Ausgabe 
17.8.1898 Zweites Blatt
 
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3. Kalbinnen erkennbar tragend ein 1. Preis.....100 Mk.

ein 2. Preis.....75 n

zwei 3. Preise ä 50 Mk. . . . 100

4. Sammlungen.

a. Große Sammlungen (von Zuchtvereinigungen oder Landwirthen im Besitz von 30 oder mehr Stück Rindvieh) bestehend aus mindestens 10 Stück über 1 Jahr alten weiblichen Thieren (darunter höchstens 5 Kühe) und einem reinrassigen Bullen

ein 1. Preis.....500

b. kleinere Sammlungen von Landwirthen, die weniger wie 30 Stück Vieh im Stalle haben, bestehend in 6 Stück über ein Jahr alten weiblichen Thieren (darunter höchstens 3 Kühe)

Gesammtpreis . . - 350 ,

c. Familien, bestehend aus einem Mutterthier und mindestens 2 von diesen stammenden über ein Jahr alten weiblichen Thieren

ein 1. Preis.....150 n

5. 10 Anerkennungen, Weggeld ä 10 Mk. . - 100 ,,

Summe der Preise . 2245 Mk.

. 60 Mk.

Mk.

Prämiirrrugs-Ordurrug für Schweine.

Es werden folgende Preise ausgesetzt für:

A. Reinrassige Schweine des weißen englischen Schlags (Yorkshires rc.) 1. Eber: ein 1. Preis. zwei 2. Preise ä 40 Mk. zwei 3. Preise ä 20 Mk.

. 80

. 40

180

2. Sauen, trächtig oder mit Ferkeln:

ein 1. Preis . . . . 45 Mk.

ein 2. Preis . . . 30

ein 3. Preis. . . - 15

90 Mk.

5 Anerkennungen mit ä 5 Mk.

Weggeld 25

B. Kreuzungen mit obigen Schlägen:

Sauen, trächtig oder mit Ferkeln:

ein 1. Preis. . . .45 Mk.

ein 2. Preis. . 30

ein 3. Preis. . . . 15

90 Mk.

4 Anerkennungen mit ä. 5 Mk. Weggeld 20 n C. Landschweine:

Eber:

ein 1. Preis. . . .45 Mk.

Sauen, trächtig oder mit Ferkeln:

ein 1. Preis. . . . 30

Anerkennungen mit ä 5Mk.Weggeld 20

95 Mk.

D. Sammlungen aus A.:

1 kleine (von Landwirthen mit

weniger als 5 Zuchtsauen) be« stehend aus einem Eber und vier Sauen über 6 Monate alt:

ein 1. Preis. . . .100 Mk.

ein 2. Preis. . . - 50

150 Mk.

2 große (von Landwirthen und Zuchtvereinigungen mit mehr als

5 Zuchtsauen) bestehend aus zwei Ebern und sechs Sauen über sechs Monate alt:

ein 1. Preis. . . j 150 Mk.

Summa 800 Mk.

Für die Durchführung gilt die vom Landwirthfchaftsrath erlasiene Allgemeine Schweineschau Ordnung.

Prämiiruugs-Orduuug für Ziege».

Es werden folgende Preise ausgesetzt:

1. Für Böcke: Ein 1. Preis......30 Mk.

Ein 2 Preis......20 ,,

Ein 3. Preis..... 10

60 Mk.

2. Für Ziegen: Ein 1. Preis......20 Mk.

Zwei 2. Preise ä 15 Mk. . . 30 Zwei 2. Preise ä 10 Mk. . . 20

70 Mk.

4 Anerkennungen mit ä 5 Mk. Weggeld 20

Summa 150 Mk.

Für die Durchführung der Schau gilt die, vom Land- wirthschaftsrath erlassene allgemeine PrämiirungSordnung, deren hierher gehörige Bestimmungen in der Ausstellungs­ordnung den Viehzüchtern noch bekannt gegeben werden.

Mit der Schau wird weiter eine Prämiirung von Schweinen und Ziegen verbunden, für welche besondere Mittel zur Verfügung stehen. Hierüber erfolgt nähere Be­kanntmachung.

Die Schau wird am 19. September d. Js. abge­halten und bezweckt vorstehende Veröffentlichung, die Vieh­züchter des Kreises Gießen schon jetzt auf dieses wichtige Unternehmen aufmerksam zu machen und zu rechtzeitiger Vor­bereitung reger Theilnahme zu veranlaffen. Mit der localen Durchführung ist vom landw. Provinzialverein eine Com­mission beauftragt, in welcher der Unterzeichnete den Vorsitz führt. Anmeldungen sind bis fpätesteus 9. September an den Unterzeichneten zu richten, von welchem auch die Ausftellungsordnung und die Anmeldeformularien zu be­finden sind.

