Ausgabe 
17.5.1898 Erstes Blatt
 
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1S9S

Dienstag den 17. Mai

Erstes Blatt

91t. 114

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Tarnopol, 14. Mat. Der Gemeinderath errichtet morgen zwei große Bäckereien, wo Brod um die Hälfte billiger al« bet Bäckern verkauft wird und Arme

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 61.

Amtlicher Theil.

Gießen, den 16. Mai 1898.

Betreffend: Die ReichStagSwahlen.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erwarten bestimmt, daß Tie die durch unsere Ver­fügung vom 29. v. MtS. angeordnete Ausstellung der Wähler- listen vollendet haben, so daß, nachdem Tie heute und morgeu bezügliche Bekanntmachungen erlassen haben, die Offenlegung der Listen vom 19. dis LS. Mai unfehlbar geschehen kann; auch am Sonntag den 22. Mat hat diese Offenlegung in den Stunden von 9 bl« 12 Uhr vormittag« und 2 bi« 5 Uhr Nachmittag« statt­zufinden.

Finden während der Offenleguug-frift Eluspracheu gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Wählerlisten statt, und werden diese Erinnerungen nicht sofort von Ihnen al« begründet erkannt und durch Berichtigung der Wähler- listen erledigt (wobei die Gründe etwaiger Streich­ungen oder Nachträge am Rande der Liste unter Angabe des Datums der Berichtigung von Ihnen kurz zu vermerken stnd), so Haden Sie nach Ablauf der OffenlegungSfrtst die Acten unverzüglich mit Begleit- bericht au un« einzusenden, damit der KrecSauSschuß über die Einsprachen entscheidet.

Finden keine Einsprachen statt, so erwarten wir bi« Dienstag den 31. Mai unsehlbar Ihren Bericht, daß die Wählerlisten, nach am 16. und 17. Mai erfolgter ortsüblicher Bekanntmachung, von Donnerstag den 19. Mai bis Donnerstag den 26. Mal, beide Tage einschließlich, offen gelegen haben und daß Erinnerungen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Listen während der OffenlegungSfrtst nicht erhoben, bezw. von Ihnen erledigt worden find.

Wegen de« Abschlusses der Wählerlisten und de« weiteren Verfahren« behalten wir un« demnächstige Verfügung vor.

______ v. Gagern.__________________

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Keuutniß, daß da« Großh. Ministerium die der Allgemeinen Fahrradver- fichernngSgesellschaftSaxonia" in Leipzig unterm 4. März 1896 ertheilte Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb Im Groß- Herzogtum Heffen zurückgeuommen hat.

Gießen, den 14. Mai 1898.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern. ______________

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Mat. Der Kaiser nahm, wie aus Metz gemeldet wird, gestern Nachmittag auf Schloß Urville den Vortrag de« Leiters de« Auswärtigen Amte«, Grafen Wolf- Metternich, entgegen. Heute Vormittag 9 Uhr empfing -er Kaiser den Chef de« ClvilcabinetS, Dr. v. Lacauu«, zum Vortrage.

Berlin, 14. Mal. Kronprinz Wilhelm hat wegen Unwohlseins das Bett hüten müffeu, ist aber jetzt wieder voll- ständig hergestellt.

Berlin, 14. Mal. DaS Herrenhaus nahm die Bor- läge betreffend die Verwendung weiterer fünf Millionen Mark zum Bau vou Arbelterwohnuugen uach dem Beschlüsse des Abgeordnetenhauses an und erledigte den Gesetzentwurf be­treffend die Privatdocenten, und da« PfarrerbesolduugSgesetz.

Berlin, 14. Mai. Da« Abgeordnetenhaus erledigte heute eine Reihe von Petitionen. Am Montag dritte Lesung de« westfälischen AuerbegesetzeS.

Berlin, 14. Mal. DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung vom 11. Mai 1898, betreffend die Einrichtung und den Betrieb von Anlagen zur Herstellung elektrischer Accumulatoren aus Blei oder Blei- Verbindungen.

Berlin, 14. Mai. Aus den letzten Nachrichten vom spanisch-amerikanischen Kriegsschauplätze ist, wie derNordd. Allgem. Ztg." vou militärischer Seite gemeldet wird, uicht« weiter zu ersehen, al« daß ein Geschwader unter dem General Sampsou San Juan beschossen hat und ein spanisches Geschwader von ungewisser Stärke von Earamiseleu vorauSfichtlich auf der Fahrt in der Richtung nach Euba begriffen ist und daß Admiral Sampsou diesem Geschwader rutgegenfährt.

