Ausgabe 
17.7.1898 Zweites Blatt
 
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Rr. 165 Zweites Blatt.

Amts- und Auzeigeblatt für d«n Areis Girfz««

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

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Ich begann zu hoffen. Grauenvolle Täuschung. Eines Morgens kam sie freudestrahlend herunter. Papa und Mama verreisen wiffen Sie, was mich bedeutet, Marianne?"

Wir nannten unsSie", trotz aller Freundschaft.

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Sie hieß, wie schon gesagt Sophie. Aber trotzdem das ,bic Weisheit" bedeutet, gefiel es ihr durchaus nicht.

Sie schrieb daher unter dem Pseudonym Lätitia, und ich durfte sie auch so nennen.

^Jch weiß nicht, was Sie meinen, ßätitia , sagte ich als Antwort auf ihre Frage.

«Mama und Papa fahren auf acht Tagen nach Rövers« haaen hinüber, und ich kann unterdeffen endlich meinen Roman vollenden. Hier sind di- ersten zehn Capitel. Sie haben

Hausfrau mit leisch zu kaufen, verlängere Wasser und setze nach dem zu, so erhält sie eine so leisidbrühe. wie aus keine äsänben von 85 an bei 11., Marttstr. 28.

Adresse für Depeschen: Anzeiger -letze«.

Fernsprecher Nr. 51.

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wtae ben fetten ndinnen der Ser- 1 und dem Gesapg-

jedensallS ist el Ungarn nicht zu verdenken, wenn es für alle Fälle seine Vorbereitungen trifft, insbesondere angesichts der geringen Aussichten, daß in der ciSleithanischen Retchshaifte in absehbarer Zeit wieder parlamentarische Zustande etnkehren. Die im Laufe dieser Woche vom Grasen Thun gepflogenen Verhandlungen mit den Deutschen sind resultatlos geblieben.

Von Aufruhr wird auS China gemeldet. Cs müffen aber erst nähere Nachrichten abgewartet werden, ehe man übersehen kann, ob die Revolten einen localen Character tragen oder sich gegen Regierung und Dynastie richten, wie von verschiedenen Seiten berichtet wird.__(xx)

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doch Zeit?"

Das hieß so viel als Ich nickte ergeben. Das war es also!

Akzugsprel- vierteliährlich

2 Marl 20 Pf* monatlich 75 PfK. mit Bringerloh«.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

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Frankfurt a. M., 14. Juli. Im Zoologischen Garten ist mit euer afrikanischen Thiersendung ein neues, nachBrehm" bisher in Europa noch nicht lebend gesehenes Thier eingrtroffen. ES ist ein Tanrek (Centetes), dar in Erdhöhlen der Insel Madagaskar wohnt und bet Tage fast niemals zum Vorschein kommt. In Größe und Gestalt gleicht es einem starken Igel, besitzt aber einen langen, spitzen Rüffel und anstatt der Stacheln lange, gelbbraune Borsten. Die Augen find, wie beim Maulwmf, klein und blöde, find aber auch fast überflüsfig, da daS Thier mit seiner scharfen Nase die Regenwürmer, seine Hauptnahrung, ausspürt. So lange man ihm diese Speise verschaffen kann, wird sich das Thier wohl halten lassen. Jedenfalls ist eS für die Wiffen- schaft von Jntereffe, daß auch dieses sonderbare Geschöpf einmal tn Europa lebend gezeigt wurde. Am Sonntag den 17. Juli ist im Zoologischen Garten der Eintrittspreis auf 50 Pfg. (Kinder 25 Pf,.) ermäßigt. Aw Mittag und Abend spielt neben der Gartencapelle die Capelle dcs Grotzh. Heff. Dragoner.RegtmentS Nr. 23 im Doppel-Concert unter Leitung des Herrn MustkdirectorS O. Eagel.

Zurich, 12. Jul». Der hiesigen Polizei ist es ge- lungeu, einen von der kaiserl. Staatsanwaltschaft tn Straß« bürg i. Els. steckbrieflich verfolgten Mädchenhändler Namens Brenneisen festzunehmen, gerade al» er mit einem Trupp junger Mädchen die Reise nach Südamerika antreten wollte. Der Verhaftete ist den deutschen Behörden überliefert worden.

Ein interessanter Fuud wurde in der Nähe des Ritter­gut- Baffenheim bei Coblenz gemacht. Beim Abdeclen eines Lava-Crotzensteinlagers in der dortigen Gemarkung traf man unter einer Bimssandfchicht von li/i Meter Mächtig« keit auf eine Lehmschicht von 4V3 Meter, unter dieser eine Schicht vulcanischer Asche von 0,4 Meter und unter dieser in einer 0,3 Meter mächtigen Schicht von Lehm und Stein-

Das war originell.

Freundinnen, die sich duzen, gab es gerade genug der Welt. Aber wenn man Sie zu einander sagte und so intim dabei verkehrte - das war schon etwas.

Vielleicht wäre es für mich rang- und titellose» Geschöpf auch zu viel Ehre gewesen, die präsumtive Berühmtheit zu

D.R..G.-M.

