Ausgabe 
18.5.1898 Erstes Blatt
 
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Port Said angekommen und gestern nach Suez wieder in See gegangen.

Fulda, 16. Mai. Im Dom fand heute Bormittag die feierliche Beisetzung der Leiche de- Erzbischof- Dr. Komp durch den Wethdischof Fischer au- Köln statt. Die Gedächtnis rede hielt Wethdischof Knecht au- Freiburg i. B. Anwesend waren al« Vertreter der Staat-regierung Oberpräfident Magdeburg au- Cassel, ferner Vertreter de- Grobherzogs von Baden und verschiedener Bi-thümer.

Straßburg. 15. Mai. Der Kaiser besichtigte in Be­gleitung de-Statthalter-u. A. da-Gelände für die Hafen­aula gen. Abend- fand Zapfenstreich statt. Heute begab sich der Kaiser nach Seweu im Oberelsatz, wo der große Ttauweiher im Alfeld besichtigt werden soll. Auf der Rück­fahrt wird der Kaiser die Befestigung-Werke bei Matztg be­sichtigen. Für heute Abend ist der Besuch de- Großher-og- und der Großherzogin von Baden angesagt.

Arr-Unrd.

Wien, 16. Mai. (Wiener k k. Bur.) Die Pforte hat dt-her behuf- Rücktran-porte- der Truppen vier Schiffe der Kriegsmarine und zwei Privatschiffe nach Bolo beordert. Bi- gestern sind 5000 Mann auf dem See­wege abgegangen. Der größte Theil der Artillerie und Cavallerie wird auf dem Landwege befördert werden.

Stockholm, 16. Mat. Der schwedische Reichstag wurde heme geschlossen.

Brüffel, 16. Mai. Der König der Belgier kehrt morgen hierher zurück. Er hatte gestern eine längere Unterredung mit der Köntginregeutin von Spanien und ist heute in Pari- eingetroffen.

Loudon, 16. Mai. Ein Telegramm aus Cur atzao meldet, daß die spanischen KriegsschiffeViscaya" und Marie Theresia" dort Kohlen eingenommen haben, während die übrigen Schiffe der Flotte vor dem Hafen warten.

London, 16. Mai.Sunday Special" will au- guter Quelle erfahren haben, daß England und Deutschland sich mit den Vereinigten Staaten dahin verständigt haben, dem Kriege mit Spanien innerhalb zweier Wochen ein Ende zu machen.

Loudon, 16. Mai. Wie ein Telegramm au- Manila meldet, ist daselbst eine HungerSvoth ausgebrochen. Die in Hongkong lebenden Spanier geben der Ueberzeuguvg Au-» druck, daß die amerikanische Flotte durch englische Capi- täne geführt werde.

Madrid, 16. Mai. Die Ministerkrisis dauert trotz officiöser Ableugnung fort. Voraussichtlich wird außer Sa- | gasta und dem Krieg«mintster Correa kein bisheriger Minister im Amte verbleiben.

Koustautiuopel, 16. Mai. Es ist der Befehl ertheilt worden, daß die aus Thessalien zurückkehreuden Truppen in ihren Garnisonen bei Tage einzutreffen haben. Anordnung für den festlichen Empfang derselben wird getroffen werden.

Koustautiuopel, 16. Mat. Gestern ist die erste Rate der griechischen Kriegsentschädigung gezahlt worden, wovon Fürst Mavrocordato die Pforte verständigte. Heute beginnen die türkisch-griechischen- Verhandlungen wegen der Speeialconvention. Bi« gestern haben Bolo 16 Bataillone «tt zusammen 10000 Mann verlassen. Das Schaff der russischen FreiwtlltgeuflotteWladimir- ist hier mit Contre- admiral Stark und 1000 Manu an Bord angekommen und gedenkt morgen nach Port Arthur in See zu gehen.

