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16/10/1898 Zweites Blatt
 
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Obwohl der Ertrag der Wurzelgewächse ein mittlerer genannt werden muß, fällt da» Ergebntß nicht in» Gewicht bei der sonst ausgezeichneten Futterernte. Die Hackgewächse bilden sonst einen Hauptfutterartikel für das Bteh, fie müssen die Lücken füllen, die ein Mangel an Dörrfutter aufkommen laßt. Und an Dörrfutter hat e- gewiß für diesen Winter keinen Mangel. Wenn sonst im Felde daS GraS an Rainen, Hecken und Gräben sehr gesucht war, so hat e» in diesem Jahre Niemand begehrt; eS ist zugekommen, verdorrt und bildet für Weidehirten einen willkommenen Brennstoff für die um diese Zeit so beliebten Herbstfenrr. Auch als Streu ist dar ge­dörrte Gras nicht begehrt, wie sonst, da es an Stroh nirgends fehlt. Dieser vortreffliche Ergebntß an Futter- und Streu­material hat die Preise sür dar Rtudvieh alr naturgemäße Folge sehr in die Höhe gehen laffrn. Der Absatz an Bteh ist eben durch den Vorrath an Futter viel geringer wie in sonstigen Herbsten, die Nachfrage nach Vieh dementsprechend größer. Man bezahlt zur Zeit für eine gute Kuh einen Preir von 400 Mk. und ost noch darüber. Gewiß eine respectable Preirstufe, die seit einigen Jahren nicht erreicht wurde.

A Bon der Ohm, 13. Wenn man in diesem Herbste in unserer Gegend befürchtet hat, daß der so beliebte Zwetschenkuchen hier auSbleiben würde, so hat sich diese Befürchtung nicht erfüllt. Zur Zeit findet ein lebhaftes Ge­schäft in frischen Zwetfchen statt. Man kauft fie hier recht gern zu dem Preis von 3 Mk. der Zentner und dafür find fie überall in den an Zwetschen überreichen Gemarkungen zu haben.

= Tret» a. d. Ldo., 13. October. Herr Lehrer Ger­hard dahier hat ein Decret al» Fachlehrer an der Realschule zu Bingen erhalten. Mit Rückficht auf seine 18jährige, fehr segensreiche Wirksamkeit an hiesiger Volks­schule sieht man ihn ungern scheiden. Zu wünschen wäre, daß der Verschönerungsverein, welcher durch ihn im vorigen Jahre ins Leben gerufen wurde und der bereits Geld ge­sammelt hat, zur Erbauung eine» AuSfichtSthurme» auf dem über den Staufenberg hinau»ragendrnTotenberg", mit feinen 85 Mitgliedern bestehen bliebe, sodaß mit Fertigstel­lung der Lumdathalbahn wettere Anziehungspunkte für unsere Gegend geschaffrn würden.______________________________

Dermifdptes*

* Meter die Fahnenweihe in Potsdam wird noch nach- träglich berichtigend gemeldet: Die Fahne besteht au» weißer Seide und trägt in orangefarbenem Mittelfelde den deutschen Adler, da da» Seebataillon eine deutsche und keine preußische Truppe ist. Da» Bataillon vom ersten Garderegtment z. F. war ein zusammengestellte». Jede Compagnie hatte einen Zug gestellt- daher hatten acht Züge Grenadiermützen und vier Züge Füfiliermützen auf. Der Kaiser führte persönlich die neugewethte Fahne die Rampe herunter und dem Batail­lone zu, blieb vor der Front stehen und hielt eine Ansprache. Dann ging er die Front ab und nahm den Parademarsch in der geschilderten Weife ab.

