Ausgabe 
17.9.1898 Erstes Blatt
 
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moiren Bismarcks imMatin". Dal Blatt sagt, Bismarck fei in diesen Memoiren sehr wahrheitsgetreu ge­schildert, sodaß die Memoiren für alle Feinde BtSmarckS eine Genugthuung sein wüßten. In dem Vorwort sagt Busch, BiSmarck habe ihn selbst im Jahre 1879 ermächtigt, die Memoiren zu veröffentlichen und über ihn zu sagen, war er wiffe.

Paris, 15. September. DerFigaro" schreibt, der Krieg-minister hätte im letzten Mtnisterrath seinen College« eine klare und getreuliche Erklärung über die Zu­sammenstellung de- Dossiers gegeben. Die Mitglieder seien verblüfft gewesen, welche Schriftstücke sich in dem geheimen Dossier befunden hätten. Tin Proteststurm erhob sich, als die Mitglieder erfuhren, daß diese Schriftstücke authentisch seien.

Genf. 14. September. Die Zeremonie der lieber* führung der Kaiserin Elisabeth zum Bahnhofe, welche in größter Ordnung stattgefunden hat, machte in ihrer Einfachheit tiefen Eindruck. Die ganze Bevölkerung hatte sich in großen Massen nicht allein in den Straßen ange­sammelt, welche der Leichenzug passiren mußte, sondern auch auf den benachbarten Plätzen und Stadtvierteln. Auf allen öffentlichen Gebäuden und zahlreichen Privathäusern waren Schweizer und Genfer Fahnen auf Halbmast gehißt. Alle Kaufläden wurden geschlossen. Den Bürgersteig entlang waren Taue gespannt, und auch der Platz Conavin in der Nähe des Bahnhofes war umzäunt. Die Haltung des Pub­likums war musterhaft. Die Kenner des Genfer Volks­charakters bezeugen, daß das Publikum weniger aus Neu­gierde, als von wahrhafter Sympathie für die unglückliche Kaiserin angezogen wurde. Feuerwehr, unterstützt von Hilfs- und Rettungsmannschaften, besorgten den Ordnungsdienst. Der Zug verließ das Hotel Beaurivage nach 8 Uhr. An der Spitze befand sich eine Abtbeilung Gendarmen in Gala unter dem Commando eines Capitäns. Ihnen folgte der Leichenwagen, mit vier Pferden bespannt, welche in schwarze Decken gehüllt waren, und schwarz-gelbe Federbüsche trugen. Der Wagen verschwand unter der Menge der Kränze. In­mitten von Blumen und Palmen bemerkte man an dem Sarge einen Kranz mit den bayerischen Farben weiß-blau. Dem Wagen mit der Leiche der Kaiserin folgten zwei Wagen, welche nur Kränze trugen. Darauf kamen die Hofstaaten der Kaiserin in sechs Wagen. Nach einer zweiten Abtheilung Gendarmerie folgten die Wagen des Bundesrathes und der Genfer Negierung mit Huissiers in Mänteln mit Bundes- und Cantonfarben auf dem Bock. Der Zug umfaßte 20 Wagen und bewegte sich langsam durch die schweigende Menge, welche ehrfurchtsvoll das Haupt entblößte. Der Platz um den Bahnhof war vollständig geräumt, die Durchgänge zu den Wartesälen standen offen. Die Durchfahrt zu dem inneren Wagensteig war in eine Art monumentaler Säulen­halle verwandelt, welche eine Trauerdecoration, umwunden mit österreichischen, Schweizer und Genfer Farben, zeigte; Wappen und kaiserliche Doppeladler waren zu beiden Seiten und oben angebracht. Innen befand sich der Wappenschild mit großem silbernen E auf schwarzem Grunde. Als der Wagen mit dem Sarge vor der Säulenhalle hielt, erwiesen Abteilungen der Gendarmerie und der Feuerwehr Ehren­bezeigungen. Die Hofstaaten der Kaiserin, alle in schwarzer Trauerkleidung, stellten sich am Eingang zur Durchfahrt nach dem Ge'.eise auf. Hier wurde der Sarg, den ein silberner, von der kaiserlicher Krone überragter Schild zierte, von den AbbLs Chavaz und Derippe empfangen. Langsam geleiteten sie die Bahre zum Zuge, ihnen schlossen sich die Hofstaaten der Kaiserin, die Mitglieder des Bundesrathes und der Cantonsregierung an; die Huissiers mit florumwundenen Stäben folgten; sonst war Niemand zugelassen. Der Sarg wurde in den Trauerwagen gehoben und viele von den ge- spendeten prachtvollen Kränzen auf ihm niedergelegt. Die übrigen Kränze wurden in dem folgenden Wagen aufgebahrt. Nachdem der amtirende Geistliche die Leiche nochmals einge­segnet hatte, nahmen die Hofstaaten der Kaiserin ganz allein in den weiteren Wagen Platz, und langsam und lautlos, ohne daß der Pfiff der Locomotive ertönte, setzte sich der Zug in Bewegung. Außerdem fuhren in dem Zuge nur ein Theil höheren Bahnpersonals d r Jura-Simplon-Gesell- schaft mit, an ihrer Spitze der Director Ruchonet. Auch die Aerzte nahmen nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, an der Fahrt Theil. Auf besonderen Wunsch von öster­reichischer Seite herrschte bei der ganzen Feierlichkeit die größte Einfachheit; Militär trat nicht in Action.