Peking, 16. Mai Prinz Heinrich besuchte gestern im Sommerpalast den Kaiser und die Kaiserin-Wittwe. Der Prinz und sein Gefolge ritten, begleitet von einer berittenen EScorde Marinesoldaten, in der Frühe nach dem Palaste, wohin eine Abtheilung von Marinesoldaten zu Fuß folgte. Bei der Ankunft im Palaste kleideten der Prinz und sein Gefolge sich um. ES wurde kalte Erfrischung gereicht. Der Prinz besuchte, begleitet von Baron von Heyktng und einem Dolmetscher, die Kaiserin-Wittwe, die durchaus unbe­fangen zahlreiche Fragen an den Prinzen richtete. Hierauf erfolgte der Empfang des Prinzen und seine- Gefolges durch den Kaiser in der Audienzhalle. Der Kaiser schüttelte dem Prinzen die Hände. Der Prinz übergab die Geschenke de- Kaiser- Wilhelm, Basen der Berliner Porzellanmauusactur. Der Kaiser begab sich nach dem Eingang der Halle, wo die Marinesoldaten aufgestellt waren. Der Trommelwirbel rief beim Kaiser ein leichte- Erstaunen hervor. Der Prinz, dessen Gefolge und der Kaiser befuhren auf Dampf- und electrischen Booten den See der kaiserlichen Stadt, und besichtigten die Sehen-würdigketten, wobei Prinz Tschlug führte und auf die verschiedenen Kunstwerke aufmerksam machte. Der Prinz und sein Gefolge kehrten alsdann in die Audienzhalle zurück. Der Kaiser erwiderte den Besuch und übergab Geschenke sowie von der Kaiserin-Wittwe selbst gemalte Fächer. Der Prinz, von einem Dolmetscher begleitet, geleitete den Kaiser in das anstoßende Gemach und verbrachte geraume Zeit im Gespräche. Hierauf ritten der Prinz und sein Gefolge nach Peking zurück. Gestern Abend nahm der Prinz an einem Festmahle der englischen Gesandtschaft Theil.

wahlbewegrrng.

* Friedberg, 15. Mai. In der heute aus allen Theilen unseres Wahlkreise- zahlreich besuchten Versammlung der Ver­trauensmänner der oationalliberalen Partei wurde der bis­herige Reichstagsabgeordnete Graf Ortola einstimmig al- Candidat für die demnächsttgr ReichStagSwahl ausgestellt. Nach erfolgter Aufstellung erschien Graf Ortola, von der Versammlung allseitig begeistert begrüßt, und erklärte, daß er bereit sei, auch diesmal wieder das ihm angetragene Mandat zu übernehmen. Er betonte, daß er in keinem anderen Wahlkreise caudidtre und besonderen Werth darauf lege, den Wahlkreis zu vertreten, mit dessen Leben-intereffeu tt aufs innigste verwachsen sei. Der Candidat entwickelte

1 hierauf die Hauptpunkte seines Programm-, welche- die volle Zustimmung der Anwesenden fand. Der Verlauf der Ber« sammlung berechtigt zu der Annahme, daß auch diesmal wieder Graf Ortola als Abgeordneter unsere- Wahlkreises in den Reichstag einzieht.

* Alsfeld, 16. Mai. In der gestrigen zahlreich besuchten Wählerversammluug entwickelte der vom Bund der Landwirthe für den Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach-Schotten aufgestellte Reichstags-Candidat, Gutsbesitzer Schade-Altenburg, sein Programm. Namen- der natioualliberalen Partei gab Herr C. Grünewald jr. die Erklärung ab, daß seine Partei für die Wahl de- Herrn Schade eintreten werde. Al- Gegen- redner meldete sich Niemand zum Wort.

* Mainz, 16. Mai. Der städtische Finanzausschuß hat in seiner heutigen Sitzung, nachdem die Verhandlungen zwischen der Bürgermeisterei und den Buchdruckereibesitzeru beendigt find, beschlossen, in Anbetracht der hohen Kosten den Druck der Wählerlisten zu den ReichStag-wahlen abzulehnen. Nunmehr entscheidet am Mittwoch da- Plenum der Stadt- Verordnetenversammlung.

* Arnstadt. Der Politik abhold scheinen die Stamm- gäfte eine- hiesigen Restaurant- zu sein. Ueber ihrem Stamm­tisch prangt jetzt ein Plakat mit folgender Aufschrift:Ge- spräche über die ReichStag-wahl bei zwei Mark Strafe verboten."

Cotoles rrrrd prooittsieUes*

Sieben, den 17. Mai 1898.