* «in herrenloses Erbe. Au« Wien berichtet da» »Neue Wiener Tagblatt": In den Sommermonaten stieg hier in einem der vornehmsten Hotel» am Ring ein Amerikaner ab, der fich al» Dr. Guido Bruno Charles de Freye, praktischer Arzt aus San FraveiSco, meldete und wenige Tage später eine» jähen Tode- starb. Ein Herzschlag machte seinem Leben ein Ende. Al» man seine Koffer durchsuchte, fand man darin In Creditbrtefen, Depotscheinen und Actien in-gesamrnt etwa dreihunderttausend Gulden vor, die vorläufig herrenlos auf dem hiefigen amerikanischen Generalkonsulat liegen. ES gilt jetzt, die gesetzlichen Erben zu ermitteln, welchen da- Verwögen des Arzte» auszufolgen wäre. Im Nachlaß des Dr. Freye wurde nicht» gesunden, wa» über etwaige Erben hätte Aufschluß bieten können. In den Koffern lagen außer Kleidern und Wäsche, sowie den Werthpapieren Diplome verschiedener ärztlicher und sonstiger gelehrter Gesell­schaften, mehrere Bogen Briefpapier mit der Aufschrift: ,Dr. Charle» de Freye, praktischer Arzt, Gpohane Wyoming", eine Enveloppe und Taschentücher mit der Aufschrift:®on Deiner Dich liebenden Schwester", sowie einige kurzgefaßte Briefe von einer Dame, au» deren Inhalt fich weder Rück- schlüffe auf die Schreiberin noch auf den Empfänger ergaben. Au» den Briefen geht bloS hervor, daß der Arzt zu der

Dame in zärtlichen Beziehungen gestanden. Wohl wurden in der Zwischenzeit an alle jene Banken, bei welchen Dr. Freye Depot» hatte, Anfragen gerichtet, allein von allen diesen Stellen wurde geantwortet, daß man über den Arzt nicht» Nähere» wiffe. Seine Depot» seien ordnungsgemäß registrirt, über seine Person selbst sei aber nicht» bekannt. So liegen die Dinge heute. E» hat fich noch kein Erbe zu dieser Hiuterlaffenschaft gemeldet. Er heißt, daß Dr. Freye kein gebürtiger Amerikaner war, sondern au» Europa dorthin anSwanderte und fich drüben da» Bürgerrecht erwarb. Man vermuthet, daß er ein Belgier oder Schweizer sei. Wenn fich innerhalb einer gewissen Zeit kein Erbe meldet, so wandert der ganze Nachlaß in den amerikanischen Staatsschatz.

* Sonnenfierfen und Nordlicht. Die letzte große Nord­lichterscheinung vom 9. September war von dem Auf­treten einer großen Gruppe von Sonuenflecken begleitet, die in der Zeit vom 3. bi» 15. September sichtbar war. Auf einer von dem Astronomen Mauuder an der Sternwarte in Greenwich aufgenommenen und in der Londoner Monats­schrift Knowledge wiedergegebeuen schönen Photographie der Vounenscheibe erscheint die Sonuenflrckengruppe zur Zeit ihrer größten Entwicklung,- nach der Ausmessung bedeckte fie eine Sonnen fläche von 7000 Millionen Quadratkilometer, ihre größte LäugenauSdehnung betrug etwa 2200 und ihre Breite etwa 7000 Kilometer. Daneben giebt Mauuder eine Dar­stellung von dem Gauge der senkrechten magnetischen Kraft in Greenwich, au» der hervorgeht, daß e'wa 14 Stunden o°ch dem Durchgänge de» großen SonnenflrckenS durch den Mittel-Meridian der Sonne eine starke magnetische Störung eintrat, die ihren Höhepunkt von 8 bi» 11 Uhr Abends am 9. September erreichte. Während derselben Stunden wurde auch da» glänzende Nordlicht in den verschiedenen Gegenden Nordeuropas beobachtet. Nach einer Meldung aus Aut- werp-n ist die große Fleckengruppe am 28. September von Neuem am Sonnenrande erschienen, nicht nur der Hauptfleck, sondern auch ein zweiter dahinter war zu erkennen, beide perspektivisch verkürzt und da» Ganze von hellglänzenden Fackeln umgeben. Der Kern de» Hauptfleckev» erschien sehr schwarz und machte mit seinem Halbschatten den Eindruck einer tirfeu Höhlung in der Sonne, ähnlich einem großen Krater in der Nähe de» Mondraude». Am 30. September wurde dann noch ein dritter, sogar noch ein vierter Fleck dahinter gesehen, der dritte entwickelte fich zu dem größten der ganzen Gruppe. Ob auch bei dem zweiten Durchgänge dieser Sonnevflrcken durch den Mittel-Meridian magnetische Störungen und Nordlichterschetuungen verursacht wurden, ist noch nicht bekannt geworden. ES ist noch darauf hinzu- weisen, daß die Bonne fich jetzt eigentlich in der Zeit ihrer geringsten Thätigkeit befinden sollte und daß der Widerspruch der Thotsachen gegen die theoretische Berechnung die Auf­merksamkeit der Astronomen erregt hat.