Uatexfudjungen der Genfer Polizei sollen ergeben haben, daß der Mordanfall gegen die Kaiserin Elisabeth keineswegs, wie Anfangs angenommen wurde, etn Werk de- internationalen Anarchismus war, sondern nur von einem kleinen Anarchistenclub in Lausanne auSgegangeu sei, dem Luccheni aogehörte. Bon diesen wahnwitzigen Leuten sei beschlossen worden, eine anarchistische Heldeothat durch die Ermordung einer hochstehenden Persön­lichkeit auSzusühren. Zum Vollzüge diese- Beschlüsse- sei Luccheni gewählt worden. Dieser leidet offenbar an Größen­wahn. Procurator Navazza in Genf bemerkte:Noch niemals in meiner Laufbahn ist mir em ähnlicher Verbrecher vorgekommen- er ist stolz auf seine That und hört nicht auf, »K j?eD' ba& u nicht auf- Schaffst kommen kann, smicht "af)xe Größenwahn de- Verbrecher-, der au- ihm

Localer unfe provinzieller.

Gietzen, 16. September 1898.

_ c Laudesdeukmal für weiland Seine Königliche

Hoheit Großherzog Ludwig IV. auf dem Paradeplatz za Darmstadt soll der Grundstein am 21. September Vormittags 11 Uhr, ohne besondere Feierlichkeit gelegt werden. Mau beabsichtigt unter Anderem, je eine Nnmmrr der in den fünf größeren Städten Heffen- erschelueadeu Tageszeitungen dem Grundstein einzuverleiben.

* Ehreusäbel. Der Kaiser hat dem Hauptmann v. Hofmann vom Leibgarde Regiment in Darmstadt, al» dem besten Schützen de- 11. Armeeeorp-, bei dem unter den Osfiziereu der Armee abgehaltenen Katser-Prei--Schteßen einen Ehrensäbel verliehen.

Meteor. Gestern Abend kurz nach Uhr ging am westlichen Himmel in südwestlicher Richtung ein hell­glänzende- prächtige- Meteor nieder. Au- unserem Leserkreise wird ua- darüber von einem Beobachter Folgende- mitgetheilt: Auf der großen Eisevbahnbrücke stehend, sah ich gestern Abend nach dem Personenbahnhof, al- tch durch einen plötzlichen tvtenstveu Lichtschein erschreckt wurde. Im ersten Augenblicke einen electrtscheu Scheinwerfer ver- mutheod, drehte ich mich um und sah am westlichen Himmel in südwestlicher Richtung au- bedeutender Höhe ein pracht­volle-, auffallend große- Meteor ntedergehen. ES zog einen roketeoähnltchen Schweif nach. Die Zeit war genau 9 Uhr 40 Minuten.

Vierte Wagenklafse. Mit dem am 1. October in Kraft tretenden neuen Fahrplan kommen auf den sämmt- ltchen Linien der preußisch-hessischen Eisenbahn-Gemeinschaft (also auch auf denjenigen der ehemals Hessischen Ludwig»- bahn) Wagen vierter Klasse zur Einführung.