Provia-ialausfchubfitznng. In der ProvivzialauSschuß. fitzung vom 14. d. MtS. kamen von den von uns früher gemeldeten 8 Fällen nur 5 zur Verhandlung. Namentlich war das RecurSgesuch der Ehefrau Poppelsdorf, welche vom Krei-au-schuß die Concession zum WirthschastSbetrieb unter der Bedingung erhielt, daß Damenbedienuug nicht statt- finden darf, vor der Sitzung zurückgezogen worden, sodaß hierüber nicht verhandelt wurde. Bon den übrigen Gegen­ständen ist zu erwähnen, daS Gesuch de- Wilhelm Ger­hardt zu Gießen, um Erlaubntß zum BranntwetuauSschank in seiner Wirthschaft Bletchstraße 31. Der Genannte wurde vom Krei-au-schuß mit seinem Gesuch wiederholt abgewieseu unter der Motivirung, daß frag!. Gegend noch nicht genügend ausgebaut und durch die in der Nähe de- Gesuchstellers be» findlicheu BranutweinauSschankstellen dem Bedürfntß Rechnung getragen sei. Der Vertreter des W. Gerhardt, Rechtsanwalt Mendelsohu, suchte den Provinztalau-schuß von dem vor­handenen Bedürfntß szu überzeugen und e- gelang ihm, die Erlaubntß zum BrauntweinauSschank für Gerhardt zu er­halten. Aus Heuchelheim stehen zwei Gesuche um Erlaub» uiß zum WirthschastSbetrieb auf der Tagesordnung: dasjenige de- August Rinn und de- Heinrich Wilhelm Rinn. Letzterer ist durch Recht-anwalt Grünewald vertreten, der da- Bedürfuiß zur Errichtung wenigsten- einer wetteren Wirthschaft in Heuchelheim nachzuwetsen suchte. Er sprach nicht nur im Jnterkffe seines Auftraggebers, sondern auch in demjenigen des Wilhelm Rinn und beantragte, den beiden Gesuchstellern, mindestens aber seinem Auftraggeber, der zu­erst um ConcessiouSertheilung eiugekommen sei und dessen Räumlichkeiten den Vorzug vor denjenigen des August Rinn hätten, die nachgesuchte Concesfion zu ertheilen. Der Provinzial- auSschuß hat den Recurs des Heinrich Wilhelm Rinn für begründet angesehen und diesem die Concession ertheilt. I Zum Schluß wurde da- Gesuch de- Consumv ereiuS zu Leihgestern, um Erlaubniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße verhandelt. Auch hier wurde dem RecurS stattgegeben, und dem Antrag de- Rechtanwalts Jost dahier als Vertreter drS ConfumvereinS auf Ertheiluug der frag­lichen Erlaubniß willfahrt.

Der AusfichtSthurm auf dem DuuSberg. In der am Montag abgehaltenen Sitzung des Ausschusses wurde be­schlossen, den Thurm nach dem vorgelegteu Project des Herrn Archttecten Meyer zu erbauen. Nach sorgfältiger Berech- nuug wird sich der Thurm für Mk. 5000 erbauen lassen- hiervon wäre etwa noch die Hälfte aufzubringeu. Der Bau i wird mit einem viereckigen Geschoß beginnen, welches als Schutzhütte dient, der obere Theil soll rund und mit hellen Klinkersteiuen aufgeführt werden. Allgemein wurde dem Project eine- steinernen Thurmes zugestimmt, da Holzthürme, besonders wenn sie auf hohen, freiragenden Bergen stehen, nach 15 Jahren einer gründlichen Erneuerung bedürfen, welche fast einem Neubau gleichkommt, während der Stein» thurm bet nur geringen Unterhaltungskosten eine unbeschränkte Dauer besitzt. Die Sammellisten werden in den nächsten Tagen in Circnlation gesetzt werden. Wir find überzeugt, daß für den Thurm auf dem Düvsberg wohl Jeder einen kleinen Beitrag übrig hat.

* * Hochwasser. Nachdem die städtische Pumpstation schon die ganze vorige Woche im Betrieb war, mußte fie gestern neuerdtng- in Thätigkeit gesetzt werden in Folge der starken Gewitterregen vom Sonntag. Wenn auch dir Waflerstände von Wieseck und Lahn keine übermäßig großen find, so wurden solch andauernde Anschwellungen der Flüsse im Mai seit dem Bestehen der Pumpstation nicht erlebt.

