Ausgabe 
17.8.1898 Erstes Blatt
 
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Rechte auf der Insel Cuba verzichten. Art. 2. Spanien wird die Insel Portorico und die andern Inseln, die fich gegenwärtig auf den Antillen unter SpauieuS Souveräuetat befinden, sowie eine Insel in dem Ladrouenarchtpel nach Wahl der Bereinigten Staaten an die Bereinigten Staaten ab- treten. Art. 3. Die Bereinigten Staaten werden die Stadt, die Bucht und den Hafen von Manila besetzen und behalten, tu Abwartung des Abschluffe» eiueA FriedeuSvertrage», der die Herrschaft (contröle) und die Art der Regierung der Philippinen bestimmen soll. Art. 4. Spanien wird Cuba, Portorico und die übrigen Inseln, die fich gegenwärtig unter der Souoeränetüt Spanten- auf den Philippinen befinden, räumen, Zu diesem Zweck wird jede der beiden Regierungen bmnen zehn Tagen nach der Unterzeichnung dieses Proto­kolls Commtfiare auswählen, und die so auSgewählteu Com- miffare sollen binnen 30 Tagen nach der Unterzeichnung dieses Protokolls fich in Havanuah versammeln, zu dem Sude, die Einzelheiten der vorerwähnten Räumung CubaS und der an­liegenden spanischen Inseln zu vereinbaren und die Ausführung dieser Räumung durchzusetzeu, und jede der beiden Regierungen wird ebenfalls binnen zehn Tagen nach dem Tage der Unter­zeichnung des Protokolls andere Commiffare ernennen, die binnen dreißig Tage nach der Unterzeichnung dieses Protokolls fich in San Juan de Portorico versammeln sollen, um fich über die Einzelheiten der Räumung Portoricos und der andern Inseln zu verftäudigeu, die fich gegenwärtig unter der Souveränität Spanten- in den Antillen befinden. Art. 5. Spanten und die Bereinigten Staaten werden, um wegen de- Frieden- zu verhandeln, höchstens fünf Commiffare für jede- Land ernennen. Die so ernannten Commiffare sollen fich spätestens am 1. October 1898 tu Paris versammeln und zu den Verhandlungen und dem Abschluß eines Friedens- Vertrages schreiten. Dieser Vertrag soll gemäß den Ver- faffungsgesetzeu der beiden Länder vollzogen werden. Art. 6. Nach der Vollendung und der Unterzeichnung diese- Protokoll­sollen die Feindseligkeiten aufgehoben und zu diesem Zweck in beiden Ländern von jeder Regierung Befehle an die Führer ihrer Land- und Seestreitkräfte sobald wie möglich ertheilt werden. Doppelt in Washington in französischer und eng­lischer Sprache von den Unterzeichneten au-gefertigt, die unter die Acte ihre Unterschrift und ihre Siegel setzen. Am 12. August 1898.

CocaU» und provinziell«».

Gießen, den 16. August 1898.

** Auszeichnung. Se. Königl. Hoheit der Groß- Herzog haben Allerguadigst geruht, dem Arbeiter Heinrich Schäfer in Neu-Isenburg in Diensten der Firma C. Zimmer jetzt vereinigte Chtninfabriken Zimmer & Co. in Frankfurt a. M., da- Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Arbeit" zu verleihen.

* * Kirchliche Dieustuachrichteu. Se. Königliche Hoheit der Großherzog haben Allerguädigst geruht, den Pfarrer Gustav Mencke zu Wölfer-Heim auf sein Nachsuchen von der ihm übertragenen evangelischen Pfarrstelle zu Nauheim, Decauat Groß-Gerau, wieder zu entheben.

* Freigepäck. Vom 1. October an tritt auf allen Strecken der ehemaligen Hessifcheu Ludwtgsbahu, welche jetzt der Dtrectiou Mainz unterstehen, die längst er­wünschte Neuerung ein, daß 25 Kilogramm Gepäckfretgewtcht gewährt werden. Bet den großen Gepäckexpeditionen der ge­nannten Dtrectiou wird vom gedachten Tage ab das Gepäck nach dem vereinfachten amerikanischen Muster expedirt, wie solche- zur Zett schon ab Frankfurt nach Berlin, Hamburg rc. geschieht.