* Gedenkfeier. Am 21. l. Mtl. wird die Innere Mission in Wittenberg a. d. E. die Gedenkfeier ihre» 50jährigen Jubiläum- feiern, da au diesem Tage 50 Jahre seit der denkwürdigen Rede WtchernS auf dem Wittenberger Kirchentage verfloffen find, die den Grundstein für die- segen-reiche Werk christlicher Nächstenliebe legte. Der Ceotralau-schnß für Innere Mission tu Berlin hat zu der Feier an sämmtliche deutsche Kircheuregierungeu Einladungen ergehen laufen; baß hessische Oberconfistortum wird durch Herrn Oberconfistorialrath D. Walz vertreten sein. Fest­prediger und Festredner bet der Feier find: Abt D. Uhlhorn (Hannover), Generalsuperintendent Bieregge (Magdeburg), Generalsuperinteudent D. Hesekiel (Posen), Dtrector D. Wtchern (Hamburg) und Pastor Fltedoer (Kaiser-werth). Die kirch­liche Feier deS bedeutsamen Jubiläum- ist sür da- Groß« herzogthum Heffen sür nächsten Sonntag angeoibnet worden und wird dabet zugleich eine Collecte für die Innere Mission erhoben werden.

* Zu Amerika verstorbene Heffen. Ja Neu-Ham- bürg, Prov. Ontario, Georg K. Koch, 79 Jahre alt, an­dern Kreise AlSfeid. In Ma-couthah, Jll., Conrad Lautenschläger, 65 Jahre alt, au- Spitzaltheim. In Baltimore, Md., Johann Vetter au- Lindenfels. Ja Brooklyn, N A., Georg H. Kahl au- Heffen- Darmstadt. In Detroit, Mich., Anton Orlemann au- Alzey.

** Wetterbericht. Die im Norden befindliche Depression ist unter gleichzeitiger ganz bedeutender Zunahme ihrer Tiefe auf östlicher Bahn bi- zum Weißen Meere fortgeschritten. Sie verursacht stellenweise über Scandinavieu schwere Ost- stürme. Hebet dem Couttnent dauert dagegen die Herrschaft de- barometrischen Maximums an und hat dasselbe au In­tensität noch gewonnen. Die Witterung ist dementsprechend meist heiter. Nur Morgen- treten vielfach Nebel auf. Voraussichtliche Witterung: Abgesehen von Morgen­nebeln heitere-, warme- Wetter.

Butzbach, 15. September. Heute Vormittag fand auf dem hiesigen Rathhau- für den Bezirk Butzbach die Vertreter- Wahl zu der demnächst zu errichtenden Handel-kammer für die Stadt und den Kret- Friedberg statt. Hierzu wahl­berechtigt waren au- dem ganzen Wahlbezirk, der die Orte Butzbach, Gambach, Griedel, Nteder-Weisel, Opper-hofen, Pohlgön- und Trai--Münzenberg umfaßt, 71 Herren. Von diesen machten 41 von ihrem Wahlrechte Gebrauch. Gewählt wurden Herr Herrn. Küchel mit 24 Stimmen uud Herr Bürgermeister W. Joutz mit 22 Stimmen.

X Aul der Bettenm, 15. September. Wer sich ein richtige- Bild von dem diesjährigen Erntesegeu machen will, der muß nach Berstadt gehen. Sitzen auch sonst in den Gemarkungen der Wetterau die Stroh- und Getreide- baufeu zahlreicher wie sonst, so thürmen sie sich doch bei Berstadt in einer solchen Menge und Höhe auf, daß sie geradezu Bewunderung erregen. Haufen an Haufen in Häusergröße reihen sie sich hier aneinander und bilden eine große Strohstadt. Bei ihrem Anblick konnten wir den Ein- druck einer großen Gefahr, die diese- Riesenmagazin von Stroh bet einem Brande immerhin bilden könnte, nicht von un- weisen. Die größte Vorsicht namentlich in Bezug von Kindern, welche solche Strohhaufen nicht selten zu ihren be­rüchtigten Feuerchen reizen, ist gewiß am Platze.

