1S9S
Sonntag den 17. April
Erstes Blatt.
Nr. 89
Meßemr Anzeiger
Mneral-Anzeiger
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Sch»tflrage Nr. 7.
Schutz der Jugend gegründet find. So bieten fich bei uns in Gießen: der Feierabend für Lehrlinge, der Sonntag»- verein für Dienstmädchen, der JüngltugSveretu und die Eonfirmaudenvereiuigungeu der verschiedenen Gemeinden. Auch tu anderen Gemeinden unsere» Kreise», wie z. B. in Ltch, wird Manche» für die Sammlung unserer eovfirmirten Jugend gethan. Wir wachen da nur aufmerksam auf die LehrlingS* horte und LehrlingSheime, auf die Mädcheuveretue und Arbeiteriunenheime. Wer der confirmirten Jugend dienen will, der weise fie dorthin. An den Schutz, an die Be- Wahrung der Jugend, daß in ihr ein religiös-sittlich starke» Geschlecht heranwachse, mahnt der CoufirmationStag. Möge seine Mahnung nicht ungehört verhallen!
Barcelona, 15. April. Gestern veranstalteten über 3000 Personen eine Kundgebung vor dem amerikanische« Sonsulat unter Pfeifen und Schreien und Hochrufen auf Spanten. Der Cousul sah hinter einem Fenster stehend zu. Die Ansammlung wurde schließlich zerstreut, ohne daß e» z« einem Zwischenfall gekommen wäre.
Kopenhagen, 15. April. Au» Anlaß de» hier statt- iadendeu Strike» der Maler und Eisengießer hat der Arbeitgebervereiu von 1896, der alle großen Baugewerbe umfaßt, den Beschluß gefaßt, eine allgemeine Aussperrung allen dem Verein augehörigeu Gewerken auzukündigeu, damit die genannten StrikeS durch Berhaudluagen oder schied», richterliche» Urtheil geordnet werden. Die Arbeiterfachvereine antworteten heute tu dem Blatt „Sozialdemokrat" Folgend,«: „Wenn die Ausführung de» Beschlüsse» nicht vermiede» werden kauu, werden wir den Kampf auf eine solche Weise ühreu, daß unsere Gegner Respect bot un» bekommen müffea. Die eventuelle Aussperrung wird 30000 Arbeiter umfasse«. Der Strike dürfte demnach der größte werden, der jemals n Dänemark stattgefunden hat^.
Adrtfst für Dtptschtn: Anzeiger Gieße«.
Fernsprecher Nr. 51.
Deutscher Reich.
Berlin, 15. April. Bet den bevorstehenden Jubel- tageu de» König» von Sachsen wird fich der Sultan durch seinen hiefigen Botschafter vertreten laffeu.
Berlin, 15. April. Der zum ersten Mariueattachs tu Tokio - Uokohama ernennt, Capttänlteutenat v. Rebeur- Paschwttz wird die Au»retse nach Ostafieu binnen Kurzem antreten.
verltu, 15. April. Nachdem die Errichtung eine» BerufScousulat« de» Reiches in Prag tu AuSficht genommen worden ist, tst die zunä^st cowmiffarische Ber. waltung de» neuen Postens dem bisherigen Cousul in Sera- jewo, Freiherrn v. Seckendorfs, übertragen. Freiherr v. Seckendorfs ist in Prag eingetroffen und hat die Geschäfte de» Eonsulat» übernommen.
Köln, 15. April. Die „Kölnische Zeitung" erhielt au» Washington tincn schriftlichen B^richi,'! laut welche.; fich Mac Kinley vor mehreren Wochen einigen Politikern gegen- über dahin ausgesprochen hat, er werde sich nur mit der vollständigen Unabhängigkeit Cuba» zufrieden geben.
Berlin, 15. April. Da» deutsche Colonialblatt ber- öffentltcht eine Allerhöchste Verordnung, brtr. die Schaffung bon Eingeborenen-Reservateu tm südwestafrtka' uischen Schutzgebiete.
Wiesbaden, 15. April. Der Kaiser «achte Nachmittag» einen Spazierritt in die Umgebung und Abend» besuchte er daö Theater.
Osnabrück, 15. April. Auf der GeorgS-Marten* Hütte tst der Betrieb größtenthctlS wieder ausgenommen. Heute arbeiten bereits über 700 Bergarbeiter. ES herrscht bölltge Ruhe.