* * Der große CireuS Eorty-Althoff ist heute hier eiuge- troffen. Die Vorstellungen beginnen bereit- heute (Dienstag) Abend. Rach den Erfolgen, welche die Vorstellungen in allen größeren Städten gehabt, darf man auf die angekündtgte Aufführung gespannt setn. Morgen, Mittwoch finden zwei große Vorstellungen (Nachmittag- 4*/, uad Abend- 8 Uhr) statt- Abends da- AusstattungsstückUeberfall eine- Eisen*

bahnzugeS durch Indianer." Näheres besagen die Anzeigen und Tage-zettel.

Billard Sport. Bei dem am vergangenen Sonntag in der Restauration Sächsischer Hof Asterweg stattgefundenen PreiS-Btllardsptel erhielten die Herren Th. Rühl den 1. Preis, P. Baecker den 2., R. Schmidt den 3., A. Staudt den 4., H. Huhn den 5., A. Stoll den 6. und K. Keiner den 7. Preis.

Commuoalbesteuttuug in Hessen, Aus nachstehender, demDarmst. Tagbl." eotnommeoen Ueberficht find die Gesammtresultate der Commuualbesteueruog in den Städten de- Großherzogthums, in welchen die Städteorduung gilt, zu entnehmen. Die Resultate des Vorjahres find zur Vergleichung beigefügt!

1898/99 1897/98

Namen

Steuer­

AuSschlagS-

Steuer­

AuSschlagS-

der Städte

summe:

coeffkient:

summe:

coeffktent:

Mk.

Pfg.

Mk.

Pfg-

Alzey

97 500

27,048

90600

25,465

Bingen

160000

23,997

156 540

23,965

Gießen

473195

28,8

447 946

28,8

WormS

602000

25,964

580600

26,114

Offenbach

800000

25,8

755 000

25,8

Darmstadt

1394341

27,9

1305288

27

Mainz

1883776

29,4

1826 591

29,4

Hiernach haben die Städte Gießen, Offenbach und Mainz ihren vorjährigen Au-schlagScossficieuten beibehalten, Alzey hat den Coesfieient um 1,583 Pfg., Bingen um 0,032 Pfg. und Darmstadt um 0,9 Pfg. erhöht, während fich WormS eine Ermäßigung de- Coäfficienten um 0,150 Pfg. leisten konnte. In der Höhe der Besteuerung besteht die Reihen­folge : Mainz, Gießen, Darmstadt, Alzey, Offenbach, Worms, Bingen. Zur Vergleichung seien noch die BesteuerungSver- hältniffe einiger größerer Landstädte, in denen die Laud- gemeindeordvung gilt, beigefügt: Kastel 128485 Mk. Steuer mit 27,114 Pfg. AuSschlagScovsficient, Bensheim mit 108000 Mk. bezw. 34,780 Pfg., Heppenheim mit 69551 Mk. bezw. 36,303 Pfg., Bad-Nauhetm mit 125 000 Mk. bezw. 36,859 Pfg., Friedberg mit 88000 Mk. bezw. 24,486 Pfg., Erbach mit 29 000 Mk. bezw. 34,789 Pfg., Michelstadt 31500Mk. bezw. 29,778 Pfg., Groß-Gerau mit 44000 Mk., bezw. 23,197 Pfg., Büdingen mit 34200 Mk. bezw. 22,925 Pfg., Alsfeld mit 68 400 Mk. bezw. 27,937 Pfg., Lauterbach mit 40000 Mk. bezw. 30282 Pfg. usw. In den eigentlichen Dorfgemeinden find die Unterschiede in der Gemeindebesteuerung viel größer,- da gibt es noch einige wenige Gemeinden, die gar keine Communalsteuer erheben, und viele Gemeinden, in denen der Ausschlag nur gering ist, dann aber auch wieder genug Gemeinden, in denen der Aus­schlag 50, 60 und sogar 70 Pfg. auf die Mark Communal- steuereapital übersteigt.