* Heber die mögliche Verminderung frühzeitiger Sterb­lichkeit eröffnet ein von Dr. Hill, dem Vicekanzler der Universität Cambridge, vor dem Gesundheitscongreß in Birmingham gehaltener Vortrag recht erfreuliche Aussichten. Dieser Arzt ist der Ansicht, daß etwa ein Viertel aller Er­krankungen, die zu vorzeitigen Todesfällen führen, durchaus vermeidlich sei. Wenn die Verfolgung der Gesundheitsregeln erst auf gleicher Höhe mit der Theorie stehen werde, so werde die mittlere Lebensdauer der Menschen mit einem Schlage von 50 auf 65 steigen. Die überwiegende Zahl der Er­krankungen sei, so weit der einzelne Mensch sich selbst über­lassen sei, Mißgriffen im Essen und Trinken zuzuschreiben. Die Aerzte werden hier nicht früher einen vollen Erfolg in der Verhütung solcher Erkrankungen aufzuweisen haben, als bis das Publikum selbst an der dahin zielenden Vorsorge theilnimmt. Es ist schon viel auf diesem Wege geschehen, aber noch mehr bleibt zu thun. Man braucht nur daran zu denken, daß vor 20 Jahren die ansteckende Eigenschaft der Lungenschwindsucht noch gar nicht erkannt war und daß da­mals nicht nur etwa ein Drittel der Kühe tuberkulös war, sondern daß auch der Tuberkelbacillus durch die Milch eine nahezu ungehinterte Verbreitung fand. Ebenso wie der einzelne : zur Bekämpfung und zur Verhütung einer weiteren Aus- breitung der Schwindsucht beitragen kann und muß, so ist ; dies auch mit Bezug auf andere Krankheiten durch Beobachtung : geeigneter und nothwendtger Vorsichtsmaßregeln in der Lebens- ' weise zu fordern.

e Dietobteute Kugel". Die berüchtigten Durn-Dum-- Kugeln haben die Engländer gegenwärtig außer Gebrauch gesetzt. Sie kamen bekanntlich in Anwendung, um den An- sturm fanatischer Horden aufzuhalten, da fie nicht, wie da­richtige Stahlmantelgeschoß de» Lee-Metfordgewehre», da» die Engländer al» Kriegswaffe führen, glatt durch den Menschen hindurchgeht, sondern bobald fie auf Widerstand stößt, fich auSbreitet und zerbricht. Die neue Gewehrkugel ist bereit» auf dem Zuge gegen Chartum verwandt worden. Sie hat denselben Durchmrffer (0,303), dieselbe Länge (31,3 Millim.) und dasselbe Gewicht (215 Gran ----- 12,9 Gramm) wie da» Lee-Metford-Stahlmantelgeschoß und paßt in alle Dienst,e« wehre und Maschinenkanonen der britischen Armee. Der Mantel besteht au» Nickel und ist nur mit Blei angefüllt. Das kegelförmige Ende ist leer, und wenn e» auch nur das Ohrläppchen des Feindes streift, öffnet e» sich hinten und bohrt fich in den Körper ein. Man hat die neue Kugel die tödtende Kugel" genannt im Gegensatz zur durchbohrenden Kugel. Sie wird mit Kordit getrieben und hat dieselbe Kraft, welche die alte Henrh'Martini Kugel von 410 Gran ( 24,6 Gramm) mit dem besten Schießpulver hatte: der Soldat kann jedoch jetzt die doppelte Menge von scharfen Patronen tragen, da fie nur halb so schwer ist. Zwei Millionen scharfe Pa­tronen dieser Art fertigt jede Woche da» Arsenal von Woolwich.

Wissenschaft, Ciferatur und Kttnft.