§ Aus dem Ohmthal. 15. September. Die Grummet­ernte neigt ihrem Ende zu. Sowohl in Güte, all auch in Menge ist sie gleich der Heuernte al- vortrefflich zu bezeichnen. Dal überau- schöne, heiße Septemberwetter erleichterte und beförderte da- Grummetmachen ungemein. Solch hohe Grummetwageu, wie io diesem Jahre, sieht man selten in die Scheune fahren, und es nimmt dies umsomehr Wunder, al- auch die vorau-gegangene Heuernte eine ganz ausgezeich­nete gewesen ist. Dazu ein noch nie dagewesener Stroh­vorrath, so blickt der Landmann auf einen Futtersegen zurück, wie er ihn feit Menschengedenken nicht gehabt. Unwillkürlich tritt bei diesem segensreichen Jahrgang da» Nothstaud-jahr in die Erinnerung. Wie sah es doch damals vor 5 Jahren in dieser Beziehung so traurig aus! Bon Futtervorrath konnte keine Rede sein, dagegen herrschte der größte Futter­mangel überall. Da- wenig vorhandene Heu war rasch ver­füttert und nicht der geringste Nachwuch- vorhanden. Da» Vieh wurde in die Wälder getrieben, um el nur am Leben zu erhalten, jede grüne Gra-spitze wurde mit größter Emsig­keit gesucht. Die Biehpreise sanken auf eine feit Jahrzehnten nicht dagewesene niedrige Stufe, überall begann man den Viehstand zu rednziren, indem man da- Vieh schlachtete und zu Spottpreisen da- Fleisch verkaufte. An den Wunden, die da- Nothstaud-jahr dem Landwirth geschlagen, krankte mancher

noch bil heute. Der diesjährige überaus segensreiche Jahr­gang wird sie hoffentlich heilen.

][ Lauterbach. 15. September. Die hiesige Israelitische Gemernde hat sich laut eingegangener Kreilamtlicher Verfüg­ung dem Großherzogltchen Provinzialrabbtner Dr. Hirsch­feld in Gießen unterstellt.

W. Aus Oberheffen, 15. September. Die BezirkS- thi er schau, die* am 22. d. M. in Büdingen abgehalten werden wird, scheint nach den bi- jetzt eingelanfenen An­meldungen sehr zahlreich beschickt zu werden. AIS Ausstellung»- platz ist der Raum an der Saline gewählt. InStaden warf gestern beim Grummetabladev ein Knecht eine Heugabel vom Wagen und traf dabei einen anderen Knecht, dem der Unterarm kurz Über dem Handgelenk durchstochen wurde. Glücklicherweise war keine Ader getroffen. Die Wunde ist immerhin bedenklich. Durch da- Nidda und Ntdderthal sieht mau schon die ganze Zeit über wöchentlich Planwagen fahren, die mit Gurken beladen find. Diese werden in Frankfurt gekauft und int Bogel-berg und der Rhön ad- gesetzt. In den beiden Thäleru, in denen die Gurkenzucht aber noch sehr schwach entwickelt ist, nehmen sie noch mit, wa- sie erhalten und laden können. Die Leute waren mit dem Ertrag und Erlö- recht zufrieden. E» werden hier mehr Salat- als Einmachgurken gezogen. AnSgebreiteter al- die Gurkenzucht ist in den genannten Gegenden, wenigsten» in einzelnen Orten, die Zwiebelzucht. Der Handel in diesem Artikel ist eben sehr lebhaft. Für den Centner werden 3 Mk. 50 Pfg. bezahlt. Zwiebeln und Gurken werden meisten» in kleinen Wirtschaften gezogen, wo man noch mit den eigenen Kräften die Arbeiten, die namentlich bet der Zwiebelzucht durch da» viele, aber unentbehrliche Jäten, sehr zeitraubend sind, thun kann. Landwirthe mit großem Besitz können sich damit nicht abgeben, weil ihnen die Arbeitskräfte fehlen.

Darmstadt, 15. September. Bon dem Museuml- Nend au ist der eine, den Hof umrahmende Theil, der al» Putzbau ausgeführt wird, bereits über den zweiten Stock hinaus gediehen. Im September und October beherbergt die Kunsthalle die Ausstellung der neu gegründetenVer­einigung Darmstädter Künstler". Der Kuustverein kommt dem Unternehmen in jeder Weise entgegen. Es find dies die DarmstädterSecesfionisten", wenigsten» wird, dem Namen der betheiltgteu Künstler nach zu urtheilen, die moderne" Kunst in allererster Linie vertreten sein.