* Distanzriti im Bereich des 11. ArmeecorpS. Der fich jährlich wiederholende Diftanzritt uw den von Sr. Majestät dem Kaiser gestifteten Preis fand am Mittwoch beim 11. Armeecorp« statt. Für die Offiziere der 21. und 25. Cavallerte-Brigade begann derselbe in Darmstadt und endete in Hanau. Die Herren hatten gegen eine Ausstellung des 116. Infanterie-Regiments bei Gießen zu reiten und diese zu erkunden. Dann erfolgte der Rlickritt nach Hanau. Die Entfernung etuschl. der Umwege bei der Recognoßcirung näherte sich 200 Kilometer. Der Start erfolgte in Darm« stadt von 3 Uhr Morgen- an in Zwischenräumen von je 7 Minuten. Der erste Reiter traf gegen 7,9 Uhr in Hanau ein. Um 12 Uhr waren die letzten zur Stelle. An dem Ritt nahmen 20 Herren Theil, von denen 16 mit frischen, gesunden Pferden am Ziel anlangten. Die Offiziere der 22. Brigade ritten ebenfalls am Mittwoch, und zwar mit dem Ausgangspunkt Caffel und dem Ziel Treysa. Eine end­gültige Entscheidung über den Sieger bleibt abzuwarten.

* * Warnung vor gefälschten Werthpapiereu. Da auch in Deutschland größere Posten von österreichischen Zehn« guldeuscheiuen circultren, so möchten wir nicht unter- laffen, bei Abnahme von solchen Noten Vorsicht zu empfehlen,

da die Anfertigung letzterer, wie e- fich herauSgestellt hat, von einer internationalen Fälscherbande fabrikmäßig betrieben worden ist. Da- Haupt der Fälschergesellschaft, Namen- Scheumacher, ist vor wenigen Tagen in Newhork, als er versuchte, 200,000 fl. Falsifikate an den Mann zu bringen, festgenommen worden.

Dermifdfrtt**

* München. 14. August. Bei den Vegetarianern. Gestockte Milch mit Gurkensalat und Himbeerlimonade was sagen Sie zu dieser Combination? Auch ßinfenfotelett mit Zwetschgenknödel und Apfelpüree find sozusagen nicht von schlechten Eltern, zumal in Begleitung eines Glases alkohol­freien Bieres. Ungleich geartet sind der Menschen Geschmäcker hie Fleisch, hie Gemüse heißt die Losung. Was in Gestalt einesMordstrumms" von Haxe den Carnivoren entzückt, das flößt dem Vegetarianer Mitleid und Furcht ein, denn er sucht das Schönste auf den Fluren und sein empfindsame- Herz erschließt sich ganz dem sanften Zauber von Radischen, Kohlrabi, Schwammerlingen und Salat. Treten wir einmal zur Mittagszeit in ein vegetarisches Restaurant. Schon der Name dieser Gastwirthschaften versinnbildlicht ihren eminent friedlichen CharacterCeres",Pomona" u. s. w. Taucht da nicht sofort der idyllische Zustand des goldenen Zeitalter» vor unserem Auge auf? Wir treten in den Speisesaal. Tischwäsche und Besteck find von größter Sauberkeit, die Luft ist rein, denn kein Raucher darf hier seinen Gelüsten fröhnen. Ein paar freundliche Heben, mit Wangen wie Milch und Blut Pardon, wie Mllch und Himbeerlimonade reichen uns den Speisezettel. Während wir ihn lesen, geht die Er­innerung ans Paradies der Kindheit uns durchs H§rz; wir muffen an jene harmlosen Zeiten denken, wo einFlammeri" mit recht viel Kirschensaft uns den Gipfel irdischen Glücks­bedeutete. Ich weiß nicht sind seitdem die Flammeri- anders geworden oder sind wir anders geworden? Genug, es fehlt an dem alten, innigen Zusammenspiel zwischen uns Beiden.....Wir laffen uns also Suppe, Gemüse und

