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Freitag den 17. Ium
M. 139 Zweites Blatt.
Gießener Anzeiger
Heneral-Anzeiger
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Die Gießener
Anmitien-tttler »erden dem Anzeiger »ichentlich viermal deigelegt.
«edaction, Expedition und Druckerei:
Schatstr.tze Nr. 7.
Anrtlicher Tbeii
Iitiae» 10jährigen Jubiläums eine große Anzahl von Be- jilrderungen tu der Armee vollzogen, welche heute Nachmittag tu einer Extra-AuSgabe de- „Militär Wochen- blätter veröffentlicht werden. Eine größere Anzahl höherer Marine-Offiziere ist durch Ordensverleihungen ausgezeichnet morden. U. A. erhielten der commandtrende Admiral v. Knorr ben Schwarzen Adlerorden und der frühere Staatssekretär 3 tmiral Hollmaun dar Großkreuz de- Rothen Adlerordens. 8 et der morgen im Lustgarten zu Potsdam stattfiudeudeu ui ilttärischen Feier wird der Kaiser eine Ansprache au die Truppen halten. Heute früh begab fich das Katserpaar nach j ttSdam zum Gedächtuiß-GotteSdtenst tu der FrtedenSkirche. flnn Sarkophage Kaiser Friedrichs legte das Katserpaar einen
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Deutsches Reich.
Beilin, 15. Ium. Der Kaiser har unter dem heutigen Tage eine besondere Auszeichnung für Fahnen- und Äaudarteu Träger bestimmt. Die Fahnenträger der Fuß- Ir uppev, ausschließlich Fußartillerie, und die Standarten- Träger sollen in Zukunst durch die Regiment» Commandeure, bei», durch die Eommandeure selbständiger Bataillone l^aanut werden. Sie erhalten ein Abzeichen zum Waffen« rai u. s. w., sowie einen Riugkragen, die Fahnenträger ein
Adreffe für Depeschen: Anzeiger Gieße».
Fernsprecher Nr. 51.
nigten
-u Parteien
11 Aends an lcr.
smp - und die Devi* Lrsoudere» Seitengewehr.
-• ‘ Berlin, 15. Juni. Der Kaiser hat heute am Tage
kostbaren Kranz nieder. Auch vom Großherzog und der Großherzogin von Baden sowie anderen Fürstlichkeiten waren Kränze eingetroffen.
Berlin, 15. Juni. Dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe ist der Stern der Groh-Comthure de» Hohen- zollernscheu HauSordenS verliehen worden. Ferner erhielt den Schwarzen Adlerorden der Botschafter io Petersburg, Fürst Radoliu, der Minister des Königlichen Hause», Graf Wedel, und der Oberpräfident Staat»minister v. Goßler.
Berlin, 15. Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die vom Kaiser anläßlich seine» zehujährigeu Jubiläum» verliehenen Auszeichnungen. Außer den bereit» mit- getheilren Auszeichnungen erhielten noch: Den WilhelmSorden der Oberhofmeister der Kaiserin, Freiherr v. Mirbach, der Intendant des königlichen Theaters in Wiesbaden, Kammerherr v. Hülsen, den Kroneuorden 2. Klaffe. Der Chef de» MilitärcabiuetS, General v. Hahnke, das Kreuz der Groß-Comthure de» Hohenzolleruscheu HauSordeu», der Botschafter in Wien, Graf zu Eulenburg, den Charakter al» Wirklicher Geheimer Rath mit dem Prädicat Excelleuz, der Geheime Ober-Regieruugsrath Profeffor Hinzpeter erhielt deu Character al» Wirklicher Geheimer Ober-Regie- rungSrath mit dem Range der Räthe 1. Klaffe, der Chef de» Martuecabioet», Freiherr v. Sendeu-Bibrau, deu Stern der Eomthure zum Hohenzolleruschen HauSordeu. Ferner wurde dem Chef de» Ctvilcabtner», Freiherr« v. Lucanu», die Domherrustelle bet dem Domstift tu Merseburg verliehen. Außerdem wurden die Profefforen bet den technischen Hochschulen zu Charlottenburg, Hannover und Aachen, Professoren Slaby, Launhardt und Jntze, zu Mitgliedern des Herrenhause- auf Lebenszeit berufen. Wie gemeldet wird, hat der Kaiser dem Profeffor Slaby telegraphisch von seiner Berufung Mittheilung gemacht und zwar durch folgende» Telegramm: Um ein Zeugntß dafür ab« zugebe«, wie hoch ich die Entwickelung der modernen exocteu Wissenschaften aufchlagc in ihrem Werthe für die Hebung unseres Volke», habe ich beschloffeu, daß da» Polytechnikum im Herrevhause vertreten sei und ernenne Sie zum Mitglieds de» Herrenhauses.
