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Mittwoch den 17. August
Erstes Blatt.
Nr. 191
Gießener Anzeiger
Heneral-Unzeiger
Zlints- und Zlnzeigsblatt für dei» Itrci» Gieren
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Allr Anzeigen-LermUllungSstrllen de» In- und AuSlandr» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.
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Himmel in diese
etwa» trübseligen Gang! Wenn ein urnmöitie» Gesicht anfstrckte, ohnehin düstere Atmosphäre de»
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Vorm. 10 Uhr.
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der orientalische möchte ich nicht Ghetto rauchen.
Ueber die
Redaction, Exprdition und Druckerei:
Schnkftrahe Nr. 7.
verwandelt sich die Phyfiognowte der Straße. Hier müden, schleppenden Gange» ein Schwarm ehrwürdiger Wrißbärte, deren kleine, listige Augen mit stechendem Blick neben großen Habicht»uasen hervorblinzeln. Da» steht au», al» ob einige Dutzend „Shhloks" ihre gut besuchte Generalversammlung abhalten. Dort bleiche, von langen, feuchtglänzenden Pfropfen« zieherlocken umtaumelte jugendliche Gesichter. Weiterhin macht eine alte Megäre mit verklärten Mienen einem ver- kümmert dareinschauenden Burschen ein fette» Heirathsprojrct plausibel- daneben beugen sich wahre Judasprofile Über die Drahtgitter kleiner Geldwechseltische und die nervösen ginger machen die charakteristischen Bewegungen de» Geldzählen».
Schlafend in einer Mauernische sind etliche Bummler zusammengedrängt, wo sie sich wie ein verworrener, von der Mittag»sonne durchglühter Haufen schmutziger Lumpen au», nehmen. Andere, deren welke Gesichter durch Staub und Mattigkeit an» Fensterlöchern lugen, erwecken den Eindruck, al» hätten sie fich seit fünf Jahren nicht gewaschen Jetzt quetscht fich durch die Menge eine Reihe verstaubter, mit Asche beladener Esel, die jedoch nicht abfärben, weil diese Menge in ihren Lumpen fich in noch größerem Schmutz herumtummelt. Drüben hat fich eine Horde dreister Bengel auf den Trümmern zerborstenen Mauerwerk» zusammen« gekauert. Boa dorther erschallt wilde», ohrenbetäubende» Gekreisch, wie au» einem Ententeich.
Manchmal weiß ich nicht, schieben und stoßen fich mehr Lumpen auf dem glitschigen Pflaster herum oder schweben mehr im linden Winde de» Orlberg» hoch oben auf den Waschleinen, die fich von einer Baracke zur anderen spannen. . . . Hei, jetzt endlich ein freundlichere» Bildl Mitten in diesem Wust tauchen plötzlich prachtvolle, pelzverbräme Kaftane von blauem, schwarzem oder violette« Sammet auf — fromme
g'öße maßgebend, die der Kreisfläche mit dem angegebenen Dnrchmeffer gleichkomwt.
Durch diese Vorschriften werden alle früheren Verfügungen, die fich auf den gleichen Gegenstand beziehen, aufgehoben.
Gießen, den 15 August 1898.
Großherzogliche» Krei»amt Gießen.
v. Bechtold.
Juden, die fich -um Beten hinab nach der Klagemauer begeben. O, ein solcher Lichtpunkt thut hier doppelt wohl!
Beim Anblick all dieser traurigen Gestalten wird da» Herz von tiefstem Mitgefühl durchbebt. Gewissermaßen heimaihlo» im eigenen Heim, erscheinen sie wie Ausgestoßene, die ein harte» Geschick von der heimischen Schwelle verwie». Und dennoch — die» ganze Volk, vom Schicksal zu Boden gedrückt, vom Schicksal geohrseigt, gründlich dnrchgewalkt und schwer verwundet, e» zeigt selbst in solch brutaler Erniedrigung eine Überau» zähe Lebenskraft.
Im Weitergehen sehe ich oben an den Mauerhaken ein Königreich von alten Kleidern etablirt, — Kleider, auf denen noch der WÜstenftanb au» der Umgebung de» Tobten Meere» oder sontzwoher lagert. An den niedrigen Tischen darunter werden Pflaumen, Rosinen, Häringe, Honigkuchen verkauft, werden Stiefel gewichst, Lappen getrocknet, schmort im Sonnen« brand feilgehaltene» Fleisch, da» Legionen von dicken Fliegen umsummen, oder dürre, ruppige Hunde mit hämischen Gesichtern beschnüffeln ....
Manchmal kommt mir die» ganze Judenviertel vor wie der schlammige Unrath, welcher sich in einem Riesennetz an- sammeln würde, fall» man e» durch die dunkelsten Gaffen einer Weltstadt schleifte. Zuweilen weiß ich nicht, steige ich Über geniale Misthaufen, die in Übertriebenen Schmutz aus- arteten, oder Über Gäßchen, welche bi» zu Misthaufen heradsanken.