Berlin, 14. Mal. DiePost" weist tu einem, wie e« scheint, offic'ö« tnspirirten Artikel darauf hin, daß, wenn überhaupt eine Intervention der Großmächte zwischen Spanien und Amerika zu Stande komme, so würde dieselbe wohl nur unter der Voraussetzung erfolgen, daß die Spanier ihre Geschicke vou der heute herrschenden Dynastie nicht trennen. Für ein von radicaleu Parla­mentariern oder meuterischen Generalen regiertes Spanien würde bet den monarchischen Staaten In keinem Falle auf besondere Sympathieen zu rechnen sein. Bis jetzt ist seitens Deutschland« kein Schritt zur «etheiligung an einer Jäter- ventiou erfolgt.

Frankfurt a. M., 14. Mat. DerFranks. Ztg." wtrd au« Part« gemeldet: Im Proceß der zwei Experten gegen Zola erkannte der CassationShof die Strafkammer für zuständig und verwarf die vou Zola beantragte Cassation.

Rüdeöheim, 15.Mai. Gestern tagte hier der Arbeite- auSschuß für die deutschen Natioualfeste mit dem großen Rheinischen Ausschuß, Vertretern der Stadt und einer Reihe von Sachverständigen. Die Umgrenzung de« hoch über den Fluthen de» Rheine« nahe bei dem Niederwald-Denkmal liegenden Festplatzes wurde nach eingehender Erwägung unter Mitwirkung de« Professor« v. Thiersch-Müucheu festgestellt. Die heutige, au« der Rheinprovinz gut besuchte Versammlung wurde durch einen mit großem Beifall aufgenommenen Vor- trag de« Abgeordneten v. Schenckendorff eiugeleitet. An Seine Majestät den Kaiser wurde ein Huldigungstelegramm abgeschickt.

Köln, 14. Mal. Bei dem heutigen Festdiner anläßlich der Eröffnung de« neuen Hafen« brachte Finavzmiwster Dr. v. Miquel einen Toast auf den Kaiser au«, in welchem er sagte, man dürfe sicher sein, daß der Kaiser mit hoher Befriedigung auf die Vollendung des großen Werke« blicke. Sei doch feine erste Sorge Wohlfahrt und Sicherheit de« Lande«. Für die Wahrung ihrer Ehre und Interessen müsse die Nation zwar Opfer bringen, aber sie thue e« gern und im vollen Berständniß der Nothwendigkelt der Ausgaben. Die letzte Tagung de« Reichstages habe hierfür den besten Beweis geliefert. Redner schloß mit einem begeistert auf­genommenen Hoch auf den Kaiser, an welchen sodann auch ein BegrüßungStelegramm abgesandt wurde.

München, 4. Mai. Der Prinzregent hat dem König Humbert von Italien das 19. Jnfanterie-Reglment verliehen und zugleich verfügt, daß daS Regiment den Namen König Humbert von Italien" zu führen hat.

Straßburg, 15. Mai. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin find Nachmittag« 5 Uhr 30 Min. hier ein- getroffen. Zum Empfange waren der Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg mit Gemahlin, der commandireude General Freiherr v. Falkenstein, sowie der Gouverneur, General v. Jena , erschienen. Die Stadt trägt reichen Flaggenschmuck. In den Straßen bewegt sich eine festlich gestimmte Menschenmenge au« Stadt und Land. Da« Wetter ist prächtig.

Kürzel, 15. Mai. Seine Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin wohnten heute dem Gottes­dienste in der Kaiserkirche in Kürzel bet. Um 2 Uhr reiste da« Kaiserpaar mittel« Sonderzuge« nach Straßburg ab. Auf dem Wege zum Bahnhofe brachte da« zahlreich ver­sammelte Publikum demselben lebhafte Huldigungen dar- weißgekleidete Mädchen, mit Bändern in den deutschen Farben geschmückt, warfen dem kaiserlichen Wagen Malglöckchensträuße zu. Auf dem Bahnhofe hatten sich die Spitzen der Behörden eingefuaden, von denen sich Ihre Majestäten auf da« Huld- vollste verabschiedeten, von brausenden Hochrufen der Menge geleitet. Prinz Joachim und Prinzessin Victoria Luise ver­bleiben noch einige Tage in Urville.

Arr-lavd

Bien, 15. Mai. DieWiener Zeitung" meldet die Verleihung de« Goldenen Vließe« an den Prinzen Johann Georg von Sachs en.

Wien, 15. Mai. DemNeuen Wiener Tageblatt" zu- folge ist die Abhaltung der diesjährigen Manöver in Ungarn in Frage gestellt, da in den dortigen Gegenden unter den Pferden die Rotzepidemie festgestellt worden ist.

Wien, 14. Mat. Die österreichisch-ungarlsche Bank hat an beide Finauzminister ein Gesuch gerichtet, in welchem sie um die Ermächtigung bittet, über die Devisen von rund 13«/, Millionen Gulden verfügen zu dürfen, welche au« dem RelationSgewinn stammen. Die beiden Finanz- Minister werden da« Gesuch zustimmend beantworten, um der

dasselbe umsonst erhalten.