Mehlspeise auftragen und können nicht umhin, der schmack­haften Zubereitung unser Lob zu zollen. Während des Essen­mustern wir ein wenig die Gäste, und es will uns dünken, als ob auch wir ein wenig mißtrauisch gemustert werden mit fragenden Blicken: Ist es ein Echter oder ein Halber? Kommt er aus Ueberzeugung oder aus Neugierde? Sitzt er gar auf der Bank der Spötter und sucht sich hier Opfer seines bar­barischen Carnivoren-Witzes? Einige Tischgenossen erwecken durch ihr kränkliches Aussehen nicht gerade eine gehobene Stimmung für ihre Ideale, Andere aber sehen rosig drein und haben sogar ganz respectable Bäuchlein. Am besten scheint die Pflanzenkost der Damenwelt zu bekommen, die wir hier zahlreich vertreten finden. Unverkennbar sind dieVollen und Ganzen", die mit fast religiösem Eifer an ihrer Sache hängen; sie nehmen den Spinat mit Ei wie eine Heilsoffen­barung in sich auf, und wenn sie Reispudding bestellen, so kommt es andächtig über die Lippen wie ein Psalm. Mit Vorliebe verbreiten sie fich auch beim Essen über Lebenszwecke und Srnährungsideale, und wenn sie das Unglück haben, krank zu sein, oder es sich nur einbilden, so halten sie er für eine zarte Aufmerksamkeit, uns über ihren Zustand und ihre Heilmethode Kniegüsse und Leibumschläge, oder Leib­umschläge und Kniegüsse in eingehendster Weise zu unter­richten. . . . Wir verlassen das Local und denken: viele Wege führen zum Glück, wenn auch alle zum Grab, und der Weg durch der Ceres Gefilde ist nicht der schlechteste. Möchte es stets Rosenkohl sein, was an ihm wächst!

* Sine hervorragende Sehenswürdigkeit Münchens sind die Säle im neuen und im alten Rathhaus, deren Besichtigung in Anbetracht der gegenwärtigen Fremdensaison einem jeden Besucher unserer Kunststadt München auf das Wärmste empfohlen sein soll. Im neuen Rathhaus ist vor Allem das mächtige historische Bild von Piloty sehenSwerth; dazu kommen die von den ersten Meistern gemalten Porträts der Prinz-Regenten sowie der Könige Ludwig I. und II. und Max II., die selten schönen Marmorarbeiten, die färben-

diese arme Nase umfluthen! Nirgends der Leuchtthurm eine* Beilchenbouquets oder der Hafen einer Eau-de Cologne-Flasche. Nun, was die Geruchssphäre anbelangt, Nase im Sturm, Nase im Orkan. Jeden Augenblick kann sie am wilden Geklipp dieses überall hervorspttzenden Gestankes scheitern. . . . Barmherzigkeit! . . . Hei, - wenn hier plötzlich ein frischer Zugwind scharfer Alpenluft heretnbliese, wie er klar und rein über Hochgebirgsgletscher fegt, an zerstäubenden Gießbächen hinstreicht, hastig die Thalschluchten entlang schnobt wie gewaltig müßte da» anfmifchen I

Nur manchmal wird die Aufmerksamkeit von diesem muffigen Wust angenehm abgelenkt. Dann glühen aus dem Schmutz schwarzglühende Augen schöner Jüdinnen hervor, so schön, daß selbst die Lumpen ringsum solchen Glanz nicht verkümmern können. Oder ich freue wich über den Hellen, hoch heretnlugenden Streifen tiefblauen Himmels oder über die brennendrothen, frischerblühten Blumen oben am Fenster- gesim».

Jetzt eine mehr dramatische Scene.

In leidenschaftlicher Kampferstimmung find zwei Juden, ein rothbärtigerJudas" und ein etwa» korpulenterNathan der Weile- mit Balgen belchäftlg.. Schmierige «aftan. bäumen fich tn unternehmenden Kampfrsstellungeu: bleiche Gesichter streifen aneinander- schmutzige Hände mit au»- gestreckten Fingern fuchteln herum und suchen die Gurgeln Erschreckt baumeln lange Ringellocken dazwischen, während fich häßliche Kreischlaute den Kehlen entringen. . . Plötzlich klippklapp ein paar Faustschläge ins Gesicht- bumbum zwei energische Fußtritte nach der Bauchgegend - krach fliegt der eine au die marode Thür einer Baracke.