Katechismus der Logarithmen von Profcffor Max Meyer. Zweite, verbesserte Auflage. Mit drei Tafeln: der natür­lichen, Briggsschen Logarithmen und solcher der trigonometrischen Zahlen und sieben in den Text gedruckten Abbildungen. In Original­leinenband 2 Mk. 50 Pfb. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Die Logarithmen bilden bei größeren numerischen Rechnungen ein kaum entbehrliches Erleichterungsmittel, doch auch bei einfacheren Rechnungen wird sich der im logarithmischen Rechnen Geübte ihrer mit Vorliebe bedienen. Der große Vorthetl des Rechnens mit Logarithmen besteht darin, daß bei Benutznng dieser Hilfszahlen jede Rechnungsart mit Ausnahme der Addition und Subtrackton durch eine einfachere ersetzt wird. Vorliegender Leitfaden aiebt en erster Stelle die Theorie der Logarithmen, hierauf folgen drei fünfstellige logarithmische und trigonometrische Tafeln nebst eingehenden Er­läuterungen, sodann Beispiele der mannigfachen Anwendung der Logarithmen. Ein Anhang beschäftigt sich mtt dem Rechenstab und Rechenschieber. Neu ausgenommen sind in die zweite Auflage in einer Nachtragstabelle die siebenstelligen Logarithmen der gebräuch­lichsten VerzinsunqSfactoren, weil dieselben fich für genaue Berech- nungen über Zins vom ZtnS als notbwendig erweisen.

Universitäts - Nachrichten.

In der am vorigen Samstag geschlossenen Conferenz der preußischen Universitätsrectoren erregten dir Vorträge über das Frauenstudium und die Veranstaltung volkSthümlicher Hoch- schulcurse, wie die Aufklärungen, welche über die Durchführung der Be­soldungs-Neuregelung gegeben wurden, besonderes Interesse. Die Fragen über Maximalsätze für Vorlesung-Honorare wie über Stund­ung und Erlaß derselben kamen gleichfalls zur Sprache. Dabei ver­ständigte man sich, wie dieNationalzeitung" hört, bezüglich de« letztgenannten Punktes dahin, daß es sich empfehle, zunächst von dem Ersatz der Stundung durch Erlaß abzusehen, jedoch die allseitig «18 nothwendig erkannte Reform de8 StundungLwesens herbeizuführen. Auch die Frage betreffend die Zulassung von Realgymnasiums- Abiturienten zum medicintschen Studium gelangte zu etngehehender Besprechung, lieber den Verlauf der Eonferenzberathungen i« Ganzen kann bemerkt werden, daß er ein sehr befriedigender war und allen Theilnehmern Gelegenheit bot, sich von der Zweckmäßig­keit dieser neuen Einrichtung zu überzeugen.

Würzburg. Prioatdocent Dr. I. Berten wurde als außerordentlicher Professor und Vorstand deS neu errichteten zahn­ärztlichen Instituts an die Universität München berufen und hat den Ruf angenommen. In der juristischen Facultät habilitirte sich Dr. Julius Binder als Prioatdocent. Der Privatgelehrte Dr. Ferdinand Fischer ist zum außerordentlichen Profefior in der Göttinger philosophischen Facultät ernannt worden. Mit seine« Eintritte ist Göttingen neben Berlin die zweite Universität des preußischen Staates, die eine Professur für angewandte Chemie hat.

Halle. Dem Vernehmen nach hat der Professor der Medicin v. Mering den Ruf an die Wiener Universität als Nach­folger Strickers angenommen.

Berlin. Der Geh. RegierungSrath Professor Dr. Sachau, der das Seminar für orientalische Sprachen an der hiefigen Univer­sität seit dessen Begründung austragSweise geleitet hat, ist jetzt zum Director deS Seminars endgiltig ernannt worden.___________

Gegen Fliegen, gSffi ben, Russen und Wanzen kauft nurLahr's Dalma". E» tödtet in 10 Minuten alle Fliegen im Zimmer. Nicht giftig. Hunderte von Dankschreiben. Nur allein echt zu haben m versiegelten Flaschen zu 30 und 50 Pfg. Staubbeutel 15 Pfg. in Gietzen in der Hirsch-Apotheke. 5454

lieutenants ihre häßliche Gewohnheit heldenmüthig zu besiegen, und entfaltete eine allerdings künstliche rosige Laune.

Max küßte ihr fortwährend die Fingerspitzen.So lieb warst Du, glaub ich, noch nie mit mir, Anne-Marie", ver­sicherte er immer wieder.

Da erhob sie sich stolz und bemerkte rühmend:Ich bin Nämlich heut schlecht gelaunt."