Arrsla»-.
Budapest, 15. April. Abgeordnetenhaus. Da» Hau» begann die Verhandlung über die Vorlage, betreffend die Congrua uichtkatholtscher Geistlicher. Der CultuSminister Dr. b. Wlasfic» erklärte, eine schroffe Trennung bon Staat und Kirche habe niemals in der Absicht der Regierung ge- legen. In der Vorlage bemühe sich die Regierung, gemeinsame Berührungspunkte zwischen Staat und Kirche zu schaffen. Die Regierung habe nicht daS französtsche System der 8c* solduog der Geistlichen gewählt, sondern befolge da» seit 186k eingeführte System der Unterstützung der Kirchen. Der Zweck der Vorlage sei Sicherung des Existenz-Minimum» für die Seelsorger, und aus diesem Grunde sei nicht für jede Cou* fesfion ein besonderer Gesetzentwurf, sondern eine einzige Vorlage eingebracht worden, welche gleiche Grundsätze allen Confesfionen gegenüber zu Anwendung bringe. Die Auto- nomie der Kirchen werde durch die Vorlage nicht berletzt.
Madrid, 14. April. Internationaler medi* cinischer Congreß. Der heutige Tag war deutschen Vorträgen gewidmet. Finkler au« Bonn führte eine epochemachende Erfindung bot, nämlich chemisch-reineS Eiweiß, Tropon genannt, aus künstlichem Wege herzustellen, Rubner au» Berlin sprach über Fletschconserbtrung, Lehmann aus Würzburg über Buttersterilisirung, Paunwttz au» Berlin hielt einen Vortrag über Bekämpfung der Lungenschwindsucht und über eine Statistik be» ReichSberficheruugSamteS, nach der jeder zweite Versicherte, der Invalide geworden, tuberculoS fei.
Madrid, 15. April. Bon Habanna find Berichte ein- gegangen, welche darthun, baß der Aufstand feinem Ende entgegengehe. Die Regierung der Aufständischen fei geneigt, über den Frieden und umfangreiche Unterwerfungen zu ber* handeln. Ferner wird gemeldet, daß Oberst Tejeda Holguin die Aufständischen schlug und ihnen einen Verlust bon 19 Tobten betbrachte. Auf spanischer Seite sollen 25 Manu gefallen sein.
Zur Confirmation.
„WaS, meinest du, wird au» dem Kinde werden?" Diese Frage bewegt zur Zeit da» Herz bleiet Eltern. Und be- sonder» der Tag der Confirmation legt diese Frage nahe. Bon Alter» her ist dieser Tag ein besonders festlicher Tag, in Kirche und Haus festlich begangen. Von nnseren Kindern ist et freudig erwartet als der Tag ihre» ersten, öffentlichen, selbstständigen Handeln». Denn indem sie fich bot bersammelter Gemeinde za dem Glauben ihrer Väter bekennen, wiffen fie sich all der Güter theilhaftig, die die christliche Gemeinschaft allein berbürgt, auf deren Grund allein fich wahres Glück erbauen kann. Was unsere Kinder freudig bewegt, ist, daß der erste größere Abschnitt ihres Leben» zum Abschluß ge- tommen ist, daß fie nun weitere Schritte iuS Leben hinein »hun dürfen. Nicht wenige werden aber auch dr» Ernste» diese» Tage» fich bewußt sein. ,,Wa» wird aus mir werden?" Diese ernste Frage wird manche» junge Gewüih bewegen. Sie wiffen, daß e» nunmehr gilt, langsam die Kinderschuhe aukzuziehen und tu eigener Verantwortlichkeit daS Leben zu gestalten. Sie wiffen aber auch, daß auf dem Weltmeere such widrige Winde wehen, die das Lebensschtffletu hart bedrohen und sein Fortkommen sehr erschweren. Möchten fie nur nicht bergeffen, daß auS Ztel nur kommt, wer Gott ber* traut, ein fittlich-reineS Leben führt und treu feine Pflicht in Allem thut. Diese» Dreifache ist ja auch der Inhalt ihres GelöbniffeS. Die Eltern freuen fich mit den Kindern, sehen sie doch die Mühm ihrer Erziehungsarbeit belohnt, dürfen sie doch mit Kirche und Schule die Früchte ihre» Fleißes ge- Nteßen. Ob freilich alle Eltern mit ihrer Erziehungsarbeit diesem Ziele zustreben? Gleichwohl wird überall darüber Freude sein, daß wenigstens die» Ziel erreicht ist, daß die Kinder ausgerüstet find, um nun einen bestimmten LebenS- heruf zu ergreifen; daß fie ausgerüstet find, nicht bloß mit zur Lebensarbeit nöthigen Keuntniffen, sondern auch mit fitt- licheu Kräften, um dem Bösen Widerstand zu thun.