Nun ein Wolkenbruch duftender Beschimpfungen, daß sogar ringsum das Geschnatter der Straße einen Augenblick auf.

horcht. Dann aber plärrt es mit doppelter Heftigkeit weiter, als müßte es die durch jene Schäkerei verlorene Zeit wieder einholen.

Wieder tiefernst das ganze Colorit der Straße, tiefernst all die bleichen Gesichter. O, das stimmt mit der Forderung de- Talmud: immer einen würdevollen Ernst zeigen, wie wenn man vor einem König steht. Sobald aber irgendwo etwa- Heiterkeit aufknattert, gleich ist e- eine ungezogene Heiterkeit: kreischendes Lachen, höhnisches Schimpfen, spitzes Johlen.

Müdigkeit hängt fich allmählich an meine Glieder. Er­mattet raste ich in einer dürftigen, unweit der großen Synagoge gelegenen Weinspelunke. Zwischen einem halb- zersprungenen Glas von Bethlehemer Rothwein und einer kleinen arabischen Taffe Kaffee erweitert ein ehrwürdiger Alter, der sonst fast den ganzen Tag im Tempel verbringt, mit tiefer Lt-pelstimme meine Krnntniß des Talmud. . .

--ach, nur nichts arbeiten, also auch nichts tragen am Sabbath, auch kein Kind, auch keine Rose, auch kein Taschentuch. Besonders saubere Jerusalemer Juden binden dehhalb am Sabbath das Taschentuch an« Bein- so tragen fie es nach ihrer zurechtgemodelten Logik nicht in der Tasche, es ist vielmehr nur an den Körper gehängt. Ganz Gewissen- hafte lasten es an diesem Tage überhaupt weg- die Nase kann auch ohne solchen gigerlhaften Luxus auskommen . . . In ähnlich verzwickten Fällen haben alte Weißbärte von Talmudgelehrten das verrunzelte Geficht in die hohle Hand gelegt und gegrübelt und gerüfelt und debattirt. So find fie noch verschiedener Meinung darüber, ob Einer, der es nöthig zu haben glaubt, am Sabbath einen falschen Zahn tragen darf oder der Krüppel ein Holzbein. WaS wollt Ihr! Auch solche- Tragen ist eine Arbeit. . . .

Selbst einen Fund muß man unbeachtet lasten.

Wie aber, wenn Sie am Sabbath auf der Straße ein Zwanzigfrancsstück finden? Werden Sie e- ausheben?"

Um Gotte-willen, nein- da» wäre al- Arbeit eine schwere Sünde!"

Also Sie laffen e- ruhig liegen?"

Fällt mir nicht im Traume ein!"

Aber wa- dann?"

//In solch verzwickten Fällen gibt es einen Au-weg."

Einen Ausweg?"

Kleine Sünden, ganz, ganz, ganz kleine, die rechnet der Talmud nicht als Sünde. Ich zerlege also den großen Transport des Goldstückes in viele, viele kleine Transporte."

Wieso?"

//Ich schiebe das Goldstück mit dem Fuß ein ganz klein wenig weiter ist keine Sünde - noch ein wenig ist auch feine Sünde. Und so immer fort: klein wenig, klein wenig, klein wenig, bis unter einen sicheren Stein. Aus diese« Versteck hol ich dann nach Beendigung des Sabbaths das Goldstück ab."

Bis in die tiefsten Herzensfalten flammt bei diesen Leuten die Ueberzeugung, baß peinlich genaue» Befolgen auch der verzwicktesten Satzungen Gott wohlgefällig sei.

Gründlich gerochen, geschmeckt, aufgesogen in alle Porrn habe ich diese» Jerusalemer Ghetto. Jetzt keinen Schr tt weiter nur heimwärt», heimwärt»! ... Ein laues Lüftchen bläst von den Höhen Bethlehem» herüber, hebt die Staubwirbel empor, trägt fie die Häuserfronten entlang unb läßt diese dicken Staubwirbel durch die zerbrochenen Fenster­gucken. Nein, ich mag nicht da hineinsehen.