Die Trennung wurde zu einem Ereigniß an diesem Tage. Al» Max zum dritten Male umkehrte, fügte er seinen Lieb- Losungen die Worte hinzu:Na und die Vase Du weißt Bescheid."

Anne-Marie fuhr zusammen. Daß sich die Erinnerung an dieses werthlose Ding in solche Augenblicke hinein drängen konnte, erschien doch bedenklich. Mit sehr energischen Schritten Üi r *un0ß $rau hinüber in Maxens Arbeitszimmer, um Me Vase nochmals genau zu betrachten. Sie entsann sich, in Floren) ein ähnliches Bild wie dieses die Vorderseite de» Thongefäßes bedeckende gesehen zu haben: Athene, einen Krteger beschützend.

Anne-Marie trat ans Fenster.

Sehr s-in und geschickt war bie Malerei audgesührl, doch Me Gesichter bet beiden Figuren erschienen nicht kühl und gnechisch rein >m Schnitt. Des Kriegers Züge erinnerten m Max. Unbestreitbar, er war Max, jugendlich bartlos, schmal und schlank! '

Und die Athene! Die characteristischen Linien ihres Gesichts deuteten an, daß auch hier ein Porträt sich dar- stellte!

Wessen Porträt?

Aus einem langen Nachsinnen erwachte die junge Frau zn dem Entschluß, die Vase verkehrt auf ihren Platz zu stellen, mit der Rückseite, welche einen Amor Bogenspanner aufwies, Maxens Platz zugewendet.

Als der junge Offizier am Nachmittag über seine Arbeit gebeugt saß, trat Anne-Marie ein, ganz leicht und leise und doch so schweren Herzens!

Ihr Blick suchte die Vase. Wahrhaftig, Max hatte fie umgedreht, vermuthlich um jenes Göttinnengeficht mit seinem Blick erreichen zu können.

Anne-Marie erblaßte. Um die Electricität, mtt der sich plötzlich ihre Adern füllten, zu entladen, schlug fie mehrmals ihre Handflächen gegeneinander.

Der junge Offizier fuhr auf, erstaunt und etwas un­willig, sich in einer wichtigen Arbeit gestört zu sehen.

Die kleine Frau wiegte den Kopf hin und her.Max, ich wollte Dich fragen, ob ich mir zu dem Diner bei Deiner Mutter eine neue Toilette bestellen soll?"

Er legte die Feder hin.Aber keineswegs. Ich meine, das weiße Kleid, welches Du häufig zur Table dhöte trugst, stand Dir reizend genug"

Ich ein weißes Kleid getragen? Nicht ein einziges hatte ich im Koffer!" Sie trat einen Schritt näher. Wahr- haftig, Maxens Blick hing an der Base!

»Es ist wirklich überraschend, daß Du nicht weißt, in welche Farben sich Deine junge Frau kleidet, während Du

doch beim Kriegsspiel die bunten Fähnchen sehr genau aur- einanderzuhalten weißt."

Jene bunten Fähnchen sind auch wichtig genug, liebes Kind", entgegnete er ernst. Dann schlug er seine blauen Augen voll zu ihr auf.

Meine herzige Anne-Marie, mir ist es auf der ganzen Hochzeitsreise so vorgekommen, als ob Du immer in Weiß gingst"

Sie warf den Kopf zurück.Welch schöne Ausrede! Wohl aus irgend einem Roman?"

Erstaunt zog er die Schultern hoch und bat dann mit sanfter Bestimmtheit, daß sie sich jetzt zurückziehen möge, da seine Arbeit keinen Aufschub dulde.

Anne-Marie knixte spöttisch und tippte auf die Schreib­tischplatte. als wolle sie mit ihren Fingerspitzchen Staub davon fort nehmen.

Da hab ich doch schlecht gewischt!" Um ein Haar hätte sie die Vase umgestoßen. Doch dieselbe bebte nur ein paar Mal hin und her und stand dann wieder fest.

Mit einem Schreckenslaut hatte Max die Hand danach ausgestreckt.

Anne-Marie entschuldigte fich.Wohl ein Andenken?" warf fie hin. Ihr Blick hing gespannt an de» Gatten Zügen. Wirklich, fie füllten sich mit Schmerz!

Ein sehr theures Andenken", entgegnete der junge Offizier knapp und beugte sich über seine ArbeU.

Wortlos verlieb Anne-Marie das Zimmer.

(Schluß folgt.)