Jetzt in «nffiger Luft Schmutz bi» zum Ideal, Schmutz bi» zum Enthusiasmus ....
Ach, man sollte den Geruchsneroen nicht mehr zumnthen, al» sie billigerweise vertragen können! Meine tapfere Nase verrichtet wahre Helbenthaten von Wiberstandsfäh'gkrit. Hu, wie fürchterlich solch uferlose, hochgehende Geruchswogen letzt
Adrtsse für Depeschen: Anzeiger chiehea.
Fernsprecher Nr. 51.
gebt», wo man leicht au»glitscht auf den Abfällen von Gemüse und Obst — und dann hinein in die Jerusalemer tebiäi'dje Welt, die waschechteste de» ganzen Erdbälle» . . . Auf all den engen Gäßchen die vollen Pulse heftiger Erregung- denn eingepfercht -wischen Unmaffen von Spelunken, Läden. Gewölben, Löchern, die alle einander dicht auf den Buckel rückten, da» nervös geschäftige Treiben einer zahlreichen jüdischen Bevölkerung, welche ihre Tage zumeist unter freiem Himmel verbringt ....
Wortgefechte von verlumpten Schreihälsen, Kreischen, Johlen .... Die heiße Lust durchzittert der Dunst von zufammengedrängten Menschen.
Mit jedem Schritt häufen fich die bunten Eindrücke,
der Satz dann verschloffen worden. Bei der jetzigen Fertigstellung seien zur Verhinderung von Durchstechereien die um« fassendsten vorfichtsmoßregeln getroffen worden. Der erste Band soll schon in nächster Zeit erscheinen. Auch dieser Nachricht gegenüber wird vorficht geboten sein.
über betragen muh.
Deutsches Reich.
Berlin. 14. August. Orientreise des Kaiser». Der Kaiser hat, wie der Geheimrath Prof. Adler im „Ccntral-
Detugrprei» Dtrrtrllährlid)
2 TLirt 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Vringerlohn.
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.
Feuilleton.
Ztnler der Sonne Palästinas.
Eindrücke und Erinnerungen.
Von Karl Böttcher.
(Nachdruck verbotm.)
IV. Im Jerusalemer Ghetto.
Diesmal nehme ich euch mit zu einer Wanderung durch das Jerusalemer Judenviertel.
Herrlichstes Himmelsblau Über abgehellter Luft- drüben der Orlberg in glitzernder Tonnenpracht- lächelnder Widerschein solchen Glanz:» in allen Gaffen der weihevollen Stadt.
Bekanntmachung, betreffend Standrohr mit Queckfilberfüllung, überhaupt Bestimmung der lichten Dnrchmeffer für Standrohre an Niederdruckdampskeffel.
Auf Grund der Ziffer 3 de» § 22 der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 5. August 1890 Über die Anlegung von Dampfkesseln — Reg. Blatt Nr. 1 vom 2. Januar 1892 G. 20 ff. — hat Grohh. Ministerium de» Innern bestimmt, daß bei Kochkesseln, worin Dampf aus Wasser durch Einwirkung von Feuer erzeugt wird, an Stelle der 5 m. hohen, 8 cm weiten, tn den Wasserraum reichenden Standrohr all« gemein gestattet werde, vom Dampfraum ausgehende, nicht adschl'eßbare Rohre in Hrbetsorm oder mit mehreren auf- und absteigenden Schenkeln anzuwenden, deren aufsteigende Hefte zusammen mit WossersÜllnng nicht über 5 m., bei Queckfilberfüllung nicht über 0,37 m. Höhe haben dürfen, während der lichte Durchmesser runder Rohre Überall bei
frfdkint täglist) mit Ausnahme deS Montag».
Die Gießener A-mikieudkäiter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.
blatt der Bauverwaltung" mittheilt, die EntwurfSskizze für den Glockenthurm der evangel. Erlöserkirche in Jerusalem, der 45,50 Mir. hoch ist, eigenhändig gezeichnet. Auch für die Durchbildung de» Innern hat „Die gleiche kaiserliche Huld und Fürsorge mehrfach fördernd eingegriffen." Da» Reise« bureau Look hat, wie bekannt, alle Anordnungen für die Reise de» Kaiserpaare» übernommen. Diese schließen alle» zum Leden, zur Besörderung und zur U terkunft der hohen Herrschaften sammt Gefolge von ungefähr hundert Personen Nothwendige ein, mit einer einzigen Ausnahme, nämlich der Zelte, die der Kaiser für fich und seine Gemahlin nach Jerusalem kommen läßt, um darin während de» dortigen Aufenthalt» Wohnung zu nehmen. Alle» Uebrige, wie die Ausstattung de» kaiser« lichen Feldlagers, Wagen, Maulesel und was sonst gebraucht wird, liefert Sook. Der Besuch in Jerusalem ist natürlich da» Hauptereigniß der Reise. Dort wird der Kaiser auch türkische Truppen in Augenschein nehmen können, da er beim Einzug von einem Cavallerie-Regiment und einer starken Jnfanterie-Abtheilung begleitet werden soll. Die Feierlich» kett beim Einzug und beim Besuch der Kirche ,be» heiligen Grabes" wird den bei früheren Besuchen königlicher Herrschaften getroffenen Beranstaltungen entsprechen, diese aber jedenfalls noch an Umfang und Eindruck Übertreffen. Mit besonderem Interesse sieht man in England, dortigen Blättern zufolge, dem Besuch de» Kaiserpaare» in Egypten entgegen. Man hofft, daß die englisch-egyptische Expedition noch vor der Abreise de» Kaiser» von der erfolgreichen Eroberung Khartum» und Vernichtung de» Mahdi zurückgekehrt sein wird, um dem Kaiser die Gelegenheit zu gewähren, die siegreichen Truppen und vielleicht Detwisch-Gesaugeue selbst zu sehen.