Toblach (Kärnthen), 14. Mai. Der hiesige BerschSnerungS- verein beschloß, zur dankbaren Erinnerung an den wieder­holten Aufenthalt de« Kaisers Friedrich tu Toblach, an einem vou ihm am meisten besuchten Punkte ein Erinnerung«- zeichen zu errichten.

Lemberg, 15. Mat. In Tarnobrzog find ernste anttsemtttsche Unruhen auSgebrochen. Dte jüdische Bevölkerung bat dte Statthalterei um Schutz.

Rom, 14. Mal. Heute stütz gegen 6 Uhr wurde in der Umgegend de« Aetna ein sehr starke« nach Süd-West ver­laufende» Erdbeben verspürt, welche» sich bl» nach Mlueo bet Caltaglrone fortpflanzte. In Francavtlla und Bclpasso wurden einige alte Gebäude beschädigt. Nach etwa zwei Stunden wiederholte sich die Erschütterung.

Rom, 14. Mal. Da« Gerücht, daß zwischen Zauar- delli und Rudinl hinsichtlich der gegen die Umsturzpartei zu ergreifenden Maßregeln Uneinigkeit herrsche, wird al« unbegründet bezeichnet.

Ehiasfo, 14. Mal. An der Grenze wird der Ueber- wachungsdienst streng gehandhabt. Zahlreiche italienische Arbeiter, welche den aufgelösten Trupp« angehörten, find auf italienisches Gebiet übergetreten- einige derselben wurden verhaftet und durch Jnfanterie-Patrouillen nach Lomo gebracht.

Turin, 15. Mai. Der Präsident der Eisenbahn- gefellschaft wurde verhaftet.

Geut, 14. Mai. Die Zahl der anSständtschen Maurer hat sich gestern noch vermehrt. Dte Arbeiter find fest entschlossen, nicht nachzugeben und werden außerdem von der Bevölkerung mit Geld und Lebensmitteln unterstützt. Die Ruhe ist bisher nicht gestört worden.

Pari», 15. Mai. Au« bester Quelle verlautet, daß England, Amerika und Japan einen neuen Dreibund bezüglich China« abgeschlossen haben.

Pari», 14. Mai. Der Minister de»Aeußern, Havotaux, hatte eine längere Unterredung mit dem spanischen Bot­schafter Castillo in der Angelegenheit der Frieden«- Vermittelung.

Loudon, 15. Mai. Am Donnerrtag, Nacht«, nachdem bei Car dena» da« amerikanische KriegsschiffWinSlow" sich beschädigt hatte zurückziehen müssen, setzte da» Kanonen­bootWilmington" da» Bombardement der Fort» und der Stadt fort. Die Stadt CardenaS ging in Flammen auf. Man glaubt, daß mindesten» 300 Menschen um- gekommen find.

Loudon, 15. Mai. DaS Staats - Departement in Washington erhielt eine offizielle Nachricht aus Curacao, daß spanische. Kriegsschiffe dort gesehen worden find.

Loudon, 14. Mai. Nach einer Depesche aus New-York wurde in der letzten Nacht starkes Feuer von Block- Island gemeldet. Eine aufgeregte Menge durchzog luder Nacht die Straßen von New-York und erwartete einen Angriff der spanischen Flotte.

London, 14. Mal. Der Star erhielt ein Telegramm aus Havanna, wonach die Insurgenten Bayonne genommen hätten. Drei Compagnien Spanier sollen getödtet sein.

Loudon, 14. Mai. Der Staatssecretär der Colonien, Chamberlain, hielt gestern Abend in Birmingham eine hochbedeutsame Rede, in welcher er die gegenwärtige Lage als sehr ernst und kritisch bezeichnete. E» werde sich bald Gelegenheit finden, daß die Regierung an den Patriotismus des Volkes appelliren wüffe. Großbritannien sei vollkommen isolirt, umsomehr müsse fich da« gesummte Reich eng zusammen- schließen und in zweiter Reihe sich warm den amerikanischen Vettern anschließen. WaS Port Arthur und Talienwau betreffe, so sei e» am besten, nicht von den Versprechungen zu reden, welche Rußland gegeben und 14 Tage darauf ge­brochen habe. Großbritannien könnte ja an Rußland den Krieg erklären, jedoch könnte eS ohne Verbündeten Rußland nicht ernstlich schädigen.

London, 14. Mai. Hier wird behauptet, daß die Fort« von San Juan zuerst feuerten, worauf Admiral Sampsou zur Bestrafung der Stadt ebenfalls feuern ließ.

London, 14. Mai. Aus Hongkong wird gemeldet, daß ein Theil der Rebellen die Amerikaner in der Nähe von Cavite angelff, einige tödtete, den Rest au« den Dörfern