"Radsport. Aufsehen erregte gestern ein Tandem, bei welchem die Fahrer nicht hinter einander, sondern neben einander sitzen. Der Fahrradhändler W. Ziegler hat diese Maschine al- Lernrad angeschafft, wozu dieselbe sich vorzüglich eiguen soll.

* * Feuerprobe. Morgen Mittwoch Nachmittag 3 Uhr wird auf Veranlassung des Großh. KreiSamteS da- Seu- I ling'fche Holzwolle-Baumaterial auf dem Fabrik- Hofe in der Nähe der Margarethenhütte einer Feuerprobe unterzogen. Zu diesem Versuch hat die Firma L. Seuling außer den Vertretern der Behörden eine Anzahl Interessenten eingeladeu und ist man auf das Ergebniß in Fachkreisen gespannt.

Reuter-Reeitatiou. Kommenden Freitag werden Herr I und Frau Keßler im Saale des Hotel Einhorn einen I

Reuter-Abend veranstalten. Frau Keßler, welche in letzter Theatersaison durch die gute Wiedergabe norddeutscher Dtalectrollen hier noch in Aller Erinnerung sein dürfte, wird an diesem Abend aus dem immer frischen Born Reuter- scher Muse schöpfen und durch Recttation einiger seiner schönsten Dichtungen erfreuen. Wir wünschen diesem Reuter- Abend guten Besuch und Erfolg. Nähere- noch durch Inserate.

* Bon der Technische« Hochschule in Darmstadt. Der außerordentliche Prof. Dr. Franz Ber ghoff-Jstng zu Basel ist durch Großherzogliches Decret mit Wirkung vom 4. Mai d. I. zum außerordentlichen Professor der Volks- wirthschaftSlehre an der Großherzoglichen Technischen Hoch­schule zu Darmstadt ernannt worden.

Für jugendliche Epileptische. Auf den der heutigen Nummer unseres Blattes beiliegenden Aufruf zur Be­gründung einer hesfischen Anstalt für jugendliche Epileptische zu Nteder-Ramstadt machen wir noch besonders aufmerksam. Die Namen Derer, die diesen Aufruf erlassen und unter- stützen in Gießen find eS die Herren: Geheimrath Provinzialdireetor v. Gagern, Oberbürgermeister Guauth, Geh. Ktrchenrth Prof. D. Köstliu, Pfarrer Schlosser &öi0*n dafür, daß eS fich hier nicht um eine wohlgemeinte Aus­geburt mildthätigen Sports, sondern um eine wohlerwogene, einem wirklich dringenden Bedürfntß entsprechende Unter­nehmung handelt, die zudem nicht irgend welchen Sonder- tvtereffen, sondern der Allgemeinheit dient und Leidenden aus allen Ständen und ohne Unterschied Hilfe bringen will. Daher darf auf eine werkthätige Unterstützung aus allen Kreisen gerechnet werden. 100000 Mk. find für den Bau der Anstalt nöthig, 20000 Mk. davon soll die Hauscolleete erbringen. Möchte die Sammlerin, Frau Bickel, recht offene Hände finden.