Berlin, 14. Juni. Das Ergebuiß de» Finanz« fahres 18 97/98 für daS Reich und für Preußen wird,
Bekanntmachung.
Wir weisen darauf hin, daß nach § 366, 8 Reich»- laafgefetzbuch, Art. 292 Poltzetstrafgesetz und dem Local- rezlement für den Krei» Gießen vom 8. October 1856 e» ni 6t gestattet ist, Bettzeug, Teppiche, Futzdeckeu, Tischtücher und dergleichen au Fenstern nach Straften oder Borgärteu hiu auszuklopfeu, ab- zmkehre«, auszuschütteln usw.
DaS Auffichtspersooal ist angewiesen, Zuwiderhandlungen zur Anzeige zu bringen.
Gießen, deu 13. Juui 1898.
Großherzogliche» Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.
da morgen der Abschluß in der Reich»hauptkaffe wie in der preußischen GeueralstaatSkaffe stattfiudet, in Kurzem festgestellt sein. Ueber die preußischen Finanzen können erst später 2Rtt» theilungen erfolgen, doch nimmt man ein glänzende» Ergebviß an. Ueber die Reichs-Finanzen wird schon jetzt von officlöser Seite Folgendes mitgetheilt: Die jetzt bekannt gegebenen end- gütigen Zahlen über die Erträge der Zölle und Verbrauchsabgaben, der Stempelsteuer sowie der Post- und Eisenbahn- Verwaltung liefern den zahlenmäßigen Beweis, daß die Finanzen de» Reich» in außerordentlich günstiger Lage, feine Einnahmen zugleich in stetig aufftetgender Bewegung fich befinden. Die Verbrauchsabgaben haben im Ganzen beinahe 91/, Millionen mehr etngebracht, al» im Etat vorgesehen ist und die Post und Telegrapheoverwaltuug, sowie die Etseu- bahnverwaltuug haben gegen deu Etat eine Mehretuuahme von zusammen über 15*/, Millionen Mk. geliefert. Die Zölle, verbrauch»- und Stempelsteuern haben nach Abzug der de« Reiche verbleibenden 134 Millionen au» dem Ertrage der Zölle und Steuern, nicht weniger al» 470,3 Millionen Mk. etngebracht, während der Etat Ueberweisungeu nur in Höhe von 404 Millionen Mk. vorfieht. Die Bundesstaaten würdrn, wenn die Klausel Fravckrnstein noch unvermindert tu Kraft stäube, statt des tm Etat vorgesehenen Ueberfduffe» bet Matricularumlagen von rund 18 Millionen Mk. eine Summe von über 48 Millionen Mk. mehr vom Reiche erhallen, al» fie infolge von Matricularumlagen zu entrichten haben. Be- kauntltch verbleiben ihnen aber von diesem Betrage nach dem RetchSfinauzgesetz vom vorigen Jahre nur 25 v. H., während 75 v. H. zum Zwecke der Schuldentilgung von der Reichs- lasse etngezogen werden. Dabet find die hohen Erträge der Zölle erzielt, obwohl die Getretdezölle infolge der Verminderung der Getreideeinfuhr weit hinter dem Durchschnitt zurückgeblieben waren. Die osficiöse Mittheiluvg stellt fest, daß die erhöhten Ausgaben für die Flotte ohne Erschließung neuer Einnahmequellen bestritten werden können, und weist mit großer Befriedigung darauf hin, daß trotz der großen Aufwendungen, welche zu Zwecken der LandeSvertheidigvnz, der Cultur, der Aufbesserung der Lage der ReichSbeamten, der Erweiterung und Erschließung der Absatzgebiete de» deutschen Erwerbsleben» tu diesen zehn Jahren gemacht find, keine erhöhten Ansprüche an die Steuerkraft de» deutschen Volke» gestellt werden mußten.