Nr 28268.

Sie müssen Zeit haben".

Ein Roman von vielleicht fünf-

Die Schriftstellerin.

Humorske von A. EverS.

(Nachdruck verboten.)

KO. Sie glaubte an ihr Talent, so fest wie man etwa an die Kugelgestalt der Erde oder an die Unsterblichkeit Goethes glaubt.

Das war um so verwunderlicher, als sich noch nie eine Redaction gefunden, die auch nur einem einzigen ihrer Werke Obdach gewährt hätte.

Da sie nun schon seit drei Jahren schriflftellcrte und mit den berühmtesten und vornehmsten Blätternin Ver­bindung stand", ohne daß aus dieser Verbindung je ein sichtbarer Effect erzielt worden war, bedingte jener Glaube an sich selbst zur Grundlage einen ganz ungeheueren Opti­mismus. _ . L , c . ,

Ja, Sophie Hellen war Optimistin durch und durch; 'trotzdem sie in ihren Arbeiten einen wahrhaft Verzweiflung«- voll-n Pessimismus vertrat.

Doch das war nur äußerlich.

Die Lectüre der Modernsten aller Nationen hatte sie .»ngeML barf j,gch nicht hinter seiner Zeit zurückbleiben, besonders wenn man Schriftsteller ist.

Wie nun gedruckte Dichter oder sonstige Berühmtheiten sich vielleicht eine Sammlung von himmelnden Kritikern am legen, hatte Sophie eine Collection von all den Begleitbriefen, -die den heimkehrenden Kmdern ihrer Muse folgten.

Mit blauen Strichen war auf jedem dieser Blätter die Kraftstelle bezeichnet. Eine Redaction konnte die Sachen leider" nicht nehmen, die anderebedauerte" sogar, ab-

Aber nein, sie war wie immer nur manchmal ein wenig zerstreut, wie man es von Schriftstellern ja öfter hört oder lieft.

Das war es also nicht.

Oder sollte sie wirklich nichts mehr schreiben?

Kichemr Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Grfchetnt täglich mit Ausnahme bt8

MoniagS.

Die Gießener I.mtrienvtätter Xrdrn dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

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lehnen zu müssen, für die dritte warendie geistvollen Schöpfungen nicht geeignet" und so weiter.

Ein derartiges Wort konnte Sophie mit der Rücksendung völlig versöhnen.

Und wenn erst mal ein Redacteur wirklich einen Brief, einen geschriebenen, nicht gedruckten Brief sandte ich daube, da« war ihr noch lieber als die Acception.

Sophie hatte ein wunderbar vielseitiges Talent, ihr Gemüth glich dem Opal, der in allen Farben spielt" ä la Shakespeare. c _ .

Sie schrieb sogenannte Humoresken und aufregende Artikel über die Frauenfrage; sie verfaßte Gedichte über die jeweilige Jahreszeit und beantwortete hauswirthschastliche Preisfragen; sie vertrat bald einen gläubigen Mysttcismus, bald kalte ScepsiS; und sie pflegte last not least aufs Eifrigste den Roman und die Novelle.

Ich weiß das alles so genau, weil wir eine Art Corn- paaniegeschäft hatten.

Sie besorgte den wissenschaftlichen oder geistigen, ich den kaufmännischen Theil der Sache einfacher ausgedruckt, ich schrieb ihre Manuscripte ins Reine.

Anfangs Hatteich mich durch dies Vertrauen sehr geehrt gefühlt; aber allmählich seufzte ich manchmal über biete Freundschaftspflicht, der ich nach und nach lebe freie Stunde opfern mußte. . ,

Wenn nur einmal etwas angenommen worden rohre.

$a ^Aber sie war eben so furchtbar originell, daß es gar Niemand würdigen konnte; und sie brauchte Wortverbindungen und Ausdrücke, zu denen man immer in Parenthese Die Definition hätte angeben sollen.

Einmal jedoch schien es, als fei sie bes Schreibens müde geworden. Wochenlang ruhte nun auch meine Feber.

Hatte sie mir am Ende ihre Freundschaft entzogen?

in die Debatte gezogen, und flugs gab es eine ganze Reihe i Superkluger, welche nun prophezeiten, die deutsche Regierung werde keine Rückficht mehr nehmen und mit der Dnysus- Angelegenheit gründlich aufiäumen. Aber damit scheint eS doch nicht- zu fein, denn officiöS wird von deutscher Seite dargelegt, die DreysuS-Affäre habe für uns nur dasselbe Interesse wie jeder andere Aufsehen erregende Prozetz. In Frankreich werden durch dieselben immer mehr alle Kreise in Erregung versetzt, unb es ist noch gar nicht abzusehen, welchen mctteren Umfang die Affäre erreichen wird. Das vierte Studium desselben beginnt: Dreyfus, Esterhazy, Zola und nun P.cqaart- die Zola-Angelegenheit ist noch nicht einmal definitiv entschieden, und schon ist der Prozeß tn ein neue« Stadium getreten, welches nocv mehr Aufsehen erregen wird, als die vorangegangenen. Man behauptet ntdjt zu viel, wenn man sagt, daß Frankreich jetzt vollständ g im Zeichen der DreyfuS-Affäre steht. Vielleicht hat die Reg erung wichtige Gründe gehabt, die Kammersesfion so plötzlich zu schließen.