* Neuntes Deutsches Turnfest zu Hamburg 1898. Die Vorbereitungen zu dem immer näher heranrückenden Turnfest, das bekanntlich vom 23. bis 27. Juli in Hamburg statt- findet, nehmen den besten Fortgang. Die Baulichkeiten, allen voran die herrliche Festhalle, gehen der Vollendung ent­gegen. Die Zahl der Anmeldungen beim Festausschuß wächst von Tag zu Tag, und der Wohnungsausschuß hat alle Hände voll zu thun, um die nöthigeu Quartiere zu beschaffen. Die bekannte Gastfreundlichkeit der Bewohner Hamburgs wird über die Schwierigkeiten weghelfen, die eine angemeffene Unterbringung so vieler Turner naturgemäß bereitet. Auch Wohnungen gegen Bezahlung in Privathäuseru und Hotel­werden in großer Zahl zu so billigen Preisen angeboten, daß man steht, wie auch Diejenigen, die ein uuentgeltliches Quartier nicht zu geben vermögen, gern ihr Interesse an der Sache bekunden wollen. Ganz besonders wird auch der Turnfahrten-AuSschuß durch die Erledigung außerordentlich vieler Anfragen in Anspruch genommen. Außer zu des eigentlichen Turnfahrten find auch zu den Ausflügen ins Aus­land, die im Anhang des TurnfahrtevbüchleinS kurz beschrieben find, schon genügend Anmeldungen eingelaufen, so daß der Turnfahrten-AuSschuß die nöthigeu Schritte zur Erlangung von FahrpreiS-Ermäßigungen und Einstellung von Sonder- zügen oder Dampfern unternehmen konnte. Die bezüglichen Bekanntmachungen über die in dieser Beziehung erzielten Resultate werden sobald wie möglich erfolgen. Festgenossen, die über Ausflüge Auskunft wünschen, werden gebeten, die wetteren Mtttheilungeu, die in üblicher Weise veröffentlicht werden sollen, genau zu beachten. Eine Verscbtebung der AbfahrtStage der officiellen Tmnfahrten I bis IX ist nicht möglich.

r. Langsdorf, 16. Mai. Rindvieh- und Schweine-- I markt sammt Körtermin für Simmenthaler Zucht. Da- Wetter, da- zuerst mit Regen etnsetzte, klärte fich bis 11 Uhr auf. Infolgedessen war der Verlauf des Markte- ein günstiger. Leider wird der Körcommisfion kein Lob ertheilt, da dieselbe zu rigoros vorgegangrn sei. Es ist die- darum zu bedauern, weil hierdurch Viele, die vorher günstig gestimmt waren, nunmehr gegen die Zuchtbestrebuvgen eingenommen sein werden. Aufgetrieben waren reinrasfige Simmenthaler Zucht um 10 Uhr Morgens: 14 Bullen, 60 Kühe und 20 Kälber. Der Auftrieb dauerte nach 10 Uhr fort. Der Schweinemarkt war betheiligt mit 250 Ferkeln, 2 Ebern. Ferkel im Alter von 6 bi- 16 Wochen kosteten 40 bi« 74 Mark das Paar.

§ Aus dem Vogelsberg. 16. Mai. Der Maikäfer» flug hat bis jetzt nicht die Ausdehnung genommen, die mau nach dem Auftreten der Maikäfer zu Anfang dieses Monate befürchten mußte. Sicherlich hat da- anhaltende Regenwetter im Verein mit der kühlen Temperatur die Maikäfer zurück­gehalten. ES steht wohl zu erwarten, daß fie beim Eintritt besseren Wetter- noch kommen werden. Ob fie aber dann noch an dem vorgeschrittenen Laube vnd au den abgeblühten Obstbäumen einen gleichen Schaden anzurichten vermögen wie früher, bezweifeln wir. Lebhafte Klagen führen unsere Frauen über die Zerstörung, welche die großen Regenwürmer an der jungen Saat in den HauSgärten anrichten. Kaum find die Sämereien aufgegangen und die jungen Pflänzchen beginnen zu sprossen, so werden sie von den massenhaft auf» tretenden Regenwürmern vernichtet. Nicht selten verschwindet so die ganze Saat von den Gartenbeeten. Man weiß fich nicht anders vor dem Ungeziefer zu schützen, al- daß man sie Abend- nach dem Eintritt der Dunkelheit bei Laternenlicht in den Gärten aufliest, sammelt und vernichtet oder den Hühnern als Futter gibt. Ganze Eimer und Gießkannen voll vermag mau an einem einzigen Abend von diesen un­appetitlichen Würmern aufzulesen. Und der Hauptfetnd dieser Würmer, der fie massenhaft verspeist, da- ist der viel verfolgte Maulwurf.

Friedberg, 16. Mai. Gestern früh kamen auf dem hiesigen Bahnhofe 15 Waggon-mit 8000 Brieftauben an, welche von den Brieftauben-Vereiniguugen in Köln, Krefeld, Rem­scheid, Elberfeld, Solingen und Wermelskirchen abgesandt worden waren. Wegen des schlechten Wetters konnten die-