Hungen, den 4. August 1898.

Der Vorsitzende der Commission der Bezirksthierschau, v. Oven.

Die internationale Lage.

Die Waffen ruhen, erleichtert athmen gewiß beide Gegner auf, denn sowohl auf spanischer wie auf amerikanischer Seite war die Situation kritisch. Wohl waren die Amerikaner Sieger geblieben, wohl hatten sie ihr Uebergewicht zeigen I können, weil sie infolge iher günstigen Finanzen die Fort- chritte der KrtegStechntk fich nutzbar zu machen vermocht Mtten, aber ihre Armee kann den Einwirkungen des mördert- I chen Klimas auf Cuba nicht widerstehen. Tausende der I luiouStruppeu liegen am Fieber darnieder, und die Gefahr I iroht, daß das Heer durch diese Seuche völlig decimirt wird. Was nützen fch'.irßlich die Kanonen neuester Constructiou uud verheerendster Wirkung, wenn keine Mannschaften zu Gebote tehen, die Erfolge auSzuuutzeu, welche die technische Ueber- legeuheit errungen hat! r ,

Deshalb ist mau sicherlich auch im Weißen Hause hoch- befriedigt darüber, daß Spanien die Hand zum Frieden bot, daß eS die amerikanischen FrtedenSbedivgungen im Prtucip auuahm. SS ist kaum daran zu zweifeln, daß auf Grund­lage dieser Bkdiogungeu der definitive Friede schließlich zu Stande kommen und daß die westindische Frage damit ihre endgültige Erledigung finden wird. Die Mouroe-Doctriu hat einen Erfolg errungen, der sehr schwerwiegend ist und hoffentlich den Appetit der YankeeS nicht noch mehr auregt.

Gegen die Durchsühruug der FriedenSbedtugungen dürfte ' kaum Seitens der Großmächte Einspruch erhoben werden, da fich die Amerikaner bezüglich der Philippinen weise Mäßigung auferlegt haben. Hätten sie ihre Hand auf diese Inseln gelegt, so wäre eS wahrscheinlich zu internationalen Covflietev gekommen, so aber dürfte die allgemeine Lage durch den AuSgang des spanisch amerikanischen Krieges kaum berührt werden.

Daß diese darum besonders beruhigend genannt werden könnte, soll damit nicht behauptet werden. Wir haben schon vor einigen Tagen die englisch-russischen Jntereffeu in Ost- afien besprochen und darauf hingewieseu, daß diese Differenzen fortgesetzt eine große Gefahr tu fich schließen, die geeignet ist, weite Kreise zu ziehen. ES finden fich fortgesetzt dtver- girende Punkte, die einen Sonflict heraufzubeschwöreu in der Lage find und um so gefahrvoller erscheinen, als heute keine Großmacht wehr ganz unparteiisch dem Stande der Dinge im fernen Osten unparteiisch und uuinteresfirt gegeuübersteht. Auch Deutschland kann kaum noch die Rolle deS ehrlichen Maklers übernehmen, seitdem es zu Ostafien so thatkräftig Stellung genommen hat uud eotschloffen ist, seine politischen uud wirthschaftlicheu Jutereffen daselbst wirksam wahrzunehmen. Nach allgemeiner und auch von uuS vielfach vertretener Avficht muß es zwischen England uud Rußland einmal zu einer Auseinandersetzung kommen, aber im Jntereffe des Weltfriedens liegt eS, wenn die Austragung der Differenzen noch möglichst lange hinauSgrschoben wird. Dieser Ansicht scheinen auch die englischen Staatsmänner zu sein, denn trotz der heftigsten Borwürfe, welche ihnen die Londoner Preffe macht, haben sie in der chinesischen Etseubahufrage klein bei- gegeben uud es ruhig hiugeuommeu, daß Rußland wieder die Sahue abgeschöpft hat uud fich Borthetle auetgneu koume, welche tief iu die englischen Juteressea eiuschuetdeu.

DaS FriedeuSbedürfuiß ist iu Europa noch überwiegend uud vou keiner Seite möchte mau die Ruhe stören, trotzdem viel ExplofiouSstoff augehäuft ist. Dieses FriedeuSbedürfuiß läßt allein noch bte Zuverficht zu, daß eS gelingen wird, den Ausbruch einer offenen CovfltcteS zu vermeiden oder ihn wenigstens noch lange hioauSzuschtebeu. Deutschland hat sehr klug gethav, seine Hand von der kreteufischev Frage zurück- zuzieheu, eS läuft wenigstens jetzt nicht die Gefahr, auch in diese Augelegeuheit verwickelt zu werden uud kann infolge dessen seine ganze Aufmerksamkeit der ungleich wichtigeren ostasiatischen Sache widmen. (x><)

Deutscher Reich.

