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en auf diesem Wege winal en wir auch in diesem H» nd durch Spendung reichlch Kirche fördern zu wollen.
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Nr. 243 Zweites Blatt
Tonntag den 16. October
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Neue Enthüllungen.
Der Dreysushanbel hat un» schon so oft die unwahrscheinlichste Abenteuerlichkeit bet Sensationsroman» als traurige Wirklichkeit vorgeführt, Frankreich Hai die Welt an so starke Dosen politischen Gifte» gewöhnt, daß nachgerade die Nerven bei unbetheiligten Zuschauer» anfangen, sich abzustumpfen. So ist z B. vor ber Hartnäckigkeit, mit ber man bem Oberst- lieutenant Ptcquart eine Behanblung zu Theil werben läßt, bie bem Recht»- unb MenschlichkeU»gefühl gerabezu Hohn spricht, allmählich selbst bie Entrüstung ber ehrlichen Leute verstummt; benn wa» hüft bie Auflehnung gegen bie jeden Tag aus» Neue bewiesene Thatsache, baß im heutigen Frankreich ba» Unrecht Recht, bie Willkür Gesetz unb eine rohe Grausamkeit patriotische» Bekenntniß ist? Durch solche Abstumpfung ber Grw-fsen und Versumpfung be» Rcchtsdewuht- sein» erzielte man auch im Panamahanbel, baß bie Verbrecher unbestraft blieben unb die Schulbigen, überhäuft mit staatlichen Ehren unb Würden, ihren Raub verjubeln konnten. Man setzte dadurch eine Prämie auf da» Verbrechen, unb ber Fall Dreysu» beweist, daß sich Anwärter genug gefunden baden, bie sie sich verbienen möchten. Auch jetzt hat man schon seit einem Jahre unb länger bie Vertuschungsmethobe angewandt, bie sich bei Panama so vortrefflich bewährt hat unb bie auf bie Dauer selbst den muthigsten Gewiffenistreiter ermüdet. E» scheint indeffen, al» ob trotz Allem, was schon an die Oeffentlichkeit gedrungen ist, die Pandorabüchse de» Dreysushanbel» noch so reich sei an Gift unb Bomben, an Unheil, Ränken und Verbrechen, daß deren Enthüllung den ermatteten Nerven von Neuem die Spannung geben wird, die heute mehr al» je Noth thut, um dem Recht Über da» Unrecht, der Ehrlichkeit über da» Verbrechen zum Siege zu verhelsen. Solche Bomben sind bie Enthüllungen, bie Clv- menceau in ben letzten Tagen in ber Aurore gemacht hat. Sie ftnb äußerlich freilich nicht» onbere» al» Behauptungen, Behauptungen eine» Manne» allerbing», ber Jahrzehnte lang in ber Kammer al» Rebner. Parteiführer unb Cadinet»stürzer ber Schrecken aller Ministerien war, eine» Manne» anderseits, ber, selbst ein Beispiel ber politischen Korruption seine» Lanbe», seinen Ruf mit bem Panamaschlamme besubelt hat. Wer inbeffen bie Bewegung für bie Revision be» Dreysu». proceffe» aufmerksam verfolgt hat, wirb trotzbem biefen Behauptungen ihre überzeugende Kraft nicht absprechen können, benn e» ist offenbar, baß Elvmenceau, der Bruder be» vom Zolaprocesse her bekannten geiste»scharfen unb gewandten Aboocaten, mit all bem nur neue» Material für ben nochmal» abzuwickelnben Proceß Zola zusammenträgt, unb baß er sich schon beßhalb hüten wirb, Zola» Sache, bie auch die seinige ist. durch Lügen zu geführten und bloßzustellen. Seine jüngsten Enthüllungen haben nun in die dichten Maschen de» Netze», da» den Dreysurbandel noch immer umhüllt, wiederum ein tüchtige» Loch genffen. Sie behaupten, und wie wir an.