In diese Freude hinein wird aber wohl auch die Frage klingen: WaS wird auS meinem Kind werden? Wird eS sein LebeuSschifflein zum sichern Ziel bringen oder wird e» Schiffbruch leiden? Wie biel Tausend schiffbrüchige Existenzen birgt die Welt in sich! Die meisten Eltern werden die Berufswahl für ihre Kinder schon getroffen haben. Möchte diese Berufswahl geschehen sein nach reiflicher ernster Prüfung. Berfehlter Beruf, berfehlte» Leben! Mancherlei ist dabei zu berücksichtigen: Veranlagung und Neigung, körperliche und geistige Kräfte. Nichts ist berfehlter, al» wenn Eltern die der Schule kaum entwachsenen Kinder bereits zum Erwerb gebrauchen. Dadurch wird die Erlernung eines festen Be- rufeS unmöglich gemacht, der Grund gelegt zu späterem unzulänglichem Verdienst und unbefriedigter Lebensführung. Ein zweiter bielgemachter Fehler ist ber, die ber Schule kaum Entwachsenen bereit» al» Erwachsene zu behandeln und fich selbst zu überlaffen. Noch ist der junge Baum nicht so weit, daß er de» Gärtner» kundige Hand entbehren kann. Da und dort find wild schießende Sprößlinge zu entfernen, üppige Zweige zu beschneiden, um ein bollkommene» Bild zu er* zielen. Der elterlich t Zucht können auch die Coufirwirten noch nicht entratheu. Wo fie bersäumt wird, da kommt es zu jenen Verbildungen und Entartungen, die au unserer Jugend zu so biel Klagen Anlaß geben. Bor Allem gilt e» «n», den religiös-sittlichen Ernst der Jugend zu bewahren, dadurch fie allein bor Thorheiteu und Fehltritten bewahrt wird. Je mehr der religiös-fittliche Ernst unserer Jugend bewahrt wird, um so tüchtiger wird fie auch in dem Berufe werden, zu dem fie fich bereitet. Kann da» Elternhaus aber Schutz und die Bewahrung nicht bieten, so gibt e» der Ber* Anstauungen genug in unserem deutschen Baterlande, die zum
Amtlicher Theil.
Gießen, 15. April 1898.
8ttr.: Darstellung über dm Zustand der Volksschulen im Kreise Gießen in den Schuljahren 1895/96, 1896/97 und 1897/98
Die
Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Diejenigen bon Ihnen. welche mit ber Erledigung unserer Auflage bom 2 April d. I. - Gießener Anzeiger Rr. 80 — noch im Rückstände find, werden hieran erinnert mit Frist bon drei Tagen.
b. Gagern.
total«» *nö provtnjiellM.
Gieße», den 16. April.