Bad-Nauheim, 15. August. Kaiser Wilhelm kommt I nach Besichtigung der 21. und 25. Division bei Mainz am I 21. d. M. hierher, wo er mit der Kaiserin, welche vou I WtlhelmShöhe hierher kommt, zusammentrifft. DaS Katserpaar I wird gemeinsam der Kaiserin von Oesterreich einen Besuch abstatten.

Berlin, 15. August. Der Commaudeur deS Königin- Elisabeth-Garde-Greuadter-Regtment Nr. 8 in Charlotteuburg, Oberst v. Plötz ist mit der Führung der 49. Infanterie- Brigade iu Darmstadt beauftragt wordeu.

Berlin, 15. August. DaS Kaiserpaar wohnte gestern dem Gottesdienst tu der Schloßcapelle zu WtlhelmShöhe bet. Der Kaiser nahm gestern den Bortrag deS Ministers deS Königlichen Hause- v. Wedell uud heute denjeuigeu des Chefs deS Ctvil CabtuetS v. LucauuS eutgegru. Er empfiug darauf deu Decau Hoffmauu uud deo Gymuafialprofeffor Guembel aus Speyer zur Vorlage vou Skizzen uud Pläueu für die daselbst zu erbauende Gedächtnißkirche.

Berlin, 15. August. Die beschlossene Vermehrung der deurschen Sch-ffe erfordert auch eiue Vermehrung deS FlottenpersoualS. Die Zahl der etogestellten Schiffs- jungen ist daher in diesem Jahre um die Hälfte, von 300 aus 450 verwehrt wordeu, während gegen 81 Cadetteu tm Vorjahre tu diesem Jahre 108 aufgeuommeu wordeu find. Die Vermehrung beträgt hier also ein Drittel.

Berlin, 15. August. Bet dem diesjährigen Kaiser- Manöver wird ein Comwaudo der Lustschifferabtheiluug Verwendung finden. Dieses besteht au» 11 Osfizteren, 163 Manu uud 83 Pferden- eS nimmt an der großen Kaiser­parade nicht Thetl, sondern rückt am 1. September direct tuS Mauöoergeläude deS 7. ArmercorpS. Zur Sicherung wird dem Comwaudo ein Detachement vom hauuoverscheu Traiubataillon Nr. 10 tu Stärke von 1 Osfizier, 42 Maun uud 71 Pferden mit einer Auzahl Wagen betgegebeo werden.

Berlin, 15. August. Gestern ist, wie dieBoff. Ztg." berichtet, Professor Bastiau von seiner Forschungsreise uach I Südost-Afieu glücklich zurückgekehrt. Er ist fast 2*/a Jahre

abwesend gewesen, hat meist !in der Nahe vou Batavia gewohnt uud vou dort aus seine Forschungsreisen unter­nommen.

Berlin, 15. August. AuS Ischl wird demBerliner Tageblatt" telegraphirt: Die Situation ist krttisch. Baron Bauffy war gestern iu Andteuz beim Kaiser und wird heute abermals dort erschetueu. Auch Graf Goluchowsky wurde ewpfaugeu. Graf Thuu scheint nicht deu ReichSrath ein* beruseu zu wollen. Er schlägt vor, den gesammten Ausgleich mittelst Nothverorduuog ins Leben treten zu laffeu, worauf Bauffy aber nicht etugeht, weil die ungarische Bersaffuug an* bedingt die Beiwirkuug der Bolkvertretuug fordert.

Berlin, 15. August. Die in der Koppeastroße wodn- hafte 79 jährige Almosenempsäugeriu Amalie Wetukauf wurde gestern früh vou dem 46 Jahre alten Tischler Frauz Golscher erwürgt uud erschlagen. Der Mörder tonnte sofort uach der That in der Wohnung seines Opfers verhaftet werden.