nehmen mit Recht, daß die vielberufenen Photographien von Briefen be» beutschen Kaiser» tatsächlich in dem Dossier Dreyfu» vorhanben finb; biefe Photographien ober vielmehr bie Briefe, von benen sie abgenommen finb, finb Fälschungen unb zweifellos nur ein Glieb in bet ganzen Kette gefälschter Beweise, burch bie man bie Behauptung, baß DreyfuS schulbig fei, so lange aufrecht erhalten konnte. Wußten ber Generalstabschef General Boi»beffre, ber Unterchef General Gonse, wußten bie KtiegSministcr Mercier, Billot, Cavaignac unb Zurlinben um biefe Fälschungen ober waren sie selbst bie Betrogenen eine» Henry, eine» bu Paly be Elam? Die Antwort auf biefe Frage gibt, soweit vorläufig General Bois- beffre in Betracht kommt, bie gestrige Enthüllung Clömenceaus, bie klipp und klar behauptet, Boisdeffre habe während de» Esterhazyproceffe» zu dem Angeklagten, trotz feiner amtlichen Ableugnung, in birecten Beziehungen gestanden; al» Zeuge wird dafür kein anderer als ber Untersuchungsrichter Bertulus öffentlich genannt. Diese Behauptung beckt fich inhalttich vollßänbig mit bem, was Esterhazy bem Pariser Vertreter be» Observer, Strong, anvertraut hat unb ba« gerabe ba» burch an Beweiskraft unb Wahrscheinlichkeit gewinnt, baß Esterhazy es, nachdem er fich mit Strong überworfen, abgeleugnet hat. Wenn aber Boisdeffre es für nöthig hielt, sich also in Person für ein so anrüchiges Gewächs wie Esterhazy ins Zeug zu legen, so ist da« schlechterdings nur dadurch zu erklären, daß auch er ein persönlichcs Interesse daran hatte, Dreyfus auf ber Teufelsinsel unb die Fälschungen, bie ihn bahin geführt, aufrecht zu halten. Diese Behauptung Klemen, ceaus gibt ber Regierung unb bem Kassationshof einen neuen Weg an, auf bem biefe, wenn sie wollen, die Wahrheit finden können; es sind, neben dem Geständniß Henrys, die Unter« suchungsaclen be» Richters Bertulus; fie bietet aber zugleich werthvolle» Material für ben bevorstehenden Proceß Zola, benn wenn bie Behauptungen Klemenceaufl unb Strong-Esterhazy» richtig finb, so ist e» fonnenklar, baß Zola im Recht war, zu erklären, Esterhazy sei auf Befehl freigesprochen worden. (Köln. Ztg.)
~CÖcäUs und provinsielUs*
Gießen, den 15. October 1898.
Sonntagsruhe im HandelSgewerbe. Der Magistrat von Fravksurt a. M. ist mit den ©lösten Offenbach, Hanau, Darmstadt, Mainz unb Wiksbaben in Verhandlungen darüber getreten, ob bie Beschäftigung von Handel-angestellten in Fabriken, Bank- unb Großgeschästen am Sonntag gänzlich zu verbieten sei. Bon der Bürgermeisterei zu Offenbach bei» wegen befragt, hot die dortige Handelskammer fich dahin ausgesprochen, daß von der Besugniß, Handelsangestellte in der Zeit von 11—1 Uhr Mittag» an Soun» unb Festtagen (mit Ausnahme de» ersten Oster-, Pstngst- nnb Weihnachtsfeiertaqes, an welchen jede Beschäftigung von
Handeilangestellten verboten ist) zu beschäftigen, in Offenbach in nicht erheblichem Maße Gebrauch gemacht werde, daß aber für die Inhaber ber genannten Geschäfte bie Möglichkeit, bringende Sachen auch an Sonn- unb Festtagen erledigen zu laffen, nicht gänzlich beseitigt werden dürfe. Gegen eine weitere Einschränkung der Arbeitszeit sür Handelsau^estellte an Sonn» und Festtagen auf die Dauer von 11 bis 12 Uhr würde die Handelskammer nichts einzuweuden haben.