•• Sefangl-Wettstreil. Am Ostermontag fanden in Kreuznach die Verhandlungen über den zu Pfingsten daselbst stattfindeuden GesaugSwettstreit statt. Zu de»- selben haben fich 89 Bereiae be» MittelrheingebietS (darunter auch der Bauer'iche Gesangberein Gteßeu) mit 3300 Sängern angemeldet. Sie singen in sieben berschiedene« Sälen und zwar die 1. Klaffe A (Stadtbereine) in Lauu» Kaisersaal, bi? 2. Klaffe im „Hotel Adler", die 8. Klaffe a) tm Cafinosaale, b) im Saale zur „Stadt Loudon", die 1. Klaffe B (Landvereine) im Wiesenzelt, die 2. Klaffe a i» „HeymS Saalbau- und b tm Saale zur „Victoria". Der Wettstreit der Ehreuklaffen beginnt am Pfiagst-DienStag Vormittag um 9 Uhr im Kaisersaal, „Adler" und „HehmS Saalbau". Die Vereine fingen in folgender Ordnung: Ab« theilung A. Klaffe I (Lauu): 1. „Eintracht" * Oberrad, 2. „Badeuia"*KarlSruhe, 3. „Wiukelmaun'scher M.-Ch. • Frankfurt, 4. „Ltederkrauz-Boun, 5. „Harmouie"-St. Johann- Saarbrücken, 6. M. G. V. Bierstadt, 7. „St. Castor"-Cob- lenz. 8. „Erholung"-Mauuheim. Klaffe II (Adler): 1. „Sieber* kranz"-Obersteiu, 2. „Friedc"*WirSbaden, 3. „Lieberkranz". Idar, 4. Quartett-Gerein Köln-Ehreufeld, 5. „Arion"-Velbert, 6 „Aurora"-LudwigShafen, 7. „TLngerkreiS"-Mann. heim, 8. „Säugerlust"-Mannheim, 9. Grub'scher M.-G.-B.- Oberstein, 10. Mäuner-Club Wiesbaden. Klaffe Hla (Lastno): 1. „Covcordia"-Forbach, 2. Gartenfelder Männer-Quartett Mainz, 3. „Sängergruß" Frankfurt, 4. Männer-Quartett St. Wendel, 5. „Etutracht"-Heidelberg-Neuenheim, 6. „Froh- finn-Simmern, 7. Bauer'scher G.-V. Gießen, 8. M.»G-v. Oberwesel, 9. M.-G.-B. St. Goarshausen, 10. ©linnen* thal'scher Männer-Chor Homburg, 11. Horter'icher G.-B. Frankfurt, 12. Verein ber Cementfabriken Frankenthal, 13. „Frohsinn"-Oberlahnstein, 14. „Euphonia"-Malstatt- Burbach. Klaffe Ulb (Zöller): 1. M.-G.-V. Oberlahnstein, 2. „Lieberkranz".Malstatt.Burbach, 3. „Liederkranz"*Meisen* heim, 4. „Sängerbunb"*Boppard, 5. „Concorbia".Obermoschel, 6. Quartett „Sängerlust"-Mainz, 7. „Edelweiß ■ Oberstein, 8. „Germania".Kirn. 9. „Ltederkranz".Oppenheim, 10. „Liederpalme"-Frankfurt, 11. „Sängerbund - Coblenz, 12. „Constantia"-Heidelberg, 13. „Hilda" Wiesbaden, 14. M.-G.-B. ber Portland-Cementfabrik Mannheim. Ab- tHeilung B. Klaffe I (Wiesenzelt). 1. „Liedertafel"- Weisenau, 2. „Eintracht"-Rheinböllen, 3. M.-G.-B. Steeg, 4. M.-G.-B. Weis, 5. M.-G.-B. Rehborn, 6. „Cäcilia - Kettig, 7. M.-G.-B. Neunkirchen, 8. „Arion"'Bingerbrück, 9. „Sängerlust"-Langeudtebach, 10. „Sängerbund"-Wöllstetn 11. „Lieberkranz"*Freilaubersheim, 12. „Liederkranz".Beuel, 13. M.-G.B. Hochstein, 14. M.-G. V. Partenheim. Klaffe Ha (Hehm): 1. „Eintracht"-Schiffweiler, 2. „Germania"-Bosen- hei«, 3. Krieger-G.*B. Bechenheim, 4. M.-G.-V. Langenlonsheim, 5. „Germania"-Steinbockenheim, 6. „Eintracht"-Laubenheim, 7. „Concorbia"-Bockenau, 8. M.G.-B. Sprendlingen, 9. M.-G.-V. Weinsheim, 10. M.-G.-V. Genfingen, 11. Säuger- chor des TurnbereinS Eckenheim, 12 M.-G.-v. Engelstadt, 13. M.-G.-B. Roxheim, 14. „Germauia"-Naurod. Klaffe Ub (Victoria): 1. „Einigkeit" Partenheim, 2. Männer Quartett Heddernheim, 3. „Liederkrauz"-Niedersaulheim, 4. G.*v. Für* selb, 5. M.-G. V. Burgsponheim, 6. „Eintracht".Winterbach, 7. „Sängerlust"-Gaubickelheim, 8. „Concordia".LangenlonS- heim, 9. „Sängerkranz"*SieferSheim, 10. M.-G. B. Planig, 11. „Eintracht"-Kloppenheim, 12. M.-G.-B. Otzenhausen,