Berlin, 15. August. Diplomateuarbeit. In den hirfigen diplomatischen Kreisen fieht man mit wachsender Spannung der wetteren Entwicklung der spanisch-amerikanischen Frage entgegen. Man verhehlt fich nicht, daß der jetzt be­gonnene zweite Abschnitt dieser Augelegeuheit eine Reihe von gefährlichen Klippen tu fich birgt, deren glückliche Umsegelung der awertkanischeu Diplomatie eine immerhin schwierige Aus­gabe bieten wird. Die cabauische Frage, sowie da» Schicksal PortoricoS stehen dabet tu zweiter Linie- die Haupt- aufmerkiamkett lenkt fich mehr uud mehr auf die Philipptoru. Wir glauben Grund zur Annahme zu haben, daß gewtffe Soudirungen, welche die Washiugtoner Regierung augestellt hat, um sich über die muthmaßliche Stellungnahme der europäischen Mächte zu dem offen ausgesprochenen Wunsche nach der Besitzergreifung der Inselgruppe durch die Ber- einigten Staaten zu vergewiff-rn, ein Ergebuiß gehabt haben, welches die Erfüllung dieses Wunsches als auSgeschloffeu er- scheinen laffeu muß. Freilich ist auch erst wieder die That- jache festzustellen, daß eine europäische Macht fich angelegen sein läßt, die amerikanischen Wünsche zu protegireu. Auf diesen Umstand ist auch ein Wandel tu der Sprache der lettendeo amerikautschen Preffe zurückzuführen, der fich in den letzten Tagen iu recht unliebsamer Weise bemerkbar macht. Dieser Ton dürfte sich in der nächsten Zett noch steigern, da die Gewißheit für die Amerikaner besteht, daß dir Philippinen- frage in keinem Falle als Object eines SonderabkommeuS zwischen Amerika und Spanien zugelaffeu werden wird, auch nicht auf dem Umwege etoeS von Spanten zu erlangenden Verzichte» zu Gunsten der Eingeborenen bezw. Aufständischen. Noch spielt Mac Kinley mit verdeckten Karren, die europätschm Mächte uud Rußland aber werden schon den geeigneten Zeit­punkt ergreifen, um ein offenes Spiel zu erzwingen. ES wird von der amerikautschen Diplomatie abhängen, ob daS Wort vou einer internattooaleu Philippinen'Cousereuz früher oder später amtlich ausgesprochen wird. Wir gehen schwerlich fehl, wenn wir al» Endziel der auf eiue friedliche Entwicklung der Berhältuiffe abzieleuden Bestrebungen die Aufrechterhaltnug der nominellen Suveränetät Spanten» über die Phtltpptnen und Coneedtrung geeigneter Schiffs- und Kohlenstationen auf der Inselgruppe au die interessirtea europäischeu Mächte und Amerika bezeichuen.

Warmbrunn, 15. August. Iu dem Bade Fliu»berg ist da» neue Tourtstruhotel von Thoma» tu der Nacht zu« Sonntag vollständig niedergebranut.

Aurtaud»

Cilli, 15. August. Anläßlich der gestern hier statt- gefundenen Fahnenweihe de» slawischen Gesangverein» kam e» infolge des provoctrendeu Auftreten» eines Slawen wieder­holt zu Zusammenstößen mit deu Deutschen. Schließlich schritt die Gendarmerie ein und nahm eine Anzahl Verhaftungen vor.

Ostende, 15. August.Gazzette" meldet, König Leopold vnd die Diplomatie Belgiens arbeite daran, in China die Abtretung eine» Landstriche» an Belgien zur Sicherung der dortigen belgischen Jntereffeu zu erlangen. Der König, der von dem Ministerpräsidenten begleitet war, hatte dielerhalb mit dem Präsidenten Faure in Havre eine Unterredung.

Pari», 15. August. Der UnterrichtSmiuister Bourgeois hat ein AuSschreiben an alle Rectoren der verschie­denen Hochschulen erlaffen, in welchem er dem gesammten Lehrpersoual untersagt, sich öffentlich an der DreysuS-Ange- legenheit zu betheiligeu. Andernfalls würden sie ihrer Mandate al» Profefforen verlustig geheu.

Pari«. 15. August. Bei BouvtllerS im Departe­ment Calvare» entgleiste in der Nacht zum Sonntag ein von Paris kommender Zug. Sieben Personen wurden ge- tödtet uud 21 verwundet. Der Etsenbahumtuister hat fich persönlich an die UnglückSstrlle begeben.

Madrid, 15. August. Dor der Ceremonie der Kreuz- Aussetzung auf deu neu gebauten Ktrchthurm iu Marofilje stürzte gestern der Thurm ein. Eine große Anzahl I der um die Kirche versammelten Personen wurde unter den I Trümmern begraben. Bisher find drei Todte, sechs schwer I und mehrere leichter verwundete aus deu Trümmern hervor- I gezogen worden.

I Shristiania, 11. August. (Die Soeialdemokratie I ju Norwegen). Auf der skandinavischen Halbinsel hat die I socialdemokratische Bewegung bisher keine sonderliche Be- I deutuug erlangt, wie auch der Umstand, daß im schwedische» Reichstag erst seit den Wahlen vou 1896 ein einziger, im I norwegischen Storthing aber gar kein Vertreter der Social- I demokratie fitzt, genügend beweist, daß diese Partei in Schweden und Norwegen noch keineswegs zahlreich ist. In dieser Be- I ztehung find ihnen die Genossin in Dänemark verschiedene Nasenlängen voraus, denn dort sitzen nicht bloS 12 Social- I demokraten im Folkethiug, sondern sie find auch zwei Mann | hoch ins Oberhaus, in» LandSthiug eiugezogeu. WaS jedoch