Feuchte Wohnungen Trotzdem beim Miethen aufs Bestimmteste erklärt wurde, die Wohnung sei durchaus trocken, zeigt fich oft beim Einziehen in das neue Domicil die unangenehme Wahrnehmung, daß dasselbe nichts weniger als trocken ist. Ueberall bilden fich Schimmelflecke, von den Möbeln löst fich die Fournierung, die Bilder ziehen Blasen, die Kleider riechen dumpfig usw., und da» kaum bezogene neue Heim wird dem Inhaber schon nach kurzer Zeit wieder verleidet. Und doch gibt e» so einfache Mittel, ein feuchte» Zimmer bald trocken zu bekommen. Da» Beste ist auhaleende» Heizen bei vollständig geöffneten Fenstern, aber nicht nur 1—2 Tage, fonderu 10—14 Tage hintereinander. Bei ge» schloffenen Fenstern nützt e» gar Nicht», denn da legt fich die verdunstende Feuchtigkeit von Neuem an die Wände. Möbel darf man tu feuchten Zimmern nie dicht an die Wand stellen, sondern man muß immer 10—12Etw. Zwischenraum laffen, während man Bilder leicht dadurch schützt, daß man an jede Ecke der Rückseite de» Rahmen» ein kleine» Stückchen Holz oder Kork befestigt, damit ein Luftraum zwischen Wand unb Btlb entsteht. Sollten fich bereit» Schimmelflecken an den Tapeten zeigen, so mengt man einen Theil flüssige Salicyl- säure mit vier Theileu Spiritus unb betupft mit einem Schwamm bie feuchten Stellen.
•• Aus ber Pariser Weltausstellung wirb auch ein deutschel Krankenhaus mit allen leinen Einrichtungen unb Ausstattunzen Ausstellung finden. Nach genauer Prüfung der in Aussicht genommenen Heilanstalten hat da» Kaiserliche Gesundhe Harnt in Berlin fich für da» flädtilchr Krankenhaus in Offenbach rrk ärt unb e» für die Welt- ausstrllung in Pari» im Jahre 1900 al» vorzüglich »'eignet in Vorschlag gebracht. Dem Kaiserlichen Gesundheit»amte werden die vorhandenen Pläne unb Modelle de» Kranken« Hansel zur freien Bersüzuvg gestellt werden, damit e» eventuell die genannte Anstalt naturgetreu Herrichten laffen kann.
§ AnS bem BogelSberg, 13. Oktober. Die letzten Früchte be» Feldei, die Hackgewächse, werden ein» geerntet. Die Runkel- (Dickwnrze>) und Kohlrüben find nicht ganz vollkommen gewachsen, ebenso find die Kohlhänpter (Kraut) klein uvd unscheindar geblieben. Wirsing und Oberkohlrüben find dagegen bester entwickelt. Den Hackgewäch'en hat zum vollkommenen WachSthum der Regen gemangelt.
Du lieber Gott, solche Dingerchen holte bie junge Frau al» Pensions-Backfisch zu Dutzenben bemalt. In ihrem Bouboir mußten noch zwei bovon stehen, mit Sanb gefüllt, um ba» Umfaßen zu verhinbern.
Sie wog bie Vase in bet Honb. Der Bursche sollte gelegentlich Sonb in ba« leichte Thongeräthchen schütten wegen ber „ganz besonderen Sorgfalt".
Anne-Marie biß fich auf bie Lippen. War sie verstimmt wegen ber Vase ober wegen be« hastigen Abschied» ? Sie vergaß do« Singen unb Summen an biesem Vormittag, — doch al« fie ben Eßtisch zum ersten Mittagsmahl mit Blumen schmückte, da verflog ihr Groll, unb ber heimkehrenbe Mar fanb ein liebe», vergnügte» Frauchen vor.
Er brachte neben einet ganzen Menge hübscher, lustiger Neuigkeiten ein paar Theaterbillets mit noch Hau», regte eine Spazierfahrt an. — Sv floß bet Tag hin in ungetrübter Eintracht.
Alles schien in schönster Drbnung zu sein. Nut konnte fich Anne-Marie in ber Nacht nicht enthalten, von bet Vase zu träumen. Da» schöngeformte Geräth verwandelte fich in ein schlanke», blasse» Weib, ba» Max bie Waffen reichte bei Gelegenheit eine» au»brechenben Krieges.
Mit dem Gedanken an diesen ausbrechenden Krieg erwachte Anne-Marie unb suchte bie Sonnenstrahlen, welche gestern einen lustigen Tanz auf ihrer Bettdecke ausgeführt hatten. Doch ber Himmel war grau eingefchleiett unb hatte keine golbschimmemben Boten entfenbet.