Alls ter Seit für feie Seit

Vor 267 Jahren, am 17. September 1631, kam es bei Breitenfe 1 d, unweit Leipzig zu einer blutigen Schlacht, in welcher Gustav Adolf über die Kaiserlichen unter Tilly siegte. Tilly, der selbst in Lebensgefahr schwebte, verlor 7000 seiner tapfersten Streiter und mußte eilig nach dem Süden ziehen, indes Gustav Adolf, dem nunmehr ganz Deutschland offen stand, sich dem Main zuwandte.

Permif^üf«

Der Aerztestrike in Remscheid hat mit einer Nieder­lage der Aerzte geendet. Die Ortskrankenkasse hat sieben Aerzte von au-wärt- herangezogen, die mit einem festen JahreSgehalt von 6000 Mk. angestellt find und keine Privat­praxis ausüben dürfen. Da die Krankeukaffe die halbe Be­völkerung umfaßt, ist den Aerzten in Remscheid ein schwerer Nachtheil zugesügt worden, dessen wirthschaftliche Bedeutung noch nicht abzusehen ist.

* Da-I. W. E." erzählt einige Geschichten vom Vater der Kaiserin Elisabeth. Bekanntlich liebte e-Herzog Maximilian, der ein au-gezeichneter Zitherspieler war, in einem unscheinbaren Anzuge bald in diesem, bald in jenem Gasthause einzukehren und dort die Gäste durch Borträge auf der Z'ther, seiner steten treuen Begleiterin, zu unterhalten. In den fünfziger Jahren nun befand sich Herzog Maximilian einmal in Augsburg und kam eines schönen Tage- ia einem grauen, schlichten Anzuge inS sogenannte Bettelhau-1 am Schwibbogenthor. Seiner Gewohnheit getreu, zog er auch bald seine Zither hervor und begann, von Niemanden erkannt, zu spielen. Einige in dem genannten Gasthause anwesende Flößer waren durch da- Spiel so erfreut, daß sie zu dem Zitherspieler gingen und ihn aufforderten, gegen Vergütung einenLandler" aufzuipielen. Bereiiwtlligst erklärte sich dieser hierzu bereit. Bald herrschte unter der Gesellschaft die größte Heiterkeit- ein Landler, ein Schnadahüpfel folgte dem anderen, die Groschen, Sechser, Zwanziger u. s. w. gingen reichlich ein aber der Zitherspieler in der nuscheln- baten Kleidung ließ sich ein in gar keinem Verhäliniß zu den Mitteln eine- gewöhnlichen Manne» au- dem Volke stehende» Mtttagmahl vorsetzen. Dies machte die Kellnerin stotzig und e» stieg in ihr der Verdacht auf, der zweifelhaft gekleidete Gast könnte am Ende, ohne do- theure Mahl bezahlt zu haben, au» der Wirthschaft verschwinden. Auch die Wirthin, der sie ihre Vermuthung mittheilte, hielt Vorsicht für geboten. Als die Unterhaltung im besten Gange war, trat ein Corporal vom 4. Chevauleger-Regiment in da» Zimmer. Dieser, den hohen Gast erkennend, machte stramm seine vorgeschriebene Ehrenbezeigung, den Herzog in große Verlegenheit bringend, der so sein scherzhaftes Inkognito plötzlich gelüftet sah. Er warf nun zur großen Befriedigung und Beruhigung der Kellnerin einen Kronenthaler auf den Tisch und verließ eiligst da» Gasthau». Die Gäste aber blieben fitzen und schauten einander verwundert an. . . . Einst reiste der Herzog zu seiner Tochter nach Wien. In dem Abtheil, das er benutzte, befand fich auch ein hervorragender Frankfurter Bankier. Dieser, der seinen Reisegefährten nicht kannte, begann etn Gespräch mit dem Herzoge, in dessen Verlauf er mit einigem Stolze erzählte, er reise nach Wien zu seiner Tochter, die dort an einen der ersten Bankier verhetrathet sei.So?" meinte Herzog Max in harmlosestem Toneda» trifft sich ja ganz merkwürdig. Ich habe auch eine Tochter tn Wien, die recht gut verhetrathet ist."Wer ist der Manu