Ferrilleton.
.eng g.w.W GA*
ßine Wanderfahrt auf den Koherodskopf.
SamStag ist'S und Heller Sonnenschein. „Auf zum H.cherodskopf!" lautet die Loosung vieler Clubgenoffen und ösr Freunde einer urwüchstgen, gemülhlichea Geselligkeit. Dim allen Setten wandern dem Bergesalten rüstige Gäste zni und manch einer erklimmt die Höhe im Schweiße seines iUageficht». Unser Au»gangSpunkt ist Schotten. ES ist «ichl selbstverständlich, daß wir nicht etwa den bequemsten mib kürzesten, sondern den schönsten und lohnendsten Weg »ühlen. Dieser führt ohne Widerspruch über RudingS- h iin, das höchstgelegene Dorf tm Niddathal. Nach Weg md Richtung brauchen wir nicht zu forschen, daS in geradezu I»rschweuderischer Menge angebrachte rothe Kreuz ist h«ute unser zuverläsfigster Führer. Nach Rudingshain be- nutzen wir die nicht zu verfehlende KretSstraße. Gleich hinter» Dorf erklimmt der Pfad die steile Höhe des wilden Acrge», auf deffen höchster Kuppe, dem Horst, die wenigen Überreste einer mittelalterlichen Raubburg unsere Aufmerk- iantett in Anspruch nehmen. Sie ist vermuthltch eine „Filiale" dir tm Jahre 1293 von Landgraf Hetnrtch I. zerstörte« Dubritterburg Ulrichstein gewesen und hat ohne Zweifel Mit dieser zu gleicher Zett dasselbe Schicksal getheilt. Leider {tab von den geschichtlichen Denkmälern des Vogelsbergs nur spoirltche Nachrichten auf uns gekommen und auch diese geben ' oft nur unzuverlässige 7 uhaltSpuukte. Herr Hofrath Fried- iuh Kofler hat vor nahezu 20 Jahren die Burg untersucht j«b die Ergebnisse seiner Forschung in den „Quartalblättern" bei historische« Verein» für daS Großherzogthum Hessen Mr. 3 und 4 von 1882) ntedergelegt. Nach einer eiagehen- ien Beschreibung der Oertlichkeit, nach genaue« Angaben Mr borgenommene Ausmessungen weist Kofler auf eine« iu ben vierziger Jahre« stattgehabteu Besuch der Stelle durch P iofessor Dieffenbach hin. Dieser führt i« seinen «ufzeich- nungcn eine Nachricht von Gerstenberger an; fie lautet: jBfo diesen getzyten waren in dem lande zu Heesen
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viele roupslosse unde mortkuten, die dan ire lehene nicht umbe den Fürsten entphaen wulden, sundern sie woren des lants fygent, etzliche uffnberliche, etzliche heymelichin, di bestreid der Lantgrave unde gewan sie, etzliche brach er zu gründe nidder, etzliche besatzte er mit den synen, unde in sunderheid diesse nachgeschrebin XVIII slose ..........
Czigenberg, Pedersheyn, Ulrichstein unde Eysenbach.“
I« dieser Mutheilung ist der Burg Im Horst, wie e» scheint, nicht Erwähnung gethau, Proseffor Dieffenbach, der die» unbegreiflich findet, gibt der vermuthung Raum, eS könne wohl hier eine Verwechslung zwischen PeterShain und Horst vorltegen. Kofler weist diese Annahme al» unbegründet zurück und bemerkt, daß im Horst eins der Schlösser gestanden haben könne, daS nicht „in sunderheid“ erwähnt sei. Weil aller guten Dinge drei sind, will auch ich meine Ansicht offenbaren. Sie geht dahin, daß die wenigen Trümmer im Horst zurückzuführeu find auf die erwähnte Burg Czigenberg, denn erstlich wird fie in jener Nachricht in unmittelbarem Zusammenhang mit den in der Nähe gelegenen Burgen PeterShain und Ulrichstein genannt, kann also von diesen nicht wett entfernt gewesen sein, und bann heißt der Wald an der Bergruine tm volkSmunde heute noch ZigeSäch, d. i. ZtgeSetch oder der Eichwald bet Schloß Czigenberg.