Berlin, 15. August. Wie au» Deutsch-SÜdwest« afrika mitgetheilt wird, ist von der am 25. April in Swakopmund mit dem Dampfer „Marie Wörmann- eingetroffenen Post die gesummte für Windhoek bestimmte Brief- post auf dem Wege zwischen Otj'mbingue und Windhoek verloren gegangen. Die Bliefpost war gleich nach der Ankunft de» Dampfer» mit einem eingeborenen Boten weiter gesandt worden; der Bote hat auch Otjimbingue erreicht, der ihn dort ablösende Bote ist aber nicht in Windhoek angekommen. Man nimmt an, daß der Bote, der wohl, wie gewöhnlich, nicht die große Straße, sondern einen kürzeren Fußweg benutzt hat, unterweg» erkrankt oder verstorben ist. Alle Nachforschungen nach dem verbleib der Post, die 13 Kilo Briefe, darunter 58 Einschrribsendungen, enthielt, find bisher vergeblich gewesen.
— Süddeutsche Blätter melden, daß im Cotta'schen Verlag in Stuttgart mit fieberhafter Thätigkeit an der Drucklegung der BiSmarck'schen Denkwürdigkeiten ge* arbeitet werde- ein Theil sei schon vor Jahren gesetzt und
Attsla«-.
Pari», 15. August. Nach neueren Feststellungen beträgt die Zahl der bei dem Eisenbahnunglück bei Beuviller» zu Tode gekommenen Personen acht. Bon 19 Wagen wurden 17 umgeworfen. Die Namen der Tobten find bi» jetzt noch nicht bekannt. Der Verkehr auf den Eisenbahnlinien Paris- Trouville und Paris-Cherbourg ist wiederhergestellt.
Petersburg, 15. August. Recht schlimm lauten die Klagen der ländlichen Grundbefitzer über Arbeitermangel. In einzelnen Gegenden müssen die Gutsbesitzer einen Theil ihrer Ernte geradezu verfaulen lassen, weil die Bauern überhaupt nicht arbeiten wollen. Diese find gegen Naturalentschädigung nicht mehr zu haben, sondern verlangen den ganzen Lohn in baarem (Selbe, vor bet Ernte gelingt es dem Gutsherrn vielleicht, von jübischeu Wucherern Gelb auf- zutreiben- sobalb er aber ben Bauern ben Lohn auSzahlt, laufen biete so lange von bet Arbeit fort, bi» bie letzte Kopeke vertrunken ist. Bisweilen lassen sie fich von vet- schiebenen Herten Angelb geben, ohne bei einem bie Arbeit anszunehrneu. Die länblichen vrhötben sinb gegen ben Hebel» staub so gut wie machtlos, ba ben Bauern bie Einsperrung, wenn fie überhaupt stattfindet, zu Zeiten gar nicht unangenehm ist.
Madrid, 15. August. Die Ftiebensbebingungen rufen in allen Theilen bet Bevölkerung einen außerordentlich deptiwirendeu Elnbruck hervor. Die Erbitterung gegen bie Regierung ist in steter Zunahme begriffen. Die Situation ist eine höchst gespannte. Die Blätter tathen Sagasta, schleunigst zurückzutteteu.
— Die spanisch-amerikanischen Friedens- v e r h a n b l u n g e n. Der Borsriede hat folgenden Wortlaut: Se. Excellenz Herr Camdon, außerordentlicher Botschafter und bevollmächtigter Minister der französischen Republik in Washington, und Herr William Day, Staatssekretär der Bereinigten Staaten, haben, nachdem fie zu diesem Behuse bezw. von der spanischen Regierung und bet Regierung bet Bereinigten Staaten Bollmachten erhalten, folgende Artikel ausgesetzt und unterzeichnet, wodurch die Bedingungen festgestellt werden, unter denen die beiden Regierungen fich wegen der weitet unten aufgeführten Fragen verständigt haben, welche die Herstellung de» Frieden» zwischen den beiden Ländern zum Zwecke haben, nämlich : Art. 1. Spanien wird auf jeden Anspruch auf seine Souveränetät und auf alle seine