Dem spanischen Cabinet Sagasta hatten wir bereits gestern einen Nekrolog geschrieben. Bisher ist die Demission der jetzigen Regierung freilich noch nicht osficiell kundgegeben worden, das hat aber jedenfalls nur darin seinen Grund, daß e« äußerst schwierig ist, unter den obwaltenden Um­ständen die richtige Persönlichkeit zu finden, die die Zügel ergreist. Schon angesichts der Meinnngsverschiedenheiten, welche im Cabinet herrschen, erscheint es unumgänglich nöthig, daß da« Letztere zurücktritt. Auf dem Kriegsschauplätze haben sich Ereignisse besonderer Bedeutung nicht zugetragen- jedenfalls ist e« sehr schwierig, ein einigermaßen zutrtffendeS Bild über den wahren Stand der Dinge zu gewinnen. Santiago ist bombardirt und eingeschloffen, aber immer noch in ben Händen der Spanier. Diesen ist ein mächtiger Bundesgenosse entstanden in dem gelben Fieber, mel^e« unter ben Amerikanern wüthet, und wenn die Letzteren nicht schleunigst Santiago einnehmen und den ungesunden Land- strich an der Küste verlassen, so können fie bald decimirt sein, ohne daß die Spanier nachzuhelsen brauchen. Auch auf ben Philippinen stehen die Dinge roch auf dem alten Fleck. Die Meldungen über die Einleitung von FriedenSverhand- lungen lauten so widersprechend, daß wir am Besten gar keine Notiz davon nehmen.

In Budapest ist am Donnerstag die Erquete eröffnet worden betreffs des autonomen Zolltarifs. Die Regierung sand es sür nöthig, fich gegen die Annahme zu verwahren, als wolle Ungarn einen Zollkrieg gegen Oesterreich führen. I Man darf gespannt sein, wie die Angelegenheit verlauft -

, 1898.

Silderrrst

lese-

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iie Kopfschuppen. Haare schön seidenweich.

nit Pfeil. 5538

A. W. KÜblnger.

efeen.

Miss

hundert Quartseiten.

Heinrich, mir graut vor Dir" - hatte ich beinah.

Benahmt von Anzeigen zu der Nachmittag- für ben folgenden Tag erscheinenden Nummer bi3 Lorrn. 10 Uhr.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Es wirb hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, baß die nach § 6 bes Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für bie bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aus- schlags von Fünf vom Hunberl, pro Monat Juni 1898 für ben Lieserungsverbanb Gießen pro 100 Kg betragen:

Hafer Mk. 19,00, Heu Mk. 7,40, Stroh Mk. 5,60.

Gieß en, ben 10. Juli 1898.

Großherzogltches KreiSamt Gießen, v. (Sageru.

Politische Wochenschau.

Während unsere Krieg «schisse im Auslande an den- jrnigen Punkten concentrirt sind wo die deutschen Interessen eine Vertretung erheischen, sei eS, um unseren Angehörigen Schutz zu gewähren, sei es, nm die internationalen Rechte Deutschlands zu wahren, macht da» SchulschiffCharlotte" friedliche Eroberungen. ES hat vor Petersburg Anker ge. morsen und bildet dort einen Anziehungspunkt für die deutsche Kolonie nicht allein sondern auch für die russische Gesellschaft. Bekanntlich haben unsere Schulschiffe bereits öfter in der Rewa angelegt, unb stets waren sie Gegenstand großer Auf­merksamkeit seitens de« offiziellen Rußlands, stets gab eS ein lebhaftes Hinüber und Herüber zwischen Bord und der rassischen Hauptstadt. Hat es sich dock 'm vorigen Jahre

Zarenpaar nicht nehm.n L-fien, die Offiziere der deutschen Schulschiffe persönlich zu empfangen.

Von deutsch. russischenHandelsverftimmungen war in letzter Woche viel die Rede, doch scheinen die Differenzen | tzt vollständig ausgeglichen zu sein. Indessen dürften die Darstellungen russischer Blätter, daß Deutschland erst auf die Drohung Rußland«, Tarismaßregeln zu ergreifen, fich zu einer Verständigung bereit gezeigt hätte, kaum den Thatsacheu xa entbrechen.

Alle Welt beschäftigt sich jetzt wieder mit dem Drey- ssusprozeß, seitdem die beiden hauptsächlich beteiligten Personen Esterhazy und Oberst Picqiart in Haft genommen worden find. Der jetzige Kriegsminister Cavaignac Hat mit seiner in der Kammer abgegebenen Erklärung in tin Wespennest gegriffen und einen Sturm hervorgerufen, der -roße Vtrheernngen anzurichren droht. Bekanntlich hat -Lavaignac auch Deutschland wenn auch inbirect wieder