Eine Wohllhat, daß der Vogelsberger Höhenclub tn der Ruine Tisch und Bank hat aufstellen lassen. Sie gestatten uu» während der etwa» ausführlichen Erörterung bequemes AuSruhen. Und da unter den hundertjährigen Buchen gar gutes Weilen ist, wollen wir noch ein halbe» Stündchen rasten und in der geschichtlichen Betrachtung weitersahren. Der „Führer durch deu Vogelsberg" (bei Emil Roth, Gießen) nimmt auch Notiz von der Burg und belehrt an» daran anschließend, e» sei unerfindlich, wa» hier geraubt werden konnte. Mir will eS dagegen scheinen, al» sei der Platz mit gutem Bedacht und vortheilhaft gewählt. Die Burg lag nämlich zwischen zwei jedenfalls viel benutz»-« Handelsstraße«, von welchen die eine über die Sieben Ahorn, die andere
über die Feldkrücker Höhe führte. Don beiden find heute noch deutliche Spuren vorhanden. Brquem wurden fie von den Schnapphähnen beherrscht. Au» tückischem Hinterhalt überfiele« fie den heranziehenden Waarenzug. Gelang der Handstreich, dann führten die Unholde reiche Beute heim, wohl auch unglückliche Gefangene, für die sie schweres Lösegeld heischten. Frohes Leben zog daun in die Mauern, wüste Trinkgelage wechselten mit beutereiche« Jagdzügen, und lärmvolle Turniere sorgten für willkommene Unterhaltung. War die Borrathskammer leer und kein Gold tn der Truhe, so war Schmalhan» Küchenmeister. Große Schätze hat daS Raubgesindel wohl selten aufgespeichert. Wie gewonnen, so zerronnen. Und wenn auch tm VolkSmunde eine Senkung, die vermuthlich vom eingestürzteu Kellergewölbe herrührt, die „Goldkaute" genannt wird, so würde doch den Schatzgräber ein unbefriedigende» Ergebuiß gewaltig enttäuscheo.
Allzulange dürfen wir iudeß nicht säumen. I« erfreuendem Wechsel führt uu» der Weg durch schattige Buchenhallen, über blüthenretche Waldwtesen, zwischen harzdufteuden Fichten hin zum Landgrafeuborn. Eine altehrwürdige Buche, deren Stamm vielfach geborsten, war bi» vor wenige« Jahren da» Wahrzeichen der oft und gern besuchten Quelle. De» Sturmes furchtbare Gewalt war ihr verderben. Mau hat an ihrer Statt eine Linde eingepflanzt. Zum bleibende« Gedächtuiß an de» Deutschen Reiche» Schmied, de» Vater- lande» ersten Kanzler, soll da» Bäumlein „BiSmarckliude" benannt sein. Möge fie blühen und gedeihen und an ihrem bescheidenen Theile dazu beitragen, dem kommenden Geschlecht zu künden, wie vaterländisch gefiunte Männer unserer Tage deu ehrwürdigen Alten im Sachseuwalde zu ehren verstanden. Der Born aber, den die Linde einst beschatten soll, bildet den Anfang der Nidda. Htll und klar sprudelt da» Wasser au» dem etugelegteu Rohr. In früheren Tagen mag die» Wasser ohne raschen Abfluß gewesen sein und Veranlassung zur Sumpfbtldung gegeben habe«. Die Sage erzählt: Landgraf Ludwig VIII., der Nimrod unter den hessischen Fürste«, sei einst, da er im Oberwald de» edlen Waidwerke» Pflegte,


