha- rineugaffe, zunächst der Löwengasse, erforderlichen Maurer , Pflasterer- und Asphaltarbeiten, sowie die Stein­zeuglieferung, sollen

Samstag den 21. ds. Mts.,

Bormittags 11'/, Uhr, öffentlich verdungen werden. Plan, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden zur Einsicht bei uns offen. Angebote auf Vordruck sind bis zum genannten Termin einzureichen.

Zuschlagsfrist 14 Tage.

Gießen, 13. Mai 1898.

Das Stadtbauamt.

5095 Schmandt.

VersteigkrililM

Mittmih den 18. Mai I. 1,

Nachmittags 2 Uhr, werden im Bieker'schen Saale versteigert:

2 Sophas, Commoden, Kleiderschränke 1 Glasschrank, 1 vollständiges Bett, 1 Waschconsol, 1 Küchenschrank mit Glasaufsatz, 1 Viereck. Tisch, 1 ovaler Tisch, 1 nußb. Bücherschrank, eine Nähmaschine, 1 Eisschrank, 4 Rohr- ftühle, 7 Bilder, 1 Spiegel, 1 Blumen­tisch, 1 Regulator, 2 Hobelbänke, Werkholz u. 21. m.

Versteigerung voraussichtlich theilweise bestimmt.

5122 Geißler, Gerichtsvollzieher.

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