Anne-Marie, bie schon hn Elternhause bamit geneckt worben war, baß graue Wolken stets graue Stimmung bei ihr machten, bemühte fich, al» gesetzte Frau eines Premier
^emlleton.
Pie Fase.
Novellette von A. Schoebel.
(Nachdruck verboten )
Der Premierlieutenant Erharb war mit seiner jungen Frau von ber Hochzeitsreise zurückgekehrt. Natürlich hatte man nach allerhöchstem Vorbilb eine Norblanbstour gewählt, Molde berührt, das schöne Bergen, ben Dom von Drontheim berounbert unb bet Esküstuna ebenso ungewöhnliche wie übet« flüssige Dinge eingekauft unb war schließlich in angenehmer Ab gespannt h eit, eine« leisen Heimweh« voll, zurückgekehrt, um fich nach bem unruhigen Leben auf Schiffen, in Hotel« so recht in bie Behaglichkeit be» neuerbauten Heim« ein^ufpinnen.
Leiber ging ber Urlaub de» jungen Offizier» mit dem Tage ber Rückkehr zu Enbe. Schon am Morgen nach ber Ankunft in ber kleinen, von üppig blühender Klemati« um« rankten Billa mußte da» bequemere Kimi ber straff fitzenben Uniform weichen.
Tabelle» abjustirt trat Lieutenant Mor in ba» Früh- stückszimmer.
„Wie gut Dir ber rothe Kragen steht", rief Frau Anne« Marie stolz unb küßte ba» junge, braune Gesicht i^refi Gatten. Sie feroirte ihm ein kräftige» Frühstück unb entnahm fobann ihrem Schlüffelkörbchen ein hübsch gewirkte» Tuch.
„Ich will jetzt Staub wischen", meinte fie wichtig. »Du sollst sehen, Max, wie blank unser Nestchen stet» sein wirb.“
„Dazu hab ich mir ja auch so einen lieben kleinen Hausgeist, so ein emfige» Käferchen ausgesucht", entgegnete er
zärtlich. „Konnte mich nie für anspruchsvolle Frauen | intereffiren —" i
Er verstummte plötzlich, sprang hastig auf unb machte einen Gang burch» Zimmer. Dann brehte er fich auf bem Absatz herum. „Was ich noch sagen wollte, Schatz. Ich habe aus meinen Schreibtisch eine Vase gesetzt, von Terracotta, sehr zerbrechlich. Sie hat mir in meinen Junggesellentagen stet« bei ber Arbeit gegenüber gestanben. Ich empfehle sie Deiner belonberen Sorgfalt." Er zog seine Uhr. „Herr Gott, schon so spät — da muß ich ja brausen--Adieu,
Anne-Marie!" Die Mütze aufgestülpt, nach Säbel unb Hanbschuhen gegriffen, unb fort war er.
Wie versteinert blickte ihm bie junge Frau nach. „Abieu, Anne-Marie!" Weiter nicht». Kein herzzerreißenber Abschieb mit Küssen unb Umarmungen feinerfeit«, ein paar thauigen Thränen ihrerseits, wie währenb ber Reife, wenn Max auf fünf Minuten bavvngegangen war, um sich eine Zeitung, feiner jungen Frau ein paar Rosen zu laufen.
Gleich einer Trauerfahne senkte fich bas Staubtuch. Mißmuthig tröbelte Anne-Marie hinüber in ba» Arbeit», zimmer ihre» Gatten, bas, im strengsten Stil gehalten, keinen überflüsfigen Gegenstanb auswie». Auch bie Platte bes großen Schreibtisches zeigte nur die nöthigsten Gebrauchsgegenstänbe. Aber zwischen benselben, leichtfertig schlank, „aus Terracotta unb zerbrechlich", thronte eine Safe. Unb Max hatte biefe Base ber beionberen Sorgfalt feiner jungen Gattin empfohlen.
Mit leis bibenben Fingern hob Anne-Marie ba» ominöse Ding empor unb betrachtete bie Malerei auf bem urnenförmigen Geräth. Schwarze Lmien — nach etruskischer Art. Ein Deckelchen steckte festschließenb in bem schlanken Hal».


